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title: "Thüringen: Fertigstellungsplus im Wohnungsbau"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Bundesländer
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# Thüringen: Fertigstellungsplus im Wohnungsbau

Helaba Volkswirtschaft/Research REGIONALFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 11. OKTOBER 2017 · © HE L A B A 1 11. Oktober 2017 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOR Barbara Bahadori Telefon: 0 69/91 32-24 46 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Thüringen: Fertigstellungsplus im Wohnungsbau In Thüringen ist in den letzten Jahren ein Bauüberhang entstanden, der für zunehmende Fertig- stellungen im Wohnungsbau sorgt – 2016 betrug das Plus 45 %. Das Pro-Kopf-Niveau der fertiggestellten Wohnungen bleibt mit Ausnahme Jenas aber deutlich unter dem Bundesdurch- schnitt. Die meisten Wohnungen werden in neuen Gebäuden gebaut. Mit einem Anteil von 30 % an den Genehmigungen spielt in Thüringen die Schaffung von Wohnraum in bestehenden Gebäuden allerdings eine sehr große Rolle. In Thüringen übertraf 2016 der Umsatzzuwachs im Wohnungsbau mit 17,6 % das vierte Mal in Folge den Bundesdurchschnitt (13 %). Dabei nahmen die Wohnungsbaugenehmigungen um 46 % auf 7.630 zu, nachdem sie schon 2015 ein Plus von 24 % verzeichneten. Für den sprunghaften Anstieg war die Verschärfung der Energieeinsparverordnung mitverantwortlich. Um die hieraus folgenden Kostensteigerungen zu vermeiden, hatten viele Bauherren 2015 eine Genehmigung beantragt, die bis zum Sommer 2016 erteilt wurde. Dieser Rückenwind sorgte 2016 für einen kräf- tigen Anstieg der Fertigstellungen auf 5.484 (+45 %). Thüringen: Wohnungsbau wieder gut gestartet Genehmigungen nach hohem Plus rückläufig Baugewerblicher Umsatz (Betriebe ab 20 Beschäftigte), % gg. Vorjahr Thüringen: Wohnungsbaugenehmigungen, % gg. Vorjahr Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Dass dennoch ein enormer Bauüberhang besteht, zeigt der Auftragsbestand, der im letzten Jahr durchschnittlich um 17 % höher als im Vorjahr lag und im Juni 2017 sogar um 56 % den Vorjah- reswert übertraf. Gelingt eine zügige Abarbeitung, und dafür spricht der Umsatzzuwachs von 17 % in den ersten sieben Monaten, dürfte in diesem Jahr die Zahl der fertiggestellten Wohnungen nochmals spürbar zunehmen. Eine weitere Steigerung der Bautätigkeit ist im Thüringer Wohnungsbau 2018 aber nicht zu erwar- ten. In den ersten sechs Monaten 2017 gingen die Genehmigungen um ein Drittel zurück. Aller- dings geht diese heftige Abnahme nicht von den privaten Haushalten als Bauherren aus (-9,3 %), sondern von den übrigen Bauherren (-52 %), die hauptsächlich im Bau von Drei- und Mehrfamili- enhäusern tätig sind, sodass bei diesen Häusertypen das Minus mit 36 % am deutlichsten ist. Der Bau von Einfamilienhäusern stieg dagegen im ersten Halbjahr 2017 um 3,4 % und bei Zwei- familienhäusern ist von niedrigem Niveau aus sogar ein Plus von 28 % zu beobachten. Die Schaf- fung von Wohnungen in Wohnheimen spielt in diesem Jahr fast keine Rolle mehr. Nach etwa 1.900 Einheiten im Jahr 2016 dürfte die Zahl auf rund ein Zehntel gesunken sein. -10 -5 0 5 10 15 20 25 30 -10 -5 0 5 10 15 20 25 30 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Jan.-Juli Insgesamt Öffentlicher Bau Wirtschaftsbau Wohnungsbau 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 -40 -20 0 20 40 60 -40 -20 0 20 40 60 Insgesamt Private Haushalte Jan.-Juli THÜRINGEN: FERTIGSTELLUNGSPLUS IM WOHNUNGSBAU HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 11. OKTOBER 2017 · © HE L A B A 2 Fertigstellungen in Thüringen über 5.000 Wohnungen Hoher Auftragsbestand im Thüringer Wohnungsbau Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden in Tsd. Auftragsbestand Bauhauptgewerbe, in Mio. € Quellen: Thür. Landesamt f. Statistik, Stat. Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research 64 % der Thüringer Bauherren sind in den ersten sieben Monaten 2017 private Haushalte (2.031 Genehmigungen) – nur letztes Jahr war durch den hohen Anteil an Wohnheimen der Anteil deut- lich niedriger (49 %; 3.569 Genehmigungen). Wohnungsunternehmen sind in diesem Jahr mit einem Anteil von 17 % die zweitgrößte Bauherrengruppe gefolgt von den sonstigen Unternehmen mit 9 %. Dabei werden die meisten Wohnungen weiterhin in neuen Gebäuden geplant. Überdurch- schnittlich hoch ist in Thüringen aber die Schaffung von Wohnraum im Bestand. Hier wurden in den vergangenen Jahren zumeist 30 % der Genehmigungen erteilt. Das Interesse an den eigenen vier Wänden drückt sich in Thüringen auch in der Kreditvergabe aus. Seit 2012 steigt der Kreditbestand für den Wohnungsbau von Thüringer Privatpersonen auf zuletzt 8,5 Mrd. € stetig an. Er macht inzwischen 80 % des gesamten Kreditbestands der Privaten in Thüringen aus. Dabei hat sich die Entwicklung in den letzten Jahren beschleunigt. Die Zuwachs- raten schwanken seit dem zweiten Quartal 2015 zwischen 4,6 % und 5,7 %. Banken finanzieren Wohnungsbau der Privaten Hoher Auftragsbestand im Thüringer Wohnungsbau Thüringen: Kreditbestand der Privatpersonen, Mrd. € Thüringen: Kreditbestand der Unternehmen und Selbständigen, Mrd. € Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Auch Unternehmen finanzieren ihre Wohnungsbauvorhaben durch Kredite. Allerdings sind die dafür ausgeliehenen Mittel in den letzten Jahren nahezu unverändert geblieben. Da sich die Un- ternehmenskredite insgesamt aber seit längerem in einem Aufwärtstrend befinden, hat sich der Anteil der Wohnungsbaukredite daran verringert und liegt inzwischen bei etwa einem Drittel. Wie sind die Bauaktivitäten im Thüringer Wohnungsbau einzuschätzen? Pro 1.000 Einwohner gerechnet wurden im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2016 in Deutschland 3,2 Wohnungen fertig- gestellt. Der entsprechende Thüringer Wert war mit 2,1 Wohnungen deutlich niedriger. Die Ursa- che für diesen Niveauunterschied liegt hauptsächlich in der Bevölkerungsabwanderung nach der Wiedervereinigung. Der Wanderungssaldo ist aufgrund des Zuzugs aus dem Ausland zwar wieder positiv, was bis 2014 aber nicht ausreichte, um das Geburtendefizit zu kompensieren. Mit dem kräftigen Zuzug der Flüchtlinge nahm 2015 jedoch auch die Einwohnerzahl in Thüringen mit 0,5 % erstmalig seit 1988 wieder zu. Für 2016 liegen noch keine Daten vor. 0 5 10 15 20 25 0 5 10 15 20 25 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Fertigstellungen Genehmigungen 0 20 40 60 80 100 120 0 20 40 60 80 100 120 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 4 5 6 7 8 9 10 11 4 5 6 7 8 9 10 11 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Wohnungsbaukredite Kredite insgesamt davon: Hypothekarkredite auf Wohngrundstücke 0 2 4 6 8 10 12 14 16 0 2 4 6 8 10 12 14 16 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Wohnungsbaukredite Kredite insgesamt davon: Hypothekarkredite auf Wohngrundstücke THÜRINGEN: FERTIGSTELLUNGSPLUS IM WOHNUNGSBAU HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 11. OKTOBER 2017 · © HE L A B A 3 Nur zwei kreisfreie Städte überdurchschnittlich Beschäftigungsplus in Erfurt und Weimar sehr hoch Wohnungsfertigstellungen, Jahresdurchschnitt 2014-2016 pro 1.000 Einwohner Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort: 31.12.2016 gegenüber 31.12.2014 Quellen: Thür. Landesamt f. Statistik, Stat. Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Thür. Landesamt f. Statistik, Stat. Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Allerdings ist die Situation nicht in ganz Thüringen gleich. So üben einige Städte und Regionen eine bestimmte Anziehungskraft aus. Gerade die kreisfreien Städte Weimar, Erfurt, Jena und Ei- senach weisen eine spürbar positive Zunahme der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäf- tigten auf, die sich dort zwischen 2014 und 2016 niedergelassen haben. Bisher liegt allerdings nur Jena mit 6 Wohnungsfertigstellungen pro 1.000 Einwohner über dem Bundesdurchschnitt. Als größte Universitätsstadt Thüringens mit moderner Wirtschaftsstruktur zieht Jena offensichtlich Menschen wie Unternehmen gleichermaßen an. Weimar übertrifft zusammen mit den Landkreisen Unstrut-Hainich, Sömmerda, Weimarer Land, Nordhausen, Eichsfeld und dem Ilm-Kreis den Landesdurchschnitt bei den Wohnungsfertigstellun- gen pro 1.000 Einwohner. Langfristig sind die Aussichten für den Thüringer Wohnungsbau insgesamt eher verhalten. So steigt zwar die Zahl der Beschäftigten, wodurch in und um die Wirtschaftszentren die Nachfrage nach Wohnraum steigt. Allerdings bleibt der Zuwachs vielerorts hinter der Bundesentwicklung zurück und es gibt etliche Landkreise, die neben sinkenden Einwohnerzahlen auch eine abneh- mende Beschäftigung zu verkraften haben – mit negativen Auswirkungen auf den Wohnungsbe- stand. Zudem zeigt der Blick auf die Altersstruktur in Thüringen, dass sich spätestens in den nächsten zehn Jahren rund 180.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in den Ruhestand verabschie- den werden. Dies sind 22 % der derzeitigen Arbeitnehmer. Altersgerechtes Wohnen ist somit für alle Regionen Thüringens ein relevantes Thema. Bezahlbare Lösungen für Eigentümer und Woh- nungsunternehmen mit den entsprechenden Finanzierungsangeboten sind gefragt.  6,2 2,6 1,8 1,7 1,3 1,0 2,9 2,8 2,6 2,5 2,5 2,3 1,9 1,9 1,7 1,6 1,5 1,4 1,4 1,4 1,4 1,2 1,0 Jena (Stadt) Weimar (Stadt) Erfurt (Stadt) Eisenach (Stadt) Gera (Stadt) Suhl (Stadt) Unstrut-Hainich Sömmerda Weimarer Land Nordhausen Eichsfeld Ilm-Kreis Wartburgkreis Hildburghausen Saale-Holzland Saalfeld-Rudolst. Kyffhäuserkreis Schmalk.-Mein. Sonneberg Gotha Saale-Orla Altenburger Land Greiz Thüringen - Durchschnitt 6,3 6,1 4,8 3,1 2,2 -0,2 3,4 3,0 2,4 2,4 1,9 0,9 0,6 0,5 0,5 0,5 0,5 0,4 0,4 0,0 -0,4 -0,4 -0,6 Weimar (Stadt) Erfurt (Stadt) Jena (Stadt) Eisenach (Stadt) Gera (Stadt) Suhl (Stadt) Weimarer Land Unstrut-Hainich-Kreis Nordhausen Ilm-Kreis Gotha Eichsfeld Saale-Holzland-Kreis Saalfeld-Rudolstadt Kyffhäuserkreis Greiz Altenburger Land Wartburgkreis Schmalkald.-Meiningen Saale-Orla-Kreis Hildburghausen Sonneberg Sömmerda Thüringen-Durchschnitt

Hoher Auftragsbestand sorgt für steigende Wohnungszahl. 64 % der Bauherren sind private Haushalte. Schaffung von Wohnraum in bestehenden Gebäuden überdurchschnittlich in Thüringen.
