---
title: "Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg - Wachstum im Wandertempo"
url: https://www.helaba.com/de/hessen-thueringen-nordrhein-westfalen-und-brandenburg-wachstum-im-wandertempo
type: dd_research
language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Bundesländer
---

# Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg - Wachstum im Wandertempo

Helaba Volkswirtschaft/Research REGIONALFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 5. DEZEMBER 2018 · © HE L A B A 1 5. Dezember 2018 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTORIN Barbara Bahadori Telefon: 0 69/91 32-24 46 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg: Wachstum im Wandertempo1 Die Kernregionen der Helaba bestimmen die Auswahl der in den Texten betrachteten Bundeslän- der. Aus vielen Grafiken können aber Aussagen über alle Bundesländer abgeleitet werden. Jetzt wandern wir los und entdecken die regionalen Besonderheiten! Vollbeschäftigung in Hessen dank hoher Wirtschaftskraft Gemäß UN-Charta sollte jeder erwachsene Mensch unter Wahrung der freien Berufswahl und der Menschenwürde eine Arbeit finden können. Das ökonomische Ziel dafür heißt Vollbeschäftigung – häufig definiert anhand einer Arbeitslosenquote unterhalb von etwa 3 % bis 5 %. Hessen hat mit einer Erwerbslosenrate von 4,3 % (November 2018) diesen wünschenswerten Zustand nahezu erreicht. Auch der gesamtdeutsche Durchschnitt liegt mit 4,8 % schon innerhalb dieser Definition. Eine Ursache für die gute Entwicklung des hessischen Arbeitsmarktes ist die sehr hohe Wirt- schaftskraft des Bundeslandes. Es gehört mit Bayern und Baden-Württemberg zur Spitzengruppe der Flächenländer, deren wirtschaftlicher Output pro Einwohner rund 15 % über dem Bundes- durchschnitt liegt. Wirtschaftskraft der Bundesländer unterschiedlich Wachstum nahe am Durchschnitt 2018/2019 BIP pro Einwohner in % des gesamtdeutschen Durchschnitts, 2017 Reales BIP: Veränderung gg. Vorjahr in % Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Das hessische Wirtschaftswachstum blieb dagegen in den vergangenen Jahren zumeist etwas unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Es war aber ausreichend, um einen leicht überdurch- schnittlichen Beschäftigungszuwachs von zuletzt 2,4 % zu generieren. Dabei zeigt sich der hessi- sche Arbeitsmarkt als integrationsfähig: 15 % der Arbeitnehmer sind Ausländer/-innen. Überhaupt ist Hessen die Internationalität ins Stammbuch geschrieben. Die Frankfurter Messe wird von inter- nationalen Ausstellern besonders geschätzt. Der Finanzplatz Frankfurt gilt für die Brexit-Banken als Favorit in Kontinentaleuropa, was die ansonsten negativen Folgen des EU-Austritts der Briten für Hessen etwas mildert. Der Flughafen dürfte 2018 mit etwa 69 Mio. Passagieren den nächsten Rekordwert ansteuern. Im Luftfrachtbereich sind die Zahlen leicht rückläufig. Hier zeigen sich erste Spuren der konjunkturellen Abschwächung, die sich bis Mitte nächsten Jahres fortsetzten dürfte. Für Hessen ist aber 2018 mit einem zumindest durchschnittlichen Wirtschaftswachstum zu rech- nen. Mit der Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2019 könnten in beiden Jahren Zuwächse zwi- schen 1,5 % und 2 % erreicht werden. 1 Aktualisierter Auszug aus Märkte und Trends 2019. Den gesamten Konjunktur- und Kapitalmarktausblick mit Podcasts und Videos finden Sie unter www.helaba.com/de/research. 165 126 116 114 114 100 98 97 92 90 89 82 75 72 70 68 67 -1 0 1 2 3 4 5 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 -1 0 1 2 3 4 5 Deutschland Thüringen Hessen Brandenburg NRW p s HESSEN, THÜRINGEN, N RW UND BRANDENBURG: WAC HSTUM IM WANDERTEMPO HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 5. DEZEMBER 2018 · © HE L A B A 2 Thüringens Arbeitsmarkt als Wachstumshemmnis? Thüringen kann auf ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 1,9 % in den letz- ten fünf Jahren zurückschauen. Die thüringische Industrie gab besonders starke Impulse. 2018 hat sich die Dynamik jedoch abgeschwächt. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr mit 2,4 % unterdurchschnittlich. Dagegen wurde die Mitarbeiterzahl in den Industriebetrieben in gleichem Tempo wie bundesweit vergrößert. Ursache dürfte zum einen der höhere Auslastungsgrad sein. Zum anderen kann der Beschäftigungsaufbau aus der Übernahme von Leiharbeitern in die Stammbelegschaft herrühren. Denn der Arbeitsmarkt in Thüringen wird zunehmend enger. Inzwischen liegt die Arbeitslosenquote mit 5,0 % (November 2018) kaum noch über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 4,8 %. Vollbeschäftigung in vielen Regionen schon Realität Beschäftigungszuwachs lässt etwas nach Arbeitslosenquote, % der zivilen Erwerbspersonen, November 2018 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: Veränderung gg. Vorjahr in % Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Aufgrund der demografischen Entwicklung wird sich die Situation verschärfen. Von den gut 800.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Thüringen sind rund 185.000 über 55 Jahre alt. Sie werden sich spätestens in zwölf Jahren in den Ruhestand verabschieden. Die „nachwach- senden“ Jungarbeitnehmer gegengerechnet ergibt sich ein Defizit von rund 20.000 Personen. Auf der Suche nach Mitarbeitern wird sich der Blick auf potenzielle Bewerber weiten. Dabei muss zur „Internationalisierung“ der Belegschaften über die nahen europäischen Länder hinausgedacht werden, denn in den Staaten Zentraleuropas sind die Arbeitslosenquoten zum Teil noch niedriger. Bisher war Thüringen diesbezüglich kaum aktiv – sind doch überhaupt nur 4 % der Beschäftigten Ausländer (Deutschland: 11 %). Für 2018 und 2019 sind Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,5 % zu erwarten. Damit mittelfristig das Wachstumspotenzial genutzt werden kann, wird ein Zuzug von Arbeitskräf- ten unvermeidlich sein. Schon jetzt steigt die Zahl der Beschäftigten in ganz Thüringen nur noch unterdurchschnittlich. Wenn hier nicht gegengesteuert wird, droht aus der konjunkturellen eine strukturelle Schwäche zu werden, die den Wohlstand des Bundeslandes gefährdet. Nordrhein-Westfalen holt auf Das Wirtschaftswachstum in Nordrhein-Westfalen (NRW) war seit der Finanzkrise unterdurch- schnittlich, dürfte sich aber in diesem Jahr aufgrund der vergleichbaren Entwicklung in der Indust- rie dem gesamtdeutschen Wert angenähert haben. Die konjunkturelle Abschwächung 2018 macht allerdings vor NRW keinen Halt, sodass sich das Wirtschaftswachstum leicht auf 1,4 % reduzieren dürfte. 2019 sinkt die Zuwachsrate weiter auf 1,3 %, da erst im späteren Verlauf des Jahres ein zyklischer Aufwind zu erwarten ist. Unterstützung erfährt das Wachstum von der Fiskalpolitik, die im kommenden Jahr zu einem spürbaren Anstieg der verfügbaren Einkommen führen sollte und damit den Konsum als größte Komponente des BIP stärkt. 2,7 3,0 4,1 4,3 4,8 4,9 5,0 5,0 5,4 5,7 5,8 6,0 6,4 7,0 7,3 7,6 9,3 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 12 13 14 15 16 17 18 Thüringen Deutschland Hessen NRW Brandenburg Quartalswerte Monatswerte Kaum Ausländer in Thüringen beschäftigt Wachstum 2019 durch Fiskalpolitik gestärkt Industriebeschäftigung wächst wie im Bundesdurchschnitt HESSEN, THÜRINGEN, N RW UND BRANDENBURG: WAC HSTUM IM WANDERTEMPO HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 5. DEZEMBER 2018 · © HE L A B A 3 Die Beschäftigungsentwicklung in NRW hat sich deutlich beschleunigt und liegt seit 2015 zumeist über 2 %. Am aktuellen Rand lässt die Dynamik etwas nach. Mit einem Einbruch auf dem Arbeits- markt ist aber nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Der durch den Strukturwandel bedingte Mismatch zwischen angebotenen und nachgefragten Qualifikationen baut sich ab. So lag die Arbeitslosen- quote in NRW im November 2018 mit 6,4 % zwar über dem bundesdeutschen Durchschnitt, jedoch engte sich die Differenz ein. 2019 sollte sich der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt fortsetzen, wenn auch die Verbesserungen aufgrund des etwas geringeren Wirtschaftswachstums niedriger ausfallen dürften. Verschuldung vielerorts noch problematisch Ungleiche Entwicklung der regionalen Industrie Schulden der Länder inkl. Gemeinden pro Einwohner, 2017 Verarbeitendes Gewerbe/Bergbau: Umsatz, Veränderung gg. Vorjahr in % Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research \*Januar bis September 2018 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Der NRW-Arbeitsmarkt ist auch für die Kommunen wichtig. Hohe Erwerbslosenraten sind mit ho- hen Sozialausgaben und zumeist niedrigen Steuereinnahmen verbunden. In der Folge haben die Gemeindehaushalte finanzielle Lasten zu tragen, die sie zum Teil kaum bewältigen können – ge- schweige denn noch die Mittel, um in die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu investieren. So weist NRW unter den größten Flächenländern die höchste Verschuldung pro Einwohner aus. Hier müssen Lösungen gefunden werden, die die Qualifizierung und die Flexibilität der Arbeitssuchen- den fördern. Zudem ist eine investoren- und gründerfreundliche Politik zu etablieren. Brandenburg auf Warteposition Mit seiner Wirtschaftsleistung befindet sich Brandenburg im Mittelfeld der neuen Bundesländer. Es weist 70 % des gesamtdeutschen BIP pro Einwohner aus. Das Wachstum blieb jedoch in den letzten drei Jahren deutlich unterdurchschnittlich. Allerdings zeigte sich auch in diesem Bundes- land eine spürbare Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt. Die Erwerbslosenrate liegt mit 5,8 % (November 2018) nur noch einen Prozentpunkt über dem Länderdurchschnitt. Der Beschäfti- gungsanstieg ist mit 1,6 % gegenüber Vorjahr der höchste in Ostdeutschland (ohne Berlin). Dabei profitiert Brandenburg von der dynamischen Entwicklung Berlins. Dort nahmen die Belegschaften sogar um 3,5 % zu, womit sich der Aufholprozess fortsetzt. So liegt der wirtschaftliche Output Ber- lins pro Kopf immer noch 3 % unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt, was für eine Hauptstadt ungewöhnlich niedrig ist. Die Brandenburger Industrie konnte in den ersten neun Monaten 2018 einen Umsatzzuwachs von 3,9 % gegenüber dem Vorjahr erreichen und übertraf den deutschen Durchschnitt von 3,0 %. Ähn- lich wie in Thüringen nahm die Zahl der Industriebeschäftigten durchschnittlich zu. Dies ist ein Hinweis auf die hohe Kapazitätsauslastung und das zunehmende Bedürfnis der Unternehmen, zunächst „geliehene“ Arbeitnehmer dauerhaft für den Betrieb zu sichern. Insgesamt dürfte sich in Brandenburg das Wirtschaftswachstum 2018 dem Bundesdurchschnitt annähern. Da sich die Er- öffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg wahrscheinlich bis Oktober 2020 verzögert, sind im kommenden Jahr keine zusätzlichen Impulse zu erwarten. Für Brandenburg ist deshalb ein über- durchschnittliches Wachstum unwahrscheinlich.  1.100 2.300 5.000 6.100 7.500 8.600 8.800 9.100 9.400 10.600 10.900 11.600 12.700 15.700 17.800 17.900 30.700 14 15 16 1718\* 14 15 16 1718\* 14 15 16 1718\* 14 15 16 1718\* -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 Thüringen Hessen NRW Brandenburg Arbeitslosenquote in NRW durch Mismatch höher Beschäftigungsanstieg dank Berlin Flughafeneröffnung verzögert sich bis 2020

Vollbeschäftigung in Hessen dank hoher Wirtschaftskraft. Thüringens Arbeitsmarkt als Wachstumshemmnis? Nordrhein-Westfalen holt auf. Brandenburg auf Warteposition.
