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title: "Im Fokus USD: Zwischen Zinsen, Zöllen und Zapfsäule"
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language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus USD: Zwischen Zinsen, Zöllen und Zapfsäule

Im Fokus: Devisen 1. Juli 2026 © Helaba | Research | 1. Juli 2026 1 von 4 Helaba Research US-Dollar: Zwischen Zinsen, Zöllen und Zapfsäule Zinsen dominieren wieder die Euro-Dollar-Entwicklung. Der Einfluss des Ölpreises nimmt dagegen deutlich ab. Die politischen Risiken in der Handels- und Geopolitik bleiben hoch. Ändern sich mit einer potenziellen Lösung des Irankriegs auch wieder die Einflussfaktoren am Devisenmarkt? Vor dem Irankrieg war der US-Dollar infolge der amerikanischen Handels- politik und dem damit schwindenden Vertrauen in den US-Dollar so schwach wie seit Jahren nicht mehr. Das änderte sich schlagartig Anfang März, als der Kriegsbeginn mit gestiegenen Ölpreisen und einer sinkenden Risikobereitschaft von Anlegern den US-Dollar beflügelte. Zuletzt konnte die Währung von einem sich abzeichnenden Wechsel in der Geldpolitik der Fed profitieren. Aufgrund dessen sehen wir die erwartete Abwertung des Dollars nun schwächer und später als bisher angenommen und haben unsere US-Dollar-Prognose auf 1,17 zum Jahresende reduziert. Der Ölpreis war zu Beginn des Irankrieges ein maßgeblicher Faktor für die Wechselkursbewegungen zwischen US-Dollar und Euro. Ein um 10 US-Dollar höherer Ölpreis ging in etwa mit einem um einen Cent stärkeren Dollar einher. So bewegte sich mit dem Ölpreisanstieg von 70 auf 110 Dollar der Wechselkurs von 1,19 auf bis zu 1,15. Einerseits verbessert der Ölpreis die Außenhandelspreise der USA, die seit einigen Jahren Nettoölexporteur sind. Andererseits steht der hohe Ölpreis dafür, dass die geopolitischen Risiken in der Welt deutlich höher sind. Norma- lerweise sind in solchen Zeiten sichere Anlageklassen wie der US-Dollar gesucht. Dieser Zusammenhang verschwand zuletzt, sodass die Preisrückgänge für Rohöl den US-Dollar nicht schwächten. Der Korrelationskoeffizient – also der statistische Wert, der misst, wie stark sich zwei Größen in die gleiche Rich- tung bewegen – pendelt um die Nulllinie (siehe Grafik, rechts). Der US-Dollar reagiert aktuell also mehr nicht auf Ölpreisbewegungen und umgekehrt. Dass sich Einflussfaktoren am Devisenmarkt ändern, ist nicht ungewöhnlich. Die entscheidende Frage ist, wann und wie sie sich ändern. Der Ölpreis könnte wieder auf die Tagesordnung rücken, wenn es in einer Marktphase we- nig andere Impulse gibt. Aktuell gibt es unserer Meinung nach Nachholbedarf für den Euro, da der steigende Öl- preis den Dollar unterstützte, der fallende Ölpreis aber nicht das Gegenteil bewirkte. Samuel Will Devisenstratege T 069/91 32-74 88 Öl und Dollar nicht mehr im Einklang Korrelation von Öl und Dollar zuletzt bei Null WTI, US-Dollar/Fass USD WTI, USD/Fass Korrelationskoeffizient Quellen: Macrobond, Helaba Research \* rollierende 10-Tages-Korrelation täglicher Renditen Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Devisen – US-Dollar © Helaba | Research | 1. Juli 2026 2 von 4 Stattdessen sind nun die Zinsbewegungen der dominierende Faktor für den Euro-Dollar-Wechselkurs. Diese ge- rieten zu Beginn des Irankriegs aus dem Blickfeld der Anleger, spielten im zweiten Quartal aber wieder eine stär- kere Rolle (siehe Grafik rechts). An den Futuremärkten wird aktuell etwas mehr als eine Zinserhöhung um 25 Ba- sispunkte bis Jahresende eingepreist. Zu Anfang 2026 wurden noch mindestens zwei Zinssenkungen von den Marktteilnehmern erwartet. Das macht auf US-Dollar denominierte Anlagen attraktiver und stützt so die Währung. Solange unklar ist, inwiefern der Ölpreisschock Zweitrundeneffekte nach sich zieht, bleibt die Geldpolitik im Fokus der Devisenmärkte. Hinzu kommt, dass Fed-Präsident Kevin Warsh die künftige US-Geldpolitik weniger vorab kommunizieren wird als seine Vorgänger. Dadurch ist hier mit größeren Überraschungen zu rechnen. Die Inflation in den USA liegt seit über fünf Jahren über dem Teuerungsziel von 2 %. Daher erwarten wir von der Fed eine Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte im dritten Quartal. Für die Fed-Sitzung im Juli werden insbesondere die Inflationszahlen für Juni entscheidend sein. Ein Szenario, in dem die Fed einen längeren Zinssteigerungspfad einschlägt, ist jedoch wenig wahrscheinlich. Das liegt daran, dass das Wachstum der US-Wirtschaft nicht breit ge- stützt ist und die Investitionen außerhalb des KI-Sektors schwach sind. Außerdem sind die Ölpreise bereits stark zurückgegangen, wodurch der inflationäre Druck nachlässt. In den meisten Fällen erklären Zinsdifferenzen die Wechselkursentwicklung am besten. Wir gehen von einem stabilen Leitzins im Euroraum aus. Eine Zinserhöhung in den USA stützt zwar grundsätzlich den US-Dollar, sollte aber bereits am Devisenmarkt eingepreist sein. Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor für die weitere Entwicklung ist die Handelspolitik, da Zölle direkten Einfluss auf die Inflationsdynamik und damit auf die künftige Geldpolitik haben können. Zölle wirken sich darüber hinaus auch auf den Außenhandel der USA und das Vertrauen in den US-Dollar aus. Die von Trump vorübergehend eingeführten Zölle laufen am 24. Juli aus. Bis dahin wird er sich wohl neue Zollmaß- nahmen überlegen und es ist gut möglich, dass der Handelskrieg in eine weitere Runde geht. Als die US-Regie- rung im April 2025 „reziproke Zölle“ ankündigte, führte dies in den Folgemonaten zu einer starken Abwertung des US-Dollars. Dazu kamen Drohungen in der Außenpolitik, die Verbündete verschreckten und Angriffe auf verschie- dene US-Institutionen. Ein Aufflammen dieser Themen scheint im Jahresverlauf gut möglich und aktuell am Markt nur wenig beachtet zu sein. Das spräche grundsätzlich für eine Abwertung des Dollars. Die eingeführten Zölle konnten die stark negative Handelsbilanz der USA etwas verbessern. Zwar gab es Vor- zieheffekte im März, da Importeure die Zölle antizipierten und Waren ins Land holten, bevor die Abgaben darauf anfielen. Deshalb fiel die Handelsbilanz hier deutlich negativer aus, als dies normalerweise der Fall gewesen wäre. Aber in den Monaten danach verbesserte sich die Waren- und auch die Handelsbilanz, sodass das Handelsbilanz- defizit der USA weiter reduziert wurde. Renditeanstiege in den USA stützen Dollar Renditen seit April wieder relevanter % USD Korrelationskoeffizient USD Quellen: Macrobond, Helaba Research \* rollierende 10-Tages-Korrelation täglicher Renditen Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Devisen – US-Dollar © Helaba | Research | 1. Juli 2026 3 von 4 Das passt zu Donald Trumps politischen Zielen. Hauptzweck der Zölle ist es für ihn, Exporte anzukur- beln bzw. Importe zu reduzieren. In der Vergangenheit wurde dies aber am besten erreicht, wenn der Wech- selkurs abwertete – so geschehen zum Beispiel Mitte der 1980er Jahre. Trump hat mehrfach gesagt, dass er einen schwachen Dollar für gut hält, da dies die Wirt- schaft und die Exporte ankurbele. Konkrete Maßnah- men zur Schwächung der Währung wie in den 80er Jahren setzte er aber bisher nicht um. Andere Regierungsmitglieder sprachen sich aber ge- gen eine übermäßige Abwertungsstrategie aus. Finanzminister Scott Bessent hält die Rolle des US- Dollars als Weltleitwährung für wichtig. Und dafür benötigt man eine starke Währung. Das Privileg der Leitwährung verleiht außenpolitisch Macht, indem Sanktionen wie der Zugang zum Dollar-System verhängt oder angedroht werden können. Wichtiger ist aber die Möglichkeit, sich in der eigenen Währung zu ver- schulden. Der US-Staat fährt Jahr für Jahr große Defizite und finanziert sie über zusätzliche Schulden. In den kommenden Jahren wird das Schuldenwachstum höher sein als das Wirtschaftswachstum. Dementsprechend wird die Schuldenquote steigen. Aktuell ist der Staat mit rund 100 % des BIP verschuldet – bezieht man die Bundes- staaten mit ein, sind es sogar 125 %. Große Anteile der Schul- den liegen in ausländischer Hand. Das kann zum Problem werden, wenn die Staatsver- schuldung zu stark steigt und deshalb das Vertrauen ausländi- scher Investoren schwindet. Durch die Rolle des US-Dollars als Weltleitwährung und die dementsprechend starken Ver- flechtungen in der Weltwirt- schaft sowie im Weltfinanzsys- tem kann sich der amerikani- sche Staat höhere Schulden er- lauben als andere Länder. Der langfristige Trend in der Rolle als Weltreservewährung zeigt jedoch nach unten. Länder wie Russland und der Iran mussten eine Alternative zum Dollar finden. Andere Länder wie China bauen sich eigene Transaktionssys- teme auf, um unabhängiger vom Dollar zu werden und so durch mögliche Sanktionen weniger stark betroffen zu sein. Dass der Dollar sensibel auf seine Rolle als Leitwährung reagiert, zeigt zum Beispiel die Ankündigung eines relativ kleinen dänischen Pensionsfonds, seine US-Staatsanleihen zu verkaufen – auf die sich die US-Regierung gezwungen sah, zu antworten. Trotz kurzfristiger Stützung durch Zinsen und den nachlassenden Einfluss des Ölpreises überwiegen mittelfristig die Risiken aus Geldpolitik, Handel und strukturellen Faktoren. Wir sehen den Dollar daher kurzfristig nur leicht schwächer – zum Jahresende halten wir 1,17 für realistisch. Langfristig gehen wir von einer weiteren Abwertung des US-Dollars aus. Hohe Defizite führen zu weiter wachsenden Staatsschulden % am BIP % am BIP \* ohne untergeordnete Gebietskörperschaften; Prognose Schulden: CBO, Budget: Helaba Quellen: Macrobond, Helaba Research Zölle zeigen Wirkung in der Warenhandelsbilanz % des BIP Index \* Drei-Monats-Durchschnitt Quellen: Macrobond, Helaba Research aktuell\* Q3/26 Q4/26 Q1/27 Q2/27 US-Dollar / Euro 1,14 1,15 1,17 1,18 1,20 \* 30.06.2026 Quellen: Bloomberg, Helaba Research Im Fokus: Devisen – US-Dollar © Helaba | Research | 1. Juli 2026 4 von 4 Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Die Zinsdifferenzen dominieren zuletzt wieder den Euro-Dollar-Wechselkurs. Der Einfluss des Ölpreises ist zuletzt deutlich geringer als zu Beginn des Irankriegs. Politische Risiken gehen von einer potenziellen neuen Runde von Handelsstreitigkeiten aus.
