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title: "Bundesländer: Von der Abschwächung in die Rezession"
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updated: 2026-09-28
keywords: Corona, Länder & Regionen, Bundesländer
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# Bundesländer: Von der Abschwächung in die Rezession

Helaba Volkswirtschaft/Research REGIONALFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2. APRIL 2020 · © H E L A BA 2. April 2020 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOR Barbara Bahadori Telefon: 0 69/91 32-24 46 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mütze HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Bundesländer: Von der Abschwächung in die Rezession Ende März wurden die Daten zum Wirtschaftswachstum der Bundesländer 2019 von den Statisti- schen Landesämtern bekannt gegeben. Diese Angaben aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrech- nung werden auf regionaler Ebene nicht saison- und kalenderbereinigt. Das gesamtdeutsche Brut- toinlandsprodukt (BIP) wuchs 2019 real um 0,6 %. Damit schwächte sich das Wirtschaftswachstum deutlich ab – nach Raten zwischen 1,5 % und 2,5 % in den vorherigen fünf Jahren. Die Spannweite der Bundesländer um den Mittelwert vergrößerte sich im Abschwung auf rund 4,5 Prozentpunkte. Berlin und Hamburg erreichten die höchsten Wachstumsraten von 3,0 % bzw. 2,2 %. Danach folgen mit Werten zwischen 1,5 % und 1,1 % Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Schleswig-Holstein. Relativ eng um das Durchschnittswachstum bewegten sich Niedersachsen (0,9 %), Brandenburg (0,8 %), Bayern und Sachsen (0,5 %). Fast stagniert haben Baden-Württemberg (0,1 %) sowie Thüringen, Bremen und Nordrhein-Westfalen (0,2 %). In der Rezession befanden sich 2019 dage- gen schon das Saarland (-0,6 %) und Rheinland-Pfalz (-1,3 %). Große Spannbreite beim Wirtschaftswachstum 2019 Bundesländer in der Krise 2009 Reales BIP 2019, % gg. Vj. Reales BIP 2009, % gg. Vj. Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Revidierte Vorjahre: Korrektur der Erinnerung Viele wichtige Informationen stehen erst mit zeitlicher Verzögerung zur Verfügung, sodass die sta- tistischen Ämter die zuvor veröffentlichen Daten korrigieren müssen. Zudem fand 2019 eine Gene- ralrevision statt, die die Wachstumsdaten auf Länderebene zum Teil erheblich veränderte. Für das Jahr 2018 kam es in den Kernregionen der Helaba nur in Nordrhein-Westfalen (NRW) zu einer positiven Anpassung (+0,7 Prozentpunkte auf 1,6 %). Hessen weist nun ein deutlich geringeres Wachstum aus (-1,0 Prozentpunkt auf 1,3 %), während Brandenburgs und Thüringens Zuwachsra- ten weniger stark reduziert wurden (-0,3 Prozentpunkte auf 1,1 % bzw. 0,3 %). Prognose 2020: Coronakrise verursacht Rezession in den Bundesländern Die Coronakrise und ihre Bekämpfung beeinträchtigen die Ökonomien weltweit. Das globale Wachstum dürfte auf 0,6 % sinken, was einer Welt-Rezession gleichkommt. Auch für Deutschland sind im ersten Halbjahr 2020 starke Rückgänge der Wirtschaftsleistung absehbar. In der zweiten Jahreshälfte erwarten wir eine V-förmige Erholung, die von der sehr expansiven Geld- und Fiskal- politik, den umfangreichen Nachholeffekten und dem niedrigeren Ölpreis in Gang gesetzt wird. Sicher ist dieses Szenario jedoch nicht. So könnte sich unsere BIP-Prognose von -3 % für Deutsch- 3,0 2,2 1,5 1,3 1,1 1,1 0,9 0,8 0,6 0,5 0,5 0,4 0,2 0,2 0,2 0,2 0,1 -0,6 -1,3 Berlin Hamburg Meckl.-Vorp. Ostdtl. Hessen Schlesw.-Hol. Niedersachs. Brandenburg Deutschland Bayern Sachsen Westdtl. Sachs.-Anh. NRW Bremen Thüringen Bad.-Württ. Saarland Rheinl. -Pf. -1,1 -1,2 -2,8 -3,2 -3,6 -4,1 -4,1 -4,2 -5,0 -5,2 -5,4 -5,4 -5,5 -5,7 -6,1 -7,2 -9,5 -9,8 -10,6 Berlin Meckl.-Vorp. Brandenburg Ostdtl. Schlesw.-Hol. Sachsen Hamburg Bayern Rheinl.-Pfalz Thüringen NRW Niedersachs. Sachs.-Anh. Deutschland Westdtl. Hessen Bremen Bad.-Württ. Saarland REGIONALFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2. APRIL 2020 · © H E L A BA 2 land als zu optimistisch erweisen, wenn die Eindämmungsmaßnahmen länger andauern. Wie sieht es in diesem Umfeld mit den Prognosen für die Kernregionen der Helaba aus? Orientierung bieten hier die Wachstumsraten während der Finanzkrise 2009. Im Durchschnitt sank damals der reale Output um 5,7 % – also noch heftiger als wir es für 2020 erwarten.  Hessen (-7,2 %) zählte damals zu den Ländern mit den höchsten Rückgängen und dürfte auch 2020 mit etwa -5 % überdurchschnittlich betroffen sein. Neben den Schwierigkeiten aller Unter- nehmen sind hier die Bewegungen an Deutschlands größtem Flugdrehkreuz Frankfurt fast zum Erliegen gekommen und am Messestandort müssen große Veranstaltungen verschoben oder abgesagt werden. Beides sind aber Wachstumsmotoren des Bundeslandes.  NRW und Thüringen durchlebten 2009 eine Rezession, die mit -5,4 % bzw. -5,2 % nahe am Durchschnitt lag. Mit ihrer dem Bundesdurchschnitt ähnlichen Wirtschaftsstruktur und einer ge- ringeren Exportorientierung dürften sie auch diesmal kaum stärker als 3 % schrumpfen.  Brandenburg hatte 2009 die drittniedrigste Abnahme (-2,8 %) zu verzeichnen. Ursache war der geringe Anteil der Industrie von damals 12 % (Deutschland: 20 %) – der Wirtschaftsbereich mit den tiefsten Einbrüchen. Auch profitierte das Land von der Nähe zur Berlin, das als Bundes- hauptstadt und Nachfrager von vielfältigen Dienstleistungen stabilisiert. Beides sind Faktoren, die weiterhin gelten und zu einer etwas besseren Entwicklung in der Rezession führen dürfte. Arbeitsmarkt: Für Krisenzeiten gerüstet In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Arbeitsmarkt spürbar verbessert: In den neuen Bun- desländern halbierte sich die Arbeitslosenquote und die Anzahl der Arbeitslosen. Der Rückgang in den westdeutschen Ländern war weniger ausgeprägt; doch auch dort sank die Arbeitslosenzahl um fast ein Fünftel und die Erwerbslosenquote von 6,6 % auf 4,9 % (Durchschnitt Jan. bis Mär. 2020). Arbeitslosenquoten noch sehr niedrig NRW und Hessen: Zahl der Arbeitslosen steigt Arbeitslose in % aller zivilen Erwerbspersonen, März 2020 Arbeitslose, % gg. Vj. Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research In den vielen Bundesländern herrscht inzwischen Vollbeschäftigung – definiert durch eine Arbeitslo- senquote von maximal 5 %. Allerdings macht sich die Coronakrise auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar und verstärkt Effekte, die schon mit der wirtschaftlichen Abschwächung 2019 begonnen hatten. So nahm die Zahl der Arbeitslosen in NRW sowie in Hessen und Deutschland insgesamt bereits seit September bzw. Dezember 2019 zu. In den ostdeutschen Ländern Thüringen und Brandenburg dagegen sinkt die Zahl der Erwerbslosen weiterhin, jedoch weniger ausgeprägt. Die demografische Entwicklung dominiert bisher noch den dortigen Arbeitsmarkt. Mit der großzügigen Erweiterung der Kurzarbeiterregelungen dürfte der Anstieg der Arbeitslosigkeit – wie während der Finanzkrise – aber gebremst werden. Ranking beim 5-Jahreswachstum angeführt von Berlin Neben kurzfristigen Betrachtungen ist es wichtig, das Wirtschaftswachstum über einen längeren Zeitraum zu analysieren. Den Spitzenplatz beim durchschnittlichen 5-Jahreswachstum nahm Berlin (3,6 %) ein. Am Ende des Rankings befand sich das Saarland (0,3 %). Raten zwischen 0,8 % und 1,0 % erreichten Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bremen und Sachsen-Anhalt. Alle anderen Bundes- länder lagen nahe am Durchschnitt von 1,7 % (+/- 0,3 Prozentpunkte).  3,1 3,4 4,5 4,6 4,8 5,1 5,1 5,2 5,4 5,5 5,7 6,3 6,4 6,4 6,7 7,1 7,3 7,9 10,0 Bayern Baden-Württ. Hessen Rheinl.-Pfalz Westdtl. Dtl. Niedersachs. Schleswig-Hol. Thüringen Sachsen Brandenburg Hamburg Ostdtl. Saarland NRW Sachsen-Anh. Meckl.-Vorp. Berlin Bremen -20 -15 -10 -5 0 5 10 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 -20 -15 -10 -5 0 5 10 Dtl. Branden- burg Thüringen NRW Hessen Kernregionen der Helaba im Mittelfeld Kurzarbeitergeld stützt Arbeitsmarkt Rezession 2020: Kernregionen der Helaba unterschiedlich betroffen

Große Spannbreite beim Wirtschaftswachstum 2019. Prognose 2020: Coronakrise verursacht Rezession in den Bundesländern. Arbeitsmarkt für Krisenzeiten gerüstet.
