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title: "Im Fokus Deutschland: Trendwende am Arbeitsmarkt"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Deutschland: Trendwende am Arbeitsmarkt

Im Fokus: Länder 24. September 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. September 2025 1 von 4 Research &amp; Advisory Deutschland: Trendwende am Arbeitsmarkt Die Zahl der Arbeitslosen nahm in den vergangenen zweieinhalb Jahren stark zu. Besonders in der Industrie wurden Stellen abgebaut. Zumindest in der näheren Zukunft dürfte die Beschäfti- gung aber dank des konjunkturellen Aufschwungs wieder zulegen. In den kommenden zehn Jahren wird der demografische Wandel eine besondere Herausforderung für den Arbeitsmarkt darstellen. Der Arbeitsmarkt ist ein besonderer Teil der Wirtschaft, denn auf ihm wird die wichtigste Ressource der Welt gehandelt – die menschliche Zeit. Manche Ökonomen argumentieren sogar, dass diese die einzige Ressource auf dem Planeten sei, die wirklich knapp ist, da mit genug Arbeitsaufwand mehr von jeder anderen Ressource hergestellt werden kann1. Auf individueller Ebene ist die Lebenszeit definitiv limitiert und entsprechend sehr wertvoll. Auf dem Arbeitsmarkt treten die Beschäftigten als Anbieter ihrer Arbeitszeit auf und die Unternehmen als Nachfrager. Gleichzeitig sind aber alle Arbeitenden Nachfrager der Güter und Dienstleitungen, die die Unternehmen anbieten. Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt beeinflussen also auch den Markt für Güter und Dienstleistungen und umgekehrt. Diese wechselseitige Abhängigkeit von Unternehmen/Arbeitgeber und Verbraucher/Arbeitneh- mer ist es, die den Arbeitsmarkt so interessant macht. Außerdem ist jeder direkt oder indi- rekt ein Akteur auf diesem Markt. Da der deutsche Arbeitsmarkt aktuell vor einer Trendwende zu stehen scheint, bietet es sich an, einen genaueren Blick auf die Datenlage zu werfen. In dieser Publikation analysieren wir die vergangene Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Beschäftigung in Deutschland. Zudem gehen wir auf die langfristige Herausforderung der Demografie ein und erläutern unsere Ar- beitsmarktprognose für 2026. Arbeitslosigkeit nimmt seit 2022 zu In den vergangenen Jahren ent- wickelte sich die deutsche Wirt- schaft schwach. Das Sozialpro- dukt schrumpfte 2023 und 2024. Dies ging am Arbeits- markt nicht spurlos vorbei. Die Arbeitslosigkeit stieg seit Früh- jahr 2022 stetig. Die Zahl der Beschäftigten nahm in diesem Zeitraum zunächst noch zu und verharrt seit Mitte 2023 auf dem historisch hohen Niveau von 46 Millionen. Eine zuneh- mende Arbeitslosigkeit, die mit einer steigenden Beschäfti- gung einhergeht, ist auf den 1 Dieses Argument wurde von Julian L. Simon in seinem Buch „The Ultimate Resource“ 1981 formuliert. Simon Azarbayjani Konjunktur Deutschland und Eurozone T 0 69 / 91 32-79 76 Arbeitslosigkeit hoch, Beschäftigung stabil Beschäftigung, saisonbereinigt, Mio. Arbeitslosigkeit, saisonbereinigt, Mio. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. September 2025 2 von 4 ersten Blick nicht intuitiv. Zu erklären ist dies jedoch durch die kräftige Zuwanderung in Folge des Kriegsbeginns in der Ukraine im Februar 2022. Diese Einwanderer erhöhten sowohl die Beschäftigung als auch die Arbeitslosig- keit – in Abhängigkeit davon, ob sie einen Job fanden oder nicht. Zuletzt machte eine alarmierende Meldung die Runde: die Zahl der Arbeitslosen hat die Marke von drei Millionen überschritten. Korrekt ist zwar, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit besorgniserregend ist, doch gerade im August – als erstmals seit lan- gem über drei Millionen Deutsche arbeitslos gemel- det wurden – nahm die saisonbereinigte Arbeitslo- sigkeit nach über zweieinhalb Jahren endlich wieder ab. Die höhere Zahl der Arbeitslosen im Sommer ist durch übliche saisonale Faktoren zu erklären. Diese saisonale Arbeitslosigkeit ist für die volkswirt- schaftliche Betrachtung weniger interessant. Hier liegen eher die konjunkturelle und strukturelle Ar- beitslosigkeit im Fokus. Wenn im Folgenden von Ar- beitslosigkeit gesprochen wird, sind daher immer die saisonbereinigten Daten gemeint. Die Arbeitsmarktdaten im August waren also gar nicht alarmierend, son- dern erfreulich und könnten sogar eine Trendwende markieren. Bei der sektoralen Beschäftigungsentwicklung fällt auf, dass die Industrieunternehmen (im Chart: Produzieren- des Gewerbe ohne Bau) seit 2018 Stellen abbauen. Auch im Baugewerbe nimmt die Beschäftigung ab, hier aller- dings erst seit 2023 – kurz nachdem die EZB mit der ersten Leitzinserhöhung die Nullzins- periode beendete. Im Sektor „Öffentliche Dienstleister, Er- ziehung, Gesundheit“ werden hingegen Stellen aufgebaut. Die Beschäftigung nahm hier seit 2010 kräftig um rund 25 % auf aktuell über 2,5 Mio. zu. Im Sektor „Information und Kommunikation“, der zu den kleineren in der deutschen Wirtschaft zählt, kam es seit 2010 zum größten Beschäfti- gungszuwachs. Die Zahl der Beschäftigten stieg hier in den letzten 15 Jahren um rund 35 %. Mit zunehmender Digitalisierung der Wirtschaft und fortschreitender Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) ist davon auszuge- hen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Aktuell arbeiten gut eineinhalb Millionen Menschen in der Branche „Informa- tion und Kommunikation“ (im Vergleich: Baugewerbe knapp 2,6 Mio., Industrie knapp 8 Mio.). Künftig dürfte die Beschäftigung hier weiter zunehmen. Demografischer Wandel verringert das Arbeitsangebot Das Schlagwort Fachkräftemangel hört oder liest man in den letzten Jahren häufig. Qualifizierte Fachkräfte in Deutschland sind knapp – wie andere Wirtschaftsgüter auch. Das heißt im Umkehrschluss, dass diese teurer wer- den und nur die Unternehmen genügend Fachkräfte gewinnen können, die bereit sind, höhere Gehälter zu zahlen. Saisonbereinigt jüngst weniger Arbeitslose Mio. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Stellenabbau in der Industrie – Stellenaufbau im öffentlichen Dienst Beschäftigung nach Branche, Index: Januar 2010 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. September 2025 3 von 4 Angesichts in den vergangenen Jahren zunehmender Arbeitslosigkeit und sinkender Zahl der offenen Stellen sollte das Problem des Fachkräftemangels zuletzt tendenziell eher abgenommen haben. Im zweiten Quartal 2025 waren in Deutschland 1,06 Mio. Stellen unbesetzt, während knapp 3 Mio. Menschen einen Job suchten. Das Arbeitsangebot ist zurzeit also deutlich höher als die Arbeitsnachfrage. Allerdings muss auch die Quali- fikation stimmen. Momentan ist demnach weniger das Problem, dass es nicht genug Arbeitskräfte gibt, son- dern eher, dass diese nicht über die gesuchten Quali- fikationen verfügen. Es bedarf hier Fortbildungen oder Umschulungen. Zukünftig dürfte aber nicht nur die Qualität des Ange- bots, sondern auch die Menge zum Problem werden. In den kommenden zehn Jahren wird der demografi- sche Wandel deutlich zu spüren sein, da sich viel mehr Beschäftigte in die Rente verabschieden werden als Jugendliche nachrücken oder potenzielle Arbeits- kräfte nach Deutschland einwandern. Die Erwerbsbe- völkerung wird in den Jahren 2025 bis 2035 schätzungsweise um durchschnittlich etwa 272 Tausend pro Jahr schrumpfen. Bei solch einer Ent- wicklung ist es zwingend not- wendig, dass die abnehmende Beschäftigtenzahl durch mehr Stunden der übrigen Erwerbstä- tigen oder durch eine höhere Arbeitsproduktivität kompen- siert wird. Das Arbeitsvolumen, also die Zahl der Arbeitenden mal Arbeitszeit, ist die limitierte Komponente. Deshalb ist es umso wichtiger, die Arbeitspro- duktivität zu erhöhen. Es ist möglich, dass eine „KI-Revolu- tion“ dieser Problematik zum Teil entgegenwirken könnte, indem sie viele digitale Arbeits- schritte massiv beschleunigt. Arbeitslosigkeit sollte Höhepunkt überwunden haben Wie oben bereits ausgeführt, könnte der Arbeitsmarkt aktuell eine Trendwende vollziehen. Erstmals seit zweiein- halb Jahren ist die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im August gesunken. In den kommenden Monaten dürfte die Zahl der Arbeitssuchenden – in Folge des von uns erwarteten konjunkturellen Aufschwungs – weiter abnehmen. Wir gehen von nachhaltig steigenden privaten Konsumausgaben aus, die die gesamte Wirtschaft ankurbeln. Die Zahl der Beschäftigten wird dadurch steigen und die aggregierte Kaufkraft erhöhen. Dies verbessert wiederum die Konsumentenstimmung und der private Konsum nimmt weiter zu, wodurch einige Unternehmen mehr Beschäf- tigte einstellen dürften. Dazu kommen die deutlich steigenden Staatsausgaben aufgrund der Fiskalpakete, die diesen Aufschwung unter- stützen werden. Der nachhaltige Anstieg öffentlicher Bauinvestitionen dürfte vor allem im Baugewerbe zu einer erhöhten Beschäftigung führen. Dieser war einer der Sektoren, die zuletzt Stellen abgebaut haben. Dadurch, dass einige Bauunternehmen – insbesondere im Tiefbau – in den kommenden zwölf Jahren, in denen das Sondervermö- gen für Infrastruktur läuft, mit mehr Nachfrage rechnen können, werden sie ihre Kapazitäten vermutlich aufsto- cken. Starker Rückgang der Erwerbspersonen in den nächsten zehn Jahren Mio. Jährlicher Rückgang, Tsd. \*Personen, die aus der Erwerbsbevölkerung ausscheiden minus Personen, die in die Erwerbstätigkeit eintreten \*\*nach der Bevölkerungsvorausberechnung (jeweils mittlere Annahme für Geburten, Lebenserwartung und Wande- rungssaldo), Personen im Alter von 15-65 Jahren Quellen: Statistisches Bundesamt. Helaba Research &amp; Advisory -100 0 100 200 300 400 49 50 51 52 53 54 55 2025 2027 2029 2031 2033 2035 2037 2039 2041 2043 2045 2047 2049 Erwerbspersonen\*\* (linke Skala) Defizit\* (rechte Skala) Mehr Angebot trifft auf weniger Nachfrage Mio. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. September 2025 4 von 4 Auch das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) – ein Vorlaufindikator für die Entwicklung am Arbeitsmarkt – signalisiert seit einigen Monaten eine abnehmende Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote, die mit aktuell 6,3 % so hoch ist wie seit Juli 2020 nicht mehr, sollte also ihren lokalen Hoch- punkt erreicht haben. Sie verharrt schon seit März 2025 auf diesem Stand. Die durchschnittliche Arbeitslosen- quote sollte von 6,3 % im laufenden Jahr auf 6,0 % im Jahr 2026 zurückgehen. Die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen dürfte dann im kommenden Jahr etwa 2.750.000 betragen – ungefähr 200 Tausend weniger als aktu- ell. Entsprechend dürfte die Beschäftigung zunehmen. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/ IAB-Index signalisiert weniger Arbeitslosigkeit Mit BIP-Wachstum sinkt die Arbeitslosigkeit Mio. Index, invertiert Index: Q1 2010 = 100 Mio. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory

Die Zahl der Arbeitslosen nahm in den vergangenen zweieinhalb Jahren stark zu. Der demografische Wandel verringert in den kommenden Jahren das Arbeitsangebot. Im nächsten Jahr sollte die Arbeitslosigkeit dank des konjunkturellen Aufschwungs abnehmen.
