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title: "Im Fokus Deutschland: Exportwirtschaft vor Erholung"
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type: dd_research
language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Deutschland: Exportwirtschaft vor Erholung

Im Fokus: Länder 23. April 2026 © Helaba | Research | 23. April 2026 1 von 4 Research Deutschland: Exportwirtschaft vor Erholung Im vergangenen Jahr litten die deutschen Exporteure besonders. Sowohl die Ausfuhren in die USA als auch nach China brachen ein. Die schlechte Entwicklung der Exporte in Verbindung mit einem Anstieg der Importe war maßgeblich verantwortlich für das schwache BIP-Wachstum. 2026 dürften die Exporte zumindest nicht erneut abnehmen. Im vergangenen Jahr wurde klar, dass die handelspolitischen Maßnahmen ausländischer Regierungen einen starken Einfluss auf die deutsche Wirtschaft haben können. Seit dem „Liberation Day“ am 2. April 2025 ist mehr als ein Jahr vergangen und er hat auch hierzu- lande Schaden angerichtet. Der Trend hin zu mehr Protektionismus bringt keine Gewinner – außer vereinzelte Unternehmen in den entsprechenden Branchen – und die Importzölle zahlen am Ende meistens die Verbraucher. Für die deutsche Volkswirtschaft spielen die Exportmärkte eine wichtige Rolle. Insbeson- dere für viele Industrieunternehmen sind die ausländischen Absatzmärkte von großer Be- deutung. Genauso essenziell sind jedoch (Vor-)Produkte und Dienstleistungen ausländi- scher Unternehmen für die deutschen Produzenten und Verbraucher. Zölle schaden daher in beide Richtungen – auch wenn manche Protektionisten oder Lobbyisten dem vermutlich widersprechen würden. Deutschland bleibt eine Exportnation Die deutschen Exporte sowie die Importe beeinflussen maßgeblich die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. Denn die Exportquote betrug zuletzt 42,1 % des nominalen BIP, die Importquote erreichte 38,2 %. Der Außen- beitrag1 machte also rund 4 % des BIP aus. Die höchste Außenbeitragsquote hatte Deutschland 2015 mit 7,4 % – damals betrug die Exportquote 42,6 % und die Import- quote 35,2 %. 2025 sanken die realen Exporte um 0,3 %, während die Importe um 3,8 % zunahmen. Das Exportminus fiel also geringer aus, als die negativen Nachrichten im vergangenen Jahr vermuten ließen. Da die Entwicklung jedoch relativ zu der Importentwick- lung sehr schwach war, war der negative Effekt des Au- ßenhandels insgesamt auf das Bruttoinlandsprodukt dennoch groß. Wenngleich die deutschen Exporte seit 2022 keinen Zuwachs mehr verzeichneten, übersteigen sie weiter- hin die Importe. Die deutschen Unternehmen verkau- fen also mehr Produkte und Dienstleistungen in das Ausland als die deutschen Unternehmen und Haushalte aus dem Ausland erwerben. Doch in einer Volkswirt- schaft geht es nicht darum, die Exportüberschüsse zu maximieren. Denn Importe sind nicht per se schlecht – auch wenn sie in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung vom Bruttoinlandsprodukt subtrahiert werden2. Günstige 1 Außenbeitrag = Exporte – Importe 2 In der Berechnung des BIPs werden die Exporte zu der Inländischen Verwendung addiert, während die Importe abgezogen werden. Simon Azarbayjani Konjunktur Deutschland und Eurozone T 069/91 32-79 76 Exporte stagnierten zuletzt Mrd. Euro Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research | 23. April 2026 2 von 4 und qualitativ hochwertige Importgüter leisten einen großen Beitrag dazu, den Lebensstandard der privaten Haushalte zu verbessern. Viele Unternehmen können erst wertschöpfend arbeiten, indem sie notwendige Vorleis- tungen aus dem Ausland importieren. Großteil des Außenhandels findet in Europa statt China und die USA liegen weiterhin auf Platz 1 und 2 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. China zeichnet sich hierbei als eines der wenigen Länder mit einem starken Import-Überschuss aus. Bei den meisten an- deren Handelspartnern übersteigen dagegen die deutschen Exporte die Importe. Auch wenn die zwei wichtigsten Handelspartner au- ßerhalb Europas liegen, findet ein Großteil des deut- schen Außenhandels innerhalb Europas statt. Zu den wichtigsten europäischen Exportmärkten zählen vor allem angrenzende Länder wie die Niederlande, Frankreich, Polen, Österreich, die Schweiz, Tschechien und Belgien. Aber auch andere große Volkswirtschaf- ten Europas wie das Vereinigte Königreich, Spanien und Italien sind wichtige Absatzmärkte für die deut- schen Unternehmen. Knapp 61 % der deutschen Exporte gingen 2025 in EU-Mitgliedstaaten oder das Vereinigte Königreich. Der Großteil davon blieb im gemeinsamen Währungs- raum (39 %). Gut 9 % der Exporte gingen in die USA und etwas mehr als 5 % nach China. Die übrigen knapp 25 % verteilen sich auf die restlichen Länder. Abgesehen von den USA, China und Europa ist Japan ein wichtiger Exportmarkt mit einem Anteil von 1,3 %. China-Schock 2.0 und höhere US-Importzölle belasten Die langfristige Exportentwicklung zeigt, dass viele Jahre lang vor allem die steigende Nachfrage nach deutschen Gütern aus China dafür sorgte, dass die Ausfuhren insgesamt zunahmen (vgl. Chart S. 3). Dies kann als eine Art Sonderkonjunktur für die deutsche Industrie bezeichnet werden. Dieser Effekt hat sich jedoch 2020 umgekehrt. Die Exporte nach China gehen seitdem stark zurück. Das liegt vor allem an der stärkeren Konkurrenz in China. Einige Produkte, die das Land früher aus Deutschland importierte, können chinesische Unternehmen nun selbst produzieren – in vergleichbarer oder sogar besserer Qualität und meist günstiger. Einerseits fragt China dadurch weniger Produkte aus Deutschland nach, andererseits wurden chinesische Unternehmen dadurch stärkere Wett- Die wichtigsten Handelspartner Deutschlands Mrd. Euro, 2025 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research 0 50 100 150 200 250 300 Exporte Importe Ein Großteil der Exporte bleibt in Europa Exportanteile, 2025, % Quellen: Macrobond, Helaba Research EU UK USA China Rest Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research | 23. April 2026 3 von 4 bewerber. Unternehmen aus den deutschen Schlüsselbranchen – wie Automobil, Maschinenbau und Elektrotech- nik – verlieren so manche ihrer Kunden auf Drittmärkten an chinesische Produzenten. Dieser „China-Schock 2.0“3 belastet exportorientierte Industrieunternehmen in Deutschland. Erschwerend kam hinzu, dass auch die Ausfuhren in die USA 2025 eingebrochen sind. Durch die im April letzten Jahres implementierten höheren US-Importzölle nahmen die deutschen Exporte in die USA im vergangenen Jahr um nominal 9,4 % ab. Die Ausfuhren nach China sanken im gleichen Zeitraum sogar um 9,7 %. Da die Exporte in die Eurozone aber um 4 % zunahmen, verzeichneten die gesamten Exporte sogar ein Plus von 0,9 %. Preisberei- nigt ergab sich daraus ein recht geringer Rückgang der realen Exporte von -0,3 %. Durch den gleichzeitigen An- stieg der realen Importe ergab sich ein negativer Wachstumsbeitrag des Außenhandels in Höhe von -1,5 Pro- zentpunkten. Dies war der Hauptgrund für das schwache Wirtschaftswachstum 2025 in Deutschland von kalender- bereinigt nur 0,4 % gegenüber dem Vorjahr. Immerhin entwickelten sich die inländischen Konsumausgaben sowie die Bruttoanlageinvestitionen deutlich besser. Exporte stagnieren 2026 – mehr Ausfuhren erst 2027 Durch die Entscheidung des Supreme Court am 20. Februar 2026 fallen die US-Importzölle für die EU nun niedriger aus. Für die meisten Güter gilt ein Zollzuschlag von 10 %4. Da die absolute Zollhöhe damit in der Regel niedriger ist als der avisierte Zoll von 15 % im Handelsabkommen, gibt es im Moment kaum einen Anreiz für die EU, weiter an der Umsetzung des Abkommens mit den USA zu arbeiten. Zudem ist der neue Zollzuschlag von 10 % zunächst auf 150 Tage begrenzt. Im Sommer dieses Jahres könnten die Importzölle also nochmal sinken. Doch es ist damit zu rechnen, dass die Trump-Administration eine weitere Methode findet, um die Importzölle anzupassen. Die ab- solute Höhe der durchschnittlichen Zölle dürfte aber dann nicht deutlich vom aktuellen Niveau abweichen. Die deutschen Ausfuhren in die USA dürften sich daher 2026 stabilisieren und könnten ab 2027 sogar wieder etwas zunehmen – wenn auch von niedrigerem Niveau. Da die chinesische Nachfrage nach deutschen Gütern bereits in den letzten Jahren stark rückläufig war, wird das Potenzial eines weiteren Rückgangs kleiner. Wir gehen davon aus, dass der China Schock 2.0 langsam ausklingt und damit den Abwärtsdruck auf die deutschen Exporte abnimmt. Gleichwohl erwarten wir keinen Wachstumsim- puls durch die deutschen Ausfuhren nach China. 3 Eine ausführlichere Studie zum China-Schock 2.0 finden Sie hier: Wie betrifft der China-Schock 2.0 deutsche Branchen? 4 Für einzelne Güterkategorien gelten höhere Sonderzölle. Starker Rückgang der chinesischen Nachfrage Schwache Entwicklung der Exporte Exporte\*, Index: Januar 2008 = 100 2025, % gg. Vj. \*preisbereinigt mit dem impliziten Preisdeflator für Exporte Quellen: Macrobond, Helaba Research \*nicht-preisbereinigt Quellen: Macrobond, Helaba Research 0,9 4 -9,4 -9,7 4,3 2,6 3,1 8,9 -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 Gesamt Eurozone USA China Exporte\* Importe\* Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research | 23. April 2026 4 von 4 Damit scheinen sich zwei Belastungsfaktoren für den deutschen Außenhandel zu entschärfen. Wenn die Exporte nach USA und China 2026 nicht weiter abnehmen, wäre dies bereits eine relative Besserung. Wachstumspotenzi- ale liegen für die deutsche Exportwirtschaft dagegen in Europa und dem Rest der Welt. Das Wachstum der Ex- porte innerhalb Europas im letzten Jahr sowie die jüngst abgeschlossenen Handelsabkommen mit Indien und den Mercosur-Staaten5 geben hierfür die Richtung vor. Wir gehen davon aus, dass die deutschen Exporte im laufenden Jahr stagnieren, also keinen Wachstumsbeitrag für das BIP leisten werden. Da die Ausfuhren seit 2023 drei Jahre in Folge rückläufig waren, wäre das schon einmal ein Aufatmen für die deutsche Exportwirtschaft. Ab 2027 dürften die Ausfuhren aber wieder zunehmen. Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. 5 Siehe hierzu Mercosur im Check: Bedeutung und Chancen für Deutschland Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Ex- und Importe sind für die deutsche Volkswirtschaft weiterhin von großer Bedeutung. Der Großteil des Außenhandels findet in Europa statt. China-Schock 2.0 und höhere US-Importzölle belasten.
