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title: "Im Fokus: Zinsen"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Renten, Zinsen und Staatsanleihen
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# Im Fokus: Zinsen

Im Fokus: Zinsen 24. März 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. März 2025 1 von 4 Research &amp; Advisory Bundesanleihen: Schwenk in schwieriges Fahrwasser Mit der Lockerung der Schuldenbremse fällt ein stabilisierendes Element am Anleihemarkt weg. Damit stei- gen die Finanzierungskosten tendenziell, wenn auch in überschaubarem Umfang. Langfristig ist mit Bund- Renditen im Gravitationsbereich von 3 % zu rechnen. Die geplante massive Ausweitung der Militärausgaben in Europa als Reaktion auf den brü- chig gewordenen Nordatlantikpakt verändert auch das Zinsumfeld im Euroraum. Die Ren- dite 10-jähriger Bundesanlei- hen stieg nach der Ankündi- gung Deutschlands, die Schul- denbremse durch eine Grund- gesetzänderung anzupassen, zeitweise bis in den Bereich von 2,9 %. Im Wochenver- gleich war dies der stärkste Anstieg seit rund fünf Jahren. Die Zinsstrukturkurve wurde steiler. Der Abstand zwischen 10-jährigen und zweijährigen Bundesanleihen kletterte auf den höchs- ten Stand seit fast drei Jahren. Deutschland genießt bei Investoren höchstes Ver- trauen. Die Ratingagenturen bewerten Bundesanlei- hen bisher mit Bestnoten – besser u.a. als US-Treasu- ries. Ist diese Einschätzung in Gefahr? Kurzfristig eher nicht. Darauf deuten nach wie vor niedrige Kreditausfall- prämien hin. Zwar waren die Absicherungskosten zuletzt etwas höher als im vergangenen Jahr, das Niveau der Credit Default Swaps (CDS) liegt aber immer noch auf dem Durchschnittsniveau der letzte zehn Jahre. Die Ratingagenturen stehen daher nach der Grundgesetz- änderung nicht unter Druck. Die Verschuldung Deutschlands ist unter den großen Industrienationen nach wie vor recht niedrig und liegt nur moderat über dem Maastricht-Kriterium von 60 %. Allerdings hängt nun viel vom weiteren Vorgehen der künftigen Regierung ab, wobei ein rascher Abschluss eines Koalitionsvertrages von Vorteil wäre. Entschei- dend dürfte vor allem sein, ob sich eine Koalition aus Union und SPD auf umfassende Strukturreformen ei- nigen kann. Ziel muss es sein, der überbordenden Re- gulierung Einhalt zu gebieten und private Investitio- nen zu fördern. Inwieweit es dabei zu schmerzhaften und unpopulären Einschnitten in den Sozialstaat kommen wird, bleibt abzuwarten. Nach der deutlichen Auswei- tung der Verschuldungsspielräume sind die Anreize hierfür jedoch gesunken. Ulf Krauss EZB und Anleihemärkte Tel. 069/91 32-47 28 Renditen rauf – Zinskurve steiler Bundesanleihen, %-Pkt. Rendite, % Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Internationale Anleger bleiben relativ gelassen CDS, Prämien für 10-jährige Staatsanleihen in Basispunkten Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Zinsen © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. April 2024 2 von 4 Am Anleihemarkt liegt die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen mit rund 2,8 % immer noch am unteren Ende des Renditespektrums der Euroländer. Allerdings hat sich der Abstand zu den anderen großen und viel höher ver- schuldeten Euroländern Frankreich, Italien und Spa- nien seit dem letzten Höchststand im Oktober 2022 von 1,4 auf 0,7 Prozentpunkte halbiert – Tendenz wei- ter fallend. Der Abstand zu portugiesischen Staatsan- leihen beträgt nur noch 40 Basispunkte. Gegenüber dem 10-jährigen Swapsatz notierten Bundesanleihen sogar bereits 10 Basispunkte höher. In den kommenden Jahren dürfte Deutschland deut- lich mehr Schuldtitel emittieren. Damit wird der inter- nationale Anleihemarkt, der sich in den letzten Jahren ohnehin deutlich ausgeweitet hat, noch stärker unter Druck geraten. In den letzten fünf Jahren hat sich das Volumen der US-Treasuries, getrieben durch die stark gestiegene Verschuldung der USA, um fast 70 % er- höht. Im gleichen Zeitraum stieg das Volumen ausste- hender Euro-Staatsanleihen um rund 40 %. Gleich- zeitig reduzieren die europäischen Zentralbanken und die Fed ihre Anleihebestände. Wie verhält sich die Geldpolitik in diesem komplexen Umfeld? Wie erwartet hat die EZB den Einlagensatz im März auf 2,5 % gesenkt. Dies dürfte noch nicht der Tiefpunkt des Zinssenkungszyklus sein, auch wenn die jüngsten Ankündigungen großer Fiskalpakete in Deutschland und auf EU- Ebene die Erwartungen diesbezüglich gedämpft haben. Die EZB beschreibt ihre Geldpolitik als spürbar weniger restriktiv. Diese Formulierung unterstellt aber, dass sie aus Sicht der Währungshüter immer noch leicht restriktiv ist. Die EZB vermeidet damit auch die Diskussion um den neutralen Leitzins, der nicht eindeutig zuzuordnen ist und auch vom Gesamtumfeld abhängt. Die kritische Weltlage, in der die Währungsunion vielfachen Bedrohungen ausgesetzt ist, dürfte aber auch die Währungshüter umtreiben. „Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken ist es, die Preissta- bilität zu gewährleisten“, so steht es in den Verträgen der Europäischen Union. Doch in der aktuellen Situa- tion stellt sich die Frage, wie stabil die Gemeinschaft ist. Die Kräfte, die die EU als Machtblock spalten wol- len, um mehr Einfluss in Europa zu gewinnen, nehmen von allen Seiten zu. Es bleibt zu hoffen, dass die EU unter diesem Druck letztlich stärker zusammen- wächst. Der Wandel von einer Wirtschafts- und Wäh- rungsunion zu einer Wirtschafts-, Währungs- und Ver- teidigungsunion wird gerade massiv vorangetrieben. Dazu bedarf es wirtschaftlicher Stabilität, für die auch die EZB mitverantwortlich ist. Steigende Inflationser- wartungen und eine höhere Inflation können dabei ebenso schädlich sein wie eine deutliche konjunktu- relle Abschwächung, etwa als Folge eines Handels- krieges. Die angekündigten großen Ausgabenpro- gramme in Deutschland für Verteidigung und Infrastruktur dürften allerdings für konjunkturelle Impulse sorgen und erhöhen tendenziell die Inflationsrisiken. Die EZB wird gleichwohl versuchen, die Grenzen der Zinspolitik aus- zuloten. Dabei dürfte sie noch stärker als sonst auf Finanzmarktinformationen und Umfragen bei Unternehmen und Verbrauchern achten. Wir sehen weiterhin Spielraum für eine Senkung des Einlagensatzes bis auf rund 2 %. EZB bleibt auf Kurs % % Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Euro-Spreads. Man kommt sich wieder näher Spread 10-j. Staatspapiere\* (Frankreich, Italien, Spanien), %-Pkt. \*gemittelt Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Zinsen © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. April 2024 3 von 4 Auf welchem Renditeniveau pendeln sich Bundesanleihen langfristig ein? Kurzfristig könnten die Renditen wieder sinken. Wir erwarten, dass die 10-jährige Bundesanleihe zur Jahresmitte bei etwa 2,5 % liegt. Dabei spielen auch die Erfahrungen der letzten beiden Jahre eine Rolle, als die Renditeent- wicklung einer Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen glich. Für Rückenwind dürfte die weitere Lockerung der Geldpolitik sorgen. Allerdings ist die Unsicherheit groß, da derzeit niemand sagen kann, ob es tatsächlich zu ei- nem Handelskrieg zwischen der EU und den USA kommen wird. Die EZB hat ausgerechnet, dass ein US-Zoll von 25 % auf Importe aus Europa das Wirtschaftswachstum im Euroraum im ersten Jahr um etwa 0,3 Prozentpunkte reduzieren könnte. Sollte Europa mit höheren Zöllen auf US-Importe reagieren, würde dieser Wert auf rund 0,5 Prozentpunkte steigen. Vergeltungsmaßnahmen der EU und ein schwächerer Euro-Kurs könnten die Inflation kurzfristig um etwa einen halben Prozent- punkt erhöhen. Mittelfristig würde sich dieser Effekt jedoch aufgrund des niedrigeren Wachstums ab- schwächen. Auch in der langen Frist deutet wenig darauf hin, dass sich 10-jährige Bundesanleihen wieder auf einem deutlich niedrigeren Renditeniveau bewegen werden. Ein nachhaltig durch fiskalische Impulse gestütztes Wirtschaftswachstum spricht sogar für wieder etwas höhere Leitzinsen im Euroraum. Die Renditen dürften sich daher längerfristig eher im Bereich von 3 % als bei 2 % einpendeln. Das Risiko, dass diese Marke überschritten wird, ist auf dabei höher einzuschätzen als die Wahrscheinlichkeit tendenziell niedrigerer Renditen. Man denke nur an die zunehmenden demografischen Belastungen im gesamten Euroraum, die über die jetzt beschlossenen fiskalischen Maßnahmen hinaus die Verschuldung und damit das Angebot an Staatsan- leihen weiter nach oben treiben könnten. Die Schuldenbremse ist zwar mehr oder weniger wirkungslos geworden, aber es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass damit alle Fesseln der Finanzpolitik gelockert wurden. Wer auch immer neuer Bundesfinanzminister wird, dürfte den kalten Atem der Kapitalmärkte stärker als bisher im Nacken spüren. Aber noch sind die Spielräume in Deutschland – auch im Vergleich zu anderen Ländern – vergleichsweise groß. Steilerer Anstiegswinkel zu erwarten Volumen umlaufender Staatsanleihen, indexiert 1.1.2015 = 100 Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Zinsen © Helaba | Research &amp; Advisory | 24. April 2024 4 von 4 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. 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Mit der Lockerung der Schuldenbremse fällt ein stabilisierendes Element am Anleihemarkt weg. EZB dürfte Kurs halten und Renten damit kurzfristig stützen. Langfristig ist mit Bund-Renditen im Bereich von 3 % zu rechnen.
