#Story

Was kommt?

Die Chef­volks­wirtin Dr. Gertrud R. Traud über COVID-19, Trump, den Brexit und Risiken am Wohnungs­markt.

Was passiert, wenn das Coronavirus die Welt noch länger in Atem hält?

Das Corona­virus hat eine Pande­mie ausgelöst. Drastische Maß­nahmen wie Ausgangs­be­schränk­ungen sollen die An­steckungs­gefahr ein­dämmen. Diese bringen jedoch das wirt­schaft­liche Leben weit­gehend zum Er­liegen. Eine welt­weite Rezes­sion ist 2020 un­ver­meidbar. Geld- und fiskal­politische Pakete von un­geahn­tem Aus­maß sollen ins­beson­dere die Zahl der Firmen­pleiten und den An­stieg der Arbeits­losig­keit in Grenzen halten. Mit etwas Ver­trauen in den medi­zi­nischen Fort­schritt sollte es mittel­fristig möglich sein, COVID-19 in den Griff zu be­kommen. Jedoch ist die Welt dann eine andere. Die Staats­ver­schul­dung wird deutlich steigen. Je nach Länge der Krise und den Maß­­nahmen in den einzel­nen Ländern könnte der Staat künftig vermehrt das Wirt­schafts­geschehen lenken und die Markt­kräfte zurück­drängen. 

Was passiert, wenn der US-ameri­kan­ische Präsident wieder­gewählt wird?

Selbst wenn die aus medi­zi­ni­schen Gründen auf­erlegten Handels­schranken auf­grund des Corona­virus – hoffent­lich bald – auf­gehoben sein werden, muss sich der interna­ti­onale Handel an ein raueres Klima ge­wöhnen. Die Aus­wirk­ungen der Corona-Krise werden in den USA voraus­sicht­lich im zweiten Quartal die größten negativen Spuren hinter­lassen. Da Donald Trump im November wieder­gewählt werden möchte, steht er vor der Frage, ob er protek­tionis­tisch oder als starker Wirtschafts­mann auftreten will. In der Ver­gangen­heit ent­schied er sich für Ersteres, indem er die Be­drohung durch andere Länder bei­spiels­weise durch potenz­ielle Arbeits­platz­verla­gerungen pos­tu­lierte. Un­längst sprach er vom „China­virus“, um eben­falls auf die externen Ge­fahren zu ver­weisen. Da er jedoch in der Ver­gang­en­heit das Wirtschafts­wachs­tum und den Aktien­markt als Grad­messer seines Er­folges defi­nierte, be­nötigt er für seine Wieder­wahl eine starke Kon­junktur und damit auch einen dyna­mi­schen Welt­handel. So ist es wahr­scheinlich, dass er zu­mindest bis zu den Wahlen eher welt­offen auf­treten wird. Danach könnte er jedoch zu seinem alten, protek­tio­nistischen Ansatz zurück­kehren. Allerdings bleibt zu be­achten, dass die Demo­kraten ebenfalls keine Freunde des Frei­handels sind. 

Was passiert mit dem Wohnungs­markt, wenn Deutsch­land in eine Rezession fällt?

Wir er­warten, dass das deutsche Sozial­produkt 2020 um mindes­tens vier Prozent ein­brechen wird. Dann ist der ohne­hin bereits sehr lang andau­ernde Auf­schwung erst ein­mal vor­bei. Die Wohn­immo­bi­lien­preise werden zu­nächst nicht mehr weiter steigen, in einigen be­sonders hoch be­werteten Seg­men­ten ver­mutlich sogar sinken. Zwar bleiben die Leit­zinsen auf­grund der Corona-Krise noch länger extrem niedrig, die starken Ausgaben­er­höhungen des Staates führen jedoch tenden­ziell zu einem Auf­schlag der Zinsen am Kapital­markt. Durch die Anleihe­käufe der Euro­päischen Zentral­bank kann dies zwar etwas ab­ge­federt werden, jedoch ist zu er­war­ten, dass auch Deutsch­land eine Risiko­prämie zahlen muss. Sollte mittels Kurz­arbeiter­geld der Anstieg der Arbeits­losen­quote ver­halten und auch die Zahl der Insol­venzen in Grenzen bleiben, würde die Nach­frage nach Immo­bilien nur tempo­rär ge­bremst. Ins­ge­samt gilt jedoch auch hier, dass die Politik immer mehr zu nicht markt­konfor­men Maß­­nahmen greift, obwohl dadurch die Schere zwischen An­gebot und Nach­frage am Wohnungs­markt nicht ge­schlos­sen werden kann. 

Was passiert, wenn dem voll­zogenen Brexit keine Eini­gung über die zukünfti­gen Be­­zieh­ungen zwischen Groß­­britannien und der EU folgt?

Falls sich die Briten mit der EU wider Erwarten nicht einigen können, droht Ende 2020 eine abrupte Ein­führung von Grenz­kontrollen. An­fangs wären aufgrund orga­ni­sato­rischer und recht­licher Schwie­rig­keiten Ver­werf­ungen im Außen­handel kaum zu ver­meiden. Die briti­sche Wirt­schaft würde leiden, auch in der EU und vor allem in Deutsch­land hätte die Export­wirt­schaft Ein­bußen zu ver­kraften. Daher dürfte ein „No Deal“ die Wirt­schaft spürbar treffen, ins­beson­dere dann, wenn die Welt sich ver­mutlich gerade aus der Corona-Rezes­sion zu be­freien versucht.

Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba
Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba

Dr. Gertrud R. Traud

Seit 15 Jahren ist Dr. Gertrud R. Traud Chef­volks­wirtin der Helaba – und bis Oktober 2019 war sie auch die einzige Frau in dieser Position in Deutsch­land. Gemein­sam mit ihrem Re­search-Team ver­öffent­licht sie neben zahl­reichen weiteren Publi­kati­onen jährlich im Herbst „Märkte und Trends – Der Jahres­ausblick für Kon­junktur und Kapital­märkte“. Darin ent­wickelt sie ver­schie­dene welt­wirt­schaft­liche Szenarien für das kommende Jahr, die immer einem Motto folgen. So lautet das Haupt­szenario für das Jahr 2020: „Vor­hang auf! Melo­dram – nächster Akt“. Ihre Pro­gnosen haben sich bisher als äußerst treff­sicher erwiesen.

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