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title: "Chemie - Kein einheitliches Bild"
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updated: 2026-09-28
keywords: Branchen
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# Chemie - Kein einheitliches Bild

Helaba Volkswirtschaft/Research BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 28. MAI 2018 · © H EL A B A 1 28. Mai 2018 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOR Dr. Stefan Mütze Tel.: 0 69/91 32-38 50 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Chemie: Kein einheitliches Bild Die deutsche Chemieindustrie hat im ersten Quartal schon wieder an Fahrt verloren. Im Jah- resverlauf sollte die Dynamik allerdings zunehmen. Dies ermöglicht 2018 eine Produktionsstei- gerung um etwa 3 % inklusive Pharma. Die Ertragslage ist im Branchenvergleich überdurch- schnittlich und der Produktionsstandort Deutschland kann international gut mithalten. Die weite- re Steigerung der Innovationsaktivitäten vor allem in der Pharmaindustrie ist vordringlich. Nach jahrelanger Stagnation stieg die Produktion von chemischen Erzeugnissen 2017 mit 1,7 % erstmals wieder nennenswert. Der Zuwachs bei den Aufträgen lag mit 6 % noch deutlich darüber. Damit hat sich die Branche ohne pharmazeutische Güter allerdings schlechter geschlagen als andere Sektoren beispielsweise aus dem Investitionsgüterbereich. Die Erzeugung im Verarbeiten- den Gewerbe erhöhte sich 2017 um 3,6 %. Wesentlich positiver hingegen war die Entwicklung in der Pharmaindustrie (vgl. Grafik S. 2). 2017 stieg deren Produktion um 5,6 %. Damit belief sich das Plus für die gesamte chemisch-pharmazeutische Industrie auf knapp 3 %. Chemie: Aufträge sinken schon wieder Pessimismus zurückgekehrt Januar 2008 = 100, saisonbereinigt, geglättet, real\* Geschäftsklima in der chemischen Industrie, Saldo \*ohne Pharma Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Das neue Jahr begann allerdings – ausgehend von einem sehr hohen Vorquartalsniveau – mit einer deutlichen Verschlechterung der Auftragslage und einem Produktionsminus bei chemischen Erzeugnissen. Zudem hat sich das Geschäftsklima der Branche eingetrübt. Nicht nur die Lage, sondern auch die Erwartungen wurden im April deutlich pessimistischer als noch Ende 2017 ein- geschätzt. Trotz der Schwäche in den ersten drei Monaten des neuen Jahres legte die Chemieproduktion ohne Pharma gegenüber Vorjahr um 2,4 % zu. Rückläufig waren nur die Sparten „Schädlingsbe- kämpfungsmittel und Pflanzenschutzmittel“, deren Entwicklung stark von Klimaeffekten beeinflusst ist, sowie die Erzeugung von Chemiefasern. Letztere haben in Deutschland sowohl bei den Um- sätzen als auch bei der Produktion keine nennenswerte Bedeutung. Die wichtigste Sparte sind die Grundstoffe mit einem Anteil von rund zwei Drittel. Hierzu gehören Anorganika, z.B. Industriegase oder Düngemittel, sowie die organischen Petrochemikalien und Polymere. Die Petrochemie produ- ziert hauptsächlich Produkte für die Polymerherstellung. Polymere wiederum beinhalten Kunststof- fe in Primärform, synthetischen Kautschuk und Chemiefasern. Die Grundstoffe haben sich in der letzten Zeit nur unterdurchschnittlich entwickelt. Im ersten Quartal lag der Zuwachs bei 1,3 % ge- 60 70 80 90 100 110 60 70 80 90 100 110 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Produktion Auftragseingänge BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 28. MAI 2018 · © H EL A B A 2 genüber Vorjahr. Einem starken Anstieg bei Industriegasen standen Rückgänge bei sonstigen anorganischen Chemikalien sowie bei Farbstoffen und Pigmenten gegenüber. Mit fast 7 % legte erneut die Herstellung von sonstigen chemischen Erzeugnissen überdurchschnittlich stark zu. Hier sind Fein- und Spezialchemikalien erfasst, die in mannigfaltigen Bereichen benötigt werden. Dies sind neben Klebstoffen und ätherischen Ölen beispielsweise Hydraulikflüssigkeiten oder Laborrea- genzien. Diese Sparte entwickelt sich seit längerem überdurchschnittlich. Zu einem kräftigen Pro- duktionsschub kam es ab Mitte 2017 bei den Pharmazeutika, der im Wesentlichen von der Aus- landsnachfrage getragen wurde. Die inländischen Verkäufe stiegen nur moderat. Die starke Grip- pewelle im ersten Quartal dürfte für die Sparte förderlich gewesen sein. Starkes Wachstum in der Pharmaindustrie Feinchemikalien wachsen überdurchschnittlich Nettoproduktion, Januar 2008 = 100 Nettoproduktion, Januar 2012 = 100 Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Auch bei den nominalen Umsätzen mit chemischen Erzeugnissen zeigt sich die zuletzt schwäche- re Entwicklung sowohl im Inlands- als auch im Auslandsgeschäft. Aufgrund steigender Erzeuger- preise lagen die Umsätze im ersten Quartal saisonbereinigt allerdings noch in etwa auf dem hohen Niveau von Ende 2017. Impulse gingen vor allem von den Verkäufen im wichtigen gemeinsamen Währungsraum aus. Hier spiegelt sich die anhaltend gute Konjunktur in den Mitgliedstaaten, was den Verbrauch von Chemikalien stimuliert. Umsätze im Ausland steigen kräftiger Nominale Umsätze mit chemischen Erzeugnissen, Index: Januar 2010 = 100, saisonbereinigt Text Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Trotz der Eintrübung des Geschäftsklimas bleiben die Rahmenbedingungen für die Chemiekon- junktur positiv. Von den protektionistischen Tendenzen in den USA spürt die Branche außer einer entsprechenden Verunsicherung bislang kaum etwas. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn Strafzölle in nennenswertem Ausmaß erhoben würden. Zu einer Verunsicherung führen auch die stockenden und richtungslosen Verhandlungen mit Großbritannien über den Brexit. Auch in die- sem Fall wären Handelszölle wachstumsschädlich. Noch ist die Konjunktur weltweit im Aufwind, wenngleich die Dynamik nachgelassen hat. Sowohl die Eurozone als auch Deutschland werden 2018 mit voraussichtlich 2 % noch über ihrem Potenzial wachsen. 2019 dürfte sich das Wachstum auf 1,7 % weiter normalisieren. Neben den Investitionen expandieren die privaten Konsumausga- 70 80 90 100 110 120 130 140 150 70 80 90 100 110 120 130 140 150 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 pharmazeutische Produkte insgesamt chemische Produkte 80 90 100 110 120 130 80 90 100 110 120 130 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmittel Sonstige chem. Erzeugnisse Anstrichmittel, Druckfarben, Kitte Chemische Grundstoffe 100 110 120 130 140 100 110 120 130 140 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Ausland Inland insgesamt Risiken, aber noch keine konkreten Behinderungen BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 28. MAI 2018 · © H EL A B A 3 ben. Der Außenhandel hingegen wird nur wenig zum Wachstum beitragen. Die deutschen Importe steigen mit schätzungsweise 3,5 % kaum weniger als die Exporte (4 %). Die Erzeugung des Pro- duzierenden Gewerbes in Deutschland dürfte in diesem Jahr um 2,5 % zulegen. Hiervon profitiert die chemische Industrie. Zwar werden knapp drei Viertel der Chemikalien in der eigenen Branche weiterverkauft. Hierbei handelt es sich allerdings um eine abgeleitete Nachfrage. Rechnet man diese Lieferungen heraus, gehen über 60 % der Chemikalien in das Produzierende Gewerbe und gut ein Viertel wird durch private und staatliche Konsumausgaben induziert. Der Verkauf pharma- zeutischer Produkte ist hingegen nahezu komplett für den Konsum bestimmt. Die Finanzierung dieser Ausgaben ist nur teilweise von privaten Einkommen und stark von öffentlichen Gesund- heitssystemen abhängig. Damit ist der Verkauf sehr konjunkturresistent. Die positiven Rahmenbedingungen lassen erwarten, dass die aktuelle Branchendelle im weiteren Jahresverlauf überwunden wird. Sollte es nicht zu einer Verschärfung in der Handelspolitik kom- men, dürfte die deutsche Chemieproduktion ohne Pharma 2018 um 1,5 % zulegen. Der extrem starke Anstieg der Pharmaproduktion im ersten Quartal sollte sich zwar deutlich abschwächen. Trotzdem ist zu erwarten, dass die Erzeugung 2018 um mindestens 7 % zulegt. Das Plus für die gesamte chemisch-pharmazeutische Industrie würde sich damit 2018 auf 3 % belaufen. Die Er- zeugerpreise der Branche dürften 2018 um gut 1 % höher ausfallen, so dass die nominalen Um- sätze um rund 4 % zunehmen. Erfreuliche Ertragslage Die Ertragslage der chemisch-pharmazeutischen Industrie Deutschlands ist seit langem über- durchschnittlich, auch wenn die Pharmasparte das Renditeniveau früherer Jahre zuletzt nicht hal- ten konnte. Eine zunehmende Preisregulierung und ein Mangel an innovativen Produkten dürfte hierbei eine wesentliche Rolle gespielt haben. In den Chemiesparten hat sich die Ertragslage seit 2013 hingegen verbessert. Der Ölpreisverfall ab 2014 hat zu einem deutlichen Rückgang der No- tierungen von Naphtha, dem wichtigsten Einsatzstoff der Chemieindustrie, geführt. Die Erzeuger- preise der Branche sanken im Vergleich hierzu weniger. Überdurchschnittliche Rentabilität in der Chemie Höhere Erzeugerpreise können durchgesetzt werden Betriebsüberschuss in % des Bruttoproduktionswertes Euro Erzeugerpreise, Index: 2010 = 100 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Ertragslage der chemisch-pharmazeutischen Industrie Deutschlands ist weiterhin überdurch- schnittlich. Mittlerweile steigen die Ölnotierungen wieder. Aufgrund der lebhaften Nachfrage konn- ten aber negative Gewinneffekte bislang noch weitgehend vermieden werden. Positiv wirkt sich aus, dass die Erzeugerpreise seit 2017 stärker zunehmen als die Lohnstückkosten der Branche. Die Betriebsgewinne der Unternehmen sind 2017 trotz negativer Währungseffekte deutlich gestie- gen. Zu einer überschaubaren Belastung für die Branche könnten sich die Ergebnisse aus den anstehenden Tarifverhandlungen entwickeln. Immerhin fordert die Branchengewerkschaft IG BCE u.a. einen Lohnaufschlag von über 6 %. 0 2 4 6 8 10 12 14 16 0 2 4 6 8 10 12 14 16 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Verarbeitendes Gewerbe Chemieindustrie (ohne Pharma) Pharmaindustrie 90 95 100 105 110 115 120 20 30 40 50 60 70 80 90 100 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Rohöllpreis (linke Skala) Chemische Erzeugnisse (rechte Skala) 2017: Erhebliche Gewinn- steigerungen Umsatzwachstum 2017: +4 % BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 28. MAI 2018 · © H EL A B A 4 Produktionsstandort Deutschland hält international gut mit Der größte Chemiestandort war 2016 China mit einem Umsatz von 1,7 Billionen € vor den USA (750 Mrd. €), Japan (197 Mrd. €) sowie Deutschland mit 196 Mrd. €. Die chinesische Chemiepro- duktion hat sich in den vergangenen Jahren dem geringeren Wirtschaftswachstum des Landes angepasst. Zudem werden Überkapazitäten in der Branche abgebaut. Mit der Schließung älterer Werke soll gleichzeitig die Umweltqualität verbessert werden. Die US-amerikanische Produktion hat sich nach der Wirtschafts- und Finanzkrise eher moderat entwickelt, obwohl sich durch die Förderung von Schiefergas in den USA und der damit einhergehenden Preissenkung dieses Ener- gieträgers in den letzten Jahren ein Wettbewerbsvorteil herausgebildet hat. Die amerikanische Chemieindustrie verwendet in ihren Crackern Gas, während Europa stattdessen erdölbasierte Naphtha-Cracker einsetzt. Die deutsche Chemieindustrie hat sich trotz einiger Kostennachteile beispielsweise bei Strom verhältnismäßig positiv entwickeln können. Bei deutlich höheren Ölprei- sen könnte die Standortqualität in Europa allerdings wieder zu einem wichtigeren Thema werden. Chinesische Chemieproduktion wächst „normaler“ Deutschland schneidet besser ab als die USA China: Chemieproduktion ohne Pharma, % gg. Vj. Chemieproduktion ohne Pharma, Januar 2008 = 100, saisonbereinigt Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Chancen durch Innovationen Die langfristigen Chancen der chemisch-pharmazeutischen Industrie sind günstig. Die Branche wies seit 1991 ein Produktionswachstum von 1,6 % p.a. in Deutschland auf, wobei allerdings die Dynamik mit fast 3 % stark von der Pharmaindustrie ausging. Die Herstellung chemischer Erzeug- nisse legte nur um jahresdurchschnittlich 1,2 % zu. Der Verband der chemischen Industrie (VCI) geht davon aus, dass bis 2030 ein nur unwesentlich niedrigerer Zuwachs von 1,5 % für die Ge- samtbranche erreicht werden kann. Die globalen Themen wie das Wachstum der Weltbevölkerung und die Urbanisierung stimulieren zwar die Chemienachfrage, es dürfte aber weiterhin stärker in Asien und Lateinamerika als in Europa stattfinden. Die deutsche Chemieindustrie hat frühzeitig begonnen, neben einer Exportstrategie mit Direktinvestitionen vor Ort hiervon zu profitieren. Entscheidend ist, innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Dies dürfte bei Pharmazeutika und höherwertigen Fein- und Spezialchemikalien einfacher sein als bei Grundchemikalien. Voraussetzung bleibt eine hohe FuE-Intensität. Mittlerweile wurden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf knapp 6 % gesteigert. Die chemisch-pharmazeutische Industrie liegt damit hinter dem deutschen Fahrzeugbau und vor der Elektroindustrie an zweiter Stelle. Auch im interna- tionalen Vergleich ist die Chemieindustrie bei den F&amp;E-Ausgaben nach China, den USA und Japan auf Platz 4. Nachholbedarf besteht allerdings bei der erfolgversprechenden pharmazeutischen Industrie mit Platz 6. Die Innovationsanstrengungen müssen weiter erhöht werden. Um hier voran- zukommen, sind verstärkte Bildungsanstrengungen im naturwissenschaftlichen Bereich und die im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung geplante steuerliche Förderung für forschende kleine und mittelgroße Unternehmen rasch umzusetzen. -5 0 5 10 15 20 25 30 35 -5 0 5 10 15 20 25 30 35 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 70 80 90 100 110 70 80 90 100 110 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 USA EWU Deutschland Langfristig moderates Chemiewachstum in Deutschland BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 28. MAI 2018 · © H EL A B A 5 Sowohl in der klassischen Chemie als auch im Pharmasegment bestehen gute Chancen, innovati- ve Produkte und Prozesse zu entwickeln. So bieten sich der Chemieindustrie Chancen durch die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Allerdings ist auch bei umfassender Verlagerung der Roh- stoffbasis vom Rohöl bzw. Erdgas zur Biomasse, also hin zu der sogenannten weißen Biotechno- logie, nicht davon auszugehen, dass die traditionelle Chemie komplett ersetzt wird. Trotzdem wird die Änderung der Rohstoffbasis als Schlüssel für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit gesehen. Darüber hinaus werden forschungsintensive und höhere Spezialchemikalien für Farben, Pflanzen- schutzmittel, Spezialkunststoffe und Konsumprodukte noch an Bedeutung gewinnen.1 In der Pharmaindustrie sind verschiedene Zukunftstrends gleichzeitig zu beobachten. Durch die Ent- schlüsselung des humanen Genoms und die Erkenntnisse der Systembiologie hat sich bei den Biopharmazeutika ein enormes Entwicklungspotenzial aufgebaut. Hinzu kommen personalisierte Therapien sowie die sogenannte regenerative Medizin, worunter man u.a. Gen- und Zelltherapien oder die Wiederherstellung ganzer Gewerbeteile versteht. Ein großes Potenzial eröffnen zudem „Biosimilars“, also Wirkstoffe, die als Nachahmer auf den Markt kommen. Sie unterscheiden sich von den Generika dadurch, dass biologische Moleküle geringfügige Varianzen aufweisen. Der Aufwand für Prüfung und Zulassung ist damit deutlich höher.2 Nicht nur Innovationen, sondern auch die älter werdende Bevölkerung in den Industrieländern und die steigenden Einkommen der Schwellenländer lassen die Nachfrage nach den Produkten der pharmazeutischen Industrie län- gerfristig zunehmen. Branchenprognosen Deutschland \*kalenderbereinigt Quellen: Feri, Macrobond, Prognosen: Helaba Volkswirtschaft/Research  1 Vgl. VCI: Branchenportrait der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie 2017, S. 7, www.vci.de 2 Vgl. hierzu Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Pharma-Daten 2017, S. 25ff. 2016 2017 2018p 2019p Produzierendes Gewerbe 1,8 3,4 2,5 2,0 Verarbeitendes Gewerbe 1,4 3,6 2,7 2,0 Ernährungsgewerbe 1,1 1,5 1,3 1,4 Nahrungs- u. Futtermittel 1,2 2,0 1,5 1,5 Getränke 0,7 -1,4 0,5 1,0 Chemie (insgesamt) 1,1 2,9 3,0 2,3 Chemieindustrie (ohne Pharma) 0,2 1,7 1,5 2,0 Pharmaindustrie 3,1 5,6 7,0 3,0 Stahlindustrie -0,4 2,2 2,0 1,5 Elektroindustrie 1,3 5,8 3,7 2,6 DV-Geräte, elektr./opt. Geräte 1,9 6,9 4,0 3,5 Elektr. Ausrüstungen 0,9 5,2 3,5 2,0 Maschinenbau -0,1 4,5 3,5 2,5 Automobilindustrie 2,5 3,1 2,0 2,0 Einzelhandel (realer Umsatz\*) 2,0 3,0 2,0 1,5 Nettoproduktion, % gg. Vj. Viele Möglichkeiten für Innovationen auch in Deutschland

Die deutsche Chemieindustrie hat im ersten Quartal schon wieder an Fahrt verloren. Im Jahresverlauf sollte die Dynamik allerdings zunehmen. Dies ermöglicht 2018 eine Produktionssteigerung um etwa 3 % inklusive Pharma. Die weitere Steigerung der Innovationsaktivitäten vor allem in der Pharmaindustrie ist vordringlich.
