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title: "Im Fokus Großbritannien: Nicht so sexy"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Länder und Devisen
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# Im Fokus Großbritannien: Nicht so sexy

Im Fokus: Länder &amp; Devisen 5. Dezember 2024 © Helaba | Research &amp; Advisory | 5. Dezember 2024 1 von 3 Research &amp; Advisory Großbritannien: Nicht so sexy Nach einer Belebung 2024 dürfte die britische Wirtschaft 2025 mit 1,2 % nur etwas stärker zule- gen. Die neue Labour-Regierung wird daran wenig ändern. Angesichts der gesunkenen Inflation kann die Bank of England immerhin ihre Geldpolitik weiter lockern. Von einem großen Aufbruch unter der neuen Regierung kann nicht die Rede sein. Zur Jahres- mitte zog die Labour-Partei unter dem neuen Premier Keir Starmer mit einer klaren Mehrheit in der Downing Street 10 ein. Ziemlich schnell machte sich jedoch Ernüchterung breit, denn der neuen Regierung fehlt das Geld für den „großen Wurf“. Sogar in den Konjunkturdaten zeigt sich eine gewisse Enttäuschung. Nach dem überraschend kräftigen Zuwachs der Wirtschaft im er- sten Halbjahr 2024 ging die Dynamik zurück. So ganz kann die Labour-Regierung aber nicht von höheren Ausgaben lassen und finanziert diese dann mit höheren Steuern und Schulden. Die Begeisterung hält sich in Grenzen: In den Wahlumfragen hat Labour den zuvor riesigen Vorsprung gegenüber den Konservativen fast komplett eingebüßt. Schatzkanzlerin Reeves legte in ihren Budget 2025 nicht so große Ausgabenprogramme vor wie etwa die USA un- ter Präsident Biden. Vielmehr soll der Staat allgemein mehr Mittel ausgeben als bislang geplant. Zusätzliche Gel- der fließen u.a. in das Gesundheitssystem, den öffentlichen Dienst und in die Infrastruktur. Teilweise wird dies mit höheren Steuern gegenfinanziert. So steigen die Kapitalertragsteuer, einige kleinere indirekte Steuern und vor allem der Sozialversicherungsbeitrag der Arbeitge- ber. Daher dürften vom Staat keine kräftigen Wachstumsimpulse ausgehen. Der Unterschied zu den Plänen der konservativen Vorgängerregierung besteht eher darin, dass Labour die Ausgaben nicht merklich verringert. Ob die Haushaltspläne des ehe- maligen Premiers Sunak jemals realistisch waren, ist eine andere Frage. Trotz des Brexit ähnelt die britische Konjunktur mehr der im eher schwächlichen Europa als dem ro- busten US-Wachstum. So ist das Bruttoinlandspro- dukt 2024 mit voraussichtlich knapp 1 % allenfalls marginal stärker als in der Eurozone gewachsen. Auch die Aussichten für 2025 sind nicht grundle- gend anders. Der private Konsum hat sich vom vorherigen Inflationsschock erholt. Höhere Realeinkommen stützen den Ver- brauch. Der Arbeitsmarkt ist trotz eines leichten Anstiegs der Arbeitslosenquote grundsätzlich in einer soliden Verfassung. Die Lohndynamik wird sich aber vermutlich weiter verlangsamen, so dass bei einer auf der Stelle tre- tenden Inflationsrate die Realeinkommen etwas geringer zulegen. Immerhin bietet die erhöhte Sparquote Nach- fragepotenzial, das wohl teilweise abgerufen wird. Der private Konsum dürfte 2025 mit etwas mehr als 1 % deutli- cher wachsen. Ein Konsumturbo dürfte jedoch nicht zünden. Christian Apelt, CFA Devisenstratege Tel. 069/91 32-47 26 Fiskalische Impulse halten sich in Grenzen Nettokreditaufnahme, % am BIP \*Projektionen des Office for Budget Responsibility Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Percent Percent Öffentl. Haushaltssaldo\* -16 -14 -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 -16 -14 -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 2010 2015 2020 2025 Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Großbritannien © Helaba | Research &amp; Advisory | 5. Dezember 2024 2 von 3 Die Investitionen legten 2024 zu. Die Unternehmensausgaben erlitten ohnehin nach der Pandemie nur kurze Rücksetzer und legten insgesamt zu. Die Gewinne entwickelten sich aber verhalten. Die Finanzierungsbedingun- gen werden sich vermutlich nur leicht verbessern und die allgemeine Nachfrage wohl keine großen Sprünge ma- chen. Die meisten Stimmungsindikatoren zeigten zuletzt eine leichte Eintrübung. Daher werden die Unternehmen ihre Ausgaben 2025 nur moderat steigern. Der durch den Zinsanstieg unter Druck geratene Bausektor stabili- sierte sich schon im zurückliegenden Jahr. Hier scheint die Krise schneller überwunden zu sein als in Deutschland, zumal die Häuserpreise mittlerweile wieder anziehen. Ob die Deregulierungsbemühungen der Labour-Regierung für den Hausbau Erfolge liefern, ist zumindest für die nahe Zukunft zweifelhaft. Der Wohnungsbau dürfte immer- hin wieder mehr wachsen, wenngleich ohne große Dynamik. Vom Außenhandel kommen nach dem negativen Wachstumsbeitrag 2024 im Folgejahr vermutlich posi- tive Impulse. Mehr Wachstum in der Eurozone sollte auch den britischen Exporteuren helfen. Gewisse Ver- einfachungen in der Abwicklung des Handels zwischen Großbritannien und EU aufgrund des pragmatischeren Kurses der Labour-Regierung würden gewiss nicht schaden. Weitreichende Veränderungen im Verhältnis sind dennoch nicht zu erwarten. Von potenziellen US- Strafzöllen wäre Großbritannien wohl kaum ausge- nommen, selbst wenn die USA gegenüber den Briten im Warenhandel einen Überschuss aufweisen. Den- noch sind die Beziehungen des künftigen US-Präsiden- ten zur Labour-Regierung nicht frei von Spannungen. Falls der Handelskonflikt mit Europa eskaliert, was aber alles andere als sicher ist, wäre die britische Wirtschaft ebenfalls betroffen, wenn auch nicht so stark wie an- dere Ländern. Ein von der alten Regierung angestrebtes Handelsabkommen mit den USA scheint Lichtjahre ent- fernt. Das britische Bruttoinlandsprodukt dürfte 2025 mit 1,2 % etwas stärker als 2024 zulegen. Damit fällt der Zu- wachs ähnlich wie in der Eurozone aus. Eine Outperformance der britischen Wirtschaft wie in den Nuller Jahren oder während der Euro-Schuldenkrise ist verschwunden und auch der Brexit hat sie nicht zurückgebracht. Seit dem EU-Austritt Anfang 2020 wuchs das britische BIP aber nur geringfügig schwächer als in der Eurozone und mehr als in Deutschland! Die Inflation in Großbritannien, die noch Anfang 2023 zweistellig war, sank dann zügig. Im Jahresdurch- schnitt 2024 dürfte 2,5 % erreicht werden, auch wenn die Rate zeitweise schon unter 2 % lag. Vor allem zweistellig rückläufige Energiepreise drückten die Ge- samtteuerung. Dies wird sich jedoch nicht wiederho- len, da sowohl die Preise für Öl und Gas als auch der Versorger 2025 leicht anziehen sollten. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel liegt hingegen trotz eines klaren Rückgangs noch über 3 %. Insbesondere Dienstleistungen verteuerten sich jüngst um 5 % zum Vorjahr. Ein nachlassendes Lohnwachstum und ge- wisse Basiseffekte sollten die Dienstleistungsinfla- tion und die Kernrate insgesamt dämpfen, wenn- gleich staatliche Maßnahmen dem ein wenig entge- genwirken. Vor dem Hintergrund der gegenläufigen Effekte dürfte sich die Teuerung 2025 insgesamt mit 2,5 % kaum verändern. Wachstumsschub aus erstem Halbjahr abgeflaut % gg. Vj. % gg. Vormonat Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory BIP, rollierende 3-M.-V. gg. 3 M. (rechte Skala) BIP gg. Vj. (linke Skala) -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 -8 -4 0 4 8 12 16 20 24 28 2021 2022 2023 2024 Energie verhindert weiteren Inflationsrückgang % gg. Vj. % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory % ohne Energie und Nahrungsmittel (rechte Skala) Energiepreise (linke Skala) -2 0 2 4 6 8 10 12 14 -20 -10 0 10 20 30 40 50 60 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Großbritannien © Helaba | Research &amp; Advisory | 5. Dezember 2024 3 von 3 Die rückläufige Kerninflation gibt der Bank of England Spielraum für Zinssenkungen. Eine expansive Geldpolitik scheint in diesem Makroumfeld aber nicht nötig. So kann die Notenbank den noch hohen Leitzins von 4,75 % wei- ter normalisieren. Vermutlich wird sie den Satz bis auf 3,75 % verringern und sich damit im Rahmen von Fed und EZB bewegen. Das Britische Pfund zählte 2024 zu den stärksten Währungen, auch wegen der zunächst positiv überraschenden Konjunktur. Ein Wachstumsvorteil gegenüber der Eurozone wird 2025 allerdings nicht zu erkennen sein. Die briti- sche Notenbank wird zwar ihren Leitzins etwas weniger senken als die EZB. Die Zinssenkungserwartungen sind hinsichtlich der Bank of England etwas zu vorsichtig und mit Blick auf die EZB wohl zu aggressiv. Daher wird sich der britische Renditevorteil gegenüber dem Euro im Jahresverlauf vermutlich verringern. Der Euro- Pfund-Kurs dürfte bis Ende 2025 auf 0,85 steigen. Gegenüber dem US-Dollar wird die britische Wäh- rung bei knapp 1,30 notieren. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Pro- gnosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/ Bank of England senkt weiter Pfund dürfte Gewinne 2025 einbüßen % USD GBP \* GBP-Tageszins in 12 Monaten Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Bank Rate Leitzins in 12 Monaten\* (Terminmarkt) 0 1 2 3 4 5 6 7 0 1 2 3 4 5 6 7 Jan Apr Jul Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr Jul Okt 2022 2023 2024 GBP-USD (linke Skala) EUR-GBP (rechte Skala) 0,80 0,82 0,84 0,86 0,88 0,90 0,92 0,94 0,96 1,05 1,10 1,15 1,20 1,25 1,30 1,35 1,40 1,45 2020 2021 2022 2023 2024 2023 2024s 2025p 2026p BIP, real % gg. Vj. 0,3 0,9 1,2 1,5 Inflationsrate % gg. Vj. 7,3 2,5 2,5 2,5 Arbeitslosenquote % 4,0 4,3 4,2 4,0 Budgetsaldo % des BIP -5,0 -4,5 -4,0 -3,5 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory

Britische Wirtschaft dürfte 2025 mit 1,2 % nur etwas stärker zulegen als 2024. Labour-Regierung liefert mit höheren Ausgaben, aber steigenden Steuern keine entscheidenden Wachstumsimpulse. Inflation pendelt sich etwas oberhalb von 2 % ein, da Entlastung von Energiepreisen nachlässt. Bank of England besitzt dennoch Spielraum, ihre Geldpolitik weiter zu lockern.
