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title: "Im Fokus Tschechien: Wirtschaft mit Widerstandskraft"
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language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Tschechien: Wirtschaft mit Widerstandskraft

Im Fokus: Länder &amp; Devisen 23. Juni 2026 © Helaba | Research | 23. Juni 2026 1 von 3 Helaba Research Tschechien: Wirtschaft mit Widerstandskraft Trotz diverser Belastungen wächst die tschechische Wirtschaft 2026 solide. Die Krone zeigt sich wenig beeinträchtigt und die Zentralbank untermauert ihre Stabilitätsorientierung. Die tschechische Wirtschaft ist im EU-Vergleich gut ins Jahr gestartet: Im ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 % zu, zum Vorquartal um 0,2 %. Die Verbraucher profitieren von den kräftigen Lohnsteigerungen, die im Quar- talsdurchschnitt 8,1 % (inflationsbereinigt: 6,4 %) betrugen. Auch wenn der Jahresdurch- schnitt darunter liegen dürfte, wird der Reallohnzuwachs den Konsum unterstützen. Die Ar- beitslosenquote ist mit zuletzt 4,8 % noch moderat, harmonisiert nach EU-Vorgaben lag sie sogar nur bei 3,1 % – eine der niedrigsten in der EU. Dies stärkt die Position der Arbeitneh- mer. Da außerdem Wachstumsimpulse vom Abruf offener EU-Fördermittel, von einer expan- dierenden Rüstungsindustrie und von Investitionen in die E-Mobilität kommen, dürfte beim Wirtschaftswachstum 2026 eine 2 vor dem Komma stehen. Den Preisanstieg durch Energieknappheit infolge des Irankriegs bremste der Staat durch Steuererleichterungen und Obergrenzen bei Diesel. Mit der Einigung der Kriegsparteien sind die Energiepreise zurückgegangen. Wo Vor- produkte teuer eingekauft werden mussten, sind aber Zweitrundeneffekte möglich. In der zweiten Jahreshälfte dürfte die Inflation höher ausfallen und im Jahresdurchschnitt 2,5 % erreichen. Die jährlich von der Auslandshandelskammer befragten Unternehmen sind laut der jüngsten Erhebung vom April positiver gestimmt: Mit 44 % schätzen deutlich mehr der Befragten als im letzten Jahr (+ 10 Prozentpunkte) ihre aktuelle Geschäftslage als gut ein, ebenso viele bezeichnen sie als befriedigend. Nur 12 % halten sie für schlecht, das ist der niedrigste Stand seit 2023. Optimistisch sind vor allem Handelsunternehmen: rund zwei Drittel sind davon überzeugt, dass es 2026 aufwärts geht. Die Ausgangslage für eine steigende Investitionstätigkeit der Unternehmen hat sich damit verbessert. Zwar dürften die Antworten die Auswirkun- gen des Irankriegs noch nicht ganz widerspiegeln. Je- doch bestätigt der Einkaufsmanagerindex im Verarbei- tenden Gewerbe im Mai trotz leichten Rückgangs das deutlich höhere Niveau im Vergleich zum Vorjahr. Bedeutung von KI nimmt zu Von steigender Beschäftigung gehen allerdings weni- ger Unternehmen aus. Vor allem das Verarbeitende Gewerbe ist zurückhaltend. Hier dürfte der vermehrte Einsatz von KI eine Rolle spielen. Angesichts von Fachkräftemangel und steigenden Löhnen werden Arbeitgeber vermehrt die Vorteile von KI nutzen. Deren Verwendung in tschechischen Unternehmen ist von 2024 (rund 11 %) auf 2025 (rund 18 %) kräftig gestiegen und liegt damit fast auf EU-Durchschnitt. Marion Dezenter Senior Country Analyst Tel. 069/91 32-28 41 Beschäftigungsperspektiven branchenabhängig Einschätzung der Beschäftigung 2026 durch Unternehmen, % Quellen: DTIHK-Konjunkturumfrage, Helaba Research 13 22 36 34 87 65 43 30 13 21 36 0 20 40 60 80 100 Bau Dienstleist. Handel Verarb. Gew. steigen sinken unverändert 2024 2025 2026p 2027p BIP, real\* % gg. Vj. 1,1 2,6 2,0 2,5 Inflationsrate % gg. Vj. 2,4 2,5 2,5 2,8 Arbeitslosenquote % 3,8 4,4 4,8 4,5 Budgetsaldo % des BIP -2,0 -2,1 -2,7 -3,0 \*kalenderbereinigt; Quellen: EIU, Eurostat, M acrobond, Helaba Research Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Tschechien © Helaba | Research | 23. Juni 2026 2 von 3 Energie- und Rohstoffpreisanstieg sowie Fachkräftemangel gehören für die Unternehmen in den nächsten Mo- naten zu den größten Risiken. Auch eine mangelnde Nachfrage und hohe Arbeitskosten werden befürchtet. Län- gerfristig spielt die verlässliche Verfügbarkeit von Energie und Rohstoffen eine wichtige Rolle. Auch die politische Stabilität, die Wirtschaftspolitik und die Demografie werden als Risikofaktoren wahrgenommen. 90 % der Unter- nehmen sprechen sich für die stärkere Koordinierung der Energiepolitik auf europäischer Ebene aus, um die Wett- bewerbsfähigkeit zu sichern. Viele geben an, selbst in Energieerzeugung und -effizienz investieren zu wollen. Auch der Staat ergreift hier Maßnahmen: die Regierung erklärte 2025 nach dem Anschluss an die Transalpine Pipeline (TAL), die Öl von Triest über Österreich nach Deutschland leitet, die komplette Unabhängigkeit von russi- schem Öl. Der Bezug von russischem Gas wurde 2025 auf europäische und US-amerikanische Quellen umgestellt. Zudem wird massiv in den Ausbau von Kernenergie investiert. Die Investitionen in Infrastruktur sowie Digitalisie- rung, die von der EU gefördert werden, kommen in nächster Zeit dem Wirtschaftswachstum zugute. Zentralbank folgt dem EZB-Zinsschritt Der Verbraucherpreisanstieg blieb mit 2,5 % im April und 2,1 % im Mai moderat und vereinbar mit dem Inflati- onsziel der tschechischen Nationalbank CNB (2 % +/- 1 Prozentpunkt). Die unter anderem um Nahrungsmittel- sowie Spritpreise bereinigte Kerninflation verharrt allerdings bei 2,9 %. In der Kombination mit den kräftig stei- genden Löhnen war dies für die Zentralbank ausschlaggebend, um in ihrer Sitzung Mitte Juni den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 % anzuheben und damit dem Zinsschritt der EZB zu folgen. Wird das jüngst unterzeich- nete Abkommen der USA mit dem Iran erfolgreich umgesetzt, sollte die Inflation im Jahresdurchschnitt im Rah- men des Inflationsziels bleiben. Einen weiteren Zinsschritt wird die CNB dann vornehmen, wenn die Lohnent- wicklung oder Zweitrundeneffekte aus Energiepreisen auf ein steigendes Inflationsrisiko hindeuten. Der Irankrieg schwächte die Währung nur kurzfristig: Die Tschechische Krone hat seit April zum Euro an Wert ge- wonnen und lag zuletzt bei gut 24 Kronen je Euro. Die Wirtschaft wächst deutlich oberhalb des EU-Durchschnitts und zum Ende des EU-Finanzrahmens 2021-2027 ist mit einer stärkeren Nutzung der verbleibenden Investitions- zuschüsse zu rechnen. Da außerdem das Zinsniveau attraktiv bleibt, dürfte sich die Währung weiterhin stabil ent- wickeln. Die expansivere Fiskalpolitik schlägt sich in einer höheren Verschuldung nieder, die allerdings im EU-Ver- gleich gering ist (2025 rund 45 % des BIP gegenüber 82 % in der EU), sodass kein Grund für Zweifel an der Stabili- tät Tschechiens besteht. Im Jahresverlauf ist bei einer Normalisierung der Handelsströme in der Straße von Hor- mus mit Werten um 24 Kronen je Euro zu rechnen. Politikwechsel unter neuer Regierung Die Wahrscheinlichkeit, dass die CNB auch künftig selbständig agieren kann, ist hoch: Die vorherige Regierungs- koalition der bürgerlichen Mitte war in der Frage der Euro-Einführung uneins. Ministerpräsident Babiš ist jedoch ein erklärter Euro-Gegner. Wegen eines Interessenskonflikts bei EU-Subventionen für seinen Konzern Agrofert Stabile Krone Tschechische Notenbank in der Spur der EZB Wechselkurse, Index, 1.1.2024 = 100 Leitzinsen, % Quellen: Macrobond, Helaba Research Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Tschechien © Helaba | Research | 23. Juni 2026 3 von 3 war er mehrfach in die Schlagzeilen geraten, verlor 2021 knapp die Parlamentswahl, wurde mit seiner Partei ANO im Dezember 2025 jedoch erneut ins Amt gewählt. Auch wenn die Abkehr von der gemeinsamen Währung den beim EU-Beitritt 2004 eingegangenen Verpflichtungen zuwiderläuft, entspricht sie wohl der aktuellen Mehrheitsmeinung: Laut jüngstem Eurobarometer vom Frühjahr 2026 sind rund zwei Drittel der Tschechen gegen den Euro – so viele wie nirgends sonst in der EU. Dies mag mit einem allgemeinen Misstrauen gegenüber Institutionen zu tun haben, sowohl auf nationaler als auch auf EU- Ebene: Bei der Frage zum Vertrauen in die EU hatten die Tschechen mit 46 % einen Platz im letzten Fünftel der teilnehmenden Länder. Das Vertrauen in die eigene Regierung war mit 45 % genauso schwach, platziert die Tschechen im EU-Vergleich aber trotzdem im vorderen Drittel. Selbst die Mitgliedschaft in der EU halten nur 40 % für eine gute Sache, obwohl sich der Wohlstand des Landes seit 2004 stark verbessert hat: Inzwischen wird ein Pro-Kopf-BIP von über 90 % des EU-Durchschnitts (in Kaufkraftstandards) erreicht, was dem Level Spaniens und Italiens entspricht und über dem Polens (81 %) sowie Ungarns (76 %) liegt. Auch abgesehen von der Haltung zum Euro steht die zweite Amtszeit von Ministerpräsident Babiš im Zeichen poli- tischer Kehrtwenden: Dazu zählt die deutlich expansivere Fiskalpolitik mit einerseits höheren Sozialtransfers und Überlegungen zu Steuersenkungen, andererseits aber – entgegen dem internationalen Trend – Einsparungen bei Rüstungsausgaben. Die Munitionsinitiative der EU, durch die die Ukraine mit Rüstungsgütern versorgt wird, will Tschechien nicht mehr mitfinanzieren. Dennoch profitiert die aufstrebende tschechische Rüstungsindustrie von dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis der EU-Länder und liefert in großem Umfang an die Ukraine. Die Exporte der Branche haben sich seit 2021 mehr als versechsfacht. Angesichts der wirtschaftlichen Vorteile aus der EU-Mit- gliedschaft könnte eine allzu große Zurückhaltung bei gemeinsamen Initiativen für Unmut sorgen, zumal in einer Zeit, in der die EU mehr denn je auf Zusammenhalt angewiesen ist. Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. 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Gestützt auf eine solide Inlandsnachfrage, die expansivere Fiskalpolitik und den Abruf von EU-Fördermitteln wächst die Wirtschaft 2026 um 2 %. Die Inflation bleibt im Jahresdurchschnitt mit 2,5 % im Rahmen des Zentralbankziels. Die Notenbank dürfte nach dem Zinsschritt im Juni auf Sicht fahren und die weitere Inflationsentwicklung abwarten. Im Jahresverlauf ist mit einer Bewegung um 24 Kronen je Euro zu rechnen.
