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title: "Im Fokus Geopolitik: Ausblick 2025"
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updated: 2026-09-28
keywords: Geopolitik
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# Im Fokus Geopolitik: Ausblick 2025

Im Fokus: Geopolitik 20. Januar 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 20. Januar 2025 1 von 8 Research &amp; Advisory Ausblick 2025: Geopolitik ist Trump(f) Im Globalen Norden wird die erneute Wahl Trumps vielfach als Aufbruch in eine Ära der Unsicherheit wahrge- nommen. Seine Kampagne „MAGA – Make America Great Again“ lässt keinen Zweifel daran, dass aus seiner Sicht der Zenit der Macht der USA seit ihrem Höhepunkt nach dem Ende des Kalten Krieges überschritten ist. Diese „glorreichen Zeiten“ will Trump wiederaufleben lassen. Er scheint überzeugt, dass die USA zusammen mit verlässlichen Partnern durch eine härtere Gangart ihre globale Führungsrolle zurückgewinnen können. Trumps Auftreten, seine Drohungen und die Verbreitung von Unsicherheit führen viele auf seine unberechenbare Persönlichkeit zurück. Diese könnte aber auch ein Mittel sein, um eine offensichtlich angeschlagene „Supermacht“ im globalen Ring besser aussehen zu lassen. Indizien für diese These finden sich in den Äußerungen des designierten Außenmi- nisters Marco Rubio. Er und Trump werfen der Biden-Administration eine verfehlte Außenpo- litik vor. Die Demokraten hätten darauf gesetzt, ihre ausländischen Gegner zu beschwichti- gen, anstatt ihnen entschlossen entgegenzutreten, und damit die USA geschwächt. Dass Trump über andere Handlungsoptionen verfügt, hat er in seinen Reden immer wieder deut- lich gemacht, etwa mit seinem Versprechen, den Krieg in der Ukraine nach seinem Amtsan- tritt schnell zu beenden. Allerdings hat er offengelassen, mit welcher Verhandlungsstrategie er den Frieden erreichen will. Darüber gibt es bisher nur Spekulationen. Trump erinnert an Richard Nixon, der die Madman Theory prägte Dies erinnert an Richard Nixon, der die „Madman Theory“ prägte. Diese wurde von Nixon bewusst gewählt, um den unter seinem Vorgänger Lyndon B. Johnson erfolglosen Bemühungen, den Vietnamkrieg nicht als Verlierer zu beenden, eine Wendung zu geben. Nixon resümierte, dass dessen Strategie berechenbar und dadurch erfolglos gewesen sei. Er war davon überzeugt, dass ein scheinbar unberechenbarer und zu irrationalen Handlungen nei- gender US-Präsident eine bessere Ausgangsposition gegenüber seinen Gegnern haben würde. Sollte sich Trump tatsächlich an dieser Strategie orientieren, so zeigt sich darin zweierlei: Zum einen könnte seine Weige- rung, öffentlich über Strategien im Vorfeld von Konsultationen zu sprechen, Teil seines Bestrebens sein, sich takti- sche Vorteile gegenüber seinen Verhandlungspartnern zu verschaffen. Zum anderen könnte dies ein Beleg dafür sein, dass die USA derzeit nicht über genügend politische, wirtschaftliche und militärische Durchsetzungskraft verfügen. Ein Indiz dafür, dass sich Trump nicht an internationale Konventionen halten und eine härtere Gangart ein- schlagen wird, um US-amerikanische Interessen zu schützen, könnte auch der kurze, aber symbolträchtige Auf- tritt von Dana White während seiner Siegesrede gewesen sein. Trump ist ein Förderer von White, dem Präsidenten der Ultimate Fighting Championship (UFC), der kürzlich auch in den Vorstand von Meta berufen wurde. Die UFC ist Veranstalter von Mixed Martial Arts, einer Kampfsportart, die immer wieder wegen ihrer Brutalität in die Kritik ge- rät. Wiedererlangung amerikanischer Durchsetzungsfähigkeit dürfte für Trump zentral sein Die Durchsetzungsfähigkeit auf internationalem Parkett rasch wieder herzustellen, dürfte für Trump von zentraler Bedeutung sein. Mit der Beendigung des Krieges in der Ukraine unter dem Druck der USA könnte Trump ein eindrucksvolles Zeichen setzen, dass die USA ihre Rolle als globale Ordnungsmacht in einem instabilen globalen Umfeld wieder verstärkt wahrnehmen werden. In unserem geopolitischen Jahresausblick 2024 waren wir davon Ralf Schuster Geopolitischer Experte T 069/91 32-28 88 Im Fokus: Geopolitischer Ausblick 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 20. Januar 2025 2 von 8 ausgegangen, dass die Zahl der Krisen und Konflikte weiter zugenommen hat. Tatsächlich hat sie, wie später ver- öffentlicht wurde, 2023 einen traurigen Rekord erreicht, den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg. Diese Situation fordert die USA und ihre Verbündeten zunehmend militärisch. Seit dem Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 eskalierte die Lage weiter. Längst hat sich der Konflikt zwischen der Hamas und Israel zu ei- nem Regionalkonflikt ausgeweitet. Hier konnte die Biden-Administration in Zusammenarbeit mit Ägypten und Ka- tar erst in den letzten Tagen ihrer Regierungszeit eine Waffenruhe erreichen. Es bleibt umstritten, ob Trumps Wiederwahl die Hamas und Is- rael zur Annahme einer Verein- barung motiviert haben, die bereits im Mai 2024 entstanden ist und bislang keine Zustim- mung bei den Konfliktparteien fand. Auch wenn Biden und Trump diesen außenpolitischen Teilerfolg beide für sich rekla- mieren, kann es nicht darüber hinwegtäuschen, dass der US- Präsidentschaftswahlkampf mit seinem Fokus auf innenpoliti- sche Themen und den Gesund- heitszustand von Joe Biden das internationale Ansehen der USA zur Unzeit schwächte. Zeitenwende offenbart Abnutzung alter Strategien Die viel beschworene globale „Zeitenwende“ hat auch die Abnutzung alter Strategien offenbart. Der Krieg in der Ukraine ist ein Beleg dafür, dass der Glaube an die Wirksamkeit von Sanktionen revidiert werden muss. Dies liegt vor allem daran, dass es der Biden-Administration nicht gelungen ist, eine geschlossene Phalanx gegen Russland zu bilden. 87 % der Weltbevölkerung (z.B. Brasilien und Indien) beteiligen sich nicht am Sanktions- regime – ein Spiegelbild der schwindenden Durchsetzungsfä- higkeit der USA, aber auch ein Indiz dafür, dass der Globalen Süden seine unbedingte Gefolg- schaft aufgegeben hat. Gerade die westliche Berichter- stattung über den Krieg in der Ukraine und den Nahostkonflikt sehen weite Teile der Bevölke- rung des Globalen Südens als einen zusätzlichen Beleg für die Doppelmoral des Globalen Nor- dens – ein nicht zu unterschät- zender Faktor in der medialen Auseinandersetzung, die immer mehr in den sozialen Netzwerken stattfindet und den Befürwortern einer Reform der internationalen Ordnung Legitimität verschafft. Dies erhöht den Druck auf den Globalen Norden, der sich einem immer selbstbewusster auftretenden Globalen Süden gegenübersieht, der nicht grundlos vor allem in Asien die aussichtsreichsten Wachstumsperspektiven für die Weltwirtschaft sieht. Asien marschiert weiter voran Bruttoinlandsprodukt, real, Mrd. US-Dollar \*\*IWF-Abgrenzung "emerging and developing Asia" Quellen: IMF WEO October 2024, Helaba Research &amp; Advisory 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000 2000 2005 2010 2015 2020 Asien\* EU USA Die Welt in Unordnung – trauriger Nachkriegsrekord Jährliche Zahl bewaffneter Konflikte weltweit Quellen: Uppsala Conflict Data Program and Peace Research Institute Oslo, Helaba Research &amp; Advisory 0 10 20 30 40 50 60 70 0 10 20 30 40 50 60 70 1946 1953 1960 1967 1974 1981 1988 1995 2002 2009 2016 2023 Im Fokus: Geopolitischer Ausblick 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 20. Januar 2025 3 von 8 Trump benötigt schnell einen Anfangserfolg Diesen Druck empfindet auch Trump. Sollte es ihm gelingen, den Krieg in der Ukraine rasch zu beenden, wäre dies ein erster Schritt, um sich international als starker US-Präsident zu etablieren. Mit der Beendigung des Krieges könnte Trump den Stimmen im Globalen Süden entgegentreten, die den Ukraine-Krieg und seine Folgen auch als Zeichen der geopolitischen Inkompetenz der G7-Staaten unter Führung der USA sehen, die nicht in der Lage wa- ren, die Eskalation zu verhindern. Trump würde seinen Ruf als „Dealmaker“ bestätigen und ein starkes Zeichen setzen, von dem er hoffen dürfte, auch in anderen Verhandlungen profitieren zu können. Ferner würde ein Waffenstillstand in der Ukraine die USA militärisch und finanziell entlasten. Wie bereits im letz- ten Jahresausblick unterstellt, dürfte ein Grund für die zunehmend instabile Weltlage in der Überforderung der militärischen Kapazitäten des Globalen Nordens liegen. Das heißt, es fehlt an der notwendigen militärischen Überlegenheit, um ein belastbares Abschreckungspotenzial gegenüber potenziellen Aggressoren aufzubauen. Diese Lücke zu schließen, verschlingt erhebliche Haushaltsmittel und die Produktion von Rüstungsgütern und Mu- nition auszuweiten hat lange Vorlaufzeiten. Umdenken im Bereich Rüstung und Abschreckung erforderlich Der Krieg in der Ukraine und der israelisch-palästinensische Konflikt zeigen zudem, dass sich die Kriegsführung verändert hat. Günstige Drohnen in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz (KI) sind heute in der Lage, teure konventionelle Rüstungsgüter zu zerstören. Dies versetzt Kriegsparteien mit geringen Militärbudgets in die Lage, konventionell überlegen ausgerüsteten Gegnern empfindliche Schläge zu versetzen. Ein Beispiel sind die rund 250.000 Mann starken Huthi-Milizen, die mit ihren Drohnenangriffen im Roten Meer die kommerzielle Schiff- fahrt durch den Suezkanal massiv stören. Der Einsatz von Marine und Luftwaffe konnte diese Bedrohung bisher nicht unterbinden. Ein Umdenken bei Rüstung und Abschreckung ist daher sowohl unter strategischen als auch unter Effizienz- und Kostenge- sichtspunkten erforderlich. Dies gilt umso mehr, da bei vielen Ländern des Globalen Nordens die Haushaltslage angespannt ist und die Verschuldungssitua- tion Grenzen setzt. Künstliche Intelligenz kann hier- bei in den Konflikten der Zukunft eine entscheidende Rolle spie- len. So dürften KI-gesteuerte unbemannte Kampfflugzeuge konventionell bewaffnete Geg- ner vor große Probleme stellen. Bei der Entwicklung dieser mo- dernen Rüstungsgüter kommt es jedoch nicht nur darauf an, die dafür notwendige Halbleiterproduktion technolo- gisch zu beherrschen, sondern sie auch autark herstellen zu können. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Steuerung autonomer Kampfsysteme über ein sicheres und verschlüsseltes Kommunikationssystem. Hier hat Elon Musk mit Starlink ein privates Satellitennetzwerk geschaffen, das derzeit über fast 7.000 Satelliten verfügt und weiter ausgebaut wird. Musk setzte von Anfang an auf eine hohe Zahl kleinerer Satelliten, um die Ausfallsi- cherheit zu erhöhen. Der Zugang zu diesem System dürfte ihn zu einem zentralen Partner für Trump machen. Dementsprechend wurde Elon Musk in Trumps Siegesrede erwähnt als eines der wenigen Genies in den USA, die man nicht gehen lassen dürfe1. 1 Dies dürfte eine Anspielung auf die laufenden Ermittlungen gegen Musk sein, bei denen es um die Frage geht, ob seine Angaben gegenüber der Einwan- derungsbehörde wahrheitsgemäß waren. Nach dem offiziellen Amtsantritt Trumps dürften diese Ermittlungen im Sande verlaufen. Suezkanal: Huthi-Bedrohung übertrifft Auswirkungen der Finanzkrise Dienstleistungsexporte Suezkanal pro Quartal, Mrd. US-Dollar Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Geopolitischer Ausblick 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 20. Januar 2025 4 von 8 Europa zeigt sich verwundbar Die skizzierten politischen Umwälzungen in den USA und in der Technologie treffen auf ein verwundbares Eu- ropa, in dem das Superwahljahr 2024 seine Spuren hinterlassen hat. Wie erwartet haben vor allem innenpolitische Themen die europäischen Wahlen bestimmt. Die Menschen spüren die Auswirkungen von Krisen und Konflikten neben der zunehmend kritisch gesehenen Migration auch am eigenen Geldbeutel. Sicherheit, Zuwanderung und die wirtschaftliche Lage dominierten die Wahlkämpfe. Die Wahlen in einigen europäischen Ländern haben keine stabilen politischen Verhältnisse hervorgebracht. Jüngstes Beispiel ist Österreich, wo die Regierungsbildung unter Ausschluss des Wahlgewinners FPÖ gescheitert ist. Der Bundespräsident hat daher Anfang Januar die FPÖ mit der Regierungsbildung beauftragt. Frankreich und die Slowakei kommen ebenfalls nicht zur Ruhe. Deutschland steht am 23. Februar vor Neuwahlen und auch in Ka- nada sind nach dem Rücktritt von Premierminister Trudeau vorgezogene Neuwahlen denkbar. Der globale Norden zeigt sich politisch wenig stabil. Mit dem Trump-Vertrauten Elon Musk tritt ein neuer Akteur in die politische Aus- einandersetzung, der versucht, die Wahlen zugunsten von Parteien am Rande des rechten Spektrums zu beein- flussen. Orientiert man sich an seinen Äußerungen und Handlungen, so entsteht der Eindruck, dass Musk auf ei- nen politischen Umbruch in Europa setzt – jenseits der etablierten Parteien, die bisher in der Regierungsverant- wortung stehen. Bei Wahlausgängen im Globalen Süden lag der Fokus der westlichen Berichterstattung darauf, welchem Lager die jeweils gewählte Regierung zuneigt. Aktuelles Beispiel ist Georgien, wo ein russlandfreundlicher Präsident an die Macht kam. Die Legitimität der Wahl ist umstritten, es gibt gegenseitige Vorwürfe der Wahlbeeinflussung. Geor- gien ist von geostrategischer Bedeutung, da das Land die südliche Verlängerung der russisch-europäischen Ost- flanke darstellt und den Zugang Russlands zum Kaukasus und zum Nahen Osten einschränken könnte. Im Zuge dieser globalen Umwälzungen könnte Trump wie damals Nixon darauf setzen, dass schnelle Erfolge in der Außenpolitik seine Zustimmungswerte in der US-amerikanischen Bevölkerung verbessern werden. Zumin- dest bis zu den Midterm Elections in zwei Jahren kann er dabei aus einer Position der relativen Stärke handeln. Im Senat und im Repräsentantenhaus verfügt er über – wenn auch knappe – Mehrheiten. Wie die Wiederwahl von Mike Johnson gezeigt hat, muss er sich aber auch hier auf seine „Deal-Fähigkeit“ verlassen, um Abweichler in der eigenen Partei bei zukünftigen Entscheidungen zu überzeugen. Schnelle außenpolitische Erfolge mit innen- politischer Strahlkraft wären daher eine gute Ausgangsposition für eine verlässliche Gefolgschaft seiner Partei- kollegen in beiden Häusern, fernab ihrer wirtschaftlichen Interessen in den jeweiligen Bundesstaaten. Die Strategie, wie Trump diese außenpolitischen Erfolge erzielen möchte, legt er nicht offen. Aber genau darin liegt sein Überraschungsmoment. Auch Nixon setzte in seiner Amtszeit darauf, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg. Daher wird es wichtig sein, Trumps große Ziele und limitierende Herausforderungen zu analysieren, um seine nächsten Schritte erahnen zu können. Mit Zolldrohungen gegen Freund und Feind hat man derzeit den Ein- druck, dass er die USA in eine Auseinandersetzung gegen alle führt. Dies passt in das Bild eines irrational und er- ratisch reagierenden „Madman“. Einige seiner Äußerungen deuten jedoch darauf hin, dass er durchaus eine klare Linie verfolgt, die auf China abzielt. Der designierte Außenminister Marco Rubio bezeichnet das „kommunistische China als den größten und mächtigsten Gegner, den die USA seit Menschengedenken hatten“. Das Scheitern früherer Feinde wie Nazi-Deutschland und Sowjetrussland führt Rubio auf deren jeweils kleinere Volkswirtschaften zurück. In beiden Fällen hätten die USA gesiegt, weil sie beiden Regimen letztlich wirtschaftlich und militärisch überlegen gewesen seien. Im Fokus: Geopolitischer Ausblick 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 20. Januar 2025 5 von 8 China als größte Herausforderung für die globale Führungsrolle der USA Republikaner und Demokraten sind sich daher einig, dass China die größte Herausforderung für die globale Führungsrolle der USA darstellt. Unterschiedliche Auffassungen gibt es jedoch über die notwendigen Maßnah- men. Rubio wirft den Demokraten vor, die Bedrohung herunterzuspielen. China wird in den westlichen Medien im- mer wieder als eine Wirtschaft am Abgrund charakterisiert. Als Gründe werden unter anderem Demografie, der kriselnde Immobiliensektor und die nachlassende wirtschaftliche Dynamik genannt. Noch im Juni 2024 schien Bi- den darauf zu setzen, dass sich das China-Problem von selbst lösen würde. Er vertraute auf die traditionelle Au- ßen- und Handelspolitik, um China einzudämmen. Die China-Falken unter den Republikanern halten diesen Ansatz für naiv. Sie glauben, dass die Größe der industriellen Basis und die Beherrschung von Schlüsseltechnologien über die geopolitische Vorherrschaft im 21. Jahrhundert entscheiden. Die von den USA angestrebte Abkopplung von China hat bis- her nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Im Gegenteil: Durch die Substitution chinesi- scher Importe hat der Einfluss Chinas auf andere Länder zuge- nommen. Sogenannte Trans- missionsländer (z.B. Vietnam und Mexiko) profitieren von chinesischen Investitionen und Industrieansiedlungen, die Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum schaffen. Im Gegensatz zur Strategie der Sowjetunion, die während des Kalten Krieges den kommunistischen Einflussbereich ausdehnen wollte, setzt China auf die Ausweitung seines wirtschaftlichen Ein- flusses. Aus chinesischer Sicht ist dies eine Investition in die Zukunft, die ein Land mit 1,4 Milliarden Menschen braucht, um Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität im eigenen Land zu garantieren. Dabei zählt es auch auf große Staatsunternehmen, die dafür sorgen, dass die Gewinne an den Staat und nicht an private Investoren flie- ßen. Für die USA stellt dies eine größere Herausforderung dar als die ideologische und rüstungstechnische Kon- frontation während des Kalten Krieges. Chinas Ansatz ähnelt der Rolle der USA für die Weltwirtschaft in den Jah- ren nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch seine geografische Lage abseits der Hauptkampfgebiete des Weltkrieges in Asien und Europa blieben die US-Produktionsanlagen intakt. So dominierten die USA 1945 mit einem Anteil von rund 40 % aller weltweit im Verarbeitenden Gewerbe Beschäftigten die globale Industrie. Ein Wiederaufbau ohne die Unterstützung der USA schien unmöglich, was zu einem wachsenden Einfluss der USA vor allem im Nach- kriegseuropa und in Japan führte. Dank dieser wirtschaftlichen Schlüsselrolle wurden die USA die historisch erste Weltmacht, die nicht auf dem eurasischen Kontinent beheimatet ist. Die gut geschützte geografische Lage mit Kanada im Norden und Mexiko im Süden, flankiert von Pazifik und Atlantik, machte die USA zudem zu einem sicheren Hafen für internationale Investitionen in einem eurasischen Umfeld, das aufgrund des Kalten Krieges instabil erschien. Die Wirtschaft der westeuropäischen Staaten profitierte in diesem Umfeld von den amerikanischen Sicherheitsgarantien der 1949 gegründeten NATO; Japan 1960 von der Unterzeichnung des Vertrages über gegenseitige Kooperation und Sicherheit mit den Vereinigten Staaten. China bleibt die Werkbank der Welt % Quellen: LSEG, eigene Berechnungen, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Geopolitischer Ausblick 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 20. Januar 2025 6 von 8 In dieser Rolle sieht sich die USA heute gefährdet. Sie steht China gegenüber, das auf dem eurasi- schen Kontinent zu Hause ist und vor allem durch wirtschaft- lichen Einfluss strahlt. Auch auf die Alliierten der USA übt der große chinesische Markt seine Anziehungskraft aus. Vor diesem Hintergrund erscheint Trumps platter Vorwurf verständlicher, die Verbündeten hätten lange genug vom kostenlosen ameri- kanischen Schutz profitiert und China damit wirtschaftlich ge- stärkt. Trump auf dem Weg zum „All-In“ Man sollte also 2025 nicht nur auf die zu erwartenden erratischen Äußerungen Trumps achten, sondern sich mit dem großen Ziel der Amerikaner beschäftigen, um sein Handeln zu verstehen. Die Äußerungen zu Kanada, Grönland, der NATO und zur Umbenennung des Golfs von Mexiko richten sich gegen Staaten, die wirtschaftlich und militärisch mit den USA verbunden sind. Warum sich Trump zunächst vor allem gegen seine Freunde richtet, mag irritieren. Wir müssen ihm jedoch eine Strategie unterstellen, die darauf abzielt, diese zunächst dazu zu brin- gen, ihr individuelles Spiel aufzugeben – in diesem Fall China durch Handel und Investitionen zu stärken – und sich stattdessen voll hinter die USA zu stellen. Aus US-Sicht erscheint es daher durchaus sinnvoll, sich in einer frühen Phase des Spiels auf die Verbündeten zu konzentrieren und diese auf Linie zu bringen. Allerdings birgt diese Strategie die Gefahr, dass Allianzen mit den USA nicht mehr als gegenseitig vorteilhaft, sondern als Einfallstor für amerikanische Einflussnahme wahrgenommen werden. Diese Sichtweise könnte sich im Globalen Süden durchset- zen, der zunehmend auf Blockfreiheit setzt. USA stehen im Globalen Süden vor komplexen strategischen Herausforderungen In den wichtigen Ländern des Globalen Südens stehen die USA vor einer komplexen strategischen Herausfor- derung: Den wirtschaftlichen Einfluss Chinas in Ländern wie Brasilien oder Indonesien zurückzudrängen, würde enorme finanzielle Mittel verschlingen und von den betroffenen Nationen nur als Konter wahrgenommen werden. Das Ergebnis wäre also von vornherein kompromittiert und würde die Staatsverschuldung in den USA nur unnötig in die Höhe treiben. Auch mit der finanziellen Unterstützung der Verbündeten ist nur bedingt zu rechnen. Die füh- renden Länder Europas schwächeln wirtschaftlich und leiden unter den Folgen des Ukraine-Krieges sowie des be- reits in Trumps erster Amtszeit begonnenen Handelskrieges mit China. Der Globale Süden wird daher sein blockfreies Denken nicht aufgeben und in der aktuellen globalen Konstella- tion verstärkt auf seine eigenen Interessen achten. In einer Welt, in der Rohstoffe wie Nickel und Seltene Erden immer wichtiger werden, wächst das Interesse, diese im eigenen Land zu verarbeiten. Hier ist China ein bevorzug- ter Partner, da es mit seinen industriellen Kapazitäten in der Lage ist, schnell und kostengünstig beim Aufbau von Weiterverarbeitungsanlagen zu helfen. Viele Länder des Globalen Südens dürften erkannt haben, dass die gegen- wärtige Weltlage ein Zeitfenster für den Aufbau eigener wirtschaftlicher Stärke bietet. Die Eindämmung Chinas mit den Mitteln der internationalen Ordnung scheint nicht das Szenario zu sein, an das die USA noch glauben. Auch unter der demokratischen Regierung von Joe Biden wurde die Aufhebung der Blockade der WTO-Streitschlichtung nicht überwunden. Die vom globalen Süden geforderten Reformen der Ver- Wirtschaftlicher Aufschwung unter dem US-Schutzschirm BIP pro Kopf, Internationaler Dollar von 1990 Quellen: University of Groningen, Maddison Database, Helaba Research &amp; Advisory 0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000 0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000 1870 1880 1890 1900 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 2000 USA Japan Deutschland Im Fokus: Geopolitischer Ausblick 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 20. Januar 2025 7 von 8 einten Nationen, die sein wachsendes wirtschaftliches Gewicht widerspiegeln, würden, wenn sie umgesetzt wür- den, die USA schwächen. Die BRICS+ haben sich dabei als Plattform für einen intensiveren Austausch maßgebli- cher Staaten des Globalen Südens etabliert. Neu hinzugekommen ist Indonesien. Was in den westlichen Medien teilweise noch als Debattierclub wahrgenommen wird, sehen einige asiatische Experten bereits als ernsthafte Konkurrenz einer immer schwächer werdenden G7. Dies gilt umso mehr, als China trotz seiner wirtschaftlichen Dominanz, anders als die USA in der G7, aus Sicht dieser Länder keine dominante Rolle in den BRICS+ anstrebt. Trumps voraussichtliche Agenda 2025 ff. In der Auseinandersetzung mit China ist Trump daher darauf angewiesen, das Reich der Mitte als wachsende glo- bale militärische und technologische Herausforderung darzustellen, das auch gegenüber den südostasiati- schen Staaten ein zunehmend aggressives Verhalten an den Tag legt. Gleichzeitig wird Trump versuchen, die Aut- arkie der USA vor allem im Verarbeitenden Gewerbe voranzutreiben – und damit auch Verbündeten zu schwä- chen, indem er deren Industrie in das eigene Land lockt. Günstige Energie und Investitionsanreize unterstützen dabei die Attraktivität des US-Marktes. Nordamerika als exklusive Einflusssphäre der USA wird ein wichtiges Ziel bleiben. Dazu gehört neben Kanada und Mexiko auch Grönland. Darüber hinaus ist der Panamakanal kritisch, da er schnelle Bewegungen der US-Ma- rine zwischen Pazifik und Atlantik ermöglicht. Dies ist besonders wichtig in einer Zeit, in der US-Militärexperten die chinesische Marine als überlegen einschätzen und die Kapazitäten für den Bau moderner Kriegsschiffe in den USA nicht ausreichend vorhanden sind, um den Chinesen Paroli zu bieten. Trump muss auch darauf achten, die Vormachtstellung im Weltraum zu erhalten und auszubauen. Hier sind die USA nicht zuletzt dank Musks Unternehmen SpaceX führend. Industrielle und militärische Anwendungen erfordern eine sichere und verschlüsselte Kommunikation, wie sie Starlink bietet. Wer diese beherrscht, hat auch Einfluss auf andere Schlüsseltechnologien wie die industrielle Automatisierung und die Industrie 4.0. Darüber hinaus ist SpaceX der weltweit führende Anbieter von Trägerraketen – und einziger Anbieter einer wiederverwendbaren Ra- kete der Orbitalklasse. Es dürfte noch einige Zeit dauern bis China in der Lage sein wird, eine vergleichbare Anzahl von Satelliten in den Orbit zu befördern wie SpaceX. Ein weiteres Augenmerk muss Trump darauf legen, die Annäherung zwischen China, Russland, Iran und Nordko- rea, die sich unter Biden und durch den Krieg in der Ukraine beschleunigt hat, zu stoppen. Diese Allianz stellt für die USA eine der größten Herausforderungen dar. Trump wird daher schnell zu seiner Strategie zurückkehren, mit den jeweiligen Ländern Einzelverhandlungen aufzunehmen, um sie zu spalten. Als Einfallstore bieten sich Russ- land und der Iran an, die beide durch militärische Auseinandersetzungen geschwächt sind. Notwendiges Ende der europäischen Nabelschau In diesem Umfeld müssen sich Deutschland und Europa bewusst werden, dass die Nabelschau auf die eigenen Probleme den Blick auf das große Ganze verstellt. Das Erstarken des rechten Spektrums wird hier zunehmend nationale Interessen in den Vordergrund rücken. Dies darf nicht zu einem Auseinanderbrechen Europas führen. Trumps Haltung zu den politischen Verhältnissen in Europa spiegelt seine Abneigung gegenüber den etablierten europäischen Parteien wider, die in seinen Augen – wie die Demokraten in den USA – für Bürokratie und Umvertei- lung stehen. Wie auch immer Trump zur politischen Beeinflussung seines engen Beraters Elon Musk in Europa steht, Parteien, die mit dessen Unterstützung an die Regierung kommen, werden sich an seine Hilfe erinnern. Sein Einfluss dürfte daher zementiert werden, wenn die neuen Regierungen Unterstützung erhoffen, um kurz- und mit- telfristig positive Ergebnisse ihrer Regierungsführung zu erreichen. Dies zeigt, dass Europa nur wenig Zeit bleibt, um sich auf eine gemeinsame Strategie vor allem in der Außenpolitik zu einigen. In Ost- und Südostasien dagegen herrscht eine Interessenpolitik, die auf friedlicher Koexistenz beruht. Jede militärische Konfrontation in dieser Region würde den weiteren Aufstieg Asiens stören. Asien wird sich seine Chance nicht nehmen lassen, die USA werden versuchen, die ihre zu wahren. Für die Strategie der Europäer ist es kein Widerspruch, sich für eine globale Friedensarchitektur einzusetzen, die weltweiten Wohlstand fördert und die Im Fokus: Geopolitischer Ausblick 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 20. Januar 2025 8 von 8 eigenen militärischen Fähigkeiten entsprechend dem vorhandenen Bedrohungspotenzial flexibel auszubauen. Dafür muss Europa aber auf andere Regionen und Nationen zugehen und zukunftsfähige Kooperationen in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit anbieten sowie die eigenen Handelsschranken senken. Fazit: 2025 wird ein geopolitisch bewegtes Jahr Ein voraussichtlich erratisch und unberechenbar agierender US-Präsident dürfte die Welt in Atem halten. In diesen unsicher erscheinenden Zeiten darf man den Blick auf das große globale Bild und die unterschiedlichen Strate- gien der großen Mächte nicht verlieren. Während die USA ihre Führungsrolle in der Welt gegen China zu verteidi- gen versucht, muss Europa seine Position in einem neuen globalen Umfeld wirtschaftlich und politisch neu definieren. Dabei ist ein steigendes Bewusstsein in der Bevölkerung Europas unverzichtbar, dass Themen wie Migration und Energiesicherheit untrennbar mit globaler wirtschaftlicher Stabilität verbunden sind. Sicherheit, Bildung und wirtschaftliche Prosperität sind die Grundlage für repräsentative politische Systeme. Eine „Festung Europa“ kann vielleicht im Verständnis einiger kurzfristig Probleme lösen, sie bedeutet aber auch eine Abschot- tung gegenüber dem Rest der Welt. Einer Welt, die sich technologisch und wirtschaftlich rasant verändert, aber dabei nach vorne schreitet. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Im Globalen Norden wird die Wahl Trumps vielfach als Aufbruch in eine Ära der Unsicherheit wahrgenommen. Während die USA ihre Führungsrolle in der Welt gegen China zu verteidigen versucht, treibt der Globale Süden verstärkt seine eigenen Interessen voran. Europa muss seine Position in einer Welt im Wandel wirtschaftlich und politisch neu definieren.
