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title: "Im Fokus: Zinsen und Anleihen"
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updated: 2026-09-28
keywords: Renten, Zinsen und Staatsanleihen
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# Im Fokus: Zinsen und Anleihen

Im Fokus: Zinsen 27. Oktober 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 27. Oktober 2025 1 von 3 Research &amp; Advisory Bundesanleihen: Mehr Angebot – weniger Nachfrage Das Thema Staatsverschuldung war in diesem Jahr in aller Munde und hat seine Spuren hinterlassen. Doch nicht nur dieses Thema ist für den Rentenmarkt zu einer Bürde geworden… Der Zinssenkungszyklus im Euroraum ist vermutlich an seinem Endpunkt angelangt oder zumindest nahe daran. Damit sind die Chancen auf Kursgewinne am Rentenmarkt insge- samt überschaubar, auch wenn vorerst nicht mit einer Zins- wende der EZB zu rechnen ist. Bundesanleihen profitieren allerdings indirekt vom laufen- den Zinssenkungskurs der US-Notenbank. Während die EZB mit 2 % bereits neutrales Territorium erreicht hat – ihre Geldpolitik wirkt weder expansiv noch restriktiv –, hat die Fed noch einen kleinen Weg vor sich. Die Rendite 10-jähriger US- Treasuries ist in diesem Zusammenhang seit Mitte Juli von etwa 4,5 % auf rund 4,0 % gesunken. Da Bundesanleihen traditionell unter dem Einfluss des weltweit dominanten Anleihemarktes stehen, sind auch hierzulande die Renditen im Oktober zurückge- gangen. Allerdings ist eine Rendite von rund 2,5 % bei 10-jährigen Bundesanleihen den fundamentalen Umständen ent- sprechend keineswegs niedrig. Basierend auf den Erfahrungen der letzten zehn Jahre müsste der Kapitalmarkt- zins eigentlich 50 bis 60 Basis- punkte tiefer notieren, also so- gar unter der Marke von 2 %. Ausgangspunkt der Analyse ist ein einfaches Regressionsmo- dell, bei dem die Erwartungen hinsichtlich der Geldpolitik der EZB sowie die Vorgaben des US- Rentenmarkts die beiden ent- scheidenden Variablen sind. Ersteres wird durch die Euro- Terminmarktsätze (3M-Satz in 12 Monaten) erfasst, letzteres durch die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen. Ulf Krauss EZB und Anleihemärkte Tel. 069/91 32-47 28 US-Renditerückgang letztlich doch mit Wirkung Rendite, % Rendite, % Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Veränderter Renditepfad Rendite, % \*auf Basis Terminmarkt (3M-Satz in 12 Monaten und 10-jährige US-Treasuries, letzte 10 Jahre) Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Zinsen © Helaba | Research &amp; Advisory | 27. Oktober 2025 2 von 3 Der Vergleich des aktuellen Renditeverlaufs mit dem Regressionsmodell zeigt für die letzten Jahren eine starke Übereinstimmung. Seit März 2025 ist die Anbindung allerdings verloren gegangen. Deutlich erkennbar ist der große Renditesprung, der durch die Lockerung der Schuldenbremse ausgelöst wurde. In diesem Zuge stiegen auch die Zinserwartungen bezüglich der EZB. Hintergrund sind der erwartete konjunkturstimulierende Effekt der Investitionsprogramme, die damit verbundenen möglichen Inflationswirkungen und die geringere Notwendigkeit einer expansiven Geldpolitik. Gleichzeitig kletterte auch die US-Rendite etwas. Das Regressionsmodell reagierte zwar auf diese Entwicklungen, allerdings fielen die Bewegungen deutlich schwächer aus als der tatsächliche Renditeanstieg. Die Abkopplung wird auch deutlich, wenn man die ak- tuell relativ moderaten Inflationserwartungen der Anleger im Euroraum mit der Renditeentwicklung ver- gleicht. Bildet man den Durchschnitt der 5Y5Y-Infla- tion-Forwards der letzten zwei Jahre und den entspre- chenden Mittelwert der Bund-Rendite, so zeigt sich auch hier eine deutliche Abweichung. Die Rendite liegt über dem Durchschnittswert, die Inflationserwar- tungen darunter. Der überraschende fiskalpolitische Kurswechsel hat jedoch nicht nur zu einer vorübergehenden Veränderung der Renditen geführt. Es scheint vielmehr so, als sei das Renditeniveau dauerhaft erhöht worden. Natürlich gibt es Szenarien, die diesen Aufschlag wieder reduzieren könnten, beispielsweise eine wirksame Schuldenbremse 2.0. Dies ist jedoch eher unwahrscheinlich. Denkbar wäre auch ein Eingriff der EZB in Form eines neuen Anleihe- ankaufprogramms. Dieses würde das erhöhte Umlaufvolumen von Staatsanleihen zumindest teilweise kompen- sieren. Ob die EZB dann allerdings Bundesanleihen kaufen würde, ist fraglich. Die aktuelle Krisenlandschaft im Euroraum spräche eher für den Ankauf französischer Papiere im Rahmen des Transmission Protection Instruments (TPI). Zurückhaltung der Investoren ist spürbar Ein weiterer Faktor außerhalb unserer Modellwelt ist die veränderte Asset-Allokation bei großen Pensionsfonds. Einige der größten institutionellen Investoren Europas sind niederländische Pensionskassen, die ein Vermögen von rund 1,5 Billionen Euro verwalten. Ein großer Teil davon wurde bisher in Staatsanleihen angelegt. Eine Reform der Anlagestrategie, die risikoreichere Anlagen wie Aktien bevorzugt, sieht eine Umstellung im Zeitraum von 2026 bis 2028 vor. Es ist nachvollziehbar, dass die Pensionskassen unter diesen Vorgaben weniger Ren- tenpapiere kaufen. Vor allem ultralange Laufzeiten bekamen dies zu spüren. So verloren 30-jährige Bun- desanleihen seit Jahresanfang zeitweise über 10 % an Wert. Ab dem kommenden Jahr soll der schrittweise aktive Rückzug aus dem Anleihesegment hin zu Aktien er- folgen. Wie schnell die Pensionskassen handeln, ist zwar offen. Vor allem zu Jahresanfang, wenn die Emis- sionstätigkeit erfahrungsgemäß besonders hoch ist, könnte es deshalb jedoch einige Turbulenzen am Ren- tenmarkt geben. Anleger meiden Laufzeitenrisiken Ertragsindizes deutsche Bundesanleihen, 1.1.2025 = 100 Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Renditen klar über Inflationserwartungen % mit Durchschnitt % mit Durchschnitt \*5Y5Y Inflation Forwards Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Zinsen © Helaba | Research &amp; Advisory | 27. Oktober 2025 3 von 3 Gerade jetzt, wo viele Länder planen, deutlich mehr Geld an den Kapitalmärkten aufzunehmen – insbesondere für militärische Rüstung –, könnten sich viele Investoren zurückhaltend zeigen. Nun rächen sich möglicherweise auch die jahrelange Negativzinspolitik der EZB sowie die Ankaufprogramme, durch die die Anleihemärkte stark ausgedünnt wurden. Beides hat in den Augen vieler Langfristinvestoren die Attraktivität von Staatsanleihen lä- diert. Der Plan, in andere Vermögenswerte zu investieren, könnte in dieser Zeit gereift sein. Das bedeutet natür- lich nicht, dass Staatsanleihen nicht mehr gekauft werden. Wie bekannt, ist ja alles eine Frage des Preises. Die sich abzeichnende Angebot-Nachfrage-Struktur spricht jedoch nicht für ein anhaltend niedriges Renditeniveau. Die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen dürften daher langfristig eher um die 3 %-Marke schwanken als sich bei zwei Prozent oder darunter einzupendeln. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Bund-Rendite derzeit deutlich über den Modellschätzungen. Thema Staatsverschuldung hat spürbar an Bedeutung gewonnen. Investoren meiden Laufzeitenrisiken und bevorzugen kürzere Laufzeiten.
