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title: "Im Fokus Öffentliche Finanzen: Wirkung des Fiskalpakets auf Schulden und Branchen"
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updated: 2026-09-28
keywords: Öffentliche Finanzen
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# Im Fokus Öffentliche Finanzen: Wirkung des Fiskalpakets auf Schulden und Branchen

Im Fokus: Öffentliche Finanzen 18. Juni 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 18. Juni 2025 1 von 7 Research &amp; Advisory Wirkung des Fiskalpakets auf Schulden und Branchen Das im März 2025 verabschiedete Fiskalpaket dürfte die deutsche Staatsverschuldung in den nächsten Jahren merklich steigen lassen. Demgegenüber steht die Hoffnung auf eine Belebung der derzeit schwachen Kon- junktur. Die durch das Fiskalpaket angestoßenen öffentlichen Investitionen werden einen positiven Effekt auf die Wirtschaft haben, wobei einige Branchen besonders profitieren. Deutschland steht vor großen transformativen Herausforderungen. In vielen gesellschaft- lichen und wirtschaftlichen Feldern stehen Veränderungen an, die mit erheblichen Investi- tionsbedarfen einhergehen. Neben dem privaten Engagement erfordert die Bewältigung dieser Herausforderungen auch die Öffentliche Hand. Die Liste der Aufgabenfelder ist lang: Verteidigung, Klimawandel oder Infrastruktur, um nur die derzeit gängigsten Bereiche zu nennen. Schätzungen über die Höhe der Investitionsbedarfe gehen weit auseinander, lie- gen aber häufig im zwei- bis dreistelligen Milliardenbereich. Zu viel, um es aus den laufen- den Haushalten zu finanzieren. Vor diesem Hintergrund musste die neue Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD nach der Bundestagswahl 2025 einen Weg finden, hohe Summen an Finanzmitteln zur Verfü- gung zu stellen, die nicht unmittelbar aus dem Bundeshaushalt „abgeknapst“ werden konnten bzw. sollten. Inhaltlich ging es vor allem um die Stärkung der Verteidigungsfähig- keit, die Modernisierung der Infrastruktur sowie die Belebung der lahmenden Konjunktur. Früh kristallisierte sich heraus, dass es einer Änderung der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse bedarf. Die dafür erforderliche Mehrheit schien im „neuen“ Bundestag nicht erreichbar, sodass noch der „alte“ Bundestag in einer seiner letzten Sitzungen am 18. März das Fiskalpaket verabschiedete. Eine weitere Reform der Schuldenbremse ist im Koalitionsvertrag ebenfalls angekündigt, allerdings in den Details noch nicht bekannt. Das verabschiedete Paket sieht drei Bausteine vor: 1. Eine Ausnahme von der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben von über 1 % des BIP pro Jahr. 2. Eine Verschuldungsmöglichkeit für die Bundesländer von 0,35 % des BIP pro Jahr. 3. Die Einrichtung eines Sondervermögens Infrastruktur mit 500 Mrd. Euro für 12 Jahre. Entwicklung der Verteidigungsausgaben für Schuldenaufnahme entscheidend Insbesondere in Anbetracht der kriegerischen Bedrohung durch Russland und der Forderung der USA nach einem stärkeren militärischen Engagement der anderen NATO-Staaten war für die neue Koalition klar, die Steigerung der Verteidigungsausgaben („Zeitenwende“) nicht nur fortzusetzen, sondern deutlich auszuweiten. Die bisher aus dem Sondervermögen Bundeswehr zur Verfügung stehenden 100 Mrd. Euro werden voraussichtlich 2027 aufge- braucht sein. Deshalb wird die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben aufgehoben, die über 1 % des Brutto- inlandprodukts (BIP) liegen, sodass diese Mehrausgaben über eine Schuldenaufnahme finanziert werden können. Ziel ist es, möglichst schnell ohne fiskalische Beschränkungen die Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Für 2024 entspricht 1 % des BIP in etwa einem Betrag von 43 Mrd. Euro, wobei Deutschland rund 62 Mrd. Euro in dem Jahr in seine Verteidigung investiert hat, sodass nach den neuen Regeln mehr als 19 Mrd. Euro über Schul- den hätten finanziert werden können. Zugrunde gelegt wird eine erweiterte Definition des Verteidigungsbegriffs, Dr. Stephan Brand Öffentliche Finanzen &amp; Nachhaltigkeit T 069/91 32-46 59 Adrian Keppler Branchenanalyse T 069/91 32-41 83 Im Fokus: Öffentliche Finanzen © Helaba | Research &amp; Advisory | 18. Juni 2025 2 von 7 die nicht nur die reinen Ausgaben für die Bundeswehr umfasst, sondern z.B. auch Zwecke der zivilen Verteidigung und des Bevölkerungsschutzes. In Erwartung einer angestrebten Ausweitung der Verteidigungsausgaben auf deutlich über den gegenwärtigen Anteil von 2 % des BIP dürfte die Schuldenaufnahme in den nächsten Jahren für diese Zwecke nochmals höher ausfallen. Darüber hinaus erhält die Ländergesamtheit – wie bereits der Bund – einen jährlichen Verschuldungsspielraum von 0,35 % des BIP. Dies entspricht gegenwärtig einer möglichen Schuldenaufnahme von rund 15 Mrd. Euro, wobei die Aufteilung dieser Summe auf die Länder noch nicht feststeht. Bislang war den Ländern nur eine Schul- denaufnahme in einer Notlage oder für Umschuldungen gestattet. Ob die Länder ihren neuen Verschuldungsspiel- raum ausschöpfen, ist nicht sicher und wird von der jeweiligen Haushaltslage und den Haushaltsregeln abhängen. Sondervermögen Infrastruktur soll öffentliche Investitionen stärken Die marode Infrastruktur entwickelte sich zunehmend zu einem Standortnachteil. Um bei der Modernisierung der Infrastruktur schnell voranzukommen – und auch um einen konjunkturellen Stimulus zu geben – schafft der Bund das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität mit einem Schuldenfinanzierungsvolumen von 500 Mrd. Euro. Dieses kann in den nächsten zwölf Jahren für zusätzliche Investitionen verwendet werden. Durch den langen Zeitraum wird mehr finanzielle Planungssicherheit geschaffen. Jeweils 100 Mrd. Euro sind einerseits für den Klima- und Transformationsfond (KTF) sowie andererseits für die Länder und Kommunen vorgesehen. Die Verteilung auf die Länder soll nach dem Königsteiner Schlüssel erfolgen, die Zuführung an den KTF über zehn gleichmäßige, jährliche Tranchen. Weitere Verwendungsschwerpunkte für die restlichen 300 Mrd. Euro sind noch nicht festgelegt. Die in Frage kommenden Infrastrukturbereiche sind breit gefasst. Im Entwurf des Errichtungsgesetzes werden sieben Investitionszwecke benannt: Zivil- und Bevölkerungs- schutz, Verkehrs-, Krankenhaus-, Energie-, Bildungs-, Betreuungs- und Wissenschaftsinfrastruktur, Forschung und Entwicklung sowie Digitalisierung. Umsetzung der Infrastrukturinvestitionen zieht eine Reihe offener Fragen nach sich Mit diesen Mitteln sollen zusätzliche Investitionen getätigt werden. Die Zusätzlichkeit soll laut Bundesfinanzmini- sterium über einen Mindestanteil von 10 % der Investitionsausgaben am Bundeshaushalt gewährleistet werden. Dieser pauschale Wert ist umstritten, da der Investitionsanteil am Bundeshaushalt mit ca. 12 % bereits jetzt höher liegt. Zudem ist unklar, inwieweit die Zusätzlichkeit auch für die Mittel der Länder und Kommunen oder den KTF gilt. Um die korrekte Mittelverwendung zu gewährleisten, sind immerhin wiederkehrende Erfolgskontrollen vorge- sehen. Vom Tempo der Planung und dem Abfluss der Mittel wird die tatsächliche Schuldenaufnahme des Bundes abhän- gig sein. Erfahrungen aus anderen Fördermaßnahmen wie dem DigitalPakt Schule lassen einen steigenden Mittel- abfluss im Laufe der Zeit erwarten. Demgegenüber werden die Mittel schnell verplant, benötigen dann aber Zeit Verteilung\* nach Königsteiner Schlüssel Pro-Kopf\* gleichen sich die Verteilungsmuster an Mrd. Euro Euro je Einwohner \*100 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur für 12 Jahre Quellen: Finanzministerkonferenz, Helaba Research &amp; Advisory \*Pro-Kopf-Wert nach der Bevölkerungsstand des Landes 2023 Quellen: Finanzministerkonferenz, Helaba Research &amp; Advisory 0 5 10 15 20 25 0 5 10 15 20 25 NW BY BW NI HE BE SN RP SH BB ST TH HH MV SL HB 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 BE HH HB ST MV TH SN HE BB SL BY NI NW RP BW SH Im Fokus: Öffentliche Finanzen © Helaba | Research &amp; Advisory | 18. Juni 2025 3 von 7 für die Umsetzung. Entscheidend wird also die Ausge- staltung der konkreten Verwendungszwecke sowie die Festlegung der Vorhabenträger und der Finanzie- rungsströme im föderalen Staat sein. Darüber hinaus werden Kapazitätsgrenzen der Bau- wirtschaft sowie der Verwaltungen Einfluss auf das Tempo der Umsetzung haben, ebenso wie Vorschrif- ten für den Bau, die Vergabe oder die Zweckkontrolle der öffentlichen Investitionsprojekte. Hierzu hat die Koalition weitere Reformmaßnahmen angekündigt. Derzeit ungeklärt sind auch Fragen der Folgekosten. Während die Zinszahlungen für die Schuldenauf- nahme des Sondervermögens aus dem Bundeshaus- halt bestritten werden, ist die Tilgung bzw. Auflösung des Sondervermögens nach seiner Laufzeit noch nicht geklärt. Die öffentlichen Haushalte werden zudem durch die Instandhaltung und Ersatzinvestitionen für die Infrastruktur (buchhalterisch durch die Abschreibungen ausge- drückt) gefordert sein, sodass weitere Anpassungsmaßnahmen in den föderalen Finanzbeziehungen notwendig werden könnten. Fiskalpaket lässt deutsche Staatsverschuldung steigen Für die Finanzierung des Fiskal- pakets wird vor allem der Bund neue Schulden aufnehmen. Dies dürfte im Wesentlichen über Bundesanleihen geschehen, worüber sich der Bund vorrangig finanziert. Da die investiven Zu- satzmittel in der Höhe klar um- rissen sind, ist die unbekannte Komponente für die zukünftige deutsche Staatsverschuldung vor allem die Höhe der Verteidi- gungsausgaben. Zudem ist die Bezugsgröße BIP veränderlich, sodass sich je nach Annahmen eine große Bandbreite an Schätzungen über die Entwicklung der Schuldenquote ergibt. Für ein einfaches Szenario der Staatsschuldenentwicklung lassen sich einige Annahmen treffen: Unterstellt man eine jährlich konstante Schuldenauf- nahme über den Zeitverlauf von zwölf Jahren, ein nominales BIP-Wachstum von 3 % pro Jahr sowie eine kontinuierliche Steigerung der Verteidigungs- ausgaben auf 3,5 % des BIP bis zum Jahr 2037, läge bei Aus- schöpfung der möglichen Mittelabfluss\* braucht Zeit Mrd. Euro \*DigitalPakt Schule (Basis und ZV Administration) Quellen: BMBF, Helaba Research &amp; Advisory 0 1 2 3 4 5 6 0 1 2 3 4 5 6 19 20 21 22 23 24 Mittelbindung Mittelabfluss Schuldenaufnahme\* vor allem durch Verteidigung getrieben Mrd. Euro \*unter entsprechenden Annahmen, siehe Beschreibung im Text Quelle: Helaba Research &amp; Advisory 0 50 100 150 200 250 0 50 100 150 200 250 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 Verteidigung Sondervermögen Infrastruktur Bund &amp; Länder Fiskalpaket könnte Schuldenquote\* auf 80 % erhöhen Mrd. Euro (linke Achse), % des BIP (rechte Achse) \*unter entsprechenden Annahmen, siehe Beschreibung im Text Quelle: Helaba Research &amp; Advisory 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 Staatsverschuldung (linke Achse) Staatsschuldenquote (rechte Achse) Im Fokus: Öffentliche Finanzen © Helaba | Research &amp; Advisory | 18. Juni 2025 4 von 7 Kreditspielräume die Neuverschuldung im ersten Jahr bei rund 90 Mrd. Euro und würde auf über 240 Mrd. Euro im Jahr 2037 steigen. Die Summe über zwölf Jahre hinweg würde fast 2,4 Bio. Euro betragen. Blendet man die Schuldenaufnahme von Kommunen und Sozialversicherungen sowie eine zwischenzeitliche Tilgung der schon vorhandenen Schulden aus, würde die deutsche Schuldenquote von derzeit 62 % im Jahr 2037 bei ungefähr 80 % des BIP liegen. Europäische Fiskalregeln und Marktreaktionen setzen nur schwache Grenzen Mit der erhöhten Staatsschuldenquote läge Deutschland immer noch unter dem gegenwärtigen europäischen Durchschnitt von 84 % des BIP für die EU und 90 % des BIP für die Eurozone. Trotzdem würde dies den für die europäischen Fiskalregeln entscheidenden Grenzwert von 60 % des BIP deutlich überschreiten. Nach dem 2024 verabschiedeten Stabilitäts- und Wachstumspakt müsste sich Deutschland mit der EU auf einen Konsolidierungs- pfad einigen. Wie dies im Einzelnen aussehen könnte und wie die neuen Regeln „gelebt“ werden, muss sich in An- betracht der aktuellen geopolitischen Lage aber erst noch zeigen. Bereits jetzt wurden Ausnahmen für Verteidi- gungsausgaben gemacht, sodass es unwahrscheinlich erscheint, dass die EU auf eine allzu harte Konsolidierung bestehen wird. Grenzen der Staatsverschuldung dürften daher eher durch die Finanzmärkte gesetzt werden. Nach Ankündigung des Fiskal- pakets sprangen beispielsweise die Zinsen für die 10-jährige Bundesanleihe um 30 Basis- punkte auf 2,9 % nach oben, reduzierten sich aber zeitnah wieder und notieren seitdem in einer Bandbreite von 2,4 % bis 2,7 %. Auch andere Marktindikatoren deuten nicht auf einen Vertrau- ensverlust in die deutsche Bonität hin. Eher überwiegen positive Stimmen, die eine Stärkung des Wirtschafts- standorts erwarten. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der nochmals deutlich stärkeren Erhöhung der US-amerikanischen Staatsverschuldung. Trotzdem dürfte die globale Ausweitung von Staatspapieren deren Zin- sen nach oben drücken und sich dann in Form höherer Zinsausgaben in den öffentlichen Haushalten bemerkbar machen. Unsere Langfristprognosen für die 10-jährigen Bundesanleihen gehen aber von einer moderaten Erhö- hung der Zinsen auf rund 3 % aus. Wirkung des Fiskalpakets hängt von den Investitionsschwerpunkten ab Die Frage der Schuldentragfähigkeit entscheidet sich auch an der Wirkung, die durch die schuldenfinanzierten Investitionen entfaltet wird. Verteilt man die Summe von 500 Mrd. Euro auf die zwölf Jahre, ergibt sich ein finanzi- eller Spielraum für Mehrinvestitionen von fast 42 Mrd. Euro, was rund 40 % der derzeitigen öffentlichen Investiti- onsausgaben entspricht. Die 100 Mrd. Euro, die direkt auf Länder und Kommunen verteilt werden, würden dort durchschnittlich 8,3 Mrd. Euro Mehrinvestitionen ermöglichen, was rund 11 % des derzeitigen Investitionsniveaus entspräche. Diese Größenordnungen verdeutlichen, dass die Beträge nicht ausreichen, um alle Bedarfe zu decken, jedoch groß genug sind, um einen merklichen Investitionsimpuls auszulösen. Für Deutschland wird von vielen Ökonomen ein positiver Effekt einer schuldenfinanzierten Investitionsauswei- tung gesehen. Jedoch hängt die Wirkung sehr stark von den tatsächlichen Investitionsschwerpunkten ab. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) hat in seinem Reaktion der Finanzmärkte nur vorübergehend Rendite\* 10-jährige Bundesanleihe, % \*Rendite der jeweils jüngsten Bundesanleihe mit Laufzeit 10 Jahre Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Research &amp; Advisory 1,5 1,7 1,9 2,1 2,3 2,5 2,7 2,9 3,1 3,3 3,5 1,5 1,7 1,9 2,1 2,3 2,5 2,7 2,9 3,1 3,3 3,5 Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Ankündigung Fiskalpaket Im Fokus: Öffentliche Finanzen © Helaba | Research &amp; Advisory | 18. Juni 2025 5 von 7 Frühjahrsgutachten 2025 ver- schiedene Modellrechnungen vorgestellt. Würden die Mittel des Sondervermögens kon- sumtiv zweckentfremdet, wäre der gesamtwirtschaftliche Ef- fekt deutlich schlechter, als wenn konsequent in zentralen Infrastrukturbereichen inve- stiert würde. Fiskalpaket verschafft der Wirtschaft dringend nötigen Konjunkturimpuls Der SVR kommt zum Schluss, dass die expansiven Impulse des Fiskalpakets ab 2026 zur konjunkturellen Erholung Deutschlands beitragen, wobei der isolierte Effekt des Pakets 0,5 Prozentpunkte auf das BIP betragen dürfte. Neben den erwarteten real- wirtschaftlichen Auswirkungen bemerkt der SVR zudem, dass bereits die Ankündigung des Fiskalpakets die Erwar- tungen in der Wirtschaft verbessert hat. Diese Signale sind wichtig, da sich viele Wirtschaftsakteure aufgrund der angeschlagenen konjunkturellen Lage und der hohen globalen Unsicherheit mit Investitionen zurückhalten. Die ersten konkreten Pläne für die staatlichen Mehrinvestitionen können daher Zuversicht schaffen und das allge- meine Geschäftsklima verbessern. Außerdem besteht die Chance sogenannter Multiplikatoreffekte durch öffentliche Investitionen. Dies bedeutet, dass durch einen vom Staat ausgegebenen Euro mehr als ein Euro an Wirtschaftswachstum entsteht. Bei staatli- chen Investitionen beruht dies vor allem auf Folgeeffekten in der Privatwirtschaft, die mit ihren Investitionen nachzieht. Die Schätzungen über die Höhe des Multiplikators gehen auseinander, die meisten Ökonomen sehen aber unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen in Deutschland einen klar positiven Effekt. Höhere Investitionen infolge des Fiskalpakets – wobei die oben genannte investive Verwendung der Mittel ent- scheidend ist – können dazu beitragen, das niedrige Produktionspotenzial der deutschen Volkswirtschaft von derzeit deutlich unter 1 % langfristig zu erhöhen sowie die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dies wäre bei einer primär konsumtiven Verwendung der Mittel nicht zu erwarten. Doch selbst zusätzliche staatliche Konsumausga- ben könnten zumindest einen positiven konjunkturellen Effekt nach sich ziehen, da sie den sich nur langsam erholenden privaten Konsum stützen würden. Unterschiedliche Wirkung der Finanzpakete auf die Branchen Die Branchen werden sehr unterschiedlich vom Fiskal- paket profitieren. Die geplanten Mehrausgaben für Ver- teidigung dürften selbstredend die Verteidigungsbran- che, aber auch den Maschinenbau, die Stahlindustrie so- wie die Elektrotechnik positiv betreffen. Mit Blick auf das Sondervermögen für die Infrastruktur können historische Gleichläufe zwischen den Investi- tionen und der Performance der Branchen eine grobe Einschätzung der zu erwartende Effekte liefern. Die ne- benstehende Grafik zeigt dies exemplarisch für den Ma- schinenbau: Stiegen in der Vergangenheit die Ausrü- stungsinvestitionen, so nahm meist auch die Produktion des Maschinenbaus zu. Sondervermögen: unterschiedliches Wirtschaftwachstum denkbar Zusätzliches BIP, Mrd. Euro\* \*kumuliert pro Jahr in realen Größen, nach drei Modellrechnungen Quellen: Sachverständigenrat Wirtschaft, Helaba Research &amp; Advisory 0 100 200 300 400 500 600 700 0 100 200 300 400 500 600 700 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 investitionsorientiert konsumorientiert konsumorientiert mit Investitionsquote Gleichlauf von Ausrüstungen und Maschinenbau Investitionen\*, reale Produktion im Maschinenbau, % gg. Vj. \*Ausrüstungsinvestitionen Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Öffentliche Finanzen © Helaba | Research &amp; Advisory | 18. Juni 2025 6 von 7 Die Stärke dieses Gleichlaufs lässt sich für die drei verschiedenen Investitionsarten – Ausrüstungs-, Bau- und son- stige Investitionen – für alle Branchen berechnen. Diese Gleichläufe nutzen wir, um für jede Branche einen Score zu berechnen, der die Basis einer Rangfolge der zu erwartenden Wachstumseffekte des Fiskalpakets bietet. Diese Rangfolge ergänzen eigene ökonomische Einschätzungen, wodurch sich die untenstehende Tabelle derjenigen Branchen ergibt, die am meisten profitieren dürften.1 Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) soll das Sondervermögen für Infrastruktur bis 2029 die gesamten In- vestitionen um 7 % erhöhen. Die Ausrüstungsinvestitionen sollen durch das Paket jedoch nur um 0,8 % wach- sen. Der größte Anteil dürfte in die Bauinvestitionen fließen, weshalb wir diese bei unseren Berechnungen ent- sprechend stärker gewichten. Rangfolge\* durch Sondervermögen für Infrastruktur profitierender Branchen Branche Klassifikation Erläuterung Baugewerbe F Profitiert direkt von Bauinvestitionen Metallindustrie WZ 24, WZ 25 Wichtige Vorleistungen für den Bau. Aufgrund der Größe relevanter als andere Branchen Vorleistungsmaterialien (u.a. Glas, Keramik, Zement, Gummi, Kunststoff, Holz) WZ 16, WZ 17, WZ 22, WZ 23 Herstellung von Materialien, die für den Bau gebraucht werden. Einzelne Wirtschaftszweige mit hohen Scores Großhandel WZ 41 Benötigte Materialien werden hier gehandelt Maschinenbau WZ 28 Folgeeffekte durch erhöhte Investitionstätigkeit dürf- ten zeitverzögert starke Wirkung entfachen. Schwache Kapazitätsauslastung kann durch Fiskalpaket verbes- sert und Branchenrentabilität erhöht werden Chemie WZ 20 Liefert z.B. Bauchemikalien, Grundchemikalien für Me- tallindustrie etc. Dürfte zusätzlich als konjunkturab- hängige Branche über Zweitrundeneffekte profitieren Bergbau WZ 08 Hier „Gewinnung von Steinen, Erden, sonstiger Berg- bau“. Liefert Zuschlagstoffe für Beton, Asphalt, etc. Finanzbranche, Versicherungen K Investitionen dürften durch Hebeleffekte die Kredit- nachfrage der Branchen erhöhen Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung E Mehr Bereitstellung grundsätzlicher Versorgung/Ent- sorgung, wenn Investitionen/Produktion zunehmen Landschaftsbau WZ 81 Geländemodellierung für Bauprojekte, Anlegen von Grün- oder ökologische Ausgleichsflächen \*Rangfolge basierend auf Korrelations-Scores, durch eigene Einschätzungen angepasst. Korrelations-Scores berechnet als gewichtete Summe der Korrela- tionen der jährlichen Veränderungsraten realer Branchenumsätze und Bruttoanlageinvestitionsarten. Gewichte basierend auf IW-Prognose des Investiti- onswachstums und eigenen Schätzungen. Quelle: Helaba Research &amp; Advisory Die Branchen, die am meisten profitieren dürften, sind das Baugewerbe, die Metallindustrie, die Vorleistungsindu- strien, der Großhandel und der Maschinenbau. Im Baugewerbe machen sich die höheren Bauinvestitionen direkt – im Tiefbau vermutlich stärker als im Hochbau – bemerkbar. Die Metallindustrie stellt Materialien her, welche in- folge der Investitionsvorhaben benötigt werden. Auch werden verschiedene Vorleistungsmaterialien wie Glas-, Gummi-, Kunststoff- oder Holzwaren vermehrt benötigt. Im Großhandel dürfte sich aufgrund der angeregten Wirt- schaftstätigkeit eine erhöhte Nachfrage bemerkbar machen. Der Maschinenbau profitiert zwar hauptsächlich von Ausrüstungsinvestitionen, die infolge des Sondervermögens für Infrastruktur nur moderat steigen dürften. Jedoch helfen dem Maschinenbau einerseits die Bauinvestitionen durch eine erhöhte Nachfrage nach Bau- und Baustoffmaschinen. Andererseits würde diese Branche stark durch Zweitrundeneffekte infolge einer verbesserten Industriekonjunktur profitieren. Die Mehrausgaben für Verteidi- 1 Die Rangfolge dient hauptsächlich einer groben Übersicht und Einordnung der am meisten profitierenden Branchen. Die Abstände zwischen den einzelnen Rängen sind nicht sinnvollerweise quantifizier- und damit interpretierbar. Im Fokus: Öffentliche Finanzen © Helaba | Research &amp; Advisory | 18. Juni 2025 7 von 7 gung hingegen werden den Maschinenbau deutlich stärker in der kurzen Frist beflügeln, weshalb das Fiskalpaket in seiner Gesamtheit diese Branche besonders stützen wird. Fazit: Fiskalpaket kann positiven Impuls bringen, wenn die Mittel sinnvoll investiert werden Mit dem Fiskalpaket hat sich die Politik in Sachen Staatsverschuldung auf einen Paradigmenwechsel eingelassen. Für höhere öffentliche Investitionen nimmt der Staat nun beachtliche Verbindlichkeiten in Kauf. Die Aussicht auf eine modernisierte öffentliche Infrastruktur stimmt in mehrerlei Hinsicht positiv. Von den Mehrausgaben wer- den weite Teile der Wirtschaft profitieren, einige Branchen stärker als andere. Unterm Strich steht ein positiver konjunktureller Impuls, der hoffentlich weitere private Investitionen anregen wird. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Investitionsvorhaben zeitnah konkretisiert werden. Erfahrungsgemäß nimmt schon die Planung eine lange Zeit in Anspruch, sodass bis zum Beginn oder gar dem Abschluss der meisten Investitionsprojekte wohl noch einige Jahre vergehen werden. Das Sondervermögen mit seiner langen Laufzeit gibt aber eine gewisse Planungssicherheit. Dies dürfte helfen, begrenzte Kapazitäten beispielsweise in der Bau- wirtschaft oder der öffentlichen Verwaltung sukzessive – und damit möglichst effizient – zu steigern. Nur über die- sen Weg wird verhindert, dass die Investitionsausgaben in übermäßig steigende Preise gehen oder mangels Reali- sierungsmöglichkeiten gar nicht erst abgerufen werden. Gelingt es, die zusätzlichen Investitionen in sinnvolle Projekte zu lenken und diese zeitnah sowie effektiv umzu- setzen, bieten sich für Deutschland hervorragende Chancen, sowohl die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbes- sern als auch bei den großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimaschutz oder Digitalisierung voran- zukommen. Um mit den langfristigen Folgekosten des Fiskalpaketes und der angestoßenen Investitionen nachhal- tig umgehen zu können, müssen diese Chancen genutzt werden. Dann hilft das Paket dem Land kurzfristig kon- junkturell und langfristig strukturell. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Fiskalpaket dürfte die deutsche Staatsverschuldung in den nächsten Jahren merklich steigen lassen. Hoffnung auf Belebung der derzeit schwachen Konjunktur durch öffentliche Investitionen und Zweitrundeneffekte. Einige Branchen werden vom wirtschaftlichen Impuls des Fiskalpakets besonders profitieren.
