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title: "Im Fokus Immobilien: Britische Immobilienmärkte im Aufwärtstrend"
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updated: 2026-10-09
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# Im Fokus Immobilien: Britische Immobilienmärkte im Aufwärtstrend

Im Fokus: Immobilien 14. August 2026 © Helaba | Research | 14. August 2026 1 von 9 Helaba Research Britische Immobilienmärkte im Aufwärtstrend Die britische Wirtschaft befindet sich dank des großen Dienstleistungssektors auf Wachstums- kurs. Gleichzeitig haben die Immobilienmärkte den Zinsschock von 2022 weitestgehend verdaut und einen neuen Zyklus begonnen. Die Investmentaktivität liegt über dem Niveau von vor der Corona Pande- mie und die Leerstände von Büros und Einzelhandelsimmobilien sinken. Wohnraum bleibt knapp und stark nachgefragt. Die Lage auf den Logistikmärkten hat sich dagegen etwas abgekühlt. Dienstleistungen sind Wachstumsmotor Zehn Jahre nach dem Brexit-Votum steht die britische Wirtschaft besser da als von vielen Ökonomen im Vorfeld befürchtet wurde.1 Während die deutsche Wirtschaftskraft ungefähr auf dem Niveau von 2019 stagniert, ist Großbritannien seit über fünf Jahren wieder auf Wachs- tumskurs. Im Jahr 2025 lag das britische Bruttoinlandsprodukt 1,3 % über dem Vorjahresni- veau und wuchs damit etwas weniger stark als die Eurozone (1,5 %). Die insgesamt solide Entwicklung ist fast ausschließlich dem Servicesektor zu verdanken. Mit 80 % der Wirtschaftsleistung macht er mit Abstand den größ- ten Anteil im Vereinigten König- reich aus. Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich seit 2022 etwas abgekühlt. Im April lag die Arbeitslosenquote mit 4,9 % knapp 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahr, aber weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau. Wie auch im Rest Europas hat der Irankrieg die wirt- schaftlichen Aussichten in Großbritannien einge- trübt. Dennoch kann die britische Wirtschaft 2026 mit 1,2 % ungefähr so stark wie im Vorjahr wachsen und an Dynamik gewinnen, wenn die negativen Auswir- kungen nachlassen (2027: 1,4 %). 1 Im Fokus Großbritannien: Zehn Jahre Brexit Votum vom 24.06.2026 Dienstleistungen sind Wachstumsmotor ............................................................................................... 1 Ein neuer Immobilienzyklus hat begonnen ............................................................................................ 2 Büroleerstände sinken und Mieten steigen ........................................................................................... 4 Einzelhandel auf Erholungskurs ............................................................................................................ 5 Logistikimmobilien legen Verschnaufpause ein .................................................................................... 6 Mehrfamilienhäuser: Hohe Nachfrage treibt Mieten .............................................................................. 7 Paul Richter Senior Economist T 069/91 32-79 58 Britische Wirtschaft wächst robust Reales Bruttoinlandsprodukt, Q1 2015 = 100 Quellen: LSEG, Helaba Research Im Fokus: Immobilien – Großbritannien © Helaba | Research | 14. August 2026 2 von 9 Die Inflation erfährt durch die höheren Energiepreise neuen Auftrieb und lag im Juni 2,6 % über dem Vor- jahr. Der Energiepreisschock verhindert eine Rück- kehr zum Zielwert der Bank of England und zwang sie, ihren Zinssenkungszyklus bei einem Einlagezins von 3,75 % zu pausieren. An den Kapitalmärkten werden die gestiegen Inflati- onsrisiken und die hohe Schuldenquote von etwas über 100 % des BIP mit höheren Laufzeitprämien quittiert. Die Ankündigung des neuen Premierminis- ters Andy Burnham, fiskalpolitisch diszipliniert zu han- deln, wurde positiv von den Anleihemärkten aufge- nommen. Insgesamt bleibt die Lage wegen des fragi- len geopolitischen Umfelds dennoch angespannt. Hö- here Renditen und Leitzinsen sind zu erwarten, sollten sich die gestiegenen Energiepreise über Zweitrundeneffekte in der Kernrate niederschlagen. Bisher ist dies nicht zu beobachten, könnte aber bei einem länger andauernden Irankrieg passieren. Ein neuer Immobilienzyklus hat begonnen Der Zinsschock 2022 hatte eine Korrektur an den britischen Immobilienmärkten ausgelöst. Ausgehend von ih- rem Hochpunkt sanken die Kapitalwerte des gewerblichen Immobilienpreisindex von MSCI Real Assets um rund 33 %. Mit dem Beginn der Leitzinssenkungen der Bank of England im Sommer 2024 bildeten die Preise ihren Bo- den, lagen aber knapp zwei Jahre später mit etwa 3 % nur leicht über ihrem Tiefpunkt. Im Vergleich zu früheren britischen Immobilienzyklen erholen sich die Kapitalwerte trotz steigender Mieten bisher wenig dynamisch. Die langfristige Betrachtung seit 1987 verdeutlicht die Bedeutung der laufenden Mieterträge für die Performance britischer Gewerbeimmobilien. Mit durchschnittlich 6,7 % pro Jahr entfallen mehr als drei Viertel der durch- schnittlichen Gesamtrendite von 8,6 % auf die Mieteinnahmen. Die Entwicklung der Kapitalwerte steuert mit 1,8 % einen deutlich geringeren Anteil bei. Auf Sicht der letzten zwölf Monate blieben sowohl die Kapitalwertver- änderungen (1,5 %) als auch die Mietrendite (5,7 %) und die Gesamtrendite (7,3 %) unter ihren langfristigen Durchschnittswerten. Im internationalen Vergleich lässt sich die Immobilienperformance des Vereinigten Königreichs dennoch se- hen. Wie im Vorjahr lag die britische Gesamtrendite 2025 im oberen Mittelfeld, vor großen Volkswirtschaften wie den USA, Frankreich und Deutschland. Inflationsrisiken bereiten Zinsmärkten Sorgen Rendite britischer Staatsanleihen, % Quellen: LSEG, Helaba Research Stabilisierte Kapitalwerte markieren Trendwende Großbritannien im vorderen Mittelfeld Renditekomponenten Gewerbeimmobilien, % gg. Vj. Gesamtrendite von Gewerbeimmobilien 2025, % gg. Vj. Quellen: MSCI Real Assets, Helaba Research Quellen: MSCI Real Assets, Helaba Research -35 -25 -15 -5 5 15 25 35 -35 -25 -15 -5 5 15 25 35 1986 1991 1996 2001 2006 2011 2016 2021 2026 Gesamt Miete Kapitalwert 0 2 4 6 8 10 0 2 4 6 8 10 DK ES PT NL NO IE CZ GB CH IT US BE PL SE AT HU FR DE Im Fokus: Immobilien – Großbritannien © Helaba | Research | 14. August 2026 3 von 9 Die Wertentwicklung gewerblicher Immobilien wurde seit Beginn dieses Jahrhunderts durch ein sinkendes Zinsni- veau erheblich unterstützt. Angesichts des mittlerweile erhöhtem Zinsumfelds dürfte die Mietentwicklung wieder der entscheidende Faktor für künftige Preissteigerungen sein. Dank der solide wachsenden britischen Wirt- schaft stehen die Chancen gut, dass die Nachfrage robust bleibt und weiter höhere Mieten durchgesetzt werden können. Dennoch ist mit unterschiedlicher Dynamik in einzelnen Segmenten und Lagen zu rechnen, da Home- office und Onlinehandel die Nachfrage verändert haben. In Folge des Zinsschocks 2022 halbierte sich die Investmentaktivität auf dem britischen Gewerbeimmobilien- markt. Seit dem zweiten Halbjahr 2024 nimmt die Marktaktivität wieder zu und liegt etwas über dem zehnjähri- gen Durchschnitt. Getrieben wird die Erholung durch ein hohes Volumen in den Bereichen Logistik und Wohnen, die aktuell mehr als 30 % über dem zehnjährigen Durchschnitt liegen. Auch mit Einzelhandelsimmobilien wird mehr Geschäft gemacht als in den letzten zehn Jahren (9 %). Dagegen bleiben Büroinvestitionen deutlich unter den Volumen vor der Pandemie zurück und liegen aktuell 36 % unter dem zehnjährigen Durchschnitt. Die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen liegt aktuell mit rund 5 % im Juli ungefähr einen Prozentpunkt über dem Niveau vor zwei Jahren. Im gleichen Zeitraum blieben die Netto-Spitzenrenditen weitgehend stabil, wodurch die Risikoprämien schrittweise abnahmen. Sollte sich die relative Attraktivität weiter verringern, könnte dies die Investmentmärkte bremsen und Druck auf die Preise ausüben. Im Vergleich zu 2022 ist der Effekt gestie- gener Zinsen aber moderat. Damals nahmen die langfristigen Zinsen innerhalb von einem Jahr um ungefähr vier Prozentpunkte zu und die Risikoprämie war deutlich größer. Investitionsmärkte auf gutem Niveau Logistik und Wohnen weiterhin sehr beliebt Investitionsvolumen\* (Mio. Euro) Veränderung Investitionsvolumen, % des 4-Quartals-Durchschnitts \*rollierende Jahresdurchschnitte Quellen: PMA, Helaba Research \*letzter Wert: Q1 2026; \*\*letzter Wert: Q2 2026 Quellen: PMA, Helaba Research 0 20000 40000 60000 80000 100000 120000 0 20000 40000 60000 80000 100000 120000 2000 2004 2007 2011 2014 2018 2021 2025 Investitionsvolumen gewerblicher Immobilien 10j. Durchschnitt 12% -36% 9% 32% 39% 9% 28% -17% 15% -1% Gewerbe\*\* Büro\*\* Einzelhandel\*\* Logistik\*\* Wohnen\* ggü. 10j. Durchschnitt gg. Vj. Relative Attraktivität nach Zinsanstieg geringer Gewerbeimmobilien stabil, nur Büros schwächeln Netto-Spitzenrendite, % Kapitalwerte, Index Jan. 2010 = 100 Quellen: PMA, LSEG, Helaba Research Quellen: MSCI Real Assets, Helaba Research 0 1 2 3 4 5 6 7 0 1 2 3 4 5 6 7 2010 2013 2016 2019 2022 2025 10j. Gilt Logistik Büro Einzelhandel 50 100 150 200 250 300 50 100 150 200 250 300 2010 2013 2016 2019 2022 2025 Industrie Büro Wohnen Einzelhandel Im Fokus: Immobilien – Großbritannien © Helaba | Research | 14. August 2026 4 von 9 Rückläufige Leerstände von Büro- und Einzelhandelsimmobilien in London deuten auf eine verbesserte Nach- frage. In Kombination mit einer wachsenden britischen Volkswirtschaft sind weiter steigende Mieten wahrschein- lich. Die positive Mietentwicklung wirkt dem erhöhtem Zinsniveau entgegen und stabilisiert so die Preise. Diese bilden aktuell bei Büros ihren Boden und stagnieren im Einzelhandel. Innerhalb der beiden Segmente entwickeln sich diese jedoch uneinheitlich und variieren mit Qualität und Lage der Objekte. Die Preise für Logistikimmobilien, die einen Teil der Industrieimmobilien darstellen, sowie für Mehrfamilienhäuser verbuchten zuletzt moderate Zu- wächse. In den nächsten Abschnitten geben wir einen Ausblick für die einzelnen Segmente. Büroleerstände sinken und Mieten steigen London ist das wichtigste Finanzzentrum Europas und seine Büros bevorzugte Arbeitsstätte des großen briti- schen Dienstleistungssektors. Der Londoner Büromarkt besteht aus drei Teilmärkten: Die Docklands werden von den großen Banken dominiert, in der City of London und in West End &amp; Midtown sind Größe und Branchen der Mieter dagegen heterogener. Trotz der ökonomischen Turbulenzen seit 2020 hat sich der Londoner Büromarkt gut entwickelt. Pandemie und eine verringerte Flächennachfrage durch das Arbeiten aus dem Homeoffice haben europaweit zu steigenden Büro- leerständen geführt. Während diese vielerorts auf einem erhöhten Niveau stagnieren oder weiter zunehmen, sin- ken sie in allen drei Londoner Teilmärkten. Aktuell liegen die Leerstände mit rund 7 % in City sowie West End &amp; Midtown ungefähr auf dem Stand von 2019 und etwas unter dem Durchschnitt seit Beginn dieses Jahrtausends. In den Docklands sind die Leerstände mit fast 13 % weiter überdurchschnittlich, allerdings in den letzten zwölf Mo- naten mit drei Prozentpunkten kräftig gesunken. Gründe für die rückläufigen Leerstände sind die Rückkehr von Beschäftigten ins Büro sowie die strategische Ent- wicklung von Geschäftsvierteln von reinen Arbeitsstandorten hin zu urbanen Quartieren, die Arbeiten, Wohnen und Freizeit miteinander verbinden. Eine gute Verkehrsanbindung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, um Mieter zu gewinnen. Zudem wirkt die abgekühlte Projektentwicklungsaktivität dämpfend auf die Leerstände. Die gute Nachfrage spiegelt sich auch in zunehmenden Büromieten wider. Zwischenzeitliche pandemiebedingte Rücksetzer sind längst ausgebügelt und die Spitzenmieten auf Wachstumskurs. Diese lagen zum Ende des zweiten Quartals in City rund 6 %, West End &amp; Midtown 3 % und in Docklands 12 % über dem Vorjahresniveau. Der höhere Anstieg in Docklands ist nicht zuletzt auf das niedrigere Ausgangsniveau zurückzuführen. Auch abseits des Spit- zensegments steigen die Mieten. Laut Datenanbieter PMA lagen die Durchschnittsmieten 2025 mehr als 8 % über dem Vorjahresniveau. Angesichts der rückläufigen Leerstände und des expandierenden Dienstleistungssektors dürfte die Nachfrage nach Büroflächen in den nächsten beiden Jahren gesund bleiben und weitere Preissteigerun- gen ermöglichen. Leerstände sinken … … und Mieten steigen Büroflächenleerstand, % des Bestands Spitzenmiete, % gg. Vj. Quellen: PMA, Helaba Research Quellen: PMA, Helaba Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 2002 2006 2010 2014 2018 2022 2026 Docklands City West End &amp; Midtown -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 2002 2005 2008 2011 2014 2017 2020 2023 2026 Docklands West End &amp; Mid Town City Im Fokus: Immobilien – Großbritannien © Helaba | Research | 14. August 2026 5 von 9 Einzelhandel auf Erholungskurs Der private Konsum hat sich in Großbritannien im letzten Jahr positiv entwickelt und den Markt für Einzelhandels- immobilien stabilisiert. Seit Jahresanfang haben aber der Iran-Krieg und höhere Ölpreise die Perspektiven für den privaten Konsum etwas eingetrübt. Angesichts moderater Inflationsraten, eines anhaltenden Wirtschaftswachs- tums und steigender Reallöhne ist jedoch auch für 2026 und 2027 mit wachsenden Konsumausgaben von rund 1 % zu rechnen. Höhere Raten scheinen im aktuellen Wirtschaftsumfeld unwahrscheinlich. Den größten Belastungsfaktor für den stationären Einzelhandel stellt der Onlinehandel dar. Dessen Anteil an den gesamten Einzelhandelsumsätzen stieg zwischen 2010 und 2021 rasant von 7 % auf fast 31 %. Mit Ende der Lockdowns sank dieser etwas und lag die letzten vier Jahre relativ stabil bei 27 %, ohne seine Marktanteile weiter auszubauen. Dennoch war der Onlinehandel der wesentliche Grund für gestiegene Leerstände und sinkende Mie- ten im stationären Einzelhandel. In London gibt es mehrere weltberühmte Einkaufsstraßen, doch auch diese Lagen gerieten unter Druck. Mit der Erholung des Pendleraufkommens und des Tourismus sowie einer verstärkten Umwandlung von Einzelhandelsflä- chen hat sich die Marktsituation jedoch deutlich verbessert. Seit 2022 sind die Leerstandsquoten spürbar zu- rückgegangen auf rund 8 %. Auch die Spitzenmieten konnten ihren langjährigen Abwärtstrend beenden und stei- gen seit etwa drei Jahren wieder. Trotzdem liegen sie noch rund 13 % unter ihrem Höchststand von 2017. Insge- samt spricht die gute Nachfrage dafür, dass sich die Mieten weiter erholen. Die zyklische Achterbahnfahrt des stationären Einzelhandels spiegelt sich im Verlauf der Gesamtrenditen wider. Zu Beginn der 2010er Jahre zählte das Segment aufgrund seiner stabilen Preis- und Mietentwicklung zu den schwankungsärmsten des gewerblichen Immobilienmarktes. Mit dem zunehmenden Erfolg des Onlinehandels ging die Performance ab Mitte des Jahrzehnts deutlich zurück und Einzelhandelsimmobilien performten schlech- ter als die anderen Segmente. In den letzten beiden Jahren hat sich das Blatt gewendet: Getragen von der Erho- lung des stationären Handels, attraktiven Preisen und ordentlichen Mietsteigerungen erzielte das Segment die höchsten Gesamtrenditen. Mit Ausnahme des Einzelhandels liegen die Gesamtrenditen der gewerblichen Immobiliensegmente weiterhin unter dem hohen Niveau der Nullzinsphase. Auf Quartalsbasis sind die Erträge jedoch wieder positiv, was per- spektivisch die Investorennachfrage stützt. Einzelhandel bietet die höchsten Renditen Londoner Leerstände sinken, Mieten steigen Vierteljährliche Gesamtrenditen\*, % % \*gleitender Jahresdurchschnitt Quellen: MSCI Real Assets, Helaba Research \*% der Einheiten in der Londoner Innenstadt Quellen: PMA, Helaba Research -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 2026 Einzelhandel Industrie Wohnen Büro -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 2010 2013 2016 2019 2022 2025 Leerstände\* Spitzenmiete gg. Vj. Im Fokus: Immobilien – Großbritannien © Helaba | Research | 14. August 2026 6 von 9 Logistikimmobilien legen Verschnaufpause ein Logistik war seit 2020 das erfolgreichste gewerbliche Immobiliensegment. Obwohl sich der Renditevorsprung gegenüber anderen Bereichen kontinuierlich verringert hat, bleibt das Investoreninteresse hoch (Grafiken S. 3). Dies ist auch auf strukturelle Probleme bei Büros und im Einzelhandel zurückzuführen, wo das populäre Arbeiten aus dem Homeoffice und der Onlinehandel die Nachfrage dämpfen und Kapitalströme umlenken. Der Onlinehandel wuchs während der Pandemie 2020 und 2021 außergewöhnlich stark. Die hohe Flächennach- frage von E-Commerce-Unternehmen trieb Mieten und Kaufpreise im Logistiksegment nach oben, reduzierte Leer- stände und führte zu mehr Projektentwicklungen. Die Preisrückgänge nach dem Zinsanstieg 2022 sowie schwä- chere Vermietungsumsätze und steigende Leerstandsquoten können daher als Normalisierung nach der außer- gewöhnlichen Rally interpretiert werden. Ein Jahr später setzten die Kapitalwerte von Spitzenobjekten ihren An- stieg wieder fort, jedoch stagnieren sie seit Anfang 2026 wie die Mieten. Eine Ursache sind zunehmende Leerstände durch hohe Fertigstellungen und eine etwas schwächere Nachfrage. Gemessen daran, dass sich die Spitzenkapitalwerte seit 2010 fast verdreifacht und die Spitzenmieten ungefähr verdoppelt haben, ist eine Abkühlung wenig verwunderlich. Künftig sollte der Bedarf nach Logistikflächen weiter zunehmen, jedoch weniger stark als in den letzten Jahren. Der Onlinehandel hat seit drei Jahren einen gleichbleibenden Marktanteil von rund 27 % an den Einzelhandels- umsätzen. Insgesamt dürften die Einzelhandelsumsätze künftig weiter zunehmen und der Onlinehandel seinen Anteil mindestens konstant halten. Große Sprünge sind unrealistisch, da ein Großteil der E-Commerce Kapazitäten bereits aufgebaut wurde. Durch die hohe geopolitische Unsicherheit haben Unternehmen einen Anreiz, ihre Lie- ferketten durch Re- und Nearshoring abzusichern. Andere Standortfaktoren wie Energie- und Lohnkosten sowie Steuern spielen bei der Investitionsentscheidung jedoch auch eine bedeutende Rolle. Durch die geringere Nachfrage dürften sich die Preise und Mieten von Logistikimmobilien schwächer als in den besonders starken sechs Vorjahren entwickeln. Denn neben dem bereits hohen Preisniveau wirken weitere Flä- chenzugänge in den kommenden Jahren bremsend. Logistikmarkt verliert an Momentum Nachfrage ist abgekühlt Q1 2010 = 100 Leerstand, % des Bestands Mio. qm Quellen: PMA, Helaba Research \*Mittelwert von London, Manchester und Birmingham Quellen: PMA, Helaba Research 100 130 160 190 220 250 280 310 340 100 130 160 190 220 250 280 310 340 2010 2012 2015 2017 2020 2022 2025 Spitzenkapitalwert Spitzenmiete 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 1,2 1,4 1,6 1,8 2 2,2 2,4 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 2010 2012 2015 2017 2020 2022 2025 Millionen Vermietungsumsätze (r. S.) Leerstand\* (l. S.) Im Fokus: Immobilien – Großbritannien © Helaba | Research | 14. August 2026 7 von 9 Mehrfamilienhäuser: Hohe Nachfrage treibt Mieten Der starke Zinsanstieg im Sommer 2022 beendete den seit 2012 anhaltenden Aufschwung am britischen Wohnimmobilienmarkt. Die höheren Finanzierungskosten sorgten für eine deutli- che Abschwächung der Neubautätigkeit sowie einen Rückgang der Immobilienpreise. Die Preise am britischen Wohnungsmarkt steigen seit 2024 wieder und erreichten dieses Jahr ein neues Rekordniveau. London nimmt als globale Metropole eine Sonderstellung ein und weist dadurch eine eigenständige Marktentwicklung auf. Die Preise in der Hauptstadt konnten sich bislang nicht ganz von den Auswirkungen der Zinswende erholen und liegen weiterhin un- ter ihrem Höchststand von 2022. Die schwächere Preisentwicklung ist jedoch auch vor dem Hin- tergrund des bereits sehr hohen Ausgangsniveaus zu betrachten. Der Erwerb von Wohneigentum besitzt in Großbritannien einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Rund 65 % der Bevölkerung leben in den eigenen vier Wänden. Seit 2022 hat sich die Erschwinglichkeit von Wohnei- gentum leicht verbessert, da die Einkommen stärker gestiegen sind als die Wohnimmobilienpreise. Mit einem Ver- hältnis von rund 7,6 Jahresgehältern zum durchschnittlichen Hauspreis lag England 2025 jedoch weiterhin deut- lich über der häufig als erschwinglich betrachteten Schwelle von fünf Jahreseinkommen. Das Niveau entspricht in etwa dem von 2015, als die Wohnimmobilienpreise im vorherigen Zyklus an Dynamik gewannen. Anders als da- mals fehlen jedoch die unterstützenden Impulse besonders niedriger Zinsen. Angesichts der eingeschränkten Er- schwinglichkeit scheinen moderate Hauspreisanstiege von 2-3 % in den nächsten beiden Jahren möglich. In London liegt das Verhältnis von Hauspreisen zu Einkommen aufgrund des höheren Ausgangsniveaus bei 10,6 und damit erheblich über dem nationalen Durchschnitt. Wohneigentum ist dort für viele Haushalte kaum er- schwinglich, weshalb diese auf den Mietmarkt ausweichen müssen. Insgesamt stiegen die Mieten in London seit 2015 um ca. 40 % und in Großbritannien um etwa 50 %. Wie bei den Kaufpreisen relativiert sich die geringere Mietdynamik in London durch das hohe Preisniveau der Hauptstadt. Aktuell liegen die Mieten in London mit 2.273 Pfund pro Monat ungefähr 1.000 Pfund über dem britischen Durch- schnitt. Während die Bevölkerungszahl kontinuierlich wächst und damit die Wohnraumnachfrage erhöht, kann das Ange- bot aufgrund rückläufiger Fertigstellungen nicht Schritt halten. Der daraus resultierende Nachfrageüberhang stützt das Mietwachstum. In den letzten fünf Jahren ist die Bevölkerung Londons um rund 4 % gewachsen, Maximilian Rusam Real Estate Finance Wohnimmobilienpreise bewegen sich seitwärts Mieten setzen Aufwärtstrend fort Wohnimmobilienpreise, Q1 2015 = 100 Durchschnittsmieten je Quartal, Q1 2015 = 100 Quellen: UK Office for National Statistics, Helaba Research Quellen: UK Office for National Statistics, Helaba Research 80 100 120 140 160 80 100 120 140 160 2015 2017 2019 2021 2023 2025 London UK 80 100 120 140 160 80 100 120 140 160 2015 2017 2019 2021 2023 2025 London UK Im Fokus: Immobilien – Großbritannien © Helaba | Research | 14. August 2026 8 von 9 während sie auf nationaler Ebene um etwa 3 % zunahm. Als wirtschaftliches Zentrum des Vereinigten Königreichs zieht London überdurchschnittlich viele Arbeitskräfte und Studierende an, was die Wohnraumnachfrage auch langfristig steigen lässt. Die steigenden Mieten belasten die Haushalte zuneh- mend. Obwohl Londons Bürgermeister Sadiq Khan seit Jahren die Einführung von Mietobergrenzen fordert, hat die britische Regierung entsprechende Maßnah- men ausgeschlossen. Die für Wohnen zuständige Mi- nisterin Angela Rayner erklärte, dass der neue Premier- minister Andy Burnham nicht beabsichtige, strengere Mietregulierungen einzuführen. Dies stützt den Markt für Mehrfamilienhäuser. Das Seg- ment profitiert von der hohen Wohnraumnachfrage und ist in der Lage, kontinuierlich die Mieteinnahmen zu steigern. In Folge des Zinsschocks erhöhten Inves- toren ihre Renditeanforderungen. Dadurch standen die Kapitalwerte unter Druck und die Kaufpreise gaben nach, während die Mieten weiter zulegten. Diese Kombination führte 2023 zu einem Anstieg der Spitzenrenditen. Zuletzt sind diese weitgehend stabil geblieben. Dies deutet es darauf hin, dass das höhere Zinsniveau zunehmend eingepreist ist. Gleichzeitig stützen die weiter steigenden Mieten den Cashflow der Objekte, wodurch der Druck auf die Immobilienpreise nachlässt. Insgesamt haben sich die Spitzenmieten seit 2021 um rund 50 % erhöht. Das Wohnungsangebot in Großbritannien bleibt knapp. Während sich die Zahl der Baubeginne nach dem star- ken Rückgang 2023 zuletzt leicht erholt hat, bleibt die Bautätigkeit insgesamt deutlich unter den Höchstständen der Vorjahre. Die Zahl der Baufertigstellungen ist seit dem Höhepunkt 2021/2022 ebenfalls rückläufig. Auch die Zahl der genehmigten Wohnbauanträge ist kontinuierlich gesunken und lag 2025 etwa 43 % un- ter dem Höchststand 2017. Dies deutet auf eine wei- terhin verhaltene Entwicklung neuer Wohnungsbau- projekte und eine begrenzte Ausweitung des künfti- gen Wohnungsangebots hin. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Bevölkerungs- wachstums und der steigenden Wohnraumnachfrage dürfte der britische Wohnungsbau auch in den kom- menden Jahren hinter dem Bedarf zurückbleiben und das ehrgeizigen Bauziel der Regierung von 1,5 Millio- nen neuen Wohnungen bis 2029 verfehlt werden. Die Marktbedingungen lassen auch künftig steigende Wohnungsmieten in Großbritannien und London erwarten. Wohnungsbau verliert an Dynamik Baubeginne und Baufertigstellungen in Großbritannien Quellen: UK Office for National Statistics, Helaba Research 90.000 110.000 130.000 150.000 170.000 190.000 90.000 110.000 130.000 150.000 170.000 190.000 2010 2013 2016 2019 2022 2025 Baubeginne Baufertigstellungen Londoner Mieten und Renditen im Aufwind Index, Q4 2015 = 100 % Quellen: PMA, Helaba Research 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 80 90 100 110 120 130 140 150 2015 2017 2019 2021 2023 2025 Spitzenrendite (r.S.) Spitzenkapitalwerte (l.S.) Spitzenmieten (l.S.) Im Fokus: Immobilien – Großbritannien © Helaba | Research | 14. August 2026 9 von 9 Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Am britischen Immobilienmarkt hat ein neuer Zyklus begonnen. Sinkende Leerstände stärken Büro- und Einzelhandelsimmobilien. Andy Burnham setzt auf Neubau statt Mietenregulierung.
