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Mit Was­ser­stoff durch den Tau­nus

Nah­ver­kehrs­zü­ge im Tau­nus fah­ren künf­tig emis­si­ons­frei 

Keine Diesel­abgase mehr auf der Zug­stre­cke - im Tau­nus wird das bald Rea­li­tät. Denn die Nah­ver­kehrs­zü­ge des RMV wer­den künf­tig von Brenn­stoff­zel­len an­ge­trie­ben. Als einzige Emissionen fallen dabei nur noch Wasserdampf und Kondenswasser an. Laut Rhein-Main-Ver­kehrs­ver­bund fah­ren im Taunus in fünf Jah­ren so vie­le emis­si­ons­frei­e Bah­nen wie nir­gends sonst auf der Welt. Die He­la­ba hat da­für die ebenso nach­hal­ti­ge Fi­nan­zie­rung gestemmt - im Re­kord­tem­po.

Bild oben © Alstom/René Frampe

Öko­lo­gische Wen­de: In­ter­view mit Knut Rin­gat, RMV

Prof. Ringat, Geschäfts­füh­rer und Spre­cher des Rhein-Main-Ver­kehrs­ver­bund­es, skiz­ziert in fünf Fra­gen wie um­welt­scho­nend der RMV ist und was ihm wich­tig bei der Fi­nan­zie­rung die­ses Pro­jek­tes war.

Herr Prof. Ringat, Sie haben für den RMV 27 mo­der­ne, um­welt­scho­nen­de Was­ser­stoff-Brenn­stoff­zel­len-Trieb­fahr­zeu­ge an­ge­schafft. Wie passt die­se In­ves­ti­tion in die Stra­te­gie des RMV?

Es gibt kaum einen Ver­kehrs­trä­ger, der so um­welt­freund­lich ist wie der Öf­fent­li­che Per­so­nen­nah­ver­kehr. Rund 90 Pro­zent des Ei­sen­bahn­per­so­nen­ver­kehrs wird heu­te e­lek­trisch er­bracht. Das ist schon gut, aber auf vielen Ne­ben­stre­cken sind noch Die­sel­fahr­zeu­ge un­ter­wegs, die lau­ter sind und na­tür­lich ei­ne schlech­te­re Schad­stoff­bi­lanz ha­ben. Eine Stre­cke zu elek­tri­fi­zie­ren ist aber ein auf­wän­di­ges Un­ter­fang­en, das nicht über­all wirt­schaft­lich ist. Wo es sich an­bie­tet, se­tzen wir des­halb auf al­ter­na­ti­ve An­trie­be. Der Kauf der Brenn­stoff­zel­len­fahr­zeu­ge ist für uns da­her ein Rie­sen­schritt hin zu ei­ner Mo­bi­li­tät oh­ne Schad­stof­fe.

„Wenn wir die Ver­kehrs­wen­de schaf­fen wol­len, dür­fen wir nicht da­vor zu­rück­scheu­en, groß zu den­ken und Jahr­hun­dert­pro­jek­te wie den Fern­bahn­tun­nel an­zu­ge­hen."

Prof. Knut Ringat
Ge­schäfts­füh­rer und Spre­cher des Rhein-Main-Ver­kehrs­ver­bun­des

Wie sieht die Zu­kunft des öf­fent­li­chen Nah­ver­kehrs im Rhein-Main-Ge­biet aus?

Der Bal­lungs­raum wird im­mer weiter wach­sen und da­mit auch un­se­re Fahr­gast­zah­len. 2018 ha­ben wir 788 Mil­lio­nen Fahr­ten in unserem Ge­biet ver­zeich­net, das sind 34 Mil­lio­nen mehr als im Vor­jahr. Wir gehen da­von aus, dass 2030 noch ein­mal 30 Pro­zent mehr Fahr­gäs­te unsere Bus­se und Bah­nen nut­zen – da­bei fah­ren wir schon heu­te in den Haupt­ver­kehrs­zei­ten vie­ler­orts an der Be­las­tungs­gren­ze. Der Aus­bau ei­nes zu­ver­läs­si­gen An­ge­bots ist des­halb un­se­re wich­tig­ste Auf­ga­be. Das geht aber nur, wenn gleich­zei­tig von Bahn und Po­li­tik die Infra­struk­tur aus­ge­baut wird, da­mit wir mehr Platz auf den Schie­nen für zu­sätz­li­che Zü­ge ha­ben. Hier pas­siert im Mo­ment schon viel, zum Bei­spiel mit der Re­gio­nal­tan­gen­te West und der Nord­mai­nisch­en S-Bahn. Da­rauf dür­fen wir uns aber nicht aus­ru­hen. Wenn wir die Ver­kehrs­wen­de schaf­fen wol­len, dür­fen wir nicht davor zu­rück­scheu­en, groß zu den­­ken und Jahr­hun­dert­pro­jek­te wie den Fern­bahn­tun­nel an­zu­ge­hen.

Vor wel­chen He­raus­for­de­rung­en sieht sich der RMV bei der öko­lo­gi­schen Wen­de?

Die größ­te Heraus­for­de­rung ist derzeit, dass die Nach­fra­ge nach um­welt­freund­li­chen Tech­no­lo­gien viel grö­ßer ist als das An­ge­bot. Vie­le un­se­rer Part­ner­un­ter­neh­men wol­len zum Bei­spiel Elek­tro­bus­se an­schaf­fen, aber es gibt keine auf dem Markt und wenn doch, dann mit langen Lie­fer­zei­ten. Außer­dem sind Elek­tro- und Brenn­stoff­zel­len­fahr­zeu­ge teurer in der An­schaf­fung als ein Die­sel­fahr­zeug, das gilt für Busse wie auch für Züge. Ohne fi­nan­ziel­le För­de­rung von­sei­ten der öffen­tlich­en Hand ist es des­halb schwie­rig, kli­ma­freund­li­che Fahr­zeu­ge an­zu­schaf­fen. Als un­se­re RMV-Toch­ter fah­ma im Mai diesen Jahres die 27 Brenn­stoff­zel­len­fahr­zeu­ge ge­kauft hat, hat der Bund 40 Pro­zent der Fahr­zeug­mehr­kos­ten über­nom­men. Wir hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht.

„Der Kauf der Brenn­stoff­zel­len­fahr­zeu­ge ist für uns ein Rie­sen­schritt hin zu einer Mobi­lität ohne Schads­tof­fe."

Prof. Knut Ringat
Geschäftsführer und Sprecher des Rhein-Main-Ver­kehrs­ver­bun­des

Prof.Knut Ringat geht den ökologischen Wandel engagiert und ohne Denkverbote an
Prof.Knut Ringat geht den ökologischen Wandel engagiert und ohne Denkverbote an

Und die Fi­nan­zie­rung?

Herr Prof. Ringat, welche Er­war­tung hatten Sie an das Fi­nanz­insti­tut, das Ihre Inves­ti­tio­nen begleitet?

Im Vordergrund steht natürlich eine verlässliche Fi­nan­zie­rung zu attraktiven Kon­di­tio­nen. Da­mit das gut funk­tio­niert, haben für uns auch eine ko­ope­ra­ti­ve und sach­kun­di­ge Zu­sam­men­ar­beit einen hohen Stel­len­wert.

Sie haben sich für eine Part­ner­schaft mit der Helaba ent­schie­den. Was schätzen Sie an der Zu­sam­men­ar­beit mit der Lan­des­bank?

Zunächst die kons­truk­tive Zu­sam­men­ar­beit und die hohe Kom­pe­tenz, was Pro­jek­te in der Mo­bi­li­täts­bra­nche angeht. Durch die Na­mens­schuld­ver­schrei­bung konnte die He­la­ba uns hier besonders gute Kon­di­tio­nen zu einer langen Lauf­zeit anbieten. Her­vor­he­ben will ich außerdem noch die extrem schnelle Be­ar­bei­tung – trotz kom­plex­er Sach­la­ge sind nur wenige Wochen vom ersten Gespräch bis zum Ver­trags­ab­schluss ver­gang­en, und die Kolle­gin­nen und Kollegen der Bank waren auch an Wo­chen­en­den und Fei­er­ta­gen je­der­zeit für uns da, das ist alles andere als selbst­ver­ständ­lich.

„Trotz kom­plex­er Sach­lage sind nur wenige Wo­chen vom ers­ten Ge­spräch bis zum Ver­trags­ab­schluss ver­gang­en, und die Kol­le­gin­nen und Kollegen der Helaba waren auch an Wochenenden und Feier­tagen jeder­zeit für uns da. Das ist alles andere als selbst­verständlich."

Prof. Knut Ringat
Geschäftsführer und Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbundes

Testzug mit Wasserstoff-Brennstoffzelle (c)Alstom/Michael Wittwer
Testzug mit Wasserstoff-Brennstoffzelle (c)Alstom/Michael Wittwer

Defini­tion von Nach­haltig­keit

gemäß Brundt­land-Bericht von 1987:

„Nach­haltige Entwicklung ist eine Ent­wicklung, die die Bedürf­nisse der Gegen­wart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künf­tige Genera­tionen ihre eige­nen Bedürf­nisse nicht be­friedi­gen können.“

Das Pro­jekt

Für die Linien 11, 12, 15 und 16 des Tau­nus­net­zes will der Rhein-Main-Ver­kehrs­­ver­bund 27 künf­tig mo­der­ne, um­welt­scho­nen­de Was­ser­stoff-Brenn­­stoff­zel­len-Trieb­­fahr­­zeu­ge ein­set­zen. Die Be­triebs­­aufnah­me soll im De­zem­ber 2022 er­fol­gen. Die Helaba erhält am 7. Mai 2019 den Zuschlag für die Fi­nan­zie­rung des Pro­jek­tes. Die be­son­de­re He­raus­for­de­rung: Zwi­schen Man­da­­tie­rung und Erst­­­aus­zah­lung lie­gen nur sie­ben Wo­­chen.

RMV Geschäftsführer Prof. Knut Ringat (Mitte) nach Abschluss des Projekts mit Helaba
RMV Geschäftsführer Prof. Knut Ringat (Mitte) nach Abschluss des Projekts mit Helaba

RMV Geschäftsführer Prof. Knut Ringat (Mitte) nach Abschluss des Projekts mit Helaba Vorstand Dr. Norbert Schraad (rechts) und Dr. Georg Napp, Bereich Öffentliche Hand

                                         
Investment27 Wasserstoff-Brennstoffzellen-Triebfahrzeuge für den Rhein-Main-Verkehrsverbund
Kreditnehmerfahma GmbH, 100% Tochter des RMV
FinanzierungsvolumenEUR 151 Mio.
FinanzierungstypEmission von Namensschuldverschreibungen, Festzins über die Gesamtlaufzeit, Refinanzierung über WIBank
Laufzeit23 Jahre
Funktion der HelabaMandated Lead Arranger
BereichCorporate Finance
ClosingJuni 2019

Hinter den Kulissen

Lernen Sie die an diesem Projekt beteiligten Bereiche kennen!

WIBank

Als Förder­bank unter­stützt die Wirtschafts- und Infra­struktur­bank die wirtschaft­liche und struk­turelle Ent­wicklung in Hessen.

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