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title: "Im Fokus Österreich: Die Quadratur aus Sparen und Wachstum"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Österreich: Die Quadratur aus Sparen und Wachstum

Im Fokus: Länder 22. Januar 2026 © Helaba | Research &amp; Advisory | 22. Januar 2026 1 von 3 Research &amp; Advisory Österreich: Die Quadratur aus Sparen und Wachstum Der Aufschwung festigt sich. Die Regierung ergreift Maßnahmen, um die hohe Inflation zu brem- sen. Gleichzeitig will sie den Haushalt konsolidieren und den Mietmarkt entlasten. Für das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging es nach einem Schrumpfungspro- zess im letzten Jahr wieder nach oben, auch wenn das Plus mit 0,6 % überschaubar blieb. Für 2026 ist mit einer Fortsetzung des vorsichtigen Aufwärtstrends zu rechnen: Mit Unter- stützung vom privaten Verbrauch sollte die Wirtschaft um 1,3 % wachsen. Außerdem wirkt sich aufgrund der intensiven Handelsbeziehungen zu Deutschland auch die dortige kräftige Ausweitung der Staatsausgaben günstig aus. Denn rund ein Drittel der österreichischen Wa- renexporte geht ins Nachbarland, zwei Drittel werden in die EU geliefert. Unsicherheiten in der Geopolitik und in der US-Handelspolitik sowie die Notwendigkeit, den Haushalt zu konsolidieren, begrenzen allerdings das Aufwärtspotenzial. Die Klimaindikatoren hellen sich auf, nur die Stim- mung im Bausektor stagniert. Das Konsumentenver- trauen verbesserte sich zuletzt. Der Einkaufsmana- gerindex im Verarbeitenden Gewerbe erreichte im November und im Dezember die höchsten Werte seit 2022 und beim Industrievertrauen zeigt der Trend seit rund einem Jahr aufwärts. Die regelmäßige Umfrage zum Kreditgeschäft der Banken signalisiert im zweiten Halbjahr 2025 eine Trendwende hin zu einer höheren Nachfrage nach Unternehmenskrediten. Inflation trotz des Aufschwungs niedriger Seit Anfang 2020 sind die Verbraucherpreise um rund 30 % gestiegen. Deutlich über diesem Durchschnitt lag der Preisanstieg in Hotels und Gaststätten, ebenso bei Mieten und bei Haushaltsenergie. Zu Jahresbeginn liefen Ener- giepreishilfen aus, was die Inflation befeuerte. Dieser Effekt entfällt 2026. Zudem soll das „Günstiger-Strom-Ge- setz“ Haushaltskunden entlasten. Es enthält einen Sozialtarif für einkommensschwache Haushalte, die schnellere Weitergabe von Preissenkungen an End- kunden sowie Maßnahmen zur effizienten Nutzung des Stromnetzes. Auch für Gewerbebetriebe sinken die Stromkosten. Im nächsten Jahr ist darüber hinaus ein vergünstigter Industriestrompreis geplant. Angekündigt ist außerdem eine Mehrwertsteuersen- kung auf Grundnahrungsmittel, die ab Mitte des Jah- res preisdämpfend wirkt und teilweise durch eine Pa- ketabgabe auf Sendungen aus Drittstaaten finanziert werden soll. Insgesamt dürfte die Inflation 2026 mit 2,5 % trotz des stärkeren BIP-Wachstums deutlich unter dem Wert des Vorjahrs liegen. Marion Dezenter Senior Country Analyst Tel. 069/91 32-28 41 Preistreiber Hotel- und Gastgewerbe Inflation mit ausgewählten Teilindizes, 2015 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 2024 2025s 2026p 2027p BIP, real\* % gg. Vj. -0,8 0,6 1,3 1,5 Inflationsrate % gg. Vj. 2,9 3,6 2,5 2,3 Arbeitslosenquote % 7,0 7,4 7,3 7,2 Budgetsaldo % des BIP -4,7 -5,0 -4,5 -4,0 \*kalenderbereinigt; Quellen: EU, Eurostat, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder - Österreich © Helaba | Research &amp; Advisory | 22. Januar 2026 2 von 3 Tourismus: Gute Aussichten trotz hoher Preise Andere Bestandteile der Inflation, wie die Preise in Hotels und Restaurants, dürften weiterhin eine Rolle spielen. Dass die Preise im Gastgewerbe zu den Infla- tionstreibern gehörten, könnte ein Grund dafür sein, dass sich die Übernachtungszahlen 2025 zunächst teilweise nicht so dynamisch entwickelten wie im Vor- jahr: Von Januar bis November 2025 legten sie gegen- über dem Vorjahreszeitraum zwar insgesamt leicht zu, aus den Hauptherkunftsländern waren sie jedoch rückläufig. Bei den inländischen Gästen blieben die Zahlen bis November 2025 fast unverändert, während im Vorjahreszeitraum noch eine leichte Steigerung verbucht werden konnte. Die Wintersaison 2025/2026 startete allerdings schwungvoll: Zum Auftakt im November stiegen die Übernachtungszahlen gegenüber dem Vorjahr um 3,4 %. Hoteliers und Gastronomen dürften somit gespannt verfolgen, ob sich die positive Einschätzung der Winterpoten- zialstudie des nationalen Tourismusvereins bewahrheitet. Wohnungsmarkt: Aussichten leicht aufgehellt Wie in Deutschland besteht auch in Österreich Wohnraummangel mit steigenden Mieten und Immobilienpreisen. In der Pandemie bewegten sich die Hauspreise zunächst weiter aufwärts, korrigierten dann aber vor dem Hinter- grund deutlich verteuerter Lebenshaltungskosten und wachsender konjunktureller sowie geopolitischer Unsicher- heit. Die jüngste Umfrage bei Banken signalisiert eine solide Vergabe von Wohnbaukrediten. Anhaltend schwache Baugenehmigungen und Fertigstellungen lassen darauf schließen, dass die Hauspreise den begonnenen Auf- schwung fortsetzen und 2026 im Durchschnitt um rund 3 % zulegen. Noch bis zur Jahresmitte entfallen bei einer Immobilie, die als Hauptwohnsitz genutzt wird, die Gebühren für die Eintragung ins Grundbuch und von Pfandrechten, zusammen 2,3 % des Kaufprei- ses. Für den ein oder anderen Kaufinteressenten könnte dies die Entscheidung für den Erwerb von Wohneigentum beschleunigen. Auf dem Mietmarkt soll die seit 1. Januar ausgewei- tete Mietpreisbremse die Kostensituation für Mieter entspannen. Die bisherigen Markteingriffe brachten offenbar nicht den gewünschten Erfolg. Ob die neue Regelung im Sinne der Mieter ist oder eher zu zusätzli- chem Preisdruck bei Neuvermietungen führt, bleibt abzuwarten. Öffentliche Haushalte angespannt Die Wirtschaftspolitik der Regierung mit inflationssenkenden und konjunkturfördernden Maßnahmen wirft die Frage auf, wie sich dies mit den klammen öffentlichen Haushalten verträgt. Im Laufe von 2025 haben mehrere Rating-Agenturen die Bonität Österreichs skeptischer beurteilt. Neben dem schwachen Wirtschaftswachstum spielte dabei die Haushaltslage eine wichtige Rolle. Zudem lässt die Demografie – ähnlich wie in Deutschland – darauf schließen, dass die nächsten Jahre auch für den Finanzminister herausfordernd sein werden. Der Haus- haltsfehlbetrag lag 2024 bei 4,7 % des BIP (EU-Richtwert: 3 %) und hat 2025 voraussichtlich weiter zugenommen. Im Sommer eröffnete die EU daher ein Verfahren wegen eines übermäßigen Defizits. Sie wird die Entwicklung der öffentlichen Finanzen im Frühjahr erneut bewerten, wenn die Daten für 2025 vorliegen. 2025: Hoffnung auf schwungvolle Wintersaison Übernachtungen, Tsd.\* \*Januar bis November 2025 Quellen: Statistik Austria, Helaba Research &amp; Advisory 0 15.000 30.000 45.000 60.000 75.000 Hu USA Pl It Be Uk Cz CH/Lie Nl De -0,6 % -1.8 % -0,5 % +5,6 % +1,2 % -1,3 % +0,8 % +6,7 % +2,3 % +7,0% Erholung der Hauspreise festigt sich Eurostat Hauspreis-Index, 2015 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder - Österreich © Helaba | Research &amp; Advisory | 22. Januar 2026 3 von 3 Auch wenn ausufernde Haushalte in der EU ein häufi- ges Phänomen sind, belastet die steigende Verschul- dung in Höhe von rund 80 % des BIP. Bereits seit 2022 haben höhere Leitzinsen der EZB und geopoliti- sche Aspekte die Verzinsung der Staatsanleihen nach oben getrieben. Der erwartete Wirtschaftsauf- schwung sollte zwar den Schuldenabbau unterstüt- zen, dürfte in Kombination mit den genannten wirt- schaftspolitischen Maßnahmen aber ähnlich an- spruchsvoll sein wie die Quadratur des Kreises. Die Sanierungsmaßnahmen dürften bei den Wählern kaum für Applaus sorgen. Einsparungen gibt es etwa bei Maßnahmen zur Abfederung des Klimawandels (Klimaticket, Klimabonus), bei der Erhöhung von Ren- ten und Löhnen im öffentlichen Sektor, bei Verwal- tungsausgaben und bei der sogenannten Bildungskarenz (staatlich finanzierter Bildungsurlaub von bis zu zwölf Monaten). Zusätzliche Einnahmen sollen z.B. über Steuern generiert werden (Spitzensteuer, Tabak- und Banken- steuer etc.). Schrittweise Reformen sind bei der Rentenversicherung geplant. Die Haushaltssanierung hat bis 2029 einen Umfang von 54 Mrd. Euro (rund 10 % des BIP), zum großen Teil auf der Ausgabenseite. Der von den Bundes- ländern Ende 2025 höher als erwartet gemeldete Fehlbetrag erschwert die Umsetzung. Für die Opposition sind Phasen der Haushaltskonsolidierung Profilierungsgelegenheiten. Entsprechend hat die Unterstützung für die FPÖ laut Umfragen seit der Nationalratswahl Ende September 2024 deutlich auf derzeit rund 36 % zugenommen, gegenüber 29 % zum Wahltermin und den aktuell 19 % der ÖVP, die eine Koalition der Mitte mit den liberalen Neos und der SPÖ anführt. Abgesehen davon, dass die Zeit insbesondere für strukturelle Refor- men drängt, deren Wirkung sich oft erst mit größerer Zeitverzögerung entfaltet, ist es strategisch sinnvoll, Ein- sparmaßnahmen früh in der Legislatur anzugehen, um vor dem nächsten Wahltermin 2029 die Chancen auf einen positiven Eindruck bei den Wählern zu wahren. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/ Billiges Geld war vorgestern Rendite 10-jähriger Staatsanleihen, % Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory

BIP-Wachstum von 1,3 % für dieses Jahr zu erwarten, Inflation sinkt auf 2,5 %. Strompreis- und Mehrwertsteuersenkungen, mit denen die Regierung bei der Inflation gegensteuert, erschweren die Haushaltskonsolidierung. Anhaltende Knappheit am Wohnungsmarkt sorgt für Hauspreisanstieg rund 3 %.
