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title: "Wochenausblick Update - Panik am Finanzmarkt: Aktuelle Einschätzung"
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updated: 2026-09-28
keywords: Aktien, Kapitalmärkte im Überblick, Wochenausblick
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# Wochenausblick Update - Panik am Finanzmarkt: Aktuelle Einschätzung

Helaba Volkswirtschaft/Research WOCHENAUSBLICK UPDATE HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 9. MÄRZ 2020 · © H EL A BA 1 9. März 2020 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOR Ralf Umlauf Dr. Stefan Mitropoulos research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Panik am Finanzmarkt: Aktuelle Einschätzung Die Anleger reagieren zu Wochenbeginn panisch auf neue Informationen zur Ausbreitung der Coronavirus-Epidemie. Obwohl die Zahl der Neuinfektionen über das Wochenende weiter kräf- tig gestiegen ist und weite Teile Norditaliens nun unter Quarantäne stehen, kommen wir nicht zu einer völligen Neueinschätzung der Lage. Anleger sollten in einer solchen Situation die Ner- ven behalten und Kurzschlussreaktionen vermeiden. Zu Wochenbeginn haben die Finanzmärkte extrem auf die weitere Ausbreitung der Coronavirus- Epidemie und die absehbaren wirtschaftlichen Folgen reagiert. Erst am Freitag hatten wir diesbe- züglich unsere Kapitalmarkt- und Konjunkturprognosen angepasst und dies u.a. in unserem Wo- chenausblick kommuniziert. Darin haben wir zwar nicht ausgeschlossen, dass Corona die Welt- wirtschaft in eine Rezession stürzen kann. Als wahrscheinlicheres Szenario sehen wir allerdings, dass im Verlauf des Frühjahrs der Höhepunkt der Neuerkrankungen in Europa erreicht ist, wie es sich aktuell bereits in China abzeichnet. Entsprechend haben wir für Deutschland und die Eurozo- ne ein schwaches erstes Quartal und nochmals negative Auswirkungen im zweiten Quartal unter- stellt. Für das dritte Quartal sind dann Nachholeffekte zu erwarten. Diese Einschätzung hat sich nicht verändert. DAX mit größtem Tagesverlust seit 9/11? Renditen auf neuen historischen Tiefstständen Indexpunkte % % Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research Ferner hatten wir unsere Finanzmarktprognosen revidiert: Die Renditeprognosen wurden deutlich gesenkt. Nach einem ersten großen Zinsschritt der US-Notenbank in der letzten Woche erwarten wir eine weitere Senkung des Leitzinses um 25 Basispunkte. Auch die EZB wird handeln. Wir haben eine Senkung um 10 Basispunkte als zentrale geldpolitische Maßnahme bereits seit länge- rem prognostiziert. Die Prognose für den deutschen Aktienleitindex DAX haben wir für den Jahres- verlauf deutlich reduziert, nicht jedoch unser Jahresendziel von 13.500 Punkten. Schließlich wurde auch die Prognose für den Ölpreis für das erste Halbjahr 2020 kräftig gesenkt. Was ist seit letztem Freitag passiert? Wie zu erwarten war, ist die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland wie auch in vielen anderen Ländern über das Wochenende weiter kräftig gestiegen. Dies entspricht dem Verlauf der Ausbreitung der Krankheit, wie sie aus China und Südkorea ge- meldet wurde. Darüber hinaus wurden auf Anordnung der italienischen Regierung weitere Teile Norditaliens abgesperrt – mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen. Ferner hat der deutsche Gesundheitsminister angeregt, alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern abzusagen, zuständig hierfür sind allerdings die kommunalen Entscheidungsträger. FINANZMÄRKTE AKTUELL HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 9. MÄRZ 2020 · © H EL A BA 2 Die Marktteilnehmer stehen unter dem Eindruck der neuesten Entwicklungen und sind in den „Panik“-Modus übergegangen. Der DAX verlor zum Handelsbeginn rund 8,4 % auf ein Tief bei 10.572 Zählern. Sollte sich das Niveau bis zum Handelsende nicht nachhaltig erhöhen, wäre dies der größte Tagesverlust seit dem 11. September 2001. Insgesamt ergäbe sich mit dem heutigen Tief ein Minus von 23 %, seit dem Intraday-Allzeithoch Mitte Februar von 13.795 Punkten. Die Vergangenheit zeigt, dass solchen Kurseinbrüchen in den folgenden Tagen und Wochen sehr unterschiedliche Entwicklungen folgten. Beispielsweise sanken die Notierungen 2008 weiter, un- geachtet der Tatsache, dass Tagesverluste jenseits von 6 % zu vermelden waren. In anderen Fällen wie 1991, 1997, 2001 und 2016 konnten sich die Notierungen dagegen schnell wieder erho- len. Die Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen sanken im Zuge dessen auf ein historisches Tief bei -0,86 %, US-Treasuries rentierten am Morgen zu 0,31 %, ebenfalls einem Allzeittief. Die Akteure preisen damit erneut deutliche geldpolitische Lockerungsmaßnahmen ein. Abzuwarten bleibt, ob sich die Notenbanker von der aktuellen Situation beeindrucken lassen und weitergehende Be- schlüsse fassen. Bis zur nächsten Sitzung am Donnertag bleibt für die EZB noch etwas Zeit, die Lage zu beurteilen. Die Fed hat allerdings in der letzten Woche schon unter Beweis gestellt, dass sie eher früher und beherzter zur Tat schreitet. In der aktuellen, von Panik geprägten Situation ist daher nicht auszuschließen, dass die für nächste Woche erwartete Zinssenkung schon bald er- folgt. Letztlich sinken nicht nur die Zins- sondern auch die Inflationserwartungen deutlich. Inflationserwartungen gesunken Ölpreis kollabiert % % Rohölpreis Sorte Brent pro Barrel Quellen: Datenabieter, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research Zur Verunsicherung der Akteure trägt zudem bei, dass es heute Morgen zu einem Einbruch der Ölnotierungen gekommen ist. Öl der Sorte Brent sank im Tief um über 30 % und aktuell liegen die Notierungen weiterhin auf dem niedrigsten Niveau seit 2016. Damals sank der Kurs bis auf 27,10 US-Dollar/Fass ab. Hierbei stehen auch Spekulationen im Raum, wonach Russland und Saudi-Arabien in einen „Preiskrieg“ eingetreten sind. Jüngst hatten sich beide Staaten im Rahmen der OPEC+ nicht auf gemeinsame Förderkürzungen als Reaktion auf die Corona-Krise einigen können. Nach dem jüngsten Einbruch am Aktienmarkt empfehlen wir, die Nerven zu behalten und auf dem erreichten niedrigen Niveau von Panikverkäufen abzusehen. Wir hatten bereits im Vorfeld1 darauf hingewiesen, dass es in einer solchen Korrekturphase, die durch einen exogenen Schock ausge- löst wurde, zu derartigen Übertreibungen nach unten kommen kann. Wir halten an unserer Ein- schätzung fest, dass solche Marktphasen für mittel- bis langfristig orientierte Anleger Gelegenhei- ten bieten, Aktienpositionen wieder aufzubauen. Wir werden unsere Konjunktur- und Kapitalmarktprognosen auf Basis der aktuellen Entwicklungen zur Ausbreitung der Coronavirus-Epidemie und der Reaktionen am Finanzmarkt kontinuierlich überprüfen.  1 Siehe Aktienmarkt Aktuell vom 28. Februar 2020. Marginalie Anleger sollten jetzt die Nerven behalten Extreme Reaktionen am Aktien- und Rentenmarkt

Extreme Reaktionen am Finanzmarkt. Anleger sollten jetzt die Nerven behalten.
