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title: "Deutsche Branchen: Jahrhundertschock wird überwunden"
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updated: 2026-09-28
keywords: Branchen
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# Deutsche Branchen: Jahrhundertschock wird überwunden

Helaba Volkswirtschaft/Research BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHA FT/RESEARCH · 11. MAI 2020 · © HEL ABA 1 11. Mai 2020 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOR Dr. Stefan Mütze Tel.: 0 69/91 32-38 50 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Deutsche Branchen: Jahrhundertschock wird überwunden Die Corona-Pandemie wirft die deutschen Branchen in eine heftige Rezession. Die Industrie- produktion dürfte 2020 nach ersten Schätzungen um etwa 13 % sinken. Besonders betroffen ist die Automobilindustrie mit bis zu 25 %. Im zweiten Halbjahr beginnt der Aufholprozess. 2021 kann dann mit deutlichen Produktionszuwächsen gerechnet werden. Die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft, aber auch Deutschland plötzlich in eine Rezession geworfen. Nach einem mäßigen Rückgang bereits im ersten Vierteljahr ist für das zweite Quartal mit einem Einbruch der hiesigen Wirtschaftsleistung zu rechnen. Die ersten Lockerungen ab April werden hieran wenig ändern. Erst im zweiten Halbjahr kommt es zu einem deutlichen Aufschwung. Trotzdem dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2020 um schätzungsweise 4,2 % schrumpfen. 2021 ist mit einem Zuwachs in ähnlicher Größenordnung zu rechnen. Wichtige Branchen sind höchst unterschiedlich betroffen. Während der Lebensmitteleinzelhandel sogar von der Krise profitiert, wird der „Non-food-Bereich“ stark belastet. Konjunkturell relativ un- beschadet dürfte die Ernährungsindustrie aus der Krise herauskommen. Außergewöhnlich stark leiden die deutschen Automobilhersteller und deren Zulieferer unter der Pandemie. Ab Mai wird die Industrieproduktion allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau wieder zulegen. Für das zweite Halbjahr unterstellen wir einen starken Aufschwung der industriellen Wertschöpfung. Trotz der V-förmigen Konjunktur sind die Rückgänge im Jahresdurchschnitt erheblich. Eine erste Schätzung lässt erwarten, dass das Produzierende Gewerbe 2020 einen Produktionsrückgang von 10 % erfahren wird. Im Verarbeitenden Gewerbe, das u.a. die Bauwirtschaft nicht miterfasst, liegt das Minus mit 13 % noch höher. Einzelhandel leidet besonders ifo Geschäftsklima nach Sparten, Saldo Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Gefragte Nahrungsmittel krisenresistent Bei Lebensmitteln haben sich die Absatzwege seit der Pandemie geändert. Während die Gastro- nomie bis Mai geschlossen war und nur noch über Abhol- und Lieferservice Umsätze generieren konnte, kam es im Lebensmitteleinzelhandel durch zusätzliche Käufe der privaten Haushalte zu Umsatzsteigerungen. Nach Erhebungen des Marktforschers Nielsen zusammen mit dem Leibniz- Institut für Finanzforschung Safe gaben Verbraucher im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit für frische BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHA FT/RESEARCH · 11. MAI 2020 · © HEL ABA 2 Lebensmittel monatlich etwa 10 % und für haltbare Lebensmittel sogar 20 % mehr aus. Haltbare Produkte des täglichen Bedarfs wurden teilweise gehortet. Besonders gefragt waren allerdings Drogerieartikel. In der Summe erhöhten Verbraucher ihr Budget um 18 % auf 344 Euro.1 Die mittelständisch strukturierte deutsche Nahrungsmittelindustrie kam durch die erhöhte Nachfra- ge im Einzelhandel bisher mit einem blauen Auge durch die Krise. Dies gilt nicht für die Getränke- industrie, deren Geschäftsklima im April 2020 besonders stark eingebrochen ist. Vor allem Braue- reien leiden unter dem nahezu kompletten Absatzverlust in der Gastronomie, der Hotellerie und dem Aussetzen der Fußballspiele. Während die Nahrungsmittelindustrie 2020 mit einem kleinen Produktionsplus abschließen dürfte, wird die Herstellung von Getränken ab April deutlich sinken. Getränkehersteller besonders pessimistisch Lebensmittelumsätze steigen deutlich ifo Geschäftsklima, April 2020, Saldo Realer Einzelhandelsumsatz, Januar 2017 = 100, saisonbereinigt, geglättet Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Deutlich schlechter sieht es trotz Internet-Verkauf für den Rest des Einzelhandels aus. Für den Non-food Einzelhandel kam es in vielen Bereichen zu deutlichen Einbußen. Erst seit 20. April durf- ten zumindest Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen. Nun fällt auch diese Rest- riktion weg. Der Einzelhandelsverband taxiert den Umsatzverlust in den vier Wochen seit Schlie- ßung auf rund 30 Mrd. Euro oder rund 8 % der Verkäufe außerhalb des Lebensmittelbereichs. Nur ein Teil hiervon wird in den nächsten Wochen aufgeholt werden können. Die amtliche Statistik weist bislang erst die Daten für März aus. Danach ist der reale Einzelhandelsumsatz um 5,6 % gegenüber Vormonat gesunken, das stärkste Minus seit Januar 2007. Im April dürfte der Rück- gang noch bedrohlicher ausgefallen sein, bevor die Normalisierung im Handel beginnt. Bau stützt bis zuletzt Index: 205 = 100 Text Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Mit einem Wertschöpfungsanteil von knapp einem Viertel ist das Produzierende Gewerbe inklusive Bau in Deutschland der bedeutendste Sektor vor den öffentlichen Dienstleistern (19 %) und dem Bereich „Handel, Gaststätten, Verkehr“ mit 16 %. Während der Bau die Konjunktur bislang stützt, hat der Einbruch der Industrieproduktion ab März die deutsche Wirtschaftsleistung besonders 1 Vgl. FAZ vom 19.4.2020, S. 23 -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 Pharmazeutische Produkte Nahrungsmittelindustrie Chemieindustrie Herst. v. Computer/Elektronik Herst. v. elektr. Ausrüstungen Maschinenbau Getränkeherstellung Automobilindustrie 98 100 102 104 106 108 110 98 100 102 104 106 108 110 2017 2018 2019 2020 Einzelhandel insgesamt Lebensmitteleinzelhandel Lebensmittelgroßhandel BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHA FT/RESEARCH · 11. MAI 2020 · © HEL ABA 3 gebremst. Der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex signalisiert, dass für April mit einem nochmaligen deutlichen Rückgang zu rechnen ist. Der Index wurde im Bundesamt für Güterverkehr entwickelt und zeichnet die Entwicklung der Fahrleistung von großen Lkw (mit mindestens vier Achsen) auf deutschen Bundesautobahnen nach. Industrie dominiert Güterverkehr signalisiert Produktionseinbruch im April Bruttowertschöpfung in jeweiligen Preisen 2019, Mrd. Euro Monatlich, % gg. Vm. \*inklusive Erziehung und Gesundheit Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Autokäufer bleiben aus Einige Wirtschaftszweige wie der Fahrzeugbau hatten ihre Fertigung komplett eingestellt, andere wie der Maschinenbau produzierten auf deutlich reduziertem Niveau weiter. Ab 20. April begann nach rund einem Monat der zögerliche Hochlauf der Produktion in der deutschen Automobilindust- rie. Die hygienischen Vorsichtsmaßnahmen dürften dazu führen, dass die ursprüngliche Produktivi- tät vorerst nicht erreicht wird. Auch ist nicht auszuschließen, dass temporär fehlende Zulieferungen zu Produktionsunterbrechungen führen. Mit dem Produktionsstart sind die Probleme der Branche alles andere als gelöst. Der Lockdown, der in vielen Ländern auch den Autokauf stark beschränk- te, führte bereits im März zu einem Einbruch der Neuzulassungen in der EU und den USA. Der April dürfte noch schlimmer ausgefallen sein. Erst ab Mai ist mit einer zögerlichen Besserung zu rechnen. Die Entwicklung in China mit einem Vorsprung von rund einem Monat zeigt, dass sich die Verkäufe dem Vorkrisenniveau nur allmählich nähern. Immerhin profitieren hier einzelne deutsche Marken von Erstkäufern, die wegen Corona öffentliche Verkehrsmittel meiden. Die Konsumenten in Europa und den USA sind verunsichert. Die Einkommen sinken durch Kurzarbeit oder gar Ar- beitslosigkeit. Ausgaben für große Anschaffungen wie Pkws dürften teilweise verschoben werden. Öffentliche Förderprogramme wie Abwrackprämien sind bislang nicht beschlossen, könnten das Absatzproblem allerdings lindern. Drastische Einbrüche Verkäufe in China erholen sich nur allmählich Verkäufe\* in Millionen, saisonbereinigt Pkw-Neuzulassungen pro Monat Verkäufe, Millionen pro Monat, saisonbereinigt \*Light Vehicles Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research \*inklusive Nutzfahrzeuge Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research 0 100 200 300 400 500 600 700 800 Sonst. Dienstleister Finanz- u. Versicherungsdienstleister Information u. Kommunikation Grundstück-/Wohnungswesen Unternehmensdienstleister Handel, Verkehr, Gastgewerbe Öffentl. Dienstleister\* Produzierendes Gewerbe Autoindustrie fährt wieder hoch, wenn auch zögerlich BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHA FT/RESEARCH · 11. MAI 2020 · © HEL ABA 4 Die Pkw-Produktion ist deutlich unter das Niveau der Finanzkrise 2009 gesunken. Der Produkti- onsindex, der auch Nutzfahrzeuge und ein Großteil der Zulieferer umfasst, dürfte 2020 um bis zu 25 % sinken. Im nächsten Jahr ist zwar mit einem deutlichen Plus zu rechnen. Gleichwohl halten Belastungen wie der weltweite Protektionismus an. Auch die Modalitäten des Brexit sind bislang nicht geklärt. Die deutsche Automobilindustrie steht in den nächsten Jahren vor weiteren Heraus- forderungen: Die Elektromobilität gewinnt bei allen Herstellern rasant an Bedeutung. Deren vo- raussichtlich rasche Marktdurchdringung fordert auch die Zulieferer. Das Geschäft mit Teilen für Verbrennungsmotoren verliert an Bedeutung; neue Produktideen müssen entwickelt werden. Um den Strukturwandel zu bewältigen, sind hohe Investitionen für die Neuentwicklung alternativer Antriebstechnologien erforderlich. Dies belastet die Margen der Unternehmen. Wesentliches In- strument hierzu sind Kostensenkungen, die mit der Verringerung von Personal einhergehen. Dar- über hinaus werden die Komplexität im Produktportfolio reduziert und Ausstattungsvarianten redu- ziert. Die Folgen der Corona-Krise beschleunigen diese Entwicklung. Deutsche Pkw-Produktion im April 60 % tiefer als 2015 Index: 2015 = 100, saisonbereinigt Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Corona trifft deutschen Maschinenbau in bereits schwieriger Lage Die Produktion des deutschen Maschinenbaus ist bereits 2019 um 2,9 % gesunken, während die Auftragseingänge sogar nahezu ein Zehntel niedriger ausfielen. Auch ohne die Pandemie wäre also zumindest im ersten Halbjahr 2020 mit einer weiter sinkenden Fertigung zu rechnen gewesen. Jetzt ist für 2020 ein Rückgang von einem Fünftel zu erwarten. Die Branche wird zusätzlich durch die weltweiten Handelsstreitigkeiten belastet, die die Investitionstätigkeit verlangsamen. Die Um- strukturierung im Fahrzeugbau hin zur Elektromobilität bremst zusätzlich. Dies gilt insbesondere für die wichtigen Werkzeugmaschinenbauer. Verhältnismäßig glimpflich dürften die Hersteller von Armaturen durch die Corona-Krise kommen. Zumindest in Deutschland hat die Bauwirtschaft un- unterbrochen weiterarbeiten können. Da dies für Länder wie Italien nicht gilt, dürften allerdings die Exporte drastisch zurückgehen. Maschinenbau: Rezession schon vor Corona Maschinenbau vergleichsweise „günstig“ ausgelastet Nettoproduktion, Januar 2017 = 100 Kapazitätsauslastung, % Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research  85 90 95 100 105 110 115 85 90 95 100 105 110 115 2017 2018 2019 2020 Gesamte Auftragseingänge Produktion Auslandsaufträge Inlandsaufträge 40 50 60 70 80 90 100 110 40 50 60 70 80 90 100 20072008200920102011201220132014201520162017201820192020 Automobilindustrie Maschinenbau Pharmaindustrie Belastungen der Ertragslage BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHA FT/RESEARCH · 11. MAI 2020 · © HEL ABA 5 Elektroindustrie leidet unter sinkenden Investitionen Die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen (Wirtschaftszweig 27) sind wie die Maschinenbauer vom schlechten Investitionsklima nach Corona betroffen. Etwas günstiger ist das Geschäftsklima bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (WZ 26), deren Produkte teilweise gerade in Zeiten einer Pandemie gefragt sind (vgl. Grafik S. 2). Viele (Vor-)Produkte werden zudem aus Asien importiert, wo die Produktion bereits früher als in Europa wieder hochgefahren wurde. Probleme mit den Lieferketten sollten damit kontinuierlich abnehmen. Auch die Auftragseingänge zeigen die regional differenzierte Entwicklung. Im ersten Corona-Monat März sind die Aufträge für die deutsche Elektroindustrie aus der Eurozone um fast 16 % gegenüber Vorjahr eingebrochen. Bei den Drittländern waren es nach den Berechnungen des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) hingegen nur -3,6 %. Die Gesamtaufträge lagen im März um 9,2 % und im ersten Quartal um 5,1 % unter Vorjahresniveau. Eine aktuelle Umfrage des ZVEI ergibt, dass seine Mitglieder im Durchschnitt einen Umsatzverlust von 14 % für dieses Jahr erwarten. Bei leicht sinkenden Erzeugerpreisen dürfte die Nettoprodukti- on damit um rund 15 % sinken. Für 2021 ist auch in der deutschen Elektroindustrie mit einer starken Gegenbewegung zu rechnen, zumal die für den digitalen Wandel notwendigen Schlüsseltechnologien wesentlich auch aus dieser Branche kommen. Die Corona-Krise hat die Dringlichkeit für Fortschritte in der Digitalisierung nochmals drastisch vor Augen geführt. Ein wichtiges Wachstumsfeld bleibt in den nächsten Jahren „Industrie 4.0“. Die vierte industrielle Revolution soll zu einer kompletten Vernetzung der Fertigung mit intelligenten, selbst entscheidenden Maschinen führen. Zu einem Megathema entwickelt sich zudem die Elektromobilität, von der die Branche profitiert. Nicht zuletzt bieten sich Chancen, die Energieeffizienz in vielen Bereichen weiter zu erhöhen. Die deutsche Elektroproduktion ist seit der deutschen Wiedervereinigung um jahresdurchschnittlich 2,3 % und damit etwa doppelt so stark wie das Verarbeitende Gewerbe gewachsen. Es spricht viel dafür, dass die Branche mittelfristig an dieses Tempo wird anschließen können. Konsumorientierte Chemie und Pharma weniger von Corona betroffen Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie verwendet etwa die Hälfte ihrer hergestellten Erzeugnisse als Vorprodukte selbst. Berücksichtigt man diese nicht, werden rund 58 % für den Konsum verwendet, seien es Pharmazeutika oder Konsumchemikalien. Der Rest wird an die gro- ßen Wirtschaftsbranchen wie den Bau oder die Automobilindustrie geliefert. Ein Drittel des Umsat- zes der Branche wird mit pharmazeutischen Erzeugnissen sowie Wasch- und Körperpflegemitteln erwirtschaftet, die in der Corona-Krise teilweise sogar Zuwächse erzielt haben dürften. Hinzu kommen die kaum tangierten Agrochemikalien und Zulieferungen für Ernährungsprodukte. Auch der Industriegasesektor dürfte relativ stabil durch die Krise kommen. Insofern ist es nicht verwun- derlich, dass das Geschäftsklima in der Pharmaindustrie positiv und in der Chemieindustrie weni- ger eingebrochen ist als in anderen großen Wirtschaftszweigen. Die Produktion inklusive Pharma dürfte 2020 mit -5 % verhältnismäßig wenig sinken. Nach einer Umfrage des ifo Instituts haben hier nur 30 % der Betriebe Kurzarbeit beantragt, deutlich weniger als beispielsweise in der Gastro- nomie (99 %) oder in der Automobilindustrie (94 %). Krise wird bewältigt Nach dem drastischen Rückgang der Industrieproduktion in diesem Jahr wird sich der Aufschwung 2021 in hohen Zuwächsen niederschlagen. Entscheidender wird allerdings sein, ob während der Krise die Zahl der Insolvenzen vor allem im deutschen Mittelstand begrenzt werden kann. Die bisher ausgerufenen Hilfsprogramme auf Bundes- und Länderebene erhöhen die Wahrscheinlich- keit hierfür. Ähnlich wie in der Finanzkrise dürften die Unternehmen – auch aufgrund der erweiter- ten Kurzarbeiterregelung – Gewehr bei Fuß stehen und ab dem zweiten Halbjahr 2020 zur Norma- lisierung des Wirtschaftslebens beitragen. Auch die Produktion dürfte dieses Mal wie nach der Finanzkrise erst im übernächsten Jahr, also 2022, das Vorkrisenniveau erreichen.  Elektroindustrie wächst doppelt so schnell wie Industrie Vorkrisenniveau wird erst 2022 erreicht Chemieindustrie mit unterdurchschnittlichen Rückgängen

Auswirkungen der Pandemie auf die deutschen Branchen. Strukturelle Probleme der Automobilindustrie belasten. Krise wird bewältigt.
