---
title: "Vertraudlich: Die Zinsen sind wieder da – und schon wieder wird gemeckert"
url: https://www.helaba.com/de/vertraudlich-die-zinsen-sind-wieder-da-und-schon-wieder-wird-gemeckert
type: dd_research
language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Vertrau(d)lich
---

# Vertraudlich: Die Zinsen sind wieder da – und schon wieder wird gemeckert

Vertraudlich 10. Februar 2023 © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Februar 2023 1 von 2 Research &amp; Advisory Die Zinsen sind wieder da – und schon wieder wird gemeckert Viele Jahre war das Wehklagen über die Europäischen Zentralbank (EZB) weit verbreitet. Auch andere Notenbanken hatten in den letzten Jahren ihre Geldpolitik immer expansi- ver gestaltet. Jedoch suchte bei der EZB die Kombination aus negativen Zinsen für das Halten von Zentralbankgeld und Anleihekäufen ihresgleichen. Die gesamte Zinsstruktur- kurve war auf niedrige Zinsen getrimmt. Trotz heftiger Kritik daran, vor allem aus Deutschland, gab es auch hierzulande Gewinner. Insbesondere Schuldner profitieren nun mal von niedrigen Zinsen – und das umso mehr, je höher die Inflationsraten sind. Ebenso waren über viele Jahre auch die Inflationsraten niedrig. Mit den expansiven fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen in der Corona-Krise änderte sich dies jedoch. Die Zeitenwende setzte bei der Inflation schon 2021 ein. Aufgrund der Lockdowns mit anschließenden Lieferkettenproblemen traf die aufgestaute Nachfrage auf ein beschränktes Angebot und trieb die Inflationsraten bereits im Laufe des Jahres 2021 in Deutschland und der Eu- rozone bis auf 5 %. Bei weiterhin niedrigen Zinsen nahmen die Kaufkraftverluste für die Konsumenten sukzessive zu. Erst im Juli 2022 legte die EZB als eine der letzten großen Notenbanken den Hebel bei den Zinsen um. Bis Ende des Jahres erhöhte sie den Hauptrefinanzierungssatz von null auf 2,5 %. Weitere Zinserhöhungen auf 3,5 % sind bis März dieses Jahres wahrscheinlich. Endlich signalisiert die EZB ganz klar, dass Preisniveaustabilität Vorrang hat. Nicht nur aus Italien kommt dafür Kritik. Die Notenbank sei dafür verantwortlich, dass die Konjunktur schlappmache und gerade hierzulande wird bemängelt, dass ein Zinsanstieg aufgrund des Wohnungsmangels zur Unzeit käme. Offensichtlich kann es die EZB niemandem Recht machen. Einmal sind die Zinsen zu niedrig und dann wieder zu hoch. Der deutsche Immobilienmarkt hat in den letzten mehr als zehn Jahren – auch bedingt durch sehr niedrige Zinsen – eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Die Preise kannten nur eine Richtung. Allerdings wird in Deutsch- land immer noch viel zu wenig gebaut. Mehrere Bundesregie- rungen gaben in den letzten Jahren Ziele vor, realisiert wur- den sie bislang nie. Die aktuelle Bundesregierung hat das Ziel ausgerufen, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen. Nicht einmal 300.000 wurden wohl 2022 erreicht. Vermehrt ist zu hören, dass die hohen Zinsen für die Zielverfehlung verant- wortlich seien. Vorher wurden Materialengpässe und der Fach- kräftemangel verantwortlich ge- macht. Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/Head of Research &amp; Advisory T 0 69/91 32-20 24 In Deutschland wird zu wenig gebaut Wohnungsfertigstellungen in Deutschland\*, Tausend \*vor 1993: Westdeutschland Quellen: Statistisches Bunddesamt, Helaba Research &amp; Advisory 0 100 200 300 400 500 600 700 800 0 100 200 300 400 500 600 700 800 70 74 78 82 86 90 94 98 02 06 10 14 18 22 Vertraudlich © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Februar 2023 2 von 2 Hinzu kommen noch die klimapolitischen Herausforderungen. Der Gebäudebestand gilt als einer der größten Ver- ursacher von CO2-Emissionen. Mehr als 33 Mio. von insgesamt 41 Mio. Wohnungen in Deutschland sind mehr als 30 Jahre alt und der Aufwand für ihre energetische Sanierung ist enorm. Wenn also mehr Kapazitäten dafür erfor- derlich sind, fehlen sie folglich für den Neubau von Wohnungen. Dies verdeutlicht, dass die Probleme schon bei niedrigen Zinsen entstanden sind, jetzt aber umso deutlicher her- vortreten. Die Geldpolitik muss sich um Preisniveaustabilität kümmern. Obwohl im Laufe dieses Jahres die Inflati- onsraten weiter zurückgehen werden, rechnen wir für den Jahresdurchschnitt mit einer Rate von 6 %. Weitere Zinserhöhungen der EZB sind deshalb notwendig, zumal sich auch nur so die markant gestiegenen Wohnungsbau- kosten zügig stabilisieren. Diese haben in den letzten zwei Jahren mit insgesamt über 30 % doppelt so stark zu- gelegt wie die Verbraucherpreise. Die Probleme am Wohnungsmarkt müssen anders gelöst werden. Die Bauwirtschaft muss für Arbeitskräfte aus dem In- und Ausland attraktiver werden, was eine Frage der Bezahlung und Ausbildung ist. Auch sind Produktivi- tätssteigerungen durch mehr Innovationen im Neubau und bei der Sanierung erforderlich. Letztlich müssen die bürokratischen Vorgaben effizienter und damit für den Bausektor weniger kostentreibend werden. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 0 69/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Die EZB erhöht endlich die Zinsen und kann es damit auch nicht jedem Recht machen. Kritik kommt nun aus der Immobilienwirtschaft, wo höhere Zinsen für die Zielverfehlung bei den Wohnungsfertigstellungen verantwortlich sein sollen. Die Probleme am Bau gehen weit über das Zinsumfeld hinaus und können nicht durch die Geldpolitik gelöst werden.
