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title: "Im Fokus Branchen: Chemische Industrie - Energieintensives Sorgenkind"
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updated: 2026-09-28
keywords: Branchen
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# Im Fokus Branchen: Chemische Industrie - Energieintensives Sorgenkind

Im Fokus: Branchen 8. April 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. April 2025 1 von 5 Research &amp; Advisory Chemische Industrie: Energieintensives Sorgenkind Die chemische Industrie leidet unter einer schwachen Konjunktur und strukturellen Problemen. Trotz ihrer derzeit noch hohen Wettbewerbsfähigkeit ist der hiesige Standort langfristig in Ge- fahr. Mit Blick auf die grüne Transformation hat die Branche erste Erfolge erzielt, doch bleiben weitere Hür- den. Aufgrund einer nur zögernd einsetzenden konjunkturellen Belebung und des Handelskonfliktes mit den USA dürfte die Chemieproduktion 2025 um 3 % sinken. Erst für 2026 ist ein leichtes Wachstum zu erwarten. Die chemische Industrie erwirtschaftete 2024 rund 7 % des Umsatzes des Verarbeitenden Gewerbes und beschäftigte 326.000 Menschen. Die Produktion dieser wichtigen Branche ist seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine und der darauffolgenden Energiekrise um 19,5 % eingebrochen. Die deutlich schlechtere Performance im Vergleich zum Verarbeiten- den Gewerbe (-8,5 %) beruht auf der energieintensiven Natur der Branche: Die chemische Industrie wies 2023 mit rund 27 % den höchsten Anteil am Energieverbrauch des Verarbei- tenden Gewerbes auf.1 Dieser hohe Verbrauch ist einerseits den energetischen Produkti- onsprozessen geschuldet, andererseits der rohstofflichen Verwendung primärer Energie- träger, welche 2023 rund ein Drittel des Energieverbrauchs der Branche ausmachte. Lahmende Konjunktur setzt chemischer Industrie zu Die Branche leidet derzeit insbesondere unter einem konjunkturell bedingten Nachfragemangel. Sie liefert um- fangreiche Vorprodukte für andere Branchen, weshalb ihre Nachfrage empfindlich auf industrielle Schwächepha- sen reagiert. Zum einen auf internationalen Märkten, da sich die weltweite Industrieproduktion in wichtigen Ab- nehmerländern nur verhalten entwickelt, die chemische Industrie allerdings über 60 % der Umsätze im Ausland erwirtschaftet. Über die Hälfte der Exporte gehen zudem in europäische Länder, wodurch die derzeit schleppende wirtschaftliche Erholung Europas besonders zu spüren ist. 1 Gesamter Energieverbrauch, inkl. primärer Energieträger und Strom. Quelle: Statistisches Bundesamt. Adrian Keppler Branchen &amp; Nachhaltigkeit T 069/91 32-41 83 Strukturell fehlende Dynamik und Talfahrt durch Energiekrise Produktionsindizes, Jan. 2017 = 100, kalender- und saisonbereinigt \*ohne Pharma Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. April 2025 2 von 5 Zum anderen hat die Chemieindustrie auf dem heimischen Markt zu kämpfen, auf dem sich Deutschlands wirt- schaftliche Schwäche bemerkbar macht. Die seit längerem trägen privaten Verbrauchsausgaben betreffen unmit- telbar konsumnahe Sparten wie die Herstellung von Seifen, Wasch- und Anstrichmitteln. Gleichzeitig belastet die schwierige Situation wichtige Abnehmerbranchen, da rund 20 % des heimischen Absatzes von inländischen In- dustrien wie dem Bau oder der Kunststoffverarbeitung nachgefragt werden. Die Verflechtung der Chemieunter- nehmen untereinander verstärkt die Konjunkturabhängigkeit. Der größte Teil des inländischen Absatzes geht in Unternehmen der eigenen Branche, da beispielsweise Spezialchemikalien wesentlich auf Grundchemikalien basie- ren. Somit übertragen sich Nachfrageausfälle der einen Chemieunternehmen in Nachfrageausfälle anderer. Die fehlende gesamtwirtschaftliche Nachfrage zeigt sich in einem anhaltend niedrigen Auftragseingang aus dem In- und Ausland sowie in verschiedenen Sparten der Branche. Die Energiekrise hatte vor allem die energieinten- sive Herstellung chemischer Grundstoffe in Mitleidenschaft gezogen. Seitdem die Energiepreise von ihren Höchst- werten zurückgekommen sind, stabilisierte sich hier die Produktion auf niedrigem Niveau. Die konsumnahen Spar- ten der Branche hatten zunächst weniger stark eingebüßt und die niedrigen Produktionswerte in etwa konstant gehalten, da Konsumgüter mit Blick auf den Konjunk- turzyklus weniger volatil sind. Das Geschäftsklima ist derzeit negativ (vgl. Grafik oben) und die erhoffte konjunkturelle Belebung, ins- besondere mit Blick auf die geplanten Fiskalpakete, wird wohl nur zögernd einsetzen. Schneller dürften sich die negativen Effekte des Handelskonfliktes mit den Vereinigten Staaten bemerkbar machen, welche zuletzt rund 9 % der Exporte der chemischen Indust- rie nachfragten. Da wir infolge der angekündigten Zölle nur noch eine Stagnation des deutschen BIP für 20252 erwarten, dürfte die chemische Industrie auch unter den negativen Auswirkungen des Handelskon- fliktes auf andere Branchen leiden. Strukturelle Probleme belasten die Standortattraktivität Die hohen Energiepreise stellten bereits vor 2022 strukturelle Probleme der Branche dar und die Energiekrise hat diesen Nachteil verstärkt. Die Strompreise sind im internationalen Vergleich nach wie vor hoch. Noch stärker belasten die Erdgaspreise, da der Energiebedarf der Branche in Form von Erdgas und Erdölgas 2023 mit rund 36 % mehr als doppelt so hoch war wie der Strombedarf. Weil die Gaspreise deutlich stärker gestiegen sind als die Erzeugerpreise (vgl. Grafik S. 3), senkt dies die Profitabilität. 2 Siehe hierzu Wochenausblick, 4. April 2025 Auftragseingänge verharren niedrig… …und das Geschäftsklima ist negativ Auftragseingänge\*, Jan. 2021 = 100, kalender- und saisonbereinigt Ifo-Geschäftsklimaindex\*, Saldo \*WZ 20: Herstellung von chemischen Erzeugnissen Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory \*WZ 20: Herstellung von chemischen Erzeugnissen Quellen: Macrobond, ifo, Helaba Research &amp; Advisory Spartenübergreifende Schwäche Produktionsindizes, Jan. 2019 = 100, kalender- und saisonbereinigt Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. April 2025 3 von 5 Neben den Energiekosten bestehen weitere strukturelle Probleme in hohen Lohnkosten, Abgaben sowie bürokra- tischen und regulatorischen Lasten. Die Folge ist eine zunehmende Abwanderung der Produktion direkt an die Absatzmärkte und an kostengünstigere Standorte. Dies erklärt die seit längerem fehlende Dynamik und den Pro- duktionsrückgang während der vergangenen Dekade (vgl. Grafik S. 1). Ohne eine grundlegende Verbesserung der Standortfaktoren dürfte sich diese Entwicklung aufgrund unzureichender inländischer und zunehmender auslän- discher Investitionen fortsetzen. Während diese Probleme insbesondere den hiesigen Produktionsstandort belasten, erweist sich die Branche mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit noch als widerstandsfähig. So konnten die preisbereinigten Exporte im vergangenen Jahr leicht um 0,9 % zulegen. Auch eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass die chemische Industrie mit 47 von insgesamt 178 Warengruppen den größten Anteil an dominan- ten Exportpositionen der deutschen Industrie stellt, überwiegend im Bereich der anorganischen und organischen Erzeugnisse.3 Der Außenhandelssaldo erreichte – mit Ausnahme des Boomjahres 2021 – sogar seinen höchsten Stand seit 2017. Allerdings spielten hierbei auch die stark gesunkenen Importe aufgrund der gesamtwirtschaftli- chen Schwäche Deutschlands eine Rolle. Die Entwicklung des Außenhandelssaldos lässt vermuten, dass die inlän- dische Nachfrageschwäche derzeit schwerer ins Gewicht fällt als die Wettbewerbsfähigkeit. Dies zeigen auch die Inlandsumsätze, die sich 2024 deutlich schlechter entwickelten als die Auslandsumsätze. Trotz Emissionseinsparungen steht die Branche vor Herausforderungen Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes entfallen 14,5 % des Treibhausgasausstoßes auf die chemische Industrie, womit sie für rund 6,5 % der gesamten Emissionen in Deutschland verantwortlich ist. Damit belegt die Branche den vierten Platz der emissionsintensivsten Branchen des Verarbeitenden Gewerbes (vgl. Grafik S. 4). Dass die Branche trotz ihres sehr hohen Energiebedarfs kein Spitzenreiter bei den Emissionen ist, liegt unter anderem an den Nachhaltigkeitserfolgen in der Vergangenheit. So konnte die Chemie- und Pharmaindustrie laut des Verban- des der Chemischen Industrie (VCI) ihren Treibhausgasausstoß seit 1990 um immerhin 54 % und ihren Energie- verbrauch um 22 % senken.4 Die chemische Industrie konnte zudem ihre Emissionsintensität seit 2010 um knapp 10 % verringern. Jedoch be- steht ein Gleichlauf zwischen der Produktion und den Treibhausgasen (vgl. Grafik S. 4). Deshalb ist nur ein Teil der Emissionsrückgänge auf nachhaltigere Produktionsverfahren zurückzuführen, während der Rest durch den Pro- duktionsrückgang zu erklären ist. Der mengenbedingte Anteil des Rückgangs der Emissionen ist jedoch nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht problematisch, sondern auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit. Denn in Folge der 3 Siehe hierzu: Exportdominanz Deutschlands im Außenhandel, 18. März 2025. Exportdominanz hier definiert als Weltexportanteil von mindestens 30 %. Die Klassifikation der Warengruppen in der Studie weicht von der amtlichen Abgrenzung ab. 4 Abgrenzung nach VCI. Pharmaindustrie wird hier mitberücksichtigt, ist aber aufgrund ihres geringen Energieverbrauchs (0,7 % des Gesamtverbrauchs des Verarbeitendes Gewerbes im Jahr 2023, Statistisches Bundesamt) und ihrer geringen Emissionen (vgl. Grafik S. 4) vernachlässigbar. Gaspreise lasten auf Profitabilität Außenhandelssaldo steigt Preisindizes, Jan. 2017 = 100 Exporte, Importe, Saldo\*, preis- und saisonbereinigt, Mrd. Euro \*WZ 20: Herstellung von chemischen Erzeugnissen Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory \*WZ 20: Herstellung von chemischen Erzeugnissen Quellen: Feri, Helaba Research &amp; Advisory 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 2017 2019 2021 2023 2025 Erzeugerpreise\* Industriegaspreis 0 20 40 60 80 100 120 140 160 0 20 40 60 80 100 120 140 160 2015 2017 2019 2021 2023 Exporte Importe Außenhandelssaldo Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. April 2025 4 von 5 Energiekrise ging die deutsche Produktion chemischer Grundstoffe wie Ammoniak, Methanol oder Chlor um bis zu 40 % zurück. Sollte die Produktion dieser Güter dauerhaft in Länder mit CO2-intensiverer Produktionsweise verla- gert worden sein, könnten die hierzulande reduzierten Treibhausgase dort überkompensiert werden. Für weitere Fortschritte in der nachhaltigen Transformation der Branche bestehen grundsätzlich zwei Möglichkei- ten. Erstens durch eine verstärkte Kreislaufwirtschaft. Hier stand die chemische Industrie 2022 mit einem Anteil nachwachsender Rohstoffe von 15 % an der Rohstoffbasis noch am Anfang der Transformation. Zweitens durch vermehrte Nutzung von stromintensiven Prozessen und durch Wasserstoffeinsatz. Dies verlangt jedoch einen deutlich höheren Strombedarf, der je nach ver- folgter Strategie laut einer Studie des VCI und des Vereins Deutscher Ingenieure zwischen 258 und 440 TWh pro Jahr liegen dürfte.5 Zum Vergleich: Nach An- gaben des Statistischen Bundesamtes betrug die ge- samte deutsche Stromproduktion 2024 rund 497 TWh, wovon 284 TWh auf erneuerbare Energien ent- fielen. Hierfür wäre nicht nur ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien nötig, sondern zusätzlich ein deutlich niedrigerer „Transformationsstrompreis“ von schätzungsweise 4 bis 6 ct/kWh. Somit steht die che- mische Industrie mit Blick auf die nachhaltige Trans- formation weiterhin vor enormen Herausforderungen. Gemischte Aussichten: Struktureller Trend, Protektionismus und konjunturelle Erholung Langfristig stellt sich die Frage, ob die Verlagerung und somit der Rückgang der heimischen Produktion aufzuhal- ten sind. Um diesem Trend wenigstens entgegenzuwirken, sind strukturelle Reformen wie eine Senkung der Energiepreise und Deregulierungen wohl eine notwendige Voraussetzung. Kurzfristig gibt es für die Branche Licht und Schatten. Risiken bestehen im beginnenden und sich möglicherweise verschärfenden Handelskonflikt mit den USA. Neben direkten Auswirkungen auf die Exporte könnte die Branche auf mögliche Zölle mit einer weiteren Verlagerung der Produktion reagieren, die das Branchenwachstum in Deutschland zusätzlich belasten würde. Impulse könnten dagegen von einer Belebung der deutschen und euro- päischen Konjunktur kommen. Neben einer Erholung des privaten Konsums dürften die geplanten Finanzpakete die Konjunktur stützen. Die fiskalischen Stimuli werden jedoch Zeit brauchen, bis sie ihre Wirkung entfalten. Des- halb erwarten wir, dass dieses Jahr die negativen Folgen der Zölle überwiegen und die Produktion um 3 % sinken wird. Erst im kommenden Jahr dürfte die Produktion wieder wachsen. 5 Siehe hierzu: Chemistry4Climate – Wie die Transformation der Chemie gelingen kann, 2023. Chemieindustrie zählt trotz Erfolgen noch zu den emissionsintensiven Branchen Branchenanteile an den Treibhausgasemissionen des Verarbeitenden Gewerbes 2022, % Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 25,9 17,2 14,8 14,5 6,5 5,8 5,5 2,7 0,5 Metallerzeug. u. -bearb. Glas, Keramik, Verarb. v. Steinen u.Erden Kokerei und Mineralöl- verarb. H. v. chemischen Erzeugnissen Papier, Pappe etc. Holz-, Flecht-, Korb-u. Korkwaren Nahrungsmittel, Getränke, Tabakverarb. Kraftwagen u. -teile H. v. pharma. Erzeugnissen Verbesserungen in der Emissionsintensität Emissionen, Produktionsindex, Emissionsintensität, 2010 = 100 \*WZ 20: Herstellung von chemischen Erzeugnissen Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 75 80 85 90 95 100 105 75 80 85 90 95 100 105 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 Emissionen Produktion\* Emissionsintensität Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. April 2025 5 von 5 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stephan Brand Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Chemische Industrie leidet derzeit unter Energieintensität und Konjunkturabhängigkeit. Trotz Emissionseinsparungen noch Herausforderungen in der nachhaltigen Transformation. Zölle und Standortnachteile dürften Produktion 2025 um 3 % sinken lassen.
