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Was kommt?

Die Chefvolks­wirtin und Bereichs­leiterin Research Dr. Gertrud R. Traud über FinTechs, Fach­kräfte­mangel und die fort­schrei­tende Digitali­sierung.

Frau Dr. Traud, was, wenn die Digitali­sierung in der Finanz­branche weiter an Bedeu­tung gewinnt?

Dann sorgen neue Tech­nologien für eine Disruption der Geschäfts­modelle. Die enormen Investi­tionen in die IT belasten vorerst die Gewinne. Der technische Wandel birgt aber auch Chancen zur Effizienz­steigerung. Ich bin überzeugt, dass mittel­fristig die Häuser als Gewin­ner aus dem in­nova­tiven Prozess hervorgehen, die heute aus einer Position der Stärke heraus agieren und den tech­nischen Wandel anführen.

Wenn Banken zum Beispiel künftig mehr mit un­abhän­gigen FinTechs kooperieren...

... dann könnten beide davon profitieren. Die Digitali­sierung schreitet mit großer Geschwin­digkeit voran. Digitale Prozesse und Kundenangebote sind Voraus­setzungen für erfolgreiche Geschäfts­modelle geworden. Der hohe Inno­vations­druck verschärft den Wettbewerb. Inzwischen arbeiten die Institute häufig partner­schaftlich mit FinTechs zusammen oder haben sogar Beteiligungen daran erworben.

Was passiert, wenn der Fach­kräfte­mangel in Deutsch­land noch weiter zunimmt?

Dann kostet das Wachstum. Umfragen unter Unter­nehmen zeigen, dass Arbeits­kräfte in Deutsch­land im europäischen Vergleich bereits sehr knapp sind. Die hervor­ragende Wirtschafts­entwicklung in den vergan­genen Jahren hat den Bedarf an Fach­kräften noch erhöht. Damit ist klar: Die „Rente mit 63“ ist ein Fehler. Zurzeit nehmen jährlich mehr als 250.000 Arbeit­nehmer­innen und Arbeit­nehmer diese Rente ohne Abschläge in Anspruch. Unent­behrliche Fach­kräfte verlassen die Betriebe früher. Um dem ent­gegen­zuwirken, sollte stärker in die Qualität der Aus­bildung investiert werden. Zu häufig weisen Schul­abgän­ger­innen und -abgänger Kompetenz­mängel in Basis­fähig­keiten auf. Auch die Weiter­bildung der Beschäf­tigten ist ein Schlüs­sel zur digitalen Arbeits­welt. Zusätzlich muss aufgrund der niedrigen Geburten­zahlen in Deutsch­land die Einwan­derung von quali­fizierten Fach­kräften forciert werden.

Wenn die Produk­tivität also durch die Digitali­sierung steigen soll ...

... dann gelingt das im verar­beitenden Gewerbe, im Verkehrs- und Handelsgewerbe sowie im Bereich Information und Kommuni­kation, wo die Produktivität bereits deutlich erhöht werden konnte. So hat seit 2010 das deutsche Brutto­inlands­produkt real um etwa 1,8 Prozent p. a. zugenommen. Die Arbeits­produktivität je geleisteter Arbeits­stunde erreichte jedoch nur die Hälfte dieses Zuwachses. Dies liegt größten­teils daran, dass in wichtigen Dienst­leistungs­sektoren die Pro­duk­tivi­tät nahezu unver­ändert geblieben ist. Das ist auch kein Wunder, denn gerade bei sozialen, medizinischen und Aus­bildungs­leistungen lässt sich die Produktivität nur schwer anheben. Darüber hinaus werden einige neue Produkte beispiels­weise im Bereich der sozialen Medien von den Nutzern zwar sehr geschätzt, ihre Produk­tivitäts­effekte dürften aber überschaubar sein.

Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba
Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba

Dr. Gertrud R. Traud

Seit 14 Jahren ist Dr. Gertrud R. Traud Chef­volks­wirtin der Helaba – und bis heute die einzige Frau in dieser Position in Deutsch­land.

Gemein­sam mit ihrem Research-Team veröf­fent­licht sie neben zahl­reichen weiteren Publi­katio­nen jährlich im Herbst „Märkte und Trends – Der Jahres­ausblick für Kon­junk­tur und Kapital­märkte“ und ent­wickelt dafür verschie­dene welt­wirt­schaftliche Szena­rien für das kom­mende Jahr, die immer einem Motto folgen. So lautet das Haupt­szenario für das Jahr 2019: „Welt­wirtschaft im Fitness­studio“. Ihre Prog­nosen haben sich bisher als äußerst treff­sicher erwiesen.

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