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title: "Im Fokus Griechenland: EU-Gelder erleichtern Reformen"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Griechenland: EU-Gelder erleichtern Reformen

Im Fokus: Länder 24. April 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. April 2025 1 von 4 Research &amp; Advisory Griechenland: EU-Gelder erleichtern Reformen Die griechische Regierung macht in den letzten Jahren bemerkenswerte Reformfortschritte, weshalb das Land ein Wirtschaftswachstum deutlich oberhalb des EU-Durchschnitts aufweist. Hohe Mittelzuweisungen aus Brüssel erleichtern das Regierungshandeln. Dennoch sind die Altlasten der Schuldenkrise von vor 15 Jahren noch nicht vollständig überwunden. Ineffizienzen im Justizsystem, das schwache Produktivitätswachstum und das Demographieproblem müssen dringend angegangen werden. Zum Jahrestag des Zugunglücks von Tempi am 28. Februar vor zwei Jahren demonstrierten landesweit hunderttausende Griechen, da es weiterhin keine Fortschritte bei der Aufklärung des Unfalls gibt. Trotz dieses Vorfalls ist festzuhalten, dass sich die politische Situation Griechenlands in den letzten Jahren merklich stabilisiert hat. Premierminister Kyriakos Mitsotakis von der konservativen Nea Dimokratia kann sich auf eine Parlamentsmehrheit von 158 der 300 Sitze stützen und sieht sich nur einer schwachen, fragmentierten Opposition gegenüber. Die nächsten Parlamentswahlen stehen erst 2027 an. Somit ist davon auszuge- hen, dass er seinen Reformkurs fortsetzen wird. Schwerpunkte sind die Kostenkontrolle im öffentlichen Sektor sowie Effizienzsteigerungen in der öffentlichen Verwaltung. Erfolge sind gelungen bei der Stärkung der operativen und institutionellen Unabhängigkeit wichtiger Institutionen, darunter das Griechische Statistische Amt EL.STAT und der Supreme Council for Civil Personnel Selection. Der Kampf gegen die Korruption zählt ebenfalls zu den Schwerpunkten der Administration. Zahlreiche Empfehlungen der „Group of States against Corruption“ – sie überwacht, wie Mitgliedsländer die Übereinkommen und anderen Instrumente des Europarats umsetzen – wurden übernommen. Die griechische Staatsschuldenkrise begann vor ge- nau 15 Jahren. Obwohl die Regierung seit einigen Jahren Reformfortschritte auch auf dem Gebiet der Fiskalpolitik vorweisen kann, zeigen sich weiterhin die Altlasten in Form einer Staatsschuldenquote, die mit 162,5 % des BIP die mit Abstand höchste in der Eurozone ist. Allerdings wird die EU-Defizitgrenze seit 2022 eingehalten und seit 2023 weist der Staatshaushalt sogar Primärüberschüsse aus, die in den kommenden Jah- ren anhalten dürften. Die am 11. Oktober vorgelegte mittelfristige Haushaltsplanung für 2025-2028 sieht einen Rückgang der Staatsschuldenquote bis auf 133,4 % zum Ende des Prognosezeitraums vor. Erreicht werden soll dies durch ein robustes Wirtschaftswachstum und Mittelzuflüsse aus dem EU-Wiederauf- baufonds. Bis 2027 soll Griechenland daraus etwa 36 Mrd. Euro erhalten (18,2 Mrd. Euro an Zuschüssen und 17,7 Mrd. Euro an Krediten), was etwa einem Fünftel des BIP entspricht. Dazu kommen noch die Mittel aus dem mehrjährigen Finanzrahmen der EU. Insgesamt kann Athen dadurch mit Geldern von 78 Mrd. Euro im Zeitraum 2021-2027 rechnen. Dies bietet einen starken Anreiz für die Regierung, mit den Reformen fortzufahren, da die Auszahlung an entspre- chende Fortschritte geknüpft ist. Die Cash-Reserven der Regierung belaufen sich aktuell auf 35 Mrd. Euro, was den Finanzierungsbedarf von mehr als drei Jahren deckt. Der IWF bewertet das Risiko einer kurzfristigen Staatsschul- denkrise mittlerweile als niedrig und das einer mittelfristigen Staatsschuldenkrise als moderat. Patrick Heinisch Analyst Schwellenländer T 069/91 32-74 27 2023 2024 2025p 2026p BIP, real %gg. Vj. 2,0 2,2 2,5 3,0 Inflationsrate %gg. Vj. 4,2 2,9 2,3 2,0 Arbeitslosenquote % 11,1 10,1 9,0 8,5 Budgetsaldo %des BIP -1,3 -1,3 -1,9 -1,6 Quellen: EIU, Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Griechenland © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. April 2025 2 von 4 An den Kaptalmärkten werden diese Fortschritte honoriert. Obwohl die Staatsverschuldung Griechenlands deut- lich höher als die Italiens ist, zahlte das Land Ende April Renditen auf 10-jährige Staatsanleihen von 3,4 %, ver- glichen mit 3,6 % im Falle von Italien. Im Jahr 2024 emittierte Griechenland Anleihen im Wert von 9,6 Mrd. Euro, mit einer durchschnittlichen Rendite von 3,6 % und einer durchschnittlichen Fälligkeit von 16 Jahren. Im Januar 2025 wurde eine 10-jährige Anleihe im Umfang von 4 Mrd. Euro mit einer Rendite von 3,64 % ausgegeben und im Februar 2025 eine über 250 Mio. Euro mit 3,24 %. Alle Ratingagenturen bewerten Griechenland jetzt mit Invest- ment-Grade-Rating. Im Zuge der Spannungen im Zusammenhang mit den von der US-Administration verhängten Zöllen waren auch die griechischen Anleiherenditen Anfang März stärker gestiegen. Jedoch hat bis Ende März wie- der ein deutlicher Rückgang eingesetzt, auch weil die US-Regierung zwischenzeitlich Zollerleichterungen und -aussetzungen angekündigt hat. Die griechische Wirtschaft weist seit 2021 ein Wirtschafts- wachstum oberhalb des EU- Durchschnitts auf. Das reale Pro-Kopf-Einkommen beträgt mittlerweile 90 % des Niveaus vor der globalen Finanzkrise 2009, verglichen mit 73 % im Jahr 2020. Das Wirtschafts- wachstum lag 2024 bei 2,2 %, für 2025 wird mit 2,5 % gerech- net. Grundsätzlich zeigen sich weiterhin Aufholeffekte der hef- tigen Schuldenkrise vor 15 Jah- ren. Auch der Konsum der priva- ten Haushalte und die Exporte (vor allem Tourismus und Schifffahrt) entwickeln sich gut. Den größten Wachstumsbeitrag werden aber weiterhin die Investitionen liefern, vor allem dank der großzügigen finanziellen Zuwendungen aus Brüssel. Eine Reihe von strukturellen Defiziten müssen aber in den kommenden Jahren angegangen werden, darunter das Demographieproblem. Die Verbesserungen der allgemeinen wirtschaftlichen Situation in den letzten Jahren und Abwanderung haben zu einem stetigen Rückgang der Arbeitslosenquote geführt. Mit 8,6 % nähert sie sich dem Tief aus dem letzten Vorkrisenjahr 2008 an. Problematisch ist, dass die Erwerbsbevölkerung seit 2010 deutlich schrumpft und sich dieser Trend voraussichtlich in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen wird. Dies liegt nicht nur an der Abwanderung in andere EU-Länder mit höheren Löhnen, sondern auch an der Alterung der Gesellschaft, ein Problem, mit dem sich fast alle europäischen Länder konfrontiert sehen. Niedrigere Anleiherenditen als Italien Staatsfinanzen profitieren von EU-Mitteln Renditen 10-jähriger Staatsanleihen, % Staatsverschuldung und Haushaltssaldo, % des BIP Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Wachstum oberhalb des EU-Durchschnitts Reales Bruttoinlandsprodukt, % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Griechenland © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. April 2025 3 von 4 Prognosen zufolge wird die Erwerbsbevölkerung von 6,6 Mio. 2023 auf 4,3 Mio. im Jahr 2050 zurückgehen, was einem Rückgang von 35 % entspricht. In den kommenden Jahren muss sich die Regierung deshalb darauf fokus- sieren, die Partizipationsrate (den Anteil der Erwerbstätigen und Arbeitslosen an der Gesamtbevölkerung im er- werbsfähigen Alter) zu erhöhen, die im Eurozonenvergleich niedrig ist. Bei Frauen ist die Partizipationsrate in Griechenland acht Prozentpunkte niedriger als im Durchschnitt der Eurozone, bei Männern hingegen nur 0,4 Pro- zentpunkte geringer. Das Produktivitätswachstum war in Griechenland zwischen 2010 und 2021 negativ. Erst 2022 und 2023 gab es kleinere Zuwächse. Während also das Produktivitätswachstum seit 2010 in Griechenland im Durchschnitt sta- gnierte, ist es in der Eurozone im gleichen Zeitraum um 9,7 % gewachsen. Zwar wurden in den letzten zehn Jah- ren Reformen mit dem Ziel einer verbesserten Effizienz der Produktmärkte umgesetzt, der Effekt auf die Produkti- vität war jedoch gering. Schät- zungen des IWF zeigen, dass die Gesamtproduktivität immer noch rund 10 % unter dem Ni- veau von 2009 liegt. Trotz der Reformfortschritte drücken re- gulatorische Lasten auf die Pro- duktivität der Unternehmen. Eine ältere Langzeituntersu- chung der OECD zeigt, dass Griechenland zwischen 1980 und 2010 jährlich mehr als 5.000 Regularien produzierte. Beeinträchtigt wird die ökono- mische Leistungsfähigkeit auch durch die geringe Effizienz des griechischen Justizsystems, die zu den niedrigsten in der EU zählt. Auch hier zeigen sich die Nachwirkungen der Schuldenkrise, die zu stark steigenden Unternehmens- und Privatinsolvenzen führte. Des Weiteren sind Steuerfälle sehr zeitraubend. Die Anfechtung von Steuerbescheiden kann bis zu zwölf Jahren dauern. Die Regierung hat mit EU-Unterstützung eine Reform des Justizsystems eingeleitet, die auf eine Reorganisation der Gerichte, Digitalisierung, Ausbildung von Personal sowie Entlastung der Richter abzielt. Trotz dieser Schwächen befindet sich das Land jedoch auf dem richtigen Weg, was sich weiterhin in robustem Wirt- schaftswachstum ausdrücken wird. Arbeitslosigkeit nähert sich Rekordtief Schrumpfende Erwerbsbevölkerung Arbeitslosenquote, % Bevölkerung, Mio. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Erst seit 2022 kleinere Produktivitätsfortschritte Produktivitätsindex, 2015=100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Griechenland © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. April 2025 4 von 4 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Deutlich verbesserte politische Situation, Premierminister Mitsotakis kann Reformkurs dank solider Parlamentsmehrheit fortsetzen. Finanzielle Zuwendungen der EU sorgen für hohe Investitionen und ein Wirtschaftswachstum deutlich oberhalb des EU-Durchschnitts. Finanzmärkte honorieren Reformen, aber strukturelle Schwächen wie ungünstige demographische Entwicklung und schwache Produktivität bestehen fort.
