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title: "Hessen: Wachstum – auch regional"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Bundesländer
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# Hessen: Wachstum – auch regional

Helaba Volkswirtschaft/Research REGIONALFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 4. APRIL 2019 · © H E L A BA 1 4. April 2019 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOR Barbara Bahadori Telefon: 0 69/91 32-24 46 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Hessen: Wirtschaftswachstum – auch regional Bundesländer mit sehr unterschiedlichem Wachstum 2018 Nach den jüngst veröffentlichten Daten1 blickt Hessen auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Das Wirt- schaftswachstum beschleunigte sich 2018 auf 2,2 %, wohingegen es bundesweit auf 1,4 % sank. Damit nimmt Hessen im Wachstumsranking der Bundesländer Platz 2 ein, nach Berlin mit 3,1 %. Die Impulse kamen insbesondere aus der Industrie und dem Baugewerbe. Hier nahm die reale Bruttowertschöpfung um 2,7 % bzw. 7,5 % zu, sodass das Produzierende Gewerbe mit 3,2 % eine mehr als doppelt so große Steigerung vorwies als der Bundesdurchschnitt. Allerdings waren 2017 in beiden Sektoren nur unterdurchschnittliche Werte erreicht worden. Die meisten Dienstleistungs- branchen trugen ebenfalls zur überdurchschnittlichen Leistung bei, wenn auch nicht so stark. Viele wichtige Informationen stehen erst mit zeitlicher Verzögerung zur Verfügung, sodass die statistischen Ämter die zuvor veröffentlichten Daten korrigieren müssen. Der Änderungsbedarf kann aber aufgrund der Wirtschaftsstruktur der Bundesländer sehr unterschiedlich sein. Insofern ist es wichtig, neben den Werten für 2018 das Durchschnittswachstum in den letzten fünf Jahren zu betrachten. Hier schneidet Hessen mit einer durchschnittlichen Zuwachsrate von 1,8 % fast so gut ab wie Deutschland insgesamt (1,9 %). Dabei war die Dynamik der hessischen Dienstleister geringer und die des Produzierenden Gewerbes höher. Hessen beim Wachstum 2018 auf Platz 2 Hessen nicht immer überdurchschnittlich Reales BIP 2018, % gg. Vj. Reales BIP, % gg. Vj. Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research \*Prognose Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Wachstumsprognose 2019 Für Deutschland erwarten wir für 2019 ein Wachstum von 1,3 %, das von einer im Jahresverlauf anziehenden Konjunktur getragen wird. Dies hat einen positiven Einfluss auf Hessen. Allerdings dürfte sich die herausragende Wachstumsrate aus dem Vorjahr nicht wiederholen, sondern es ist mit einer Normalisierung nahe dem Bundesdurchschnitt zu rechnen. Dienstleister und Produzie- rendes Gewerbe sollten ähnlich hohe Steigerungen zu verzeichnen haben. Von der brexitbeding- ten Verlagerung in der Finanzbranche profitiert Frankfurt. Je länger sich aber der Brexit hinauszö- gert, desto höher die Unsicherheit. Besser wäre eine geordnete Lösung, von der wir grundsätzlich noch ausgehen. Sollte es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens kommen, wären damit nicht nur für hessische Unternehmen Handels- und Wachstumshemmnisse verbunden. 1 Ende März wurden die Daten zum Wirtschaftswachstum der Bundesländer 2018 und die korrigierten Werte für die Vorjahre von den Statistischen Landesämtern bekanntgegeben. Diese Angaben aus der Volkswirtschaft- lichen Gesamtrechnung werden auf regionaler Ebene nicht saison- und arbeitstäglich bereinigt. 3,1 2,2 2,1 1,8 1,7 1,7 1,6 1,5 1,4 1,4 1,4 1,4 1,2 1,1 0,9 0,9 0,7 0,5 – 0,8 Berlin Hessen Bremen Schlesw.-Hol. Hamburg Rheinl.-Pfalz NBL + Berlin Bad.-Württ. Brandenburg Deutschland Bayern ABL Sachsen Niedersachs. NRW Sachs.-Anh. Meckl.-Vorp. Thüringen Saarland -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Hessen \* REGIONALFOKUS HESSEN HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 4. APRIL 2019 · © H E L A BA 2 Hessen: Stadt und Land im Vergleich Hessen zählt zu den „reichsten“ Bundesländern Deutschlands. Mit einer Wirtschaftsleistung pro Einwohner, die 14 % über dem Bundesdurchschnitt liegt, befindet es sich in der Spitzengruppe der Flächenländer – zusammen mit Bayern und Baden-Württemberg, die sehr ähnliche Werte aufwei- sen. Die Stadtstaaten nehmen eine Sonderrolle ein und sind deshalb nicht direkt vergleichbar. Wirtschaftskraft in den ländlichen Regionen deutlich niedriger Hessen: Nominales BIP pro Einwohner 2016, in % deutschen Durchschnitts Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Wie sieht es aber mit der Wirtschaftskraft in den einzelnen hessischen Regionen aus? Die Spann- breite zwischen dem „stärksten“ Standort Frankfurt und den „schwächsten“ Regionen Rheingau- Taunus- und Werra-Meißner-Kreis ist sehr groß. So weist die Stadt Frankfurt ein um 139 % höhe- res Niveau auf als der deutsche Durchschnitt, während die zuletzt genannten Landkreise um 37 % unter dem durchschnittlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner in Deutschland liegen. Dies ist allerdings nicht weiter ungewöhnlich und ein derartiges Gefälle ist auch in anderen „rei- chen“ Bundesländern anzutreffen. Städte wie Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden sind Sitz viel- fältiger Unternehmen und staatlicher Institutionen. Im Umfeld befinden sich zumeist Landkreise, die von ihnen profitieren oder selbst als Standort gefragt sind wie der Main-Taunus-Kreis, der Landkreis Groß-Gerau, der Hochtaunuskreis sowie der Kreis Offenbach. Hessen ist von einer besonders hohen regionalen Konzentration geprägt: So trägt allein die Stadt Frankfurt 25 % zum hessischen BIP bei und aus dem Regierungsbezirk Darmstadt stammen gut 70 % des hiesigen Outputs an Waren und Dienstleistungen. Diese Agglomeration zieht wirtschaftliche Akteure an, frei nach der Devise: Wo Tauben sind, flie- gen Tauben zu. Allerdings ist dieser Prozess nur für begrenzte Zeit ein Selbstläufer. Sinkt die Nachfrage nach bestimmten Waren oder Dienstleistungen, dann können sogar Städte mit ihrer zusätzlichen Funktion als Oberzentren ihre Bedeutung einbüßen. Dies ist im Ruhrgebiet eklatant. Dort gibt es viele Städte, deren BIP pro Einwohner deutlich unterdurchschnittlich ist. In Hessen ist es bloß die Stadt Offenbach, in der die Wirtschaftskraft aber nur um 4 % niedriger ist. Nicht weit davon entfernt liegen die Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Waldeck-Frankenberg und der Landkreis Fulda, die jedoch seit Beginn der 1990er Jahre merklich aufholen konnten. Das BIP pro Kopf allein beschreibt nicht ausreichend den Wohlstand. Ergänzend sollte das verfüg- bare Einkommen betrachtet werden, also die Einnahmen, die den privaten Haushalten zufließen und die sie für Konsum- und Sparzwecke verwenden – und zwar unabhängig davon, ob sie im gleichen Landkreis oder durch Pendeln über Kreisgrenzen hinweg erwirtschaftet werden. Dieser Indikator streut weniger: Die höchsten Pro-Kopf-Werte sind im Hochtaunus-, Main-Taunus- und Rheingau-Taunus-Kreis vorzufinden und liegen 44 %, 22 % bzw. 13 % über dem Bundesdurch- schnitt. Am Skalenende befinden sich die Städte Kassel und Offenbach, die mit 14 % bzw. 19 % unter dem deutschen Wert liegen. Demnach steht den meisten Haushalten das Durchschnittsein- kommen plus/minus 10 % zur Verfügung. Dies spricht für deutlich geringere Wohlstandsunter- schiede in Hessen, als es der regionale Output suggeriert. 239 197 162 135 131 128 116 114 114 103 96 95 93 92 92 90 89 86 85 84 84 78 77 75 73 70 69 67 63 63 Wirtschaftlich starkes Hessen Hohe Konzentration in Südhessen Geringere Unterschiede beim regionalen Durchschnittseinkommen REGIONALFOKUS HESSEN HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 4. APRIL 2019 · © H E L A BA 3 Das hohe wirtschaftliche Niveau in der hessischen Kernregion sowie die Dynamik in vielen ande- ren Teilen Hessens sorgten während der letzten fünf Jahre für einen Beschäftigungsaufbau in allen Regionen. Der durchschnittliche Zuwachs der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten betrug 12 %. Die Städte Frankfurt (+13 %) und Darmstadt (+11 %) lagen mit ihrer Entwicklung sehr nahe am Durchschnitt, wohingegen Kassel (+9 %), Offenbach (+9 %) und Wiesbaden (+8 %) etwas weniger dynamisch waren. Insgesamt deckt die Spannbreite um den Durchschnitt von nur plus/minus fünf Prozentpunkten mit Ausnahme des Werra-Meißner-Kreises (+3 %) alle hessischen Regionen ab. Outperformer war der Landkreis Offenbach mit einer Beschäftigungszunahme von 17 %. Beschäftigungszuwachs in allen Regionen, aber unterschiedliches Tempo Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort, Veränderung Juni 2018 gegenüber Juni 2013 in % Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Mit dem Beschäftigungsanstieg hat sich auch der Arbeitsplatzbesatz bezogen auf die Einwohner- zahl in allen Landkreisen und Städten erhöht. Allerdings wohnen immer mehr Menschen nicht an ihrem Arbeitsort. Dieser Trend dürfte anhalten. Einerseits sind urbane Lebensräume gefragt. Ande- rerseits sind dort für die Arbeitnehmer die Wohnkosten zumeist deutlich höher und in den letzten Jahren kräftig gestiegen. Die Unternehmen haben kaum Flächen, um expandieren zu können. Zudem stellt sich für Familien bei Erwerbstätigkeit beider Partner häufig die Frage, wo wohnen, wenn beide nicht vor Ort arbeiten. Das Pendeln mindestens eines Partners ist dann unweigerlich die Folge. Hohe Pendlerzahlen im Rhein-Main-Gebiet Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: Pendler, Juni 2018 Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research So ist in den letzten fünf Jahren die Zahl der Einpendler auf Landkreisebene (+17 %) stärker ge- stiegen als in den kreisfreien Städten (+11 %), wohingegen ein Viertel mehr Auspendler die Städte täglich verlassen (Landkreise +12 %). Die Pendlerhauptstadt Hessens ist unangefochten Frankfurt: Hier entsteht ein Pendleraufkommen in die Stadt von rund 380.000 Beschäftigten (+40.000) und aus der Stadt von knapp 100.000 (+20.000). Allein die Zuwächse im letzten Fünf- Jahreszeitraum zeigen, wie groß die zusätzlichen Herausforderungen sind, um die Mobilität im Rhein-Main-Gebiet zu gewährleisten. 17 15 15 15 14 14 13 13 13 13 13 12 12 11 11 11 11 10 10 9 9 9 9 8 8 8 8 7 7 3 76.000 71.000 70.000 68.000 64.000 57.000 56.000 46.000 35.000 35.000 34.000 33.000 33.000 28.000 26.000 22.000 21.000 19.000 19.000 15.000 15.000 14.000 9.000 7.000 6.000 99.000 50.000 30.000 85.000 64.000 26.000 49.000 67.000 76.000 77.000 51.000 34.000 38.000 67.000 58.000 29.000 17.000 23.000 30.000 44.000 32.000 13.000 15.000 18.000 15.000 16.000 Einpendler Auspendler 376.000 Spürbarer Beschäfti- gungsaufbau in fast allen Städten und Landkreisen Pendlerzahlen steigen Ein- und Auspendlerauf- kommen zu Gunsten vieler Landkreise gestiegen REGIONALFOKUS HESSEN HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 4. APRIL 2019 · © H E L A BA 4 Die gute wirtschaftliche Entwicklung zusammen mit der zunehmenden Beschäftigung hat in allen hessischen Regionen zu einem Rückgang der Arbeitslosenquote geführt. Das Niveau ist inzwi- schen so niedrig, dass sich der Arbeitsmarkt in allen Landkreisen der Vollbeschäftigung annähert oder diese sogar schon erreicht hat – legt man nach gängiger Definition eine Erwerbslosenrate von etwa 3 % bis 5 % zugrunde. Den niedrigsten Wert erreicht der Kreis Fulda mit 2,8 %. Danach fol- gen Main-Taunus-, Hochtaunus- und Schwalm-Eder-Kreis mit 3,3 % bzw. 3,4 %. Eine Arbeitslo- senquote von rund 4 % ist bei einer Vielzahl der nord-, mittel- und südhessischen Landkreise an- zutreffen. Daraus wird ersichtlich, dass der Arbeitsmarkt nicht nur in den Ballungsräumen nahezu geräumt ist. Arbeitslosigkeit für die meisten Landkreise kein Problem mehr Arbeitslosenquote in % aller zivilen Erwerbspersonen, März 2019 Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research In den Städten Offenbach, Kassel und Wiesbaden ist die Arbeitslosenquote strukturbedingt höher. In Darmstadt und Frankfurt ist die Arbeitslosigkeit zwar ebenfalls überdurchschnittlich, jedoch lie- gen auch hier schon Werte nahe der 5 % vor. Bevölkerungsentwicklung als Engpassfaktor für die Unternehmen auf dem Land? Veränderung der Einwohnerzahl: 30.9.2018 gegenüber 31.12.2013 in % Quellen: Hessisches Statistisches Landesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Arbeitsmarktsituation in den meisten Landkreisen ist allerdings zweischneidig: Den positiven Aspekten einer sehr niedrigen Arbeitslosenquote steht eine Bevölkerungsentwicklung gegenüber, die den Ersatz der aus Altersgründen ausscheidenden Arbeitnehmer mittelfristig nicht mehr ge- währleistet. In den Regierungsbezirken Gießen und Kassel stieg die Einwohnerzahl in den letzten fünf Jahren nur um 2,2 % bzw. 1,7 %, während im Regierungsbezirk Darmstadt die Zunahme 4,5 % betrug. Damit könnte der Faktor Arbeit zum Engpass für viele Unternehmen auf dem Land werden. In den Städten und den angrenzenden Regionen ist die Zuwanderung deutlich höher. Insgesamt sind die gefragten Qualifikationen zum Teil aber sehr speziell oder die Tätigkeiten wur- den von Mitarbeitern aus der Generation „Babyboomer“ ausgeübt, die über eine langjährige Erfah- rung verfügen. Die Arbeitgeber sind somit gefordert, Konzepte für die Einarbeitung neuer Beschäf- tigter zu entwickeln, damit die Produktion von Gütern und Dienstleistungen möglichst friktionslos weiterlaufen kann und Innovationsprojekte fortgeführt werden können. 2,8 3,3 3,4 3,4 3,6 3,6 3,7 3,7 3,8 3,8 3,9 4,1 4,2 4,2 4,2 4,3 4,3 4,5 4,5 4,5 4,6 4,6 4,9 4,9 4,9 5,1 5,3 6,6 7,4 8,9 7,4 7,1 6,5 5,8 5,5 4,5 4,5 4,2 4,1 3,7 3,6 3,6 3,4 3,4 3,3 2,8 2,8 2,2 1,8 1,7 1,7 1,4 1,4 1,2 1,0 0,7 0,6 0,6 0,4 -0,4 Vollbeschäftigung vielerorts Bevölkerungsentwicklung fordert Arbeitgeber heraus REGIONALFOKUS HESSEN HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 4. APRIL 2019 · © H E L A BA 5 Ausländische Beschäftigte im ländlichen Raum weniger anzutreffen Anteil der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort, Juni 2018 in % Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Hessen blickt insgesamt auf einen sehr internationalen Arbeitsmarkt. Der Anteil der ausländischen Arbeitskräfte liegt mit 16 % bundesweit auf Platz 1 zusammen mit Baden-Württemberg. In Süd- hessen ist die Ausländerquote (19 %) noch höher – mit Spitzenwerten in den Städten Offenbach (27%) und Frankfurt (21 %) sowie den Landkreisen Groß-Gerau und Offenbach (beide 22 %). Damit arbeiten über 80 % der ausländischen Beschäftigten im Regierungsbezirk Darmstadt, mit dem Schwerpunkt Frankfurt, wo allein 30 % ihren Arbeitsplatz haben. Diese Internationalität wird von Neuankömmlingen geschätzt, sodass die ländlichen Regionen in Mittel- und Nordhessen ihre Attraktivität steigern müssen, um im Wettbewerb um ausländische Talente bestehen zu können. Dabei stehen ihre Chancen gar nicht so schlecht: Aufgrund geringerer Kontaktmöglichkeiten zu Menschen gleicher Herkunft dürfte der Spracherwerb hier schneller erfolgen, die Kosten für Woh- nen sind geringer und die Schulen nicht so überlaufen wie in den Städten. Wenn noch Offenheit und Toleranz hinzukommen, die Breitbandversorgung sowie die Verkehrsanbindung an die nächs- te Großstadt gewährleistet wird, sind dies Angebote, die nicht nur den Zugezogenen, sondern allen Einwohnern und Unternehmen in den ländlichen Regionen zu Gute kommen. Verschuldung hängt nicht von der Stadt-Land-Situation ab Schulden der öffentlichen Kernhaushalte pro Einwohner, 31.12.2017 in € Quellen: Hessisches Statistisches Landesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Eine vitale Wirtschaft ist wichtig für die Menschen vor Ort. Daneben ist sie die Quelle für die Steu- ereinnahmen der Kommunen zur Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben. Die Gemeinden können sich aber auch durch Verschuldung finanzieren. Allerdings ist das erreichte Niveau weitgehend unabhängig von der Stadt-Land-Situation. So liegen zwei kreisfreie Städte deutlich unter und drei merklich über der hessischen kommunalen Pro-Kopf-Verschuldung. Bei den Landkreisen ist die Streuung ebenfalls recht breit. Die Frage nach den Ursachen hilft bei der Lösung des Problems aber nur bedingt. In diesem Sinne ist das Angebot des hessischen Finanzministeriums für hoch- verschuldete Kommunen zu sehen, ihre Kassenkredite auf die „Hessenkasse“ zu übertragen. Mit der Annahme des Entschuldungsprogramms sind mehrere Verpflichtungen verbunden, die alle dazu beitragen sollen, dass die Kommunen ihren finanziellen Spielraum langfristig erhalten und Investitionen tätigen können – eine solide Basis für zukünftiges Wachstum in Hessen.  27 22 22 21 19 19 19 18 17 17 16 16 16 15 14 14 12 10 10 9 9 9 9 9 8 8 7 7 6 5 1.220 1.227 1.739 1.798 1.912 2.091 2.130 2.185 2.283 2.373 2.532 2.550 2.602 2.680 2.707 2.707 2.827 2.979 3.123 3.228 3.258 3.296 3.441 3.660 3.909 3.999 4.083 4.169 4.551 7.248 Internationalität im ländlichen Raum verbesserungsfähig Kommunale Verschuldung sehr unterschiedlich REGIONALFOKUS HESSEN HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 4. APRIL 2019 · © H E L A BA 6  Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-01 Telefax 0 69/29 15-17 Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-71 00 Telefax 03 61/2 17-71 01 www.helaba.de www.helaba.de

Hohes Wirtschaftswachstum 2018 in Hessen. 2019 leicht überdurchschnittlicher Zuwachs erwartet. Stadt und Land unterschiedlich. Bevölkerungsentwicklung als Engpass im ländlichen Raum.
