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title: "Märkte und Trends: Geldpolitik und Staatsanleihen"
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language: de
updated: 2026-10-22
keywords: Renten, Zinsen und Staatsanleihen
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# Märkte und Trends: Geldpolitik und Staatsanleihen

Märkte und Trends Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 Helaba Research Editorial: Frankreich im Fokus, Deutschland solide gt/ Die Kurse von französischen Staatsanleihen sackten durch eine Kombination aus hohen Haushaltsdefiziten, landesweiten Protesten und einem unsicheren politischen Ausblick ab. Der Spread zu den 10-jährigen Bundesanleihen stieg auf rund 160 Basispunkte – eine Verdopplung gegenüber Jahresanfang. Dies belastete auch spanische und italienische Staatsanleihen. Wie sehen die Staatsschulden heute im Vergleich zur europäischen Staatsschuldenkrise aus? Griechenland stand damals im Zentrum der Krise mit einer Schuldenquote von 180 % des Bruttoinlandprodukts. Frankreich dagegen hat heute eine Quote von etwa 116 %. Das ist zunächst einmal beruhigend, allerdings ist Griechenland wirtschaftlich viel kleiner als Frankreich. Griechenland machte 2012 weniger als 2 % der Wirtschafts- leistung der EU aus – Frankreich steht heute für rund 16 % der Wertschöpfung. Eine Rettung des Landes wäre da- her deutlich schwieriger. Fraglich scheint, ob sich die EZB davon beeinflussen lässt und weniger restriktiv agiert. Deutschland zeigt sich dagegen derzeit trotz aller negativen Schlagzeilen wirtschaftlich solide. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen ist zwar seit Jahresanfang um etwa 60 Basispunkte gestiegen, aber der EZB-Leitzins wurde seither auch zweimal angehoben und eine weitere Erhöhung im Dezember ist abzusehen. Der Renditean- stieg ist somit ähnlich hoch wie in den Niederlanden. Mit einer Staatsschuldenquote von nur 44 % ist dieses Nach- barland fiskalisch besonders nachhaltig aufgestellt. Dies zeigt, dass an den Rentenmärkten noch keine Sorgen über Deutschland bestehen. Auf der anderen Seite des Atlantiks konnte der US-Dollar von der gestiegenen Unsicherheit profitieren, obwohl Risiken im KI- und Halbleitersektor am dortigen Aktienmarkt für Unruhe sorgten. Der Dollar konnte damit seine Rolle als sicherer Hafen wieder einmal unter Beweis stellen. Nach vorne gerichtet schauen wir gespannt auf die Zwischenwahlen in den USA. Sollte der Wahlausgang von einer der beiden Seiten nicht anerkannt werden, könnte eine zunehmende Unsicherheit US-Assets unter Druck setzen. Insgesamt dürften die wirtschaftlichen Implikatio- nen der Wahlergebnisse aber überschaubar bleiben, da Präsident Trump bereits heute häufig per Dekret am Kon- gress vorbei regiert. Ihre Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/Head of Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 Geldpolitik: Noch gibt es Zinserhöhungsspielraum • Energiepreise beruhigen sich nicht: Im Dezember ist mit weiterer EZB-Zinsanhebung zu rechnen • Finanzierungsbedingungen sind aufgrund hoher Kapitalmarktzinsen bereits deutlich erschwert • Im Euroraum ist für 2027 mit einer abwartenden Geldpolitik zu rechnen • Die Fed hat ein Inflations- und unter Kevin Warsh bislang auch ein Kommunikationsproblem • Am Finanzmarkt erwartete spürbare Straffung der US-Geldpolitik ist aus unserer Sicht ein Risiko • Wahrscheinlich wird es die US-Notenbank aber mit einem weiteren Zinsschritt bewenden lassen uk/ Angesichts der verbesserten Konjunkturdaten und vor dem Hintergrund anhaltend hoher Ölpreise sowie stei- gender Inflationsrisiken dürfte die EZB ein weiteres Mal straffen, vermutlich im Dezember. Anders als von den Terminmärkten signalisiert, sollte sie danach jedoch eine längere Pause einlegen, um die Wirkung ihrer Maßnahmen abzuwarten. Von den Zinsanhebungen dürften spürbare Effekte ausgehen, denn aufgrund der gestiegenen Kapital- marktzinsen – unter anderem im Zusammenhang mit tendenziell höheren Risikoprämien – haben sich die Finanzierungsbedingungen bereits deutlich ver- schlechtert. Gerade jetzt, da Deutschland seine Infra- struktur wettbewerbsfähig machen will, ist auf der Finanzierungsseite eine schwierige Situation ent- standen. pf/ Die US-Notenbank hat im September den Zielkor- ridor für den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 % bis 4,0 % angehoben. Sie hat dies nicht gut begrün- det – genauso wenig, wie ihre Entscheidung sechs Wochen vorher, den Zins unverändert zu lassen. Fed-Präsident Warshs weitgehend aussagelose, zeitlich verknappte Pressekonferenz ohne Rückfragemöglichkeiten für die Journalisten hat keine Informationen geliefert. Sollte er in Zukunft ganz darauf verzichten, wäre es kein Verlust. So bleibt unklar, wie die Fed mit ihrem die Nachfrage steuernden Zinsinstrument gegen den andauernden Angebotsschock von den Energiemärkten vorgehen will. Angesichts der Tatsache, dass die Notenbank ihr offizielles Inflationsziel seit über fünf Jahren verfehlt, ist Nichtstun keine Option. Wir gehen in unserem Basisszenario davon aus, dass der Preisdruck von der Energieseite in den kommen- den Monaten abflaut. Zweitrundeneffekte dürften nicht stark genug sein, um einen Rückgang der Gesamt- teuerungsrate zu verhindern. Allerdings ist ein Errei- chen des Inflationsziels eher mittelfristig realistisch. Wir gehen nicht davon aus, dass die Fed – um diesen Prozess zu beschleunigen – eine Rezession riskiert, in- dem sie den Leitzins in Richtung 5 % bewegt. Wahrscheinlich im Dezember dürfte eine weitere und letzte Zinser- höhung um 25 Basispunkte folgen, mit der die US-Notenbank ihre Absichten signalisiert. Geldmarkt: Zinsen steigen noch etwas % Quellen: Macrobond, Helaba Research EZB: Wie restriktiv darf/muss es sein? % Prozentpunkte \*5Y5Y Inflation Forwards, Euroraum \*\*5Y Bundesanleihen. Veränderung gegenüber Rendite vor fünf Jahren Quellen: LSEG, Helaba Research % aktuell\* Q4/26 Q1/27 Q2/27 Q3/27 3M Euribor 2,67 2,85 2,90 2,90 2,85 EZB Einlagenzins 2,50 2,75 2,75 2,75 2,75 Fed Funds Rate 3,88 4,13 4,13 4,13 4,13 \* 21.10.2026 Quellen: Bloomberg, Helaba Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 Staatsanleihen: Auf erhöhtem, aber vermutlich stabilem Renditeniveau • Das erhöhte inflationäre Stresslevel schlägt sich an den Kapitalmärkten nieder • Belastungsfaktor: Die Notenbanken dürften die Leitzinsen weiter anheben • Thema Staatsverschuldung bleibt ein Damoklesschwert – Frankreich unter Druck • Gibt es nach den Midterms Maßnahmen gegen die ausufernde US-Staatsverschuldung? • Bundesanleihen scheinen bei Renditen von über 3 % für Investoren attraktiv zu sein • In den kommenden Monaten dürfte sich die Rendite 10-jähriger Bunds bei rund 3,5 % halten uk/ Seit dem letzten M&amp;T hat sich die Lage bei Bundesanleihen etwas entspannt. Die Rendite 10-jähriger Bunds lag zuletzt wieder unter 3,5 %. Auch 10-jährige US-Treasuries orientierten sich wieder südwärts in Richtung der 5 %-Marke. Offenbar sind die Renditen auf diesem Niveau für Anleger durchaus attraktiv. Dies spricht zumindest dafür, dass es nicht zu einem weiteren markanten Renditeanstieg kommt. Es zeigte sich, dass bereits viel Negatives eingepreist wurde. Kritisch wird es somit vor allem, wenn sich die Rahmenbedingungen nochmals verschlechtern. Das Beispiel Frankreich verdeutlicht aber, dass die Lage insgesamt nicht rosig ist. Eine hohe Staatsver- schuldung, politische Instabilität und die damit ein- hergehende Reformunfähigkeit werden früher oder später von den Investoren bestraft. Die Rendite 10- jähriger französischer Staatsanleihen hat mit 4,8 % ein Niveau wie zuletzt 2008 erreicht. 30-jährige Pa- piere notieren mit 5,5 % sogar auf einem Stand wie 2002. Das deutsche Pendant liegt mit 3,8 % noch auf einem vergleichsweise moderaten Niveau. In der akuten Krise des französischen Rentenmarktes konnten Bundesanleihen zwar noch von ihrem alten Glanz und der noch immer recht niedrigen Staatsverschuldung profitieren. Das Beispiel Frankreich, das seine für 2023 geplante Rentenreform ausgesetzt hatte, sollte gleichwohl Mahnung genug sein, den Bogen fiskalpolitisch nicht zu überspannen. Wenn die angekündigten Struktur- reformen hierzulande ausbleiben, wird es nur wenig Spielraum für einen Renditerückgang am deutschen Anleihemarkt geben. Dies gilt auch für die USA, wo man nach den Midterms gespannt sein darf, ob die Bereitschaft steigt, der ausufernden US-Staatsver- schuldung entgegenzutreten. Normalerweise – aber was ist derzeit schon normal? – steigt die Wahrschein- lichkeit für unpopuläre Entscheidungen nach Wahlen. Insgesamt kann keine Entwarnung gegeben werden, da Bund-Renditen unter 3 % nicht in Sicht und die Risiken weiter steigender Renditen noch nicht ver- schwunden sind. Geopolitische und fiskalpolitische Probleme bestehen nach wie vor. Auch die Inflations- entwicklung bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Wir hatten daher Ende September sowohl die Leitzins- als auch die Kapitalmarktzinsprognosen um einen Viertelpro- zentpunkt angehoben. In den kommenden Monaten wird sich die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen vo- raussichtlich auf einem Niveau von rund 3,5 % halten. Frankreich: Investoren fordern höhere Prämien Rendite 10-jähriger Staatsanleihen, % Quellen: LSEG, Helaba Research Renditen: Erhöhtes Niveau % % Quellen: Macrobond, Helaba Research % aktuell\* Q4/26 Q1/27 Q2/27 Q3/27 10j. Bundesanl. 3,42 3,50 3,50 3,50 3,30 10j. US-Treasuries 5,12 5,00 5,00 5,00 4,80 \* 21.10.2026 Quellen: Bloomberg, Helaba Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 Wir sind für Sie da: Themengebiete Autoren/-innen Durchwahl 069/9132- Chefvolkswirtin/Head of Research Dr. Gertrud Rosa Traud (rt) 20 24 Rentenstrategie Ulf Krauss (uk) 47 28 Aktienstrategie Markus Reinwand (mr), CFA 47 23 Devisenstrategie, Großbritannien Samuel Will (sw) 74 88 Gold Claudia Windt (cw) 25 00 Immobilien Paul Richter (pr) 79 58 Rohöl Ralf Umlauf (ru) 11 19 Deutschland, Eurozone Simon Azarbajani (saz) 79 76 USA, China Patrick Franke (pf) 47 38 Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Mail: research@helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. 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