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title: "Im Fokus Welthandel: Auf Kurs in schwierigem Fahrwasser"
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updated: 2026-10-09
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Welthandel: Auf Kurs in schwierigem Fahrwasser

Im Fokus: Länder 19. März 2026 © Helaba | Research &amp; Advisory | 19. März 2026 1 von 4 Research &amp; Advisory Welthandel: Auf Kurs in schwierigem Fahrwasser „De-Globalisierung“ ist als Schlagwort in der öffentlichen Debatte und in der Politik in aller Munde. In der Realität ist in dieser Hinsicht aber wenig passiert. Außer eines Rückgangs im direkten Handel USA-China geht es dem internationalen Warenaustausch erstaunlich gut. Mark Twains Diktum „Die Berichte über meinen Tod sind stark übertrieben!“ trifft auch auf die Globalisierung zu. Wiederholt wurde in den vergangenen Jahren – teilweise schon nach der Finanz- und Wirtschaftskrise – ihr Ableben verkündet. Tatsächlich hat sich die globale Vernetzung durch Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalströme in den vergangenen Jahren als erstaunlich resilient erwiesen – trotz kräftigen politischen Gegenwinds. Schon US-Präsident Joe Biden hatte die Devise „Buy American!“ ausgegeben. Aber nur we- nige Wochen nach Amtsantritt startete sein Nachfolger Donald Trump dann 2025 einen Frontalangriff auf das sichtbarste Teilstück der globalisierten Weltwirtschaft, den internati- onalen Warenaustausch. Dessen bisheriger Höhepunkt wurde mit den „reziproken“ Zöllen vom so genannten „Liberation Day“ (2. April 2025) erreicht. Zwar hielt sich der Rest der Welt mit Vergeltungsmaßnah- men stark zurück. Nur China ging in eine Eskalationsrunde, die aber bald in beidseitigen Zugeständnissen endete. Eine Spirale von Zöllen und Gegen- zöllen wie in den 1930er Jahren konnte vermieden werden. Dennoch überrascht vor diesem politischen Hintergrund der robuste Zustand des internati- onalen Handels. Im Gesamtjahr 2025 legte das Volumen der gehandelten Waren, also bereinigt um Preisänderungen, trotz Trumps Handels-Chaos mit sich fast wöchentlich ändernden Regelungen, global um 4,4 % zu, deutlich stärker noch als 2024 (2,5 %). Mit Ausnahme der Erholung nach der Pandemie war dies das kräftigste Plus seit 2017 (4,5 %). Die Ursachen hierfür sind unter- schiedlich. Zum einen war es gerade die sich ständig ändernde rechtliche Lage in den USA, die Unternehmen zu merklichen Vorziehmaßnahmen veranlasste, um bevorstehende oder befürchtete Zölle zu umgehen. Hier könnte ein „payback“ niedrigerer Importvolumen folgen, bis einschließlich Dezember 2025 war dies aber nicht zu be- obachten. Zum anderen macht sich in den Zahlen wohl auch Handelsumlenkung bemerkbar: Waren, die vorher direkt von China in die USA geliefert wurden, nehmen seit April 2025 häufiger einen Umweg über andere (meist asiatische) Märkte. Sie werden dadurch nun mehrfach als Aus- und Einfuhren gezählt. Zum Teil sind dies sicher reine Zollumgehungsversuche, zum Teil verlegten chinesische Unternehmen aber wohl (End-)Fertigung in Dritt- länder. Patrick Franke Internationale Konjunktur Tel. 069/91 32-47 38 Handel wächst 2025 stärker als die Produktion Real, indexiert: Dezember 2019 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 80 85 90 95 100 105 110 115 120 80 85 90 95 100 105 110 115 120 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Weltwarenhandel Globale Industrieproduktion Vorzieheffekte und Handelsumlenkung Im Fokus: Länder – Welthandel © Helaba | Research &amp; Advisory | 19. März 2026 2 von 4 Schließlich hat sich der internationale Warenaustausch aber auch jenseits dieser Sondereffekte erstaunlich so- lide entwickelt.1 Hierbei spielt der globale KI-Boom eine wichtige Rolle, denn er sorgt dafür, dass die benötigten High-Tech-Produkte, deren Herstellung überdurchschnittlich „handelsintensiv“ ist, stark nachgefragt werden. Dienstleistungen werden international wichtiger Die grenzüberschreitenden Dienstleistungen gewin- nen zudem relativ zu den Waren im Zeitablauf immer mehr an Bedeutung. In den USA ist ihr Anteil an den Gesamtimporten seit 2000 von 15 % auf 22 %, bei den Gesamtexporten von 27 % auf 37 % gestiegen. Laut Weltbank erreichte der internationale Dienstleistungs- handel relativ zur Größe der Weltwirtschaft 2024 ein Allzeithoch von rund 15 %. In der öffentlichen Diskussion spielen die Dienstleis- tungen jedoch eine nachrangige Rolle. Dies liegt wohl zum einen an der schwierigeren statistischen Basis und daran, dass die Daten in vielen Ländern nur verzö- gert vorliegen. Zum anderen fokussiert die Politik – siehe Donald Trump – stark auf physische Güter, aus Gründen, die oft nicht klar sind. Insbesondere ist das Herumreiten auf bilateralen Handelsbilanzsalden, wie es der US-Prä- sident praktiziert, noch weniger sinnvoll, wenn man die zum Teil nennenswerten Dienstleistungsströme willkürlich ausblendet. Für Kanada halbiert die Berücksichtigung der Dienstleistungen das bilaterale US-Defizit, für die EU fällt es rund 40 % niedriger aus. Kapitalströme: Global keine Wende erkennbar Sind die Dienstleistungen statistisch schwierig zu greifen, gilt dies umso mehr für die internationalen Kapi- talflüsse. Zeitnahe, verlässliche Daten zur globalen Entwicklung sind rar und bilden oft nur einen Teil des komple- xen Geflechts an Finanzströmen ab. Die internationale Vergleichbarkeit nationaler Zahlen ist schlecht. Analysten fokussieren gerne auf die „Foreign Direct Investment“ (FDI)-Daten, aber diese Größen sind statistisch meist prob- lematisch und kombinieren häufig Äpfel mit Birnen. Nach unserem besten Wissen ist jedoch auch bei den Finanz- strömen eine De-Globalisierung bislang nicht zu beobachten. Kapitalströme verschieben sich im Zeitablauf, aber dies reflektiert eher einen sich ändernden als einen endenden Globalisierungsprozess. 1 Dies ist auch das Ergebnis des DHL Global Connectedness Report 2026 vom 10. März 2026. Dienstleistungen: Verdreifachung über 50 Jahre Internationaler Dienstleistungshandel, % am BIP Quellen: Weltbank, Helaba Research &amp; Advisory 0 5 10 15 20 25 30 35 0 5 10 15 20 25 30 35 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Welt EU Internationale Kredite auf Wachstumskurs Kein Rückwärtsgang bei den Leistungsbilanzen Grenzüberschreitende Kredite, Mrd. US-Dollar gg. Vq. Globale Leistungsbilanzsalden, Mrd. US-Dollar\* Quellen: BIZ, Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory \*in US-Preisen von 2024 Quellen: IWF, Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory -1.000 -500 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 -1.000 -500 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 2018 2020 2022 2024 Eurozone Rest der Welt USA Europa ohne Eurozone -2.000 -1.500 -1.000 -500 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 -2.000 -1.500 -1.000 -500 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 2004 2014 2024 Summe Defizitländer Summe Überschussländer Im Fokus: Länder – Welthandel © Helaba | Research &amp; Advisory | 19. März 2026 3 von 4 Ein Beispiel sind die grenzüberschreitenden Kredite der Finanzinstitute. In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 schrumpften sie, gingen danach aber wieder auf Wachstumskurs. Von 2018 bis 2025 stieg die Summe der internationalen Kredite laut BIZ weltweit um 13,7 Bio. US-Dollar (+44 %). Dazu steuerten Banken in den USA und in der EU mit jeweils fast 4 Bio. US-Dollar einen hohen Anteil bei. Eine andere Betrachtungsweise macht sich zu Nutze, dass die Kapitalbilanz Spiegelbild der Leistungsbi- lanz eines Landes ist. Letztere hat geringere Mess- und Erfassungsprobleme als erstere und vermittelt daher wohl über den internationalen „Finanzierungs- bedarf“ eine recht gute Vorstellung der tatsächlichen Finanzierungsströme. Hier zeigt das Schaubild auf S. 2, dass von einer De-Globalisierung keine Rede sein kann: Die Summe aller Leistungsbilanzdefizite und -überschüsse hat seit Mitte der 2000er Jahre, als die „globalen Ungleichgewichte“ zuletzt für Ver- unsicherung an den Kapitalmärkten sorgten, per saldo weiter zugenommen.2 Ausblick: Durchwachsen Direktinvestitionen im Ausland, internationale Finanzanlagen sowie der Waren- und Dienstleistungshandel zeigen sich also nach den vorliegenden – wie gesagt, unterschiedlich stark belastbaren – Daten alle in einem besseren Zustand als man angesichts der öffentlichen Diskussion denken würde. Laut Zahlen des Logistikunternehmens DHL hat die durchschnittliche „Reichweite“ im grenzüberschreitendem Warenhandel 2025 in Kilometern gemessen einen neuen historischen Rekord verzeichnet. Auch den Kern der De-Globalisierungsthese, dass der Handel zwischen geopolitischen Blöcken zulasten des Austauschs innerhalb der Blöcke abnimmt, bestätigen die Daten nur eingeschränkt. Der erwarteten kräftigen Abwärtsbewegung eines einschlägigen Indikators steht in Wirklichkeit nur ein gradueller Rückgang gegenüber, der schon 2015 begann. Die USA haben unter der aktuellen Regierung der internationalen Kooperation klar den Rücken zugewandt, nicht nur in Handelsfragen. Ob sich daran nach den Präsidentschaftswahlen von 2028 etwas ändern wird, bleibt offen. China bleibt auf seinem Kurs, der eine möglichst geringe Abhängigkeit der eigenen Wirtschaft vom Ausland mit dem Anspruch auf eine zentrale Rolle am Weltmarkt, insbesondere für die wichtigsten Technologien, verbin- det. Diese explosive Mischung wird weiter für Konflikte sorgen. Als dritter großer Block steht die EU nun vor der Wahl, die amerikanische bzw. chinesische Vorgehensweise zu kopieren oder sich als Verfechter des alten, regel- basierten und offenen Welthandelssystems zu positionieren. Bisher gibt es hier Indizien für beide Richtungen. So hat man das Vorgehen Washingtons im Gegensatz zu China im August 2025 mit dem „Turnberry Agreement“ belohnt, das den Rechtsbruch Washingtons akzeptiert. Chinas Exportoffensive trifft vermehrt auf Widerstand durch Handelshemmnisse. Frankreich scheint sich mit seinen tradi- tionellen „Buy European!“-Vorschlägen zunehmend durchzusetzen, nicht nur im Verteidigungsbereich. Dies läuft auf eine verstärkte Abschottung des Gemeinsamen Marktes hinaus. Gleichzeitig hat die EU aber wichtige Handelsabkommen mit Mercosur und Indien vorangetrieben und scheint selbst bei dem inhaltlich klar gegen die Regeln der Welthandelsorganisation WTO verstoßenden Abkommen mit den USA zumindest den Schein einer Compliance wahren zu wollen. Die Chance, zusammen mit anderen Industrie- staaten wie Kanada oder Japan und wichtigen Schwellenländern eine „Koalition der Willigen“ für einen offenen Welthandel, Ideen- und Kapitalaustausch zu finden, besteht also durchaus. Wird sie die EU ergreifen? 2 Obwohl die weltweiten Defizite und Überschüsse sich theoretisch auf null saldieren sollten, weist die Welt laut IWF derzeit einen sub- stanziellen Überschuss von rund 500 Mrd. US-Dollar mit sich selbst aus. Schließt man Handel mit Außerirdischen als Erklärungsansatz aus, unterstreicht dies die statistischen Probleme bei der Erhebung grenzüberschreitender Güter- und Finanzströme. Globaler Warenhandel: Besser als sein Ruf Durchschnittliche Distanz, Kilometer %\* \*Handel zwischen geopol. Blöcken/Handel innerhalb von geopol. Blöcken Quellen: DHL Global Connectedness Report, Helaba Research &amp; Advisory 20 21 22 23 24 25 26 27 28 4.000 4.500 5.000 5.500 2003 2006 2009 2012 2015 2018 2021 2024 Geografische Distanz (linke Skala) Geopolitische Distanz (rechte Skala) Im Fokus: Länder – Welthandel © Helaba | Research &amp; Advisory | 19. März 2026 4 von 4 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

"De-Globalisierung“ ist als Schlagwort in der öffentlichen Debatte und in der Politik in aller Munde. In der Realität ist in dieser Hinsicht aber wenig passiert. Zwar schrumpft der direkte Handel USA-China, doch dem internationalen Warenaustausch geht es erstaunlich gut. Auch andere Indikatoren der Globalisierung zeigten sich 2025 robust – dem Frontalangriff der Regierung Trump auf das regelbasierte internationale Wirtschaftssystem zum Trotz.
