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title: "Märkte und Trends 2021: Mit der Nanny durch die Krise"
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updated: 2026-09-28
keywords: News, Kapitalmärkte im Überblick, Kapitalmarktausblick
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# Märkte und Trends 2021: Mit der Nanny durch die Krise

Volkswirtschaft | Research Werte, die bewegen. Märkte und Trends 2021 Mit der Nanny durch die Krise 2 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin / Leitung Research Editorial Gerade in unsicheren Zeiten erhält die Frage „Wer führt uns in die Zukunft?“ einen besonderen Stellenwert. Und dass vieles unklar ist, lässt sich nicht nur an Wirtschaftsindikatoren ablesen. Im Jahr 2020 wurde „lost“ zum Jugendwort des Jahres gekürt – im Sinne von nicht nur ahnungslos, sondern nicht mehr verstehend, was gerade passiert. Geht es Ihnen auch so wie den Jugendlichen? Die aktuelle Situation zählt vermutlich zu den schwierigsten, die wir je erlebt haben. Diese Krise ist noch nicht gemeistert und wir wissen auch nicht, wann wir sie meistern werden. 3 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Sehr geehrte Leserinnen und Leser, wir wissen nicht, wie die Zukunft aussieht, aber wir können Szenarien entwerfen und diesen Wahrscheinlich- keiten beimessen. Für das Jahr 2021 stellen wir die simple und zugleich hochkomplexe Frage: Wer führt uns in die Zukunft? Ist es eine Nanny, ein Poltergeist oder ein Avatar? Die Covid-19-Pandemie hat die Welt verändert. Zum Schutz der Gesundheit wurden Maßnahmen eingeführt, die sich vorher kaum jemand vorstellen konnte: Ausgangssperren, Masken- pﬂicht, Kontaktbeschränkungen, Alkohol-, Beherbergungs- und Versammlungsverbote sowie vieles mehr – also Eingriffe in die persönlichen Rechte und Freiheiten. „Der größte Feind des Wissens ist nicht Ignoranz, sondern die Illusion, wissend zu sein.“ Stephen Hawking (1942 – 2018) Zur Stabilisierung der Wirtschaft haben die Staaten jedoch auch zahlreiche fürsorgliche Maßnahmen für Unternehmen und Arbeitnehmer ergriffen: z. B. die Ausweitung des Kurzarbeiter- geldes, Steuersenkungen und -erleichterungen, Soforthilfen, Überbrückungskredite sowie Bürgschaften. Die historischen Interventionen von Regierungen und Notenbanken haben die Nachfrage und die Finanzmärkte stabilisiert, eine tiefe Rezession war aber nicht zu vermeiden. Große Unterschiede zwischen den Ländern Die Auswahl der Maßnahmen zwischen den einzelnen Ländern variiert stark. Manche verfolgen eine extreme Einschränkung und Kontrolle des öffentlichen Lebens für einen längeren Zeitraum, während andere eher kürzere und selektive Lockdowns bevor- zugen, dieses Instrument jedoch öfter einsetzen. Schweden geht den Weg geringer Einschränkungen und arbeitet mit Empfehlungen, wobei die Eigenverantwortung im Mittelpunkt steht. Expliziter Schutz gilt lediglich denjenigen, für die das Virus besonders gefährlich ist. Finanzielle und geldpolitische Unterstützung werden in jedem Land großzügig gewährt. Nanny gefragt Die einzelnen Staaten wollen also das Verhalten ihrer Bürger lenken und gleichzeitig mit unterstützenden Maßnahmen zur Seite stehen. Diese Strategie wird üblicherweise als erzieherische Arbeit bezeichnet. Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Bereiche, in denen Erzie- hung durch verschiedene Verantwortliche statt ﬁndet. Angefangen vom Elternhaus über Bildungseinrichtungen, Seelsorge, Sozial- arbeit und vielem mehr. Daneben gibt es noch die Kinderfrau, das Kindermädchen oder die Gouvernante, die sich viele Familien im strengen Lockdown gewünscht hätten. Für diese Art der Kinder- betreuung hat sich aus dem Angelsächsischen der Begriff der Nanny etabliert, also eine möglichst gut qualiﬁzierte Person, die sich zur Aufgabe gemacht hat, mit großer Fürsorge ein Kind auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten. In der Musical-Welt hat dieses Thema mit „Mary Poppins“ große Erfolge eingespielt, wobei ihre Erziehungsmethoden sehr speziell waren. Mit ihren magischen Fähigkeiten und ihrer 4 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba konstruktiven Grundhaltung schaffte sie es, auch in vermeintlich aussichtslosen Situationen Lösungen zu ﬁ nden. „Wenn die Welt kopfunter hängt, ist es die beste Idee, sich einfach mit ihr umzudrehen.“ Mary Poppins Offensichtlich wäre derzeit auch in der Erwachsenenwelt eine Nanny wünschens- wert, die uns durch die Krise führt. Doch was sind hier die richtigen Maßnahmen und zu welcher Zeit? Unterschiedliche Erziehungsstile In der Wissenschaft gibt es nicht die eine Erziehungsmethode. Die diversen Ansätze unterscheiden sich darin, welche Ziel- setzungen und Normen zugrunde liegen. Entscheidend für den Erziehungsstil ist jedoch die Einstellung des Erziehenden. Allerdings wird die Erziehung auch von der jeweiligen Kultur geprägt, sodass sich diese zwischen den Ländern unter- scheidet und über die Zeit verändern kann. Erziehungselemente können anhand zahl- reicher Merkmale kategorisiert werden, angefangen von Fürsorge über Unterstüt- zung, Einschränkung, Kontrolle bis hin zur Überbehütung. Letzteres stellt eben- so eine Gefahr dar wie die Vernachlässi- gung von Schutzbefohlenen. Dies gilt auch für Volkswirtschaften: Sowohl ein Laissez-faire als auch die umfassende staatliche Bevormundung bleiben nicht folgenlos, wobei der zweite Ansatz seit einiger Zeit immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Risiken der Überbehütung Die kräftige Ausweitung der staatlichen Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen mag kurzfristig angemessen sein. Sie birgt aber mittel- bis langfristige Risiken, nicht nur für die Freiheit des Einzelnen, sondern auch für die ökonomische Dynamik. Angesichts des demograﬁ schen Wandels sind ein großer und moderner Kapitalstock sowie eine hohe Arbeitsproduktivität wichtig, gerade in Deutschland. Wie sich welche Partei im Bundestagswahlkampf 2021 diesbezüglich positioniert, sollte deshalb aufmerksam beobachtet werden. Wer ist bereit, das langfristige Wohl des Schütz- lings über kurzfristige politische Vorteile zu stellen? In der Handels- und Wettbewerbspolitik scheint es derzeit so, als nähme die Gouvernante vielerorts chinesische Gesichtszüge an. In China wird der bisher erfolgreiche Umgang mit der Pandemie als neuerlicher Beweis der Überlegenheit des eigenen Systems interpretiert. Kritik aus dem Ausland verbucht man immer mehr als Neid derer, die nicht von der weisen Führung der Kommunistischen Partei proﬁ tieren. Auch westliche Politiker tendieren vermehrt dazu, den chinesi- schen Erziehungsstil gutzuheißen. Grundprinzip einer guten Erzie- hung sollte es sein, den Zögling auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten. Damit der Zögling irgendwann auf eigenen Beinen stehen kann, ist eine optimale Mischung aus Fürsorge und Unterstützung auf der einen Seite sowie Kontrolle, Verbo- ten und Einschränkungen auf der anderen Seite notwendig. Solche Elemente sind glücklicherweise zumindest in manchen Konjunkturprogrammen zu ﬁ nden. Negatives Alternativszenario: Poltergeist In unserem negativen Alternativszenario verstärkt sich die Unsicherheit noch einmal. Gerade die Dinge, die wir nicht sehen, machen hier Angst. Der Poltergeist ver- körpert dieses Phänomen. Obwohl gestalt- los, schikaniert er Häuser und deren Bewohner. So wird die Weltwirtschaft weiter von dem fast unsichtbaren Virus gequält, sollte kein Impfstoff gefunden 5 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba werden. Aber auch andere Unruhestifter könnten die Verunsicherung erhöhen: z. B. Protektionismus und Nationalismus. Allein die Angst vor diesen Geistern kann die Weltwirtschaft zurück in eine Rezes- sion führen. Positives Alternativszenario: Avatar Nicht alles, was sich gerade verändert, ist schlecht. Die Digitalisierung eröffnet Möglichkeiten, die für viele noch unvor- stellbar klingen. Die neue, aus heutiger Sicht künstliche Welt kann nicht nur medi- zinischen Fortschritt und Arbeitserleich- terungen, sondern auch ein nachhaltiges und produktives Wirtschaften ermöglichen. Der Avatar symbolisiert den erfolgreichen Strukturwandel, neue Erkenntnisse und deren Umsetzung. In diesem Szenario erholt sich die Weltwirtschaft sehr schnell von der Krise. Innovationen treiben den Fortschritt und das Wachstum sowie die Aktienmärkte deutlich an. Wir wissen nicht viel, aber wir können jeden Tag etwas lernen – wenn wir es zulassen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2021. Ihre Chefvolkswirtin/Leitung Research helaba.com/de/research Besuchen Sie unsere Website und entdecken Sie dort zusätzliche Inhalte, Videos und Podcasts. 10 % Avatar 20 % Poltergeist 70 % Nanny 6 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Inhalt 1 2 Editorial Seite 2 Hauptszenario Nanny (70 %) Seite 8 Zinsen und Renten ■ Die Macht am Main 14 Covered Bonds ■ Qualität trägt 16 Credits ■ Neue Normalität 17 Aktien ■ Auf Unterstützung angewiesen 18 Gold ■ Politisch behütet 20 Immobilien ■ Nicht völlig immun 22 Devisen ■ Dollar-Rutsch setzt sich fort 24 Italien ■ Hilfe aus Brüssel 34 Spanien ■ Keine gemeinsame Strategie 35 Schweden ■ Auf eigene Faust 37 Polen, Tschechien, Ungarn ■ Vorschriften – nein danke! 38 Großbritannien ■ Befreiung von der EU-Nanny 40 Länder und Regionen im Hauptszenario Seite 26 Europäische Union ■ Die nächste Generation 27 Deutschland ■ Gestärkt aus der Krise 28 ■ Hessen, Thüringen, Nordrhein- Westfalen und Brandenburg: Mensch ärgere dich nicht! 31 Frankreich ■ Verunsicherungen 33 7 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba 3 4 Negativszenario Poltergeist (20 %) Seite 48 Positivszenario Avatar (10 %) Seite 51 USA ■ Uncle Sam wird’s schon richten 42 Japan ■ Immense Staatsverschuldung 44 China ■ Krisengewinnler 45 Russland ■ Entwicklungsprojekte verschoben 46 Brasilien ■ Wahlgeschenke zu erwarten 47 ■ Prognosetabellen im Hauptszenario 54 ■ Adressverzeichnis 56 ■ Impressum 58 Redaktionsschluss: 5. November 2020 8 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Nanny (70 %) 1 9 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Hauptszenario Mit der Nanny durch die Krise (70 %) Im Zuge der Corona-Krise haben die Staaten weltweit versucht, mit diversen Maßnahmen das Verhalten ihrer Bürger zu lenken und ihnen gleichzeitig unterstützend zur Seite zu stehen. Das ist das, was man üblicherweise unter Erziehung versteht. Auch 2021 wird die Nanny noch aktiv sein. Wir geben diesem Szenario eine Wahrscheinlichkeit von 70 %. Gerade als die Weltwirtschaft begann, sich vom 2018 und 2019 eskalierenden Handelsstreit zu erholen, kam die Covid-19-Pande- mie. Infolge dieses massiven Schocks schrumpfte die Weltwirt- schaft 2020 so deutlich wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Trotz einer regional unterschiedlich ausgeprägten „zweiten Welle“ hat die ökonomische Erholung weltweit ein- gesetzt. Sie sollte im Jahr 2021 zu kräftigen Zuwachsraten beim Output führen. Deutschland wird wohl mit 5 % das höchste Wachs- tum seit Anfang der 1990er Jahre verzeichnen. Allerdings dürfte die Entwicklung über den Durchschnitt der zwei Jahre hinweg wie in den meisten Ländern ziemlich mau ausfallen. In der sehr kurzen, aber heftigen Kontraktion haben die Regierun- gen und Notenbanken mit historischen Interventionen die Finanz- märkte und die Nachfrage stabilisiert. Die Unsicherheit hat etwas abgenommen. Geld- und Fiskalpolitik helfen auch in der Erholung 2020/2021, die Folgen des Schocks wie Firmenpleiten und Arbeits- losigkeit abzumildern. In diesem Hauptszenario wird unterstellt, dass es nicht zu einer Neuauﬂage der landesweiten wochenlangen und vollständigen Lockdowns kommt und im ersten Halbjahr 2021 ein Impfstoff gefunden wird. Wie 2020 werden die Qualität der Gesundheitssysteme und allgemein der Umgang mit der Pandemie durch Politik und Gesellschaft darüber entscheiden, welches Land ökonomisch schlechter abschneidet – und welches besser. Nanny auf dem Vormarsch Deutschland ist in der Krise bislang besser gefahren als viele seiner Nachbarn. Das exportabhängige Land ist aber darauf angewiesen, wie es künftig um die Prinzipien der internationalen Arbeitsteilung und des freien Wettbewerbs bestellt sein wird. Beide sind derzeit bedroht – und zwar vor allem durch staatliche Eingriffe. Unter Brexit-Zollschranken würde Großbritannien mehr leiden als der Rest der EU, aber der deutschen Exportindustrie drohen dennoch Schäden. Wichtiger ist, wie es weitergeht mit der Welthandelsordnung, dem Umgang mit steigenden Schuldenquoten (auch im privaten Sektor), dem Klimawandel und der Digitalisierung. Hier kann der Staat jeweils eine positive oder negative Rolle spielen. In der Handels- und Wettbewerbspolitik nimmt die Gouvernante vieler- orts chinesische Gesichtszüge an. Manche Politiker scheinen zu glauben, dass wir in dieser Hinsicht mehr wie China werden müssen. Dies ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Der Anteil am wirtschaftlichen „Kuchen“, über den der Staat bestimmt, ist in der Krise deutlich gewachsen – auch weil der Kuchen insgesamt geschrumpft ist. Um dies dauerhaft aufrecht- zuerhalten, wären Steuererhöhungen erforderlich. Auf mittlere 10 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Sicht ist mit einer Rückführung der hohen Deﬁ zite auf „normalere“ Niveaus zu rech- nen. Dabei kann es zu einem „Sperrklinken- effekt“ kommen: So wie die Staatsaus- gabenquote nach der Finanzkrise in den G7-Staaten nicht wieder auf ihr Niveau vor 2008 gefallen ist, könnte sie in der neuen Normalität nochmals höher sein, vielleicht sogar deutlich. Erhobene Zeigeﬁ nger (nicht nur) im Eurotower Die Tendenzen, den eigenen Einﬂ uss- bereich zu erweitern, sind besonders bei den Notenbanken sichtbar. Unter dem Motto „Wir wissen es am besten!“ haben nicht gewählte Technokraten ihre Macht ausgedehnt. In einem Prozess, den man im englischsprachigen Raum gerne als „mission creep“ bezeichnet, erklären sich die Notenbanker einseitig für neue Auf- gabenfelder wie Sozial- oder Umweltpolitik zuständig. Hingegen wird die Kernaufgabe der Geldpolitik – die Wahrung der Preis- niveaustabilität – zunehmend in den Hinter- grund gedrängt. 2021 wird hierfür ein gutes Beispiel sein: Trotz spürbar anzie- hender Teuerungsraten werden die Noten- banken ihren Expansionsgrad nicht zurück- führen und teilweise sogar ausweiten. Zudem stellen die Geldpolitiker mit der Null- oder Negativzinspolitik den Regie- rungen scheinbar einen Freibrief für zusätzliche schuldenﬁ nanzierte Maß- nahmen aus. So wird derzeit überall aus dem Vollen geschöpft, verbrämt mit Euphemismen wie „Wiederaufbaufonds“, als seien Fabriken und Straßen durch einen Meteoriteneinschlag zerstört worden. „Umverteilungsfonds“ klingt halt nicht so gut. Sicherheit oder Dynamik? Eine solch kräftige Ausweitung der staatlichen Eingriffe in das Wirtschafts- geschehen mag kurzfristig angemessen sein. Sie birgt aber mittel- bis langfris- tige Risiken nicht nur für die Freiheit des Einzelnen, sondern auch für die ökono- Unsicherheit nimmt ab e lobaler sicherheit Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft / Research \*Economic Policy Uncertainty Index, auf Basis kaufkraftbereinigter BIP-Gewichte. Zur Berechnung werden u.a. Zeitungsberichte herangezogen. Na vatar olter eist ro taatssch l e krise re it Refere m r m r si e t oro a a emie i a z- / irtschaftskrise 0 00 0 200 2 0 00 0 00 0 0 00 0 200 2 0 00 0 00 0 0 0 0 0 11 2 13 14 15 16 17 18 19 20 2 22 Ausgewählte Prognosen für 2021 BIP-Wachstum, Inflation, 1. – 4. uartal 3-Monats-Euribor, –0 0 –0 –0 –0 0 10-jährige Bundesanleihen, –0 0 –0 0 –0 20 –0 20 DAX, e sta 00 00 00 000 0 1,9 BIP-Wachstum, Inflation, 1. – 4. uartal Leitzinsen, –0 0 –0 0 –0 0 –0 0 1 USD/Euro 20 20 2 2 EURO STOXX 50, e sta 20 0 20 0 6,3 1,4 BIP-Wachstum, Inflation, 1. – 4. uartal Leitzinsen Mittelwert , 0 0 0 0 10-jährige Treasuries, % 0 00 00 20 S&amp;P 500, e sta 00 0 00 0 3,8 3,3 Eurozone Deutschland USA 11 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba mische Dynamik. Angesichts des demo- graﬁschen Wandels sind ein großer und moderner Kapitalstock sowie eine hohe Arbeitsproduktivität wichtig – gerade auch in Deutschland. Zunehmende Regulierungsdichte, mehr Bürokratie, steigende Steuer- und Ausga- benquoten – dies sind keine Rezepte für eine dynamische und produktive Wirt- schaft. Ein zu großzügiges Abfedern der ökonomischen Verwerfungen, z. B. durch eine Verlängerung aller Stützmaßnahmen bis Ende 2021, riskiert die Zementierung bestehender Strukturen und könnte zu „Zombie-Unternehmen“ führen. „Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen.“ Stephen Hawking (1942 – 2018) Viele Strukturen drohen ohnehin unge- wöhnlich schnell zu veralten: z. B. durch die Klimawende oder von der Pandemie angestoßene Verhaltensänderungen, gerade im Umgang mit der Digitalisierung. Damit würde ein Fehler wiederholt, den Japan in den 1990er Jahren und die EU nach der Finanzkrise 2008 / 2009 machte. Damals hatte man den nötigen Struktur- wandel aus Rücksicht auf kurzfristige Kosten (z. B. durch Stellenabbau) unter- bunden oder verschleppt. Null zinsen und länger laufende staatliche Stützungs- programme wirken nämlich genau in diese Richtung. Sie verhindern den Wechsel von Ressourcen aus den Branchen von gestern Ausgewählte Prognosen für 2021 BIP-Wachstum, Inflation, 1.–4. uartal 3-Monats-Euribor, – 0 0 – 0 – 0 – 0 0 10-jährige Bundesanleihen, – 0 0 – 0 0 – 0 20 – 0 20 DAX, e sta 00 00 00 000 0 1,9 BIP-Wachstum, Inflation, 1. – 4. uartal Leitzinsen, –0 0 –0 0 – 0 0 – 0 0 1 USD/Euro 20 20 2 2 EURO STOXX 50, e sta 20 0 20 0 6,3 1,4 BIP-Wachstum, Inflation, 1.–4. uartal Leitzinsen Mittelwert , 0 0 0 0 10-jährige Treasuries, % 0 00 00 20 S&amp;P 500, e sta 00 0 00 0 3,8 3,3 Eurozone Deutschland USA 12 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba in die Branchen von morgen. Eine strenge, aber gute Nanny nimmt hingegen auf kurze Sicht auch mal Tränen der Schütz- linge in Kauf – in deren eigenem lang- fristigen Interesse! Prognoseübersicht im Hauptszenario Das Wirtschaftswachstum in Deutsch- land und in der Eurozone fällt 2021 als Gegenbewegung auf die tiefe Rezession im Jahr zuvor mit 5 % und mehr als 6 % sehr stark aus. Die US-Wirtschaft expan- diert mit fast 4 %. Der Preisauftrieb beschleunigt sich – nicht zuletzt dank des im Jahresverlauf kräftig steigenden Ölpreises. Die Inﬂ ation in der Eurozone bleibt jedoch mit 1,4 % unter dem Zielwert der EZB. In Deutschland legen die Verbraucherpreise um rund 2 % zu, in den USA dürften im Jahresdurchschnitt mehr als 3 % erreicht werden. Unter normalen Umständen wären Renten ein riskantes Investment. Konjunkturer- holung, steigende Rohstoffpreise, höhere Inﬂ ationsraten sowie ein aufgrund der explodierenden Staatsverschuldung massiv ausgeweitetes Angebot an Anleihen bilden ein toxisches Gemisch. Allerdings scheinen die Notenbanken – anders als die Viro- logen – gegen diese Bedrohung bereits ein Gegenmittel zu besitzen. Durch ihre Ankaufprogramme kontrollieren sie die Renditeniveaus, Zinskurven und Risiko- aufschläge. Mehr als einen moderaten Renditeanstieg dürfte die EZB den hoch- verschuldeten Staaten im Euroraum kaum zumuten. 10-jährige Bundesanleihen werden bis Jahresende 2021 mit – 0,2 % den negativen Renditebereich nicht verlassen. Die wirtschaftliche Erholung reduziert 2021 den Druck auf die Kreditproﬁ le der Unternehmen. Die Emissionstätigkeit bei Corporate Bonds normalisiert sich. Bei Banken wirkt die sich stabilisierende Bonität der Unternehmen positiv auf die Bilanzqualität. Covered Bonds werden durch ihre Qualität getragen und sind weiterhin gesucht. Unterstützt durch die Nachfrage der Zentralbanken bleiben die Risikoprämien auf niedrigem Niveau. Aktienanleger haben im Zuge der Corona- Pandemie 2020 ein Jahr extremer Kurs- schwankungen durchlebt. Auch 2021 werden sich Aktien im Spannungsfeld zwischen hoher Bewertung und dem Mangel an Anlagealternativen bewegen. Dabei proﬁ tieren Dividendentitel von ihrem Status als Sachwerte. Immerhin hat das weltweite Volumen negativ ver- zinster Staatsanleihen wieder den Spitzen- wert vom August 2019 erreicht. Bis wirk- same Impfstoffe zur Verfügung stehen, werden Aktien allerdings auf die Unter- stützung durch Geld- und Fiskalpolitik Nanny unterstützt kräftig am Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research \*2020 und 2021: Prognosen IWF 34 36 38 0 2 44 46 48 0 2 34 36 38 0 2 44 46 48 0 2 0 0 0 0 0 11 2 13 14 15 16 17 18 19 20 2 taatsa s abe taatsei ahme 13 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba angewiesen bleiben. Mit Blick auf die zu erwartenden medizini- schen Fortschritte und eine damit einhergehende dynamische Konjunkturerholung versprechen Aktien, 2021 unter den Anlage- klassikern jedoch am besten zu laufen. Gegen Jahresende dürfte der DAX um 14.000 Punkte notieren. Immobilien proﬁ tieren als Anlageklasse weiterhin von den sehr niedrigen Zinsen. Allerdings geht die Rezession im Jahr zuvor nicht spurlos am Immobilienmarkt vorbei. In gewerblichen Segmenten, vor allem im Einzelhandel, werden die Mieten und Kaufpreise 2021 sinken. Dagegen setzt sich der Aufwärtstrend am deutschen Wohnungsmarkt dank weiterhin solider Nachfrage und knappem Angebot lediglich etwas verlangsamt fort. 2020 war ein Rekordjahr für Gold. Der Ausbruch von Covid-19 hat die klassische Krisenwährung über historische Höchstmarken befördert. Eine Gegenbewegung wird 2021 trotz Überwindung der Pandemie ausbleiben. Schließlich kann Gold immer dann proﬁ - tieren, wenn die Weltleitwährung US-Dollar schwächelt. Hinzu kommen eine anhaltend negative Realverzinsung sowie die extrem gestiegene Staatsverschuldung. Insgesamt wird Gold politisch unterstützt zum Jahresende bei 2.000 US-Dollar bzw. 1.600 Euro pro Unze notieren. Der US-Dollar hat an Attraktivität verloren. Aufgrund der noch lange expansiven Geldpolitik bleibt der Renditevorteil gegenüber dem Euro niedrig. Ohne den zyklischen Rückenwind drohen strukturelle Probleme zu belasten. Ein hohes Haushaltsdeﬁ zit bei gleichzeitig chronischem Leistungsbilanzdeﬁ zit in den USA mahnt zur Vorsicht, zumal der Greenback als überbewertet gilt. Der Euro-Dollar-Kurs dürfte zum Jahresende um 1,25 notieren. Patrick Franke Nur Gold seit Jahresbeginn deutlich im Plus e iert 2 20 00 esamtertra i ro Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft / Research \*Helaba Index für offene Immobilienfonds ktie D ol Rohstoffe R e Re te i o De tschla mmobilie Helaba e a eb r r ai Jun. l Aug. e kt Nov Dez a eb 0 0 0 0 0 00 0 20 0 0 0 0 0 0 00 0 20 0 14 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Zinsen und Renten Die Macht am Main Trotz Konjunkturerholung, höherer Inﬂation und Staats verschuldung bleibt die Verzinsung der 10-jährigen Bundesanleihen 2021 im negativen Bereich. Dafür sorgt die EZB, die mit ihrer anschwellenden Bilanzsumme einen renditedämpfenden Einﬂuss auf die Rentenmärkte ausübt. Über den Euro-Rentenmarkt wacht, seit einem Jahr nun unter der Führung von Christine Lagarde, die Europäische Zentralbank. Seit der Euro-Schuldenkrise greifen die Währungshüter über ihre Kaufprogramme massiv an den Anleihemärkten ein, insbesondere um die Gefahr deutlich steigender Risikoaufschläge zu bannen. Die Liquiditätsmaßnahmen und regulatorische Änderungen während der Pandemie sollten Banken und Unternehmen stützen, vor allem aber die Kapitalmärkte stabilisieren. Und die EZB war erfolgreich. Selbst ohne Senkung der bereits rekordtiefen Leitzinsen gelang es ihr, die Anleihekurse der Krisenstaaten schnell unter Kontrolle zu bringen. Im Verbund mit umfangreichen EU-Hilfspaketen ﬁel die Rendite 10-jähriger italienischer Staatsanleihen sogar auf ein neues Allzeittief von 0,6 %. Lag die EZB-Bilanzsumme 2014 noch bei 2 Billionen Euro, so stieg das Volumen seit März von 4,7 Billionen Euro auf zuletzt 6,8 Billionen Euro. 2020 dürfte die Bilanzsumme auf rund 60 % des nominalen BIP der Eurozone klettern. Dieser Trend ist welt- weit zu beobachten. Spitzenreiter ist Japan mit einem Wert von mehr als 120 %. Renditen steigen – EZB hält aber den Deckel drauf Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen verzeichnete im März mit – 0,8 % ebenfalls ein neues Tief. Bis Jahresende 2021 ist mit einem Anstieg auf – 0,2 % zu rechnen. Der höhere Gravita- tionswert wird genährt von der Konjunkturverbesserung, einer beschleunigten Inﬂation sowie einer massiven Zunahme der Staatsverschuldung. Nun steigt auch noch die Europäische Union zu einem Großemittenten am Rentenmarkt auf. In früheren Zeiten hätten das deutlich erhöhte Angebot und die extrem negative Realverzinsung erhebliche Kursrisiken mit sich gebracht. „Angesichts der Beispiele für Marktversagen sollten wir uns die Frage stellen, ob Marktneutralität wirklich das Prinzip sein sollte, das das Management unseres geldpolitischen Portfolios leitet.“ Christine Lagarde, EZB-Präsidentin Mit der EZB im Rücken werden viele Anleger aber gelassen bleiben. Sie setzen darauf, dass im Zweifel die Notenbank einfach ihre Kaufprogramme ausweitet. Eine Verlängerung des Pandemie- Notfallprogramms PEPP über den bislang anvisierten Ausstiegs- zeitpunkt zur Jahresmitte 2021 ist dabei die wahrscheinlichste Option. Zudem können sich die Anleger darauf verlassen, dass die Leitzinsen noch für lange Zeit negativ bleiben. Diese Erwartung dürfte durch die zur Jahresmitte bekanntgegebene Neuausrich- tung der EZB-Strategie untermauert werden. Vieles deutet darauf hin, dass die EZB der US-Notenbank folgt und in Zukunft sowohl höhere Inﬂationsraten anstreben als auch ein längeres Überschießen der Teuerung tolerieren wird. 15 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie … Die im Zuge der jüngsten Krise enger gewordene Verbindung zwischen Geld- und Fiskalpolitik könnte sich langfristig jedoch als schwerwiegendes Problem erweisen. Der steigende Anteil von Staats- anleihen in der Bilanz bedroht die Hand- lungs fähigkeit der EZB und setzt sie wachsendem politischen Einﬂ uss aus. Ist die Geldpolitik im Fall eines deutlichen Inﬂ a tionsanstiegs noch in der Lage, restrik- tiv zu werden, ohne die Reﬁ nanzierung der Euro-Staaten zu gefährden? Wohl eher eine rhetorische Frage. Oder schwingt sich die EZB gleich selbst zu einem – weit über Inﬂ ationsthemen handelnden – gesellschaftspolitischen Akteur auf, beispielsweise in der Bekämpfung des Klimawandels? Gleichzeitig drohen aufgrund der starken geldpolitischen Unterstützung notwendige Reformen – beispielsweise in Italien – verschleppt zu werden. Die Anregung von Christine Lagarde, die EU-Konjunkturhilfen als dauerhaftes Stützungsinstrument beizubehalten, würde diese Risiken verstärken. Populistische Tendenzen, insbesondere in den nördlichen EU- Ländern, könnten im Gegenzug wieder zunehmen. Letztlich schrumpfen die Anreize, solide zu wirtschaften – nicht nur in den Krisenländern. Das Spannungsfeld zwischen wachsen- der Staatsverschuldung und ultralockerer Geldpolitik existiert ebenfalls bei US- Staatsanleihen. Auch hier ist als Reaktion auf die sich verändernden Rahmenbedin- gungen mit steigenden Renditen zu rechnen. Lag die Rendite 10-jähriger US-Treasuries seit Krisenbeginn bei rund 0,7 %, so dürfte dieser Wert zum Jahres ende 2021 bei 1,2 % liegen, was historisch betrachtet allerdings vergleichsweise gering ist. Würde man alte Regres sionsmodelle mit Inﬂ ations- erwartungen und dem US-Leitzins füttern, so ergäben sich Werte um 2,5 %. Ulf Krauss Kaufprogramme halten Rendite im Negativbereich Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft / Research r ro ila zs mme li ke kala Re ite 0 s rechte kala % – 0 –0 0 0 0 0 1,5 2 0 2 000 000 000 000 000 000 000 14 15 16 17 18 19 20 2 3M Euribor 10j. Bundesanleihen 10j. US-Treasuries mehr Zinsprognosen auf Seite 54 Quelle: Helaba Volkswirtschaft/ Research – 0 – 0 0 00 Q2 /2021 – 0 0 – 0 20 20 Q4 / 2021 Prognose Ende... 16 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Covered Bonds Qualität trägt Covered Bonds haben 2020 ihre Krisen- festigkeit bewiesen. Sie werden 2021 gesucht bleiben. Derweil entwickelt sich der Markt weiter: Die EU-Mindeststan- dards sollen bis Mitte 2021 umgesetzt werden und das Nachhaltigkeitssegment wächst heran. Covered Bonds wurden von der Corona- Krise weniger hart getroffen als viele andere Assetklassen. Die Spreads erreichten vor allem dank der groß zügigen Unterstützung durch die EZB schon früh wieder ihr Vor- krisenniveau. Für 2021 gehen wir davon aus, dass die Bonitätslage weiterhin überwiegend stabil bleibt. Größere Immo- bilienrisiken dürften sich auf das Einzel- handels- und Hotelsegment beschränken. Wegen zahlreicher Vorﬁnanzierungen und interessanter Reﬁnanzierungsalternativen über das Eurosystem werden den Fällig- keiten von rund 134 Mrd. Euro nur Neu- emissionen im geschätzten Umfang von rund 105 Mrd. Euro gegenüberstehen. Da gleichzeitig mit einer anhaltend starken Nachfrage, vor allem durch die Zentral- banken, zu rechnen ist, sollten die Risiko- prämien niedrig bleiben. Geldpolitik erhöht relative Attraktivität Die weiterhin negativen Renditen könnten zwar einzelne Anleger abschrecken. Gleich- wohl liegt die Verzinsung alternativer Anleihen von Bundesländern, Förder- banken oder vom neuen Großemittenten EU oft noch deutlicher im Minus. Zudem müssen Banken für Überschussreserven hohe Strafzinsen bezahlen. Der Markt bleibt aufnahmefähig. Die Zahl nachhaltig orientierter Investoren nimmt zu und fördert das noch kleine, aber stark wachsende Segment der Green und Social Covered Bonds. Zur Qualitäts sicherung von Covered Bonds steht ferner bis Mitte 2021 die Umsetzung der EU- weiten Mindeststandards zur Harmonisierung des Produkts in nationales Recht an. Für einige Covered Bond-Märkte, wie etwa Spanien oder Tschechien, dürften die neuen Vorgaben einen Qualitätsanstieg bedeuten. Emittenten müssen die neuen Vorgaben jedoch erst ab Mitte 2022 anwenden. Sabrina Miehs 17 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Credits Neue Normalität Die Reﬁnanzierung von Fälligkeiten und strukturellen Inves titionsprogrammen sind bei Corporates 2021 Hauptmotive für die Begebung von Anleihen. Bei Banken bleiben EZB-Liquidi- tätsversorgung und regulatorische Anforderungen bestimmend für die Primärmarktaktivität. (Netzausbau). In der Summe wird die Emissionstätigkeit 2021 unserer Schätzung nach deutlich geringer ausfallen. Wir rechnen mit einem Primärmarktvolumen von 300 bis 350 Mrd. Euro. Banken genießen Fürsorge von Geldpolitik und Regulatoren Die sich stabilisierende Bonität der Unternehmen wirkt sich auch positiv auf die Bilanzqualität von Banken aus. Bei der an wirtschaftlichen Erwartungen ausgerichteten Bildung von Rückstellungen für Kreditrisiken sind die Häuser allerdings bislang recht unterschiedlich vorgegangen. Deren Angemessen- heit wird sich erst nach dem Auslaufen von Moratorien und ﬁskalpolitischen Stützungsprogrammen zeigen. Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt für alle Geschäftsbereiche an Bedeutung. Die Pandemie versetzt ferner dem Trend zur Digitalisierung einen Schub. Bei hohen Investitionskosten und schwächelnden Erträgen bleiben Sparprogramme auf der Tagesordnung. Immerhin verfügen die meisten Banken über gute Eigenkapitalpuffer. Sie wollen nach regulatorisch ver- ordneter Abstinenz möglichst schnell zur alten Ausschüttungs- politik zurückkehren. Wegen der umfangreichen Teilnahme am TLTRO-Programm der EZB haben viele Häuser ihre für das Gesamtjahr 2020 geplanten Emissionen gekürzt. 2021 werden die Emissionen erneut stark von der EZB-Politik bestimmt werden. Die Liquiditätsbereit- stellung der Notenbank und das schwierige Geschäftsumfeld dämpfen den Ausblick für die Primärmarktaktivitäten. Allerdings steigen die Fälligkeiten wieder an. Darüber hinaus setzen sich die regulatorisch getriebenen Non-Preferred-Emissionen fort, sodass günstige Kapitalmarktfenster weiter genutzt werden. Dr. Susanne E. Knips, Ulrich Kirschner, CFA Die umfangreichen Maßnahmen zur Liquiditätsbeschaffung infolge der Corona-Krise führen dazu, dass der Primärmarkt für EUR-Corporate Bonds 2020 ein neues Rekordvolumen von mehr als 450 Mrd. Euro erreichen wird. Nicht zuletzt die Stützungskäufe der EZB sorgen dafür, dass die Nachfrage nach Unternehmens- anleihen 2021 hoch bleibt und sich die Reﬁnanzierungskosten weiterhin auf niedrigem Niveau bewegen. Zudem wird die Erholung der Konjunktur die Risikoprämien für die Unternehmen eher senken. Zwar dürften die Ausfallraten bei Corporates als Corona-Spätfolge vereinzelt steigen. Bei der Mehr- heit der Unternehmen sollte der Druck auf die Kreditproﬁle jedoch nachlassen. Ein weiterer Primärmarktrekord ist 2021 eher unwahrscheinlich. Mit dem Abklingen der Krise nimmt für viele Emittenten die Notwendigkeit ab, ihre Liquidität weiter auszubauen. Die Kapi- talmarktaktivität der Corporates fokussiert sich stattdessen wieder auf den Ersatz auslaufender Titel sowie die Finanzierung struktureller Investitionsprogramme, etwa in der Automobil- industrie (E-Mobilität) oder im Telekommunikations-Sektor 18 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Aktien Auf Unterstützung angewiesen Aktienanleger haben im Zuge der Corona-Pandemie 2020 ein ausgesprochen bewegtes Jahr durchlebt: Auf einen Crash im ersten Quartal folgte eine rekordverdächtige Kurserholung und viele Aktienindizes konnten die erlittenen Verluste weitgehend aufholen. Erneute Lockdowns haben den Risikoappetit zwar wieder gebremst. Aktien dürften unter den Anlageklassikern 2021 am besten laufen. Trotz einer insgesamt beeindruckenden Aufholjagd verlief die Kurserholung regional durchaus unterschiedlich. Unter den großen Wirtschaftsmächten hat China mit Blick auf den Aktien- markt die Corona-Krise bislang am besten gemeistert. So notieren chinesische Titel (Shanghai Shenzhen CSI 300) per 4. November 18 % über dem Jahresendstand 2019. Bei US-Werten (S&amp;P 500) beträgt der Zuwachs 7 %, wohingegen Euro-Aktien (EURO STOXX 50) noch ein Minus von 16 % aufweisen. Die Risikoaversion der Aktienanleger hat sich seit ihrem Höhe- punkt im März im Jahresverlauf deutlich zurückgebildet. So bewegt sich die implizite Aktienvolatilität der international führenden Indizes – ein Gradmesser für die wahrgenommene Unsicherheit der Marktteilnehmer – auch nach den erneuten Lockdowns weit- gehend innerhalb normaler Bandbreiten. Warum gehen die Marktteilnehmer so überraschend unaufgeregt mit der Corona-Krise um? Der Hauptgrund dürfte die Kombina- tion aus einer global extrem expansiven Fiskalpolitik und der ultralockeren Geldpolitik sein. Anleger haben vor diesem Hintergrund offensichtlich ihren Investmenthorizont verlängert und setzen bereits auf eine Zeit nach Corona. Dies hat teilweise zu einer markanten Ausweitung der Bewertung geführt. Aktien werden sich wohl auch 2021 im Spannungsfeld zwischen hoher Bewertung und dem Mangel an Anlagealternativen bewegen. Dabei proﬁ tieren Dividendentitel von ihrem Status als Sachwerte. Immerhin hat das weltweite Volumen negativ ver- DA mit Potenzial e kte Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft / Research \*Bänder: fairer Wert aus Gewinn, Dividende, Cashﬂow und Buchwert Ha tsze ario ositivsze ario Ne ativsze ario 0 2 000 000 000 000 0 000 2 000 000 000 000 0 2 000 000 000 000 0 000 2 000 000 000 000 0 0 0 0 0 0 0 11 2 13 14 15 16 17 18 19 20 2 19 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba zinster Staatsanleihen wieder den Spitzen- wert vom August 2019 erreicht. Bis wirk- same Impfstoffe zur Verfügung stehen, werden Aktien allerdings auf die Unter- stützung durch Geld- und Fiskalpolitik angewiesen bleiben. Zudem wird es darauf ankommen, die Maßnahmen zur Bekämp- fung der Pandemie so zu dosieren, dass der ökono mische Schaden beherrschbar bleibt. Dass dies stets auf Anhieb gelingt, ist allerdings keine ausgemachte Sache. Insofern könnten gerade sogenannte Risiko-Assets zeitweilig ins Stolpern geraten. Mit Blick auf die zu erwartenden medizinischen Fortschritte und eine damit einhergehende dynamische Konjunktur- erholung versprechen Aktien 2021 unter den Anlageklassikern jedoch am besten zu laufen. Dies trauen Anleger Aktien am ehesten zu: „Erfolg haben heißt, einmal mehr aufstehen, als man hin gefallen ist.“ Winston Churchill (1874 – 1965) US-Aktien besonders hoch bewertet Zu den Proﬁteuren am US-Markt zählten 2020 vor allem Titel aus den Bereichen Informationstechnologie, Telekommunika- tionsdienstleistungen und Internethandel. Gerade diese Aktien sind im S&amp;P 500 hoch gewichtet. So nimmt deren Anteil an der Marktkapitalisierung des Index rund 50 % ein. Er ist damit annähernd so hoch wie in der Spitze des New Economy Booms Ende der 1990er Jahre. Auch dies hat dazu beigetragen, dass die Bewertung des S&amp;P 500 – gemessen am Kurs-Gewinn- Verhältnis – annähernd die Spitzenwerte aus dem Frühjahr 2000 erreicht hat. Auch wenn das Zinsniveau weiterhin niedrig bleibt, besteht hier kaum Spiel- raum für dauerhaft höhere Bewertungen, zumal auch andere Sektoren des US- Marktes bereits teuer sind. Daher dürften die Kurse lediglich in dem Ausmaß zu- legen, wie sich auch die Perspektiven für die Unternehmensergebnisse verbessern. Für den S&amp;P 500 erwarten wir einen Jahres- endstand 2021 von 3.750 Punkten. DAX relativ attraktiv Europäische und insbesondere deutsche Dividendentitel sind dagegen deutlich niedriger bewertet als ihre US-Pendants. So bewegt sich der DAX gegenwärtig innerhalb des langfristig fairen Bewer- tungsbandes. Mit der von uns unter- stellten dynamischen Erholung der Wirtschaft werden die Erwartungen für die Unternehmensgewinne spürbar anzie- hen. Gleichzeitig besteht Raum für eine moderate Bewertungsexpansion und somit Potenzial für Kurszuwächse. Im Haupts zenario bewegt sich der DAX 2021 überwiegend in der oberen Hälfte des fairen Bewertungsbandes von 11.000 bis 14.500 Punkten. Gegen Jahresende erwarten wir den deutschen Leit index bei 14.000 Punkten. Markus Reinwand, CFA DAX EURO STOXX 50 S&amp;P 500 mehr Aktienmarktprognosen auf Seite 54 Quelle: Helaba Volkswirtschaft/ Research 00 0 0 Q2 /2021 000 0 0 Q4 / 2021 Prognose Ende... 20 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Gold Politisch behütet 2020 war ein Rekordjahr für Gold. Der Ausbruch von Covid-19 hat die klassische Krisenwährung auf Höchst- marken befördert. 2021 wird das Edelmetall politisch unterstützt bleiben, sodass eine Gegenbewegung trotz Überwindung der Pandemie ausbleibt. Das Edelmetall kletterte von einem Hoch zum nächsten, bis es schließlich im August die psychologisch wichtige Marke von 2.000 US-Dollar je Feinunze überwunden und mit 2.075 ein neues Allzeithoch erreicht hat. In Euro war die Entwicklung bis zum Rekord von knapp 1.750 je Feinunze sogar noch aus geprägter. Im Anschluss setzte eine Konsolidierung ein. Das Edelmetall dürfte bald wieder die 2.000er-Marke reißen und 2021 zumindest temporär bis auf 2.300 US-Dollar je Feinunze anziehen. Gold ist dabei seinem Ruf als „Krisenwährung“ gerecht geworden. Aufgrund der hohen Marktunsicherheit hat es den Anlegern als sicherer Hafen gedient. Mit Überwindung der Pandemie im Jahres- verlauf 2021 wird es deshalb keine vergleichbaren Preissprünge mehr geben. Allerdings sollte eine markante Abwärts korrektur – wie nach solchen Rekordjahren üblich – ausbleiben. Dazu tragen 2021 drei Anlagethemen bei, die zu einer stabilen Nachfrage nach Gold führen dürften: Geldpolitik, Fiskalpolitik und Dollarschwäche. Prognose Ende... Gold USD/Unze Gold Euro/Unze Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research 2 000 1.667 Q2 / 2021 2 000 00 Q4 / 2021 21 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Negative Realzinsen Fed, EZB und viele andere Zentralbanken haben ihre Leitzinsen im Zuge der Krisen- bekämpfung bei null oder darunter veran- kert. Mit einer baldigen Abkehr dieser Nullzinspolitik ist nicht zu rechnen, viel- mehr signalisieren die Geldpolitiker, dass sie ihre Zinssätze noch sehr lange Zeit auf diesem niedrigen Niveau halten werden. Dies hat die Nominalzinsen sowohl in den USA als auch in Deutschland nicht nur kräftig nach unten gedrückt, sondern zu einer negativen Realverzinsung in beiden Währungsräumen geführt. Damit hat das Halten von Gold im Vergleich zu anderen sicheren Anlagealternativen keine Oppor- tunitätskosten mehr, sondern bringt sogar einen Nutzen, da Negativ zinsen vermieden werden. 2021 wird sich daran in realer Rechnung nichts ändern. „Sie haben die Wahl zwischen der natürlichen Stabilität von Gold und der Ehrlichkeit und Intelligenz der Regierungsmitglieder. Und mit allem notwendigen Respekt für diese Gentlemen, ich rate Ihnen, …, entscheiden Sie sich für Gold.“ George Bernard Shaw (1856 – 1950) Bleibende Schuldenberge Weltweit sind die Staatsschulden im Zuge der Krisenbekämpfung kräftig gestiegen. Nun erholen sich die Volkswirtschaften von ihrem Konjunktur einbruch, aber es wird dauern, bis das wirtschaftliche Aus- gangsniveau wieder erreicht ist. Von einem baldigen Abbau der Staatverschuldung ist nicht aus zugehen, vielmehr scheint politisch die Strategie verfolgt zu werden, aus den Schulden „herauszuwachsen“. Das aber wiederum schürt die Erwartung, dass die Staaten langfristig Inﬂ ation generieren werden, um diese zu ent- werten. Sollte sich diese Haltung unter Anlegern und Sparern etablieren, würde die Funktion von Papierwährungen als Wertaufbewahrungsmittel untergraben und im Gegenzug die Attraktivität von Gold als Alternativwährung steigen. Schwacher Dollar = starkes Gold Gold proﬁ tiert immer dann, wenn die Weltleitwährung US-Dollar schwächelt. Dies war 2020 aufgrund der Geldpolitik der Fed sowie des Corona-Krisenmanagements von US-Präsident Trump der Fall. 2021 wird der Greenback auch unter einem neuen Präsidenten nicht zu alter Stärke zurück- ﬁ nden. Insgesamt wird das Edelmetall politisch unterstützt um die 2.000er- Marke schwanken, in einer Bandbreite zwischen 1.800 und 2.300 US-Dollar pro Feinunze. Claudia Windt Gold: Rekordhoch wieder im Blick Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft /Research Dollar bzw ro e ze ol i Dollar ol i ro 0 00 000 00 2 000 0 00 000 00 2 000 0 0 0 0 0 0 0 11 2 13 14 15 16 17 18 19 20 2 22 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Immobilien Nicht völlig immun Immobilien proﬁtieren zwar 2021 weiter von den anhaltend niedrigen Zinsen. Die tiefe Rezession im Jahr zuvor wird sich allerdings zeitverzögert auswirken. Dabei sind die einzelnen Marktsegmente ganz unterschiedlich betroffen. Büroﬂächenbedarf. Zwar werden sich die Vermietungsumsätze 2021 erholen. Allerdings könnten die Langfristfolgen des verstärkten mobilen Arbeitens für die Büroﬂächennachfrage allmählich deutlicher werden. Steigende Leerstände in einzelnen Lagen sowie leicht sinkende Büromieten sind wahrscheinlich. Groß- zügigere Abstandsregelungen und zurück- haltende Projektentwickler sowie eine wieder zunehmende Beschäftigung sollten jedoch die negativen Marktreaktionen begrenzen. Wohnungsmarkt robust Am deutschen Wohnungsmarkt hat sich die Corona-Krise noch nicht nega- tiv ausgewirkt. Die Entwicklung der letzten Monate hat hier vermutlich die „Flucht ins Betongold“ sogar verstärkt – ähnlich wie während der Finanzkrise. Jüngste Daten zeigen einen fortgesetz- ten Aufwärtstrend, der durchschnitt- liche Preisanstieg für Wohnimmobilien dürfte sich aber 2021 etwas verlang- samen. Nicht zuletzt das zunehmende Arbeiten im Homeofﬁce könnte die Nachfrage tendenziell von zentralen innerstädtischen Lagen an die Ränder der Ballungsräume verlagern. Der Wohnungsmarkt bleibt im Fokus der Politik. Werden sich die Parteien im Wahlkampf wieder mit interventionistischen Vorschlägen überbieten? Zusätzlicher Wohn- raum würde so nicht geschaffen. An den fundamentalen Rahmenbedin- gungen des Wohnungsmarktes ändert sich wenig: Niedrigzins und der Zuzug in die Ballungszentren sorgen für eine rege Nachfrage. Die Wohnungsbautätig- keit wird durch die gut ausgelasteten Kapazitäten in der Bauwirtschaft begrenzt, sodass die Schere zwischen Angebot und Nachfrage weit geöffnet bleibt. Und schließlich ist die Wohnungspolitik alles andere als konstruktiv. Einige Maßnahmen leisten keinen Beitrag zur Überwindung der Wohnungsknappheit und könnten sogar Investoren abschrecken. Man darf gespannt sein auf die Parteiprogramme im Wahljahr 2021. Immobilienmärkte sind erfahrungsgemäß eng mit der gesamtwirtschaftlichen Ent- wicklung verbunden, laufen dieser aber nach. Die tiefe Rezession in Deutschland dürfte sich daher teilweise erst 2021 auf Mieten und Immobilienwerte auswirken. Dabei sind die pandemiebedingten Folgen nach Segmenten sehr unterschiedlich. Einzelhandelsimmobilien wurden neben Hotels von den umfangreichen Schlie- ßungen während des Lockdown im Früh- jahr am stärksten belastet. Eine Ausnahme ist der Lebensmitteleinzelhandel. Viele stationäre Händler sind jedoch Haupt- betroffene der Krise, in der die Konsu- menten häuﬁger auf den Onlinehandel ausweichen. Eine Reihe von Ladenge- schäften wird die Corona-Krise nicht überstehen. Damit drohen Mietausfälle und steigende Leerstände vor allem in weniger begünstigten Lagen. Die schon vor der Pandemie aufgetretenen Preis- rückgänge werden sich 2021 fortsetzen. Auch der Aufschwung am deutschen Büromarkt dürfte erst einmal beendet sein. Viele Unternehmen verschieben Neu anmietungen und überprüfen ihren 23 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Immobilienfonds krisenbedingt schwächer Die durchschnittliche Jahresperformance offener Immobilienpublikumsfonds in Deutschland ist infolge von krisenbe- dingten Preisrückgängen erstmals seit 2011 unter die 2 %-Marke gefallen. Mit der durch die Sachverständigenbewer- tung verbundenen üblichen Verzögerung dürfte es 2021 zu weiteren Abwertungen von einzelnen Immobilienobjekten, vor allem bei Einzelhandels- und Hotelimmo- bilien, kommen. Damit wird die durch- schnittliche Jahresperformance auf 1 % bis 1,5 % gedrückt, bevor für die zweite Jahreshälfte eine Trendwende zu erwar- ten ist. Ende 2021 wird die Rendite der großen Publikumsfonds im Durchschnitt voraus sichtlich noch unter 2 % liegen. Angesichts der im Vergleich zu den Vorjahren deutlich schwächeren Perfor- mance werden die Mittelzuﬂüsse niedriger ausfallen. Dank der vor einigen Jahren eingeführten Kündigungs- und Mindesthaltefristen dürfte es jedoch selbst bei Fonds mit vorübergehend negativen Renditen nicht zu umfangrei- chen Mittelabﬂüssen kommen. Dr. Stefan Mitropoulos 24 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Devisen Dollar-Rutsch setzt sich fort Am Devisenmarkt geht es oft darum, wer der Einäugige und wer der Blinde ist. Über viele Jahre galt der Euro als das größere Sorgenkind. Diese Ansicht scheint sich zu drehen: Im Zuge der Corona-Krise offenbaren sich in den USA politische und wirt- schaftliche Schwierigkeiten. Die Aussichten für die US-Währung bleiben deshalb eingetrübt. In unsicheren Zeiten ist der US-Dollar häuﬁg als Fluchtwährung gesucht. Temporär proﬁtierte der Greenback von der Corona-Pan- demie. Mittlerweile zeichnet sich aber für die US-Währung 2020 ein Minus ab. Dabei litt die US-Konjunktur weniger heftig als die der Eurozone. Allerdings reagierte die US-Notenbank aggressiver als die EZB auf die Krise. US-Anleihen verzinsen sich nur noch wenig höher, damit schrumpfte ein großer Vorteil des US-Dollar gegenüber dem Euro zusammen. Trotz der konjunkturellen Erholung 2021 wird sich die Geldpolitik in den USA und der Eurozone nicht grundlegend ändern. Zinserhö- hungen beﬁnden sich noch in weiter Ferne. Nur bei den quantitati- ven Maßnahmen dürfte die Fed vor der EZB etwas vom Gas gehen. Der US-Renditevorteil wird aber nicht nennenswert zulegen. Ohnehin ist die US-Notenbank deutlich in Vorlage getreten, was das wesentlich kräftigere Geldmengenwachstum unterstreicht. Ein US-Wachstumsvorteil ist für 2021 nicht zu erwarten, sodass ein zyklischer Rückenwind für den US-Dollar wohl ausbleibt. Andere Faktoren mahnen schon länger zur Vorsicht. Dollar mit strukturellen Problemen Die Fehlbeträge im Staatshaushalt stiegen in der Krise überall. Allerdings erhöhte sich das US-Budgetdeﬁzit besonders kräftig – nicht zuletzt ﬁnanziert von der Fed. Jenseits von auslaufenden Einmaleffekten bleiben die Fehlbeträge hoch. Unabhängig vom Wahlausgang deutet sich in der US-Politik keine Haushaltskon- solidierung an. Für den Dollar ist dies insofern relevant, da sich die USA aufgrund ihres chronischen Leistungsbilanzdeﬁzits auch im Ausland ﬁnanzieren müssen. Das rekordhohe „Zwil- lingsdeﬁzit“ stimmt ausländische Gläubiger skeptisch, zumal manche von der Instrumentalisierung der US-Währung für internationale Sanktionen – z. B. gegen Russland oder den Iran – verstimmt sind. Ohnehin gilt der US-Dollar gemessen an Kaufkraftparitäten weiterhin als überbewertet – vor allem gegenüber dem Euro. Angesichts ihrer zunehmend protek- tionistischen Orientierung könnte selbst in der US-Politik das Interesse an einer schwächeren Währung wachsen. 25 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba „The US dollar slide has entered the early stages of what looks to be a sharp descent.“ Stephen Roach, US-Ökonom Strukturelle Probleme und fehlender zyklischer Rückenwind – droht ein großes Dollar-Beben? Die Gefahr einer dramatischen Abwertung ist dennoch gering, seine Rolle als Weltleitwährung wird der Greenback mangels Alternativen nicht so schnell verlieren. Schließlich ist auch der Euro bestenfalls als Einäugiger zu betrach- ten. Der EU-Wiederaufbaufonds wird zwar gewisse Schwierigkeiten mildern. Jedoch sind ﬁ nanzielle und politische Sorgen nicht für alle Ewigkeit gebannt. Eine geldpolitische Kehrtwende der EZB liegt ohnehin in weiter Ferne. Daher wird sich 2021 der Trend einer leichten Dollar-Abwertung vermutlich fortsetzen. Der Euro-Dollar-Kurs dürfte zum Jahresende um 1,25 notieren. Pfund, Franken und Yen Das Pfund Sterling leidet seit Jahren unter einem Brexit-Abschlag. Ein Ende der politischen Unsicherheiten dürfte der britischen Währung einen Schub geben, selbst wenn die neue Realität außer- halb der EU keineswegs rosig sein wird. Nach den dramatischen Pandemie-Auswirkungen besteht zudem die Hoffnung auf eine kräftigere Konjunkturerholung. Dass der Schweizer Franken als sicherer Anlagehafen kein großer Corona-Gewinner war, erklärt sich nicht zuletzt durch die massiven Interventionen der eigenen Notenbank. Im Zuge eines allgemein positiveren wirtschaftlichen Umfelds wird die Schweizer Währung weniger gefragt sein, der Euro-Franken-Kurs dürfte auf 1,12 steigen. Der Japanische Yen konnte vom schwächeren US-Dollar proﬁ - tieren, gab jedoch gegenüber dem Euro etwas nach. Diese Tendenz wird wohl 2021 andauern. Japan steht außenwirtschaftlich viel solider als die USA da, wächst jedoch gegenüber der Eurozone weniger dynamisch. Christian Apelt, CFA Geringe Zinsdifferenz macht US-Dollar unattraktiv kte Dollar Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research rea 0 taatsa leihe De tschla vs li ke kala ro Dollar rs rechte kala 0 1,1 2 1,3 1,4 1,5 1,6 0 2 2 0 0 0 0 0 0 0 1,5 0 0 0 0 2 14 16 18 20 Prognose Ende\*... US-Dollar Japanischer Yen Britisches Pfund mehr Devisenprognosen auf Seite 54 Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research \* Kurs gg. Euro 20 2 0 Q2 /2021 2 2 0 Schweizer Franken 0 2 Q4 /2021 26 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Länder und Regionen im Hauptszenario 2 BIP 4,8 % BIP 3,3 % BIP 5,7 % BIP 6,0 % BIP 7,5 % BIP 8,0 % BIP 5,0 % BIP 3,2 % BIP 2,2 % BIP 9,3 % BIP 3,7 % BIP 3,8 % BIP 3,0 % BIP 3,5 % 27 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Europäische Union Die nächste Generation Das ablaufende Jahr hat die Europäische Union nachhaltig verändert. 2021 stellt den Beginn einer neuen Ära dar. Prägende Ereignisse des Jahres 2020 sind das Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der Gemeinschaft im Frühjahr sowie die Beschlüsse zum europäischen Aufbauplan und zum Mehr- jährigen Finanzrahmen der EU im Juli. „Die Covid-19-Krise stellt Europa vor eine historische Herausforderung.“ Europäischer Rat Nie dagewesene Wirtschaftseinbrüche, millionenfache Arbeits- platzverluste und an Grenzen stoßende Gesundheitssysteme sind Herausforderungen, die den Trend zum engeren Zusammen- rücken der verbliebenen 27 EU-Staaten verstärken. Im Rahmen des Aufbauplans „Next Generation EU“ (NGEU) wurde beschlossen, dass die Mitgliedsländer Finanzhilfen mit einem Volumen von 390 Mrd. Euro aus dem EU-Budget beantragen können. In dieser Größenordnung ist das ein Novum. Hinzu kommen Darlehen, sodass das NGEU-Volumen insgesamt 750 Mrd. Euro beträgt. „Wiederaufbaufonds“ als zentraler Baustein des EU-Budgets Im Juli wurde der NGEU-Fonds als Teil des Mehrjährigen Finanz- rahmens der EU für die Jahre 2021 bis 2027 beschlossen. Dieser beläuft sich auf insgesamt 1,8 Billionen Euro. Mithin wird deut- lich, dass NGEU für die Ausweitung des EU-Budgets der kom- menden Jahre entscheidend ist, vor allem mit Blick auf die Jahre 2021 bis 2023, in denen das Gros der Zahlungen erfolgt. Ausstehende Anleihen in Höhe von von 900 Mrd. Euro möglich Die EU-Kommission wird die Fondsmittel über den Kapitalmarkt ﬁ nanzieren. Zusammen mit kleineren Emissionsprogrammen (z. B. das EU-Kurzarbeitsprogramm SURE) und den EFSM-Aktivitäten wird sich das Volumen ausstehender EU-Anleihen in wenigen Jahren auf rund 900 Mrd. Euro belaufen. Damit wird die EU zukünftig der fünftgrößte Schuldner in Europa sein. Während mit dem Brexit die Rückbesinnung auf nationale Politik für Groß- britannien die Oberhand gewonnen hat, geht die EU damit einen großen Schritt in Richtung Vergemeinschaftung. Eine generelle Einführung von Eurobonds ist dies noch nicht. EU-Anleihen werden aber auf Jahre hinaus das Emissionsgeschehen mitbestimmen. Ralf Umlauf EU als Schuldner künftig auf Platz fünf sstehe es Vol me r ro Quellen: EU, Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/Research \*EU-Mitgliedstaaten: Stand 2019; EU: geschätzte Gesamtsumme in den nächsten Jahren 2 000 00 0 020 00 00 0 2 0 00 talie ra k reich De tsch la a ie EU el ie Nie er la e ster reich Rest 28 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Deutschland Gestärkt aus der Krise Deutschland hat die Corona-Krise noch nicht überwunden. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte allerdings 2020 mit kalender- bereinigt 5,4 % weniger stark einbrechen als im Währungsraum. Der Aufholprozess ist in Gang gekommen. Die Rettungspolitik des Staates hat die Schäden verringert. Zusätzliche Impulse gibt das Konjunkturprogramm von rund 130 Mrd. Euro. Nach dem Einbruch der Wirtschaftsleistung im Frühjahr und einer kräftigen Gegenbewegung im dritten Quartal wird das Wachstum im Schlussquartal 2020 aufgrund der verschärften Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung weitgehend zum Erliegen kommen. Das Jahr dürfte mit einem kalenderbereinigten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 5,4 % abschließen. Die Frühindikatoren signalisieren aber eine Fortsetzung des Aufschwungs. 2021 wird die Volkswirtschaft um schätzungsweise 5 % wachsen. Bereits im nächsten Herbst sollte das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein. Die CoronaKrise hat den Abstand beim Pro-Kopf-Einkommen zwischen Deutschland und der Eurozone vergrößert. Im Gegensatz zu Frankreich oder Italien sind die öffentlichen Konsumausgaben im Frühjahr 2020 gestiegen. Sie stehen immerhin für ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts und dürften 2020 um 3,5 % zugelegt haben. 2021 ist aufgrund der expansiven Ausgabenpolitik erneut ein Plus von 3 % zu erwarten. Ausgeweitet wurden 2020 insbesondere die monetären Sozialleistungen. Den Einkommensverlust durch Kurzarbeit und gestiegene Arbeitslosigkeit haben die Sozialversicherungen abgepuffert. Investitionen in F&amp;E und Software rasch über Vorkrisenniveau Reale r ttoa la ei vestitio e i De tschla e 1 / 200 00 Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research Ba investitio en A sr stungen So stige vestitio en (u a orschun ntwicklung Software, Date ba ken, Urheberrechte) 0 0 0 00 0 20 0 0 0 0 0 0 00 0 20 0 0 0 0 0 0 11 2 13 14 15 16 17 18 19 20 2 22 29 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Die Zahl der Kurzarbeiter, die zuletzt noch bei etwa 3,3 Millionen lag, dürfte 2021 weiter sinken. Auch die Arbeitslosigkeit sollte zurückgehen. Die Menschen kehren schrittweise in die reguläre Beschäftigung zurück. Dies braucht aber Zeit. Der Jahresdurch- schnitt der Arbeitslosenzahl liegt 2021 mit voraussichtlich 2,8 Millionen noch um 530.000 Personen höher als 2019. Die Konsumausgaben dürften 2021 um real 5 % zulegen. Die Verbraucher sind allerdings aufgrund der noch angespannten Deutschland Pandemielage in ihren Möglichkeiten vor allem bei Dienstleistun- gen beschränkt. Proﬁtiert hat der Einzelhandel, wenn auch nicht in allen Bereichen. Das Umsatzniveau der Vorkrisenzeit ist schon überschritten. Gewinner ist vor allem der Internethandel, die Lage im stationären Handel hat sich aber ebenfalls verbessert. Der Konsumzuwachs geht mit einem Anstieg der verfügbaren Einkommen von nur etwa 4 % einher. Jedoch normalisiert sich das Sparverhalten der privaten Haushalte. Die Sparquote dürfte nach dem sprunghaften Anstieg 2020 auf 16 % um drei Prozent- punkte sinken. Gebremst wird der reale Konsumzuwachs 2021 durch einen etwas höheren Deﬂator. So wird die Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn auf ihr ursprüngliches Niveau gesetzt und höhere Energienotierungen wirken preissteigernd. Investitionen entscheiden über Wettbewerbsfähigkeit Die Erholung der globalen Ausrüstungsinvestitionen braucht Zeit. Die Kapazitäten im Verarbeitenden Gewerbe sind noch unteraus- gelastet, sodass Erweiterungen erstmal nicht vordringlich sind. Zudem hat die scharfe Rezession die Ertragslage der Unternehmen verschlechtert. Seit langem belasten protektionistische Tendenzen und die Folgen des Brexit. Dies spürt gerade die deutsche Industrie, die stark auf Kapitalgüter konzentriert ist. Die Exporte dürften 2021 mit einem Zuwachs von 8 % nur einen Teil des vorherigen Rückschlags (2020: – 12 %) aufholen. Infolgedessen steigen auch die Ausrüstungen im Inland mit angezogener Handbremse. So wird es nach dem Einbruch von schätzungsweise 18 % voraussichtlich mehrere Jahre dauern, bis das Vorkrisenniveau erreicht ist. Ausgehend vom niedrigen Niveau dürften die Investitionen in Fahrzeuge und Maschinen 2021 um 12 % zulegen. – – –2 6,7 6,7 6,6 Budgetsaldo, % des BIP Leistungsbilanzsaldo, % des BIP – 0 0 1,9 Bruttoinlandsprodukt, real % gg. Vj. –5,4 0 2 0 BIP, kalenderbereinigt, real % gg. Vj. – 0 0 2 0 rivate o s ma s abe V 3,5 0 2 0 taatsko s m V –5,6 0 2 0 r ttoa la ei vestitio e V – 0 2 0 0 sr st si vestitio e V 0 2 0 0 a i vestitio e V – 2 0 0 0 orte V – 0 0 6,5 0 m orte V 0 1,9 2 0 Inflationsrate, % gg. Vj. 0 6,1 5,5 Arbeitslosenquote\*, % 2 0 2 00 2 00 Arbeitslose, Tsd. Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research \* der gesamten Erwerbspersonen; s = Schätzung, p = Prognose 2020s 2021p 2022p 30 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Das deutsche Konjunkturprogramm hilft, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, z. B. durch die Absenkung der EEG-Umlage, die degressive Ab schreibung, die Verbesserung bei der Forschungsförderung, den steuerlichen Verlustrücktrag sowie die Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge auf 40 % bis 2021. Zudem erleichtert die Förderung den deutschen Unter- nehmen in den Bereichen Elektromobilität, Wasserstofftechnologie, Künstliche Intelligenz (KI) und Quantentechnologie, ihre Position zu verbessern. Neben den Konsumausgaben des Staates sind 2020 nur die Bau- investitionen um etwa 1 % gestiegen. Auf den Baustellen konnte nahezu ungestört weitergearbeitet werden. Allerdings haben sich die Auftragseingänge bis in den Sommer hinein abgeschwächt. Eine Besserung ist bereits in Gang gekommen. Der Bedarf an neuen Wohnungen und Sanierungen bleibt hoch. Die Normalisie- rung am Arbeitsmarkt dürfte die bestehende Ver unsicherung verringern und die Finanzierungs bedingungen bleiben für Käufer hervorragend. Der öffentliche Bau wird weiterhin von der Aus- gabenpolitik der Gebietskörperschaften proﬁtieren. Schwieriger ist die Lage jedoch im Wirtschaftsbau. Insgesamt dürften die Bauinvestitionen 2021 mit 2 % wieder etwas kräftiger zulegen. Deutschland investiert in die Zukunft Während die Unternehmen ihre Investitionen in Maschinen und Fahrzeuge 2020 drastisch eingeschränkt haben, ﬁelen die Kür- zungen bei Forschung und Entwicklung sowie Software deutlich geringer aus. Sie sind der wesentliche Bestandteil der Investitio- nen in „Sonstige Anlagen“, deren Anteil an den gesamten Anlagen mittlerweile auf fast 19 % gestiegen ist. Um die Wettbewerbsfähig- keit mit Hilfe neuer Verfahren und Produkte sowie der Digitalisie- rung von Arbeitsprozessen zu steigern, dürften die Unternehmen Deutschland auch in den kommenden Jahren mehr in diese Bereiche investie- ren. Die deutsche Industrie spielt im internationalen Vergleich weiter vorne mit. Aus der Sozialen Marktwirtschaft darf kein Nanny-Staat werden. Schutzschirmpolitik und Konjunktur programme sind in der besonderen Situation der Pandemie die richtige Antwort auf die entstandenen Schwierigkeiten. Die deutsche Volkswirtschaft kommt wieder in Schwung. Die Wirtschaftspolitik muss deswegen allmählich an den Rückzug aus dem Wirtschaftsleben denken. Aus der Sozialen Marktwirtschaft darf kein Nanny-Staat werden. Dies würde zu Lasten der Produktivität und damit der Wett- bewerbsfähigkeit gehen. Das öffentliche Deﬁzit ist 2020 auf schätzungsweise 6,5 % des Bruttoinlands produkts hochgeschnellt, deutlich mehr als wäh- rend der Finanzkrise (2009: – 3,2 %). Die Staatsverschuldung dürfte um mehr als 10 Prozentpunkte auf dann gut 70 % des Bruttoinlandsprodukts steigen. Dieser ﬁnanzielle Kraftakt war problemlos möglich, da der Krise Jahre einer soliden Haus- haltspolitik vorangegangen waren. An diese sollte die im Oktober 2021 neu gewählte Regierung rasch wieder anschließen, um mögliche künftige Krisen bewältigen zu können. Dr. Stefan Mütze 31 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Hessen, Thüringen, Nordrhein- Westfalen und Brandenburg: Mensch ärgere dich nicht! Deutschland hat einen ausgeprägten föderalen Charakter. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Bundesländer in der Corona- Krise unterschiedliche Lösungsansätze favorisieren. Da ist es wichtig, sich als Politiker und Bürger nicht aufzuregen, besteht doch eine große Unsicherheit im Umgang mit der Pandemie, sodass das Ausprobieren verschiedener Bekämpfungsstrategien sogar sinnvoll sein kann. Und wenn‘s kritisch wird, funktioniert die Abstimmung in Deutschlands Föderalismus – wie der Beschluss zum neuerlichen Lockdown im November zeigt. Die Auswahl der folgenden Bundesländer fokussiert auf die Kernregionen der Helaba. Hessen startet geschwächt in 2021 Corona hat Hessen besonders schwer getroffen. Die Zunahme der Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vorjahresmonat war im Oktober 2020 mit rund 47.500 um das 7,5-Fache höher als in der Finanzkrise. Die Ursache für diesen drastischen Anstieg liegt in den Dienstleistungsbereichen. So ist das Passagieraufkommen am Frankfurter Flughafen bis September 2020 um rund 75 % niedriger als im Vorjahr. Die Messe Frankfurt kam ebenfalls fast zum Erliegen und das hessische Gastgewerbe musste in den ersten sieben Monaten 2020 Umsatzeinbußen von 43 % hin- nehmen, bei einem Minus von 36 % in Deutschland insgesamt. Die Industrie in Hessen verzeichnete zwar abnehmende Umsätze, doch hat die Erholung dort schon eingesetzt, sodass der Rück- gang 2020 bei weniger als 10 % liegen dürfte. Der Einzelhandel, der auch Onlineverkäufe beinhaltet, kann sogar eine Zunahme von preisbereinigt 2,5 % verbuchen und in der Baubranche ergibt sich ebenfalls ein Plus. In der Summe dürfte das hessische BIP 2020 um etwa 6 % sinken, bei einem gesamtdeutschen Durch- schnitt von – 5 %. Der Aufschwung 2021 könnte sich mit einem Wachstum von 5 % genauso dynamisch wie in Deutschland zeigen. Thüringen kann ausgleichen Die Corona-Krise haben die thüringischen Industriebetriebe bisher etwas besser überstanden und das Umsatzminus sollte 2020 deutlich unter 10 % liegen. Dafür waren die Hersteller von Nahrungsmitteln hauptverantwortlich. Ihre Produkte waren nicht nur im Lockdown gefragt, wie das Umsatzplus in den ersten acht Monaten 2020 von 16 % gegenüber 2,6 % bundesweit belegt. Andere Industriebranchen wie der Automobilbau und die Produ- zenten von Metallerzeugnissen spürten die Pandemie ganz erheblich. Der Anstieg der Arbeitslosenzahl war in Thüringen Deutschland 32 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba im Oktober 2020 mit 18 % geringer als im Durchschnitt aller Bundesländer mit 25 %. Das thüringische Wirtschaftswachstum müsste ausreichen, um über die Jahre 2020 und 2021 hinweg zu stagnieren. Dies ist eine gute Nachricht – dürften viele Staaten Ende 2021 noch weit von ihrem Vorkrisenniveau entfernt sein. Nordrhein-Westfalen etwas weniger betroffen Anfang 2020 standen die Zeichen auch in Nordrhein-Westfalen (NRW) auf wirtschaftliche Erholung. Doch dann kam alles anders. Die Industrie in NRW musste heftige Rückgänge hinnehmen. Inzwischen ist der Tiefpunkt durchschritten. Ein Minus von etwa 10 % wird aber 2020 unvermeidlich sein. Der Tourismus arbeitet seit Frühjahr in einem mehr oder weniger starken Lockdown. Der Einnahmeausfall von 35 %, bedeutet für viele Gastbetriebe einen Existenzkampf, den nicht alle gewinnen können. In NRWs Einzelhandel ist dagegen ein realer Umsatzzuwachs zu verzeichnen, der 2020 mit 2,5 % sogar in der Größenordnung von 2019 – einem besonders starken Jahr – liegt. Gewinner sind der Versand- und Internethandel, Super-, Elektro-, Garten- und Bau- märkte, Apotheken sowie Sporthändler. Andere Einzelhändler haben dagegen schwer zu kämpfen. Die gesamtwirtschaftliche Schrumpfung dürfte 2020 in NRW voraussichtlich unter 5 % liegen und damit wie in der Finanzkrise etwas geringer sein als im Bundesdurchschnitt. Vorausgesetzt, es kommt im neuen Jahr nicht wieder zu wochenlangen strengen Lockdowns, könnte das Wachstum in NRW bei rund 5 % liegen. Brandenburg kommt glimpﬂ ich durch die Krise Die Wirtschaftsstruktur Brandenburgs hat ihre eigenen Akzente. Die Industrie hat dort nur einen Anteil von 13 % (Deutschland 22 %). Dafür sind die Dienstleistungsbranchen und der Staatssektor überdurchschnittlich vertreten. Dies hat schon in der Finanzkrise den Einbruch abgefedert, sodass die Minusrate in Brandenburg damals nur 2,8 % und in Berlin 1,1 % betrug. Eine ähnliche Ent- wicklung dürfte 2020 eintreten – allerdings weniger ausgeprägt, da diesmal auch etliche Dienstleistungen von der Krise betroffen sind. Mit etwa 4 % dürfte der Rückgang um einen Prozentpunkt geringer sein als im Bundesdurchschnitt. Für 2021 ist eine Gegen- bewegung von gut 5 % zu erwarten, wenn sich mit dem Abklingen der Pandemie der Reiseverkehr belebt und die Kapazitäten am gerade eröffneten Flughafen Berlin-Brandenburg mit Betrieb - samkeit gefüllt werden. Barbara Bahadori Deutschland Arbeitsmarkt: Corona-Krise heftiger als Finanzkrise rbeitslose absol te Ver er e e ber Vor ahresmo at i s Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft / Research aarla reme eckl Vor achse h ra e b r h ri e chlesw Hol achse Hamb r Rhei l falz Nie ersachs Hesse erli a e rtt a er NR – 2 0 2 0 75 00 2 0 kt 200 kt 2020 33 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Frankreich Verunsicherungen Frankreich wird erneut stark von der Pandemie heimgesucht. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte zum Jahresende sinken, der Aufschwung setzt sich jedoch nach dieser Zwangspause 2021 fort. privaten Haushalte dürften im Gesamtjahr 2020 um 7 % einbrechen. 2021 ist eine ähnlich starke Gegenbewegung zu erwarten. Der stärkere Wirtschaftseinbruch erklärt sich auch damit, dass die öffentlichen Konsumausgaben in Frankreich im ersten Halbjahr 2020 stark gesunken sind, während sie in Deutschland zulegten. In diesem Segment hat ebenfalls eine Gegenbewegung begonnen, die sich 2021 fortsetzen dürfte. Zudem versucht die französische Regierung, mit einem Konjunkturprogramm in Höhe von 100 Mrd. Euro die Wirtschaft anzukurbeln. Es enthält die Sen- kung gewinnunabhängiger Unternehmenssteuern in einer Größen ordnung von 20 Mrd. Euro. Zusätzlich werden die Digita- lisierung sowie der ökologische Umbau mit Investitionen in den Schienenverkehr, in erneuerbare Energien und in die Wärme- isolierung von Gebäuden gefördert. Die Maßnahmen werden ab 2021 zu mehr Investitionen in Ausrüstungen und Bauten führen. Frankreich In Frankreich dürfte der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts 2020 mit schätzungsweise 8,7 % etwas stärker ausfallen als in der Eurozone. Grund hierfür war der lange und harte Lockdown im Frühjahr. Der Konsum hat im Hexagon traditionell eine höhere Bedeutung als beispielsweise in Deutschland. Sein Anteil inklusive der öffentlichen Ausgaben liegt bei fast 77 % des BIP, und damit vier Prozentpunkte höher als hierzulande. Der erneute Anstieg der Corona-Fallzahlen belastet nun das Verbrauchervertrauen. Die erneut von der Regierung beschlossenen Ausgangssperren zur Eindämmung der Pandemie werden zu einem Rückschlag des begonnenen Konsumaufschwungs führen. Die Ausgaben der BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research – 0 7,6 0 1,3 8,3 2 1,7 7,6 2020s 2021p 2022p s = Schätzung, p = Prognose 34 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Italien Hilfe aus Brüssel Dem wachstumsschwachen Italien werden erhebliche Mittel aus dem europäischen Aufbauprogramm zuﬂießen. Das dürfte helfen, die tiefe Rezession zu überwinden. Ob die strukturellen Probleme angegangen werden, bleibt abzuwarten. Italien hat ein langfristiges Wachstumsproblem. In den zehn Jahren bis 2019 stieg das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt nur um jahresdurchschnittlich 0,3 %. Nie gelöste strukturelle Probleme haben dies mitverursacht. Dann kam Corona mit einem Die Importe dürften 2021 stärker zulegen als die Exporte, zumal die Binnennachfrage stimuliert wird und der stärkere Euro belastet. Damit bremst der Außenhandel erneut. Insgesamt dürfte die französische Volkswirtschaft um 8 % zulegen. Auf der Schattenseite der Corona-Maßnahmen stehen die öffentlichen Finanzen – trotz der knapp 40 Mrd. Euro, die Frank- reich aus dem EU-Aufbauplan erwartet. Nicht nur, dass das öffent liche Deﬁzit 2020 von 3 % auf schätzungsweise 11 % des BIP hochschnellen wird. Auch klettert die Staatsverschuldung, die 2019 bereits 98 % betrug, auf etwa 120 % des BIP. Hieran wird sich auch 2021 nichts Wesentliches ändern. Sollte jemals ernsthaft versucht werden, die Quoten zurückzuführen, würde dies einen Verzicht auf Stimulierung bedeuten. Dr. Stefan Mütze Italien BIP-Einbruch von 8,3 %. Das Land litt im Frühjahr unter einem langen und harten Lockdown. Auch Italien hat zuletzt verschärfte Anti-Corona-Maßnahmen ergriffen, um dem Wiederaufﬂammen der Pandemie entgegen- zuwirken. Unterstützt durch die erwarteten ersten Zahlungen aus dem EU-Aufbauplan dürfte 2021 das Wachstum zwar 6 % erreichen. Trotzdem wird die gesamtwirtschaftliche Leistung ihr Vor-Corona-Niveau voraussichtlich erst 2023 erreichen. Die Arbeitslosigkeit, die aufgrund statistischer Verzerrungen im Frühjahr zu niedrig ausgewiesen wurde, dürfte in den nächsten Monaten weiter steigen. Dies dämpft den Konsum, zumal die Tarif- löhne kaum zulegen. Stark getroffen ist weiterhin der Dienstleis- tungssektor, insbesondere der Tourismus. Vor dem Hintergrund der Corona-bedingt verschlechterten Eigenkapitalbasis gerade bei vielen italienischen Kleinunter- 35 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Spanien nehmen dürften auch die Investitionen nur mit angezogener Handbremse in den Aufholprozess starten. Allerdings ist für 2021 mit dem Beginn des Geldsegens aus der EU zu rechnen. Italien dürfte sich zuerst auf die rund 65 Mrd. Euro konzentrieren, die es als nichtrückzahlbare Transfers bekommt. Inklusive der Kredite belaufen sich die Mittel sogar auf 205 Mrd. Euro. Geplant werden Projekte in der Infrastruktur sowie u. a. in den Schlüssel- bereichen Digitalisierung, ökologische Transformation und Bildung. Bis 2026 wird Italien stärker expandieren, auch wenn sich die Umsetzung der Projekte verzögern kann. Das zusätzliche Wachs- tum dürfte maximal einen halben Prozentpunkt erreichen. Bereits vor dem Beschluss über europäische Hilfen wurden mit zwei Dekreten Schutzschirm- und konjunkturpolitische Maßnahmen auf den Weg gebracht. Um die Wirksamkeit der Hilfsprogramme zu erhöhen und deren Umsetzung zu beschleunigen, wären Reformen in der Verwaltung und im Justizsystem notwendig. Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigern. Dr. Stefan Mütze Spanien Keine gemeinsame Strategie Spanien gehört neben Italien zu den großen Proﬁ teuren der EU-Hilfen. Trotzdem bleibt der Aufschwung fragil. Die Politik schafft es nicht, gemeinsam die Krise zu bekämpfen. Sorgen- kind ist der wichtige Tourismus. Im zweiten Quartal 2020 hatte Spanien den stärksten Wirtschafts- einbruch unter den großen Vier der Eurozone und der begonnene Aufschwung ist fragil. Nach einem Rückgang von 11 % dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2021 um 7,5 % zulegen. Die Staatsver- schuldung wird schätzungsweise durch die Corona-Krise 2020 um 25 Prozentpunkte auf rund 120 % des BIP steigen. Italien und Spanien noch lange unter Vorkrisenniveau Reales r ttoi la s ro kt e 1 / 200 00 Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft /Research 75 0 85 0 95 00 0 0 115 20 75 0 85 0 95 00 0 0 115 20 0 0 0 11 2 13 14 15 16 17 18 19 20 2 22 Deutschland Fra kreich talien Spa ien BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research –8,3 –0 2 9,3 0 0 0 1,7 1,1 9,6 2020s 2021p 2022p s = Schätzung, p = Prognose 36 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Auf dem Arbeitsmarkt kam es zu einer ersten Stabilisierung, allerdings ist die Zahl der Arbeitslosen seit dem Beginn der Corona-Krise um 700.000 auf über 3,8 Millionen gestiegen. Erschwerend ist die große Bedeutung des Tourismus für Spanien. Dieser Sektor, von dem etwa 12 % der Beschäftigten abhängig ist, liegt am Boden. Eine Aufhebung der europäischen Reisewarnun- gen ist nicht absehbar. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die spanischen Ver- braucher im europäischen Vergleich zurzeit besonders pessimis- tisch sind. Der Konsum dürfte nach dem überdurchschnittlichen Rückgang von rund 13 % 2021 nur gut die Hälfte aufholen. Da die Exporte voraussichtlich stärker zulegen als die Importe, wird der spanische Außenhandel einen positiven Wachstumsbeitrag leisten. Die Investitionen dürften insgesamt nur mäßige Zuwächse auf- weisen. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Haushalte bleiben die Impulse vom Wohnungsbau verhalten. Wegen der unterausgelasteten Kapazitäten stehen Erweiterungen bei vielen Unternehmen nicht auf der Tagesordnung. Spanien gehört jedoch zu den großen Proﬁteuren des EU-Aufbauplans. Die Hilfen für Madrid belaufen sich auf rund 140 Mrd. Euro. Davon sind 72 Mrd. Euro nichtrückzahlbare Transfers, die zuerst in Anspruch genommen werden sollen. Im parlamentarischen Planungsprozess sind u. a. Digitalisierungsprojekte und Maßnah- men für den ökologischen Umbau. Die Programme dürften helfen, die Produktivität der spanischen Wirtschaft zu erhöhen. Unsicher ist aber, ob der Minderheitsregierung eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit wirklich gelingt. Selbst in großen Krisen können sich die politischen Parteien kaum einigen. Noch ist der bereits zweimal verlängerte Finanzplan der konservativen Vor- gängerregierung in Kraft und für 2021 steht ein Haushaltsplan aus. Auch ist der Reformeifer der spanischen Regierung erlahmt. So müsste zur Begrenzung der ausufernden Kosten dringend das Rentensystem verändert werden. Dr. Stefan Mütze Spanien BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research – 0 –0 15,7 7,5 0 16,5 2 1,1 2020s 2021p 2022p s = Schätzung, p = Prognose 37 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Schweden Auf eigene Faust Bei der Pandemie-Bekämpfung hat Schweden bislang einen ganz eigenen Weg eingeschlagen. Dies prägt auch die wirt- schaftliche Entwicklung 2021. Die Minderheitsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen folgte den Empfehlungen ihres Chef-Epidemiologen und führte weder einen Corona-Lockdown noch eine Maskenpﬂicht ein. Läden und Cafés blieben geöffnet. Da außerdem das BIP besser als im EU-Durchschnitt ins Jahr gestartet war, fällt die Rezession 2020 mit voraussichtlich – 4,1 % vergleichsweise mild aus (EU: – 6,8 %). Allerdings wurde im In- und Ausland aufgrund der überproportional hohen Anzahl an Todesfällen auch heftige Kritik am „schwedischen Weg“ geübt. Der konjunkturelle Aufholbedarf ist 2021 geringer als in anderen Ländern. Die Angst vor Ansteckung wird die Binnenwirtschaft und den Tourismus noch bremsen, solange kein Impfstoff verfügbar ist. Auch die Dynamik des Aufschwungs bei den Handelspartnern Schweden wird angesichts von Warenexporten in Höhe von rund einem Drittel des BIP eine wichtige Rolle spielen. Insgesamt kann mit einem Wachstum von 3,2 % gerechnet werden. Sein Vorkrisen- niveau dürfte das BIP aber nicht vor 2022 erreichen. Großzügige Hilfen Unterstützung kommt von einem breiten Maßnahmen-Spektrum: Die Riksbank hat den Reposatz nicht erneut gesenkt, reduzierte aber den Zins für kurzfristige Reﬁnanzierungsgeschäfte auf das Allzeittief von 0,1 %. Durch Anleihekäufe von bis zu 10 % des BIP sowie zusätzliche Kreditmöglichkeiten für Unternehmen und Banken ist die Geldpolitik stark expansiv ausgerichtet. Die Zentral- bank hat bereits eine Fortführung dieses Kurses signalisiert. Mit einer weiteren Lockerung ist 2021 zu rechnen, wenn die Noten- bank etwa die schwedische Wettbewerbsfähigkeit durch Wechsel- kursentwicklungen gefährdet sieht. Auch die Regierung hat großzügige ﬁskalische Hilfen bereit- gestellt: Für 2020 sind Zuschüsse, Liquiditätshilfen und Garantien verfügbar, die sich bei voller Nutzung auf bis zu 17 % des BIP belaufen. Für die beiden Folgejahre sind konjunkturstützende Maßnahmen in Höhe von je rund 2 % des BIP vorgesehen. Marion Dezenter BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research – 0 8,5 2 1,4 8,5 2 2 0 0 2020s 2021p 2022p s = Schätzung, p = Prognose 38 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Polen, Tschechien, Ungarn Vorschriften – nein danke! Die Stärke des Aufschwungs wird in den drei Ländern von der unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur geprägt. Gemeinsam ist ihnen ein Trend hin zu (wirtschafts-)politischer Eigenständigkeit. Polen mit seinem großen Binnenmarkt kommt wohl am besten durch die Krise. Nach der Rezession 2020 dürfte das Wachstum 2021 um 3,5 % zulegen. Tschechien, das mit einem Exportanteil von 80 % des BIP stark vom Automobilsektor geprägt ist, haben die Unterbrechung der Lieferketten und die Schließung von Fertigungsstätten deutlich mehr zu schaffen gemacht. Zwar ist die Konjunktur bei wichtigen Handelspartnern wie Deutschland von kräftigen Nachholeffekten geprägt. Jedoch ist die Bremswir- kung durch die zweite Corona-Welle in Tschechien besonders heftig und strahlt auf 2021 aus. Das Wirtschaftswachstum dürfte hier bei gut 3 % liegen. In Ungarn ist die Abhängigkeit von der Industrie ähnlich. Zusätzlich belasten Einbußen im wichtigen Tourismussektor, die 2021 noch spürbar sein dürften. Denn es ist anzunehmen, dass der internationale Reiseverkehr auch mittelfristig einem schwächeren Trend folgt. Daher sind für 2021 nur 3,7 % Wachs- tum zu erwarten. Maßregelung durch „EU-Nanny“ unerwünscht Die Pandemie hat besonders in Polen und Ungarn die Betonung der nationalen Eigenständigkeit verstärkt. Hier praktizieren die rechtskonservativen Regierungen seit Jahren eine spendable, aber auch bevormundende Politik mit Wohltaten für alle, die in das bevorzugte Weltbild passen. Zentraleuropa: Verschuldung im Vergleich noch moderat ffe tlicher ch l e sta es Quellen: Eurostat, Helaba Volkswirtschaft /Research Polen Tschechien EU 27 Ungarn 20 0 0 0 00 20 20 0 0 0 00 20 0 0 0 0 0 0 11 2 13 14 15 16 17 18 19 20 2 22 39 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Gleichzeitig wird die Einmischung der EU in Fragen der Rechts- staatlichkeit als Übergriff empfunden. Die Kopplung von Zuschüssen aus dem EU-Wiederaufbauprogramm an Rechts- staatlichkeitskriterien dürfte eine knifﬂige Aufgabe bleiben. Die Pandemie hat den Trend zur nationalen Eigenständigkeit verstärkt. Autonomie prägt auch die Geldpolitik der drei Länder: So wurden die Leitzinsen auf bzw. in die Nähe von Allzeittiefs gesenkt und Reservevorschriften abgeschwächt. In Polen und Ungarn lockerten die Notenbanken zudem die Geldpolitik über umfangreiche Anleihekäufe. Diese Eigenständigkeit aufzugeben dürfte den Ländern schwer- fallen, sodass ein Beitritt zur Währungsunion in nächster Zeit noch unwahrscheinlicher geworden ist als bislang schon. Alle drei Währungen haben gegenüber dem Euro abgewertet. Die Wechselkurse notieren deutlich oberhalb früherer Durch- schnittswerte und setzen damit auch Inﬂationsimpulse. Mit einer nachhaltigen Aufwertung ist vor dem Ende der Pandemie- Sondersituation nicht zu rechnen. Verschuldungsanstieg nicht ohne Risiken Umfangreiche staatliche Zuschüsse an Unternehmen, Kredit- garantien, Steuererleichterungen und andere Hilfsprogramme hinterlassen über 2020 hinaus Spuren in den öffentlichen Deﬁziten und Verschuldungsquoten. Parlamentswahlen in Tschechien im Oktober 2021 und in Ungarn im April 2022 rücken den Schuldenabbau weiter in den Hintergrund. Zwar bleiben alle drei Länder beim öffentlichen Schuldenstand deutlich unter den Werten anderer EU-Mitglieder. Tschechien hält mit rund 45 % sogar einen komfortablen Abstand zur Maastricht-Grenze von 60 % des BIP. Vorsicht ist aber geboten. Denn was in der aktuellen Niedrigzinsphase problemlos ist, kann bei einem Zinsanstieg zum Schreckgespenst werden: Ein hoher Schuldendienst würde dann die ﬁskalischen Hand- lungsspielräume empﬁndlich einschränken. Die helfende Hand der EU in Form von Zuschüssen und Krediten aus dem Wieder- aufbauprogramm, aus dem die Länder bis Ende 2022 Zuwen- dungen von rund 2 bis 4 % ihres BIP erhalten sollen, entlastet die eigenen Finanzen und ist daher bei aller Eigenständigkeit sehr willkommen. Marion Dezenter Polen, Tschechien, Ungarn Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research 2020s – 2 3,6 2021p 3,3 2 0 3,6 2022p 3,4 2 0 2020s – 3,5 4,3 2021p 3,7 2 4,3 2022p 3,3 3,3 3,8 BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, s = Schätzung, p = Prognose 2020s – 3,5 0 2021p 3,5 2 5,9 2022p 3,5 2 5,7 40 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Großbritannien Befreiung von der EU-Nanny Endlich frei – das denken die Brexit-Hardliner mit dem Ablaufen der Übergangsfrist Ende 2020. Brechen nun rosige Zeiten an? Viel schlimmer als derzeit kann es in Großbritannien kaum werden – was mit den schweren Folgen der Corona-Pandemie zu erklären ist. Immerhin wird die britische Wirtschaft 2021 deutlich wachsen. Der Brexit wird dennoch negative Konse- quenzen mit sich bringen. Nach quälenden Jahren der Verhandlungen wird eine Ent- scheidung über das zukünftige Verhältnis zwischen Groß- britannien und der EU getroffen – der ofﬁ zielle Austritt erfolgte am 31. Januar 2020. Selbst wenn noch Hürden zu nehmen sind, ist ein Abkommen realistisch. Ab 2021 müssen sich Ex- und Importeure umstellen. Zollformalitäten werden fällig. Schwierigkeiten an der Grenze sind zum Jahresanfang unvermeidlich. Standards im Warenhandel könnten angepasst werden. Der Dienstleistungshandel wird erschwert. Der Unter- schied zu einem „harten“ Bruch mit der EU wirkt gar nicht mehr so groß, zumindest langfristig. In dem Fall gäbe es dann aller- dings Zölle auf WTO-Basis, rechtliche Unsicherheiten und ein deutlich längeres Chaos an der Grenze – was das britische Wachs- tum 2021 spürbar verringern würde. Brexit-Belastungen dominieren Die Vorteile des Brexit sind …? Ok, die vage Hoffnung auf für die Briten günstigere Freihandelsabkommen mit anderen Staaten. Die Briten können zwar mehr selbst regulieren, jedoch nicht da, wo sie Geschäfte mit der EU machen wollen. Dass Großbritannien ein wenig reguliertes „Singapur an der Themse“ wird, passt auch dort kaum in die politische Landschaft. „Brexit means Britain can no longer blame EU for nanny state nonsense.“ Baylen J. Linnekin, Experte für Lebensmittelpolitik Selbst die konservative Regierung plant verstärkte staatliche Eingriffe. Der Produktionsstandort wird durch eine komplizierte- re Handelsgrenze unat traktiver. Die Dienstleistungsexporte bedeuten für kaum ein anderes entwickeltes Land so viel. Die EU ist hier – anders als bei den Waren – nicht die dominierende Destination. Einen Teil der Geschäfte bzw. der Gewinne dürften britische Unternehmen aber verlieren. Im Trend wird das Wachs- tum beeinträchtigt. Damit wird sich für den Staat wohl nicht einmal die Ersparnis der EU- Beiträge ﬁ nanziell auszahlen. Freiheit hat eben ihren Preis. EU wichtigste Exportregion – vor allem bei Waren ritischer ort vo are Die stleist e 20 teil i Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft / Research are 2 % Die stleist e 18 % Nicht Die stleist e 2 % Nicht are 2 41 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Großbritannien Konjunktur erholt sich vom Einbruch Die britische Wirtschaft muss mit der Corona-Pandemie, die das Land besonders schwer traf, eine kurzfristig noch größere Aufgabe als den Brexit bewältigen. Der BIP-Einbruch 2020 von 10,7 % wird sich nicht wiederholen, das Wachstum ist bereits angesprungen. Die Konsumenten zeigen sich wieder ausgabe- freudig. Die staatlichen Hilfen federn die Einkommensverluste ab. Allerdings wird die Arbeitslosigkeit zunehmen. Da zudem manche Restriktionen vorerst weiterbestehen bzw. zeitweise sogar ver- schärft werden, bleibt der private Verbrauch unter dem Vorkrisen- niveau. Die Unternehmensinvestitionen liefen schon vor Corona mit angezogener Handbremse. Die Gegenbewegung nach dem Einbruch wird noch von den Unsicherheiten gedämpft. Im Verlauf von 2021 dürften die Investitionen aber spürbar anziehen, weil dann mehr Klarheit sowohl hinsichtlich der Pandemie als auch des Brexit herrscht. Der britische Staat zeigt sich sehr spendabel. Angesichts der immensen Haushaltsdeﬁzite kann er aber nicht ständig Fiskal- pakete nachlegen. Der Kollaps der Importe verbesserte die Handelsbilanz 2020 massiv. Im Folgejahr wird sich der britische Saldo verschlechtern, zumal sich der EU-Austritt auswirken wird. Trotz aller Probleme und selbst bei neuerlichen Corona-Restrik- tionen oder gar einem Brexit-Chaos wird die britische Wirtschaft 2021 wachsen. Solange sich diese Belastungen in Grenzen halten, dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 5,7 % zunehmen. Trotz höherer Inﬂation – Bank of England hält Kurs Die Inﬂation wird 2021 von 1 % auf 2,4 % klettern. Höhere Energiepreise, der Wegfall von Sondermaßnahmen wie speziﬁsche Mehrwertsteuersenkungen, eine allgemeine Nachfrage belebung sowie wohl auch höhere Brexit-bedingte Importkosten steigern die Teuerung. Da die Bank of England derzeit mehr über Negativ- zinsen fabuliert, wird der Leitzins von 0,1 % bestimmt nicht ange- hoben. Ihr aktuelles Anleihekaufprogramm dürfte aber nach der angekündigten Ausweitung Ende 2021 auslaufen. Christian Apelt, CFA BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research – 0 0 0 5,7 2 2 2 2 2 2020s 2021p 2022p s = Schätzung, p = Prognose 42 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba USA Uncle Sam wird’s schon richten USRegierung, Kongress und Notenbank haben mit ﬁskal und geldpolitischen Eingriffen in vorher unbekanntem Ausmaß auf die Pandemie und die ökonomischen Schäden durch den Lock- down reagiert. Der Rekordstimulus hat dazu beigetragen, dass die amerikanische Wirtschaft sehr schnell und deutlich wieder auf einen Wachstumspfad eingeschwenkt ist. Ofﬁce (CBO) hat der Schuldenstand des Bundes bereits 2020 durch die Pandemie-Notmaßnahmen den vorherigen Rekordwert kurz nach dem Zweiten Weltkrieg (rund 106 % am BIP) fast erreicht. Unter den Annahmen der CBO-Basisprojektion (ins- besondere unveränderte Steuer- und Ausgabenregelungen) würde dieser Wert in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Vor allem durch den demograﬁschen Wandel droht dann ein beschleunigter Aufwärtstrend, der – wenn nicht stabilisierend eingegriffen wird – den Schuldenstand bis 2040 auf fast 150 % des BIP steigen lassen würde. Wir rechnen für 2021 mit einem Wachstum von fast 4 %, was den US-Output bis Ende des Jahres wieder grob auf sein Vorkrisen- niveau bringen würde. Angesichts eines Trendwachstums von knapp 2 % pro Jahr ist per saldo eine Stagnation über 24 Monate aber ein schwaches Ergebnis. Die Arbeitslosenquote wird Ende 2021 voraussichtlich noch immer etwa zwei Prozentpunkte höher liegen als im Februar 2020. Der IWF schätzt den Fiskalimpuls 2020 auf über acht Prozent- punkte am BIP, verglichen mit gut zwei Prozentpunkten in der Finanzkrise 2009. Viele Haushalte hatten mit Hilfe von Uncle Sam im Frühjahr 2020 sogar mehr Geld in der Tasche als vor der Krise. Der Gipfel der staatlichen Impulse für die US-Wirtschaft dürfte bereits erreicht oder überschritten sein. Zwar hat der voraussicht- lich nächste US-Präsident, der Demokrat Joe Biden, umfangreiche kurz- und mittelfristige Ausgabepläne im Gepäck. Ohne eine Mehrheit im Senat wird es ihm aber schwerfallen, diese in vollem Umfang umzusetzen. Zunächst steht sowieso primär die Bekämpfung der Pandemie auf der Agenda. Der zukünftige Handlungsspielraum in der Fiskalpolitik ist beschränkt. Laut dem überparteilichen Congressional Budget 43 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba USA Die Notenbank hat in der Krise die Finanzmärkte und die Kredit- vergabe stabilisiert und ist dabei aus unserer Sicht sogar über das hinausgeschossen, was angemessen war. Vor dem Hinter- grund der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und der noch immer sehr hohen Arbeitslosigkeit ist ein baldiger Kurswechsel aber unwahrscheinlich. Die Teuerung wird für die Fed kurzfristig kaum zu einem Problem werden. Wir gehen zwar davon aus, dass die Gesamtinﬂ ation 2021 auf über 3 % anziehen wird. Dabei wird allerdings der unterstellte Anstieg des Rohölpreises um gut 50 % bis Ende 2021 eine wichtige Rolle spielen. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel dürfte ebenfalls höher ausfallen. Sie wird sich aber wohl in einer Größenordnung bewegen, mit der die Fed leben kann – zumal sie im Rahmen ihrer Strategiereform die Preisniveaustabilität nun offenbar geringer gewichtet als das Ziel der Vollbeschäftigung. Angesichts der erwarteten konjunkturellen Erholung und der dennoch auf absehbare Zeit bei null verharrenden Leitzinsen sollte die Tragfähigkeit der Staatsschulden in den USA 2021 kein großes Thema sein. Die Fed dürfte ihre Notmaßnahmen daher im Jahresverlauf auslaufen lassen. Patrick Franke Keine Staatspleite „Made in USA“ So weit wird es wohl nicht kommen. Aber diese Zahlen unter- streichen, dass sich die Schuldenlage selbst ohne zusätzliche Steuersenkungen oder Ausgabenprogramme verschlechtern würde. Für 2021 ist mit einem weiteren Konjunkturpaket zu rechnen. Im Gegensatz zur EU sind die stimulierenden Maß- nahmen in den USA noch hauptsächlich kurzfristig ausgerichtet. Dennoch sollte die Finanzpolitik 2021 von einem konjunkturellen Rücken- zu einem Gegenwind werden. Die Dynamik der Erholung dürfte in diesem äußerst ungewöhnlichen Zyklus jedoch kräftig genug sein, um dies vertragen zu können. „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“ John. F. Kennedy (1917 – 1963) USA: Staatsschulden gehen durch die Decke ch l e es es am Quellen: Congressional Budget Ofﬁce, Helaba Volkswirtschaft / Research \*„marketable debt held by the public“, ab 2020 Basis-Projektion des CBO eltkrie 2 eltkrie i a zkrise ovi 0 0 00 0 0 0 00 0 00 20 0 0 0 2000 20 0 BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research – 1,3 0 3,8 3,3 5,8 2 2 0 2020s 2021p 2022p s = Schätzung, p = Prognose 44 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Japan Immense Staatsverschuldung Nach einer tiefen Rezession ist für 2021 ein moderates Wachstum zu erwarten. Hierbei ist die wirtschaftspolitische Unterstützung sehr groß. In der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt gab es im September einen Wechsel an der Führungsspitze. Vorerst dürfte die neue Regierung unter Yoshihide Suga eine im Kern ähnliche Wirtschafts- politik betreiben wie zuvor Shinzo Abe. Während der sogenannten „Abenomics“ kam es zu einer langjährigen Expansionsphase bei einer engen Beziehung zwischen Geld- und Fiskalpolitik. Der Kern der „Abenomics“ dürfte von der neuen Regierung erst einmal fortgeführt werden. Um die japanische Volkswirtschaft durch eine Yen-Schwächung zu stimulieren und Deﬂationstendenzen durch eine reichliche Liquiditätsversorgung zu verhindern, verfolgt die Bank of Japan einen ultralockeren Kurs und ist sehr aktiv beim Ankauf von Staatsanleihen. Mittlerweile hält die Notenbank nahezu die Hälfte der ausstehenden Staatsanleihen. Die seit gut 20 Jahren betriebene Null- bzw. Negativzinspolitik erleichtert den öffent- lichen Schuldendienst. Großvolumiges Corona-Konjunkturpaket Schon vor der Pandemie war Japan mit fast 240 % des BIP der höchst verschuldete Staat unter den großen Industrienationen. Die Corona-bedingten Konjunkturmaßnahmen belaufen sich auf ein Gesamtvolumen von 234 Billionen Yen (rund 2 Billionen Euro bzw. 40 % des BIP). Damit werden beispielsweise umfangreiche ﬁnanzielle Soforthilfen oder zinslose Unternehmenskredite gewährt. Auch das Gesundheitssystem soll verbessert werden. Gleichwohl war eine tiefe Rezession in Japan unvermeidlich. Sie wurde schon im Schlussquartal 2019 von der Konsumsteuer- anhebung ausgelöst und verschlimmerte sich mit dem Lockdown im Frühjahr 2020. Insgesamt ist für die japanische Volks wirtschaft nach der Schrumpfung um rund 6 % für 2021 ein Anstieg um 2,2 % zu erwarten. Bis zur Rückkehr auf das Vorkrisenniveau dürfte es noch einige Zeit dauern, zumal Japan weiterhin mit der Überalterung seiner Bevölkerung konfrontiert und spürbar von globalen Handelsstreitigkeiten betroffen ist. Ulrike Bischoff BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research – 2 0 0 0 2 2 0 3,3 2 0 2 2020s 2021p 2022p s = Schätzung, p = Prognose 45 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba China China Krisengewinnler Ursprungsort der Pandemie, wichtiger Protagonist im Handels- streit und zunehmend gleichzeitig Feind- wie Vorbild vieler Wirt- schaftspolitiker in den Industriestaaten – selten spielte China eine so zentrale Rolle wie jetzt. Entgegen den meisten Erwartungen im Frühjahr 2020 sieht es derzeit so aus, als könnte sich das Land als Gewinner der Covid-19-Krise erweisen. Zwar ﬁel der Einbruch der Aktivität aufgrund des rigorosen Lockdown sehr heftig aus. Nach seinem Ende zog das Wirt- schaftswachstum aber sofort kräftig an. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 scheint China wieder fast auf den Vorkrisen- trend zurückgekehrt zu sein. Mit Hilfe von zusätzlichem ﬁskali- schen und geldpolitischen Stimulus wird der Output 2021 wohl um gut 9 % steigen, so stark wie seit 2011 nicht mehr. Über den gesamten Zeitraum 2020 / 2021 sollte die Abweichung vom Vorkrisentrend geringer ausfallen als in vielen anderen Ländern, nicht zuletzt auch in den USA. Damit haben die Pandemie und ihre Folgen den Aufholprozess der chinesischen Wirtschaft gegenüber den Industrieländern beschleunigt. Unabhängig vom Wahlausgang in den USA wird es in Handels- fragen aber keine Rückkehr zu den „guten alten Zeiten“ geben. Ein Ende des Wettrennens um die Dominanz in den Hightech- Branchen ist nicht abzusehen. Chinas Regierung förderte in der Krise zudem vor allem die inländische Produktion. Die meisten Industrieländer stimulieren hingegen in erster Linie die Nach- frage. Damit stützen die Konjunkturpakete in China und bei den Handelspartnern tendenziell das Wachstum der chinesischen Exporte – was zusätzlich Konﬂiktpotenzial schafft. „Krisen und Chancen bestehen stets nebeneinander. Nachdem man sie bewältigt, ist eine Krise eine Chance.“ Xi Jinping In China wird der bisher erfolgreiche Umgang mit der Pandemie als neuerlicher Beweis der Überlegenheit des eigenen Systems interpretiert. Kritik aus dem Ausland verbucht man immer mehr als Neid derer, die nicht von der weisen Führung der Kommunis- tischen Partei Chinas proﬁtieren. Patrick Franke BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research 1,8 2 3,9 9,3 2 3,9 5,5 2 3,7 2020s 2021p 2022p s = Schätzung, p = Prognose 46 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Russland Entwicklungsprojekte verschoben Ein im europäischen Vergleich moderater Corona-Lockdown hat zwar zu hohen Infektionszahlen geführt, allerdings dürfte der Wirtschaftseinbruch 2020 mit 3,8 % weniger dramatisch ausfallen. 2021 wird Russland von der Erhöhung des Ölpreises auf bis zu 60 US-Dollar pro Barrel proﬁtieren. Der Öl- und Gassektor macht ein Drittel des BIP und fast zwei Drittel der Exporteinnahmen aus. Neben der Abhängigkeit vom Rohstoffsektor schränken zahl- reiche weitere strukturelle Schwächen das Potenzialwachstum ein, darunter institutionelle Deﬁzite, ein niedriges Produktivitäts- wachstum und ein trübes Geschäftsklima. Daher erwarten wir für 2021 nur eine schwache Erholung von 3 %, womit das Vorkrisen- niveau noch nicht erreicht werden dürfte. Zwar hat Russland grundsätzlich gesunde Staatsﬁnanzen und die Verschuldung ist durch Corona um sieben Prozentpunkte auf nur etwa 20 % des BIP gestiegen. Russland leidet aber unter einer geringen Einnahmenbasis von nur 16 % des BIP. Große Wachs- tumsimpulse sind von der Fiskalseite also nicht zu erwarten, da 2020 vor allem wegen des niedrigen Ölpreises Einnahmeaus- fälle von 35 Mrd. US-Dollar zu verzeichnen waren. Diversiﬁzierung der Wirtschaft lässt weiter auf sich warten. Wegen des Sparzwangs wurde jetzt auch die Fertigstellung der „13 nationalen Entwicklungsprojekte“, ein wichtiges Prestige- vorhaben Putins, um sechs Jahre auf 2030 verschoben. Diese Vorhaben belaufen sich insgesamt auf 360 Mrd. US-Dollar. Der Aufschub ist keine gute Nachricht für das ohnehin schwache Wachstum der Investitionen und die damit verbundene Verzöge- rung bei der Diversiﬁzierung der Wirtschaft. Auf die versprochene Redu zierung der Armut um die Hälfte und eine höhere Lebens- erwartung müssen die Russen jetzt ebenfalls sechs Jahre länger warten. Nach der 2020 geänderten Verfassung könnte Staats- präsident Putin dann sogar noch im Amt sein. Patrick Heinisch BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research –3,8 3,8 0 0 0 5,6 2 0 3,7 4,4 2020s 2021p 2022p s = Schätzung, p = Prognose 47 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Brasilien Wahlgeschenke zu erwarten Obwohl in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine wirtschaftliche Erholung einsetzte, wirkt der Pandemie-Schock nach. So dürften 2021 deutlich weniger neue Stellen geschaffen werden als im Vorjahr verloren gingen. Die Arbeitslosigkeit wird zwar sinken, mit etwa 13 % aber immer noch zwei Prozentpunkte höher ausfallen als vor Corona. Für Brasilien ist das dramatisch, da die Wirtschaft, im Gegensatz zu vielen anderen südamerikanischen Ländern, traditionell mehr vom privaten Konsum (64 % des BIP) als von der Außenwirtschaft (etwa ein Drittel des BIP) abhängig ist. Nach einem Wirtschaftseinbruch von 4,5 % wird die Erholung 2021 mit 4,8 % verhalten ausfallen. Präsident Bolsonaro hat bereits seine Wiederwahl im Oktober 2022 im Blick. Trotz Corona ist es ihm gelungen, seine Popularitäts- werte durch Transferzahlungen an arme Bevölkerungsschichten zu verbessern. Auch dürfte sich der Präsident weiterhin als Wohl- täter inszenieren und die notwendigen Lockdown-Maßnahmen den Gouverneuren überlassen. Für Wirtschaftsreformen war 2020 ein verlorenes Jahr. Bolsonaro und sein Wirtschaftsminister Guedes waren noch bei Amtsantritt von der Wirtschaft gefeiert worden. Doch außer einer Renten- reform Ende 2019 blieben große Sprünge bisher aus. Auch für 2021 erwarten wir nur geringe Fortschritte, da der Präsident unmittelbar vor einem Wahljahr unpopuläre Projekte vermeiden wird. Dennoch rechnen wir mit kleineren Erfolgen bei Efﬁzienz- verbesserungen im öffentlichen Sektor, Steuervereinfachungen und Privatisierungen. Haushaltskonsolidierung und Reformen müssen bis zum Ende der Pandemie warten. Die Konsolidierung der Staatsﬁnanzen wird 2021 wieder in den Fokus rücken. Wegen des Haushaltsdeﬁzits von 16 % des BIP kratzt die Staatsverschuldung 2020 an der 100 %-Marke. Die hohe Verschuldung war schon vor der Pandemie ein Thema. Die Rentenreform trägt zwar zur Ausgabenreduzierung bei, nun sind aber zusätzliche Anstrengungen nötig. Ein fast aus- geglichener Primärsaldo wie 2019 dürfte erst nach den Wahlen wieder erreicht werden. Patrick Heinisch Brasilien BIP, real V Inflationsrate, V Arbeitslosenquote, Quelle: Helaba Volkswirtschaft / Research – 4,5 2 16,7 4,8 2 2 2 3,6 9,4 2020s 2021p 2022p s = Schätzung, p = Prognose 48 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Poltergeist (20 %) 3 Negativszenario Poltergeist (20 %) Kaum schien der Spuk der Populisten und Protektionisten etwas abzuklingen, als mit der Pandemie eine Schauerﬁgur aus den dunklen Tagen der Menschheitsgeschichte zurückkehrte. Weil sie für das bloße Auge unsichtbar sind, glauben manche ebenso wenig an die Existenz der Viren wie an die von Poltergeistern. An ihrer Gefährlichkeit kann diese Skepsis aber nichts ändern – und sie zu vertreiben ist alles andere als trivial. Wir geben diesem Szenario eine Wahrscheinlichkeit von 20 %. Selten war es wohl einfacher, ein negatives Szenario für Konjunktur und Finanzmärkte zu begründen als heute. Ohne Impfstoff ist eine Rückkehr zur Normalität auf absehbare Zeit kaum denkbar. Länger andauernde Restriktionen für wirtschaftliche und soziale Aktivi- täten sowie die Verunsicherung der Konsumenten machen diese Rezession zu einem „double dip“: ein rares Ereignis, in dem es nach einer Zwischenerholung noch einmal bergab geht. Vollständige und wiederholte Lockdowns bringen das Wachstum zum Erliegen. In diesem schwierigen Umfeld wird die deutsche Wirtschaft 2021 noch einmal schrumpfen, ein Desaster nach dem Einbruch 2020. Die Weltwirtschaft steckt ebenfalls ein weiteres Jahr in der Rezession. Das Ausbleiben eines Aufschwungs ver- stärkt die bislang gedämpften Zweitrundeneffekte der Krise: Firmenpleiten, Stellenabbau, Überschuldung, Haushalte in Exis- tenznöten. Ganze Branchen könnten „verwaisen“. 49 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Die Geister, die ich rief … Eine längere Schwächephase wird zudem die unschönen politischen Strömungen der vergangenen Jahre verstärken. Spätestens seit 2016 kennen wir mit dem Brexit und der Wahl Donald Trumps politische Stö- rungen einer Größenordnung, wie man sie sich vorher kaum hat vorstellen können. Eine nachhaltige und ausgeprägte Tendenz zur Abschottung, sei es nun aus Gründen des Nationalismus („Buy American!“) oder zur Förderung der regionalen Wirtschaft („Kauft regional!“), wäre Gift für die globale Konjunktur. Es drohen Protektionismus- und Abwertungsspiralen wie in den 1930er Jahren, wenn Regierungen einen größeren Teil der Nachfrage für die hei- mische Produktion „sichern“ wollen. Ver- glichen mit damals sind die Volkswirt- schaften heute aber viel enger miteinander verﬂochten, die Kosten einer Deglobali- sierung wären immens. „They’re here.“ Aus dem Film „Poltergeist“ (Platz 69 der „100 besten Filmzitate“, American Film Institute) Gleichzeitig wirken im Hintergrund andere Trends, die auf jeden Fall mit Belastungen und Kosten verbunden sind und wo Politik- fehler sehr teuer werden können, vor allem in einer Phase konjunktureller Schwäche: Klimaauﬂagen, der Wettstreit um die technologische Führungsrolle, die Dauer- debatte um höhere Besteuerung von (digitalen) Unternehmen oder die Über- frachtung der Unternehmen mit Bürokra- tie. Ein Beispiel ist das Lieferkettengesetz, das wie auf Autopilot trotz Wirtschaftskrise einfach weiter vorangetrieben wird. Nicht zuletzt auf Ebene der EU sind hier Gefahren erkennbar. Regionalparlamente sind in der Lage, internationale Handels- abkommen für rund 450 Mio. EU-Bürger zu blockieren. Mit Großbritannien ver- abschiedet sich ein wichtiger Verfechter des freien Wettbewerbs und einer relativ liberalen Wirtschaftspolitik aus der Union. In Brüssel diskutiert man zunehmend über eine Industriepolitik der „nationa- len Champions“ und in einem Umfeld steigender Arbeitslosigkeit wird „Wett- bewerb“ schnell zu einem Unwort. Gleich- zeitig können lautstarke Forderungen nach einer weitgehenden Vergemein- schaftung der Staatsschulden oder Maß- nahmen gegen sogenanntes „Steuer- Dumping“ die Union spalten. In dem Filmklassiker von 1982 ist ein über- bauter Friedhof die Quelle der Poltergeister, die Sünden der Vergangenheit holen die Protagonisten also ein. Ein bisher non- chalanter Umgang mit protektionistischen Tendenzen (Chlorhühner!) erschwert es, ihnen nun konsequent zu begegnen. Daneben rächen sich die in den meisten Ländern schon 2008 hohen und seit der Finanzkrise meist noch weiter auf- gehäuften Schulden im öffentlichen wie im privaten Sektor. Die private Schulden- last führt zu Investitionszurückhaltung, die Staatsschulden schränken den Hand- lungsspielraum und die Effektivität der Fiskalpolitik merklich ein. „Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.“ Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) In diesem Szenario sind die Notenbanken unter zusätzlichem Druck, die Zinsen niedrig zu halten bzw. noch weiter zu senken, um das letzte Quäntchen Stimulus zu mobilisieren und um die kräftig stei- genden Schuldenquoten zu stabilisieren. Neue Strategien wie extreme Versionen der „forward guidance“, Zinskurvenkon- trolle oder sogar Helikopter-Geld sind denkbar. Prognoseübersicht im negativen Szenario Der konjunkturelle Aufholprozess, der im dritten Quartal 2020 begonnen hatte, wird unterbrochen. Im Jahresverlauf 2021 wird die wirtschaftliche Erholung zwar mit Verzögerung wieder aufgenommen, im 50 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Jahresdurchschnitt geht das Bruttoin- landsprodukt jedoch in Deutschland und in der Eurozone noch mal zurück. Die US- Wirtschaft dürfte weitgehend stagnieren. Der konjunkturelle Rückschlag dämpft den Preisauftrieb, die Inﬂ ationsraten bleiben aber im positiven Bereich. Renten haben Rückenwind. Die EZB senkt den Einlagensatz und weitet die Kaufpro- gramme nochmals massiv aus. Aufgrund der dauerhaft hohen Unsicherheit werden sichere Anlagehäfen wie US-Staatsanleihen und Bundesanleihen gesucht. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen notiert am Jahresende tief im negativen Bereich bei – 0,8 %. Die Zinskurve wird zeitweilig invers. Die wirtschaftliche Schwäche setzt die Finanzproﬁ le der Corporates weiterhin unter Druck. Ein erneuter Anstieg der Risikoprämien ist wahrscheinlich. Dies spiegelt sich bei den Banken in weiter zunehmenden Wertberichtigungen bei Krediten und Finanzaktiva wider. Covered Bonds bleiben überwiegend robust und stark nachgefragt, doch die steigenden fundamentalen Risiken führen zu mehr Differenzierung bei den niedrigen Risiko- prämien. Die Perspektiven für die Unternehmens- gewinne erholen sich 2021 per saldo nicht von ihrem Einbruch. Trotz des massiven Einsatzes der Geldpolitik und mangelnder Anlagealternativen steigt die Risikoaver- sion der Anleger deutlich. Dies führt zu markanten Bewertungsabschlägen in Aktien. Der DAX fällt in den Bereich um 10.000 Punkte. Bei Immobilien sinken Mieten und Kaufpreise im gewerblichen Bereich auf breiter Front. Nicht nur bei Einzel- handelsobjekten, sondern auch bei Bürogebäuden kommt es zu deutlichen Abwertungen. Der Wohnungsmarkt bleibt vergleichsweise stabil, weitere Preissteigerungen sind hier im schwa- chen Umfeld jedoch nicht zu erwarten. Gold erreicht als Krisenwährung neue Rekordmarken. Da Geld- und Fiskalpolitik in weitere Extrembereiche vordringen werden, nimmt das Edelmetall in US- Dollar je Feinunze die 3.000er-Marke ins Visier. Der US-Dollar proﬁ tiert einmal mehr von schwierigen Zeiten, selbst wenn die Probleme in den USA ökonomisch kaum geringer sind. Der Euro leidet jedoch zusätzlich unter den zunehmenden politi- schen Konﬂ ikten in der Währungsunion und „gewinnt“ damit im internationalen Abwertungswettlauf. Der Euro-Dollar- Kurs fällt auf die Parität. Patrick Franke Poltergeist stört die Erholung Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft /Research rozo e e 4 / 20 00 vatar Na y Polter eist 0 0 0 11 2 13 14 15 16 17 18 19 20 2 22 0 85 0 95 00 0 0 85 0 95 00 0 51 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Avatar (10 %) 4 Positivszenario Avatar (10 %) Unter unseren drei Szenarien ist es das positive, das sich von Jahr zu Jahr am wenigsten ändert. Dies liegt nicht an mangelnder Fantasie, sondern an den Vorstellungen eines optimistischen, aber plausiblen Konjunkturbildes, die sich nur sehr graduell ändern. In Computerspielen sind Avatare oft idealisierte Versionen der Spieler mit zum Teil über- menschlichen Fähigkeiten. In diesem Sinne projizieren wir stets unsere Hoffnungen in das Positivszenario, dem wir diesmal eine Wahrscheinlichkeit von 10 % beimessen. Notwendige Bedingung für ein solches Szenario im Jahr 2021 ist wohl ein Sieg über das Virus, je schneller desto besser. Ob nun mit Impfstoff oder durch soziale Eindämmungsmaßnahmen wie in China und Südkorea ist dabei nicht so zentral. Die Pandemie, eigentlich ein katastrophaler negativer Schock, kann jedoch nachhaltige positive Prozesse anstoßen. Dass es nach dem vorherigen Einbruch 2021 Potenzial für einen kräftigen Aufschwung gibt, ist trivial. Ein solcher Einschnitt kann aber auch ein Katalysator für Entwicklungen sein, die vorher durch Behar- rungskräfte oder andere Faktoren behindert wurden. Spontan wäre hier an die plötzlich mögliche Flexibilisierung des Arbeits- lebens zu denken oder an die Digitalisierung, die durch Abstands- gebote und Telearbeit vielen bisherigen Skeptikern nun attraktiv erscheint. 52 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Digitalisierung – der nächste „Bosskampf“ Studien zeigen, dass das optische Erscheinungsbild eines Avatars in Spielen oft Rückwirkungen auf die Handlungen des Spielers hat – der sogenannte „Proteus-Effekt“: Ein edles Äußeres animiert zu edlen Taten. Diese psychologische Tendenz lässt sich ohne weiteres auf ein wirtschaftliches Szenario übertragen. In einem positiven Umfeld handeln die Verantwortlichen besser – oder wie die Öko nomen sagen: Ein für alle vorteilhafteres Gleichgewicht wird ermöglicht. Gerade im Hightech-Bereich liegt der Spielraum für Verbesse- rungen in Deutschland auf der Hand. Statt die sogenannten „Internet-Riesen“ wegen ihrer potenziell monopolistischen Praktiken anzuprangern, sollte lieber gefragt werden: Warum sind diese Unternehmen fast alle in den USA entstanden? Was können oder müssen andere Länder tun, um auf diesen Feldern ähnlich erfolgreich zu sein? „Gute Wissenschaft ist gutes Beobachten.“ Zitat aus dem Film Avatar – Aufbruch nach Pandora Deutschland hinkt hier der Weltspitze hinterher. Der Blick wird dabei gerne auf mangelnde öffentliche Investitionen verengt. Aber es sind auch die Unternehmen, vor allem in den immer wichtigeren Dienstleistungsbranchen, die im internationalen Vergleich schlecht abschneiden. Seit dem Hoch im Jahr 2000 ist laut OECD-Zahlen der Anteil von Hightech an den Gesamt- investitionen in Deutschland im Trend wieder rückläuﬁg. Er lag laut den aktuellsten Zahlen unterhalb des OECD-Schnitts und war in Frankreich beispielsweise erheblich höher. Aber dies deutet auf ein Aufholpotenzial hin, dessen Erschließen spürbar Wachstumsimpulse generieren sollte. „Zukunft ist etwas, das die meisten Menschen erst lieben, wenn es Vergangenheit geworden ist.“ William Somerset Maugham (1874 – 1965) Selbst die bestehenden globalen Ungleichgewichte können, statt Handelsstreitigkeiten auszulösen, zu konstruktiven Reformen in Deﬁzit- und Überschussländern führen. Deutschland könnte beispielsweise die Rahmenbedingungen für inländische Investitio- nen verbessern und damit den Anreiz zum Kapitalexport mindern. In einem solchen Umfeld wären 2021 noch höhere Wachstums- raten als im Hauptszenario möglich. Obwohl dies mit spürbarem zusätzlichen Preisdruck verbunden wäre, würden produktivitäts- steigernde Investitionen auf mittlere Sicht inﬂationsdämpfend wirken. Aufgrund der extremen Ausgangspositionen könnten weder Fiskal- noch Geldpolitik schnell normalisiert werden und würden längere Zeit prozyklisch wirken. Aus konjunkturellen Gründen steigende Steuereinnahmen würden die Staatsdeﬁzite schnell wieder schrumpfen lassen. Zinserhöhungen wären nicht mehr auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Prognoseübersicht im positiven Szenario Die 2020 begonnene konjunkturelle Erholung setzt sich im Jahresverlauf 2021 schwungvoll fort. In Deutschland und in der Eurozone wird ein rekordhohes Wirtschaftswachstum erreicht. Auch die USA expandieren erheblich kräftiger als im Hauptszenario. Im Zuge des starken Aufholprozesses können die Verbraucher- preise in der Eurozone um mehr als 2 %, in Deutschland über 3 % sowie in den USA um rund 4 % zulegen. Trotz der veränderten Rahmenbedingungen hält die EZB die Leit- zinsen konstant, was zu einer steilen Zinskurve bei deutschen 53 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Renten führt. Die Ankaufprogramme werden beiderseits des Atlantiks gestoppt. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen verlässt infolge deutlich steigender Inﬂ a- tionserwartungen den negativen Bereich und klettert bis Jahresende 2021 auf 0,75 %. Die günstige Wirtschaftsentwicklung gibt Corporates spürbar mehr Luft zum Atmen. Nach der umfangreichen Wert berichtigung von Krediten in der Corona-Krise können Banken sogar Kreditrisiko-Rückstellungen auﬂ ösen. Trotz teils steigender relativer Attraktivität von unbesicherten Bank- anleihen bleiben Covered Bonds aufgrund eines unter den Fälligkeiten liegenden Angebots und der Wieder anlagen durch das Eurosystem gut unterstützt. Das dynamische Wirtschaftswachstum führt zu deutlichen Umsatzsteigerungen und ausgelasteten Kapazitäten. Die Unter- nehmen nutzen ihre Preiserhöhungsspiel- räume, um die Gewinnmargen auszuweiten. Die Nettoergebnisse legen somit über- durchschnittlich zu. Angesichts zuneh- mender Risikofreude der Anleger erfolgt eine Bewertungsexpansion. Der DAX überspringt die 16.000er-Marke. Die schnelle Erholung von der Krise reduziert die Belastungen am Immobi- lienmarkt. Während die Auswirkungen am Büromarkt sehr begrenzt bleiben, leiden Einzelhandelsimmobilien auch im besseren konjunkturellen Umfeld unter dem zunehmenden Onlinehandel. Am deutschen Wohnungsmarkt geht der bereits lange anhaltende Boom mit kräftig steigenden Kaufpreisen in die Verlängerung. Gold büßt seinen Nimbus als Krisen- währung ein, da es mit Überwindung der Krise relativ zu Aktien und Renten an Attraktivität verliert. Trotz einer extremen Staatsverschuldung sowie anziehender Inﬂ ation dürfte das Edel- metall unter 1.500 US-Dollar je Fein- unze abtauchen. Der kräftige konjunkturelle Schwung hilft vor allem dem Euro, zumal in Europa auch strukturell die Weichen für mehr Wachstum gestellt werden. Außerdem stärken nachlassende Ungleichgewichte in der Währungsunion das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung. Der Euro- Dollar-Kurs steigt auf 1,35. Patrick Franke a ie sterreich hi a ra kreich lowakei a a a chweiz lowe ie Automatisierung als Chance Quellen: International Federation of Robotics, Helaba Volkswirtschaft / Research Roboter ichte Roboter ro 0 000 esch fti te im Verarbeite e ewerbe 20 918 855 364 346 2 2 2 2 2 22 2 2 2 194 191 189 187 177 169 165 161 157 i a r korea a a De tschla chwe e D emark Ho ko aiwa USA talie el / Nie erla e 54 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Veränderung seit Jahresultimo aktueller Stand \* Q1 / 2021 Q2 / 2021 Q3 / 2021 Q4 / 2021 in Basispunkten Zinssatz in % EZB Einlagenzins 0 – 0,50 – 0,50 – 0,50 – 0,50 – 0,50 Tagesgeldsatz €STR\*\* – 3 – 0,56 – 0,50 – 0,50 – 0,50 – 0,50 3M Euribor – 13 – 0,52 – 0,50 – 0,45 – 0,45 – 0,40 2j. Bundesanleihen – 19 – 0,79 – 0,70 – 0,70 – 0,65 – 0,60 5j. Bundesanleihen – 34 – 0,82 – 0,65 – 0,55 – 0,40 – 0,40 10j. Bundesanleihen – 45 – 0,64 – 0,40 – 0,30 – 0,20 – 0,20 30j. Bundesanleihen – 58 – 0,23 0,00 0,15 0,25 0,30 10j. Swapsatz – 48 – 0,27 – 0,05 0,05 0,15 0,20 Federal Funds Rate\*\*\* – 150 0,13 0,13 0,13 0,13 0,13 10j. US-Treasuries – 115 0,76 0,75 1,00 1,00 1,20 Landeswährung % Indexstand DAX – 7,0 12.324 13.300 13.600 13.800 14.000 EURO STOXX 50 – 15,6 3.161 3.420 3.470 3.520 3.550 S&amp;P 500 6,6 3.443 3.600 3.650 3.700 3.750 Nikkei 225 0,2 23.695 25.500 26.000 26.500 27.000 in % Preis Brentöl $ / bbl – 37,5 41 53 60 63 64 Gold $ / Unze 25,4 1.903 1.800 2.000 1.800 2.000 Gold € / Unze 19,9 1.623 1.500 1.667 1.440 1.600 gg. Euro, in % Kurs gg. Euro US-Dollar – 4,4 1,17 1,20 1,20 1,25 1,25 Japanischer Yen – 0,6 123 125 125 128 128 Britisches Pfund – 6,3 0,90 0,88 0,85 0,85 0,85 Schweizer Franken 1,5 1,07 1,10 1,10 1,12 1,12 Schwedische Krone 1,9 10,30 10,30 10,20 10,10 10,00 Chinesischer Yuan 0,3 7,79 7,92 7,92 8,13 8,13 Prognose Ende … Kapitalmarktprognosen Quellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft / Research \* 4.11.2020 \*\* Eonia = €STR + 8,5 Bp \*\*\* Mittelwert des Zielkorridors 55 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Bruttoinlandsprodukt reale Veränderung gg. Vorjahr, % Inﬂation Veränderung gg. Vorjahr, % Budgetsaldo % des BIP 2019 2020s 2021p 2022p 2019 2020s 2021p 2022p 2019 2020s 2021p 2022p Euroland 1,3 – 6,8 6,3 2,1 1,2 0,3 1,4 1,6 – 0,6 – 8,9 – 5,0 – 3,0 Deutschland 0,6 – 5,4 5,0 2,0 1,4 0,5 1,9 2,0 1,5 – 6,5 – 3,5 – 2,5 Frankreich 1,5 – 8,7 8,0 2,3 1,3 0,5 1,3 1,7 – 3,0 – 11,0 – 7,0 – 5,0 Italien 0,3 – 8,3 6,0 1,7 0,6 – 0,2 0,8 1,1 – 1,6 – 12,0 – 6,0 – 4,0 Spanien 2,0 – 11,0 7,5 2,5 0,8 – 0,4 0,6 1,1 – 2,9 – 13,0 – 7,0 – 5,0 Niederlande 1,6 – 5,0 4,0 2,5 2,7 0,7 1,1 1,5 1,7 – 5,5 – 2,2 – 0,5 Österreich 1,4 – 7,1 3,9 3,2 1,5 1,4 1,5 1,7 0,7 – 10,0 – 5,5 – 2,7 Irland 5,9 – 2,0 4,0 3,5 0,9 – 0,4 0,9 1,5 0,4 – 6,0 – 4,0 – 1,0 Portugal 2,2 – 8,0 5,5 2,4 0,3 – 0,2 0,9 1,5 0,2 – 6,7 – 3,8 – 1,0 Griechenland 1,9 – 7,5 5,0 2,8 0,5 – 0,3 1,0 1,2 1,5 – 6,8 – 4,0 – 3,0 Schweden 1,3 – 4,1 3,2 2,8 1,8 0,5 1,4 2,0 0,3 – 5,5 – 3,5 – 1,5 Norwegen 1,2 – 3,3 3,0 2,4 2,2 1,4 2,3 1,8 6,5 – 6,0 0,0 2,8 Polen 4,6 – 4,1 3,5 3,5 2,3 3,5 2,1 2,4 – 0,7 – 10,0 – 3,8 – 3,5 Tschechien 2,3 – 7,4 3,3 3,4 2,8 3,2 2,0 2,3 0,3 – 7,8 – 4,0 – 2,5 Ungarn 4,6 – 6,9 3,7 3,3 3,3 3,5 3,2 3,3 – 2,1 – 6,7 – 4,2 – 3,0 Großbritannien 1,3 – 10,7 5,7 2,5 1,8 1,0 2,4 2,3 – 2,1 – 15,0 – 9,0 – 6,0 Schweiz 1,1 – 3,7 3,5 2,2 0,4 – 0,5 1,0 1,3 1,5 – 4,2 – 1,4 – 0,6 USA 2,2 – 3,6 3,8 2,5 1,8 1,3 3,3 2,5 – 6,3 – 20,0 – 10,0 – 6,0 Japan 0,7 – 6,2 2,2 1,2 0,5 0,0 0,3 0,5 – 3,3 – 14,0 – 8,0 – 6,0 Asien ohne Japan 4,7 – 1,0 7,7 5,0 2,9 2,6 2,5 3,3 – 3,8 – 10,0 – 9,4 – 8,4 China 5,8 1,8 9,3 5,5 2,9 2,8 2,8 2,5 – 6,3 – 12,0 – 12,0 – 11,0 Indien 4,2 – 9,6 10,1 6,2 3,7 5,7 3,8 4,2 – 4,6 – 7,0 – 6,5 – 5,4 Russland 1,3 – 3,8 3,0 2,0 4,8 3,8 4,0 3,7 2,1 – 4,0 – 1,8 – 1,0 Türkei 0,9 – 4,0 4,6 3,7 15,6 10,7 10,0 8,5 – 2,9 – 5,2 – 4,2 – 3,8 Lateinamerika 1,4 – 7,3 4,6 3,0 8,3 6,5 7,2 6,4 – 3,7 – 10,4 – 5,6 – 3,8 Brasilien 1,1 – 4,5 4,8 2,7 3,8 2,3 2,6 3,6 – 5,9 – 16,3 – 6,8 – 4,8 Welt 3,0 – 3,6 5,9 3,6 2,9 2,2 2,9 3,0 – – – – Quellen: EIU, Macrobond, Datastream, Helaba Volkswirtschaft / Research BIP-Wachstum soweit verfügbar kalenderbereinigt; s = Schätzung, p = Prognose Bruttoinlandsprodukt, Inﬂation, Budgetsaldo 56 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Adressverzeichnis Hauptsitze Frankfurt am Main Neue Mainzer Straße 52 – 58 60311 Frankfurt am Main T + 49 69 / 91 32-01 Erfurt Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt T + 49 3 61 / 2 17-71 00 Bausparkasse Landesbausparkasse Hessen-Thüringen Offenbach Kaiserleistraße 29 – 35 63067 Offenbach T + 49 69 / 91 32-03 Erfurt Bonifaciusstraße 19 99084 Erfurt T + 49 3 61 / 2 17-70 07 Förderbank Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen Kaiserleistraße 29 – 35 63067 Offenbach T + 49 69 / 91 32-03 Niederlassungen Düsseldorf Uerdinger Straße 88 40474 Düsseldorf T + 49 2 11 / 3 01 74-0 Kassel Ständeplatz 17 34117 Kassel T + 49 5 61 / 7 06-60 London 3rd Floor 95 Queen Victoria Street London EC4V 4HN Großbritannien T + 44 20 / 73 34-45 00 New York 420, Fifth Avenue New York, N.Y. 10018 USA T + 1 2 12 / 7 03-52 00 Paris 4 – 8 rue Daru 75008 Paris Frankreich T + 33 1 / 40 67-77 22 Stockholm Kungsgatan 3, 2nd Floor 111 43 Stockholm Schweden T + 46 / 86 11 01 16 Repräsentanzen Madrid (für Spanien und Portugal) General Castaños, 4 Bajo Dcha. 28004 Madrid Spanien T + 34 91 / 39 11-0 04 Moskau Regus BC Voentorg, 3rd Floor, Ofﬁce 311 10, Vozdvizhenka Street 125009 Moskau Russische Föderation T + 7 4 95 / 7 97-36-51 São Paulo Av. das Nações Unidas, 12.399 Conj. 105 B – Brooklin Novo São Paulo – SP Brasilien 04578-000 T + 55 11 / 3405-3180 Shanghai Unit 012, 18th Floor Hang Seng Bank Tower 1000 Lujiazui Ring Road Shanghai, 200120 China T + 86 21 / 68 77 77 08 Singapur One Temasek Avenue #05 – 04 Millenia Tower Singapore 039192 T + 65 / 62 38 04 00 57 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Sparkassen- Verbundbank-Büros Berlin Joachimsthaler Straße 12 10719 Berlin T + 49 30 / 2 06 18 79-13 52 Hamburg Neuer Wall 30 20354 Hamburg T + 49 1 51 / 29 26 83 81 Vertriebsbüros München Lenbachplatz 2 a 80333 München T + 49 89 / 5 99 88 49-10 16 Münster Regina-Protmann-Straße 16 48159 Münster T + 49 2 51 / 92 77 63-01 Stuttgart Kronprinzstraße 11 70173 Stuttgart T + 49 7 11 / 28 04 04-0 Immobilienbüros Berlin Joachimsthaler Straße 12 10719 Berlin T + 49 30 / 2 06 18 79-13 14 München Lenbachplatz 2 a 80333 München T + 49 89 / 5 99 88 49-0 Auswahl der Tochtergesellschaften Frankfurter Sparkasse Neue Mainzer Straße 47– 53 60311 Frankfurt am Main T + 49 69 / 26 41-0 1822direkt Gesellschaft der Frankfurter Sparkasse mbH Borsigallee 19 60388 Frankfurt am Main info@1822direkt.com T + 49 69 / 9 41 70-0 Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AG JUNGHOF Junghofstraße 26 60311 Frankfurt am Main T + 49 69 / 1 56 86-0 Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz) AG Börsenstrasse 16 8001 Zürich Schweiz T + 41 44 / 2 65 44 44 Helaba Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH JUNGHOF Junghofstraße 24 60311 Frankfurt am Main T + 49 69 / 2 99 70-0 GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen Westerbachstraße 33 60489 Frankfurt am Main T + 49 69 / 9 75 51-0 OFB Projektentwicklung GmbH Speicherstraße 55 60327 Frankfurt am Main T + 49 69 / 9 17 32-01 GGM Gesellschaft für Gebäude- Management mbH Speicherstraße 55 60327 Frankfurt am Main T + 49 69 / 9 17 32-9 00 58 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Herausgeber Helaba Volkswirtschaft / Research Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin / Leitung Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos, Barbara Bahadori Neue Mainzer Straße 52 – 58, 60311 Frankfurt am Main T + 49 69 / 91 32-01 Bonifaciusstraße 16, 99084 Erfurt T + 49 3 61 / 2 17-71 00 www.helaba.com Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Konzeption und Gestaltung La Mina GmbH, Darmstadt Druck Druckerei Braun &amp; Sohn, Maintal Fotonachweis Getty Images: S. 7, 51, © Colin Anderson Productions pty ltd; S. 37, © Martin Botvidsson; S. 42, © Tetra Images iStock: Umschlag (U1), S. 6, S. 8, Toa55, kieferpix, Gladiathor; S. 5 TARIK KIZILKAYA; S. 7, 48, Cherry-Merry, melkerw, KatarzynaBialasiewicz, archideaphoto; S. 7, 51, mysticenergy; S. 14, KurKestutis; S. 16, tomazl; S. 20, PhotoInc; S. 23, AsiaVision; S. 24, encrier; S. 26, Image Source, mbaysan, Vimvertigo, t\_trifonoff, akova, Six\_Characters; S. 28, jacoblund; S. 31, skynesher; S. 33, FamVeld; S. 35, Martinan; S. 36, ﬁzkes; S. 41, gbrundin; S. 42, serts, FatCamera; S. 44, ake1150sb; S. 45, lovleah, djedzura, kool99; S. 46, esolla; S. 47, G&amp;J Fey; Umschlag (U3), ljubaphoto Shutterstock: S. 18, Alexandr Grant; S. 26, David Hanlon; S. 38, ﬁzkes Jürgen Mai: Umschlag (U2), © Jürgen Mai Autoren Christian Apelt Barbara Bahadori Ulrike Bischoff Marion Dezenter Patrick Franke Patrick Heinisch Ulrich Kirschner Dr. Susanne E. Knips Ulf Krauss Sabrina Miehs Dr. Stefan Mitropoulos Dr. Stefan Mütze Markus Reinwand Dr. Gertrud R. Traud Ralf Umlauf Claudia Windt FSCZertiﬁkat 59 Helaba Volkswirtschaft / Research | November / Dezember 2020 | © Helaba Helaba Neue Mainzer Straße 52 – 58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 - 01 F +49 69 / 29 15 17 Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt T +49 3 61 / 2 17 - 71 00 F +49 3 61 / 2 17 - 71 01 www.helaba.com Besuchen Sie unsere Website helaba.com/de/research und entdecken Sie dort zusätzliche Inhalte, Videos und Podcasts.

In diesen ungewöhnlichen und unsicheren Zeiten geht der Konjunktur- und Kapitalmarktausblick der Helaba der Frage nach: Wer führt uns in die Zukunft? In diesem Sinne präsentiert Märkte und Trends 2021 eine Auswahl von Charakteren, die wegweisend sein könnten. Das Hauptszenario trägt den Titel „Mit der Nanny durch die Krise“. Einflussreich könnten aber auch der „Poltergeist“ (negatives Alternativszenario) und der „Avatar“ (positives Alternativszenario) sein. Was genau damit gemeint ist, erfahren Sie in unserer Microsite, die zusätzlich Podcasts und kurze Videoclips bietet.
