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title: "Im Fokus Credit: Europäische Großbanken"
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updated: 2026-09-28
keywords: Renten, Marktanalysen, Im Fokus: Credits & Covered Bonds
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# Im Fokus Credit: Europäische Großbanken

Im Fokus: Credit 10. Januar 2024 © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Januar 2024 1 von 9 Research &amp; Advisory Europäische Großbanken: Mit hohen Risikopuffern ins Jahr 2024 Der Bankensektor erfreut sich spätestens seit Mitte 2022 dank des veränderten Zinsum- felds steigender Gewinne. Die von uns beobachteten Häuser geben die gestiegenen Margen jedoch zunehmend an ihre Kunden weiter. Gleichzeitig leidet das Kreditneuge- schäft unter den höheren Finanzierungskosten. Allerdings verfügt der Sektor nicht zu- letzt aufgrund der im Zuge der Pandemie gebildeten Kreditrückstellungen über hohe Risikopuffer. Darüber hinaus sind die Eigenkapitalquoten infolge der Regulierungsreformen der letzten zehn Jahre, der Ausschüttungssperren während der Pandemie und der laufenden Gewinne so hoch, dass die Insti- tute ihre Dividendenzahlungen und Aktienrückkaufprogramme voraussichtlich ohne größere Bonitätsrisiken fortsetzen können. Rückblick auf das Jahr 2023 – Günstiges Zinsumfeld für Bankensektor Der europäische Bankensektor blickt trotz zwischenzeitlicher Turbulenzen auf ein äußerst erfolgreiches Jahr 2023 zurück. Hohe Zinsüberschüsse und stabil niedrige Kreditausfälle ließen die Gewinne der von uns beobachteten Institute steigen. Die von kleineren Banken in den USA und der Schweizer Credit Suisse ausgehenden Turbulenzen im März konnten schnell unter Kontrolle gebracht werden. Die rasche Überwindung der Turbulenzen unterstrich die Stabilität des Sektors nach den umfassenden Regulierungsreformen seit der Finanzmarktkrise, so dass letzt- lich sogar eine Stärkung des Vertrauens der Marktteilnehmer zu verzeichnen war. Der aggregierte Gewinn der von uns beobachteten großen Insti- tute lag in den ersten neun Mo- naten 2023 rund 23 % über dem gleichen Vorjahreszeit- raum. Nach dem starken Wachstum seit dem 2. Quartal 2022 zeichnete sich zuletzt al- lerdings eine Plateaubildung ab. Innerhalb unseres Samples war zuletzt sogar ein leichter Gewinnrückgang zu beobach- ten, der jedoch von einzelnen Häusern getrieben war. So ver- buchte die Société Générale im 3. Quartal 2023 Abschreibun- gen auf Goodwill und aktive latente Steuern, während die BNP Paribas vergleichsweise schwache Erträge im An- leihe- und Währungsgeschäft sowie überraschend stark steigende Kosten auswies. Hinzu kam, dass die meisten Institute ihre Kreditrisikovorsorge erhöhten. Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite von 12 % erachten wir an- gesichts der hohen Eigenkapitalquoten als sehr solide. Große europäische Banken mit erfreulichen Gewinnen Mrd. EUR % \* Aggregiert für eine Auswahl europäischer Banken (Banco Santander, BBVA, BNP Paribas, Commerzbank, Deutsche Bank, ING Group, Nordea, Unicredit, SEB, Société Générale, Swedbank) Quellen: Bloomberg, Helaba Research &amp; Advisory -8 -4 0 4 8 12 16 -10 -5 0 5 10 15 20 25 Q1/20 Q2/20 Q3/20 Q4/20 Q1/21 Q2/21 Q3/21 Q4/21 Q1/22 Q2/22 Q3/22 Q4/22 Q1/23 Q2/23 Q3/23 Gewinn\* (l.S.) Eigenkapital- rendite\* (r.S.) Dr. Susanne Knips Senior Credit Analyst T 069/9132 3211 Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Januar 2024 2 von 9 Bei Zinsgewinnen Plateaubildung auf sehr auskömmlichem Niveau Haupttreiber für die Gewinne der Banken im Jahr 2023 war das geänderte Zinsumfeld. Im September 2023 hat die EZB die Zinsen zum zehnten Mal an- gehoben, so dass der Zinssatz für die Einlagenfazilität nun 4,0 % beträgt. Nach schwieri- gen Jahren mit Negativzinsen bedeuten deutlich positive Zin- sen ein gesundes Umfeld für Banken, in dem ihr Geschäfts- modell normal funktioniert und sie wieder attraktive Margen erzielen können. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Kanäle: . Der Margenspielraum im Kundengeschäft nimmt im Umfeld höherer Zinsen deutlich zu . Die Banken halten in der Regel hohe Liquiditätsreserven, vor allem in Form von Anleihen, die je nach Laufzeit und Fälligkeit jetzt höhere Renditen erzielen Bei der EZB scheint der Zinsgipfel jedoch erreicht. Unsere Volkswirte rechnen für das 3. Quartal 2024 mit einer ersten Senkung des EZB Einlagenzinses auf 3,75 % (s. Wochenausblick vom 05.01.2024). Im Folgenden gehen wir von der Annahme aus, dass das Zinsniveau 2024 im Durchschnitt dem Niveau 2023 entsprechen wird. Eine Stabili- sierung bei den Zinsgewinnen im Jahr 2024 scheint u.E. daher absehbar. Dafür sprechen aus unserer Sicht fol- gende Argumente: Einlagen-Beta als Haupttreiber für Zinsgewinne Gegen eine Fortsetzung der hohen Wachstumsraten bei den Zinsgewinnen der Banken spricht insbesondere, dass die Häuser zunehmend einen Teil der gestiegenen Margen an ihre Kunden weitergeben. So nimmt das so ge- nannte Einlagen-Beta – also der Anteil der Zinserhöhungen, der an die Kunden weitergegeben wird – derzeit zu, und zwar sowohl im Firmenkunden- als auch im Privatkundengeschäft. Bei der Commerzbank beispielsweise stieg die Kennzahl im Deutschlandgeschäft von durchschnittlich rund 10 % Ende 2022 auf 25 % im 3. Quartal 2023. Bis Jahresende rechnet die Bank mit einem weiteren Anstieg auf 30 %. 2024 könnte sich das Beta weiter erhöhen und sich seinem langfristigen Wert von etwa 40 % annähern. Gemäß der Guidance der Commerzbank führt eine Veränderung des Einlagenbetas um +/- 1 %-Punkt bei einem Zinsni- veau von 3 bis 4 % zu einer Veränderung des Zinsüberschusses von immerhin rund 75 bis 100 Mio. EUR. Dem ste- hen jedoch positive Effekte z.B. aus der Wiederanlage von Einlagen, Volumeneffekte und Veränderungen im Pro- duktmix gegenüber, so dass der Gesamteffekt weit milder ausfällt. TLTRO für Zinsüberschüsse kaum mehr relevant Zusätzliche Unterstützung erhielten die Zinsgewinne der Banken während der Niedrig- und Negativ-Zinsphase durch die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte der EZB. Das seit September 2019 laufende Pro- gramm TLTRO III summierte sich in der Spitze im September 2021 auf 2,2 Bio. EUR. Der EZB-Rat hatte auf seiner Sitzung am 27.10.2022 beschlossen, die zuvor äußerst attraktiven Konditionen des Programms zu ändern; gleich- zeitig erhielten die teilnehmenden Institute die Möglichkeit, erstmals zum 23.11.2022 und danach im monatli- chen Turnus, ihre aufgenommenen Beträge an die EZB zurückzuzahlen. Der Gesamtbetrag der im Rahmen des Gestiegene Zinsen begünstigen Zinsergebnis Mrd. EUR Mrd. EUR \* Aggregiert für eine Auswahl europäischer Banken (Banco Santander, BBVA, Commerzbank, Deutsche Bank, ING Group, Nordea, Unicredit, SEB, Swedbank Quellen: Bloomberg, Helaba Research &amp; Advisory 2 3 4 5 6 7 8 9 10 15 20 25 30 35 40 Q1/20 Q2/20 Q3/20 Q4/20 Q1/21 Q2/21 Q3/21 Q4/21 Q1/22 Q2/22 Q3/22 Q4/22 Q1/23 Q2/23 Q3/23 Zinsüberschuss\* (l.S.) Kreditrisiko- Vorsorgeaufwendungen\* (r.S.) Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Januar 2024 3 von 9 Programms aufgenommenen Mittel hat sich auf 0,39 Bio. EUR Ende September 2023 reduziert (siehe Rück- zahlungsanzeige der EZB vom 8.12.2023). Die Bedeutung des Programms nimmt demnach weiter ab. Bei der Commerzbank etwa beliefen sich die Zusatzer- träge aus dem TLTRO-Pro- gramm im Jahr 2022 auf immer- hin 189 Mio. EUR, im Jahr 2023 spielten sie kaum noch eine Rolle. Geänderte Konditionen bei der Mindestreserve Als weitere geldpolitische Maßnahme mit spürbarer Ergebniswirkung hat die EZB die Verzinsung der Mindestre- serve zum 20.9.2023 auf Null gesenkt. Bis Oktober 2022 entsprach der gezahlte Zins dem Satz für die Hauptrefi- nanzierungsgeschäfte. Danach wurde er auf den Satz der Einlagefazilität gesenkt, bevor er nun auf 0 % festgelegt wurde (siehe EZB). Beim Mindestreserve-Volumen von zuletzt nahezu 170 Mrd. EUR entgehen den Banken somit rund 6,7 Mrd. EUR an Zinserträgen p.a. Diskutiert wird darüber hinaus die Erhöhung des Mindestreservesatzes von aktuell 1 %. Bis Mitte Januar 2012 lag dieser bei 2 %. Eine Rückkehr zu diesem Satz käme einer Verdoppelung des entgangenen Zinsertrages gleich. Kreditneugeschäft schwach, Kreditmargen mit weiterem Ausweitungspotenzial Die Nachfrage nach Krediten (sowohl von Privat- als auch von Unternehmenskunden) hat sich im konjunkturell eingetrübten Umfeld bei gleichzeitig stark gestiegenen Zinsen gemäß EZB-Daten in den letzten Mona- ten deutlich abgeschwächt. Parallel hat die Bereitschaft der Banken, ihr Kreditportfolio aus- zuweiten, tendenziell abge- nommen. Die Wachstumsrate beim ausstehenden Volumen an Unternehmenskrediten ist von einem Rekord von 8,9 % gg. Vj. im September 2022 auf ein Minus von 0,3 % gg. Vj. im Oktober 2023 gefallen. TLTRO-Refinanzierung verliert weiter an Bedeutung TLTRO-III-Bestand in Bio. EUR \* Unter Abzug der Fälligkeiten Quellen: EZB, Helaba Research &amp; Advisory 0.0 0.5 1.0 1.5 2.0 2.5 0.0 0.5 1.0 1.5 2.0 2.5 Sep 22 Dez 22 Mrz 23 Jun 23 Sep 23 Dez 23 Mrz 24 (p)\* Jun 24 (p)\* Sep 24 (p)\* Dez 24 (p)\* 215 53 85 39 Fälligkeiten (Mrd. EUR): Kreditvergabe an Unternehmen\* eingebrochen % gg. Vj. % gg. Vj. \* Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen, bereinigt um Verbriefungen Quellen: LSEG, EZB, Helaba Research &amp; Advisory -20 -10 0 10 20 -20 -10 0 10 20 11/09 11/11 11/13 11/15 11/17 11/19 11/21 11/23 Spanien Italien Frankreich Deutschland Eurozone Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Januar 2024 4 von 9 Nach den Ergebnissen der im Dezember 2023 von der Euro- päischen Bankenaufsichtsbe- hörde EBA veröffentlichten Transparency Exercise rech- nen weniger Banken mit einer Ausweitung ihres Kreditportfo- lios. Vor allem bei Unterneh- menskrediten und privaten Hy- pothekarkrediten sinkt der An- teil der Banken, die eine Zu- nahme des Kreditvolumens er- warten, kontinuierlich, wie die jüngste Umfrage der EBA im Herbst zeigt. Lediglich bei den Konsumentenkrediten wird ein Anstieg erwartet. Die Beratungsgesellschaft EY geht in einer aktuellen Studie allerdings bereits für 2025 wieder von einer Belebung des Kreditgeschäfts über alle Segmente hinweg aus. Bei den Kreditmargen könnte allerdings noch eine weitere po- sitive Anpassung bevorstehen. Aufgrund unterschiedlicher Zinsbindungsfristen dauert es bei einigen Portfolios länger, bis höhere Neugeschäftsmargen re- alisiert werden können. So ga- ben rund 36 % der von der EBA befragten Banken an, dass bei weniger als 20 % ihrer Wohnim- mobilienkredite in den nächsten 12 Monaten eine Zinsanpassung anstehe. Bei Portfolios, wie etwa Unternehmenskrediten, berich- teten die Banken hingegen von einem vergleichsweise hohen Anteil an Krediten, bei denen in den nächsten 12 Monaten eine Zinsanpassung ansteht. Kreditqualität – Anstieg der Problemkreditquoten wohl gut verkraftbar Trotz Corona-Krise, Ukraine-Krieg (hohe Energiekosten), Zinsanstieg und Konjunkturschwäche liegen die Prob- lemkreditquoten der Banken seit Jahren auf niedrigem Niveau, nicht zuletzt dank niedriger Arbeitslosen- und Insolvenzquoten. Auch im Jahr 2023 kam es zu keinem nennenswerten Anstieg. Der Anteil der notleidenden Kre- dite am Gesamtengagement der europäischen Banken blieb nach Angaben der EBA seit Juni 2022 stabil bei 1,8 %. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Höchststand von 6,5 % im Dezember 2014. Wir halten einen leichten Anstieg der Problemkreditquoten vom derzeit niedrigen Stand für wahrscheinlich, gehen aber davon aus, dass das Niveau weiter niedrig und von den Instituten gut beherrschbar bleibt. So rechnen un- sere Ökonomen für 2024 mit einem BIP-Wachstum in der Eurozone von 1,3 % (s. Wochenausblick vom 05.01.2024). Gleichzeitig weist die EBA auf die vergleichsweise vorsichtigen Kreditvergabestandards der letzten Jahre hin. Hinzu kommt, dass die meisten von uns beobachteten Häuser über komfortable Risikopuffer verfügen, da sie während der Corona-Krise zusätzliche Rückstellungen für Kreditrisiken gebildet haben, die sie noch nicht aufgelöst bzw. aufgrund der schwächeren konjunkturellen Lage umgewidmet haben. Kreditneugeschäft ohne Schwung Anteil der Banken, die mit einem Anstieg des Kreditvolumens in den nächsten 12 Monaten rechnen, in % Quellen: EBA, Helaba Research &amp; Advisory 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% Mittel- stand Hypotheken- kredite Konsumenten- kredite Großunter- nehmen Q3 21 Q1 22 Q3 22 Q1 23 Q3 23 Zinsanpassungen bei Krediten werden schrittweise umgesetzt Zinsbindungsfrist für Kredite bei Neuvergabe, Anteil in % Quellen: EBA, Helaba Research &amp; Advisory 0% 10% 20% 30% 40% 50% Mittelstand Hypothekenkredite Konsumentenkredite Großunternehmen &lt; 1 Jahr 1-3 Jahre 3-5 Jahre 5-10 Jahre &gt; 10 Jahre Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Januar 2024 5 von 9 Strukturell hat der Sektor seit der Finanzmarktkrise eine tief- greifende Restrukturierung durchlaufen, in deren Rahmen risikoreiche und nicht zum Kern- geschäft gehörende Aktivitäten reduziert und Problemengage- ments abgebaut wurden. Auch die nach der Finanzmarktkrise ergriffenen regulatorischen Maßnahmen, zu denen unter an- derem Stresstests und die re- gelmäßige Überprüfung der Ri- sikotragfähigkeit durch die Auf- sichtsbehörden gehören, tragen wesentlich zur hohen Resilienz des Sektors bei. So veröffentlichte die EBA im Dezember 2023 die Ergebnisse der EU-weiten Transparency Exer- cise 2023, an der 123 Banken aus 26 EU-Staaten teilnahmen und mehr als eine Million Datenpunkte untersucht wurden. Die Aufsichtsbehörde betonte zu diesem Anlass, dass dies ein wichtiger Beitrag zur Überwachung von Risiken und Schwachstellen sowie zur Stärkung der Marktdisziplin sei. Hohe Kernkapitalquoten Für eine hohe Risikotragfähig- keit im Bankensektor sprechen auch die kontinuierlich gestie- genen Eigenkapitalquoten, die bei den meisten Instituten ei- nen wichtigen Verlustpuffer darstellen. Zuletzt lag die harte Kernkapitalquote der europäi- schen Banken im Durchschnitt auf einem historischen Höchst- stand von knapp 16 %. Haupt- treiber waren zuletzt die gestie- genen Gewinne, die die Kenn- zahl trotz Dividendenzahlungen und Aktienrückkaufprogram- men weiter ansteigen ließen. Einen wichtigen Beitrag leisteten aber auch die Ausschüttungssperren während der Corona-Krise sowie die Regu- lierungsreformen nach der Finanzmarktkrise. Branchenweit ist die harte Kernkapitalquote heute etwa doppelt so hoch wie vor der Finanzmarktkrise, und dies wie oben erläutert bei verbesserter Qualität der Aktiva. Europäische Banken zuletzt mit hohen Eigenkapitalquoten Dez 14 = 100 % Quellen: EBA, Helaba Research &amp; Advisory 10% 11% 12% 13% 14% 15% 16% 17% 90 100 110 120 130 140 150 160 12/14 06/15 12/15 06/16 12/16 06/17 12/17 06/18 12/18 06/19 12/19 06/20 12/20 06/21 12/21 06/22 12/22 06/23 Risiko-Exposure (l.S.) CET1-Quote (r.S.) CET1-Kapital (l.S.) Kreditqualität zeigt sich stabil Anteil Stage 2\* Kredite nach Segmenten, in % % \* Mit signifikant erhöhtem Ausfallrisiko Quellen: EBA, Helaba Research &amp; Advisory 5 7 9 11 13 15 17 19 5 7 9 11 13 15 17 19 Unter- nehmen Mittel- stand Großunter- nehmen Priv. Haus- halte Hypotheken- kredite Konsu- menten- kredite Juni 22 Juni 23 Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Januar 2024 6 von 9 Die zehn größten europäischen Banken, die offenge- legt haben, wie viel Kapital sie für regulatorische Zwecke im kommenden Jahr zurückhalten müssen, verfügen nach Berechnungen von Bloomberg derzeit über einen Eigenkapitalüberschuss von mehr als 140 Mrd. EUR. Im vergangenen Jahr waren es demge- mäß 147 Mrd. EUR, obwohl die Banken seither mehr an ihre Aktionäre ausgeschüttet haben. Mit Blick auf Gewinnentwicklung und Kapitalausstattung ist davon auszugehen, dass die von uns beobachteten Institute ihre Ausschüttungspolitik fortsetzen werden. Exkurs: Einführung von Sondersteuern für Banken in vielen Ländern Europas Mehrere europäische Regierungen haben die steigenden Gewinne der Banken zum Anlass genommen, Sonder- steuern zu erheben. Die neuen Bankensteuern, die in den letzten 18 Monaten eingeführt wurden, könnten laut S&amp;P Global länger in Kraft bleiben als ursprünglich geplant. Spanien und Italien sind die beiden größten europäi- schen Volkswirtschaften, die neue Bankensteuern eingeführt haben. Andere Regierungen, insbesondere in Mittel- und Osteuropa, sind diesem Beispiel gefolgt. Die Reaktion der Ratingagenturen deuten darauf hin, dass die Boni- tät des Sektors dadurch nur leicht belastet wird. Bankenspezifische Steuern werden in der EU immer häufiger angewandt Einführung einer bankenspezifischen Steuer und Merkmale in ausgewählten Ländern Quellen: EBA, Helaba Research &amp; Advisory Potenzial für weitere Ausschüttungen gegeben Im Verhältnis zur Bilanzsumme, in % % Quellen: EZB, Helaba Research &amp; Advisory 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Dividenden Aktienrückkäufe Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Januar 2024 7 von 9 Risiken nicht aus den Augen verlieren Das Gesamtbild stellt sich somit aus unserer Sicht recht positiv dar. Dennoch bestehen auch Risiken. . Der Zinsanstieg hat die Refinanzierungskosten der Banken erhöht. Dies ist die Kehrseite höherer Margen auf der Aktivseite. Insgesamt ist der Mar- genspielraum im aktuellen Zinsumfeld erfahrungs- gemäß größer als in einem Niedrigzinsumfeld. . Wichtige Kundengruppen sind mit steigenden Fi- nanzierungskosten konfrontiert. In ihrem Finanz- stabilitätsbericht vom November 2023 weist die EZB-Aufsicht darauf hin, dass sich die Duration im Finanzsystem und in der Realwirtschaft während der Niedrigzinsphase verlängert hat, so dass ein Großteil der Wirkung der geldpolitischen Straffung noch nicht eingetreten ist. Zu dem schwierigen wirtschaftli- chen Umfeld kommen die geopolitischen Spannungen in der Ukraine und im Nahen Osten in Form von gestie- genen Energiepreisen hinzu. Laut Finanzstabilitätsbericht hat sich die Rentabilität der Unternehmen im Euro- raum allgemein gut gehalten, auch wenn die Schuldendienstquote leicht angestiegen ist. Höhere Refinanzie- rungskosten könnten zu mehr Insolvenzen führen. Nachdem die Problemkreditquoten in den letzten Jahren auf historisch niedrigem Niveau verharrten, käme ein Anstieg in überschaubarem Rahmen auch einer Normalisie- rung gleich. Risiken bleiben unter Kontrolle Insolvenzanmeldung nach Sektoren – 2015 = 100 Quellen: EBA, Eurostat, Helaba Research &amp; Advisory Anstieg der Refinanzierungskosten Finanzierungskosten nach Wirtschaftszweigen, in % % Quellen: EZB, Helaba Research &amp; Advisory -1 0 1 2 3 4 5 6 7 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 2011 2014 2017 2020 2023 EZB-Einlagenfazilität Banken Länder Haushalte Unternehmen Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Januar 2024 8 von 9 . Angesichts der gestiegenen Zinsen rücken auch die teilweise hohen Verschuldungsquoten der öffent- lichen Haushalte in Europa wieder in den Blick- punkt. Das Gesamtengagement europäischer Ban- ken gegenüber Staaten ist laut EBA im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie ihr Eigenkapital (210 % des Kernkapitals im Juni 2023). Sowohl auf Länder- ebene als auch auf Ebene der einzelnen Institute gibt es zum Teil erhebliche Abweichungen. So be- stätigt die Erhebung der EBA, dass Banken in Mit- tel- und Osteuropa sowie in Südeuropa generell hö- here Engagements aufweisen. . Die EZB-Aufsicht weist darüber hinaus in ihrem Sta- bilitätsbericht darauf hin, dass Märkte und Nicht- banken nach wie vor sehr anfällig für negative geopolitische Überraschungen sind. Die zunehmende Anfälligkeit der Realwirtschaft könne die Qualität der Aktiva von Banken beeinträchtigen, was zusammen mit dem schwächeren Kreditgeschäft und den steigenden Refinanzierungskosten ihre Rentabilitätsaussichten belaste. Die geopolitischen Unwägbarkeiten bleiben hoch. 2024 stehen in einigen der größten Volkswirtschaften der Welt Wahlen an, darunter in den USA, Russland und Südafrika. Auch in der Europäischen Union finden Parlamentswahlen statt (S&amp;P Global Market Intelligence). . Europäische Banken hielten laut EBA zuletzt 3,45 Bio. EUR in Schuldtiteln, von denen mehr als 50 % zu fortge- führten Anschaffungskosten bewertet wurden. Es gebe jedoch Anzeichen dafür, dass sich die unrealisierten Verluste in den Anleihebeständen der Banken im Durchschnitt in Grenzen hielten, so Angel Monzon, Leiter der Abteilung Risikoanalyse bei der EBA in einem Interview im Dezember 2023. . Das Umfeld hoher Inflation und Kosten bleibt herausfordernd. Hier zahlen sich die Restrukturierungs- und Spar- maßnahmen der letzten Jahre aus. Kostensenkungen bleiben auf der Agenda der Banken. Die Digitalisierung der Branche schreitet voran. . Zunehmend relevant wird darüber hinaus das Thema Cyber-Risiken. Aufgrund ihres IT-gestützten Geschäfts- modells verfügen Banken zwar über eine hohe Kompetenz im Bereich IT-Sicherheit, sind aber nicht vor Cyber- Angriffen gefeit. Die EZB-Aufsicht will 2024 die Ergebnisse ihres Stresstests zur Widerstandsfähigkeit gegen- über Cyber-Risiken veröffentlichen („Cyber Resilience Stress Test“). Fazit: Bankenbranche ist gut aufgestellt Anleihegläubiger von Banken sind u.E. gut vor Ausfallrisiken geschützt. Dies gilt sowohl für Non-preferred An- leihen, als auch in noch stärkerem Maße für Preferred Anleihen. Zwar kommen im Jahr 2024 Herausforderungen auf die Branche zu, insbesondere die Kreditrisikokosten könnten nach mehreren Jahren des Rückgangs im Umfeld höherer Zinsen erstmals wieder steigen. Die Risikopuffer in Form von Kreditrisikovorsorge und Eigenkapital sind jedoch groß und die nach der Finanzmarktkrise umgesetzten Reformen haben den Sektor widerstandsfähig ge- macht. Nicht zuletzt nehmen nachhaltigkeitsbezogene Entwicklungen weiter Fahrt auf. Die Integration von Klimazielen in Strategie, Governance und Offenlegung der kapitalmarktorientierten Großbanken schreitet erfreulich voran. Gleichzeitig gewinnen die regulatorischen Rahmensetzungen an Kontur. Zum Jahreswechsel stehen wichtige Mei- lensteine zur weiteren Erhöhung der Transparenz an (u.a. Veröffentlichung der Green Asset Ratio). Sukzessive kommen Maßnahmen zu den weiteren UN-Nachhaltigkeitszielen hinzu. Eine Herausforderung liegt nach wie vor in der Datenerhebung und der Quantifizierung der mit dem Klimawandel verbundenen Risiken (siehe unsere Publi- kation „Europäische Banken: ESG-Offenlegung gewinnt an Profil“ vom 28.11.2023). Divergenz beim Schuldenstand Öffentlicher Schuldenstand, Haushaltssaldo und Ratingausblick\* % am BIP \* im Euroraum Quellen: EZB, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Januar 2024 9 von 9 Neues von Research &amp; Advisory Links zu kürzlich erschienen Analysen  Primärmarkt Update EUR Benchmark Bankanleihen  SSAs und Financials: Weekly Market Update  Corporate Schuldschein: Primärmarkt 2023  Italienische Covered Bonds: Start in eine neue Zeit  Europäische Banken: ESG-Offenlegung gewinnt an Profil Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Sabrina Miehs Corporate Research &amp; Advisory Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Europäische Großbanken gut aufgestellt. Gewinne bleiben 2024 hoch. Plateaubildung bei Zinsüberschüssen.
