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title: "Finanzplatz Frankfurt: Deutsches Bankenzentrum beständig im Wandel"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Finanzplatz Fokus
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# Finanzplatz Frankfurt: Deutsches Bankenzentrum beständig im Wandel

Finanzplatz Frankfurt 1. Februar 2022 © Helaba | Research &amp; Advisory | 1. Februar 2022 1 von 10 Research &amp; Advisory Deutsches Bankenzentrum beständig im Wandel Zusammenfassung Gleich mehrere Herausforderungen prägen derzeit das Finanzgeschehen: Neben der anhal- tenden Corona-Krise und dem Niedrigzinsumfeld steht die Finanzwelt vor der Mammutauf- gabe, die grüne und digitale Transformation der Wirtschaft zu finanzieren. Bislang ist das deutsche Finanzwesen mit den Pandemie-Auswirkungen recht gut zurechtgekommen, je- doch dürfte sich der vollumfängliche Effekt erst nach einigen Jahren materialisiert haben. Weiterhin erwarten wir für die kommenden Jahre eine sinkende Bankbeschäftigung in Frankfurt – allerdings in geringerem Ausmaß als bislang angenommen. Neben dem Konso- lidierungs- und Konzentrationsprozess im deutschen Bankwesen, den Corona-Herausfor- derungen sowie Brexit-Auswirkungen ist der Transformationsprozess in der Bankenwelt durch die Megatrends Nachhaltigkeit und Digitalisierung vermehrt als Beschäftigungsdeterminante einzubezie- hen. Für Ende 2023 gehen wir somit von rund 63.500 Mitarbeitern in den Frankfurter Bankentürmen aus. Dies be- deutet ein Minus von 4 %, unter dem Strich etwa 2.600 Jobs weniger verglichen mit dem letzten verfügbaren Da- tenstand zur Jahresmitte 2021. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass es in 2021 trotz Konsolidierungstrend weiterhin zu einem Anstieg der Frankfurter Bankbeschäftigung gekommen war. Der Finanzplatz Frankfurt hat sich im Zeitablauf als anpassungsfähig erwiesen, wodurch er beständig bedeutend geblieben ist. Auch dank zahlreicher Standortqualitäten hat der hiesige Finanzstandort seit langem die innerdeut- sche und kontinentaleuropäische Führungsrolle inne. Darauf aufbauend gilt es aber für Frankfurt, seine Stellung als wichtiger Bankenplatz in Europa auszubauen und auch sein Profil als Standort wichtiger Institutionen für Geld- politik, Bankenaufsicht und Nachhaltigkeit zu schärfen. Auf diese Weise hat das deutsche Finanzzentrum im sich wandelnden Finanzwesen weiterhin gute Chancen auf eine hervorragende Positionierung. Physische Finanzstandorte werden auch in Zukunft wichtig sein. Sie bleiben innovative wie geschäftsfördernde Austauschplätze der Community, obgleich sich die Arbeitswelt verändert: Viele Unternehmen basteln derzeit an neuen Konzepten, zwei bis drei Tage remote pro Woche gelten als Ideal des hybriden Arbeitsmodells. Die sich her- auskristallisierende Bandbreite für mobiles Arbeiten reicht bei ausgewählten deutschen Banken von 40 % bis 100 %. Vor dem Hintergrund modifizierter Arbeitsmodelle wird der Flächenbedarf in den Bürotürmen überprüft. Dabei sind aber gegenläufige Effekte zu berücksichtigen. Insgesamt wird es vermutlich nur zu einem moderat sin- kenden Büroflächenbedarf kommen – ein Prozess, der nicht schlagartig einsetzen, sondern sich über viele Jahre vollziehen dürfte. Bei den New-Work-Modellen ist neben einer tätigkeitsadäquaten Hybrid-Quote und effizient darauf abgestimmten Flächenumgestaltung auch eine umfassend neue Arbeitskultur wichtig. Aktuelle Herausforderungen am deutschen Finanzstandort ....................................................... 2 Bedeutung von Frankfurt im Zeitenwandel .................................................................................. 2 Auswirkung neuer Arbeitsmodelle auf den Finanzstandort ......................................................... 4 Innerdeutsche Entwicklung der Bankbeschäftigung .................................................................... 6 Prognose für die Frankfurter Bankbeschäftigung ........................................................................ 9 Ulrike Bischoff Senior Economist/ Finanzplatz-Spezialistin T 069/91 32-52 56 Im Fokus: Finanzplatz Frankfurt © Helaba | Research &amp; Advisory | 1. Februar 2022 2 von 10 Aktuelle Herausforderungen am deutschen Finanzstandort Über zwei Jahre nach Ausbruch der Corona-Krise herrscht immer noch eine Sondersituation, die entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung von Konjunktur und Finanzwesen rund um den Globus nimmt. Gleichzeitig steht die Finanzwelt vor der Mammutaufgabe, die grüne und digitale Transformation der Wirtschaft zu finanzieren. Wie stellt sich in diesen besonderen Zeiten die Situation am Finanzstandort Deutschland dar? Bislang hat das hiesige Finanzsystem die Corona-Krise recht gut gemeistert. Dies ist auch auf die weitreichenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen zurückzuführen, die den Insolvenzdruck im Unternehmenssektor reduziert ha- ben und damit nur begrenzt Auswirkungen auf die Bankbilanzen erkennen lassen. Insofern ist es bis dato zwar nicht zu Kreditausfällen im großen Umfang gekommen, aber die Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf birgt nach wie vor Risiken für die Ertragslage. Der endgültige, vollumfängliche Effekt der Corona-Krise dürfte erst nach mehreren Jahren feststellbar sein. Darüber hinaus belasten weiterhin der intensive Margenwettbewerb und das Niedrigzinsumfeld trotz diversifi- zierter Ertragsquellen die hiesige Bankenbranche. So attestiert die Deutsche Bundesbank dem deutschen Finanz- system eine gute Funktionsweise in der Pandemie. Derzeit sei das deutsche Finanzsystem ausreichend wider- standsfähig auch für eine gebremste Wirtschaftsentwicklung, müsse sich aber für den Fall einer Materialisierung von Zinsänderungsrisiken wappnen. Mit Hinblick auf die Auswirkung von Klimarisiken bzw. Bewertungsänderungen infolge steigender CO2-Preise sieht die Bundesbank in ihrem letzten Finanzstabilitätsbericht nur eine moderate Verwundbarkeit im deutschen Finanzsystem. Für den Finanzstandort Deutschland gilt es, den in puncto Dekarbonisierung und Digitalisierung eingeschlagenen Weg entschlossen weiterzugehen. Trotz mannigfaltiger Herausforderungen kann er damit von herausragender Bedeutung bleiben, wenn er sich weiterhin anpassungsfähig im Strukturwandel zeigt. Schließlich hat der Finanz- platz Frankfurt seit langem die innerdeutsche und kontinentaleuropäische Führungsposition inne, und zwar dank seiner zahlreichen Standortqualitäten inklusive wichtiger Institutionen und dank seiner Wandlungsfähigkeit. Bedeutung von Frankfurt im Zeitenwandel Ausgehend von seiner langen Tradition hat Frankfurt eine besondere Rolle im deutschen wie europäischen Fi- nanzplatzgefüge erworben: Die Ursprünge reichen zurück bis ins Mittelalter. Seit vielen Jahrhunderten hat Frank- furt intensiv mit Geld zu tun. Schon im 11. Jahrhundert wurde die Stadt als Messeplatz erwähnt und bedingt durch Kreuzzüge zur mitteleuropäischen Drehscheibe des Orienthandels. Auch als Börsenplatz seit 1585 hat Frankfurt eine lange Historie, ebenso als Standort renommierter Privatbanki- ers im 17. bis 19. Jahrhundert. Oftmals waren politische Entscheidungen richtungsweisend für die Entwicklung Frankfurts. So verlor die Stadt mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 zeitweilig als Handels- und Finanz- platz an Bedeutung zugunsten von Berlin. Mit der Wahl als Sitz der Bank deutscher Länder 1948, aus der knapp ein Jahrzehnt später die Deutsche Bundes- bank hervorging, konnte die Main-Metropole aber an ihre lange Tradition anknüpfen und wieder zum führenden deutschen Finanzzentrum avancieren. Dies war keineswegs selbstverständlich angesichts konkurrierender Finanz- städte wie Hamburg oder Düsseldorf. Der damalige Bundeskanzler Adenauer befürwortete seinen Geburtsort Köln als Standort der Bundesnotenbank, damit ihre Tätigkeit „vom richtigen Geiste getragen“ sei, womit er sich be- kanntermaßen nicht durchsetzen konnte. Die Entscheidung für Frankfurt entfaltete dann in den Folgejahren ihre volle Tragweite. Die Deutsche Bundesbank übte zusehends Anziehungskraft auf die Bankenbranche aus. Dieser Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Fi- nanzstädten war maßgeblich für den Aufstieg Frankfurts als nationales Finanzzentrum, wenngleich der deutsche Im Fokus: Finanzplatz Frankfurt © Helaba | Research &amp; Advisory | 1. Februar 2022 3 von 10 Föderalismus nachwirkte. So wählten z.B. Versicherungen bevorzugt München als Standort. Wichtig für den inter- nationalen Erfolg Frankfurts waren neben dem wachsenden Bank- und Börsengeschäft auch die Bedeutung der deutschen Volkswirtschaft und die Entwicklung der D-Mark zu einer der stabilsten Währungen weltweit. Darüber hinaus haben die breitgefächerten Standortqualitäten wesentlich zur Positionierung Frankfurts als Nr. 2 hinter London in der europäischen Finanzplatz-Architektur beigetragen. Die hohe Dichte an in- und ausländischen Akteuren hat eine lebhafte Community am deutschen Finanzzentrum entstehen lassen, mit entsprechenden Agglomerationseffekten und Effizienzgewinnen. So fördert die räumliche Ballung von Finanzspezialisten verschiedener Tätigkeitsfelder den Dialog und damit die Geschäftstätigkeit in der Main-Metropole. Der wachsende Austausch umfasst auch den hiesigen Qualitätsjournalismus. Schließlich sind Medien der Resonanzboden für die Aktivitäten an einem Finanzstandort. Frankfurt wurde in der Presse wie öffent- lichen Wahrnehmung über die Jahrzehnte immer mehr zum Synonym für das deutsche Finanzwesen – und ist es heutzutage mehr denn je. Ende der 1990er Jahre war es erneut eine politische Standortentscheidung, die Frankfurts internationalen Auf- stieg förderte. Die Ansiedelung der Europäischen Zentralbank (EZB) stärkte die Position im globalen Finanzplatz- Wettbewerb nachhaltig. Denn viele Finanzakteure aus dem In- und Ausland wollen langfristig nahe dieser geldpolitischen In- stanz präsent sein. Zum Jahres- anfang 2002 begann mit der Bargeld-Einführung das Euro- Zeitalter, was die Aufmerksam- keit der Finanzwelt vermehrt auf Frankfurt lenkte. Darüber hinaus hat das deutsche Finanzzentrum seit 2008 dank der Initiative Frankfurt Main Finance an inter- nationaler Sichtbarkeit gewon- nen, zu deren Gründungsmit- gliedern die Helaba zählt. Die Anziehungskraft der EZB und die daraus resultierenden Beschäftigungseffekte wurden Ende 2014 einmal mehr gestärkt, als ihr zusätzlich zur Aufgabe als unabhängige Notenbank des Eurosystems noch die europäische Bankenaufsicht übertragen wurde. Seitdem ist der hiesige Finanzplatz zunehmend durch Geldpolitik sowie Auf- sicht und Regulierung geprägt. Das politische Umfeld übte weiterhin Einfluss auf die Entwicklung Frankfurts aus. Mitte 2016 brachte das Brexit- Votum in Großbritannien neue Chancen. Von den Brexit-Banken wurde die Main-Metropole alsbald zum Favoriten auserkoren. Mittlerweile gibt es hier etliche EU-Zentralen von Auslandsbanken. Der immer noch anhaltende Um- strukturierungsprozess hat sich positiv in der Bankbeschäftigung und in großvolumigen Transfers von Vermö- genswerten bemerkbar gemacht. Gleichwohl ist der hiesige Finanzstandort natürlich weit mehr als Brexit. Das deutsche Finanzzentrum schreitet vielversprechend auf seinem nachhaltigen Weg voran. Sustainable Finance ist mittlerweile ein wichtiger Wettbewerbsfaktor im internationalen Finanzplatzgefüge. Deutschland geht sein Ziel mit vereinten Kräften an, hierbei zu einem führenden Standort zu werden. Zahlreiche Finanzinstitute bauen vor Ort ihre Nachhaltigkeitsexpertise aus, und die Skyline der Main-Metropole soll zur grünen Silhouette werden. In Frankfurt als bedeutendem internationalen Finanzplatz, der bereits etliche finanzbezogene Institutionen sowie Nachhaltigkeitsinitiativen beheimatet, hat zum Jahresanfang 2022 der International Sustainability Standard Board (ISSB) seine Arbeit aufgenommen. Dies stärkt die Bedeutung des deutschen Finanzstandortes im internationalen Nachhaltigkeitskontext und lässt einen zunehmenden Ausbau des hiesigen Ökosystems nachhaltiger Finanzen erwarten. EZB als langfristiges Asset für den Finanzplatz Frankfurt Mitarbeiter (Jahresendstand) \* Vollzeitäquivalente Quellen: EZB (Jahresberichte), Helaba Research &amp; Advisory 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 1998 2002\* 2006 2010 2014 2018 Im Fokus: Finanzplatz Frankfurt © Helaba | Research &amp; Advisory | 1. Februar 2022 4 von 10 Daneben wandelt der Megatrend Digitalisierung die Ausgestaltung von Finanzplätzen. Beispielsweise erlangt die IT-Infrastruktur enorm an Bedeutung, hinsichtlich derer die Main-Metropole als Datenhauptstadt Deutschlands gut aufgestellt ist. Zudem führen technologische Innovationen zu neuen Anforderungen an Regulierung und Auf- sicht. Im Übrigen gibt es mit der Corona-Krise noch eine weitere strukturelle Herausforderung für den Finanzplatz. Neben den Pandemie-bedingt erhöhten Kreditrisiken im Bankensektor kristallisiert sich hinsichtlich Arbeitsmo- dellen ein „neues Normal“ heraus. Auswirkung neuer Arbeitsmodelle auf den Finanzstandort Durch den Ausbruch der Corona-Krise wurden bisher übliche Arbeitsplatzkonzepte genau wie etliche Alltagsge- wohnheiten plötzlich erst einmal obsolet. Es scheint quasi ein neues Zeitalter in der Arbeitswelt angebrochen zu sein. Doch wie nachhaltig sind die angestoßenen Flexibilisierungen? Und wie werden künftige Arbeitsmodelle speziell in der hiesigen Bankenwelt in der Post-Pandemie-Phase aussehen? Lange herrschte das Vorurteil vor, dass Mitarbeiter im Homeoffice weniger arbeiten würden als vor Ort im Büro. Der Großteil der Erwerbtätigen in Frankfurt war bis Frühjahr 2020 zumeist im Büro tätig. Dann mussten schlagar- tig unzählige Arbeitnehmer ihr Heim zum Büro umfunktionie- ren – unabhängig davon, ob die Wohn- bzw. Familiensituation überhaupt einen geeigneten Rahmen für das Arbeiten von zuhause bietet. Laut Institut für Arbeit und Berufsforschung gab es bei rund der Hälfte aller deutschen Unternehmen in der Pandemie die Möglichkeit zum Homeoffice, was drei Viertel ih- rer Beschäftigten tatsächlich wahrnahm. Das Ausmaß des Corona-indu- zierten Homeoffice-Booms veranschaulicht eine Auswertung von Stellenanzeigen durch das ifo Institut: Demnach hat sich das Angebot für Remote-Arbeit hierzulande von 2019 bis 2021 etwa verdreifacht und speziell in der Fi- nanzindustrie sogar vervierfacht (von 6 % auf 24 %). Denn in Berufen mit zuvor wenig genutztem Homeoffice- Potenzial war der Anstieg von entsprechenden Jobofferten natürlich am größten. In der deutschen Finanzbranche lag das Homeoffice-Potenzial vor der Pandemie gemäß ifo-Auswertung weit über dem Durchschnitt aller Wirt- schaftszweige, ein Großteil hiervon blieb ungenutzt. Insgesamt hat es mit der Ad-Hoc-Arbeit im Homeoffice vielerorts gut geklappt, aber mit dem Andauern der Pande- mie ist die anfängliche Euphorie verschwunden. Schließlich stehen den Vorteilen größerer Flexibilität und wegfal- lender Wegstrecken auch Nachteile gegenüber, wie die begrenzten Kontakt- und Kommunikationsmöglichkeiten oder der Mangel an Bewegung und guter Ausstattung. Die Produktivität eines Mitarbeiters dürfte letztlich von einem Potpourri aus Faktoren abhängen, wie vom Typus mit seinen individuellen Präferenzen sowie von Anreizsystemen und Rahmenbedingungen im (Home-)Office. Für eine hohe Leistungsfähigkeit sind auch das Wohlfühlen am Arbeitsort und die Identifikation mit dem eigenen Un- ternehmen wichtig, wozu es immer mehr kreative Ideen gibt. Dementsprechend bastelt das Gros der Unternehmen an neuen Arbeitsplatzkonzepten. Dazu gehören auch die Frankfurter Banken. Homeoffice in Corona-Zeiten gerade in Finanzbranche zugenommen Anteil von Stellenanzeigen mit Homeoffice-Option in deutschen Unternehmen in % \* 1. Quartal Quellen: ifo Institut, Helaba Research &amp; Advisory 0 5 10 15 20 25 2019 2021 alle Branchen Finanzindustrie \* Im Fokus: Finanzplatz Frankfurt © Helaba | Research &amp; Advisory | 1. Februar 2022 5 von 10 Als Ideal des hybriden Arbeitsmodells gelten derzeit zwei bis drei Tage remote pro Woche. Die sich bislang her- auskristallisierende Bandbreite für das mobile Arbeiten bei ausgewählten deutschen Banken reicht von 40 % bis 100 % der Gesamtarbeitszeit, wobei diese Quoten meist mit dem Zusatz „bis zu…“ versehen sind und individuelle Ausnahmen vorsehen. Einige Arbeitsgeber am hiesigen Fi- nanzstandort gewähren ihren Mitarbeitern sogar vollkom- mene Flexibilität und viel Eigen- verantwortung, indem sie in Ab- stimmung mit ihren Führungs- kräften selber entscheiden kön- nen, wo und wann sie arbeiten möchten. Diese doppelte Frei- willigkeit beinhaltet zuweilen sogar die Möglichkeit zum Ar- beiten im Ausland. Teils wurden diese neuen Ar- beitskonzepte schon offiziell verkündet, teils werden Be- triebsvereinbarungen dafür noch verhandelt. Bestandteil der New-Work-Modelle ist ein zunehmendes Desk-Sha- ring, wofür auch eigene Apps zum tageweise Buchen von Arbeitsplätzen entwickelt werden. Hierdurch verändert sich zusehends die Ausgestaltung von Büroflächen. In so manchem Großraumbüro der Frankfurter Bankentürme werden beispielsweise „Telefonzellen“ zur temporären Nutzung für besonders wichtige Calls eingerichtet, auf den Stockwerken zusätzliche Bereiche für Team-Besprechungen geschaffen oder gemütli- che Sofa-Ecken zur Förderung des Austausches im Kollegenkreis. Für unterschiedliche Zwecke gilt es speziell ge- staltete Raummodule in ausreichendem Maße zur Verfügung zu stellen, wobei in der „neuen Normalität“ sowohl gezielte Rückzugsorte als auch unverbindliche Begegnungsflächen (sogenannte Kollaborationsflächen) wichtige Bestandteile sind. Vor dem Hintergrund der sich verändernden Arbeitsmodelle wird der Büroflächenbedarf überprüft. Hierbei sind gegenläufige Effekte zu berücksichtigen: Einerseits schafft das verstärkte mobile Arbeiten Möglichkeiten für Kos- teneinsparungen, wenn sich künftig mehrere Beschäftigte einen Büroarbeitsplatz teilen oder diesen jeweils für die Büroarbeitstage buchen. Andererseits werden zusätzliche Büroflächen benötigt für die veränderte Raumplanung durch mehr gemeinsam genutzte Flächen für Kommunikation. Auch dürfte aus den Erfahrungen mit der Corona- Pandemie künftig auf größere Abstände zwischen einzelnen Arbeitsplätzen geachtet werden. Insgesamt wird es daher vermutlich nur zu einem moderat sinkenden Büroflächenbedarf kommen – ein Prozess, der sich zudem nicht schlagartig entwickeln, sondern über viele Jahre vollziehen dürfte. Dies bestätigt die jüngste Entwicklung am Frankfurter Büromarkt, wo die durchschnittlichen Mieten in guten La- gen bisher nicht zurückgegangen sind. Die Leerstandsrate stieg von einem für Frankfurt recht niedrigen Niveau von rund 7 % vor der Pandemie bisher um rund einen Prozentpunkt und dürfte im laufenden Jahr nur noch wenig weiter zulegen. Dies ist nicht zuletzt dem robusten regionalen Arbeitsmarkt zu verdanken. Hier liegen in einigen Sektoren mit erfahrungsgemäß hohem Bürobeschäftigtenanteil die Beschäftigtenzahlen inzwischen sogar deutlich über dem Stand vor der Krise, während größere Stellenverluste in Branchen wie dem Gastgewerbe oder dem Verarbeitenden Gewerbe wenig Auswirkungen auf die Büronachfrage haben. Neue Arbeitskonzepte für Post-Pandemie-Phase Avisierte Quoten für mobiles Arbeiten in ausgewählten deutschen Banken\* \* Reihenfolge nach Bilanzsumme 2020, \*\* 60 % im Ausnahmefall, \*\*\* theoretisch bis 100 % Quellen: Presse, Helaba Research &amp; Advisory 0 25 50 75 100 Deutsche Bank\*\* KfW BayernLB Helaba NordLB Deka Bank\*\*\* Im Fokus: Finanzplatz Frankfurt © Helaba | Research &amp; Advisory | 1. Februar 2022 6 von 10 Schließlich könnte eine sich langfristig auf der Nachfra- geseite abzeichnende Flächen- reduktion zumindest teilweise durch entsprechende Reaktio- nen auf der Angebotsseite des Büromarktes abgefedert wer- den, indem weniger Neuent- wicklungen stattfinden oder Büroflächen verstärkt für an- dere Nutzungen umgewidmet werden (z.B. Wohnen in Wes- tend-Villa). Ein zentraler Aspekt bei der Umgestaltung und dem Neubau von Büros ist die Nach- haltigkeit. Die Qualität von Bü- roflächen hinsichtlich Umweltverträglichkeit und Wohlfühlfaktor für die Mitarbeiter wird immer wichtiger. Die An- sprüche von Arbeitnehmern, in qualitativ hochwertigen, umweltverträglichen Büros zu arbeiten, nehmen gerade in Zeiten eines wachsenden Fachkräftemangels zu. Ausgestaltung und Lage von Büroräumlichkeiten werden ge- nauso wie die Möglichkeit mobilen Arbeitens zum Wettbewerbsfaktor, um gute Mitarbeiter zu bekommen und im Unternehmen zu halten. Bei den New-Work-Modellen sollte es allerdings nicht nur um eine sinnvolle Hybrid-Quote und effizient darauf ab- gestimmte Flächenumgestaltung gehen, sondern auch um die Einbettung in eine neue Arbeitskultur: Führungs- stil, Arbeitsorganisation, Leistungsmessung sowie Teamgefühl sind nun anders zu denken und in eine umfas- sende Strategie einzubeziehen. In diesem Sinne sollte das „Büro der Zukunft“ mehr als ein Arbeitsplatz sein. Schließlich entsteht Innovation oftmals im unmittelbaren Austausch und damit vor Ort im Büro. Digitale Meetings können noch so gut organisiert sein, spontane Kreativitätsmomente dürfte es dabei eher selten geben. Vis-à-vis können Menschen viel intensiver miteinander agieren inklusive nonverbaler Signale, wohingegen auf dem Bild- schirm bei einem Call in kleinen Kästchen nicht das gesamte Kommunikationsspektrum ersichtlich ist. Darüber hinaus findet manches informative Gespräch im Homeoffice erst gar nicht statt, was sich auf den Bürofluren und in der Kantine en passant immer mal wieder spontan ergibt. Dies lässt sich auch auf den Finanzstandort als Ganzes übertragen: Der unmittelbare Austausch in der Community ist wichtig und nicht wegzudenken, zumal dieser nicht auf Dauer und nicht allumfänglich digital ersetzt werden kann. Zum Florieren eines Finanzstandortes gehören Treffen seiner Akteure, wie auch die zwischenzeitliche Ent- spannung in der Corona-Krise im letzten Sommer gezeigt hat. Vor Ort gemeinsam abgehaltene Meetings und Kon- ferenzen sowie spontane Treffen im Finanzdistrikt wirken sich oftmals positiv auf die Geschäftsaktivitäten aus, und zwar nicht nur für neue Finanzplatz-Akteure. Dementsprechend werden physische Finanzstandorte auch in Zukunft bedeutend bleiben. Innerdeutsche Entwicklung der Bankbeschäftigung Der Frankfurter Bankenplatz weist seit vielen Jahren eine recht solide Beschäftigungsentwicklung auf. Selbst in Krisenzeiten war die Beeinträchtigung letztlich überschaubar, beispielsweise infolge der globalen Finanzkrise 2008 oder zumindest bislang während der Corona-Krise seit Anfang 2020. Trotz des Konsolidierungstrends im deutschen Bankwesen bewegte sich die Mitarbeiterzahl in den Frankfurter Bankentürmen noch aufwärts. Maßgeblich tragen hierzu Sonderfaktoren bei wie die Brexit-bedingte Expansion in hiesigen Banken sowie der Transformationsprozess durch die Megatrends Digitalisierung und Sustainable Finance. Ausgehend vom letzten Tiefstand Anfang 2014 ist die hiesige Bankbeschäftigung bis zum Sommer 2021 um etwa 8 % auf knapp 66.200 Sektorale Beschäftigungsentwicklung in Frankfurt differiert deutlich Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Veränderung 2019 bis 2021 (jeweils Ende Juni) Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Research &amp; Advisory -8.000 -6.000 -4.000 -2.000 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 gesamt Finanz- u. Vers.dienstleister Information u. Kommunikation Immobilien, wiss. u. techn. DL Verkehr u. Lagerei Arbeitnehmerüberlassung Verarbeitendes Gewerbe Gastgewerbe sonst. wirtsch. Dienstleistungen Öffentliche Verwaltung u.ä. Im Fokus: Finanzplatz Frankfurt © Helaba | Research &amp; Advisory | 1. Februar 2022 7 von 10 Banker gestiegen. In den letzten verfügbaren Quartalen war ein Pendeln auf dem Niveau um rund 66.000 Bankmit- arbeiter zu beobachten. Dass sich Frankfurt im Laufe der Jahre immer mehr als bedeutendes Bankenzentrum etabliert hat, zeigt auch die komparative Beschäftigungsentwicklung: Anders als der moderate wellenförmige Verlauf und jahrelange An- stiegstrend in Frankfurt geht die Bankbeschäftigung in Deutschland seit langem zurück. Bundesweit sank die An- zahl deutlich bis auf zuletzt 621.300 Bankmitarbeiter zur Jahresmitte 2021. Dementsprechend entfallen mittler- weile nahezu 11 % der Bankbeschäftigung hierzulande auf die Main-Metropole, gegenüber 9 % vor zehn Jahren. Schließlich gibt es einen innerdeutschen Konzentrationsprozess im Bankwesen auf die Frankfurter Konzernzent- ralen. Die Main-Metropole ist ein „Place to be“ für zahlreiche In- und Auslandsbanken. Zudem ist Frankfurt schlichtweg weniger von dem sich in der Fläche Deutschlands vollziehenden Filialabbau betroffen (vgl. S. 8/9). Darüber hinaus begünstigt der Brexit den Beschäftigungszuwachs in Frankfurt, weniger dagegen an anderen Ban- kenplätzen in Deutschland und Europa. Die mehrjährige Umstrukturierung in der europäischen Finanzplatz-Archi- tektur infolge des britischen EU-Austritts kommt Frankfurt als Favorit der Brexit-Banken zugute. Im Rahmen ihrer Geschäftsverlagerungsprozesse findet ein sukzessiver Personalaufbau statt, den wir weiterhin mit insgesamt 3.500 neuen Bankjobs für die Main-Metropole prognostizieren. Wie weit dies gerade angesichts der Corona-induziert veränderten Arbeitswelt gediehen ist, wird von den einzel- nen Instituten nur wenig kommuniziert. Durch die Pandemie-Herausforderungen inklusive Reisebeschränkungen dürfte sich der Brexit-bedingte Stellenaufbau weiter hinauszögern, wenngleich nach wie vor Druck zur Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen besteht. Insofern ist davon auszugehen, dass über 60 % des Brexit-bedingten Jobaufbaus in den Frankfurter Banken bereits umgesetzt wurde. Anstieg der Frankfurter Bankbeschäftigung – trotz Konsolidierung der Branche Sozialversicherungspflichtig Bankbeschäftigte im Stadtgebiet Frankfurt % Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Research &amp; Advisory -4 -2 0 2 4 60.000 61.000 62.000 63.000 64.000 65.000 66.000 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 gg. Vorjahr (r.S.) gg. Vor- quartal (r.S.) Anzahl (l.S.) Zunehmende Fokussierung auf … … deutsches Bankenzentrum am Main Indexiert auf Ende 2008 % Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Research &amp; Advisory 88 90 92 94 96 98 100 102 88 90 92 94 96 98 100 102 Bankbeschäftigung Frankfurt Bankbeschäftigung Deutschland 8 9 10 11 12 13 14 8 9 10 11 12 13 14 Frankfurt: Anteil Bank- an Gesamtbeschäftigung (l.S.) Frankfurter Anteil an gesamtdeutscher Bankbeschäftigung (r.S.) Im Fokus: Finanzplatz Frankfurt © Helaba | Research &amp; Advisory | 1. Februar 2022 8 von 10 Die Verteilung der nach Bilanzsumme größten Banken Deutschlands auf einzelne Städte bestätigt die Vormacht- stellung Frankfurts: Zehn der Top-25-Banken waren 2020 mit ihrem Hauptsitz in Frankfurt ansässig und sogar sie- ben der Top-10-Banken. Bei den Top-25 folgen mit einigem Abstand München und Düsseldorf (von vier bzw. drei Banken als primärer Standort gewählt), danach Stuttgart und Hamburg/Kiel (mit jeweils zwei). Die auf Frankfurt fokussierte Standortwahl spiegelt sich auch in der aggregierten Bilanzsumme wider: 70 % davon entfallen bei den Top-25 auf Frankfurt und 80 % bei den Top-10. Hinsichtlich der Beschäftigtenzahl ist Frankfurt ebenfalls der wichtigste Bankenstandort in Deutschland: Die Main-Metropole rangiert mit einem Anteil von fast 11 % eindeutig vor München mit 6 %. So gab es Mitte 2021 in München knapp 35.400 Bankbeschäftigte und damit rund 10 % weniger als zum Zeitreihenbeginn 2008. Frankfurt konnte dank des positiven Trends (zuletzt rund 66.200 Bankbeschäftigte und damit 5 % mehr als Anfang 2008) seinen Vorsprung vor München ausbauen. Die anderen Großstädte sind noch weniger eine Konkurrenz für das Bankenzentrum am Main: An dritter Stelle rangieren Hamburg/Kiel und Berlin mit einem Anteil von je 4 % an der gesamtdeutschen Bankbeschäftigung, dann mit jeweils rund 3 % Köln/Bonn, Düsseldorf sowie Stuttgart. Mit rund zwei Dritteln verteilt sich das Gros der Bankbeschäftigung hierzulande auf etliche kleinere Städte und Ortschaften. Diese sind vom trendmäßigen Filialabbau weitaus stärker betroffen als Frankfurt mit seinen Kon- zernzentralen. In Deutschland gab es Ende 2020 mit insgesamt 24.100 Zweigstellen nahezu 60 % weniger als im Jahr 2000. Der seit längerem zu beobachtende Rückgang der Filialanzahl hat sich in der Corona-Krise beschleu- nigt. So sank die Anzahl an Zweigstellen 2020 um knapp 10 % (entspricht über 2.500), während in den Vorjahren jeweils ein Minus von rund 6 % verzeichnet worden war. Schwerpunkt deutscher Bankbeschäftigung … … eindeutig in der Main-Metropole Anteil von Arbeitsamtsbezirken an deutscher Bankbeschäftigung\* Bankbeschäftigte in deutschen Arbeitsamtsbezirken\* \* Jahresmitte 2021 Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Research &amp; Advisory \* Jahresmitte 2021 Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Research &amp; Advisory Frankfurt München Hamburg/ Kiel Berlin Stuttgart Sonstige Köln/Bonn Düsseldorf 0 25.000 50.000 75.000 Frankfurt München Hamburg/Kiel Berlin Köln/Bonn Düsseldorf Stuttgart Frankfurt als klarer Spitzenreiter… … gefolgt von München und Düsseldorf Anzahl von Banken aus Top-25 (Hauptstandort) Aggregierte Bilanzsumme der Top-25-Banken in deutschen Städten\* Quellen: FAZ-Auflistung nach Bilanzsumme 2020, Helaba Research &amp; Advisory \*Hauptstandort Quellen: FAZ, Helaba Research &amp; Advisory 0 2 4 6 8 10 Frankfurt München Düsseldorf Stuttgart Hamburg/Kiel Frankfurt München Düsseldorf Stuttgart Hamburg/Kiel Im Fokus: Finanzplatz Frankfurt © Helaba | Research &amp; Advisory | 1. Februar 2022 9 von 10 Schließlich wurde durch die Pan- demie die Digitalisierung des Berufs- und Alltagslebens deut- lich vorangetrieben und der Strukturwandel im Bankensektor hin zur vermehrten Nutzung von Internetkonten, Online-Depots und Vertriebskanälen via Tele- fon oder Computer verstärkt. Die physische Interaktion im Kun- dengeschäft ist allerdings nicht gänzlich wegzudenken, auch wenn sich der Trend zur Filial- ausdünnung in Deutschland in den nächsten Jahren fortsetzen sollte. Prognose für die Frankfurter Bankbeschäftigung Wie entwickelt sich die Beschäftigung am deutschen Bankenzentrum weiter? In unserem Prognosehorizont bis Ende 2023 erwarten wir nach wie vor eine Reduktion der Bankbeschäftigung in der Main-Metropole – allerdings geringer als zuvor angenommen. Schließlich ist zu berücksichtigen, dass sich die Frankfurter Bankbeschäftigung trotz der deutlichen Sparprogramme in einigen deutschen Banken insgesamt bis zur Jahresmitte 2021 aufwärts- bewegt hat und damit das Ausgangsniveau für unsere Prognose nun etwas höher anzusetzen ist. Neben dem Kon- solidierungs- und gleichzeitig Konzentrationsprozess im deutschen Bankwesen, zusätzlichen Corona-Herausfor- derungen und Brexit-Auswirkungen ist der Transformationsprozess in der Bankenwelt durch Nachhaltigkeit und Digitalisierung nun vermehrt einzubeziehen. Hinsichtlich dieser beiden Megatrends ist für ein langfristig erfolgreiches Geschäftsmodell der Banken ein erwei- tertes „Skill-Set“ unerlässlich. Dementsprechend verändern sich die Anforderungsprofile von Bankern nicht nur weg von klassischen Filialtätigkeiten, sondern auch bei den in Konzernzentralen Beschäftigten ist verstärkt neues Spezial-Knowhow erforderlich. Bei Sustainable Finance zieht sich dies gewissermaßen durch den gesamten Wert- schöpfungsprozess der Institute, so dass die Weiterbildung bisheriger Mitarbeiter ebenso wichtig sein sollte wie die gezielte Neueinstellung von Experten (z.B. im Nachhaltigkeitsmanagement oder für Sustainable Research &amp; Advisory). Im Übrigen binden zusätzliche Regulierungs- und Aufsichtsanforderungen erhebliche Mitarbeiterkapa- zitäten, in puncto Nachhaltigkeit wie auch im Bankgeschäft insgesamt. Beim Ausbau ihrer Nachhaltigkeitsexpertise sind die Banken gegenwärtig oftmals mit Engpässen an entspre- chendem Personal konfrontiert. Neben internen Schulungskonzepten entstehen daher immer mehr externe Quali- fikationsmöglichkeiten. Die Hochschulen in der hiesigen Finanzplatzregion bieten verschiedene Studiengänge in Umweltwirtschaft, -management und -ingenieurwesen an. Auch kann am Frankfurter Finanzplatz die Prüfung zum zertifizierten ESG-Analysten (CESGA) abgelegt werden, ein ähnliches Weiterbildungsangebot wurde von der Frank- furt School of Finance &amp; Management in Kooperation mit dem UN-Umweltprogramm entwickelt (Certified Expert in Sustainable Finance). Die Institute hierzulande wie weltweilt befinden sich inmitten des fortschreitenden Nachhaltigkeits- und Digitali- sierungsprozesses. Während Nachhaltigkeitsfinanzierung die strategische Ausrichtung von Instituten beeinflusst, dient die Digitalisierung mehr der möglichst effizienten Umsetzung ihrer Gesamtstrategie. So erhöht die Digitali- sierung zunächst den Bedarf an spezialisierten Mitarbeitern (z.B. Datenanalytiker oder Programmierer), führt je- doch durch Prozessautomatisierungen letztlich zu Personaleinsparungen. Sinkender Filialtrend durch Corona-Krise beschleunigt Anzahl deutscher Bankfilialen Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Research &amp; Advisory 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Im Fokus: Finanzplatz Frankfurt © Helaba | Research &amp; Advisory | 1. Februar 2022 10 von 10 Unter Einbeziehung aller rele- vanten Determinanten erwar- ten wir bei der Frankfurter Bankbeschäftigung bald einen Wendepunkt und fortan einen moderaten Rückgang. Für Ende 2023 gehen wir von rund 63.500 Mitarbeitern in den hiesigen Bankentürmen aus. Dies bedeutet ein Minus von 4 %, unter dem Strich etwa 2.600 weniger Bankjobs verglichen mit dem letzten verfügbaren Datenstand zur Jahresmitte 2021. Selbst in diesen besonderen Zeiten mit ihren vielseitigen Herausforderungen stellt sich die Beschäftigungssituation am deutschen Banken- zentrum insgesamt noch gemäßigt dar, was seiner Stellung im internationalen Wettbewerb zugutekommen dürfte. Der Finanzplatz Frankfurt hat sich im Zeitablauf als anpassungsfähig erwiesen, wodurch er beständig bedeutend geblieben ist. Auch dank zahlreicher Standortqualitäten hat der hiesige Finanzstandort seit langem die innerdeutsche und konti- nentaleuropäische Führungsrolle inne. Darauf aufbauend gilt es für Frankfurt, seine Bedeutung als wichtiger Ban- kenplatz in Europa auszubauen und auch sein Profil als Standort wichtiger Institutionen für Geldpolitik, Banken- aufsicht und Nachhaltigkeit zu schärfen. Auf diese Weise hat das deutsche Finanzzentrum in der sich wandelnden Finanzwelt weiterhin gute Chancen auf eine bedeutende Positionierung. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 - 20 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/ Unter dem Strich 4 % weniger Bankbeschäftigte Ende 2023\* Sozialversicherungspflichtig Bankbeschäftigte im Stadtgebiet Frankfurt \* 66.166 Bankmitarbeiter Mitte 2021 als letzter verfügbarer Stand zum Zeitpunkt der Studien-Veröffentlichung Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Research &amp; Advisory 60.000 61.000 62.000 63.000 64.000 65.000 66.000 60.000 61.000 62.000 63.000 64.000 65.000 66.000 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Prognose Helaba

Am Finanzplatz Frankfurt vollzieht sich ein Strukturwandel. Die Bankbeschäftigung wird bis Ende 2023 sinken – allerdings weniger als bisher erwartet.
