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title: "Im Fokus: Zinsen"
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updated: 2026-09-28
keywords: Renten, Zinsen und Staatsanleihen
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# Im Fokus: Zinsen

Im Fokus: Zinsen 28. Februar 2023 © Helaba | Research &amp; Advisory | 28. Februar 2023 1 von 3 | Research &amp; Advisory EZB: Eine Frage der Zielfunktion Die EZB konzentriert sich wieder auf die Inflationsbekämpfung. Die deutlichen Zinserhöhungen waren auch deshalb notwendig, weil die Geldpolitik jahrelang auf andere Ziele ausgerichtet war. Um fokussiert zu bleiben, muss sich die EZB vor allem politischer Einflussnahme entziehen. Mit dem Anstieg der Euro-Inflationsrate auf über 10 % im vergangenen Jahr hat die EZB ihre Zielmarke von etwa 2 % massiv verfehlt. Neben angebotsseitigen Gründen wie der Energiekrise haben auch länger zurückliegende Fehlentwicklungen zu dieser Preisexplo- sion beigetragen. Die Geldpolitik hatte sich über Jahre hinweg zunehmend an anderen Zie- len als der Preisniveaustabilität orientiert. Die zuvor sehr niedrige Inflation gab der EZB den Spielraum, die Finanzierungsbedingun- gen schuldnerfreundlich zu gestalten. Dies kam den Unternehmen ebenso entgegen wie den Euro-Finanzministern. Aktien- und Immobilienmärkte haussierten gleichzeitig. Die Ri- sikoprämien wurden in diesem Umfeld spürbar gedrückt. Nach den Erfahrungen der Fi- nanz- und Euro-Schuldenkrise war dies für die EZB vermutlich eine entscheidende Motivation für die extrem lo- ckere Geldpolitik. Die Wirtschaft florierte, die Arbeitslosigkeit ging deutlich zurück. Als die Pandemie diese Erfolge bedrohte, wurde die EZB-Bilanzsumme durch längerfristige Refinanzierungsgeschäfte für Banken sowie Anlei- hekäufe noch einmal deutlich ausgeweitet. Die Leitzinsen wa- ren schon lange im negativen Bereich. Übergeordnetes Ziel all dieser Bemühungen war der Erhalt der Währungsunion. Proble- matisch war, dass viele Maß- nahmen mehr oder weniger im Zielkonflikt mit der Wahrung der Preisstabilität standen. Wohl nicht zuletzt deshalb war- fen im Laufe der Zeit mehrere deutsche Mitglieder des EZB- Rats frustriert das Handtuch. Nicht wenige Ökonomen inner- halb und außerhalb der EZB dürften den Deutschen insgeheim eine pathologische Angst vor Inflation unterstellt haben. Bei Anlegern und Notenbankern hatte sich über viele Jahre der Glaube verfestigt, die Inflation sei quasi für immer verschwunden. 1996 erschien das Buch „The Death of Inflation“ des britischen Ökonomen Roger Bootle. Für ein Vierteljahrhundert richtungsweisend, lässt sich angesichts des dramatischen Inflationsanstiegs im Jahr 2022 auch hier eine Zeitenwende konstatieren. Die unbequeme Konsequenz: Der Spielraum für eine wachstumsfreundliche Geldpolitik dürfte auf lange Zeit stark eingeschränkt sein. Ulf Krauss EZB und Anleihemärkte Tel. 069/91 32-47 28 Bilanzsumme in acht Jahren vervierfacht Mrd. Euro % gg. Vj. Quellen: Refinitiv, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Zinsen © Helaba | Research &amp; Advisory | 28. Februar 2023 2 von 3 EZB kämpft um ihren Ruf Der massive Inflationsanstieg hat das Vertrauen in die Währungshüter erschüttert. Zu lange hat sich die EZB ent- spannt zurückgelehnt. Selbst als die Inflation die 2 %-Marke erreichte und in den USA die Teuerung bereits auf 5 % kletterte, wurde auf angeblich unkritische Einmal- und Basiseffekte verwiesen und die wirtschaftlichen Unter- schiede zwischen den USA und dem Euroraum betont. Zwar wurde Mitte 2021 das Risiko eines die Staatengemein- schaft erfassenden Krieges und eines damit verbundenen Energiepreisschocks als gering eingeschätzt. Die Infla- tionserwartungen der Investoren und Konsumenten bewegten sich jedoch bereits rasch nach oben. Das Einfrieren des Pandemiekaufprogramms erfolgte rela- tiv spät im März 2022 und die erste Leitzinsanhebung rund vier Monate später. Zwar hätte die EZB den Zug aufgrund der vor allem angebotsseitigen Inflationseffekte nicht stoppen können. Aber der Eindruck, sie habe das unheilvolle Gespann zunächst quasi durchgewunken, dürfte ih- rem Ansehen erheblich geschadet haben. Als der Kaufkraftverlust durch zweistellige Inflationsraten im Euroraum für Unternehmen und Verbraucher teilweise existenzbedrohende Ausmaße annahm, musste die EZB eine radikale Kehrtwende vollziehen und die Leitzinsen auf zuletzt 3,0 % anheben. Damit haben sich die Finanzierungsbedingungen innerhalb kürzester Zeit deutlich verschlechtert. Das Geldmen- genwachstum ist eingebrochen. Zinssensitive Branchen wie der Immobilien- und Bausektor werden durch die restriktive Geldpolitik spürbar belastet. Um die Nachfrage zu dämpfen und die Preisüberwälzungsspielräume ein- zuschränken, wird eine deutliche Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Kauf genommen. Dies stellt na- türlich einen Zielkonflikt dar. Angesichts der Gefahr, dass sich die Inflationserwartungen vom 2 %-Ziel abkoppeln, muss die EZB jedoch der Inflationsbekämpfung Priorität einräumen. EZB bleibt in schwierigem Fahrwasser Entscheidend für den langfristigen Erfolg wird sein, dass sich die EZB so weit wie möglich der politischen Ein- flussnahme entzieht. Angesichts begrenzter bzw. abnehmender Ressourcen und des demografischen Wandels ist mit zunehmenden Verteilungskonflikten zu rechnen. Die EZB ist gut beraten, sich hier möglichst herauszu- halten, um ihr Inflationsziel nicht wieder aus den Augen zu verlieren. Die aktuelle Krise gibt ihr in gewisser Weise die Chance dazu. Eine den Umständen geschuldete klare und unmissverständliche Fokussierung auf die Inflations- bekämpfung hilft nunmehr, politische Begehrlichkeiten und Forderungen nach einer zu lockeren Geldpolitik in Schach zu halten. Mit einem zügigen Abbau ihrer hohen Anleihebestände – sie hält derzeit rund 40 % aller umlau- fenden Euro-Staatsanleihen – würde die EZB auch ein deutliches Ausrufezeichen in Richtung Politik setzen. Der ab März beginnende Abbau der Wertpapierbestände um monatlich 15 Mrd. Euro ist eher ein Minimum. Die US-Notenbank reduziert derzeit ihre Anleihebestände um monatlich 95 Mrd. US-Dollar, davon 60 Mrd. Staatsanlei- hen. Die EZB wird ihren Zinserhöhungskurs fortsetzen. Für Mitte März hat sie bereits einen weiteren Zinsschritt um 50 Basispunkte angekündigt. Möglicherweise wird in den nächsten Monaten sogar noch etwas draufgesattelt. Spätestens in der zweiten Jahreshälfte dürfte sich die Lage an der Zinsfront, auch im Zuge anhaltend rückläufiger Inflation, jedoch beruhigen. Kurswechsel der EZB zeigt Wirkung Euroraum, % gg. Vj. % Quellen: Refinitiv, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Zinsen © Helaba | Research &amp; Advisory | 28. Februar 2023 3 von 3 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

EZB hält zuletzt konsequent Kurs bei der Inflationsbekämpfung. Geldmengenwachstum eingebrochen – Finanzierungsbedingungen erschwert. Langfristig wird es darauf ankommen, dass sich die EZB politischer Einflussnahme entzieht und aus Verteilungskonflikten heraushält.
