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title: "Im Fokus Zentralosteuropa: Neue Player am Tisch"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Zentralosteuropa: Neue Player am Tisch

Im Fokus: Länder 17. November 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. November 2025 1 von 4 Research &amp; Advisory Zentralosteuropa: Neue Player am Tisch Die Wirtschaft in Polen, Tschechien und Ungarn wächst 2026 solide bei expansiver Fiskalpolitik. Die Zinssenkungen fallen spärlich aus. Wahlen bringen neue Player und Politikschwerpunkte. Konjunkturell wird Zentralosteuropa 2026 wieder einmal ein solides Blatt haben: Mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von gut 3 % bleibt Polen in dem Trio mit Tschechien und Ungarn (jeweils über 2 %) an der Spitze und oberhalb des EU-Durchschnitts von voraussichtlich rund 1,5 %. Eine Verbesserung ist v.a. in Ungarn zu erwarten, das aus einer äußerst schwachen Konjunkturphase kommt. Im Außenhandel ist die Lage bei den US-Zöllen klarer als noch im letzten Sommer, sodass sich die Unternehmen darauf einstellen können: Die Einfuhrabgaben für den in Tschechien und Ungarn bedeutsamen Kfz-Sektor wurden 2025 spürbar erhöht und auch Maschinenex- porteure müssen erhebliche Aufschläge verkraften. Ob der Supreme Court dies noch kippt, ist fraglich. Positiv zu vermerken ist, dass der Ausfuhranteil in die USA in allen drei Ländern mit um die 3 % der Warenexporte relativ gering ist. Damit sind die direkten Auswirkungen der US-Handelspolitik begrenzt. Allerdings sind insbesondere Tschechien und Ungarn als kleine offene Volkswirtschaften von einem funktionierenden Welt- handel abhängig. Von Interesse sind insofern die indirekten Effekte, denn etwa ein Viertel (Ungarn) bis ein Drittel (Tsche- chien) ihrer Warenexporte liefern die Länder nach Deutschland. Hier gewinnt die Konjunktur 2026 nach einer ausgeprägten Schwächephase u.a. dank um- fangreicher Investitionspläne der öffentlichen Hand an Fahrt. Dies verbessert die Rahmenbedingungen auch für Deutschlands Handelspartner. Ob allerdings die deutsche Autoindustrie – ein wichtiger Abnehmer für die Zulieferer in Zentralosteuropa – ihre Schwäche 2026 nachhaltig überwindet, bleibt abzuwarten. Verbraucher vorsichtig optimistisch Polen kann mit seinem großen Binnenmarkt punkten. Aber auch in Ungarn und in Tschechien liefert die Inlands- nachfrage einen wichtigen Wachstumsbeitrag. So sind in allen drei Ländern Entlastungen der Verbraucher und höhere Staatsausgaben vorgesehen. Umfragen belegen, dass sich die Einschätzungen der Konsumenten, etwa hinsichtlich der künftigen finanziellen Situation insbesondere in Tschechien, aber auch in Ungarn zuletzt aufge- hellt haben. Hier planen die Verbraucher auch wieder größere Anschaffungen. Skeptischer gestimmt waren die Konsumenten zuletzt in Polen. Marion Dezenter Senior Country Analyst Tel. 069/91 32-28 41 US-Zollpolitik v.a. mit indirekten Auswirkungen % Stand 2024, \*Anteil an gesamten Warenexporten Quellen: GTAI, Eurostat, Helaba Research &amp; Advisory 0 10 20 30 40 50 60 Anteil Waren- exp. am BIP Exportanteil n.\* Deutschland Exportanteil Kfz/Teile &amp; Maschinen\* Ungarn Tschechien Polen 2024 2025s 2026p 2027p 2024 2025s 2026p 2027p 2024 2025s 2026p 2027p BIP, real\* % gg. Vj. 3,0 3,3 3,3 3,3 1,1 2,5 2,5 2,7 0,6 0,3 2,3 2,5 Inflationsrate % gg. Vj. 3,6 3,9 3,0 3,0 2,4 2,6 2,7 2,5 3,7 4,6 3,8 3,3 Arbeitslosenquote EU % 2,8 2,9 3,1 2,9 2,6 2,8 2,9 2,7 4,1 4,4 4,4 4,2 Budgetsaldo % des BIP -6,5 -6,7 -6,5 -6,0 -2,0 -2,0 -2,5 -2,7 -5,0 -5,0 -5,0 -4,5 \*kalenderbereinigt; Quellen: EU, EIU, Helaba Research &amp; Advisory Polen Tschechien Ungarn Im Fokus: Länder – Zentralosteuropa © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. November 2025 2 von 4 Unterstützung von der Fiskalpolitik zeichnet sich in Tschechien ab, wo die künftige Regierungspartei ANO vor der Wahl im vergangenen Oktober u.a. mit Entlastungen bei Steuern und Abgaben geworben hatte. Laut Entwurf des Regierungsprogramms soll z.B. die Körperschaftsteuer um zwei Prozentpunkte auf 19 % sinken und die Rund- funkgebühr entfallen. Außerdem sind Gehaltsanhebungen im öffentlichen Dienst und ein höheres Elterngeld ge- plant. Ungarn setzt im Wahljahr 2026 auf Steuererleichterungen für Familien, zusätzliche Rentenzahlungen und vergünstigte Unternehmenskredite. Die Folge ist ein erhöhter Druck auf die öffentlichen Defizite. Tschechien hofft auf ein stärkeres Wirtschafts- wachstum und auf Einsparungen in der Verwaltung. Polen, wo hohe Sozialausgaben den Fehlbetrag treiben, plant mit Mehreinnahmen aus einer kräftigen Anhebung der Bankensteuer von 19 % auf 30 %. Zudem wird es eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke sowie höhere Abgaben auf Alkohol und Glücksspielgewinne geben. Ungarn hat für 2026 ebenfalls eine Erhöhung der Sondersteuer für Banken avisiert und das Defizit-Ziel gelockert. In allen drei Ländern treiben zusätzlich höhere Etats für die Verteidigung die Staatsausga- ben: Die NATO-Länder haben sich im Juni darauf verständigt, bis 2035 die Verteidigungsaus- gaben auf 3,5 % ihres BIP und die Ausgaben für verteidigungs- relevante Infrastruktur auf 1,5 % anzuheben. Die EU hat im vergangenen Frühjahr die sogenannte natio- nale Ausweichklausel aktiviert, um der besonderen Belastung der öffentlichen Haushalte durch die aktuelle geopolitische Situation gerecht zu werden. Dadurch können Länder ihre Defizite durch Militärausgaben erhöhen, ohne dass die EU die Haushaltspolitik anmahnt. Die meisten EU-Länder haben diese Möglichkeit in Anspruch genommen, darunter auch Polen, Tschechien und Ungarn. Das seit Juni 2024 bestehende Defizitverfahren gegen Polen und die damit verbundene engere Überwa- chung der Konsolidierungsfortschritte durch die EU laufen aber weiter. Das zeitgleich gegen Ungarn eröffnete De- fizitverfahren wurde mittlerweile auf Basis des Fortschrittsberichts, den die Länder jährlich einreichen müssen, ausgesetzt. Tschechien, dessen Haushaltsdefizit unter der 3 %-Schwelle der EU-Vorgaben liegt, kann sein Budget ohne EU-Begleitung planen. Meist noch ein weiter Weg zum neuen NATO-Ausgabenziel Verteidigungsausgaben ausgewählter NATO-Länder 2025, % des BIP, real\* \*Schätzungen, Stand Okt. 2025 Quellen: NATO, Helaba Research &amp; Advisory 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 PL LT LV EE NO US SE NL HU FR CZ DE ES IT Finanzerwartungen hellen sich teils auf…, …Konsumentenvertrauen steigt in Cz und Hu Erwartungen der Verbraucher zu ihrer Finanzsituation, Salden, sb Konsumentenvertrauen, Salden, saisonbereinigt Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Zentralosteuropa © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. November 2025 3 von 4 Noch keine Entwarnung bei der Inflation, Zentralbanken agieren zurückhaltend Die Inflation wird 2026 im Durchschnitt zwischen 2,7 % in Tschechien und 3,8 % in Ungarn liegen. In Polen läuft Ende 2025 die staatliche Energiepreisbremse aus. Der am weitesten verbreitete Einheitsstromtarif liegt 2026 je- doch unterhalb dieser definierten Grenze, sodass daraus kein Inflationsimpuls folgen sollte. Bei Bedarf sind wei- tere Preisbegrenzungen nicht ausgeschlossen. In Ungarn, das sich bis zum Frühjahr im Wahlkampf befindet, wur- den Ende Oktober Preisdeckel verlängert und erweitert. Zumindest bis zur Wahl dürfte die Regierung die Verbrau- cherpreisentwicklung eng im Blick behalten. Die von den drei Zentralbanken als angemessen erachtete Inflation ist mit 2 % in Tschechien am niedrigsten, da- nach folgen Polen mit 2,5 % und Ungarn mit 3 %. Für alle gilt ein Toleranzbereich von +/- 1 Prozentpunkt um den definierten Wert. Die Inflationsraten in den Ländern bewegen sich bereits im jeweiligen Zielkorridor oder werden, wie in Ungarn, absehbar dort landen. Allerdings wird die Teuerung 2026 z.T. am oberen Rand verharren. Im ewigen Dilemma zwischen einer lockeren Geldpolitik, die der Konjunktur zugutekommt, und einer restriktiveren Noten- bankpolitik zur Wahrung stabiler Preise werden die Zentralbanken daher ihre Karten mit Augenmaß ausspielen. Die Zinssenkungen haben be- reits an Momentum verloren. Falls Inflation und Konjunktur sich nicht schwächer entwickeln als erwartet, werden die Locke- rungen 2026 überschaubar sein. Im Jahresverlauf ist hier am ehesten Polen zu nennen. Die Zentralbanken betonen, dass sie über die Zinsschritte datenabhängig entscheiden. Auch die Zinspolitik der EZB wird in ihre Entscheidungen mit einfließen. Aus heutiger Sicht wird der EZB-Leitzins 2026 konstant sein. Bleiben die Notenbanken in Zentralosteuropa zurückhaltend bei geld- politischen Lockerungen, unterstützt das Zinsdifferenzial die Währungen. Der Ungarische Forint und die Tschechi- sche Krone haben in den letzten Monaten gegenüber dem Euro zugelegt. Für 2026 ist bei vorsichtiger Notenbank- politik und solidem Wirtschaftswachstum von einer stabilen Entwicklung auszugehen. Angesichts der Nähe zur Ukraine könnten die Währungen in Zentralosteuropa jedoch sensibel auf geopolitische Zwischenfälle reagieren. Der Forint hat zudem im Nachgang von Orbáns USA-Reise im November gegenüber dem Euro aufgewertet. Ob die Währung länger von der zugesagten, bislang aber nicht näher spezifizierten finanziellen Unterstützung profitiert, bleibt abzuwarten. Eine Aufwertung belastet zwar tendenziell die Exportwirtschaft der Länder, auf die Inflation wirkt sie sich durch verbilligte Importe aber günstig aus. Neue politische Player am Tisch Aufgrund der gerade abgehaltenen oder kurz bevorstehenden Wahlen sind die politischen Konstellationen in den Ländern in Bewegung. Manches Wahlprogramm dürfte noch einem Realitätstest unterzogen werden, zumal bei knappen öffentlichen Finanzmitteln. Wer auf internationaler Ebene mit den Playern am Tisch sitzt, wird sich in den nächsten Monaten abzeichnen. In Tschechien hat der frühere Premierminister Babiš mit seiner rechtspopulistischen Partei ANO Anfang Oktober 2025 die Parlamentswahl gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt. Voraussichtlich im Dezember wird eine Koalition mit anderen Parteien des rechten Spektrums (SPD, Motoristen) von der aktuell geschäftsführenden Koa- lition die Regierung übernehmen. Das Verhältnis zur EU könnte abkühlen, denn das Koalitionsprogramm sieht eine größere Autonomie des Landes u.a. bei der Klima- und der Migrationspolitik vor sowie – entgegen den EU- Ende der Zinssenkungen in Sicht Leitzinsen, % Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Zentralosteuropa © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. November 2025 4 von 4 Verträgen – den Fortbestand der Tschechischen Krone, die in der Verfassung verankert werden soll. In der soge- nannten Visegrád-Gruppe (Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei) dürfte Babiš bestehende Allianzen stärken. Aller- dings profitiert Tschechien von EU-Mitteln und wird mit Aktionen zurückhaltend sein, die wie in Ungarn eine Blo- ckade der Gelder auslösen könnten. In Ungarn finden voraussichtlich im April 2026 Parlamentswahlen statt. In den Umfragen haben sich Ministerprä- sident Orbán mit seiner Partei Fidesz (Ungarischer Bürgerbund) und sein Herausforderer Magyar von der Tisza (Respekt- und Freiheitspartei) deutlich von den restlichen Bewerbern abgesetzt. Auch wenn Tisza seit der Ankün- digung von Magyars Kandidatur 2024 enorm an Popularität gewonnen hat, ist ein Sieg der stark auf ihren Vorsit- zenden zugeschnittenen Partei keineswegs sicher. Falls es dazu kommt, wäre das in mancher Hinsicht eine Wende. Im Gegensatz zu Orbán will Magyar die Beziehungen zu EU und NATO stärken und blockierte EU-Mittel mobilisieren. Zumindest die Zwei-Drittel-Mehrheit dürfte Fidesz 2026 nicht mehr erreichen. Am meisten Zeit hat Polen bis zur nächsten Parlamentswahl, die vermutlich im Oktober 2027 stattfindet. Aller- dings bedeutet dies auch eine fortgesetzte Hängepartie, in der Reformen von den Machtkämpfen zwischen Regie- rung und Präsident gebremst werden. Im Juni 2025 entschied der EU-skeptische und von der oppositionellen PiS unterstützte Karol Nawrocki die Präsidentenwahl für sich. Die von der EU geforderte Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit wird dadurch erschwert. Dies könnte sich mit der Zeit auf die Auszahlung von EU-Geldern aus- wirken. Im Herbst konnte die Koalition von Ministerpräsident Tusk in den Umfragen ihren Vorsprung vor der PiS wieder vergrößern. Ob das Bündnis 2027 noch einmal antritt, ist allerdings unklar. Bis zur Wahl wird die Regierung alle Hände voll zu tun haben, um im Gerangel mit Opposition und Präsident ihre Agenda voranzubringen. Wie in anderen EU-Ländern geht somit auch in Zentralosteuropa der Trend zu mehr nationaler Eigenständigkeit. Angesichts der geopolitischen Lage wird eine gemeinsame Haltung der EU jedoch immer wichtiger. Eine voraus- schauende Politik und eine mit den relevanten Playern abgestimmte Strategie werden 2026 Trumpf sein. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. 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Mit Unterstützung von der Fiskalpolitik wachsen die Volkswirtschaften stärker als der EU-Durchschnitt. Noch keine Entwarnung bei der Inflation, Zentralbanken agieren zurückhaltend. Wahlen bringen neue Player und Politikschwerpunkte.
