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title: "Im Fokus Zinsen: Internationales Renditegefüge in Bewegung"
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language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Renten, Zinsen und Staatsanleihen
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# Im Fokus Zinsen: Internationales Renditegefüge in Bewegung

Im Fokus: Zinsen 21. Mai 2026 © Helaba | Research | 21. Mai 2026 1 von 4 Helaba Research Internationales Renditegefüge in Bewegung Ein wachsendes Angebot am Rentenmarkt trifft auf verunsicherte Anleiheinvestoren. Geo- und innenpoliti- sche Unsicherheiten belasten. Die Kapitalmarktzinsen sind gestiegen und die Renditeabstände haben sich verändert. 10-jährige Bunds sollten sich gleichwohl im Bereich um 3 % halten, auch weil die EZB zurückhal- tend agiert. Mit Beginn des Irankriegs waren die Kapitalmarktzinsen erheblich unter den Einfluss der schwankenden Ölpreisnotierungen geraten. Der Persische Golf ist der Taktgeber für die Rohölmärkte. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen kletterte in der Spitze bis auf 3,2 % und erreichte damit den höchsten Stand seit 25 Jahren. Ende Februar lag sie noch bei 2,6 %. Kein Wunder, dass die Nervosität unter Kreditnehmern inzwischen sehr hoch ist. Auch unter den Anlegern herrscht große Unsicherheit. Die weiterhin ungeklärte Situation im Persischen Golf belastet die Anleihemärkte weltweit. US-Staatsanleihen stehen unter besonderem Druck – nicht nur wegen des Wechsels an der Spitze der Fed. Die wichtige 30-jährige US-Benchmarkanleihe liegt mit über 5,1 % auf einem Stand wie zuletzt im Jahr 2007. Die fiskalpolitische Lage der USA wird zunehmend angespannter. Die Investoren sind momentan verstärkt auf der Suche nach Alternativen. Der US-Dollar als Weltleitwährung wirkt angeschlagen. Die Aufschläge für US-Anleihen, ablesbar an den CDS-Spreads, signalisieren eine erhöhte Risi- koeinschätzung. Hinzu kommt, dass sich das internationale Renditegefüge zuletzt stark verändert hat. So no- tierten 10-jährige japanische Staatsanleihen inzwischen bei 2,8 %, vor drei Jahren lag deren Rendite noch knapp über null Prozent. Von den US-Treasuries in Aus- länderbesitz werden immerhin 13 % von japanischen Investo- ren gehalten. Zwar sind in die- sen Statistiken auch die Be- stände der Zentralbanken er- fasst, gleichwohl dürfte die Ver- schiebung der globalen Zinsni- veaus Auswirkungen auf die Kapitalströme haben. Aktuell beträgt der Anteil europäischer Investoren an den US-Staatsanleihen in ausländischer Hand über 30 %. Knapp ein Drittel davon stammt aus Großbritannien. Auch hier stellt sich die Frage, welche Auswirkungen das inzwischen höhere Renditeniveau britischer Gilts hat. Der Renditeabstand zu zehnjährigen US-Treasuries hat sich seit 2018 relativ kontinuierlich von rund -1,5 auf etwa +0,5 Prozentpunkte verschoben. Ulf Krauss EZB und Anleihemärkte Tel. 069/91 32-47 28 Rentenmärkte: Höhere Zinsen und veränderte Renditeabstände Rendite 10-jähriger Staatsanleihen, % Quellen: LSEG, Helaba Research Im Fokus: Zinsen © Helaba | Research | 21. Mai 2026 2 von 4 Natürlich sind die höheren britischen Kapitalmarktzinsen kein Ausweis von Stabilität. Insgesamt muss man fest- stellen, dass es die schwierigen politischen Verhältnisse in großen europäischen Ländern Anlegern nicht einfach machen, auf Europa zu setzen. In London, Paris und Berlin sehen die aktuellen und künftigen Staatsfinanzen aufgrund mangelnder Stabilität schlecht aus. Gleichwohl ist die Lage insgesamt nicht so kritisch wie in den USA. Länder wie die Schweiz müssen sich aufgrund der hohen Nachfrage nach Qualitätsanleihen derzeit wenig Sorgen machen. Trotz einer mageren Rendite von etwa 0,5 % werden deren Staatspapiere aufgrund von Safe-Haven-Überlegungen derzeit stark nachgefragt. Bundesanleihen unter Druck Von einem solchen Status scheinen sich Bundesanlei- hen langsam, aber kontinuierlich zu entfernen. Die Entwicklung der Spreads im Euroraum zeigt, dass sie ihren Nimbus nicht erst mit der Lockerung der Schul- denbremse eingebüßt haben. Der gemittelte Rendite- abstand 10-jähriger Staatsanleihen von Frankreich, Italien und Spanien gegenüber Bunds befindet sich seit vier Jahren im Abwärtstrend. Mit weniger als einem halben Prozentpunkt erreichte der Spread im Februar den tiefsten Stand seit 2010. Auffallend sind dabei zwei Dinge: Erstens erfolgte die Annäherung ohne große Schwankungen, was angesichts des bisherigen Spread-Verlaufs ungewöhnlich ist. Zweitens fiel die Spread-Entwicklung ziemlich genau mit der ökonomischen Schwäche Deutschlands zusammen. Der Anteil Deutschlands am Wirtschaftswachstum der Eurozone nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Die an- deren großen Euro-Volkswirtschaften weisen ein we- sentlich dynamischeres Wachstum auf und konnten zumindest teilweise mit ungewohnter politischer Sta- bilität überzeugen. Der Erwartungsdruck auf die Regierung in Deutsch- land ist hoch. Wenn es ihr nicht gelingt, die angekün- digten Reformen zu beschließen und umzusetzen, werden sich die Finanzierungsbedingungen an den Kapitalmärkten weiter verschlechtern. Dabei ist ein höheres Wirtschaftswachstum, das nicht nur von staatlichen Ausgaben getrieben ist, nur die eine Seite der Medaille. Vor allem müssen Strukturreformen die steigenden Sozialausgaben begrenzen. In Verbindung mit der kritischen Demografie wächst das Risiko, dass die Staatsfinanzen ohne wirksame Reformen langfristig außer Kontrolle geraten. Wie verhält sich die EZB? Die Europäische Zentralbank in Frankfurt verfolgt diese Entwicklungen vermutlich mit Besorgnis. Sie weiß genau, dass in diesem Risikoszenario der Druck seitens der Politik spürbar zunehmen würde – Stichwort „fiskalische Dominanz“. Anstatt die Inflation im Zaum zu halten, wäre sie mehr oder weniger gezwungen, das genaue Gegen- teil zu tun, um das System mit niedrigen Zinsen vor dem Kollaps zu bewahren. Diese Überlegungen bedeuten jedoch nicht, dass der EZB-Rat im aktuellen Umfeld vor einer Zinsanhebung zurückschreckt. Aufgrund der anhaltend angespannten Lage im Nahen Osten und an den Rohölmärkten ist die Europa bedeutender Besitzer von US-Treasuries Anteil am Auslandbesitz von US-Staatsanleihen, % Quellen: LSEG, Helaba Research Ohne Wachstum schrumpft Vorsprung von Bunds Quotient, % von 100 Spread 10j. Staatsanleihen\*, BP \* Frankreich, Italien, Spanien, gemittelt Quellen: LSEG, Helaba Research Im Fokus: Zinsen © Helaba | Research | 21. Mai 2026 3 von 4 Wahrscheinlichkeit einer Anhebung des Einlagensatzes von 2,0 % auf 2,25 % am 11. Juni deutlich gestiegen. An den Terminmärkten haben sich die Anleger bereits positioniert. Der Dreimonatssatz auf Sicht von einem Jahr liegt seit Kriegsbeginn in einem Band von 2,5 % bis 3,0 % – zuletzt wieder am oberen Rand. Vermutlich schwingt dabei auch die Erfahrung aus dem Jahr 2022 mit, als die EZB den Satz bis auf 4,0 % erhöht hat. Diesmal ist die Ausgangslage allerdings eine andere: Die EZB muss keine lockere Geldpolitik aus den Vorjahren korrigieren. Damals verharrte der Einlagensatz acht Jahre lang, also seit 2014, im negativen Bereich. Die Rendite 10-jähriger Bunds lag in diesem Zeitraum im Durchschnitt bei 0,16 %. Seit Anfang 2025 notiert sie rund zweiein- halb Prozentpunkte höher als damals. Die Finanzierungsbedingungen sind somit bereits deutlich straffer. Das bargeldnahe Geldmengenwachstum M1 lag von 2014 bis 2022 bei jährlich 9,4 %, seit Anfang 2025 mit durch- schnittlich 4,6 % nur noch etwa halb so hoch. Wie stark die EZB den Leitzins letztlich anhebt, hängt vor allem von der weiteren Entwicklung der Energie- preise ab. In unserem Basisszenario gehen wir von einem Ende des Irankriegs und einer Entspannung an den Rohölmärkten bis zur Jahresmitte aus. Dies würde auch die Preisüberwälzungsambitionen der Unternehmen dämpfen. Für viele Produzenten ist es ohnehin nicht einfach, die erhöhten Inputkosten voll- ständig an die Verbraucher weiterzugeben. Anders als nach der Pandemie sind kaum finanzielle Polster vor- handen. Die Wirtschaftsstrukturen der Eurozone sind insge- samt fragil. Deutschland, die größte Volkswirtschaft, kämpft aktuell um seine industrielle Basis. Umfangreiche Investitionen sind darüber hinaus notwendig, um im KI- Zeitalter mitzuhalten. In einer solchen Situation die Finanzierungskosten durch geldpolitische Straffungen zu- sätzlich zu erhöhen, könnte für viele Unternehmen und ihre Arbeitnehmer existenzielle Folgen haben. Würde die EZB das Negativszenario verstärken, könnte sie schneller dem Risiko der fiskalischen Dominanz ge- genüberstehen als ihr lieb ist. Im Umkehrschluss sollte die EZB daher besser umsichtig agieren. Rückendeckung kommt von den Inflationserwartungen der Anleger. An den Terminmärkten (5Y5Y Inflation Forwards) liegen die implizite Inflationserwartungen im Euroraum mit 2,2 % nur knapp über dem Durchschnittsniveau der letzten zwei Jahre. Wenn sich die Inflation beruhigt hat und aufgrund von Basiseffekten im nächsten Jahr zumindest wieder in Richtung 2 %-Marke tendiert, könnte die EZB sogar das alte Zinsniveau wieder ansteuern. In unruhigen Zeiten und angesichts großer struktureller Herausfor- derungen ist das möglicherweise das Beste, was eine Notenbank tun kann. Ein stabiler neutraler Zinssatz von 2 % wäre angesichts der schwierigen konjunktu- rellen Lage langfristig wahrscheinlich die beste Lö- sung. Am Rentenmarkt ist die Anhebung des Einlagensatzes bereits eingepreist. Nur wenn es zu einer Eskalation am Golf kommt und die Erdölnotierungen neue Höchststände erreichen, sodass die Zinserhöhungserwartungen weiter nach oben tendieren, ist mit einem weiteren Renditean- stieg zu rechnen. Am wahrscheinlichsten ist es jedoch, dass sich das Renditeniveau 10-jähriger Bundesanleihen im Bereich um die 3 %-Marke halten kann. Bislang relativ stabile Inflationserwartungen % % \*5Y5Y Inflation Forwards, Euroraum Quellen: LSEG, Helaba Research Ölpreis als kurzfristiger Richtungsgeber Brent, USD/Barrel % Quellen:LSEG, Helaba Research Im Fokus: Zinsen © Helaba | Research | 21. Mai 2026 4 von 4 Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin / Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Wachsendes Angebot am Rentenmarkt trifft auf verunsicherte Anleiheinvestoren. Geo- und innenpolitische Unsicherheiten belasten. Kapitalmarktzinsen sind gestiegen und Renditeabstände haben sich verändert. 10-jährige Bunds sollten sich gleichwohl im Bereich um 3 % halten, auch weil die EZB zurückhaltend agiert.
