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title: "Märkte und Trends 2022: Bundesländer"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Bundesländer
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# Märkte und Trends 2022: Bundesländer

Auszug aus: Märkte und Trends 2022 © Helaba | Research &amp; Advisory | November/Dezember 2021 24 von 46 Hessen, Thüringen, NRW, Brandenburg: Erholung in zwei Phasen Die Kernregionen der Helaba zeigen im Ab- und Aufschwung eine unterschiedliche Dynamik. Ge- meinsam ist ihnen aber, dass sie 2021 eine positive Wachstumsrate aufweisen, die 2022 weiter steigt. Mit Blick auf die Klimadebatte befinden sich die Länder in einer ungleichen Ausgangssituation, sind doch in NRW und Brandenburg die zwei größten Kohlestandorte Deutschlands. Hessen: Überdurchschnittliches Wachstum 2022 Im ersten Halbjahr 2021 ist ein großer Schritt aus der Corona-Pandemie erfolgt. Das deutsche Bruttoinlandspro- dukt (BIP) stieg um 2,9 % gegenüber dem Vorjahr (nicht kalenderbereinigt), nachdem es 2020 zu einem Einbruch von 4,9 % gekommen war. Hessen wuchs mit 2,8 % in fast gleichem Tempo, allerdings war der Rückgang 2020 mit 5,6 % ausgeprägter gewesen. Im zweiten Halbjahr 2021 lässt die Dynamik nach. Lieferengpässe, Kapazi- tätsgrenzen und eine steil gestiegene Inflation wirken sich dämpfend aus. Das deutsche Wirtschaftswachs- tum beträgt im Gesamtjahr schätzungsweise nur 2,8 % – Hessen dürfte eine ähnliche Rate erreichen. Erst 2022 wird der Knoten platzen und die bei vielen Branchen aufgestaute Nachfrage bedient werden, so dass eine hohe Zunahme des deutschen BIP von 3,9 % absehbar ist. Für Hessen sollte der Aufschwung mit 4,2 % noch etwas kräftiger ausfallen. Durch den sukzessiven Abbau der Reisebeschränkun- gen werden sich Messebetrieb und Luftverkehr erho- len. Dies wird sich positiv auf den Frankfurter Flugha- fen auswirken, dessen Passagieraufkommen im Okto- ber 2021 immer noch mehr als 40 % unter dem Durchschnitt von 2019 lag. Zudem müsste sich die Situation für die hessische Hotellerie verbessern, die besonders unter den Reiserestriktionen gelitten hat und 2021 auf 85 % der internationalen und 65 % der heimischen Gäste verzichten musste (verglichen mit 2019). Die Industrie erlebte dagegen in den ersten acht Monaten ein Auftrags- und Umsatzplus von 19 % bzw. 14 % und übertrifft damit das Vorkrisenniveau. Das Baugewerbe entwickelte sich unbeeindruckt von der Pandemie weiter, stößt aber inzwischen an Kapazitätsgrenzen, so dass Umsatz und Arbeitsstunden leicht rückläufig waren (-3,5 % bzw. -1,2 %). Beim Auftragseingang ist der Bauboom sichtbar (+15,3 %). Die Impulse aus den verschiedenen Wirt- schaftszweigen führten in der Summe zu einer deutlichen Verringerung der Arbeitslosenquote auf 4,7 %. Thüringen: Industrie kompensiert Dienstleistungsschwäche Das Wirtschaftswachstum in Thüringen dürfte 2021 mit 2,8 % den bundesdeutschen Durchschnitt erreichen, dafür spricht die Entwicklung in den ersten acht Monaten. Die Thüringer Industrie verbuchte einen Umsatzzuwachs von 13 %, der dem gesamtdeutschen Durchschnitt entsprach, wobei alle großen Wirtschaftszweige im Plus waren. Be- sonders hohe Steigerungsraten erzielten Kfz-Herstellung/Kfz-Teile mit 24 % und Elektrotechnik/Optik/elektrische Ausrüstungen sowie Metallerzeugnisse mit jeweils 18 %. Die ebenfalls wichtigen Branchen Maschinenbau und Nahrungsmittelgewerbe blieben mit ihren Zunahmen mit 12 % bzw. 2 % unter dem Durchschnitt. Die diversifizierte Industriestruktur Thüringens bildet 2022 die Grundlage für ein erneut durchschnittliches Wirt- schaftswachstum von 3,9 %. Sie bietet nämlich viele Ansatzpunkte für Digitalisierung und Nachhaltigkeit, die in den kommenden Jahren gefragt sein werden. Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland sind mit +25 % bzw. 32% ebenfalls vielversprechend. Da das Bundesland im Tourismus kaum von ausländischen Gästen abhängig ist, konnte es zuletzt etwas aufholen, wobei die Gästezahlen noch immer 55 % unter denen von 2019 liegen. Dienst- leister, aber auch das Baugewerbe, die enger mit den Bedürfnissen der Bevölkerung vor Ort verknüpft sind, haben es aufgrund der demografischen Entwicklung schwerer und liefern – wenn überhaupt – nur unterdurchschnittliche Wachstumsbeschleunigung 2022 Reales BIP, % gg. Vj. Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Research &amp; Advisory -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Deutschland Hessen Thüringen Brandenburg NRW Auszug aus: Märkte und Trends 2022 © Helaba | Research &amp; Advisory | November/Dezember 2021 25 von 46 Impulse. Der Arbeitsmarkt spürt die Alterung der Erwerbspersonen schon jetzt. Thüringen weist mit 4,9 % eine unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote auf (Deutschland im Oktober 2021: 5,2 %) und die Zahl der sozialversi- cherungspflichtig Beschäftigten stieg im August gegenüber dem Vorjahr nur um 0,4 % (Deutschland: 1,5 %). Nordrhein-Westfalen: Unterdurchschnittliches Wachstum In Nordrhein-Westfalen (NRW) fiel die Erholung im ersten Halbjahr 2021 mit 1,8 % um einen Prozentpunkt niedri- ger als der Bundesdurchschnitt aus. Allerdings war der Rückgang 2020 mit 4,4 % ebenfalls geringer. Die bundes- weite Abschwächung aufgrund des limitierten Angebots von Vorprodukten lässt das nordrhein-westfälische BIP nicht unberührt. Für 2021 ist mit einer Wachstumsrate von rund 2 % zu rechnen. Wie nach der Finanzkrise ist der Aufholprozess in NRW weniger dynamisch, so dass 2022 ein Wirtschaftswachstum von 3,6 % die Obergrenze darstellen dürfte. In NRW stammt nämlich nur noch 17 % des wirtschaftlichen Outputs aus der zyklischen Industrie, während der Dienstleistungssektor inklusive Staat 73 % beiträgt. Diese Struktur, die aus der langjährigen Schrumpfung der Montanindustrie resultiert, wird sich durch die Dekarbonisierung der Pro- duktionsprozesse und Konsumgewohnheiten noch- mals ändern. Denn das Land weist die größte Menge an emittierten Tonnen CO2-Äquivalenten auf und zählt damit pro Einwohner betrachtet zu den größten Ver- ursachern von Treibhausgasen. Die für den Kohleausstieg in Aussicht gestellten Kom- pensationszahlungen sollten in NRW nicht strikt auf die betroffenen Regionen begrenzt werden. Besser wäre es, Probleme gemeinsam anzugehen. Eine För- derung der Flexibilität unter Einbeziehung moderner Mobilitätskonzepte und der digitalen Anbindung der Arbeitsplätze tut schon jetzt Not. So ist die durch- schnittliche Arbeitslosequote der 22 kreisfreien Städte, in denen gut 40 % der Einwohner leben, mit 10 % doppelt so hoch wie in den Landkreisen. Brandenburg: Weniger Krise – weniger Aufschwung In Brandenburg dürfte das Wachstum 2021 mit 1,5 % zu den bundesweit niedrigsten zählen. Für 2022 ist eine Verdoppelung zu erwarten, die aber erneut den gesamtdeutschen Durchschnitt deutlich verfehlt. Die wirtschaftli- che Abschwächung aufgrund der Corona-Krise war allerdings 2020 mit -3,2 % vergleichsweise mild, so dass die Nachholeffekte entsprechend geringer sind. Hierfür dürfte die Nähe zur Bundeshauptstadt Berlin ausschlagge- bend sein, die weniger konjunktursensitiv ist und ähnliche Wachstumsraten aufweist. Die Erholung in der brandenburgischen Industrie war in den ersten acht Monaten 2021 mit 8 % noch unterdurch- schnittlich, wobei die Auftragseingänge um gut 30 % gestiegen sind und weitere Verbesserungen ankündigen. Das Bauhauptgewerbe scheint 2021 eine Verschnaufpause einzulegen, nach sehr hohen Umsatzzuwächsen in den Vorjahren. Der Einzelhandel zeigt Dynamik mit einem realen Plus von 4,6 % (Deutschland: 1,5 %). Die Zahl der übernachtenden Gäste ist weit von der Vor-Corona-Zeit entfernt und lag 51 % unter dem Wert von 2019. Der Flug- hafen Berlin-Brandenburg ist noch längst nicht auf dem avisierten Niveau. Verglichen mit den Passagierzahlen der zwei früheren Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel liegt der neue Airport 85 % unter dem 2019er Wert. Der Klimaschutz ist für Brandenburg eine Herausforderung. Das Bundesland ist aufgrund des Kohleabbaus für 7,5 % der in Deutschland emittieren Treibhausgase verantwortlich und weist den höchsten Pro-Kopf-Wert aus. Angesichts der brandenburgischen Arbeitslosenquote von nur 5,3 % sollten die Kompensationsmittel für den Kohleausstieg so verteilt werden, dass sie der absehbaren demografischen Entwicklung Rechnung tragen. \_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_\_ Barbara Bahadori Kohlestandorte vor großen Herausforderungen Tonnen CO2-Äquivalente\* je Einwohner 2018, 1.000 Tonnen \*ohne internationalen Luftverkehr \*\*geschätzt aus Vorjahren Quellen: Umweltökon. Gesamtrechnungen der Länder, Helaba Research &amp; Advisory 4,2 6,3 6,4 7,0 7,2 7,8 9,1 9,2 10,1 10,3 10,3 13,4 14,3 14,3 18,9 22,5 25,5 Berlin Hessen Thüringen Baden-Württ. Bayern Rheinland-Pfalz Schleswig-Holst. Hamburg Meckl.-Vorp.\*\* Niedersachsen Deutschland Sachsen Sachsen-Anh. NRW Bremen Saarland\*\* Brandenburg Auszug aus: Märkte und Trends 2022 © Helaba | Research &amp; Advisory | November/Dezember 2021 46 von 46 Hier finden Sie alle Texte: https://www.helaba.com/de/kapitalmarktausblick/ Wir sind für Sie da: Themengebiete Autoren/-innen Durchwahl 069/9132- Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Dr. Gertrud R. Traud 20 24 Rentenstrategie Ulf Krauss 47 28 Aktienstrategie Christian Schmidt 47 23 Devisenstrategie, Großbritannien Christian Apelt, CFA 47 26 Gold Claudia Windt 25 00 Immobilien Dr. Stefan Mitropoulos 46 19 Rohöl, Kryptowährungen Ralf Umlauf 11 19 Pfandbriefe, Covered Bonds Sabrina Miehs, CESGA 48 90 Unternehmensanleihen Ulrich Kirschner, CFA 28 39 Bankanleihen Dr. Susanne Knips 32 11 Deutschland, Eurozone, Branchen Dr. Stefan Mütze 38 50 USA, China, Szenarien Patrick Franke 47 38 EU,Nordeuropa, Zentraleuropa Marion Dezenter 28 41 Emerging Markets Patrick Heinisch 74 27 Finanzplatz Frankfurt, Japan Ulrike Bischoff 52 56 Regionalanalyse, öffentl. Haushalte Barbara Bahadori 24 46 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Barbara Bahadori Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 0 69/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Bildquellen Hauptszenario Negativszenario Positivszenario © Matteo Colombo/GettyImages galitskaya/iStock anyaberkut/iStock vanbeets/iStock georgeclerk/iStock Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/
