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Am nördlichen Ende des Ben-Gurion-Rings in Frankfurt entsteht ein Quartier im Quartier. Bauherr des Projekts „Grünhoch2“ ist die GWH Wohnungsgesellschaft.

Lebens­räume

Die GWH und die Stadt Frank­furt setzen am „Bügel“ neue Im­pul­se

Die Großsiedlung am Ben-Gurion-Ring im Norden Frankfurts wird aufgewertet: Bis zum Jahr 2023 errichtet die Helaba-Tochter GWH Wohnungsgesellschaft (GWH) 330 Wohnungen für etwa 850 Menschen. Zugleich erhält das Quartier neue Impulse durch das Programm „Sozialer Zusammenhalt“, das das Areal städtebaulich aufwertet und gesellschaftlich stärken soll.

„Vieles ist hier ganz anders, als man vermutet – und vieles ist besser.“ Wibke Hübener, Quartiersmanagerin der Frankfurter Siedlung am Ben-Gurion-Ring, erzählt schon, während sie noch auf Parkplatzsuche am Lenkrad kurbelt. Die Fahrt zum Ring führt vorbei an fensterlosen Rückwänden von Parkhäusern, hinter denen zehngeschossige Wohngebäude in den Himmel wachsen. Und an einer großen Baustelle. Bald ist ein Parkplatz gefunden. Auf dem kurzen Fußmarsch zu ihrem Büro beginnt die Diplom-Ingenieurin zu erklären, was hier seit einigen Jahren passiert.

Das öffentliche Image der Siedlung sei – gelinde gesagt – mäßig, und das findet sie absolut nicht gerechtfertigt. „Die Menschen, die hier wohnen, fühlen sich wohl und halten zusammen. Es ist eine tolle Nachbarschaft, und wir arbeiten gemeinsam daran, dass das auch von außen bemerkt wird“, sagt sie, während sie ihr Büro aufschließt. Das Quartiersbüro liegt im Erdgeschoss einer Gebäudezeile am nördlichen Rand des „Bügels“, wie die Siedlung im Frankfurter Volksmund in Anlehnung an den ehemaligen Flurnamen der Anhöhe auch genannt wird. Bäcker, Friseur, Apotheke und ein Haushaltswarenladen reihen sich hier aneinander, im Obergeschoss befinden sich einige Arztpraxen. Hinter Hübeners Bürofenster steht eine große Modelleisenbahn. Ältere Herren aus der Siedlung haben sie dort vor Weihnachten aufgebaut, und „die Kinder haben sich wochenlang die Nasen am Fenster plattgedrückt“.

Am Ben-Gurion-Ring wurden in den 1970er-Jahren mehr als 1.600 überwiegend öffentlich geförderte Wohnungen gebaut. Rund 1.000 davon gehören der GWH.
Am Ben-Gurion-Ring wurden in den 1970er-Jahren mehr als 1.600 überwiegend öffentlich geförderte Wohnungen gebaut. Rund 1.000 davon gehören der GWH.

 330

Wohnungen errichtet die Helaba-Tochter GWH Wohnungsgesellschaft bis zum Jahr 2023. 

GWH

Wohnungs­gesell­schaft mbH Hessen
Wohnungs­bewirt­schaftung und Bau­träger­geschäft für private und gewerbliche Kunden

Westerbachstrasse 33
60489 Frankfurt am Main
T +49 69/97 55 1-0

Es geht kaum bun­ter

Der Ben-Gurion-Ring liegt zwischen den Frankfurter Stadtteilen Nieder-Eschbach und Bonames. Benannt nach David Ben Gurion, dem Staatsgründer Israels, wurden hier in den 1970er-Jahren mehr als 1.600 überwiegend öffentlich geförderte Wohnungen gebaut. Rund 1.000 davon gehören der GWH Wohnungsgesellschaft, einer Tochter der Helaba. 4.400 Menschen aus 46 Nationen wohnen hier. „Bunter geht es in Deutschland kaum“, sagt Hübener. Das Viertel zählt zu jenen typischen Großwohnsiedlungen, die als Reaktion auf die Herausforderungen der Nachkriegsjahrzehnte errichtet wurden. Wohnraum in gewaltigem Umfang war im Krieg zerstört worden. Gleichzeitig strömten Millionen Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten ins Land. Hinzu kamen die anhaltende Landflucht der Wirtschaftswunderzeit und die hohen Geburtenraten der 1960er-Jahre.

Menschen in ganz Deutschland brauchten dringend Wohnraum. Planer und Architekten antworteten auf den Bedarf in vielen Großstädten mit Vorhaben, die „schnelles, flexibles, sozialmietverträgliches und billiges Bauen“ ermöglichen sollten. So heißt es in „Mach deinen Bügel“, einer Veröffentlichung der Stadt Frankfurt zum städtebaulichen Entwicklungskonzept des Quartiers. Auf dem Tisch ihres Büros zeigt Hübener stolz das dicke, bunt gebundene Buch. Dort ist der Neustart dokumentiert, den das Quartier gemeinsam mit der Stadt Frankfurt seit 2017 erarbeitet hat. Zwei Jahre zuvor hatte die Stadt den Ben-Gurion-Ring bei dem Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ angemeldet. Das vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt geförderte Programm für Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf heißt heute „Sozialer Zusammenhalt“.

„Es geht um die Frage, wie die Siedlung am Ben-Gurion-Ring umgestaltet werden kann. Und ich kann mir keine besseren Experten dafür vorstellen als die Bewohnerinnen und Bewohner selbst.“

Wibke Hübener

„Es geht um die Frage, wie die Siedlung am Ben-Gurion-Ring umgestaltet werden kann. Und ich kann mir keine besseren Experten dafür vorstellen als die Bewohnerinnen und Bewohner selbst“, sagt Hübener. Bei Workshops, Gesprächsrunden und Aktionen kamen sie mit externen Fachleuten zusammen. Das Ergebnis sind 16 Maßnahmen – von der Arbeit am Image des Stadtteils über die Aufwertung der Grünflächen bis hin zum Quartierscafé als Nachbarschaftstreff. Auch das Quartiersmanagement, für das Hübener vor Ort zuständig ist, gehört zu diesem „integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept“, kurz ISEK.

Soziale Stadt

4.400 Menschen aus

46 Nationen

wohnen bereits in den rund 1.000 Wohnungen der GWH am Ben-Gurion-Ring

Sämtliche Wohnungen in den fünf- und sechsstöckigen Gebäuden werden vermietet, 30 Prozent unterliegen zudem der öffentlichen Förderung.
Sämtliche Wohnungen in den fünf- und sechsstöckigen Gebäuden werden vermietet, 30 Prozent unterliegen zudem der öffentlichen Förderung.
Wibke Hübener, Quartiersmanagerin im Quartiersbüro „Ben-Gurion-Ring“
Wibke Hübener, Quartiersmanagerin im Quartiersbüro „Ben-Gurion-Ring“

Ergän­zungs­be­bau­ung so­zial­ver­träg­lich ge­stal­ten

Die Tür zum Büro öffnet sich. Herein kommt Christian Wedler, Geschäftsführer von GWH Bauprojekte. Als größter Eigentümer der Siedlung hat die GWH seit 2015 vor, die Siedlung durch ein Neubaugebiet zu ergänzen. „Wir wollen nicht nur dringend benötigten Wohnraum für Frankfurt schaffen. Unser Ziel ist auch, das gesamte Quartier aufzuwerten. Dazu gestalten wir neue öffentliche Flächen und neue Infrastrukturen sowohl für die Menschen, die hier bereits leben, als auch für die, die hier leben werden“, sagt Wedler, dessen Steckenpferd Ergänzungsbebauungen sind.

„Wir wollen nicht nur dringend benötigten Wohnraum für Frankfurt schaffen. Unser Ziel ist auch, das gesamte Quartier aufzuwerten. Dazu gestalten wir neue öffentliche Flächen und neue Infrastrukturen sowohl für die Menschen, die hier bereits leben, als auch für die, die hier leben werden.“

Christian Wedler

„Mit 330 Wohnungen schaffen wir ein neues, kleines Quartier und schließen damit zugleich den Ring.“ Auch für ihn persönlich schließt sich mit dem Projekt ein Kreis. „Gerade erst bei der GWH eingestiegen, stand ich vor 25 Jahren hier und bestaunte als Junge vom Land die hohen Gebäude“, erinnert er sich. „Heute weiß ich, wie die GWH die Siedlung in diesen 25 Jahren vorangebracht hat.“ Viel sei investiert worden, was von außen oft nicht wahrgenommen werden könne. Dazu gehören für Wedler neben den Aufwertungen im Inneren der bestehenden Gebäude und Wohnungen auch Verbesserungen der Wege und Flächen. „Aber Grünhoch2 wird im Unterschied dazu eine nach außen sehr gut sichtbare Ergänzung sein“, sagt er und zeigt dabei anhand eines Modells des Ben-Gurion-Rings, wie sich alles zu einem Ganzen fügen wird.

Am nördlichen Ende des Rings entstehen unter dem Projektnamen „Grünhoch2“ neue Wohnungen, Studierendenappartements und eine Kindertagesstätte.
Am nördlichen Ende des Rings entstehen unter dem Projektnamen „Grünhoch2“ neue Wohnungen, Studierendenappartements und eine Kindertagesstätte.
Christian Wedler, Geschäftsführer GWH Bauprojekte
Christian Wedler, Geschäftsführer GWH Bauprojekte
Im Quartiersbüro zeigen Pläne und ein Modell, wie sich am Ben-Gurion-Ring alte und neue Gebäude, Flächen und Wege zu einem Ganzen fügen werden.
Im Quartiersbüro zeigen Pläne und ein Modell, wie sich am Ben-Gurion-Ring alte und neue Gebäude, Flächen und Wege zu einem Ganzen fügen werden.

Die Infra­struk­tur wei­ter­ent­wickeln

Werden mehr Bewohnerinnen und Bewohner eine zusätzliche Belastung für die Siedlung darstellen? Wedler schüttelt den Kopf: „Die Infrastruktur am Ben-Gurion-Ring ist ganz hervorragend, die alltäglichen Besorgungen lassen sich zu Fuß erledigen. Anders als bei Bauprojekten auf dem flachen Land sind hier öffentlicher Nahverkehr, Läden und Ärzte schon vorhanden. Und die neue Bebauung wird sich ohne großen Flächenverbrauch gut eingliedern.“ Um die soziale Infrastruktur durch Kita und Studierendenwohnungen zu verbessern, habe die GWH gleichwohl auch hier viel investiert. Ein Highlight sind für Wedler die privaten und öffentlichen Grünanlagen der Siedlung, für die er sich schon fast enthusiastisch bei den Planern der 1970er-Jahre bedanken will: „Sie haben ein tolles Gefühl und Auge für Begrünungen bewiesen.“

Die Planer legten schon in den 1970er-Jahren großen Wert auf die Begrünung der Anlage.
Die Planer legten schon in den 1970er-Jahren großen Wert auf die Begrünung der Anlage.

„Lassen Sie uns kurz rausgehen und das ansehen“, schlägt Quartiersmanagerin Hübener vor. Der kurze Weg führt zu einem kleinen See, der in der nördlichen Hälfte der Siedlung das Zentrum bildet. Jenseits davon ist die Baustelle mit ihren Neubauten zu erkennen, diesseits liegen wie locker hingestreut ein großer Spielplatz, das „Kinderhaus am Bügel“ und der rote Backsteinbau der katholischen Kirche St. Lioba. Hinter hohen Bäumen, denen noch sämtliches Grün fehlt, sind die Bauten der 1970er-Jahre zu erkennen. Einige sind sichtlich aufwendig saniert worden – mit neuen Fenstern, neuer Dämmung und frischen Farben. Ein paar Kinder spielen, die Baustelle macht sich hin und wieder bemerkbar, doch für eine so große Siedlung mitten in der Stadt ist es still, fast ein bisschen idyllisch.

„Gemeinsam mit dem städte­baulichen Programm wird die Neu­bebauung viel Positives bewirken. Neue Menschen bringen neue Impulse.“

Christian Wedler


Zum Neubauprojekt hat Hübener eine klare Meinung: „Natürlich ist das alles eine Veränderung, und sicherlich wird die Infrastruktur hier in Zukunft stärker genutzt werden. Aber gemeinsam mit dem städtebaulichen Programm wird die Neubebauung viel Positives bewirken. Neue Menschen bringen neue Impulse, wir werden einen Nachbarschaftstreff bekommen und vieles mehr.“ Und mit Blick auf die noch winterlich graugrüne Wiese am See fügt sie lachend hinzu: „Ich wünsche mir hier viele Picknickdecken im Sommer.“

Auch an einem winterlich grauen Märztag fällt es leicht, sich vorzustellen, dass die vielen Plätze und die Wiesen am Bügelsee schon bald wieder voller Leben sein werden.
Auch an einem winterlich grauen Märztag fällt es leicht, sich vorzustellen, dass die vielen Plätze und die Wiesen am Bügelsee schon bald wieder voller Leben sein werden.
Einige der älteren Gebäude sind bereits aufwendig saniert worden – mit neuen Fenstern, neuer Dämmung und frischen Farben.
Einige der älteren Gebäude sind bereits aufwendig saniert worden – mit neuen Fenstern, neuer Dämmung und frischen Farben.

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