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title: "Finanzplatz Fokus: Frankfurt auf nachhaltigem Weg"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Finanzplatz Fokus
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# Finanzplatz Fokus: Frankfurt auf nachhaltigem Weg

Helaba Volkswirtschaft/Research FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 3. MÄRZ 2020 · © H EL A BA 1 3. März 2020 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOR Ulrike Bischoff Telefon: 0 69/91 32-52 56 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Frankfurt auf nachhaltigem Weg Nachhaltige Finanzierung ist unerlässlich beim Wandel hin zu einem zukunftsfähigen Weltwirt- schaftssystem und wird damit zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor für Finanzplätze. Bei der Emission grüner Anleihen rangiert Deutschland weit vorn, in Europa hinter Frankreich an zweiter Stelle. Der hiesige Finanzstandort zeigt mittlerweile vielfältiges Engagement in punc- to Nachhaltigkeit, was es mit vereinten Kräften aller Finanzplatz-Akteure stringent und zügig weiterzuverfolgen gilt. Dann bieten sich dem deutschen Finanzzentrum gute Entwicklungsmög- lichkeiten auf seinem nachhaltigen Weg. Nachhaltigkeit – das Wort taucht mittlerweile in unzähligen Veranstaltungen, Werbebotschaften sowie Presseberichten auf und ist im Supermarkt wie am Finanzmarkt gleichermaßen präsent. Doch es ist mehr als ein Wort in aller Munde. Der ursprünglich 1713 in einem Buch über die Wald- wirtschaft geprägte Begriff erlebt seit geraumer Zeit seine Renaissance und wird oftmals schon inflationär gebraucht. Nachhaltiges Agieren wird immer mehr zu einer nachhaltigen Entwicklung weltweit. Denn ernsthafte Sorgen um die Zukunft der Erde mit all ihren Ressourcen sind ins kollek- tive Bewusstsein gedrungen. Dabei gilt der Klimawandel derzeit als eine der größten Herausforde- rungen des 21. Jahrhunderts, die einen radikalen Umbau der Weltwirtschaft erfordert. Auf der UN- Konferenz in Paris Ende 2015 wurde erstmalig von 195 Ländern eine rechtsverbindliche Klima- schutzvereinbarung getroffen zur Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2°C. Die Euro- päische Union will Europa bis spätestens 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent machen. Mit dem „Green Deal“ soll der Transformationsprozess hin zu einem modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaftssystem gelingen. Auch in der Finanzbranche rund um den Globus ist Nachhaltigkeit mittlerweile ein zentrales Thema, das unter Anlagegesichtspunkten wich- tig ist und damit immer stärker die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Finanzstandortes mitbestimmt. Doch was ist eigentlich nachhaltige Finanzierung? Hierfür gibt es bislang keine einheitliche Defini- tion und damit für die Marktteilnehmer Interpretationsspielraum. So besteht auch die Gefahr von „Greenwashing“, d.h. Anlageprodukte werden als grün bzw. nachhaltig deklariert, ohne es jedoch nach üblichen Maßstäben tatsächlich zu sein. Um die Transparenz und die effiziente Kapitalalloka- tion am Markt für nachhaltige Finanzprodukte zu erhöhen, gibt es mittlerweile einige Konzepte. Nachhaltige Finanzierung im Sinne der von den Vereinten Nationen verfassten Prinzipien für ver- antwortliches Investieren umfasst die drei Dimensionen Umwelt, Soziales und Unternehmensfüh- rung (nach den sogenannten ESG-Kriterien als Abkürzung für Environmental, Social, Gover- nance). Zu den speziell auf Umweltaspekte ausgerichteten Finanzierunginstrumenten zählen die populär gewordenen Green Bonds. Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Drei Dimensionen nachhaltiger Finanzierung Umwelt Soziales Unternehmens- führung FINANZPLATZ FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 3. MÄRZ 2020 · © H EL A BA 2 Was sind überhaupt Green Bonds? Grundsätzlich handelt es sich dabei um Anleihen zur Finanzie- rung von Umweltprojekten, was jedoch bislang nicht einheitlich rechtsverbindlich definiert ist. Mit den Green Bond Principles (GBP) der International Capital Markets Association (ICMA) wurden 2014 zumindest freiwillige Prozessleitlinien für die Emission grüner Anleihen aufgelegt, die sich als weltweiter Marktstandard etabliert haben. Die Kernkomponenten der GBP wie die Verwendung der Emissionserlöse, Projektbewertung und -auswahl, Management der Erlöse sowie die Berichterstat- tung geben einen groben Rahmen vor, der dann individuell vom Emittenten ausgestaltet werden kann. Dies hat die internationale Organisation Climate Bonds Initiative (CBI) aufgegriffen und den Climate Bonds Standard (CBS) entwickelt. Neben der Rahmensetzung für Management und Be- richterstattung handelt es sich dabei um ein internationales Zertifizierungsschema. Mit den Zulas- sungskriterien dieses Klassifikationssystems (Taxonomie), das konsistent mit dem Pariser Klima- schutzabkommen ist, können Sektoren und Wirtschaftstätigkeiten als ökologisch nachhaltig klassi- fiziert werden. Die EU schafft eine eigene Taxonomie, die das zentrale Element des im Frühjahr 2018 vorgeleg- ten EU-Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums darstellt: Das Gerüst für ein Klas- sifizierungssystem grüner Wirtschaftstätigkeiten steht seit Ende 2019. Bald soll die finale Verab- schiedung der Verordnung dazu erfolgen und von der Expertengruppe ein Abschlussbericht zur genauen Ausgestaltung der grünen Listen vorgelegt werden. Zum Jahresende 2020 wird ein dele- gierter Rechtsakt mit Fokus auf dem Klimaschutz vorbereitet, Ende 2021 könnte die positive Klima- liste dann in Kraft treten. Für die anderen von der EU avisierten Umweltziele ist der Erlass Ende 2021 und die Gültigkeit Ende 2022 geplant. Diese konsistente und rechtsverbindliche Klassifikation grüner Wirtschaftstätigkeiten soll die Marktentwicklung von grünen Anleihen fördern. Auch dient die EU-Taxonomie als Grundlage für weitere Maßnahmen im europäischen Transformationspro- zess, wie die EU-Norm für grüne Anleihen (EU Green Bond Standard). Diese kurz als EU GBS bezeichnete Norm soll sich in Anlehnung an die beiden globalen Standards als freiwilliges Quali- tätsmerkmal an den Finanzmärkten etablieren. Daneben werden in der EU Referenzwerte (Benchmarks) und Offenlegungspflichten für Finanzunternehmen geschaffen, auf welche Weise sie ESG-Aspekte bei ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen. All dies zusammen zielt darauf ab, den Wandel hin zu einem nachhaltigeren Europa durch eine entsprechend aktivere Finanzbranche zu fördern. Wie sieht die Entwicklung am Finanzplatz Deutschland beim wichtigen Trend der nachhaltigen Finanzierung aus? Hierbei spielt die Marktdynamik im zentralen Segment der Green Bonds eben- so eine Rolle wie das Engagement des Finanzstandortes an sich. Dies wird im Folgenden näher beleuchtet, nachdem das Thema Nachhaltigkeit unter anderen Gesichtspunkten bereits in voran- gehenden Publikationen von Helaba Volkswirtschaft/Research analysiert wurde.1 Schwungvolle Marktentwicklung von Green Bonds in Deutschland Nachhaltige Finanzprodukte gewinnen immer mehr an Bedeutung, wobei Green Bonds eine zent- rale Rolle spielen. Pionier in diesem Segment war die Europäische Investitionsbank (EIB), die 2007 ihre erste Klimaschutzanleihe auflegte. Damals belief sich das Neuemissionsvolumen welt- weit auf gerade einmal 807 Mio. US-Dollar. Seitdem hat sich der globale Markt für Green Bonds dynamisch entwickelt. Er dient vorwiegend zur Finanzierung von Projekten in den Bereichen er- neuerbare Energien, energieeffiziente Immobilien und Transport (insgesamt rund 80 % Marktan- teil). Das Spektrum der Emittenten diversifiziert sich zusehends, und es gibt nach wie vor viele Debut-Emissionen. So steigt die Anzahl von Emittenten kontinuierlich und ihre geografische Vertei- lung wird immer breiter. Unter den Emittentengruppen waren zuletzt die nicht-finanziellen Unter- nehmen und Finanzdienstleister die bedeutendsten (23 % bzw. 21 % Marktanteil). Perspektivisch dürfte die Emittentenanzahl weiter steigen. 1 Vgl. Helaba Volkswirtschaft/Research: Covered Bonds Special: „Mindeststandards wichtiger Erfolgsfaktor für Grünen Pfand- brief” (Oktober 2019), Vertrau(d)lich: „Nachhaltigkeit als neues Schwerpunktthema der Aufsicht“ (September 2019) und Credit Special „Europäische Banken: Nachhaltigkeit rückt in den Fokus“ (Juli 2019) Helaba-Publikationen zum Thema Nachhaltigkeit EU-Taxonomie für grüne Wirtschaftstätigkeiten Kräftiger Anstieg des globalen Neuemissions- volumens 2019 FINANZPLATZ FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 3. MÄRZ 2020 · © H EL A BA 3 2019 stieg das jährliche Neuemissionsvolumen am globalen Green Bond-Markt um über 50 % auf fast 258 Mrd. US-Dollar – ein neuer Rekord. Kumuliert über die Jahre 2007 bis 2019 summierte sich das weltweit begebene Volumen auf rund 775 Mrd. US-Dollar. Wenngleich so hohe Zuwachs- raten wie zuletzt aufgrund des Basiseffekts in den nächsten Jahren nicht anhalten dürften, lässt das bei vielen Anlegern und Emittenten geschärfte Bewusstsein für die Wichtigkeit von Green Bonds eine weitere deutliche Marktexpansion erwarten. Damit rückt die Marke von einer Billion US-Dollar in Sichtweite, nach CBI-Schätzung 2021/2022. Im Ranking der weltweit aktivsten Länder im Green Bond-Markt führen die USA, China und Frankreich (2019 zusammen Marktanteil von 44 %), darauf folgen Deutschland und die Niederlande (mit 7 % bzw. 6 %). In kumulierter Betrach- tungsweise handelt es sich rund um den Globus um dieselbe Länderreihenfolge. Weltweit kräftig steigendes Green Bond-Volumen Länder-Ranking im Green Bond-Markt Europas Jährliches Neuemissionsvolumen global, Mrd. US-Dollar Nationales Neuemissionsvolumen 2019, Mrd. US-Dollar Quellen: Climate Bonds Initiative, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Climate Bonds Initiative, Helaba Volkswirtschaft/Research Unter den Regionen führte Europa 2019 mit einem Marktanteil von 45 % vor Asien/Pazifik und Nordamerika (25 % und 23 %). Aufgrund des rasanten Wachstums bei grünen Anleihen war Euro- pa zuletzt Haupttriebkraft der globalen Entwicklung. So wurden hier im vergangenen Jahr Green Bonds im Wert von beinahe 117 Mrd. US-Dollar neu emittiert, das kumulierte Volumen 2010-2019 belief sich auf gut 307 Mrd. US-Dollar. Dabei standen Frankreich, Deutschland und die Niederlan- de zusammen für mehr als die Hälfte des europäischen Marktes grüner Anleihen (einzeln 26 %, 16 % und 13 %). Großbritannien als größter Konkurrent Deutschlands im Finanzplatz-Wettbewerb kam mit einem Neuemissionsvolumen von gut 2 Mrd. US-Dollar lediglich auf 2 % europäischen Marktanteil und rangiert damit weit hinter den Top-3 im Ranking der Emissionsländer. Deutschland: Green Bond-Volumen im Aufwärtstrend Emittentenstruktur grüner Anleihen in Deutschland Jährliches Neuemissionsvolumen in Deutschland, Mrd. US-Dollar Anteile am kumulierten Emissionsvolumen 2015-2019, % Quellen: Climate Bonds Initiative, Helaba Volkswirtschaft/Research \* z.B. NRW.BANK; Quellen: Climate Bonds Initiative, Helaba Volkswirtschaft/Research 0 40 80 120 160 200 240 280 0 40 80 120 160 200 240 280 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 0 5 10 15 20 25 30 0 5 10 15 20 25 30 FR DE NL SE IT ES DK NO FI IE BE PL GB CH PT LU 0 4 8 12 16 20 0 4 8 12 16 20 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Entwicklungs- banken 47% Finanz- institute 19% Nicht- Finanzielle Unternehmen 19% Staatlich geförderte Einheiten\* 15% Europa mit größtem Markt für Green Bonds FINANZPLATZ FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 3. MÄRZ 2020 · © H EL A BA 4 Anders als der globale und europäische Markt mit seinem kontinuierlich wachsenden Neuemissi- onsvolumen wies der deutsche Green Bond Markt seit 2013 gewisse Schwankungen auf, bewegt sich aber im Trend klar aufwärts. Ausgehend von damals gut 407 Mio. US-Dollar erreichte das Neuemissionsvolumen hierzulande 2019 fast 19 Mrd. US-Dollar (kumuliert in diesem Zeitraum fast 52 Mrd. US-Dollar). Seinen weltweit vierten und innerhalb Europas zweiten Platz in diesem Seg- ment verdankt Deutschland vor allem der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die staatseigene Entwicklungsbank begab allein 2019 Green Bonds über 9 Mrd. US-Dollar und war damit der welt- weit zweitgrößte Emittent (nach der US-Hypothekenbank Fannie Mae mit rund 23 Mrd. US-Dollar). In Deutschland sind während der letzten Jahre zunehmend Unternehmen aus der Industrie und dem privaten Finanzsektor aktiv geworden (darunter insbesondere Hypothekenbanken). 2019 rangierten beim Neuemissionsvolumen die Entwicklungsbanken weit vor den nicht-finanziellen Unternehmen und den Finanzinstituten, während im Vorjahr erstmals die Finanzindustrie dieses Marktsegment dominierte. Kumuliert über die Jahre 2015 bis 2019 entfiel knapp die Hälfte des Emissionsvolumens hierzulande auf Entwicklungsbanken, jeweils rund 20 % auf nicht-finanzielle Unternehmen und Finanzinstitute sowie das übrige auf „staatlich geförderte Einheiten“ (beispiels- weise NRW.BANK). Auch in Deutschland dürfte es in den nächsten Jahren immer mehr Emittenten grüner Anleihen geben. Schließlich ist die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für diesen wichtigen Trend hoch und sorgt gewissermaßen für Druck auf Emittenten, mit dabei zu sein und sich mit einer grünen Ausrichtung für Kunden wie Anleger attraktiv zu präsentieren. Für weiteres Emissi- onspotenzial hierzulande spricht zudem die gute Wettbewerbs- und Innovationsposition vieler deutscher Unternehmen hinsichtlich nachhaltiger Produkte und Prozesse. Nachhaltigkeitsengagement am Finanzplatz Deutschland Grüne bzw. nachhaltige Finanzierung ist unerlässlich beim Wandel hin zu einem zukunftsfähigen Wirtschaftssystem. Für das Gelingen der Energiewende und die dafür notwendige Transformation in den Unternehmen braucht es eine entsprechend ausgerichtete Finanzbranche. Insofern ist nachhaltige Finanzierung relevant für Kreditinstitute. Durch die Konzentration verschiedener Fi- nanzakteure können auch Finanzplätze einiges bewirken bei der Transformation hin zu einem nachhaltigeren Wirtschaftssystem. Durch politisches und regulatorisches Engagement kann dieser Wandel durch die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen unterstützt werden. Doch sollte die zu beobachtende Eigendynamik des Finanzmarktes hin zu mehr Nachhaltigkeit nicht durch ein ausuferndes Regelwerk gebremst werden, sondern die Regulierung mit Augenmaß erfolgen. Nachhaltigkeit wird damit zu einem wichtigeren Wettbewerbsfaktor im internationalen Finanzplatz- gefüge, und das Engagement von Finanzstandorten wächst sowohl einzeln als auch in Interaktion. Schließlich sind global gemeinsame Aktivitäten unerlässlich zu Erreichung der Pariser Klimaziele. Mit Financial Centres for Sustainability (FC4S) wurde 2017/2018 eine Partnerschaft gegründet zwischen mittlerweile rund 30 Finanzplätzen weltweit sowie dem UN-Umweltprogramm, um in Zusammenarbeit eine bessere und zügigere Expansion der nachhaltigen Finanzierung zu erzielen. Der hiesige Finanzstandort ist Mitglied bei FC4S, wie auch einige seiner europäischen Wettbewer- ber, die oftmals schon weiter sind im nachhaltigen Transformationsprozess. Frankfurt war in der Vergangenheit durchaus grün – allerdings mehr in städtebaulicher Hinsicht als bei der strategi- schen Ausrichtung seines Finanzplatzes. Schließlich kommt die Main-Metropole auf einen Grünflä- chenanteil von fast 40 %. London und Paris als Hauptkonkurrenten im Finanzplatz-Wettbewerb haben schon vor Frankfurt spezielle Initiativgruppen ins Leben gerufen, die durch gezielte Aktivitä- ten den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit an ihrem Finanzstandort fördern. Gerade Luxemburg und die Niederlande haben sich stark dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben (z.B. bislang einziges grünes Anleihegesetz im Großherzogtum). Auch wurden in mehreren europäischen Staaten be- reits grüne Staatsanleihen begeben, mit Polen und Frankreich in der Vorreiterrolle. Der hiesige Finanzplatz hat sich auf den nachhaltigen Weg gemacht und zeigt mittlerweile vielfältiges Enga- gement. Wichtige Rolle von Finanzplätzen im Trans- formationsprozess Gute deutsche Position bei Green Bonds bislang vor allem dank KfW Zunehmend Unternehmen als Emittenten grüner Anleihen in Deutschland FINANZPLATZ FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 3. MÄRZ 2020 · © H EL A BA 5 Zentral dabei ist die ambitionierte Zielsetzung der Bundesregierung, Deutschland zum führenden Standort für Sustainable Finance zu etablieren. Die geplante erstmalige Emission einer grünen Bundesanleihe in der zweiten Jahreshälfte 2020, die neben einem konventionellen Bundeswertpa- pier als Zwillingsanleihe mit gleicher Fälligkeit und gleichem Kupon begeben werden soll, dürfte dabei Signalkraft haben. Von den zahlreichen Initiativen für nachhaltige Finanzen hierzulande sind insbesondere die folgenden beiden von Bedeutung: auf nationaler Ebene der Sustainable Finance- Beirat und auf regionaler Ebene das Green and Sustainability Finance Cluster Germany. Der Sustainable Finance-Beirat (SFB) agiert seit Mitte 2019 als spezielles Beratungsgremium der Bundesregierung und setzt sich aus rund 40 Experten zusammen, die vornehmlich aus der Wirt- schaft sowie aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft stammen. Der Rat für Nachhaltige Entwick- lung und Finanz- bzw. Unternehmensverbände sind als Beobachter im Gremium vertreten, auch die Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen bringen ihre Expertise ein. Der SFB soll die Bundesregierung bei der Erarbeitung und Umsetzung ihrer Nachhaltigkeits- strategie unterstützen, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Finanz- und Wirtschafts- standort langfristig zu stärken. Im Oktober 2019 veröffentlichte der Beirat ein Thesenpapier, das er mit einem Zwischenbericht in Kürze spezifizieren und um konkrete Handlungsvorschläge ergänzen wird. Hierbei dürfte es insbe- sondere um Maßnahmen für die Ausgestaltung des Transformationsprozesses hierzulande gehen (beispielsweise ein Produktklassifizierungssystem) sowie um Empfehlungen hinsichtlich Transpa- renz und Offenlegung. Wünschenswert wäre eine mit der EU-Strategie kongruente Stoßrichtung im Sinne des Gemeinsamen Marktes, die Deutschland während seiner EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 detaillierter angehen könnte. Für Spätsommer ist der Abschlussbericht des SFB geplant und für Anfang 2021 ein Bund-Länder-Gipfel, um die Strategie für ein nachhaltiges Finanzwesen in Deutschland auf den Weg zu bringen. Struktur des Green and Sustainability Finance Cluster Germany \* BNP Paribas, Commerzbank, DekaBank, Deutsche Bank, Deutsche Börse, DZ Bank, Landesbank Hessen-Thüringen, Kreditanstalt für Wiederauf- bau, Metzler Asset Management , Moody’s, SEB Quellen: GSFCG, Helaba Volkswirtschaft/Research Am Finanzplatz Frankfurt wurde im Frühjahr 2018 das Green and Sustainability Finance Cluster Germany geschaffen (GSFCG). Diese Branchenplattform zur Bündelung der nachhaltigkeitsbezo- genen Finanzmarktexpertise ist entstanden aus dem Zusammenschluss zweier Initiativen des Hessischen Finanzministeriums und der Deutschen Börse.2 Die Deutsche Bundesbank ist zentra- ler Ansprechpartner, inhaltliche Unterstützung kommt auch von Sponsoren aus dem deutschen 2 Green Finance Cluster Frankfurt e.V. bzw. Accelerating Sustainable Finance Initiative Strategie und Initiativen am Finanzplatz Frankfurt bzw. Deutschland Frankfurter Cluster gut vernetzt (inter-)national Nachhaltigkeitsbeirat der Bundesregierung aktiv für Standortstrategie FINANZPLATZ FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 3. MÄRZ 2020 · © H EL A BA 6 Finanzwesen. Auf Geschäftsführerebene ist das GSFCG mit dem Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung verbunden. Im europäischen Kontext arbeiten ausgewählte hochrangige Mitglie- der des Frankfurter Clusters in der technischen Expertengruppe der EU-Kommission mit. Darüber hinaus unterhält das GSFCG für Deutschland die Mitgliedschaft im internationalen Zusammen- schluss der Finanzplätze FS4S. So fungiert es als zentrales, offenes Netzwerk am deutschen Finanzzentrum sowie als Anlauf- und Koordinationsstelle hiesiger Nachhaltigkeitsaktivitäten im In- und Ausland. Die ursprünglichen Aktivitäten des Hub for Sustainable Finance sind mittlerweile im GSFCG auf- gegangen, beispielsweise die Organisation des jährlichen Sustainable Finance-Gipfels. Auf dieser hochkarätigen Frankfurter Veranstaltung präsentierte der Sustainable Finance-Beirat im Herbst 2019 erstmalig seinen Strategieentwurf. Ebenfalls im letzten Jahr war Frankfurt Gastgeber einer international bedeutenden Nachhaltigkeitskonferenz. So wurde die Jahrestagung des Kapital- marktverbandes ICMA mit Hunderten von Teilnehmern – nach London, Paris, Hongkong – nun in Frankfurt abgehalten. Darüber hinaus kommen die Experten für nachhaltige Finanzierung auch auf dem Green Finance Forum oder der Fair Finance Week zusammen, die seit mehreren Jahren jeden Winter in Frankfurt stattfinden. Sehr engagiert zeigen sich ebenfalls die vor Ort ansässigen Aufsichtsbehörden (Deutsche Bun- desbank, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin, Europäische Zentralbank) und die wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulen (Frankfurt School of Finance &amp; Management und Goethe-Universität mit angegliederten speziellen Instituten) sowie weitere Akteure und Netzwerke (z.B. Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten oder Fair Finance Net- work). Deutsche Bundesbank und BaFin sind darüber hinaus aktive Mitglieder im globalen Netz- werk von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden zur Konzipierung eines nachhaltigen Finanzsys- tems (Network for Greening the Financial System). Den von ihr beaufsichtigten Finanzinstituten empfiehlt die BaFin in ihrem Merkblatt Ende 2019, Nachhaltigkeitsrisiken in Strategie und Risiko- management zu integrieren. Damit ebnet sie den Weg zu einer grünen Finanzmarktregulierung hierzulande. Dran bleiben mit vereinten Kräften! Das deutsche Finanzzentrum ist im internationalen Kontext ein bedeutender Standort und insge- samt führend in Kontinentaleuropa. Dabei ist es eine Fülle von Charakteristika, welche die Positio- nierung Frankfurts in der europäischen Finanzplatz-Architektur ausmacht.3 Dementsprechend gibt es viele positive wie negative Einflussfaktoren und Gestaltungsmöglichkeiten bei der Standortent- wicklung. Derzeit bietet der Brexit die Chance einer Aufwertung Frankfurts im internationalen Fi- nanzplatz-Wettbewerb, da sich zahlreiche Banken für neue oder verstärkte Geschäftstätigkeiten hier entschieden haben.4 Auf dem Weg zu einer herausragenden Position des hiesigen Finanz- standortes in puncto Nachhaltigkeit gibt es allerdings noch einiges zu tun. Die angestoßenen Aktivitäten gilt es stringent und zügig weiterzuverfolgen, wobei die Kreativität und Innovationskraft aller Finanzplatz-Akteure gefragt ist. Politisches Engagement und eine Regu- lierung mit Augenmaß können den Wandel unterstützen, flankiert von einem regen Standortmarke- ting. Dabei sollten alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Ein entspre- chendes Signal an die Märkte könnte die Bundesregierung beispielsweise senden durch die Bege- bung einer Staatsanleihe speziell zur Finanzierung von Sozialprojekten zusätzlich zur bereits an- gekündigten grünen Bundesanleihe. Die Stärkung der nachhaltigen Finanzierung am deutschen Wirtschafts- und Finanzstandort hat letztlich auch maßgeblichen Einfluss auf seine generelle Wett- bewerbsstellung. 3 Vgl. Helaba Volkswirtschaft/Research: „Finanzplatz Frankfurt bewegt sich weiter“ (Juni 2016) 4 Vgl. Helaba Volkswirtschaft/Research: „Finanzplatz Frankfurt: Mehr als Brexit“ (Oktober 2019) Zentrale Konferenzen in Frankfurt fördern regen Austausch Einiges zu tun auf dem nachhaltigen Weg des hiesigen Finanzstandorts FINANZPLATZ FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 3. MÄRZ 2020 · © H EL A BA 7 Für den Finanzplatz wie auch für seine Akteure ist es von Bedeutung, diesen Megatrend mitzuge- hen und mitzugestalten. So übernehmen die Marktteilnehmer gesellschaftliche Verantwortung, erzielen Reputationsvorteile und erschließen sich Geschäftspotenziale. Gleichzeitig sind damit allerdings auch finanzielle Risiken und anfängliche Kosten verbunden (z.B. durch die Implementie- rung von Nachhaltigkeitsaktivitäten in den Geschäftsprozess und die erweiterte Erfüllung von Auf- sichtsanforderungen). Die neue Nachhaltigkeitstransparenz, die in der EU und auch in Deutsch- land geschaffen wird, soll mehr Kapital für den Wandel hin zu einem grüneren Wirtschaftssystem mobilisieren. Die hiesigen Institute können sich durch frühzeitige Anwendung der Taxonomie posi- tiv hervorheben und damit möglichst konforme Produkte schon auf den Markt bringen, bevor diese rechtswirksam in Kraft tritt. Der hiesige Finanzstandort kann durch gezieltes, koordiniertes Engagement im Bereich der nach- haltigen Finanzen seine Positionierung im europäischen Finanzplatz-Wettbewerb verbessern. Der deutsche Finanzstandort sollte mit vereinten Kräften an diesem zentralen zukunftsweisenden Thema kontinuierlich dran bleiben. Auf diese Weise bieten sich dem deutschen Finanzzentrum weiter gute Entwicklungsmöglichkeiten – auch auf seinem nachhaltigen Weg.  Megatrend mitgestalten fördert Stellung im inter- nationalen Wettbewerb

Deutschland rangiert bei der Emission grüner Anleihen recht weit vorn. Auf dem Weg zu einer herausragenden Position des hiesigen Finanzstandortes in puncto Nachhaltigkeit ist allerdings noch einiges zu tun.
