---
title: "Im Fokus: Credits / Europäische Banken: Q3-Ergebnisse stimmen zuversichtlich "
url: https://www.helaba.com/de/im-fokus-credits-europaeische-banken-q3-ergebnisse-stimmen-zuversichtlich
type: dd_research
language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Renten, Marktanalysen, Im Fokus: Credits & Covered Bonds
---

# Im Fokus: Credits / Europäische Banken: Q3-Ergebnisse stimmen zuversichtlich 

Im Fokus: Credits 15. November 2022 Im Fokus: Credits 15. November 2022 Volkswirtschaft/Research © Helaba | Volkswirtschaft/Research | 15. November 2022 1 von 5 Europäische Banken: Q3-Ergebnisse stimmen zuversichtlich Die großen europäischen Banken haben das 3. Quartal 2022 erneut mit erfreulich ho- hen Gewinnen abgeschlossen. Zu verdanken war dies vor allem den weiter steigenden Zinsüberschüssen, während sich die allgemein herrschende Wahrnehmung zunehmen- der Konjunkturrisiken noch nicht in den Kreditbüchern niederschlug. Angesichts des Krisenumfeldes steigt jedoch die Nervosität, und die Institute bleiben u.E. gut beraten, ihre sehr solide Ausgangslage bei Kapitalausstattung und Liquidität zu nutzen. Zinsüberschüsse legen im 3. Quartal 2022 weiter zu Die großen europäischen Banken schlossen das 3. Quartal 2022 erneut mit sehr stabilen Bonitätskennziffern ab. Viele Häuser übertrafen wieder die bereits hohen Konsens-Erwartungen, teils befanden sich die Gewinne sogar auf Rekordniveau. Getrieben war die Outperformance u.a. durch den Trend stark steigen- der Zinsüberschüsse im sich rasch ändernden Zinsumfeld, der sich ungebrochen fortsetzte (siehe unsere Publika- tion „Rasch steigende Zinsüberschüsse im zweiten Quartal 2022“ vom 16.8.2022). Trotz stetig niedriger Prob- lemkreditquoten bildeten die Häuser allerdings höhere Rücklagen für Kreditrisiken, worin sich die eingetrübten Erwartungen über den gesamtwirtschaftlichen Ausblick widerspiegeln.1 Ferner sorgte die hohe Inflation für einen spürbaren Kostenanstieg. Per Saldo überwog jedoch der Ertragsanstieg deutlich. 1 Nach dem geltenden Rechnungslegungs-Standard IFRS9 sind für nicht notleidende Finanzinstrumente, deren Ausfallrisiko sich seit dem erstmaligen Bilanzansatz signifikant erhöht hat (Stage 2), über deren gesamte Restlaufzeit zu erwartende Verluste (Expected Cre- dit Loss) abzubilden. Die Wertberichtigung erfolgt somit nicht erst, wenn die Ausfälle bereits eingetreten und die Kredite notleidend sind, wie dies nach früherer Rechnungslegung (galt bis 31.12.2018) der Fall war (Incurred Credit Loss). Dr. Susanne Knips Senior Credit Analyst T. 0 69/91 32-32 11 Zinsanstieg überraschend stark Gewinne zuletzt noch teils auf Rekordniveau Mrd. EUR Mrd. EUR Mrd. EUR % \*Auswahl europäischer Banken (Banco Santander, BBVA, Commerzbank, Deutsche Bank, ING Group, Nordea, Unicredit, SEB, Swedbank) Quellen: Bloomberg, Helaba Research &amp; Advisory \*Auswahl europäischer Banken (ABN AMRO, Banco Santander, BBVA, BNP Paribas, Commerzbank, Deutsche Bank, ING Group, Nordea, Unicredit, SEB, Société Gé- nérale, Swedbank) Quellen: Bloomberg, Helaba Research &amp; Advisory 2 3 4 5 6 7 8 9 10 15 17 19 21 23 25 27 29 31 Q1/20 Q2/20 Q3/20 Q4/20 Q1/21 Q2/21 Q3/21 Q4/21 Q1/22 Q2/22 Q3/22 Zinsüberschuss (l.A.) Kreditrisikokosten (r.A.) -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 12 -10 -5 0 5 10 15 20 Q1/20 Q2/20 Q3/20 Q4/20 Q1/21 Q2/21 Q3/21 Q4/21 Q1/22 Q2/22 Q3/22 Gewinn (l.A.) Eigenkapitalrendite (r.A.) Im Fokus: Credits © Helaba | Research &amp; Advisory | 15. November 2022 2 von 5 Banken als Gewinner bei steigenden Zinsen Auf der Ertragsseite gehören Banken grundsätzlich zu den Gewinnern steigender Zinsen. Die positive Entwicklung ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass sie Kundeneinlagen und Liquiditätsportfolien zu auskömmlicheren Margen anlegen können. Gleichzeitig werden (je nach Fristenkongruenz und Zinsabsicherung) niedrigere Wertan- sätze bei Vermögensgegenständen durch geringere Bewertungen von Verbindlichkeiten ausgeglichen. Gegenläufige Faktoren sind allerdings (1) wegfallende Provisionserträge aus der Bepreisung von Kundeneinlagen (negative Zinsen) und (2) wegfallende Zinserträge aus EZB-Refinanzierungsgeschäften (TLTRO III, siehe unsere Publikation „SSA &amp; Financials -Weekly Market Update“ vom 27.10.2022, Seite 4). Wie die Branche mit ihren jüngsten Berichten unter Beweis stellen konnte, überwiegen die durch das Umfeld steigender Zinsen gestützten Zinserträge im Kerngeschäft die beiden letztgenannten Faktoren aus den Zeiten von Negativzinsumfeld und Pan- demie deutlich. Dieser Trend dürfte sich angesichts der allgemeinen Zinsaussichten fortsetzen. Die Commerzbank etwa will ihren Zinsüberschuss von rund 4,9 Mrd. EUR im Jahr 2021 auf über 6 Mrd. EUR im Jahr 2022 steigern, was u.E. basierend auf den in den ersten 9 Monaten 2022 bereits erzielten 4,5 Mrd. EUR plausibel scheint. Dabei profitiert sie aufgrund ihres hohen Bestandes an Einlagen von Unternehmens- und Privatkunden (zusammen 250 Mrd. EUR) besonders vom Zinsanstieg: für 2022 kommt sie in diesem Geschäft auf Zusatzerträge aufgrund des Zinsanstiegs von rund 450 Mio. EUR. Diese Zusatzerträge sollen gemäß der Bank 2023 sogar auf 750 Mio. EUR und 2024 auf 950 Mio. EUR zulegen. Zu berücksichtigen ist, dass sie für diese Planung Annahmen darüber treffen musste, in welchem Umfang der Zins- anstieg an die Kunden weiterzugeben ist. Ferner sind keine Effekte bei Kundenkrediten und –margen berücksich- tigt. Die Nachfrage nach Hypothekenkrediten lässt bereits merklich nach, was den Margen-Wettbewerb antreibt.2 Dem steht ein starker Anstieg bei der Kreditvergabe an Unternehmen gegenüber, die im krisenbestimmten Ge- schäftsumfeld ihr Working Capital erhöhen und Liquiditätslinien ziehen. Darüber hinaus konnte die Commerzbank 2021 TLTRO-Erträge von rund 260 Mio. EUR und Deposit Fees von rund 250 Mio. EUR vereinnahmen, die zukünftig entfallen. Ferner ist der Zinsüberschuss bei der polnischen Tochter mBank bereits stark gestiegen und könnte ge- mäß Aussagen des Managements in den nächsten Jahren wieder rückläufig sein. Die Zinssensitivität des Zinsüberschusses bei einer parallelen Verschiebung der Zinskurve von 100 Bp. beläuft sich bei den von uns beobachteten Banken häufig auf etwa 8 bis 10 % (ohne Berücksichtigung weiterer Effekte, insbesondere Volumens- und Margeneffekten). 2 Dafür zeigt sich das Bauspargeschäft deutlich belebt, was einmal mehr die Vorteile einer breiten Diversifizierung unter Beweis stellt. Banken verschärfen Kreditvergabestandards Nachfrage nach Hypothekenkrediten bricht ein EZB Bank Lending Survey: Kreditvergabestandards in %\* EZB Bank Lending Survey: Kreditvergabestandards in % \* Positive Werte zeigen Verschärfung, negative Werte zeigen Lockerung Quellen: Refinitiv, EZB, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Refinitiv, EZB, Helaba Research &amp; Advisory -20 -5 10 25 40 -20 -5 10 25 40 03/16 09/16 03/17 09/17 03/18 09/18 03/19 09/19 03/20 09/20 03/21 09/21 03/22 09/22 Unternehmen Konsumentenkredite Hauskäufe -60 -30 0 30 60 -60 -30 0 30 60 03/16 09/16 03/17 09/17 03/18 09/18 03/19 09/19 03/20 09/20 03/21 09/21 03/22 09/22 Strenge der Vergabestandards bei Hypothekenkrediten Kundennachfrage nach Hypothekenkrediten Im Fokus: Credits © Helaba | Research &amp; Advisory | 15. November 2022 3 von 5 Zunahme der Kreditausfälle spätestens 2023 deutet sich jedoch bereits an Den positiven Aussichten für die Zinserträge stehen absehbar zunehmende Kreditausfälle aufgrund des höheren Zinsniveaus gegenüber. Hinzu kommen die diversen krisenbedingten Belastungsfaktoren, denen sich die Kredit- nehmer ausgesetzt sehen, allen voran die hohen Energiekosten. Der deutsche Bankensektor verfügt gemäß unse- rer Einschätzung über eine relativ hohe Resilienz, da die Volumina an Kundeneinlagen vergleichsweise umfang- reich und fixe Zinsen mit relativ langen Laufzeiten bei Baufinanzierungen die Regel sind. Allerdings leiden ener- gieintensive Betriebe unter den hohen Energiekosten. Das betrifft vor allem mittelständische Unternehmenskun- den, wenn sie lediglich über ein oder zwei Produktionsstätten verfügen. Bei großen, gut diversifizierten Unterneh- menskunden und solchen mit Spielraum, die Preise ihrerseits weiterzugeben, dürften sich die Bonitätsaussichten als vergleichsweise stabiler erweisen. Bisher waren die notleidenden Kredite (also die Kredite, bei denen Zahlungsausfälle eingetreten sind) stabil nied- rig. Der Anteil der Kredite, bei denen sich bereits erste Probleme abzeichnen (ohne dass sie ausgefallen sind, sog. Stage 2-Kredite3) ist jedoch gestiegen. Viele Häuser bereiten sich auf einen Anstieg der Kreditausfälle spätestens im Jahr 2023 vor. Während sie in der COVID-Krise zusätzlich gebildete Vorsorgerückstellungen für Kreditrisiken teils auflösen konnten, widmeten einige von ihnen entsprechende Positionen in Rückstellungen aufgrund gestie- gener Rezessionsrisiken um. Auf Basis des aktuellen Bestandes an notleidenden Krediten verfügen sie also noch immer über zusätzliche Puffer an Rückstellungen für Kreditrisiken (sog. Management Overlay)4. Fazit: Banken im Krisenumfeld gut positioniert Insgesamt fühlen wir uns nach der Veröffentlichung der Q3-Berichte in unserer Einschätzung bestätigt, dass die Gewinne europäischer Banken im Gesamtjahr 2022 nochmals relativ robust ausfallen dürften. Die gestiegenen Zinsen bleiben ein wesentlicher Treiber beim Zinsüberschuss und sollten nach und nach wegfallende Zusatzer- träge aus dem längerfristigen Refinanzierungsprogramm der EZB, TLTRO III, mehr als ausgleichen. Beim aktuellen Mix aus Rezessions- und Inflationssorgen gehen wir jedoch von einem schwierigeren Geschäfts- umfeld und einem Anstieg der Kreditausfälle von den derzeit zu beobachtenden historischen Tiefständen ab 2023 aus. Diese sollten insgesamt gut verkraftbar bleiben, da die Banken über hohe Risikopuffer in Form von Eigenkapi- tal und Kreditrisikorückstellungen verfügen. Hinzu kommt, dass sie nach dem Abbau von Problembereichen und der Verbesserung ihrer Risikomanagement-Systeme deutlich defensiver aufgestellt sind, als vor der Finanzmarkt- krise. 3 Siehe zur Definition von Stage 2-Krediten ebenfalls Fußnote 1 4 Auch Top Level Adjustment Problemkreditquoten bisher historisch niedrig Kredite mit erhöhtem Ausfallrisiko steigen Mrd. EUR\* % Stage 2 Kredite, in Bio. EUR % \* EU Banken Quellen: EBA Risk Dashboard, Helaba Research &amp; Advisory \* EU Banken Quellen: EBA Risk Dashboard, Helaba Research &amp; Advisory 0.0 0.5 1.0 1.5 2.0 2.5 3.0 3.5 0 100 200 300 400 500 600 12/19 04/20 08/20 12/20 04/21 08/21 12/21 04/22 Notleidende Kredite (l.A.) NPL-Quote (r.A.) 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 0.0 0.2 0.4 0.6 0.8 1.0 1.2 1.4 1.6 12/19 04/20 08/20 12/20 04/21 08/21 12/21 04/22 Stage 2\*-Kredite (l.A.) Stage 2\*-Quote (r.A.) Im Fokus: Credits © Helaba | Research &amp; Advisory | 15. November 2022 4 von 5 Die Unsicherheit und somit Volatilität an den Märkten bleibt jedoch hoch, der Verlauf der Energiekrise über die Wintermonate unberechenbar. Die Institute tuen also gut daran, ihre gute Ausgangslage bei Kapitalausstattung und Liquidität nicht – etwa durch umfangreiche Aktienrückkaufprogramme – zu verspielen. Die unsichere Gemen- gelage kommt auch in hohen Emissionsvolumina am Primärmarkt zum Ausdruck: Hohe Funding-Reserven sind in unsicheren Zeiten gefragt (siehe unsere regelmäßig erscheinende Publikation „SSA &amp; Financials – Weekly Market Update“, zuletzt vom 10.11.2022). Im Fokus: Credits © Helaba | Research &amp; Advisory | 15. November 2022 5 von 5 Neues von Research &amp; Advisory Links zu kürzlich erschienen Analysen  Sustainable Finance: Die Rendezvou-Clause - Ein sinnvoller Zwischenschritt zur ESG-Zinskopp- lung  Europäische Banken: EU-Rat einigt sich auf gemeinsame Position zum Basel III Bankenpaket  EUR Corporate Bonds: Primärmarkt im 3. Quartal 2022  Primärmarkt Update EUR Benchmark Bankanleihen  Coporate Schuldschein: Primärmarkt im 3. Quartal 2022  Deutsche Agencies: Bundes- und Ländergarantien bieten maximale Sicherheit  Europäische Banken: Rasch steigende Zinsüberschüsse im 2. Quartal 2022  Europäische Bankanleihen: Klima-Stresstest zeigt weiteren Handlungsbedarf auf Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Stefan Rausch Head of Corporate Research &amp; Advisory Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Q3 Berichtssaison belegt einmal mehr hohe Resilienz großer europäischer Banken. Anstieg der Zinsergebnisse setzen sich fort, höhere Kreditausfälle spätestens 2023 jedoch absehbar. Diesmal gute Ausgangslage bei Kapital und Liquidität.
