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title: "Im Fokus Bangladesch: Unsicherheit über politischen Kurs"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Bangladesch: Unsicherheit über politischen Kurs

Im Fokus: Länder 10. März 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. März 2025 1 von 3 Research &amp; Advisory Bangladesch: Unsicherheit über politischen Kurs Bangladesch kann mit außergewöhnlich hohen Wachstumsraten auftrumpfen. Das Land bleibt aber anfällig für externe Schocks. Die jüngsten politischen Verwerfungen belasten zusätzlich. Bangladesch hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von einem der ärmsten Länder der Welt zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Asiens entwickelt. Regel- mäßig werden BIP-Zuwachsraten jenseits der 5 %-Marke erzielt. Selbst 2020, als nahezu je- des Land aufgrund der Corona-Pandemie negative Wachstumsraten verbuchen musste, wuchs die Wirtschaft Bangladeschs um respektable 3,4 %. Seit 2015 stuft die Weltbank Bangladesch als „Lower-middle-income-country“ ein und es wird erwartet, dass das Land im kommenden Jahr von der UN-Liste der am wenigsten entwickelten Länder („Least Developed Countries“, LDC) gestrichen wird. Bangladeschs Stärke ist seine junge und kräftig wachsende Bevölkerung. Das Durchschnitts- alter der mehr als 170 Mio. Einwohner liegt bei lediglich 25,7 Jahren. Die Bevölkerung nimmt pro Jahr um etwa 1 % zu. Gleichwohl kann Bangladesch von diesem demografischen Trend nur beschränkt profitieren, da nach wie vor Defizite im Bildungssektor und besonders in der Infrastruktur bestehen. Dank steigender Realeinkommen hat sich aber vor allem in urbanen Ballungszentren eine kaufkräftige Mittelschicht gebildet. Wenig überraschend ist der private Konsum mit einem Anteil von gut 70 % am nominalem BIP der wichtigste Wachstumstreiber. Zuletzt belastete allerdings die hohe Inflation die Binnennachfrage. 2024 legten die Verbraucherpreise um 10,3 % zu, nach 9,5 % im Vorjahr. Für das laufende Jahr wird ein Preisanstieg von 7,4 % erwartet. Dies liegt zwar inner- halb des Zielkorridors der Zentralbank, allerdings wurde dieser erst im Februar von 6-7 % auf 7-8 % er- höht. Nicht nur die Kennzahlen zur Preisentwicklung mahnen zur Vorsicht. Im vergangenen Jahr sorgten politische und soziale Verwerfungen für Unruhe. Anfänglich friedliche Pro- teste von Universitätsstudenten gegen ein benachteili- gendes Quotensystem für Stellen im öffentlichen Dienst weiteten sich innerhalb weniger Wochen in ei- nen breiten Aufstand gegen die Regierung aus. Berich- ten zufolge wurden hunderte Menschen getötet, als die Regierung auf die Demonstrationen reagierte. Anfang August zwangen die Proteste schließlich die bisherige Premierministerin Sheik Hasina von der Awami-Liga (AL) zum Rücktritt und zur Flucht aus dem Land. Hasina – seit 2009 im Amt – und die AL hatten zwar einen maß- geblichen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg und der Entwicklung Bangladeschs. Die Regierung stand aber auf- grund der weit verbreiteten Korruption und Vetternwirtschaft, der wachsenden wirtschaftlichen Ungleichheit und des autokratischer werdenden Führungsstils zunehmend in der Kritik. So kam es im Vorfeld der Wahl im Januar 2024 zu Massenverhaftungen von Führern und Anhängern der größten Oppositionspartei Bangladesh National Party. Nach dem Sturz der Regierung wurde eine Übergangsregierung unter der Führung des zuvor inhaftierten Ökonomen und Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus installiert. Viola Julien Länderrating/-analyse Tel. 069/91 32-20 32 Beeindruckende Wachstumsraten % gg. Vj.\* \*Fiskaljahr Juni-Juli; ab 2025 Prognosen der Weltbank Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Bangladesch © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. März 2025 2 von 3 Die politische Unsicherheit wird im laufenden Jahr anhalten. Dies könnte sich negativ auf private und ausländi- sche Investoren auswirken, wenngleich Bangladesch allein aufgrund des niedrigen Lohnniveaus und des großen Binnenmarktes ein attraktives Investitionsziel bleibt. Zwar hat die Interimsregierung einige Reformen an- gestoßen, die politische und institutionelle Wirksam- keit dürfte jedoch beeinträchtigt sein und wichtige Projekte z.B. im Bereich der Infrastruktur verzögern sich. Das Risiko ist zudem hoch, dass die offiziellen Parlamentswahlen nicht wie geplant bis Ende 2025 abgehalten werden und es erneut zu Unruhen kommt. Die Wirtschaft Bangladeschs ist vor allem von der Tex- tilindustrie geprägt: Der Bekleidungssektor macht mehr als 80 % der Ausfuhreinnahmen und 11 % des BIP aus. Etwa 4 Millionen Menschen arbeiten in den Textilfabriken des Landes. In der internationalen Be- kleidungsindustrie spielt Bangladesch längst eine zentrale Rolle und ist nach China der weltweit zweit- größte Exporteur. Doch die Abhängigkeit von einer einzigen Exportkategorie birgt Risiken. So verringerte sich während der Pandemie die weltweite Nachfrage nach Textilien. Gleichzeitig trieben unterbrochene Lieferketten und später der Ukrainekrieg die Preise für Importe wie Lebensmittel oder Kraftstoffe in die Höhe. Aufgrund der geringen Diversifizierung der Wirtschaft war Bang- ladesch nicht in der Lage, diesen „Doppelschock“ abzu- wehren und genügend Einnahmen aus anderen Bran- chen zu erzielen. In der Folge stieg die Inflation stark, zusätzlich verschärft durch die deutliche Abwertung des Taka. Ausufernde Preise und der Versuch, die schwächelnde Währung zu stützen, sorgten für einen rasant fallenden Devisenbestand. Die Reserven, die sich innerhalb von drei Jahren auf 17 Mrd. US-Dollar (Nov 2024) mehr als halbierten, decken derzeit ledig- lich drei Importmonate ab. Anfang 2023 gewährte der IWF Bangladesch Finanz- hilfen in Höhe von 4,7 Mrd. US-Dollar im Rahmen ei- ner erweiterten Kreditfazilität und des Resilienz- und Nachhaltigkeitsfonds. Damit sollen die makroökonomische Stabilität des Landes gesichert sowie die mit dem Kli- mawandel verbundenen Risiken abgemildert werden. Angesichts des wachsenden Bedarfs externer Finanzierung beantragte die Übergangsregierung im Dezember 2024 eine Aufstockung um 750 Mio. US-Dollar. In den letzten Jahren hat sich das Haushaltsdefizit Bangladeschs ausgeweitet. Für das laufende Fiskaljahr (Juli- Juni) wird ein Wert von 4,7 % des BIP erwartet, nach 4,6 % im Vorjahr. Die fiskalische Flexibilität wird durch die sehr niedrige Einnahmenbasis begrenzt. Laut OECD lag das Verhältnis der Steuereinnahmen zum BIP im Jahr 2022 bei 7,5 % und damit erheblich unter dem asiatisch-pazifischen Durchschnittswert von 20 %. Es wird erwar- tet, dass die Übergangsregierung die Haushaltskonsolidierung im Einklang mit den IWF-Reformen vorantreibt. Aufgrund des robusten Wirtschaftswachstums ist die Staatsverschuldung mit knapp 40 % des BIP bislang mode- rat. Insgesamt sieht sich die Wirtschaft Bangladeschs großen Herausforderungen gegenüber, einschließlich der Not- wendigkeit, das Vertrauen ausländischer Investoren und Entwicklungspartner zu erhalten. Die hohe Abhängigkeit von der Textilindustrie, schwache externe Puffer und die anhaltend hohe Inflation belasten das Gesamtbild. Vor allem die Situation der Außenfinanzen erfordert eine umsichtige Politik. Darüber hinaus gehört Bangladesch zu den Ländern, die weltweit am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, denn der Großteil Textilsektor ist Rückgrat der Wirtschaft Anteil an den Exporteinnahmen 2023, % Quellen: EIU, Helaba Research &amp; Advisory Textilien 85% Jute- produkte 2% Fisch/ Meeresfrüchte 1% Rest 13% Devisenreserven besorgniserregend niedrig Mrd. US-Dollar % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Bangladesch © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. März 2025 3 von 3 des Landes liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Die künftige Regierung muss Reformen durchfüh- ren, starke Institutionen aufbauen und Infrastrukturinvestitionen fördern, um den Wachstumskurs nachhaltig zu unterstützen. Wenn Bangladesch wie geplant im kommenden Jahr aus der Gruppe der LDC-Länder ausscheidet, wird es den prä- ferenziellen Zugang zu vielen Absatzmärkten verlieren. Derzeit profitiert das Land vor allem bei Handelsbeziehun- gen mit der EU von der „Everything but arms“-Regelung, die zoll- und kontingentfreien Zugang für alle Ausfuhren mit Ausnahme von Waffen gewährt. Die EU ist mit einem Anteil von 21 % Bangladeschs größter Exportmarkt. Demzufolge stellt die bevorstehende Statusänderung ein Risiko dar und dürfte sich negativ auf die Exporterlöse auswirken. Es ist daher notwendig, den Zugang Bangladeschs zu internationalen Märkten rechtzeitig zu si- chern und neue Handelspräferenzen und -abkommen auszuhandeln. Auch hierfür ist eine handlungsfähige Re- gierung Grundvoraussetzung. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Bangladesch beeindruckt seit Jahren mit hohen Wachstumsraten. Die hohe Abhängigkeit von Textilexporten birgt jedoch Risiken. Nach den starken politischen Unruhen im vergangenen Jahr führt aktuell eine Übergangsregierung das Land.
