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title: "Im Fokus Länder: Mercosur im Check - Bedeutung und Chancen für Deutschland "
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Länder: Mercosur im Check - Bedeutung und Chancen für Deutschland 

Im Fokus: Länder 17. Februar 2026 © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. Februar 2026 1 von 7 Research &amp; Advisory Mercosur im Check: Bedeutung und Chancen für Deutschland Das Mercosur-Abkommen könnte für Deutschland wirtschaftliche Impulse, aber auch Anpassungsbedarf mit sich bringen. Erweiterter Marktzugang und mögliche strukturelle Veränderungen zeichnen ein vielseitiges Bild. Kurzfristig sollte jedoch nicht zu viel erwartet werden. Der südamerikanische Staatenbund Mercosur1 bildet einen bedeutenden Wirtschaftsraum der Schwellenländer. Mit über 280 Millionen Einwohnern und einem aggregierten Brutto- inlandsprodukt von rund 2,7 Billionen US-Dollar verfügt die Region über ein substanzielles ökonomisches Gewicht. Die Mercosur-Staaten kooperieren wirtschaftlich, indem sie unter- einander keine oder nur sehr niedrige Zölle erheben und gegenüber Drittstaaten weitge- hend einheitliche Außenzölle anwenden. Dies ähnelt in Grundzügen dem Europäischen Bin- nenmarkt, wenn auch mit deutlich geringerer institutioneller Tiefe. Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen wurde das Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Mercosur im Januar dieses Jahres unterzeichnet. Die EU ist für die Region ein zentraler Handels- und Investitionspartner; umgekehrt zählt Mercosur zu den größten noch nicht erschlossenen Absatzmärkten Europas. Dies unterstreicht die strategische Bedeu- tung des Abkommens: Der Abbau sowohl tarifärer als auch regulatorischer Hemmnisse dürfte langfristig zu niedrigeren Markteintrittskosten führen, die Planungssicherheit für Unternehmen verbessern und Impulse für grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten geben. Damit stellt es eine der größten Handelsliberalisierungen zwischen der EU und einem Drittstaatenblock dar. Zudem vollzieht sich diese Annäherung in einer Zeit hoher geopolitischer Unsicherheit: Die neue außenwirtschaftliche Ausrichtung der Vereinigten Staaten ist geprägt von zunehmendem Protektionismus. Das verstärkt die Notwendigkeit für Europa, seine wirtschaftlichen Beziehungen zu diversifizieren und strategi- sche Partnerschaften außerhalb des transatlantischen Raums zu vertiefen. Die Umsetzung des Abkommens ist jedoch nicht frei von Hürden: Fortbestehende politische Vorbehalte in einzel- nen EU-Mitgliedstaaten führten dazu, dass vom EU-Parlament eine Prüfung beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) angestoßen wurde. Dabei soll geklärt werden, ob das Abkommen vollständig mit den EU-Verträgen verein- bar ist. Die Prüfung kann sich über mehrere Monate bis zu einem Jahr hinziehen und das Inkrafttreten weiter ver- zögern. Bei einem negativen Urteil wären Anpassungen oder Nachverhandlungen erforderlich. Vor diesem Hintergrund stellt sich – aus deutscher Perspektive – die zentrale Frage: Welchen konkreten Vorteil bietet das Abkommen für Deutschland und welche Branchen würden davon am stärksten profitieren? 1 Kürzel für „Mercado Común del Sur“, was übersetzt Gemeinsamer Markt des Südens bedeutet, ist ein 1991 gegründeter südamerikani- scher Handelsblock, bestehend aus Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien Mercosur-Mitgliedstaaten im Überblick ................................................................................................ 2 Bedeutung des Mercosur für Deutschland ............................................................................................. 3 ................................................................................................... 4 ....................................................................................................... 6 Adrian Keppler Branchenanalyse T 069/91 32-41 83 adrian.keppler@helaba.de Sarah Borsch sarah.borsch@helaba.de Im Fokus: Länder – Mercosur © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. Februar 2026 2 von 7 Mercosur-Mitgliedstaaten im Überblick Die Mercosur-Staaten unterscheiden sich deutlich in ihrer Größe: Während Brasilien sowohl die mit Abstand größte Bevölkerung als auch das höchste Bruttoinlandsprodukt aufweist, sind die anderen Mitgliedsländer erheb- lich kleiner. Diese starken Unterschiede prägen ihre wirtschaftliche Bedeutung innerhalb des Bündnisses. Trotz der meist moderaten Wachstumsraten der Mercosur-Staaten im Jahr 2024 ist für die kommenden Jahre eine posi- tive wirtschaftliche Entwicklung zu erwarten, auf deren Einflussfaktoren im Folgenden eingegangen wird. Argentinien präsentiert sich nach Jahren makroökonomischer Instabilität mit einem Reformkurs, dessen Ausgang offen ist. Wir gehen davon aus, dass Argentinien bis in die 2030er Jahre und dar- über hinaus zu einem wichtigen Akteur im Energiesektor wird. Aufgrund umfangreicher Reserven kritischer Mineralien – insbesondere Lithium und Kupfer – ist das Land in globalen Batterie-, Energie- und Elektri- fizierungswertschöpfungsketten eingebunden. Zudem verfügt es über bedeutende Gold- und Uranreserven. Ar- gentiniens Landwirtschaft erholt sich nach einem schwierigen Dürrejahr und zeigt dank verbesserter Witterungs- bedingungen, moderner Technologien und hoher globaler Nachfrage zuletzt eine Aufwärtsentwicklung. Brasilien ist der wirtschaftliche Kern und damit größte Absatzmarkt der Merco- sur-Staaten. Das Land zählt ne- ben China, den USA und Indien zu den Top 4 Nahrungsprodu- zenten weltweit. Vor allem in der Produktion von Soja, Mais und Reis ist Brasilien führend. Parallel dazu bleibt die Energie- wirtschaft bedeutend. Die Öl- produktion dürfte von derzeit 4,2 Millionen Barrel pro Tag in den kommenden Jahren noch etwas zulegen. Für europäische Anbieter von Maschinen, Anlagen, Autos und Chemieprodukten würde das Abkom- men hohe Tarifspitzen und technische Handelshemmnisse reduzieren. Paraguay ist eine kleinere Volkswirtschaft. Die Abhängigkeit von Agrar- und Wasserkraftexporten macht das Land anfällig für Schwankungen der Rohstoffpreise, der regionalen Wirtschaftslage und klimabedingte Schocks. Ein vereinfachter Zugang zum EU-Markt könnte Investitionen in Verarbei- tung, Logistik und energieintensive Vorleistungen ankurbeln. Umgekehrt profitieren europäische Anbieter von Unterschiedliche wirtschaftliche Dynamik in Mercosur-Staaten Reales BIP in Mrd. USD, 1990 = 100 Quellen: Weltbank, Helaba Research &amp; Advisory 100 150 200 250 300 350 100 150 200 250 300 350 1990 1994 1998 2002 2006 2010 2014 2018 2022 Bolivien Paraguay Uruguay Argentinien Brasilien Brasilien dominiert die Einwohnerzahlen… …und das Bruttoinlandsprodukt des Mercosur Einwohnerzahl 2024, Mio. Bruttoinlandsprodukt 2024, Mrd. US-Dollar Quellen: Weltbank, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 212,0 45,7 6,9 3,4 12,4 0 50 100 150 200 0 50 100 150 200 Brasilien Argen- tinien Paraguay Uruguay Bolivien 2.182 633 44 81 47 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 Brasilien Argen- tinien Paraguay Uruguay Bolivien Im Fokus: Länder – Mercosur © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. Februar 2026 3 von 7 standardisierten Investitionsgütern und Agrartechnologien von klareren Regeln und sinkenden Transaktionskos- ten. Uruguay gilt als kleiner, stabiler und einkommensstarker Standort. Die Wirtschaftsstruktur ist kon- zentriert: Lebensmittelexporte und Tourismus prägen den Außenhandel, wodurch die Konjunktur sensibel auf externe Nachfrageschwankungen reagiert. Die uruguayische Volkswirtschaft ist zudem stark von volatilen Rohstoffpreisen, extremen Wettereignissen sowie dem wirtschaftlichen Wohlergehen ihrer gro- ßen Nachbarn Argentinien und Brasilien abhängig. Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien haben die Versorgungssicherheit verbessert, was Spielräume für produktivitätssteigernde Investitionen eröffnet. Bolivien verfügt über eine rohstofforientierte Wirtschaftsstruktur, getragen vor allem von Sojaboh- nen, Mineralien wie Gold und Zink sowie Erdgas. Allerdings ist die Gasproduktion aufgrund jahrelang zu geringer Investitionen rückläufig, sodass das Land perspektivisch zum Nettoimporteur werden könnte. Das Wachstum bleibt durch politische Instabilität, eine schwache Infrastruktur und ein schwieriges Ge- schäftsumfeld begrenzt. Bolivien setzt verstärkt auf den Ausbau seiner umfangreichen Lithiumreserven, um neue Einnahmequellen zu erschließen und die Abhängigkeit vom Gas zu reduzieren. Bolivien zählt zwar seit 2024 zum Mercosur, wird aber nach aktuellem Stand nicht Teil des Abkommens sein. Daher haben wir es nicht in den folgen- den Branchenbetrachtungen berücksichtigt. Bedeutung des Mercosur für Deutschland Für EU-Unternehmen ist der Mercosur bislang ein ver- gleichsweise schwieriger Absatzmarkt, da die Region durch hohe Importzölle und vielfältige nichttarifäre Handelshemmnisse geschützt ist. So sind Autos, Ma- schinen, Lebensmittel und chemische Produkte mit Zöllen von bis zu 35 % konfrontiert. An dieser Stelle setzt das EU-Mercosur-Abkommen an. Vorgesehen ist ein schrittweiser Abbau von rund 90 % der bestehen- den Zölle, sodass die strukturellen Zugangshürden verringert und der bilaterale Handel dauerhaft ge- stärkt werden. Für Deutschland ist die wirtschaftliche Bedeutung des Mercosur bislang noch gering: Nur rund 1 % der deutschen Ausfuhren entfällt auf die Mercosur-Staaten. Die- ser niedrige Anteil reflektiert jedoch weniger ein fehlendes Potenzial, sondern vielmehr die bisher hohen Markt- eintrittsbarrieren, Unsicherheiten im regulatorischen Umfeld und die strukturell begrenzte Importkapazität eini- ger Länder. Seit der Jahrtausendwende konnten sich die Exporte in die Mercosur-Staaten, ähnlich wie jene in die EU und die USA, knapp verdoppeln. Hier muss jedoch re- lativierend erwähnt werden, dass das Exportwachstum in den Mercosur-Staaten von einem deutlich geringe- ren Niveau aus erfolgte. Mehr Freihandel könnte das Wachstum beschleunigen. Innerhalb des Mercosur haben sich die deutschen Ex- porte unterschiedlich entwickelt. Brasilien prägt auf- grund seiner Größe die Gesamtentwicklung. Paraguay konnte über längere Zeiträume hinweg solide Zu- wächse aufweisen, während Bolivien nach beachtli- chen Zuwächsen zuletzt deutlich nachgab. Die stärker Geringer Exportanteil der Mercosur-Staaten Anteile der deutschen Exporte 2024 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory Mercosur 1% USA 10% China 6% EU 64% Rest 19% Mercosur-Exportniveau seit 2000 etwa verdoppelt Deutsche Exporte, real\* in Mrd. USD, 2000 = 100 \*Preisbereinigt mit deutschem Exportpreisindex Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 0 200 400 600 800 1000 0 200 400 600 800 1.000 2000 2004 2008 2012 2016 2020 2024 China Mercosur-Staaten EU USA Im Fokus: Länder – Mercosur © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. Februar 2026 4 von 7 ausfallenden und zudem volatileren Ausfuhren nach Bolivien, Paraguay und Uruguay müssen vor dem Hintergrund der deutlich geringeren wirtschaftlichen Bedeutung dieser Länder gesehen werden. Der geringe deutsche Exportanteil in den Mercosur ist weniger als Ausdruck mangelnder Nachfrage, sondern vielmehr als Ergebnis struktureller Barrieren zu inter- pretieren, die europäischen Unternehmen Wettbe- werbsnachteile bescheren. Ein funktionierendes EU– Mercosur-Abkommen könnte diese Nachteile reduzie- ren, indem Zölle wegfallen, technische Standards har- monisiert und administrative Prozesse vereinfacht wer- den. Auch politische Instabilitäten der Mercosur-Länder können eine Rolle spielen. Eine tiefere Freihandelsbe- ziehung zum Mercosur würde die deutsche Außenwirt- schaft mit Blick auf Schwankungen einzelner Staaten diversifizieren. Branchenperspektive und Zoll-Details Wie für Deutschland insgesamt ist der Mercosur auch für die großen Industriebranchen derzeit von nur geringer Bedeutung: Die Anteile an den Branchenexporten schwanken um 1 %. Betrachtungen des Wachstums müssen daher immer vor dem Hintergrund getätigt werden, dass es von einem niedrigen Niveau aus erfolgt. Das deutlichste Exportwachstum weist die Pharmaindustrie auf, die ihre preisbereinigten Mercosur-Exporte seit 2010 knapp verdoppeln konnte. Auch im Metallgewerbe und in der Elektrotechnik liegt das Exportvolumen trotz eines zwischenzeitlichen Tiefs deutlich über dem damaligen Wert (vgl. Grafik). Der Maschinen- und Kraftfahr- zeugbau kann zwar seit Anfang der 2020er Jahre ebenfalls steigende Exportvolumina in den Mercosur aufweisen, das Niveau liegt jedoch etwa auf dem von 2010 – von langfristigem Wachstum kann also noch nicht gesprochen werden. Eine Sonderrolle nimmt die Chemieindustrie ein. Hier scheint der Wachstumstrend der Exporte zuletzt abwärtsgerichtet zu sein – ein möglicher Hinweis auf die besonders schwierige Wettbewerbssituation dieser deut- schen Branche. Deutsche Exporte in die Mercosur-Länder real\*, 2000 = 100 \*Preisbereinigt mit deutschem Exportpreisindex Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 0 100 200 300 400 500 0 100 200 300 400 500 1990 1994 1998 2002 2006 2010 2014 2018 2022 Bolivien Uruguay Paraguay Brasilien Argentinien Unterschiedliche Exportentwicklungen Weitgehend rückläufige Importe Deutsche Exporte nach Mercosur, real\*, Jan. 2010 = 100, geglättet Deutsche Importe aus Mercosur, real\*, Jan. 2010 = 100, geglättet \*Preisbereinigt mit Exportpreisindizes auf WZ-Ebene Quellen: Macrobond. Helaba Research &amp; Advisory \*Preisbereinigt mit Exportpreisindizes auf WZ-Ebene Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 60 80 100 120 140 60 80 100 120 140 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Chemie Metall Kfz Elektro Maschinenbau 0 25 50 75 100 125 150 175 0 25 50 75 100 125 150 175 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Metall Kfz Elektro Chemie Maschinenbau Im Fokus: Länder – Mercosur © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. Februar 2026 5 von 7 Spiegelbildlich zu den fallenden Chemieexporten ziehen die Im- porte an. Die existierenden Zölle der Mercosur-Länder könnten hierbei eine Rolle ge- spielt haben: über 95 % der Warenkategorien2 aus dem Chemiesektor sind aktuell sei- tens Mercosur mit Zöllen be- legt. Der durchschnittliche Zoll- satz ist mit rund 6 % jedoch überschaubar und erklärt somit höchstens einen Teil der Au- ßenhandelsdynamik. Auch im Metallgewerbe – ebenfalls eine derzeit stark leidende deutsche Branche – wachsen die Importe aus dem Mercosur seit etwa 2020. In den verbleibenden Branchen scheint der Im- port-trend dagegen abwärtsgerichtet. Besonders im Kraftfahrzeugbau sind die Importe stark gesunken. Insgesamt verzeichnet Deutschland damit in den gro- ßen Industriebranchen Handelsüberschüsse mit den Mercosur-Staaten. Die Handelsbilanzen stellen eine Momentaufnahme des Handels dar, die jedoch nicht nur die relativen Stärken und Schwächen der Regionen im internatio- nalen Handel – die sogenannten komparativen Vor- teile – aufzeigt. Zölle und nicht-tarifäre Handels- hemmnisse spielen hier ebenfalls eine Rolle. Für eine ganzheitliche Betrachtung müssen daher auch die aktuellen Hemmnisse sowie die geplanten Erleichte- rungen analysiert werden. In den großen Industriebranchen werden derzeit 80 % oder mehr der jeweiligen Warenkategorien von Mercosur-Importzöllen erfasst, wobei der durchschnittliche gewichtete Zollsatz zwischen 6,8 % in der Che- mieindustrie und 23,7 % im Kraftfahrzeugbau schwankt. Vor diesem Hintergrund ist zu vermuten, dass die posi- tive Handelsbilanz zu einem erheblichen Teil auf der Stärke der deutschen Industriebranchen beruht und Zollsen- kungen die Exporte grundsätzlich stützen dürften. Die Einigung beim Mercosur-Abkommen wurde überwiegend positiv bewertet. Als Signal für mehr Freihandel in Zeiten aufkeimenden Protektionismus ist das nachvollziehbar. Langfristig bieten sich dadurch erhebliche Potenzi- ale. Kurzfristig sind die Möglichkeiten aber nicht nur aufgrund des noch geringen Exportanteils des Mercosur be- grenzt. Dazu kommt nämlich, dass so gut wie keine Warenkategorien rasche Zollsenkungen erhalten. Die durch- schnittliche Zollsenkungsdauer bis zu einem vollständigen Abbau der Zölle umfasst zwischen 6 und 7 Jahre in der Chemieindustrie und bis zu etwa 13 Jahre im Kraftfahrzeugbau.3 2 Wir beziehen uns hier und im Folgenden auf die 8-Stellerebene des Harmonisierten Systems (HS) der Warensystematik. Einzelne Kate- gorien können relevanter sein als andere, auch können zahlreiche 8-Steller redundant eine gleiche Güterart erfassen. Der Zollanteil ist damit nicht zweifelsfrei aussagekräftig für die „Relevanz“ der betroffenen Güter, liefert aber eine Einschätzung des Zollumfangs. 3 Diese Berechnung vereinfacht die Zollbefreiungen auf solche, die lediglich den Zollsatz eliminieren. In der Praxis gibt es bei manchen Waren aber Kombinationen, in denen z.B. zollfreie Einfuhrvolumina statt Zollsatzsenkungen im Fokus stehen. Da dies jedoch nicht die Regel ist, sehen wir in unserer Berechnung vereinfachend von diesen Möglichkeiten ab. Branchenübergreifende Handelsüberschüsse mit dem Mercosur Handelsbilanz\* Deutschlands mit den Mercosur-Staaten\*, 2025\*\*, Mrd. Euro \*Ohne Bolivien, \*\*Bis November Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 Chemie Pharma Maschinenbau Kraftfahr- zeugbau Metall- gewerbe Elektro Importe Exporte Branchenübergreifend umfassende Senkungen Anteil Waren derzeit verzollt\* (blau) bzw. von Zollbefreiung betroffen (grau) \*Von Mercosur-Staaten gegenüber der EU, gewichtet mit Exportanteilen. Quellen: EU-Kommission, Eigene Berechnungen, Helaba Research &amp; Advisory 0% 20% 40% 60% 80% 100% Chemie Pharma Metall Maschi- nenbau Elektro Kfz Sonst. Fahrz. Zollbefreiung Zölle derzeit Im Fokus: Länder – Mercosur © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. Februar 2026 6 von 7 Die Zollsenkungsdauer ist grundsätzlich bei denjenigen Gütern höher, bei denen derzeit hohe durchschnittliche Zölle gelten. Für den Mercosur ist das auch rational: Eine prompte Zollreduktion in Branchen, in denen die EU besonders stark ist – in Deutschland zum Bei- spiel bei Autos, Maschinen, Elektrotechnik – könnte die Wettbewerbsfähigkeit der über- schaubaren Mercosur-Industrie gefährden. Daher wagt man sich graduell über zeitverzögerte Senkungen an die EU heran. Für Deutschland bedeutet dies, dass kurzfristig keine Exportwunder zu erwarten sind. Stattdessen sollte sich lang- fristig das herauskristallisieren, wozu Handelsabkommen gedacht sind: ein ausgeglichener, aber umfangreicherer Außenhandel, der die Ex- und Importe beider Seiten steigert. So zumindest die Theorie des Freihandels und der „komparativen Vorteile“. Fazit: Interessant wird’s langfristig Langfristig besteht aber auch die Möglichkeit, dass deutsche Unternehmen durch ausländische Direktinvestitio- nen mit der Zeit vermehrt im Mercosur produzieren, wenn sie nach Abbau der Handelshemmnisse die westliche Technologie mit möglichen Kostenvorteilen am Mercosur-Standort kombinieren und „absolute Vorteile“ ausspie- len wollen – ähnlich wie in China in den 2000er Jahren. Zusammenfassend lässt sich sagen: Kurzfristig bewegt das Abkommen nicht viel, ist aber ein wichtiges politisches Statement. Langfristig bietet es aber beiden Wirtschafts- räumen große Chancen. Dabei wird keine Seite eine reine Exporteur- oder Importeurrolle über alle Branchen hin- weg einnehmen. Kurzfristig sollte das Abkommen vor allem als erster wichtiger Schritt in Richtung neuer Freihandelsmöglichkeiten gesehen werden. Zusätzlich dazu stellen sowohl das Abkommen mit Indien als auch die Aufnahme weiterer Ver- handlungen mit zusätzlichen Partnerländern bedeutende Schritte zur Diversifikation und zur Erschließung neuer Chancen dar. Hohe Zölle werden nur langsam gesenkt Ø-Zollniveau\* (Horizontale), Ø-Jahre zum vollständigen Abbau der Zölle (Vertikale) \*Von Mercosur-Staaten gegenüber der EU, gewichtet mit Exportanteilen. Quellen: EU-Kommission, Eigene Berechnungen, Helaba Research &amp; Advisory 0 2 4 6 8 10 12 14 0% 5% 10% 15% 20% 25% Chemie Pharma Metall Elektro Maschinenbau Kfz Sonstiger Fahrzeugbau Im Fokus: Länder – Mercosur © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. Februar 2026 7 von 7 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 - 20 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Das Mercosur-Abkommen bietet der deutschen Wirtschaft neue Perspektiven, kurzfristig aber eher wenig Impulse. Da die Zölle über lange Zeiträume gesenkt werden sollen, nehmen die positiven Effekte erst über mehrere Jahre zu . Solche Handelsabkommen helfen den deutschen Unternehmen, ihre Exportmärkte weiter zu diversifizieren.
