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title: "Im Fokus Russland: Trübe Aussichten auch nach Kriegsende"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder und Devisen
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# Im Fokus Russland: Trübe Aussichten auch nach Kriegsende

Im Fokus: Länder 9. Dezember 2024 © Helaba | Research &amp; Advisory | 9. Dezember 2024 1 von 3 Research &amp; Advisory Russland: Trübe Aussichten auch nach Kriegsende Durch den Wahlausgang in den USA hat sich das internationale Umfeld für Russland grundle- gend verändert und es besteht eine Chance, dass der Krieg 2025 beendet wird. Anhaltende Sank- tionen und ökonomische Verwerfungen, die die Fokussierung auf Kriegswirtschaft in den letzten drei Jahren bewirkt haben, sorgen für einen deutlich schwächeren Wirtschaftsausblick. Mit dem Ende des dritten Kriegsjahres und beispielloser westlicher Sanktionen hinterlässt der Krieg, den Russland in der Ukraine führt, immer deutlicher seine Spuren in der russi- schen Wirtschaft: kräftige Steuererhöhungen zur Haushaltsfinanzierung, Fokussierung des Staatsapparats auf Kriegswirtschaft, Arbeitskräftemangel wegen Mobilisierung und Abwan- derung, was die ohnehin schlechte demografische Lage verschärft sowie hohe Inflation. Da- bei wird eine präzise Analyse der russischen Wirtschaft durch die unzureichende Datenlage erschwert. Details zum Staatshaushalt sind nicht mehr verfügbar, ebenso wenig zum Außen- handel und zur Leistungsbilanz. Ratingagenturen haben die Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes bereits kurz nach Kriegsbeginn eingestellt und der Internationale Währungs- fonds führt keine regelmäßigen Konsultationen mit Moskau mehr durch. Das jüngste Beispiel für die ökonomischen Verwerfungen lieferte die Landeswährung, die bis Ende November auf über 113 Rubel pro US-Dollar abwer- tete. Beschleunigt wurde diese Entwicklung durch neue US- Sanktionen, die am 21. Novem- ber verhängt wurden. Dadurch wurde auch die Gazprom-Bank sanktioniert, eine der letzten russischen Banken, die noch De- visentransaktionen tätigen konnte. Daneben wurden Sank- tionen gegen 50 weitere kleine und mittlere russische Banken verhängt. In der gleichen Mitteilung drohte das US-Finanzministerium allen ausländischen Finanzinstituten mit Sanktionen, welche das russische System für Zahlungsabwicklungen „SPFS“ nutzen. Die Käufer von russischem Öl und Gas müssen jetzt neue Wege finden, ihre Zahlungen zu leisten. Zwar hat der Rubel bis Anfang Dezember einen Teil seines Wertverlustes wieder aufgeholt, es ist jedoch weiter mit erheblicher Wechselkursvolatilität zu rechnen. Die russische Wirtschaft wächst weiterhin, jedoch zeigt der Trend deutlich nach unten. Lag das Wachstum im ersten Quartal 2024 noch bei 5,4 %, so hatte es sich im dritten Quartal bereits auf 3,1 % abgeschwächt. Die Real- löhne wachsen stark, nicht zuletzt wegen des Arbeitskräftemangels – im September gemäß Statistikbehörde Ros- stat um 8,4% gegenüber dem Vorjahr. Damit ist das Wachstum der inländischen Nachfrage mittlerweile größer als die Fähigkeiten der Unternehmen, das Angebot an Gütern und Dienstleistungen auszuweiten. Nicht nur die Sank- Patrick Heinisch Analyst Schwellenländer T 069/91 32-74 27 Kriegsbedingt erhöhte Wechselkursvolatilität Rubel/US-Dollar Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Russland © Helaba | Research &amp; Advisory | 9. Dezember 2024 2 von 3 tionen sind daran schuld. Wehrdienst und Abwande- rung sorgen neben der sich ohnehin verschlechtern- den demografischen Lage dafür, dass es immer schwieriger ist, trotz Lohnsteigerungen geeignete Mit- arbeiter zu finden. In der Konsequenz erreicht die Ar- beitslosenzahl immer neue Rekordtiefs und es herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Auch die hohe Inflation zeigt, dass der Wirtschaftsab- schwung in erster Linie angebots- und weniger nach- fragebedingt ist. Außerdem gibt es industriespezifi- sche Sonderfaktoren, wie die freiwillige Kürzung der Ölfördermenge der OPEC+ und eine unterdurchschnitt- liche landwirtschaftliche Produktion aufgrund ungün- stiger Wetterverhältnisse. Der Staat hat auf Kriegswirtschaft umgestellt. Am 1. Dezember genehmigte Präsident Putin den Staatshaushalt für 2025 im Umfang von 41 Bio. Rubel (ca. 400 Mrd. US-Dollar). Mit 13,5 Bio. Rubel (7 % des BIP) liegt der Verteidi- gungshaushalt 3 Bio. Rubel über dem bisherigen Rekordniveau des Jahres 2024. Damit fließt fast ein Drittel des Gesamthaushalts in das Militär. Immerhin sollen die Militärausgaben auf Dreijahressicht leicht sinken. Bei Einnah- men von veranschlagten 40,3 Bio. Rubel sieht der Haushalt ein Defizit von 0,5 % des BIP vor. Angesichts der sich verschlechternden Wirtschaftsentwicklung und damit einhergehend niedrigeren Einnahmen rechnen wir mit ei- nem höheren Defizit von ca. 1,5 % des BIP. Bereits vor dem Krieg nutzte Russland zur Defizitfinanzierung hauptsächlich inländische Quellen. Der Zugriff auf einen großen Teil der 632 Mrd. US-Dollar an Währungsreserven ist blockiert und der Rest lässt sich aufgrund der weitreichenden Finanzsanktionen und Sanktionsandrohungen immer schwieriger transferieren. Zugang zum inter- nationalen Finanzmarkt hat das Land ohnehin keinen mehr. Um die enorme Ausweitung der Militärausgaben zu stemmen, muss die Regierung jetzt zusätzliche Einnahmen mobilisieren. Im Juli 2024 verabschiedete die Staats- duma weitreichende Steuererhöhungen. Davon erhofft sich das Finanzministerium 2,6 Bio. Rubel an zusätzlichen Einnahmen 2025. Die Inflation ist trotz der restriktiven Geldpolitik hartnäckig. Im Oktober war die Inflation mit 8,5 % minimal niedriger als im September (8,6 %), insge- samt zeigt sie aber noch keine Anzeichen von Verlang- samung. So liegt die Kerninflationsrate oberhalb von 9 % und die Inflationserwartungen der privaten Haus- halte erreichten zuletzt einen Jahreshöchststand, mit 13,4 % für die nächsten zwölf Monate. Die Preissteige- rungserwartungen der Unternehmen erhöhten sich sogar auf 26 %. Damit gerät das Inflationsziel von 4 % stark in Gefahr. Am 25. Oktober hob die Zentralbank den Leitzins um 200 Basispunkte auf 21 % an, höher als zu Kriegsbe- ginn. Erst mit der weiteren Abschwächung der Wirt- schaft im Jahresverlauf 2025 wird auch die Inflation deutlicher zurückgehen (Jahresdurchschnitt 2025: 4,5 %). Damit einhergehend ist auch wieder mit Leitzinssen- kungen zu rechnen. Das internationale Umfeld hat sich mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten grundlegend verändert. Es besteht nun eine realistische Chance, dass es 2025 zu ernsthaften Verhandlungen über eine Beendigung des Krieges kommt. Aufgrund der militärischen Lage kann Putin damit rechnen, eroberte Gebiete langfristig bei Russ- land behalten zu dürfen, was zuletzt auch immer mehr westliche Offizielle einräumen mussten. Damit können die Arbeitskräftemangel belastet Wirtschaft Arbeitslosenzahl, Mio. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Leitzins auf Rekordniveau % bzw. % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Russland © Helaba | Research &amp; Advisory | 9. Dezember 2024 3 von 3 Militärausgaben gesenkt und eine teilweise Demobilisierung umgesetzt werden. Allerdings wird dies aller Voraus- sicht nach nicht zu Sanktionserleichterungen führen. Somit bleibt der Druck von Seiten des Westens auf die russi- sche Wirtschaft bestehen. Die Fokussierung der letzten drei Jahre auf Kriegswirtschaft hat zwar einen kurzfristi- gen Boom beschert, jedoch wurden die produktiven Kapazitäten nicht erhöht. Verschossene Granaten oder produ- zierte Panzer, die anschließend im Krieg zerstört wer- den, stiften Konsumenten keinen Nutzen und sind keine ökonomisch sinnvolle Investition. Daher rech- nen wir mit einer Abschwächung des Wirtschafts- wachstums 2025 auf 2 % und unter 2 % in den Folgejahren. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/ 2023 2024s 2025p 2026p BIP, real %gg. Vj. 3,0 3,0 2,0 1,8 Inflationsrate %gg. Vj. 5,9 7,0 4,5 3,2 Arbeitslosenquote % 3,2 2,8 2,2 2,0 Budgetsaldo %des BIP -1,9 -1,7 -1,5 -1,4 Quellen: EIU, Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory

Deutliche Wachstumsabschwächung wegen Fokussierung auf unproduktive Kriegswirtschaft. Hartnäckige Inflation trotz restriktiver Geldpolitik. Verändertes geopolitisches Umfeld bietet Chance auf Kriegsende 2025. Sanktionen dürften auch nach dem Krieg bestehen bleiben.
