---
title: "Finanzplatz Frankfurt: In der Pole-Position für Brexit-Banker"
url: https://www.helaba.com/de/finanzplatz-frankfurt-der-pole-position-fuer-brexit-banker
type: dd_research
language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Finanzplatz Fokus
---

# Finanzplatz Frankfurt: In der Pole-Position für Brexit-Banker

FINANZPLATZ FRANKFURT IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER Volkswirtschaft/Research September 2017 Herausgeber: Helaba Landesbank Hessen-Thüringen Volkswirtschaft/Research Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin/Bereichsleitung Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52 – 58, 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24, Telefax: 0 69/91 32-22 44 Lizenzhinweis für Karten auf den Innenseiten: (1) Ausschnitt Stadtkarte 1:50.000, © Hess. Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation, Geobasisdaten: ©Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main, Stand: Juni 2017 (2) Übersichtskarte Frankfurt/Rhein-Main-Gebiet, Maßstab 1: 225 000, © Hess. Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr über- nehmen können. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 3 Editorial Sehr geehrte Leserinnen und Leser, das Referendum der Briten für den Austritt aus der EU liegt jetzt schon 14 Monate zurück. Was ist seitdem passiert? Am schnellsten hat sich der Begriff „Brexit“ als semantische Variation des fast schon vergessenen „Grexit“ etabliert. Unklar ist, ob das Ausscheiden der Briten bereits im März 2019 erfolgen wird – Großbritannien drängt nämlich auf Übergangsfristen. So scheint man auf der Insel langsam erkannt zu haben, dass ein Austritt aus der EU vielleicht doch keine so gute Idee war und die Kosten deutlich höher ausfallen könnten als der vermeintliche Nutzen. Die verbleibenden 27 EU-Mitgliedstaaten treten erstaunlich einheitlich auf und erreichen damit eine starke Position. Angesichts der zu bewältigenden Themen und der eher schleppend verlaufenden Verhandlungen tickt die Uhr zum Countdown sehr laut. Dabei ist das Qualifying der Marktteilneh- mer in vollem Gang: Die britische Währung ist seit dem Referendum unter Druck. Der dortige Im- mobilienmarkt neigt zur Schwäche und entlang der Themse ist die Dauerfahrt auf der Überholspur beendet. Betriebsamkeit ist unter den Banken zu beobachten. Sollten nämlich die derzeit aus London her- aus operierenden Banken den sogenannten EU-Pass verlieren, müssten sie sich für ihr europäi- sches Geschäft einen neuen Standort innerhalb der 27 EU-Länder suchen. Damit ist das Rennen der europäischen Finanzplätze um die Brexit-Banker eröffnet. Frankfurt sehen wir in der Pole-Position im Wettbewerb der „Places to be“ für die Finanzbranche. Wie wir in mehreren Studien anschaulich nachgewiesen haben, ist die Main-Metropole in Konti- nentaleuropa der Finanzplatz Nr. 1. So überrascht es nicht, dass sich bereits zahlreiche Institute für eine Verlagerung von Geschäftsaktivitäten nach Frankfurt ausgesprochen haben. Natürlich sind auch andere Finanzplätze gut im Rennen. Gemessen an den derzeit vorliegenden Verlautbarun- gen der Banken liegt Frankfurt aber vorne. Wie viele Banken mit welcher Belegschaft Brexit-induziert letztendlich kommen, lässt sich nach wie vor nur grob abschätzen. Angesichts der erstklassigen Ausgangsposition hat der Finanzplatz Frankfurt jedoch gute Chancen auf mindestens die Hälfte der von der Themse abwandernden Finanzjobs. Unter zurückhaltenden Annahmen wären dies über einen Zeitraum von mehreren Jahren mindestens 8.000 Mitarbeiter. Spürbar dürfte dies schon im kommenden Jahr werden. FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 4 Die Zuwanderer aus London, die gerade bei weltweit tätigen Banken nicht nur gebürtige Briten sind, werden Frankfurt als eine sehr internationale Stadt erleben. Derzeit sind hier Menschen aus 177 Nationen heimisch und der Zuzug nach Frankfurt hat in den letzten Jahren enorm zugenom- men. Das internationale Flair bei gleichzeitiger Bodenständigkeit sowie guter Erreichbarkeit naher und ferner Ziele erfreut sich hoher Beliebtheit. Seit 2013 ist die Bevölkerung jährlich um durch- schnittlich 15.000 Personen gestiegen. Eine zunehmende Einwohnerzahl ist für eine Stadt aber auch eine Herausforderung, an der stän- dig gearbeitet werden muss – das lässt sich nicht verschweigen. So wie im Motorsport Erfolge nicht durch eine One-Man-Show zu Stande kommen, bedarf es im regionalen Miteinander einer großen Teamanstrengung. Dies gilt insbesondere für die Themen rund um den Wohnungsmarkt und die intellektuelle Infrastruktur, die für alle wachsenden Großstädte typisch sind. Als Metropole mit ausgeprägter bürgerlicher Tradition und engagierten Unternehmen sollte es aber mit Unterstüt- zung durch das gesamte Rhein-Main-Gebiet möglich sein, für ausreichende materielle, räumliche und personelle Ressourcen zu sorgen. Gut vorbereitet sind die Chancen also hoch, dass Frankfurt als erster Finanzplatz die schwarz- weiß karierte Zielflagge passiert. Ihre Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/Bereichsleitung Research FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 5 Inhalt Editorial………………………………………………………………………………………….……...….3 Zusammenfassung………………………………………………………..…….……………….............6 1 Brexit – „what’s going on?“ ..................................................................................................... 8 1.1 Zeitplan und Szenarien ........................................................................................................ 8 1.2 Blick von der Themse an den Main ..................................................................................... 9 2 Frankfurt als primärer Brexit-Profiteur .................................................................................. 12 2.1 Ranking: London vor Frankfurt vor Paris ........................................................................... 12 2.2 Verbesserung der Wettbewerbsposition ............................................................................ 13 3 Internationalität der Main-Metropole ..................................................................................... 14 3.1 Frankfurts internationale Prägung ..................................................................................... 14 3.2 Frankfurt mit attraktivem Angebot...................................................................................... 16 4 Beschäftigung in und um Frankfurt ....................................................................................... 19 4.1 Neues Regionenaggregat: BIG FFM ................................................................................. 19 4.2 Prognose Frankfurter Bankbeschäftigung ......................................................................... 20 5 Standortfaktoren im Fokus ..................................................................................................... 22 5.1 Immobilienmarkt ................................................................................................................ 22 5.2 Bildungseinrichtungen ....................................................................................................... 26 Redaktionsschluss: 23. August 2017 .. ... FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 6 Finanzplatz Frankfurt: In der Pole-Position für Brexit-Banker Das deutsche Finanzzentrum ist im Rennen um die Brexit-Banker in der Pole-Position. Dies wird durch die Ankündigungen vieler Londoner Institute deutlich. Hatten zunächst nur wenige ihre Umzugspläne publik gemacht, so gehen seit Start der Brexit-Verhandlungen im Juni 2017 viele Player offensiver mit ihren Geschäftsverlagerungen an Alternativstandorte um. Dabei konnte sich Frankfurt im europäischen Standortwettbewerb klar an die Spitze setzen. Denn zahlreiche Banken haben sich mittlerweile konkret dafür ausgesprochen, Arbeitsplätze von der Themse an den Main zu verlegen. Im Vergleich dazu wurden bisher kaum eindeutige Entscheidungen für andere Finanzplätze offiziell verkündet. Darüber hinaus favorisieren etliche weitere Institute das deutsche Finanzzentrum, zumindest für partielle Geschäftsverschiebun- gen. Damit gibt es nun eine ansehnliche Akkumulation von Finanzplatz-Akteuren pro Frankfurt. Die Favoritenrolle des deutschen Finanzzentrums im Brexit-bedingten Umstrukturierungspro- zess kommt nicht von ungefähr: Frankfurt ist das führende Finanzzentrum Kontinentaleuropas, wie wir in der 10-jährigen Jubiläumsstudie des Helaba Finanzplatz-Research im Sommer 2016 detailliert nachgewiesen haben. Unsere indikator-basierte komparative Standort-Analyse führte zu folgender eindeutiger Reihenfolge in Europa: London vor Frankfurt vor Paris. So besitzt das deutsche Finanzzentrum mit seinen vielen Assets schon lange eine hohe Anziehungskraft auf Akteure aus dem In- und Ausland. Hinsichtlich Arbeitsplatzverlagerungen von der Themse an den Main kommen folgende seiner Standortqualitäten besonders zum Tragen: Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, Sitz der EZB in ihrer Doppelfunktion, Verkehrsdreh- scheibe mit guter Infrastruktur, relativ günstige Büromieten sowie eine hohe Lebensqualität bei reichhaltigem Freizeitangebot in der Stadt und im grünen Umland. Die Attraktivität und Internationalität Frankfurts sollte durch ein konzertiertes, selbstbewusstes Marketing nachhaltig ins rechte Licht gerückt werden, was mit vielfältigen Aktivitäten bereits angegangen wird. Schließlich sind die immer wieder hervorgekramten Vorurteile, dass es hier provinziell zuginge und man mit Englisch nicht weit komme, längst überholt. Die als „gesettelt“ geltende Main-Metropole, die auf gekonnte Weise Ursprüngliches mit Modernem verbindet, hat schlichtweg einen anderen Charakter als die hippe „City of London“. Frankfurt hat sich insbe- sondere in puncto Internationalität spürbar fortentwickelt und kann dem in- und ausländischen Publikum viel bieten. Seit unserem Finanzplatz-Ranking 2016 hat sich die relative Attraktivität Frankfurts sogar noch erhöht. Demgegenüber ist der Image-Schaden für London schon jetzt nicht mehr wegzu- diskutieren, wenngleich die „City“ ihre herausragende Stellung in der Finanzwelt behalten dürf- te. Die anhaltend hohe Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen in Großbritannien lässt es allerdings in der Gunst ausländischer Finanzplatz-Akteure sinken. Zudem ist das Schei- tern der Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange als positiv für Frankfurt gerade im Verhältnis zum britischen Finanzstandort zu bewerten. Denn statt der befürchteten „Eingemeindung“ aus London kann die starke Frankfurter Börse nun erhobenen Hauptes auf ihrem eigenen Weg fortschreiten. Darüber hinaus könnte das deutsche Finanzzentrum als eu- ropäische Aufsichtsmetropole weiter gestärkt werden, sollte die länderübergreifende Banken- aufsichtsbehörde EBA hierher verlegt werden. Durch all dies steigen die Chancen, dass Frank- furt primärer Brexit-Profiteur wird und sich damit auch im Weltfinanzsystem noch besser positioniert. Autorin: Ulrike Bischoff Telefon 0 69/91 32-52 56 research@helaba.de FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 7 Ein Novum des langjährigen Finanzplatz-Research der Helaba ist das eigens kreierte regiona- le Beschäftigungsaggregat – die Finanzbeschäftigung im von uns definierten BIG FFM. Hier- zu haben wir die räumliche Abgrenzung von Greater London auf das Gebiet rund um Frankfurt übertragen. Ende letzten Jahres arbeiteten in BIG FFM rund 118.000 sozialversicherungspflich- tig Beschäftigte im Sektor Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, was sich mit knapp 360.000 in Greater London vergleicht. Die Beschäftigungsdichte, also bezogen auf die Bevölke- rungszahl, beträgt allerdings in beiden Finanzplatz-Regionen jeweils gut 4 %. Die Entwicklung der regionalen Finanzbeschäftigung verläuft in London wesentlich zyklischer als in Frankfurt. 2016 ist die Finanzbeschäftigung an der Themse um 5 % gesunken, während sie am Main stagnierte. Der Brexit-induzierte, mehrjährige Umstrukturierungsprozess im europäischen Finanzplatz- gefüge lässt sich nach wie vor nur grob abschätzen. In unserem Basisszenario „Kompromiss“ bleibt London trotz Image-Schaden und Einschränkungen beim Binnenmarktzugang der bedeu- tendste Finanzplatz Europas. Angesichts seiner Pole-Position hat der Finanzplatz Frankfurt aber gute Chancen auf mindestens die Hälfte der von der Themse abwandernden Finanzjobs. Unter zurückhaltenden Annahmen wären dies über einen Zeitraum von mehreren Jahren ins- gesamt mindestens 8.000 Mitarbeiter, was sich ab 2018 richtig am Main bemerkbar machen sollte. Parallel vollzieht sich derzeit eine Konsolidierung in den hiesigen Bankentürmen. Somit gibt es in unserem Prognosezeitraum bis Ende 2019 zwei gegenläufige Effekte. Summa sum- marum lässt dies dann für Frankfurt rund 65.000 Bankbeschäftigte erwarten, was an histori- sche Höchststände anknüpft und einen vierprozentigen Anstieg gegenüber dem letzten verfüg- baren Stand von 62.400 Stellen Ende 2016 bedeutet. Sollte sich sogar eine spürbare Sogwir- kung von der Themse an den Main entfalten oder es zu einem konfliktreichen Verhandlungs- ausgang zwischen Großbritannien und der EU kommen, wäre das Ausmaß der Jobverlagerun- gen noch umfangreicher. Die Herausforderungen für Frankfurt wären damit umso größer, insbesondere in puncto Wohn- immobilien und Schulen. Dagegen dürfte die Zusatznachfrage am Büromarkt angesichts des noch immer reichlichen Leerstandes und einer Reihe von Projektentwicklungen problemlos zu bewältigen sein. Am Wohnungsmarkt besteht kein nennenswerter Leerstand. Hier musste bereits in den letzten Jahren ein jährlicher Zuzug von rund 15.000 Menschen bewältigt werden. Die kräftig erhöhte Neubauaktivität, die Planungen für die nächsten Jahre sowie die umfangrei- chen Flächenreserven im Umland sprechen aber gegen eine deutliche Verschärfung der Lage am Wohnungsmarkt in der Finanzplatzregion durch den Brexit. Das Schulangebot ist ein wichtiges Standortkriterium, da für die Londoner Banker neben ihrer Karriere eine gute Versorgung ihrer Familien zentral ist. Die Frankfurter Finanzplatz-Region bietet ein breites Spektrum internationaler Bildungseinrichtungen, das in den vergangenen Jahren sichtlich gewachsen ist. So gibt es hier derzeit über 30 private und öffentliche Schulen mit europäischem und internationalem Angebot, von denen einige eine Expansion planen. Be- reits jetzt ist die Nachfrage nach Bildungsangeboten hoch. Perspektivisch wächst die Zahl der Kinder mit jedem Jahr spürbar. Insofern bedarf es eines weiteren Ausbaus der Bildungsarchi- tektur für Kinder jeden Alters, der alle Schulformen umfasst und über den Brexit-bedingten Bedarf hinausgeht. Trotz der Herausforderungen durch den bevorstehenden Mitarbeiterzustrom von der Themse an den Main ist der Brexit für den hiesigen Finanzstandort eine einmalige Chance auf eine noch bessere Positionierung im internationalen Wettbewerb. FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 8 1 Brexit – „what’s going on?“ 1.1 Zeitplan und Szenarien Bald ist ein halbes Jahr seit dem offiziellen Austrittsantrag Großbritanniens gemäß Artikel 50 des EU-Vertrages vergangen. Noch immer herrscht große Unsicherheit über die genauen Modalitäten sowohl hinsichtlich der Trennung als auch des künftigen Verhältnisses. Der Zeitplan für eine Eini- gung bis zum faktischen Brexit Ende März 2019 ist ambitioniert, zumal dies eine mehrmonatige Phase zur Ratifizierung eines Abkommens beinhaltet. Damit bleibt eigentlich nur noch gut ein Jahr, bis sich die Verhandlungsergebnisse herauskristallisiert haben müssen. Dementsprechend sind zeitlich begrenzte Übergangsregelungen wahrscheinlich. Ablauf des Austrittsprozesses Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research In unserem Basisszenario „Kompromiss“ gehen wir davon aus, dass sich die politischen und wirt- schaftlichen Konsequenzen in Grenzen halten. Während bei Gütern ein weitgehendes Freihan- delsabkommen geschlossen werden könnte, wird es vermutlich bei Dienstleistungen – insbeson- dere Finanzdienstleistungen – zu Einschränkungen kommen. Dennoch behält der Finanzplatz London in diesem Szenario seine führende Rolle in Europa (Helaba-Prognose: 60 % Wahrschein- lichkeit). Im „Konflikt“-Szenario (30 %) nimmt das britische Finanzzentrum erheblichen Schaden, da der grenzüberschreitende Verkehr insbesondere bei Finanzdienstleistungen durch neue Regu- lierungen erheblich erschwert wird. Dies gilt auch für den Fall, dass keine Einigung erzielt wird und Großbritannien „einfach so“ aus der Staatengemeinschaft ausscheidet. Das am wenigsten wahr- scheinliche, wenngleich nicht unmögliche Szenario „Rosinenpicker“ ist, dass die Briten im Schei- dungsvertrag zu Lasten der EU deutliche Vorteile heraushandeln (10 %). Einen Exit vom Brexit halten wir weiterhin für unrealistisch. Angesichts der anhaltenden regulatorischen Unsicherheit im Verhandlungszeitraum wird es wei- terhin viele Spekulationen geben – auch über Standortverlagerungen Londoner Finanzinstitute. Denn etliche von ihnen betreiben ihre europäischen Geschäfte mittels des EU-Passes, der mit dem Brexit verloren gehen dürfte. Um eine entsprechende Zulassung in einem anderen Mitglieds- land wie Deutschland zu erhalten, ist eine Zeitspanne von rund einem halben Jahr einzukalkulie- ren. Je nach bisher bestehender Niederlassungsform in einem EU-Mitgliedstaat muss zuvor aller- dings erst einmal eine Banklizenz beantragt und von der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörde genehmigt werden, was hierzulande bis zu einem Jahr dauern kann. Innerhalb dieser insgesamt bis zu eineinhalb Jahre ist auch der Aufbau neuer Büros in adäquaten Räumlichkeiten und mit qualifiziertem Personal zu bewerkstelligen. Die Zeit drängt also: Schließlich sind es von jetzt an kaum mehr als eineinhalb Jahre bis zum briti- schen EU-Austritt im Frühjahr 2019. Akzentuiert wird dies von der bevorstehenden Reform in Großbritannien Anfang 2019, die eine Abgrenzung des Retail Banking vom Investment Banking vorsieht. Denn dies bedeutet für so manches Kreditinstitut eine veränderte Aufstellung in der EU. Jun 2016 Dez 2016 Jun 2017 Dez 2017 Jun 2018 Dez 2018 Jun 2019 23.06.2016 Brexit-Votum 29.03.2017 Offizieller Antrag 19.06.2017 Start der Verhandlungen Oktober 2018 Ratifizierung eines Abkommens 30.03.2019 Faktischer EU-Austritt Eigentlich nur noch gut ein Jahr für Verhandlungen Zulassung bei Aufsichts- behörde und Aufbau neuer Büros brauchen Zeit FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 9 Um eine nahtlose Versorgung ihrer Kunden in Europa zu gewährleisten, müssen die Institute schon bald ihre Umzugspläne konkret angehen. 1.2 Blick von der Themse an den Main Wie ist die Wahrnehmung des deutschen Finanzzentrums aus Sicht Großbritanniens? Zwar hegt so mancher ausländische Player weiterhin seine Vorurteile gegenüber der Main-Metropole, womit wir uns in Kapitel 3 dieser Studie detailliert auseinandersetzen. Insgesamt jedoch hat sich der Blick auf Frankfurt seit dem Brexit-Votum vor über einem Jahr positiv verändert, auch in der britischen Finanzpresse. Positive Aufmerksamkeit aus London kommt auch den in Frankfurt beheimateten Aufsichtsbehör- den zu, was die herausgehobene Stellung im Brexit-bedingten Verlagerungsprozess fördert. Noch vor dem informativen Workshop bei der Europäischen Zentralbank (EZB) im Mai 2017 hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zum Jahresbeginn zahlreiche Bankenver- treter von der Themse an den Main eingeladen. In diesem Meeting konnte die BaFin den Aus- tausch mit etlichen Banken intensivieren und durch die transparente Darstellung ihres Genehmi- gungsverfahrens sowie gutes Englisch punkten. Auch die Deutsche Bundesbank als zweite Säule der Bankenaufsicht hierzulande genießt international ein hohes Ansehen. Bereits im Frühjahr hatte laut BaFin eine zweistellige Anzahl von Instituten eine Entscheidung pro Frankfurt in Aussicht gestellt. Die ersten Anträge auf eine Banklizenz in Deutschland sind mittler- weile eingereicht, zudem dürften Gespräche über Geschäftsausweitungen stattfinden. Insgesamt sind die deutschen Aufsichtsbehörden derzeit mit rund 20 Großbanken im Dialog. Wechselwillige Akteure aus London können sich gezielt auf der Homepage der BaFin die nötigen Informationen beschaffen und über eine eigens eingerichtete Mailadresse (access@bafin.de) Kontakt aufneh- men. Londoner Banken sprungbereit… …und gehören bereits zur Frankfurter Community Beschäftigte in Londoner Investmentbanken Vertretungsart der Auslandsbank in Frankfurt, Bankenanzahl\* Quellen: Financial Times (2016), Helaba Volkswirtschaft/Research \* inkl. Mehrfachberücksichtigung einiger Institute, Auswahl wie im linken Chart; Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Von den großen Londoner Investmentbanken sind fast alle bereits prominent am deutschen Fi- nanzzentrum vertreten. Schon länger sind sie fester Bestandteil der lebhaften Frankfurter Commu- nity, bei manchen reicht die Geschichte ihres Instituts in Deutschland sogar bis in die 1920er Jahre zurück. Das Gros dieser „Global Player“ unterhält eine Zweigstelle in Frankfurt, etliche agieren als Tochtergesellschaft. Davon sind einige Institute sogar gewissermaßen mehrfach, nämlich mit diffe- rierender Rechtsstruktur zur Abdeckung bestimmter Geschäftsbereiche am Main beheimatet. Dies spricht für Frankfurt als wichtigen Standort in der Europastrategie international agierender Banken. Nicht wenige in London ansässige Auslandsbanken verfügen damit bereits über eine fundierte Basis am deutschen Finanzzentrum, die der aufsichtsrechtlichen Genehmigung für eine Expansion am Main zuträglich ist. Gute Reputation der deutschen Finanzaufsicht Einige Londoner Invest- mentbanken schon länger in Frankfurt FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 10 Bis zur Jahresmitte 2017 hatten nur wenige Finanzinstitute ihre Umzugspläne publik gemacht. Oftmals handelte es sich um Gerüchte oder Andeutungen, welcher Finanzstandort avisiert wird oder wo es bereits Optionierungen von Büroflächen gibt. Grundsätzlich ist von einer Umverteilung der Aktivitäten auf mehrere Alternativstandorte auszugehen – mit Schwerpunkt auf einem Finanz- platz in Europa. Seit Start der Brexit-Verhandlungen im Juni gehen einige Londoner Institute offen- siver mit ihren Verlagerungsplänen um. Insgesamt wird der Finanzplatz Frankfurt immer häufiger als Favorit genannt, womit er sich im europäischen Standortwettbewerb klar an die Spitze gesetzt hat. Darüber hinaus haben sich mittlerweile etliche Institute konkret für das deutsche Finanzzent- rum ausgesprochen: Standortverlagerungen der Brexit-Banken\* \* Ankündigungen in alphabetischer Reihenfolge Quelle: Presse, Helaba Volkswirtschaft/Research So errichten die britische Standard Chartered Bank und die schweizerische UBS ihre Europa- Zentralen in der Main-Metropole. Mit Nomura, Daiwa Securities, Sumitomo Mitsui und der Mizuho Financial Group haben sich gleich vier japanische Institute für das deutsche Finanzzentrum ent- schieden. Goldman Sachs will seine Mitarbeiterzahl in Frankfurt von rund 200 mehr als verdoppeln und auch in anderen europäischen Städten wachsen, ohne dies bisher zu spezifizieren. In ähnli- chem Ausmaß will wohl Morgan Stanley seine Kapazitäten am Main ausweiten und seine Aktivitä- ten schwerpunktmäßig hierher verlagern. Auch die beiden US-amerikanischen Institute Citigroup und Silicon Valley Bank haben sich eindeutig für das deutsche Finanzzentrum ausgesprochen, ebenso die russische VTB und die koreanische Woori Bank. Die Deutsche Bank, die gegenwärtig einen Großteil ihrer Geschäfte über London bucht, plant die Verlagerung wichtiger Funktionen an ihren Frankfurter Hauptsitz. Im Vergleich dazu gibt es bisher nur jeweils zwei fokussierte Entscheidungen für Dublin (Barclays, Bank of America), Luxemburg (China Everbright Bank, Northern Trust) und Amsterdam (Mitsubishi UFJ Financial Group, Royal Bank of Scotland) sowie eine für Paris (HSBC). J.P. Morgan hat Job- verlagerungen auf die drei Standorte Frankfurt, Dublin und Luxemburg angekündigt, wobei das London Dublin Paris Frankfurt Luxemburg Amsterdam • HSBC • Bank of America • Barclays • J.P. Morgan • Citigroup • Daiwa Securities • Deutsche Bank • Goldman Sachs • J.P. Morgan • Lloyds Banking Group • Mizuho Financial Group • Morgan Stanley • Nomura • Silicon Valley Bank • Standard Chartered Bank • Sumitomo Mitsui • UBS • VTB • Woori Bank • Mitsubishi UFJ Financial Group • Royal Bank of Scotland • China Everbright • J.P. Morgan • Northern Trust Frankfurt nun klarer Favorit für Brexit-Banken Bislang nur wenige An- kündigungen für andere Finanzstandorte FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 11 deutsche Finanzzentrum eine hervorgehobene Rolle spielen könnte. Die britische Lloyds Banking Group plant auch Kapazitätsaufstockungen in Frankfurt, wenngleich ihr EU-Hauptsitz künftig Berlin sein soll. Zahlreiche weitere Institute favorisieren die Main-Metropole, zumindest für partielle Ge- schäftsverlagerungen im Rahmen ihrer europäischen Umstrukturierung. Zusätzlich zu all diesen Banken gibt es etliche andere Finanzplatz-Akteure mit Fokus auf dem deutschen Finanzzentrum. Damit hat sich eine ansehnliche kritische Masse pro Frankfurt herausgebildet, darunter viele nam- hafte Institute. Je mehr offizielle Bekenntnisse es für das deutsche Finanzzentrum als bevorzugten Verlagerungsstandort gibt, umso wahrscheinlicher wird eine gewisse Sogwirkung von der Themse an den Main. Was die Geschäftsverlagerungen der Londoner Banken konkret für die Beschäfti- gungsentwicklung in Frankfurt bedeutet, skizzieren wir in Kapitel 4. FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 12 2 Frankfurt als primärer Brexit-Profiteur 2.1 Ranking: London vor Frankfurt vor Paris Die Favoritenrolle des deutschen Finanzzentrums im Brexit-bedingten Umstrukturierungsprozess kommt nicht von ungefähr: Frankfurt ist das führende Finanzzentrum Kontinentaleuropas, wie wir in der 10-jährigen Jubiläumsstudie des Helaba Finanzplatz-Research im Sommer 2016 detailliert nachgewiesen haben.1 Unsere indikator-basierte komparative Standort-Analyse führte zu folgender eindeutiger Reihenfolge in Europa: London vor Frankfurt vor Paris. Jubiläumsstudie 2016: Standortbestimmung der drei großen Finanzplätze Europas  zeigt an, dass der Finanzplatz im Sinne internationaler Wettbewerbsfähigkeit gut aufgestellt ist;  weist auf Defizite hin;  signalisiert eine Position im Mittelfeld. \* Ohne Fusionspläne von Deutscher Börse und London Stock Exchange hätte sich bereits damals ein  ergeben. Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Mit seinen zahlreichen Standortqualitäten und seiner dementsprechend herausragenden Stellung im europäischen Finanzplatzgefüge besitzt Frankfurt schon lange eine hohe Anziehungskraft auf Akteure aus dem In- und Ausland. Seit Jahren interessieren sich immer mehr Kreditinstitute aus- ländischer Herkunft für die Main-Metropole, und das Nationalitätenspektrum ist vielfältig. So betrie- ben Mitte 2017 rund 160 Auslandsbanken ihre Geschäfte von Frankfurt aus, was 80 % aller hier mit Hauptsitz angesiedelten Banken entspricht. Zudem gab es über 30 ausländische Repräsentan- zen sowie einige Zentralbanken aus anderen Ländern, die intensive Kontakte zu den Akteuren der hiesigen Community pflegen. Zusätzlich zum Verband der Auslandsbanken in Deutschland zeigen mittlerweile auch der europäische Bankenverband und verschiedene nationale Branchenvertretun- gen Flagge am Main. Zahlreiche Auslandsbanken in Main-Metropole… … mit großem Nationalitätenspektrum Bankenanzahl zum Jahresende\* Bankenanzahl nach Nationalitäten in Frankfurt (ISO-Codes), Ende 2016 2017: 2. Quartal; Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research In der aktuellen Debatte um Abwanderungen aus der Londoner City kommen folgende Assets der Main-Metropole besonders zum Tragen: Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, Sitz der EZB in ihrer Doppelfunktion, Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, relativ günstige Bü- 1 Vgl. Helaba Volkswirtschaft/Research (Juni 2016): „Finanzplatz Frankfurt bewegt sich weiter“ 2006 2016 2006 2016 2006 2016 Banken       Börsen      Finanzbez. Lehre &amp; Forschung       Trends in der Finanzbranche       Standortspezifische Qualitäten       Frankfurt London Paris \* Helaba-Studie: Frankfurt führt in Kontinentaleuropa Frankfurt mit hoher Anzie- hungskraft auf Banken aus dem In- und Ausland FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 13 romieten sowie eine hohe Lebensqualität bei reichhaltigem Freizeitangebot in der Stadt und im grünen Umland. Trotz ernstzunehmender Konkurrenten im Brexit-bedingten Umstrukturierungs- prozess ist der Standort Frankfurt hiermit gut positioniert, um zum vorrangigen Profiteur zu werden. Zu diesem Resümee sind wir bereits in unserem Finanzplatz-Fokus Ende 2016 gekommen, in dem wir verschiedene Aspekte des Finanzplatz-Wettbewerbs in Europa näher beleuchtet haben.2 Darüber hinaus könnte es bei einzelnen Instituten im Rahmen ihrer Konzernstrategie zwar auch Verschiebungen nach Übersee geben, beispielsweise an die globalen Finanzzentren New York oder Hongkong. Doch primär geht es um Europa-Geschäfte, für die angesichts des Wegfalls des EU-Passes ein alternativer Standort zu London etabliert werden muss. In dieser Hinsicht stellt Frankfurt mit seiner Sprungbrettfunktion im Herzen Europas seine Konkurrenz klar in den Schat- ten. Wie frühere Helaba-Umfragen belegen, sind viele Auslandsbanken eigens am deutschen Finanzzentrum angesiedelt, um von hier aus ihre Geschäfte in Nachbarländern zu betreiben.3 2.2 Verbesserung der Wettbewerbsposition Unsere vormals getroffene Einschätzung, dass das deutsche Finanzzentrum eine herausragende Stellung innerhalb Europas einnimmt und gute Chancen als primärer Brexit-Profiteur hat, gilt wei- terhin – mehr noch: Die relative Attraktivität Frankfurts hat sich mittlerweile sogar signifikant erhöht: Schon jetzt ist der Imageschaden für London nicht mehr wegzudiskutieren. Allein durch die anhal- tend hohe Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen im Inselstaat entscheidet sich wohl so manches international agierende Unternehmen bei Investitionen und bei der Einrichtung einer neuen Niederlassung lieber für einen anderen Standort. So sinkt Großbritannien in der Gunst ausländischer Investoren, und das ohnehin attraktive Deutschland sollte einen vermehrten Zu- strom ausländischer Direktinvestitionen spüren. Hierbei kommt neben den Qualitäten der deut- schen Volkswirtschaft auch die zentrale Einbettung in den weltgrößten Binnenmarkt zum Tragen, während Großbritannien künftig weniger als Brückenkopf nach Europa fungieren dürfte. Zudem ist das Scheitern der Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange als positiv für Frankfurt gerade im Verhältnis zum britischen Finanzstandort zu bewerten. Denn der Börsenplatz Frankfurt wurde nicht durch „Eingemeindung“ aus London degradiert, wie wir zum Zeitpunkt unserer Smiley-Bewertung Mitte 2016 annehmen mussten. Vielmehr kann die starke Deutsche Börse nun erhobenen Hauptes auf ihrem eigenen Weg fortschreiten, was angesichts der zunehmenden weltweiten Konkurrenz mittelfristig auch einen lohnenderen Zusammenschluss beinhalten kann. Darüber hinaus könnte das Frankfurter Cluster zentraler Institutionen der Finanz- branche demnächst verdichtet und die Main-Metropole in ihrer Rolle als europäische Aufsichtsmet- ropole weiter gestärkt werden, wenn die länderübergreifende Bankenaufsichtsbehörde EBA (Euro- pean Banking Authority) von der Themse an den Main verlegt werden sollte. Mit Hinblick auf den Kriterienkatalog, der für die Standortentscheidung der EU im Herbst maßgeblich ist, kann sich Frankfurt berechtigte Hoffnungen auf die Ansiedelung der EBA machen. Flankiert von vielfältigen Marketing-Aktivitäten ist die Main-Metropole bezüglich Mitarbeiterzuströ- men von der Themse in der Pole-Position. Durch all dies steigen Frankfurts Chancen, als primärer Brexit-Profiteur aus dem mehrjährigen Umstrukturierungsprozess im europäischen Finanzwesen hervorzugehen und sich auch im Weltfinanzsystem noch besser zu positionieren. Gleichwohl kann und sollte das deutsche Finanzzentrum einiges zur Stärkung seiner besonderen Position tun. Den attraktiven und internationalen Charakter Frankfurts nachhaltig ins rechte Licht zu rücken (vgl. Kapitel 3) ist ebenso wichtig wie sich mit den Themen Immobilienmarkt und Schulen auseinander- zusetzen (vgl. Kapitel 5). 2 Vgl. Helaba Volkswirtschaft/Research (November 2016): „Brexit – Let’s go Frankfurt“ 3 Vgl. z.B. Helaba Volkswirtschaft/Research (März 2015): „Finanzplatz Frankfurt: Aufwärts mit China“, oder (Januar 2011): „Finanzplatz Frankfurt: Magnet für Auslandsbanken“ Alternativstandort für Europa-Geschäft – Frankfurt prädestiniert Image-Schaden für London FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 14 3 Internationalität der Main-Metropole 3.1 Frankfurts internationale Prägung Die Main-Metropole hat sich im Laufe der Jahre enorm gewandelt und ist durch ein multikulturelles Erscheinungsbild geprägt. Denn insbesondere in puncto Internationalität hat sie sich spürbar fort- entwickelt und besitzt ihren ganz eigenen Charme, was sich jedem für die Stadt offenen Menschen erschließen sollte. Frankfurt ist nicht London und will es auch gar nicht sein. Die als „gesettelt“ geltende Main-Metropole, die auf gekonnte Weise Ursprüngliches mit Modernem verbindet, hat schlichtweg einen anderen Charakter als die hippe „City of London“. So sind die immer wieder hervorgekramten Vorurteile, dass es hier provinziell zuginge und man mit Englisch nicht weit komme, längst überholt. Dem gilt es durch ein konzertiertes, selbstbewusstes Marketing weiter entgegenzuwirken, damit endlich das aktuelle Bild der aufstrebenden, facettenreichen Finanzmet- ropole vorherrscht. Schließlich hat Frankfurt dem internationalen Publikum viel zu bieten, was sich in der Lebendigkeit der hiesigen Community widerspiegelt. Hohe Lebensqualität in Frankfurt Internationales Ranking von lebenswerten Städten 2017 Text Quellen: Mercer, Helaba Volkswirtschaft/Research Bemerkenswert ist die im internationalen Vergleich hohe Lebensqualität in Frankfurt. Und das obwohl die Main-Metropole – im Gegensatz zu den meisten ihrer europäischen Finanzplatz- Konkurrenten – keine nationale Hauptstadt ist. So liegt Frankfurt im Ranking der lebenswerten Städte deutlich vor seinen Wettbewerbern. Dies belegt eindrucksvoll z.B. die weltweite Vergleichs- studie der Beratungsgesellschaft Mercer, welche die Lebensqualität von rund 230 Großstädten aus der Sicht von Expatriates bewertet. Frankfurt rangiert hier auf Platz 7 – mit großem Abstand zu London (Platz 40). Ausländische Bevölkerung wächst in Frankfurt Aufwärtstrend beim Tourismus Anzahl % Mio. Mio. Quellen: Statistisches Jahrbuch Frankfurt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Tourismus &amp; Congress GmbH, Helaba Volkswirtschaft/Research Frankfurts eigener Charakter attraktiv Mehr Lebensqualität in Frankfurt als in London FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 15 Worin zeigt sich die zunehmende Internationalität des deutschen Finanzzentrums? Zunächst ein- mal ist die ausländische Bevölkerung jahrelang stärker gewachsen als die Gesamtbevölkerung, so dass sich der Ausländeranteil von rund 25 % in den Jahren 2008 bis 2010 auf 29 % in 2016 erhöht hat. Damit gab es Ende vergangenen Jahres 210.200 Menschen ausländischer Herkunft im Frank- furter Stadtgebiet, wobei diese knapp zur Hälfte aus der EU und insgesamt aus 177 verschiedenen Ländern stammen. Auch beim Tourismus ist am Main ein wachsendes Interesse von einem breiten Nationalitätenspektrum auszumachen, was sich in einem jahrelangen Aufwärtstrend manifestiert. So kamen im vergangenen Jahr rund 45 % aller hier logierenden Gäste aus dem Ausland (über 2,3 Mio.). Ebenso hoch liegt der Anteil an den hier verbrachten Nächten, die sich auf gut 4 Mio. beliefen. Von entscheidendem Vorteil für die internationale Attraktivität Frankfurts ist, dass man sich mittler- weile gut auf Englisch verständigen kann. Dies ist bei einem Rundgang durch die Stadt sofort offenkundig und wird auch vom Angebot internationaler Schulen widergespiegelt (vgl. Kapitel 5.2). Die vielseitigen, sich über das ganze Stadtgebiet erstreckenden Angebote in englischer Sprache werden immer mehr angenommen und expandieren dementsprechend (vgl. dazu Kapitel 3.2). Auch gibt es an zentralen S-Bahnstationen und teilweise in U-Bahnen englischsprachige Ansagen, die die Verkehrsgesellschaft Frankfurt noch ausweiten will. Zur Verbreitung der englischen Sprache am Main haben parallel einige „Impulsgeber“ beigetragen: das Banken- und Messeviertel mit seinen zahlreichen Akteuren (im folgenden Schaubild symboli- siert durch jeweils ein zentrales Bürohochhaus), zentrale Institutionen wie EZB oder Deutsche Börse, die beiden Hochschulen auf ihrem modernen Campus und nicht zuletzt die Verkehrskno- tenpunkte Hauptbahnhof und Flughafen mit ihrer Drehkreuzfunktion in Europa. Die damit vollzoge- ne Internationalisierung hat das Erscheinungsbild Frankfurts über die Jahre spürbar verändert. Der auf all diese wichtigen Punkte fokussierte Stadtplan verdeutlicht dies: „Impulsgeber“ für Internationalität Frankfurts\* \* inklusive englischsprachiger S-Bahnstationen Quellen: © Hess. Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation, Geobasisdaten: © Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main, Stand: Juni 2017 1:50.000, Helaba Volkswirtschaft/Research Englisch weit verbreitet in Main-Metropole Internationalisierung vielerorts in der Main- Metropole spürbar FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 16 Neben dem Internationalisierungsprozess wird hier ein besonderes Asset der Main-Metropole veranschaulicht: die räumliche Überschaubarkeit. Die Entfernungsangaben zwischen den einzel- nen „Impulsgebern“ im Stadtplan verdeutlichen, wie unkompliziert und schnell der Austausch in der Frankfurter Community verläuft. Was von Außenstehenden zuweilen als Provinzialität belächelt wird, erweist sich nämlich als klarer Vorteil: In der Stadt der kurzen Wege mit hervorragender Ver- kehrsinfrastruktur ist der Weg ins Büro auch für die vielen regionalen Pendler noch überschaubar. Unzählige Lunch-Meetings finden auf bzw. nahe der „Fressgass“ gewissermaßen en passant statt, so dass die Nähe der verschiedenen Finanzplatz-Akteure zueinander nicht unwesentlich zu ihrem Geschäftserfolg beiträgt. Dementsprechend ist der vermeintliche Nachteil der Überschaubarkeit tatsächlich ein Vorteil, den die Player am deutschen Finanzzentrum schätzen. 3.2 Frankfurt mit attraktivem Angebot Das rege Treiben der Frankfurter Finanzbranche wird durch eine einschlägige Veranstaltungskultur gefördert – mit positiven Auswirkungen auf die internationale Wahrnehmung. Aufgrund ihrer jahr- zehntelangen Tradition und ihres großen Wirkungsgrades haben sich folgende zentrale Konferen- zen am deutschen Finanzzentrum etabliert (sortiert nach Gründungsjahr): European Banking Congress, Eurobörsentag der Börsenzeitung, Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“, Euro Finance Week und Finanzplatztag. Auf diesen jährlich stattfindenden Veranstaltungen treffen sich prominente Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Einschlägige Veranstaltungskultur der Business Community Zentrale Konferenzen der Frankfurter Finanzbranche Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Daneben beleben etliche weitere Konferenzen die Frankfurter Community, wie hochkarätig beset- ze Symposien der Deutschen Bundesbank oder Vortragsreihen an den hiesigen Hochschulen sowie themenspezifische Veranstaltungen verschiedenster Anbieter. Zudem finden in der Main- Metropole zigtausende Veranstaltungen anderer Branchen statt, z.B. die Internationale Automobil- ausstellung, die Buchmesse oder renommierte Medizinkongresse. Wenngleich die meisten der fast 74.000 Tagungen 2016 eher kleinerer Größenordnung waren, wird dies zu einem zunehmend wichtigeren Wirtschaftsfaktor für Frankfurt. Dazu leisten ausländische Veranstalter mit rund einem Fünftel der Veranstaltungen einen wesentlichen Beitrag. Auch in der Gastronomie-Szene und im kulturellen Bereich bietet das deutsche Finanzzentrum seinem internationalen Publikum ein breit gefächertes Angebot, das nicht selten auch englisch- sprachig vermarktet wird. Die Frankfurter Region kann mit Haute Cuisine aufwarten. Der Guide Michelin, der in Gourmetkreisen als „Feinschmecker-Bibel“ gilt, hat im laufenden Jahr insgesamt zwölf hiesige Restaurants mit einem Stern bewertet sowie drei weitere sogar mit zwei Sternen ausgezeichnet. Der Großteil dieser Spitzenlokale verfügt über eine englische Web-Präsentation und zieht dementsprechend Besucher verschiedener Nationalitäten an. Renommierte Konferenzen Haute Cuisine in der Frankfurter Region Nähe in Community von Vorteil für Geschäfte FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 17 Sterne Restaurants in Frankfurt und Umgebung 2017\* Stadt Michelin Sterne Web-Präsentationen auf Englisch ja nein Lafleur Frankfurt \*\* x Tiger-Gourmetrestaurant Frankfurt \*\* x Villa Rothschild Kempinski Königstein \* x Atelier Wilma Frankfurt \* x Carmelo Greco Frankfurt \* x Ernos Bistro Frankfurt \* x Français Frankfurt \* x Gustav Frankfurt \* x Restaurant Villa Merton Frankfurt \* x Seven Swans Frankfurt \* x Weinsinn Frankfurt \* x Scheller’s Restaurant Bad Homburg \* x Jean Eltville \* x Ente Wiesbaden \* x \* ohne Sra Bua by Juan Amador (mittlerweile geschlossen wegen personeller Veränderung); Quellen: Guide Michelin, Websites der Restaurants, Helaba Volkswirtschaft/Research Ebenso macht Frankfurt als trendige Bar-Metropole seit geraumer Zeit von sich reden. Unter den unzähligen Kneipen sind etliche Szene-Treffs, in denen hochkarätige Bar-Keeper dem internatio- nalen Publikum ihre Kreationen servieren und die teils auch nachts lange geöffnet haben. Die Main-Metropole hat außerdem einige Pubs und als hip geltende Orte zu bieten. Beispielsweise hat sich das Bahnhofsareal vom Problem- zum angesagten Szene-Viertel entwickelt, das seine Vielfalt seit zehn Jahren in einer jährlichen Bahnhofsviertelnacht präsentiert. Frankfurt bietet großes kulturelles Spektrum … … mit freien Platzkapazitäten Tausende in Spielzeit 2015/2016, städtische Bühnen Tausende in Spielzeit 2015/2016, nicht-städtische Bühnen \* nur auf eigener Bühne; Quellen: Statistisches Jahrbuch Frankfurt, Helaba Volkswirtschaft/Research \* nur auf eigener Bühne; \*\* im Jahr 2015; Quellen: Statistisches Jahrbuch Frankfurt, Helaba Volkswirtschaft/Research Die international geprägte Kulturszene am Main wird von vielen Theatern belebt, was zur Attraktivi- tät und Lebensqualität des deutschen Finanzzentrums beiträgt. Im Übrigen hängen Finanzbranche und Kulturelles auch insofern zusammen, dass etliche hiesige Kulturangebote durch Sponsoring von Instituten ermöglicht werden. Allein die städtischen Bühnen Frankfurts, die sich im Internet auch auf Englisch präsentieren, verfügten in der Spielzeit 2015/2016 zusammen über fast 470.000 Plätze (Auslastungsquote knapp 90 %). Die großen nicht-städtischen Spielstätten kamen insge- samt auf über 377.000 Plätze, von denen rund 70 % der Karten verkauft wurden. Zudem haben Frankfurt und sein Umland unzählige klassische Konzerte mit namhaften Künstlern zu bieten (z.B. Alte Oper und Rheingau Musik Festival). Zum breiten Spektrum der Spielstätten zählt unter ande- rem das mitten im Bankenviertel gelegene, renommierte English Theatre – das größte seiner Art in Frankfurt als trendige Bar-Metropole Vielfältiges Kulturangebot international geprägt FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 18 Kontinentaleuropa. Mit seinen vielseitigen Veranstaltungen inklusive eines monatlichen Stamm- tischs fungiert das English Theatre gewissermaßen als Dreh- und Angelpunkt der ausländischen Community am Main. Mit dem Tigerpalast gibt es in Frankfurt das führende Varieté-Theater Deutschlands mit einer hochkarätigen internationalen Artisten-Revue. Auch verfügt die Main-Metropole über mehrere große Konzerthallen (z.B. Festhalle oder Jahrhun- derthalle) sowie über eine ganze Palette an trendigen Musikclubs, in denen regelmäßig Bands und Solokünstler auftreten. Diesen Sommer haben sich internationale Pop- und Rockstars im Rhein- Main-Gebiet quasi die Klinke in die Hand gegeben. Von den verschiedenen Festivals sind hier beispielsweise der World Club Dome und das Wireless Germany besonders prominent. Frankfurter Museen präsentieren sich oftmals auf Englisch Anzahl\* Text \* ab Besucheranzahl von 15.000 in 2015 Quelle: Museen, Statistisches Jahrbuch Frankfurt, Helaba Volkswirtschaft/Research Darüber hinaus hat Frankfurt ein lebendiges Museumsufer mit zahlreichen Ausstellungshäusern zu bieten. Die Bandbreite reicht vom universal angelegten Kunstmuseum bis hin zur kleinen Spezial- sammlung. Bei vielen hiesigen Museen ist die englische Internetpräsentation genauso üblich wie englische Führungen (jeweils rund 80 %). So ist die englische Sprache in der facettenreichen Frankfurter Kulturszene ähnlich weit verbreitet wie in der Gastronomie. Im Übrigen gibt es im Raum Frankfurt sehr gute Möglichkeiten zur Naherholung. Von der deut- schen Finanzmetropole aus sind zahlreiche kulturlandschaftlich attraktive Ziele schnell und be- quem erreichbar. Hier macht sich die polyzentrale Struktur des Rhein-Main-Gebiets positiv be- merkbar: Urbane Räume – die Zentren Frankfurt, Darmstadt, Mainz und Wiesbaden – sind immer wieder unterbrochen durch weitläufige Grünzonen. Frankfurt als Großstadt hat nicht nur etliche Wald- und Parkflächen, sondern auch eine Vielzahl von Naherholungsgebieten, die innerhalb einer Stunde gut erreichbar sind. Englisch verbreitet in lebhafter Kulturszene ���������������������� ���������������������������������������� ������������������������������������������������������������������������������������������������� � � ����������������������������� 4 Beschäftigung in und um Frankfurt 4.1 Neues Regionenaggregat: BIG FFM ���������������������������������������������������������������������������������������������� �������������������������������������������������–��������������������������������������������� ���� ���� ����� ������� ������ ���� ���� ���������� ����������� ���� �������� ������� ���� ���� ������� ����� ��� ���������� ����������� ���� �������� ������ ���� �������������� ���� �������������������� ����������� ������ ���������� ����� ���� ���������� �������������������� ���� ���� �������� ���� ���� ������������������������������������������� � Neues Regionenaggregat: BIG FFM� � ������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������ � �������� ��������� ��� ���� ���� ����� �������� ����������������������������� ������������� ��� ������� �������� ����������������������������������� ������������� ������������������������������������ �������� ������� ����� ������� ���� ���������������������� ����� �������� ���� ���� ������������������ �������� ����������� ��� ������� ��������������������� �������� ���� ����� �������� ���� ���� ��������� ���������������������������������������������������������������������������� ��������������� �������� ���� ������������ ���� ����������� �������������������� ����� ��������� ���� ���������������� �������������������������������������������������������������������������������������������������� ����������������������������������������������������������������������������������������������� ����������������������������������������������������� � �������������������������������������������������������������������������������������������� ������������������������������������������������������������������������������������������� ������������������������������������������������������������������������������������������������� ���� ����� ����� ����� ������� ����� ����� ������� �������� ���� ������� ��� ���� �������������������� ���������������������������������������� � � ������������������ ������������������������ ������������������������ ��������������������� ����������������������� FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 20 Regionale Finanzbeschäftigung in London deutlich zyklischer als in Frankfurt Frankfurter Bankbeschäftigung bewegt sich seit Jahren moderat und wellenförmig Anzahl Anzahl Anzahl im Stadtgebiet % \* statistischer Bruch; Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt, ONS, Helaba Volkswirtschaft/Research \* statistischer Bruch Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise 2008 hat in den hiesigen Bankentürmen eine wellenför- mige Adjustierung des Personals stattgefunden. Auf die leichten Kürzungen bis Mitte 2010 folgten zahlreiche Neueinstellungen, bevor es im ersten Halbjahr 2013 zur erneuten Gegenbewegung kam – allerdings wieder nur vorübergehend. Abstrahiert von einem statistischen Sondereffekt zum Jahresbeginn 2014 und den üblichen saisonalen Schwankungen hat sich die Frankfurter Bankbe- schäftigung dann bis Ende 2016 seitwärts bewegt, auch wenn die Zeichen eigentlich wieder auf Konsolidierung standen. 4.2 Prognose Frankfurter Bankbeschäftigung Der Brexit-induzierte, mehrjährige Umstrukturierungsprozess im europäischen Finanzplatzgefüge lässt sich nach wie vor nur grob abschätzen. Wir unterstellen dabei unser Basisszenario „Kom- promiss“ (vgl. Kapitel 1.1) unter zurückhaltenden Annahmen: Von den knapp 360.000 Beschäftig- ten, die es Ende 2016 in der Londoner Finanzindustrie gab, wären bei moderaten Kürzungen um 5 % rund 18.000 Jobs betroffen. Angesichts des schwierigen Umfelds dürften auf die bereits erfolg- ten Stellenstreichungen in der „City“ weitere folgen, womöglich noch etwa 10 %. So würde es sich um über 16.000 aus London zu verlagernde Arbeitsplätze handeln, rein auf die Finanzbranche und nicht auf damit zusammenhängende Unternehmenszweige bezogen. Auch die viel diskutierte Verlagerung der Europäischen Bankenaufsicht oder des Euro-Clearing sind hier nicht inkludiert, da dies bis dato noch zu unklar ist. Über die prognostizierten Arbeitsplatzverlagerungen hinaus führt die anhaltend hohe Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen in Großbritannien dazu, dass sich neue Akteure lieber für andere Finanzplätze entscheiden. Insgesamt werden dadurch in den kommenden Jahren Alternativstandorte aufgewertet, wenngleich London das führende Fi- nanzzentrum in Europa bleiben dürfte. Da sich der Finanzplatz Frankfurt im Rennen um die Brexit-Banker in der Pole-Position befindet, gehen wir davon aus, dass mindestens die Hälfte der zur Disposition stehenden Jobs von der Themse an den Main verlagert werden. Dieser Transfer von schätzungsweise rund 8.000 Stellen, der sich über mehrere Jahre erstrecken dürfte, konkretisiert sich zusehends und sollte sich ab 2018 richtig niederschlagen. Zum Zeitpunkt des britischen EU-Austritts im Frühjahr 2019 muss die Verlagerung zwar eigentlich stattgefunden haben. Doch ist von institutsspezifischen Übergangsfris- ten auszugehen, die noch auszuhandeln und damit momentan schwer abzuschätzen sind. In Ab- hängigkeit von deren Dauer gestaltet sich der Ausbau von Finanzgeschäften am Main. Um ihre Kunden nahtlos in gewohnter Qualität und im bisherigen Umfang bedienen zu können, werden die Institute allerdings nicht nur bestehende Mitarbeiter aus London transferieren, sondern auch neue in Frankfurt rekrutieren. Dabei können sie am deutschen Finanzzentrum auf hochqualifizierte Ar- beitskräfte zurückgreifen, nicht zuletzt aufgrund des sich derzeit vollziehenden Konsolidierungs- trends in den hiesigen Bankentürmen. Basisprognose: rund 16.000 Finanzjobs weg aus London Mindestens Hälfte der Brexit-Banker von Themse an den Main FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 21 Basisszenario „Kompromiss“: Geschätzte Jobverlagerungen von der Themse an den Main Prognose für Frankfurter Bankbeschäftigung: Brexit- Zuwachs stärker als Konsolidierung bis Ende 2019 Finanzbeschäftigung Anzahl Bankbeschäftige im Stadtgebiet Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research \* statistischer Bruch; Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research So vollziehen sich in unserem Prognosezeitraum bis Ende 2019 mit Brexit-bedingten Zuwande- rungen und Kapazitätsanpassungen vor Ort zwei gegenläufige Effekte. Während sich die Konsoli- dierung schwerpunktmäßig für dieses und nächstes Jahr abzeichnet, dürfte sich der Brexit- Zuwachs am deutschen Finanzzentrum ab 2018 richtig bemerkbar machen. Insgesamt lässt dies im Basisszenario dann für Frankfurt rund 65.000 Bankbeschäftigte erwarten, was an historische Höchststände anknüpft und einen vierprozentigen Anstieg gegenüber dem letzten verfügbaren Stand von 62.400 Stellen Ende 2016 bedeutet. Selbst ein vorsichtig geschätzter Brexit-Effekt fällt damit am hiesigen Arbeitsmarkt deutlicher aus als die Konsolidierung. Für die Folgejahre ist mit weiteren signifikanten Jobverlagerungen von der Themse an den Main zu rechnen, wenngleich es mittelfristig – ausgelöst durch Regulierungsarbitrage – auch zu Rückverlagerungen kommen könn- te. Sollte sich sogar eine spürbare Sogwirkung von der Themse an den Main entfalten oder es zu einem konfliktreichen Verhandlungsausgang zwischen Großbritannien und der EU kommen, wäre das Ausmaß der Jobverlagerungen noch umfangreicher. Bis Ende 2019 wären dann deutlich mehr als doppelt so viele Zuwanderungen an das deutsche Finanzzentrum denkbar als die mindestens rund 5.000 Stellen, die wir im Basisszenario unter zurückhaltenden Annahmen errechnet haben. Die Herausforderungen für Frankfurt wären damit umso größer, insbesondere in puncto Schulen und Wohnimmobilien. Gleichwohl ist der Brexit für den hiesigen Finanzstandort eine einmalige Chance auf eine noch bessere Positionierung im internationalen Wettbewerb. Bis Ende 2019 Anstieg der Bankbeschäftigung um 4 % auf 65.000 Stellen FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 22 5 Standortfaktoren im Fokus Das deutsche Finanzzentrum ist in der Pole-Position für Brexit-bedingte Zuwanderungen – und sollte gerade deshalb einiges in Angriff nehmen. Denn die Verlagerungen von der Themse an den Main sind zweifelsohne auch eine Herausforderung. Teilweise wird die zusätzliche Nachfrage durch eine dynamische Marktentwicklung befriedigt werden können. Dies gilt vornehmlich für das hiesige Angebot in den Bereichen Kultur, Restaurants, Nachtleben oder auch Einkaufsmöglichkei- ten. Die Finanzplatz-Region sollte dem Expansionsprozess dieser rahmengebenden Standortfakto- ren mit regulatorischer Offenheit begegnen. Wie aber sieht es in dieser Hinsicht am Immobilien- markt und bei den Bildungseinrichtungen aus? 5.1 Immobilienmarkt Auswirkungen auf den Büromarkt Frankfurt Der Frankfurter Büromarkt präsentiert sich zu Beginn der Brexit-Verhandlungen in einer robusten Verfassung. Die durchschnittlichen Büromieten steigen moderat, liegen aber noch immer deutlich unter dem historischen Höchststand, der um die Jahrtausendwende erreicht wurde. Im Vergleich der führenden deutschen Bürostandorte liegt das Mietniveau in Frankfurt mit Abstand vorne. Ver- gleicht man allerdings Frankfurt mit anderen europäischen Finanzplätzen, so erscheint der Büro- standort eher günstig: Das Mietniveau am Main liegt erheblich unter dem in London und auch spürbar unter dem in Paris und Dublin – sicher ein Vorteil im Finanzplatzwettbewerb. Auf den ersten Blick gibt es in Frankfurt genügend freie Büroflächen, so dass der Zuzug von eini- gen Tausend zusätzlichen Bankbeschäftigten problemlos zu bewältigen sein sollte. Der Leerstand konnte in den letzten Jahren von über 15 % auf rund 10 % deutlich abgebaut werden. Dazu hat der Beschäftigungsboom schon vor dem Brexit beigetragen: Allein im Fünfjahreszeitraum 2012 bis 2016 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 54.000 gestiegen (davon dürfte schätzungsweise knapp die Hälfte auf Büroarbeitsplätze entfallen). Deutschlandweit hat Frankfurt aber noch die höchste Leerstandsrate, während in anderen Top-Standorten bereits Flächenknapp- heit herrscht. Was lange als Manko gesehen wurde, erweist sich jetzt als Standortvorteil. Bei ei- nem Flächenbestand von rund 12,5 Mio. m² stehen etwa 1,2 Mio. m² leer. Das trifft sich gut, denn offensichtlich kommt der Frankfurter Büromarkt inzwischen Brexit-bedingt in Bewegung. Steigende Büronachfrage durch mehr Beschäftigung Moderater Mietanstieg, rückläufiger Leerstand Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Frankfurt, jeweils 30. Juni Euro/m² monatlich % Quellen: Bundesanstalt für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Scope, Helaba Volkswirtschaft/Research Auf den zweiten Blick ist der Frankfurter Büromarkt etwas differenzierter zu betrachten: ein Groß- teil des Leerstandes befindet sich nicht in den von der Finanzwirtschaft bevorzugten zentralen Lagen und entspricht nicht den hohen Qualitätsansprüchen der Brexit-Zuzügler. Etwa die Hälfte des aktuellen Leerstandes dürfte grundsätzlich aber den Anforderungen der Banken entsprechen und davon immerhin rund 250.000 m² auf den bevorzugten „Central Business District“ (CBD) ent- fallen. Dr. Stefan Mitropoulos Immobilienresearch Telefon 0 69/91 32-46 19 research@helaba.de FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 23 Büromieten im deutschen Vergleich spitze… … im Finanzplatzvergleich aber nur moderat Durchschnittliche Büromiete in guten Lagen, Euro/m² monatlich Durchschnittliche Büromiete in guten Lagen, Euro/m² monatlich Quellen: Scope, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Scope, Helaba Volkswirtschaft/Research Eine Reihe von Banken, die eine Verlagerung von der Themse an den Main anstrebt, dürfte größe- re zusammenhängende Flächen in zentraler Lage suchen. Wenn sich gleichzeitig mehrere Institute für dieses Marktsegment interessieren, ist nicht auszuschließen, dass nicht jedes hier kurzfristig die gewünschte Fläche findet. Einige Banken können aber zusätzliche Mitarbeiter am bisherigen Standort unterbringen, andere sind auf Neuanmietung angewiesen. Berücksichtigt man die übli- chen Vorlaufzeiten für Suche, Mietvertragsverhandlungen, adäquaten Um- bzw. Ausbau sowie letztlich den Umzug in neue Büroflächen, so verbleibt bis zum tatsächlichen Brexit im Frühjahr 2019 nur wenig Zeit. Daher sollte es nach den bereits erfolgten ersten Optionierungen schon bald zum Abschluss von Mietverträgen kommen. Einzelne Banken werden zunächst mit einer überschaubaren Mitarbeiterzahl an den Main kom- men, um ein Standbein in der EU zu haben. Erst im Zeitablauf dürfte dann die Belegschaft aufge- stockt. Dies bedeutet, dass zumindest in der Anfangsphase nicht immer die perfekte Bürofläche erforderlich ist und die Flächennachfrage manch einer neuen Bank zunächst moderat ausfallen wird. Der Brexit-bedingte Zuwachs von mindestens 8.000 Bürobeschäftigten in der Mainmetropole wird damit nicht schlagartig stattfinden, sondern sich – wie bereits oben ausgeführt – über mehrere Jahre vollziehen. Darüber hinaus bauen Frankfurter Großbanken derzeit in größerem Umfang Arbeitsplätze ab, so dass unter Berücksichtigung der Konsolidierungsmaßnahmen der Nettoeffekt geringer ausfallen dürfte. Ausgewählte Büroentwicklungen in Frankfurt Frankfurt dominiert Büromarkt Rhein-Main Büroflächenbestand 2016, Mio. m² Quellen: Pressemeldungen, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Scope, Helaba Volkswirtschaft/Research Unterstellt man eine durchschnittliche Pro-Kopf-Bürofläche von etwa 20 m² (mehr erscheint nicht realistisch, da die Londoner Banker recht „effiziente“ Büroflächen gewohnt sind), ergibt sich bis Ende 2019 eine rein Brexit-bedingte Zusatznachfrage von lediglich rund 100.000 m². Dies entsprä- che nicht einmal der Hälfte des aktuellen Leerstandes im CBD. Bis sich der Brexit-Effekt stärker entfaltet, werden zudem neue Flächen das Angebot am Frankfurter Büromarkt erweitern (siehe Übersicht). So werden bereits kurzfristig der Winx-Tower, Omniturm sowie Marienforum/Marien- In Kürze vermehrte Vertragsabschlüsse zu erwarten Gut gefüllte Pipeline verhindert Engpässe am Büromarkt FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 24 turm die Bürofläche in zentraler Lage um über 130.000 m² erhöhen. Hinzu kommt eine Reihe klei- nerer Entwicklungen. Bis das größte Projekt mit „Four Frankfurt“ auf dem bisherigen Deutsche Bank Areal mit alleine rund 100.000 m² Bürofläche realisiert ist, müssen sich Mietinteressenten allerdings noch vier Jahre gedulden. Die Welt besteht aber selbst in Frankfurt nicht nur aus Banken. Die Zusatznachfrage infolge des Brexit entsteht in einem sehr positiven konjunkturellen Umfeld, in dem vor allem in der dynami- schen Region Rhein-Main zahlreiche Arbeitsplätze auch in anderen Branchen geschaffen werden. In den vergangenen Jahren fand das Stellenwachstum in der Stadt fast vollständig außerhalb der Finanzwirtschaft statt. Auch ist davon auszugehen, dass im Umfeld der zuziehenden Banken an- dere Dienstleistungsunternehmen ihre Belegschaften in der deutschen Finanzmetropole aufsto- cken. Damit sollte die Gesamtzahl an Bürobeschäftigten in Frankfurt in den nächsten Jahren min- destens doppelt so stark steigen, wie der isolierte Brexit-Effekt erwarten lässt. Aber selbst diese Zusatznachfrage wäre durch die vorhandenen Leerstände in zentralen Lagen sowie die Fertigstel- lungen der nächsten Jahre ohne größere Probleme zu befriedigen. Der Brexit wird damit in den nächsten Jahren die positive Entwicklung am Büromarkt Frankfurt verstärken und zu einem fortgesetzten Abbau der Leerstandsrate beitragen. Angesichts der gut gefüllten Entwicklungspipeline rechnen wir aber nicht damit, dass sich die Leerstandsrate den sehr niedrigen Werten anderer deutscher Top-Standorte (wie München oder Berlin mit 3 % bis 4 %) annähert. Die Mietsteigerungen in guten Lagen dürften dank des Brexit-Effekts auf Sicht von ein bis zwei Jahren etwas stärker ausfallen. Bevor die Mieten kräftiger anziehen, werden aber erstmal Incentives wie mietfreie Zeiten oder die Übernahme von Umbaukosten zurückgeführt – eine Ent- wicklung, die sich bereits abzeichnet. Vor dem Hintergrund der im Bau befindlichen oder geplanten Neubauprojekte sowie möglicher Revitalisierungen von Bestandsimmobilien wird es aber nicht zu einer Knappheitssituation mit anhaltend höheren Mietsteigerungen kommen. Frankfurt bleibt Deutschlands teuerster Bürostandort, im europäischen Vergleich aber weiterhin günstig. Zumin- dest bei den Vermietungsumsätzen könnte der Brexit aber für neue Rekordwerte sorgen. Da sich das Interesse der etablierten sowie der neuen Banken am Finanzplatz weiterhin auf die zentralen Lagen konzentrieren wird, stellt sich die Frage, ob auch Frankfurter Nebenlagen oder gar benachbarte Bürostandorte im Rhein-Main-Gebiet vom Brexit profitieren können. Zuzugswillige Banken, die im CBD (zunächst) keine geeigneten Flächen finden, werden vermutlich auf benach- barte Lagen ausweichen oder ihre Belegschaften erst einmal auf unterschiedliche Flächen auftei- len. Dabei könnte es zu positiven Effekten auf Nebenlagen kommen, die z.B. schon bisher für das Back Office von Banken genutzt werden. Darüber hinaus könnten Unternehmen aus anderen Branchen, die nicht bereit sind, die kräftiger anziehenden Mieten im Bankenviertel zu tragen, auf alternative innerstädtische Standorte ausweichen. Davon sollten insbesondere Niederrad, das Mertonviertel oder das bereits zu Offenbach gehörende Kaiserleigebiet profitieren. Weniger wahr- scheinlich sind dagegen unmittelbare Impulse des Brexit auf Büroflächen in den anderen Groß- städten des Ballungsraumes. Denn die Banken werden auch bei der Standortentscheidung für ihr Back Office auf die Nähe zum Bankenviertel achten. Die gute Erreichbarkeit des Kaiserlei von der Innenstadt in etwa 10 Minuten dürfte dafür akzeptabel sein, Fahrtzeiten mit dem öffentlichen Ver- kehr nach Darmstadt, Mainz oder Wiesbaden von rund 40 Minuten wohl eher nicht. Auswirkungen auf den regionalen Wohnungsmarkt Im Gegensatz zu den ausreichend verfügbaren Büroflächen gibt es am Frankfurter Wohnungs- markt derzeit keinen nennenswerten Leerstand. Die Ausgangssituation in beiden Segmenten des Immobilienmarktes ist damit vor dem Brexit recht unterschiedlich. Schon seit einigen Jahren ver- zeichnet die Stadt Frankfurt ein kräftiges Bevölkerungswachstum. Von 2013 bis 2015 betrug der Zuwachs durchschnittlich 15.000 Einwohner jährlich – die Daten für 2016 liegen noch nicht vor, dürften sich aber in ähnlicher Größenordnung bewegen. Seit 2010 wird damit die Zahl der Einwoh- ner in der Finanzmetropole um mehr als 60.000 gestiegen sein und voraussichtlich im laufenden Viele zusätzliche Büroarbeitsplätze in anderen Branchen Impulse auch für Neben- lagen wahrscheinlich Ganz unterschiedliche Ausgangslage am Wohnungsmarkt FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 25 Jahr die Marke von 750.000 überschreiten. In ähnlichem Ausmaß hat die Einwohnerzahl in den umliegenden Kreisen zugenommen. Der kräftigen Zuwanderung aus dem In- und Ausland steht aber auch eine in den letzten Jahren zunehmende Bautätigkeit gegenüber. Diese war allerdings nicht stark genug, um die zusätzliche Nachfrage aufzufangen. So hat sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage am Frankfurter Wohnungsmarkt geöffnet. Eine ähnliche Entwicklung findet auch in den anderen deutschen Groß- städten statt und lässt die Wohnimmobilienpreise merklich steigen. Daher wurden in Frankfurt in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Neubautätigkeit zu verstär- ken. Während im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2013 im Stadtgebiet jährlich 2.400 Wohnungen fertiggestellt wurden, waren es in den folgenden drei Jahren immerhin rund 4.300 (vgl. Chart auf der nächsten Seite). Wenn man in einer Großstadt wie Frankfurt von einer Haushaltsgröße von unter zwei Personen ausgeht, erscheinen angesichts der jüngsten Bevölkerungszuwächse deutlich höhere Bedarfsprognosen nachvollziehbar. Die Brexit-Zuzügler verschärfen in den nächsten Jah- ren diese Situation und dürften – zumindest in einzelnen innerstädtischen Marktsegmenten – dazu führen, dass der Anstieg der Wohnimmobilienpreise und Mieten noch etwas stärker ausfällt. Immer mehr Einwohner – auch im Umland Sie steigen und steigen und steigen… Bevölkerungszahl, jeweils 31.12. \* Wohnimmobilienpreise in der Stadt Frankfurt, 2000 = 100 \* Daten für 2016 werden voraussichtlich erst Anfang 2018 veröffentlicht Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Scope, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Anstrengungen zur Mobilisierung von zusätzlichem Bauland reichen von Nachverdichtung, dem Bauen in die Höhe durch eine Reihe geplanter Wohnhochhäuser bis zur Umwandlung von Büro- in Wohnraum. Diese Möglichkeiten dürften jedoch nicht ausreichen, um der großen Nachfra- ge nach Wohnraum gerecht zu werden. Auch ohne den zusätzlichen Impuls durch mehrere Tau- send Brexit-Zuzügler stehen Stadt und Umland vor einer Herausforderung am Wohnungsmarkt. Hinzukommen muss daher eine „Außenentwicklung“ durch neue Wohnquartiere in der Frankfurter Peripherie auf bisher landwirtschaftlich oder als Erholungsraum genutzten Flächen. So kommt die jüngste politische Entscheidung, im Nordwesten Frankfurts auf einer Fläche von fast 550 Hektar einen neuen Stadtteil zu entwickeln, zur rechten Zeit. Hier besteht ein Potenzial für bis zu 12.000 Wohnungen mit bis zu 30.000 Einwohnern. Das Vorbild des Riedbergs zeigt allerdings, dass dies nur langfristig realisierbar ist – die Planungen wurden vor etwa 25 Jahren begonnen und die Entwicklung steht jetzt vor dem Abschluss. Im neuen Stadtteil sind die ersten fertigen Wohnun- gen vermutlich in 7 bis 10 Jahren zu erwarten. Ein neues Wohngebiet dieser Größe (deutlich grö- ßer noch als der Riedberg) hat aber die Qualität, für Jahre den städtischen Wohnungsmarkt spür- bar zu entlasten. Hinsichtlich der Versorgung mit Wohnraum unterschiedlicher Qualität ist aber nicht nur die Metro- pole selbst gefragt, sondern auch ihr Umland. Die durchschnittliche Zahl der Wohnungsfertigstel- lungen in den letzten drei Jahren bezogen auf die Einwohnerzahl zeigt, dass Frankfurt innerhalb der Finanzplatzregion mit Abstand den größten Beitrag zur besseren Wohnraumversorgung geleis- tet hat. Während Frankfurt zuletzt auf etwa 6 Fertigstellungen pro 1.000 Einwohner kam, liegt der Vergleichswert in den meisten Nachbarkreisen nur bei 2 bis 3 (eine positive Ausnahme ist die Unterschiedliche Ansatz- punkte zur Schaffung von Wohnraum Deutlich mehr Neubau – aber immer noch zu wenig FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 26 nahegelegene Stadt Offenbach mit 4). Die Flächenreserven gehen hier weit über die Möglichkeiten Frankfurts mit seinen eng abgegrenzten Stadtgrenzen hinaus. Dabei darf bei einer verstärkten Bautätigkeit im Umland natürlich der entsprechende Ausbau der (Verkehrs-)Infrastruktur nicht vergessen werden, um die Pendlerzeiten weiterhin überschaubar zu halten. Wohnungsbauaktivität deutlich ausgeweitet Wohnungsbautätigkeit pro Einwohner Zahl der Wohnungsfertigstellungen\* Stadt Frankfurt Wohnungsfertigstellungen, Durchschnitt 2014-2016 pro 1.000 Einwohner\* \* alle Gebäude einschließlich Fertigstellungen im Bestand Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research \* bezogen auf Bevölkerungsstand Ende 2015 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Die nicht gerade üppige Angebotssituation am Frankfurter Wohnungsmarkt dürfte Brexit-bedingte Zuzügler wenig beeindrucken. Das Niveau der Wohnimmobilienpreise und Mieten in London ist bis zu dreimal höher als in Frankfurt. Die hohen Preissteigerungen der letzten Jahre am Frankfurter Wohnungsmarkt können mit denen in der britischen Hauptstadt nicht mithalten. Viele Londoner sind es wegen der erheblich höheren Lebenshaltungskosten gewohnt, im äußeren Stadtgebiet zu wohnen. Angesichts der aus ihrer Sicht „günstigen“ Preise und meist überdurchschnittlichen Ein- kommen dürften auch innerstädtische Wohnlagen in Frankfurt für sie akzeptabel und erschwinglich sein. Schließlich relativiert sich gegenüber Greater London selbst die vermeintlich geringe Woh- nungsbautätigkeit in der Region Frankfurt. Während im Großraum London im Durchschnitt der letzten drei Jahre nur 2,6 Fertigstellungen pro 1.000 Einwohner gemeldet wurden, waren es in der vergleichbaren Abgrenzung unseres BIG FFM immerhin 3,8 Fertigstellungen. Darüber hinaus lässt die Tatsache, dass hier auf vergleichbarer Fläche rund 2,8 Mio. Menschen leben (Greater London: 8,5 Mio.) auf ein viel höheres Wohnungsbaupotenzial in der hiesigen Finanzmarktregion schließen. Viele der Banker aus London werden vermutlich erst einmal eine Zeitlang nach Frankfurt pendeln, bevor sie ihre Familien nachkommen lassen bzw. sich hier dauerhaft niederlassen. Damit könnte kurzfristig vor allem die Nachfrage nach möblierten Service-Apartments in zentraler innerstädti- scher Lage zulegen. Eine Reihe von Angeboten und Projektentwicklungen von Wohntürmen im gehobenen Segment, Mikro-Apartments und Boarding Houses spricht dafür, dass der deutsche Finanzplatz diesbezüglich gut aufgestellt ist. Erst bei längerfristigem Verbleib werden diese Neu- Frankfurter dauerhaft eine Mietwohnung oder sogar den Wohneigentumserwerb in Betracht zie- hen. Ihre gehobene Kaufkraft wird es ihnen ermöglichen, zwischen zentralen innerstädtischen Wohnlagen mit sehr kurzen Wegen zum Arbeitsplatz oder dem attraktiven Umland mit akzeptablen Pendlerzeiten zu wählen. Gleichwohl bleibt die Verdrängung weniger einkommensstarker Bevölke- rungsteile aus dem zunehmend teureren Stadtgebiet ein ernstzunehmendes Thema. 5.2 Bildungseinrichtungen Breites Angebot internationaler Schulen Eine gute Humankapitalbasis ist essenziell für die Innovationskraft eines Finanzplatzes und damit für seine nachhaltig erfolgreiche Positionierung im internationalen Wettbewerb. Deshalb ist im Brexit-bedingten Umstrukturierungsprozess das Schulangebot ein wichtiges Standortkriterium. Denn neben ihrer Karriere ist für die Londoner Banker eine gute Versorgung ihrer Familie zentral. Aus Sicht der Brexit- Banker unkomplizierter Wohnungsmarkt FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 27 In puncto internationale Bildungseinrichtungen bietet die Frankfurter Finanzplatz-Region ein breites Spektrum, das sich über alle Altersstufen erstreckt und in den vergangenen Jahren sichtlich ge- wachsen ist. So gibt es hier derzeit über 30 private und öffentliche Schulen mit europäischem und internationalem Angebot. Diejenigen Brexit-Banker, die nur temporär zu bleiben planen und gleichwohl ihre Familie mitbrin- gen, werden vermutlich Schulen mit einem internationalen Abschluss bzw. mit einer breiten bilin- gualen Ausrichtung bevorzugen. Dafür kommen die vorhandenen bilingualen Schulen in öffentli- cher Trägerschaft in Frage, die einen doppelqualifizierenden Bildungsabschluss offerieren (z.B. International Baccalaureate oder auch französisches Baccalauréat). Darüber hinaus scheinen für die in London sozialisierten Banker gerade die weiterführenden Privatschulen attraktiv zu sein. An rund 10 weiterführenden internationalen Privatschulen werden im Raum Frankfurt aktuell jeweils zwischen etwa 150 und über 2.000 Schüler unterrichtet. Beim Ausländeranteil gibt es eine große, von 10 % bis 80 % reichende Bandbreite. Die hohe Nachfrage kommt an diesen Schulen von den vielen bereits hier ansässigen Familien ausländischer Herkunft und auch von etlichen deutsch- sprachigen Eltern, die eine durchgängig mehrsprachige Ausbildung für ihren Nachwuchs präferie- ren. Zudem gibt es in bzw. nahe Frankfurt zwei europäische Schulen (eine überstaatliche und eine private), die vorwiegend für Kinder gegründet wurden, deren Eltern in Einrichtungen der Europäi- schen Gemeinschaft beschäftigt sind. Einige international ausgerichtete Schulen haben bereits eine Expansion signalisiert, die sie inner- halb von 12 bis 18 Monaten realisieren könnten. Partiell wurden jüngst neue Räumlichkeiten ge- schaffen und darüber hinaus sind weitere avisiert. Beispielsweise sind die Erweiterungspläne der Europäischen Schule Frankfurt schon so weit gediehen, dass im Falle der EBA-Ansiedlung der Zusatzbedarf an Schulplätzen für Kinder von EU-Mitarbeitern gut abgedeckt werden könnte. Gene- rell dürften die Wegstrecken zu den teils im Frankfurter Umland liegenden Schulen für viele Lon- doner Banker ebenso kein Hinderungsgrund sein wie die an privaten Bildungseinrichtungen zu zahlenden Schulgelder. Schließlich ist dies aus Londoner Sicht nichts Ungewöhnliches. Diejenigen Brexit-Banker, die dauerhaft in Frankfurt bleiben wollen, werden sicherlich ein großes Interesse daran haben, dass ihre Kinder integriert werden und schnell die deutsche Sprache erler- nen. Entsprechend sind für sie auch Schulen von Interesse, die keine bzw. lediglich andersspra- chige Unterrichtssequenzen in einzelnen Fächern anbieten. Die Diskussion um die Aufenthaltsbe- dingungen der EU-Bürger in Großbritannien nach Vollzug des Brexit wird dazu führen, dass insbe- sondere Nicht-Briten vermehrt London verlassen. Neben Englisch sind dementsprechend weitere Sprachangebote wichtig. Hier kann die Frankfurter Region mit ihren speziell auf einzelne Sprachen ausgerichteten Schulen punkten (z.B. Französisch oder Japanisch). Bereits jetzt ist die Nachfrage nach Bildungsangeboten hoch. Schließlich betrug der jährliche Zu- zug ins Frankfurter Stadtgebiet zuletzt rund 15.000 Menschen. Perspektivisch wächst die Zahl der Kinder mit jedem Jahr spürbar an. Insofern bedarf es eines weiteren Ausbaus der Bildungsarchi- tektur für Kinder jeden Alters, der alle Schulformen umfasst und über den Brexit-bedingten Bedarf hinausgeht. Hohe Reputation als internationaler Wissenschafts- und Forschungsstandort Die Frankfurter Region hat nicht nur ein breit angelegtes Bildungsangebot an Schulen zu bieten, sondern auch hochkarätige wissenschaftliche Lehr- und Forschungseinrichtungen, die einen en- gen Austausch mit der Finanzindustrie pflegen. So gibt es hier eine gute Verfügbarkeit von hoch- qualifiziertem Fachpersonal. Die intellektuelle Infrastruktur am deutschen Finanzzentrum hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt und an internationalem Ansehen gewonnen – mit weiterem Raum nach oben. Expansionsmöglichkeiten der international ausge- richteten Schulen Insgesamt über 30 inter- national ausgerichtete Bildungseinrichtungen FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 28 Immer mehr ausländische Studenten in Frankfurt Anzahl Studierende insgesamt Anzahl ausländische Studierende Text \* inklusive Gasthörer; Quellen: Statistisches Jahrbuch, Hochschulen, Helaba Volkswirtschaft/Research Zentral nahe des Bankenviertels wird in der komplementären Kombination aus Frankfurter Goethe- Universität und Frankfurt School of Finance and Management ein attraktives, hochwertiges Spekt- rum der Lehre und Forschung geboten (vgl. auch Stadtplan in Kapitel 3.1). Die Reputation Frank- furts als internationaler Wissenschafts- und Forschungsstandort, an dem ein enger Austausch mit der Finanzindustrie gepflegt wird und sich die Wirtschaftssprache Englisch immer mehr verbreitet, hat das Interesse von Studierenden im In- und Ausland wachsen lassen. Im Wintersemester 2016/2017 waren insgesamt über 7.500 Studenten in den akademischen Programmen der beiden Frankfurter Hochschulen eingeschrieben – rund 60 % mehr als neun Jahre zuvor und über ein Viertel davon ausländischer Herkunft. Um im europäischen Netzwerk der finanzbezogenen Lehre und Forschung weiter aufzusteigen, könnte die Main-Metropole ihr umtriebiges Netzwerk an intel- lektueller Infrastruktur durchaus noch selbstbewusster präsentieren.4  4 Mehr Details zu den Hochschulen in Frankfurt und Umgebung finden sich in unserer Jubiläumsstudie. Vgl. Helaba Volkswirtschaft/Research (Juni 2016): „Finanzplatz Frankfurt bewegt sich weiter“ Wachsende Reputation als Wissenschafts- und Forschungsstandort FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 29 Adressen der Landesbank Hessen-Thüringen Hauptsitze Frankfurt am Main MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52–58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-01 Telefax 0 69/29 15 17 Erfurt Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-71 00 Telefax 03 61/2 17-71 01 Bausparkasse Landesbausparkasse Hessen-Thüringen Offenbach am Main Strahlenbergerstraße 13 63067 Offenbach Telefon 0 69/91 32-02 Telefax 0 69/91 32-29 90 Erfurt Bonifaciusstraße 19 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-60 2 Telefax 03 61/2 17-70 70 Förderbank Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen Strahlenbergerstraße 11 63067 Offenbach Telefon 0 69/91 32-03 Telefax 0 69/91 32-46 36 Niederlassungen Düsseldorf Uerdinger Straße 88 40474 Düsseldorf Telefon 02 11/3 01 74-0 Telefax 02 11/3 01 74-92 99 Kassel Ständeplatz 17 34117 Kassel Telefon 05 61/7 06-60 Telefax 05 61/7 06-63 33 London 3rd Floor 95 Queen Victoria Street London EC4V 4HN Großbritannien Telefon +44 20/73 34-45 00 Telefax +44 20/76 06-74 30 New York 420, Fifth Avenue New York, N.Y. 10018 USA Telefon +1 212/7 03-52 00 Telefax +1 212/7 03-52 56 Paris 118, avenue des Champs Elysées 75008 Paris Frankreich Telefon +33 1/40 67-77 22 Telefax +33 1/40 67-91 53 Repräsentanzen Madrid (für Spanien und Portugal) General Castaños, 4 Bajo Dcha. 28004 Madrid Spanien Telefon +34 91/39 11-0 04 Telefax +34 91/39 11-1 32 Moskau Novinsky Boulevard 8 Business Centre Lotte, 20th Floor 121099 Moskau Russland Telefon +7 495/2 87-03-17 Telefax +7 495/2 87-03-18 Shanghai Unit 012, 18th Floor Hang Seng Bank Tower 1000 Lujiazui Ring Road Shanghai, 200120 China Telefon +86 21/68 77 77 08 Telefax +86 21/68 77 77 09 Singapur One Temasek Avenue #05-04 Millenia Tower Singapore 039192 Telefon +65/62 38 04 00 Telefax +65/62 38 99 78 Stockholm Kungsgatan 3, 2nd Floor 114 43 Stockholm Schweden Telefon +46/86 11 01 16 FINANZPLATZ FRANKFURT: IN DER POLE-POSITION FÜR BREXIT-BANKER SEPTEMBER 2017 · © HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH 30 Vertriebsbüros Düsseldorf Uerdinger Straße 88 40474 Düsseldorf Telefon 02 11/3 01 74-0 Telefax 02 11/3 01 74-92 99 Berlin Joachimsthaler Straße 12 10719 Berlin Telefon 0 30/2 06 18 79-13 52 Telefax 0 30/2 06 18 79-13 45 München Lenbachplatz 2a 80333 München Telefon 0 89/5 99 88 49-10 16 Telefax 0 89/5 99 88 49-10 10 Münster Regina-Protmann-Straße 16 48159 Münster Telefon 02 51/92 77 63-36 48 Telefax 02 51/92 77 63-36 72 Stuttgart Kronprinzstraße 11 70174 Stuttgart Telefon 07 11/2 80 40 4-0 Telefax 07 11/2 80 40 4-20 Immobilienbüros Berlin Joachimsthaler Straße 12 10719 Berlin Telefon 0 30/2 06 18 79-13 14 Telefax 0 30/2 06 18 79-13 69 München Lenbachplatz 2a 80333 München Telefon 0 89/5 99 88 49-0 Telefax 0 89/5 99 88 49-10 10 Auswahl der Tochtergesellschaften Frankfurter Sparkasse Neue Mainzer Straße 47–53 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/26 41-0 Telefax 0 69/26 41-29 00 1822direkt Gesellschaft der Frankfurter Sparkasse mbH Borsigallee 19 60388 Frankfurt am Main info@1822direkt.com Telefon 0 69/9 41 70-0 Telefax 0 69/9 41 70-71 99 Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AG JUNGHOF Junghofstraße 26 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/1 56 86-0 Telefax 0 69/1 56 86-1 40 Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz) AG Börsenstrasse 16, Postfach 8022 Zürich Schweiz Telefon +41 44/2 65 44 44 Telefax +41 44/2 65 44 11 Helaba Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH JUNGHOF Junghofstraße 24 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/2 99 70-0 Telefax 0 69/2 99 70-6 30 Auswahl der Tochtergesellschaften GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen Westerbachstraße 33 60489 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 75 51-0 Telefax 0 69/9 75 51-1 50 OFB Projektentwicklung GmbH Speicherstraße 55 60327 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 17 32-01 Telefax 0 69/9 17 32-7 99 GGM Gesellschaft für Gebäude- Management mbH Junghofstraße 26 60311 Frankfurt Telefon 0 69/77 01 97-0 Telefax 0 69/77 01 97-77 Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52 – 58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-01 Telefax 0 69/29 15 17 Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-71 00 Telefax 03 61/2 17-71 01 www.helaba.de

Ende 2019 dürfte es in den Frankfurter Bankentürmen rund 65.000 Mitarbeiter geben. Der Brexit-bedingte Zuwachs sollte stärker ausfallen als die Konsolidierung.
