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title: "Nordrhein-Westfalen: In und nach Corona"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Bundesländer
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# Nordrhein-Westfalen: In und nach Corona

Helaba Volkswirtschaft/Research REGIONALFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 9. DEZEMBER 2020 · © HE L A B A 1 9. Dezember 2020 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwär- tigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für de- ren Richtigkeit, Vollständig- keit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Anga- ben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlage- entscheidungen verstanden werden. AUTOR Barbara Bahadori Telefon: 0 69/91 32-24 46 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Nordrhein-Westfalen: In und nach Corona1 Anfang 2020 standen die Zeichen eigentlich auf wirtschaftliche Erholung. Dies galt auch für Nord- rhein-Westfalen (NRW). Doch dann erfasste die Corona-Pandemie Deutschland. Strenge Lock- downs in vielen Ländern ließen das öffentliche Leben und die unternehmerische Tätigkeit in etlichen Branchen zum Erliegen kommen. Mit der Minimierung der Kontakte zwischen den Beschäftigten, Kunden und Bürgern allgemein wurde die erste Infektionswelle gebrochen. Diese Umstellung verlief epidemiologisch zunächst erfolgreich. Alle Corona-Kennzahlen konnten bis zum Sommer deutlich gesenkt werden. Nach den Sommer- und Herbstferien hat sich jedoch das Infektionsgeschehen deutlich beschleunigt, was in Deutschland erneute Kontaktbeschränkungen sowie die Schließung von Betrieben des Gast- gewerbes und Freizeiteinrichtungen für den November und den Dezember (mit wenigen Ausnah- men) nach sich zog. Eine ähnliche Entwicklung ist in vielen europäischen Ländern zu beobachten. Nicht alle Industriebranchen von Corona betroffen Erholte Auftragslage in der Industrie Umsatz Januar-September 2020, % gg. Vj. Info zur Abbildung Industrie, Auftragseingang, Index 2015=100 Quellen: IT.NRW, Stat. Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: IT.NRW, Stat. Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Industrie mit 10 %-igem Rückgang Die ökonomischen Folgen sind unmittelbar spürbar. Die Industrie in NRW, die im Durchschnitt der letzten fünf Jahre fast stagniert hatte, musste heftige Rückgänge hinnehmen. In den Monaten April und Mai sanken die Umsätze um 22 % bzw. 26 % gegenüber den Vorjahresmonaten. Inzwischen ist dieser Tiefpunkt durchschritten und die Abnahme lag im September „nur“ bei 3 %. In der Summe der ersten neun Monate 2020 ist so ein Minus von 11 % entstanden, das geringfügig unter dem Bundeswert von 12 % liegt. Bis zum Jahresende dürfte die Verbesserung anhalten, da die Industrie nicht direkt vom derzeitigen Lockdown light betroffen ist. Ein Rückgang von etwa 10 % wird aber unvermeidlich sein. Für 2021 signalisieren die Auftragseingänge eine weitere Erholung. 1 Erweiterter und aktualisierter Beitrag für die Sonderbeilage NRW der Börsen-Zeitung vom 13. November 2020. -10,7 -9,6 -13,0 -20,8 1,5 -12,5 -12,8 -5,8 -12,1 -6,9 -4,2 -12,9 -22,6 -0,6 -20,3 -13,0 -10,7 -11,3 Gummi-/Kunststoffw. Elektrotechnik/Optik Metallerzeugnisse Kraftwagen, Kfz-Teile Ernährungsgewerbe Metallerzeugung Maschinenbau Chemie Industrie insgesamt -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 NRW Deutschland 60 70 80 90 100 110 120 130 60 70 80 90 100 110 120 130 17 18 19 20 Deutschland NRW  Industrie mit 10 %-igem Rückgang  Gewinner- und Verlierer-Industriezweige  Einzelhandel 2020 deutlich im Plus  Tourismus fast im Dauer-Lockdown  Flughäfen noch nicht im Normalbetrieb  Bauen von der frischen Luft gestärkt  NRW wächst 2021 kräftig  Herausforderung für den Arbeitsmarkt NORDRHEIN-WESTFALEN: IN UND NACH CORONA HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 9. DEZEMBER 2020 · © HE L A B A 2 Industriezweige: Gewinner und Verlierer Doch wie sieht es in den einzelnen nordrhein-westfälischen Industriezweigen aus? Die größten Branchen mit Umsatzanteilen von 12 % bis 14 % sind das Ernährungsgewerbe, der Maschinenbau und die chemische Industrie. Die Herstellung von Lebensmitteln war von der Corona-Pandemie kaum betroffen und blieb in den ersten neun Monaten 2020 etwa auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Die Produktion von Maschinen und chemischen Erzeugnissen war dagegen mit 13 % bzw. 11 % rückläufig, wobei der Auslandsabsatz etwas stärker beeinträchtigt war als der inländische. Als nächst größere Branchen in NRW folgen mit Umsatzanteilen von 8 % bis 10 % Kraftwagen/Kfz- Teile, Metallerzeugnisse, Elektrotechnik/Optik und Metallerzeugung. In der Automobilbranche kam es während der ersten neun Monate 2020 zu einem Einbruch der Umsätze von 23 %, der etwas über dem Bundesdurchschnitt von 21 % lag. Ursache waren die drastischen Umsatzverluste von 45 % bis 65 % aufgrund temporärer Werksschließungen in den Lockdown-Monaten. Allerdings ist die Bedeutung der Kfz-Branche bundesweit mit einem Umsatzanteil von 20 % deutlich höher, sodass die Belastung für die NRW-Industrie insgesamt geringer war. Im September gab es bei der NRW- Automobilindustrie sogar schon wieder ein Umsatzplus von 5 %. Die Metallerzeugung hat sich in NRW seit dem Lockdown kaum erholt und wies bis September einen Rückgang von 20 % auf, während bundesweit nur noch ein Minus von 13 % zu verzeichnen war. Bei den NRW-Herstellern von Metallerzeugnissen, die in der Mehrzahl Schmiede-, Press-, Zieh- und Stanzteile sowie Schneidwaren, Werkzeuge, Schlösser und Beschläge produzieren, waren die ne- gativen Auswirkungen der Corona-Pandemie dagegen kaum stärker (-13 %) als im Durchschnitt der NRW-Industrie. Bei den Produkten der Elektrotechnik/Optik litten nur die Hersteller elektrischer Ausrüstungen (-12 %), deren Erzeugnisse häufig den Investitionsgütern zuzuordnen sind. DV-Geräte, elektroni- sche und optische Erzeugnisse konnten dagegen einen hohen Zuwachs von 18 % verbuchen. An- scheinend werden in NRW die Geräte hergestellt, die für Homeoffice, Homeschooling und sonstige Online-Aktivitäten sowie für medizinische Untersuchungen und Behandlungen notwendig sind. Bun- desweit hatte dieser Wirtschaftszweig mit einer rückläufigen Rate von 8 % zu kämpfen. Einzelhandel 2020 deutlich im Plus Der Einzelhandel als Ganzes durchläuft die Corona-Krise unbeschadet. Dies trifft auch für NRW zu. Der reale Umsatzzuwachs von 3,2 % in den ersten neun Monaten 2020 liegt sogar über der Grö- ßenordnung von 2019 (2,8 %) – einem besonders starken Jahr. NRW befindet sich damit sehr nahe am Bundesdurchschnitt. Online-Käufe mit hohen Zuwächsen Einzelhändler vor Ort mit unterschiedlichen Umsätzen NRW: Reale Umsätze, % gg. Vj. NRW: Reale Umsätze, Jan.-Sep. % gg. Vj. Quellen: IT. NRW, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: IT. NRW, Helaba Volkswirtschaft/Research 2018 2019 2020 -20 -10 0 10 20 30 40 -20 -10 0 10 20 30 40 Versand- und Internet-Einzelhandel Einzelhandel in Verkaufsräumen 3,2 14,6 9,0 6,5 3,8 0,4 -2,1 -3,7 -21,1 Einzel- handel Bau- märkte EH Fahr- räder, Sport-, Campingartikel Super- märkte Garten- märkte EH Uhren, Schmuck EH med., orth. Artikel EH Bü- cher EH Bekleid., Schuhe, Textilien Stagnation bei Nahrungs- mitteln; Maschinen und Chemie im Minus Rückgang bei Kfz-Herstellern über 20 % Elektrotechnik/Optik: Je nach Sparte im Plus oder im Minus NORDRHEIN-WESTFALEN: IN UND NACH CORONA HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 9. DEZEMBER 2020 · © HE L A B A 3 Allerdings verbergen sich hinter der Gesamtbetrachtung sehr unterschiedliche Entwicklungen. Zu- nächst ist der Versand- und Internet-Einzelhandel zu nennen, der sich gerade während des Lock- down im Frühjahr großer Beliebtheit erfreute. Doch auch danach blieben hier die Zuwachsraten hoch. Der reale Umsatzanstieg belief sich bis September auf fast ein Viertel gegenüber dem Vorjahr. Der stationäre Handel konnte immerhin noch ein Plus von 1,9 % erreichen. Bei den Geschäften vor Ort profitierten Super-, Elektro-, Garten- und Baumärkte, Apotheken, Fahrrad- und Sporthändler so- wie Camping-Ausrüster. Ihre Umsätze wuchsen bisher zwischen 4 % bis 15 %. Andere Einzelhänd- ler haben dagegen schwer zu kämpfen: Bei Bekleidungs- und Schuhgeschäften betrug der Rück- gang mehr als 20 %. Auch die Verkäufer von Büchern und Zeitschriften, Büroartikeln sowie medizi- nischen und orthopädischen Artikeln lagen umsatzmäßig 2 % bis 6 % unter dem Vorjahresergebnis. Tourismus fast im Dauer-Lockdown Das Gastgewerbe war und ist ein Wirtschaftsbereich, der von der Corona-Krise ganz besonders betroffen ist. Nach dem Lockdown im Frühjahr setzte sich durch die strengen Abstands- und Hygie- neregeln quasi ein partieller Lockdown fort: Hotels und Gastronomie müssen deutlich unter der wirt- schaftlich optimalen Auslastung arbeiten. Seit Anfang November sind sie sogar wieder für den Pub- likumsverkehr geschlossen. Verglichen mit dem Vorjahresmonat brachen im nordrhein-westfäli- schen Beherbergungsgewerbe im April fast 90 % der Einnahmen weg und die Gastronomen muss- ten auf 64 % der Umsätze verzichten. Im September betrug der Rückgang immer noch rund 46 % bzw. 22 %. Insgesamt blieb in NRW das Gastgewerbe in den ersten neun Monaten 2020 um 34 % unter den Vorjahresumsätzen – ein Schicksal, das dem Bundesdurchschnitt entspricht. Angesichts von finan- ziellen Verpflichtungen für Miete und Kredite sowie weiterer häufig nicht anpassbarer Kosten, sobald ein Betrieb geöffnet ist, bedeutet das Ausbleiben von einem Drittel der Einnahmen einen Existenz- kampf, den viele Gastbetriebe nicht gewinnen können. Allein die Campingplätze kamen mit einem 7 %-igen Minus recht glimpflich davon. Gastgewerbe noch tief im Minus NRW-Flughäfen: Kaum Passagiere, mehr Fracht NRW: Reale Umsätze, % gg. Vj. % gg. Vj. Quellen: IT. NRW, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Stat. Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Flughäfen noch nicht im Normalbetrieb An den sechs Flughäfen in NRW, die Teil der amtlichen Monatsstatistik sind, werden 18 % der Passagiere deutscher Airports abgefertigt. Düsseldorf hat einen Anteil von 10 % und Köln/Bonn von rund 5 %, die restlichen 3 % verteilen sich auf Dortmund, Niederrhein, Münster/Osnabrück und Pa- derborn/Lippstadt. Allen gemeinsam ist, dass sie weit von ihrer früheren Betriebsamkeit entfernt sind. Wurde der Luftverkehr von April bis Juni nahezu eingestellt, lagen die Passagierzahlen im September um immer noch fast 80 % unter dem Vorjahresmonat. Daran wird sich nicht viel ändern, betrachtet man die Daten vom Frankfurter Flughafen, der schon Flugdaten für Oktober veröffentlicht hat sowie die erneuten Lockdowns in vielen europäischen Ländern im November und Dezember. 2018 2019 2020 -100 -80 -60 -40 -20 0 20 -100 -80 -60 -40 -20 0 20 Gastro- nomie Beherberungsgewerbe -100 -75 -50 -25 0 25 50 -100 -75 -50 -25 0 25 50 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 gg. Vorjahresmonat Passagiere - Köln/Bonn Passagiere - Düsseldorf Fracht - Köln/Bonn Zunahme von 25 % beim Versand- und Internet- handel Umsatzrückgang von einem Drittel Passagieraufkommen im Krisenmodus NORDRHEIN-WESTFALEN: IN UND NACH CORONA HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 9. DEZEMBER 2020 · © HE L A B A 4 Die Luftfracht konzentriert sich in NRW fast ausschließlich auf Köln/Bonn, an dem 18 % der Fracht an deutschen Flughäfen abgewickelt werden. Er ist nach Frankfurt (41 %) und Leipzig (30 %) das drittgrößte Umschlagszentrum für Cargo per Flugzeug. Die Entwicklung des Frachtverkehrs am Flughafen Köln/Bonn war sogar positiv. Dort stiegen in den ersten neun Monaten 2020 die ein- oder ausgeladenen Tonnen um 2 %, bei einem bundesweiten Rückgang von 7 %. Bauen von der frischen Luft gestärkt Der Bauboom setzte sich trotz Corona fort. Im Gegensatz zu manchen Nachbarstaaten wurden in Deutschland die Baustellen nicht geschlossen. Die Arbeit an der frischen Luft reichte aus, der Aus- breitung des Virus unter den Baubeschäftigten entgegen zu wirken. In NRW stiegen die baugewerb- lichen Umsätze in den ersten neun Monaten um 9 % und damit fast so kräftig wie im Vorjahr. Die Dynamik war sogar höher als bundesweit (5 %). Impulse kamen vor allem aus dem öffentlichen Bau mit einem Plus von 17 %. Im Wohnungsbau war die Zunahme von 5 % unterdurchschnittlich, ebenso wie im Wirtschaftsbau mit 7 %. Doch so ganz unbeeindruckt dürfte die Baubranche von der Corona-Krise nicht bleiben. Die Auf- tragseingänge stagnieren inzwischen im gesamtdeutschen wie im NRW-Durchschnitt. Die Ursache liegt im Wirtschaftsbau mit einem Rückgang der Auftragseingänge in den ersten neun Monaten 2020 um 8 %. Hier ist die Unsicherheit vieler Unternehmen angesichts der Folgen der Corona-Krise zu spüren. Zum einen bleibt die Frage, wann eine Rückkehr zur Normalität und damit normales Planen z.B. für Fabrikgebäude möglich sein wird. Zum anderen hat der Lockdown gezeigt, wie viele Arbeiten von zu Hause erledigt werden können. Dadurch sind die Perspektiven für Investitionen in Büroim- mobilien unklar. Eine gewisse Reduzierung bestehender und geplanter Flächenkapazitäten dürfte aber zu erwarten sein. Neuaufträge lassen im Bauhauptgewerbe nach Deutliches Wirtschaftswachstum 2021 NRW: Bauhauptgewerbe, Auftragseingang, % gg. Vorjahresquartal BIP, real, % gg. Vj. Quellen: Stat. Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Deutschland gut im europäischen Vergleich Insgesamt ist Deutschland bisher gut durch die Corona-Krise gekommen. So dürfte das Bruttoin- landsprodukt 2020 mit rund 5 % nicht ganz so tief einbrechen wie im Euro-Währungsraum mit fast 7 %. Der Aufholprozess ist schon in Gang gekommen. Nach dem lebhaften Wachstum im dritten Quartal wird sich das Schritttempo angesichts des erneuten Lockdown für das Gastgewerbe sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen zum Jahresende hin jedoch wieder verlangsamen. Die Rettungs- politik des Staates mit Finanzhilfen für Unternehmen und Kurzarbeitergeld verstetigt aber die grund- sätzlich positive Entwicklung. Zudem liefert das deutsche Konjunkturprogramm von rund 130 Mrd. Euro Impulse. Die Frühindikatoren signalisieren deshalb weiterhin eine Erholung. 2021 dürfte das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um schätzungsweise 5 % zunehmen. Mit strengeren regionalen Lockdowns, die sich bis ins erste Quartal erstrecken, könnte die Wachstumsrate aber bis zu einem Prozentpunkt niedriger ausfallen. 2019 2020 -20 -10 0 10 20 30 -20 -10 0 10 20 30 Insg. Wirtschaftsbau Öffentlicher Bau Wohnungsbau -6 -4 -2 0 2 4 6 -6 -4 -2 0 2 4 6 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 NRW Deutschland Luftfracht in Köln/Bonn wieder steigend Stagnierender Auftragseingang BIP-Wachstum 2021: +5 % NORDRHEIN-WESTFALEN: IN UND NACH CORONA HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 9. DEZEMBER 2020 · © HE L A B A 5 NRW wächst 2021 kräftig Wie die Analyse ausgewählter Branchen zeigt, unterscheiden sich die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in NRW kaum von der gesamtdeutschen Situation. Eventuell könnte der Rückgang 2020 mit 4,7 % etwas geringer ausfallen als im Durchschnitt der Bundesländer. Dafür sprechen zum einen die etwas besseren Ergebnisse in einzelnen Wirtschaftsbereichen, die für die niedrigere Minusrate des BIP im ersten Halbjahr von 6,2 % (Deutschland: -6,6 %) verantwortlich sein dürften. Zum ande- ren scheint die Schrumpfung ein ähnliches Ausmaß wie in der Finanzkrise 2009 anzunehmen, als der wirtschaftliche Output in NRW um 5,4 % und in Deutschland um 5,7 % sank. Wie in Deutschland insgesamt dürfte sich auch in NRW 2021 die Wirtschaft weiter erholen – voraus- gesetzt, es kommt im neuen Jahr nicht wieder zu wochenlangen, vollständigen Lockdowns und ein Impfstoff wird zugelassen und eingesetzt. Das Wachstum könnte dann bei rund 5 % liegen. Herausforderung für den Arbeitsmarkt Auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im kommenden Jahr positiv bemerkbar machen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass 2021 die Arbeitslosenquote auf das Vorkrisen- niveau zurückkehrt – eher ist noch ein gewisser Anstieg zu erwarten. So bestehen zu viele Unklar- heiten, ob es z.B. die Umstände erlauben, dass der Tourismus die Verlustzone verlassen kann. Zudem ist der Anstieg der Erwerbslosigkeit heftiger als in der Finanzkrise und auch damals gelang eine die Reduzierung der Arbeitslosenrate nicht innerhalb eines Jahres. Heftiger Anstieg der Arbeitslosenquote Beschäftigung sinkt Arbeitslose in % aller zivilen Erwerbspersonen Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, % gg. Vj. \*2020: Durchschnitt Januar bis Dezember Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Beschäftigung ist inzwischen rückläufig – eine Situation, die zuletzt in der Finanzkrise anzutref- fen war und die sich 2021 fortsetzen dürfte. So befinden sich viele Beschäftigte in Kurzarbeit und manchen Unternehmen dürfte der finanzielle Atmen ausgehen. Was aber anders ist als vor gut zehn Jahren, ist die Altersstruktur der Beschäftigten: Im März 2020 waren in NRW 22 % aller sozialversi- cherungspflichtig Beschäftigten 55 Jahre und älter, während 2009 nur 13 % dieses Alter überschrit- ten. Insofern dürfte, selbst wenn die Beschäftigung nicht deutlich steigt, durch die demografische Entwicklung der Arbeitsmarkt entlastet werden.  4 5 6 7 8 9 4 5 6 7 8 9 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Deutschland Westdeutschland NRW \* -2 -1 0 1 2 3 -2 -1 0 1 2 3 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Deutschland NRW Quartalswerte Monatswerte BIP-Einbruch 2020 in NRW: -4,7 % Demografie entlastet Arbeitsmarkt 2021 BIP-Wachstum 2021 in NRW: +5,0 %

Industrie mit 10 %-igem Rückgang. Tourismus und Flughäfen fast im Dauer-Lockdown. Einzelhandel 2020 deutlich im Plus. Bauen von der frischen Luft gestärkt. NRW wächst 2021 kräftig.
