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title: "Vertraudlich: Die Älteren werden gebraucht"
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updated: 2026-09-28
keywords: Vertrau(d)lich
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# Vertraudlich: Die Älteren werden gebraucht

Vertraudlich 11. April 2023 © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. April 2023 1 von 2 Research &amp; Advisory Die Älteren werden gebraucht Nach den geburtenstarken Jahrgängen der Babyboomer sank die Geburtenziffer je Frau im Zuge des Pillenknicks Mitte der 1960er Jahre von rund 2,5 auf 1,5 Kinder. Ich selbst gehöre der Babyboomer-Generation an und erinnere mich an dieses Gefühl, dass wir im- mer zu viele waren: Große Schulklassen, wenig Platz und intensiver Wettbewerb am Ar- beitsmarkt prägten diese Kohorte. Seit Jahrzehnten war absehbar, wann diese Jahr- gänge in Rente gehen würden. Diese Zeit ist mittlerweile angebrochen. Manche errei- chen nicht einmal das reguläre Rentenalter, denn Anreizprogramme für Frühverrentun- gen sind in vielen Unternehmen an der Tagesordnung. Die Alten gehen weg und es findet sich kein Ersatz. Mit dem Verschwinden der erfahrenen Mitarbeiter geht Exper- tise verloren. Aber auch jenseits der fehlenden Erfahrung ergibt sich ein Problem. Denn die nun ins Arbeitsleben eintretende „Generation Z“ ist gemessen an der Zahl signifikant geringer. Hinzu kommen veränderte Präferenzen. Eine 5-Tage-Woche strebt die junge Generation kaum an. Das Bewusstsein, ein rares und wertvolles Gut zu sein, kennzeichnet diese Kohorte. Im Gegensatz zu den Babyboomern, die immer zu viele waren, sind die Jungen immer zu wenig – also entsprechend begehrt. Der Fachkräfte- bzw. Arbeitskräftemangel durchzieht mittlerweile fast alle Branchen. Endlich treibt die Politik eine Reform des Einwanderungsrechts für qualifizierte Arbeitskräfte voran. Man könnte nun sagen, lieber spät als nie, aber das ändert nichts daran, dass die Problemlage nicht allein mit qualifizierter Zuwanderung zu beheben ist. Der Kampf um die „Köpfe“ findet nicht nur in Deutschland statt. Auch unsere Nachbarländer sind davon betroffen. Selbst China hat aufgrund seiner Ein-Kind-Politik in den 70er Jahren mit dem Rückgang des Arbeitskräftepotenzi- als zu kämpfen. Auch im internationalen Wettbewerb um Arbeitskräfte können die Arbeitnehmer ihre Präferenzen ausspielen. Eine große Rolle spielt dabei die Sprache. Mit der deutschen Sprache tun sich jedoch viele schwer. Große Unternehmen können mit der Arbeitssprache Englisch den Einstieg erleichtern. Ohne das Erlernen der Landessprache ist der Anreiz dauerhaft im Land zu verweilen gering. In der stark mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft wird es vermutlich kaum ohne Deutsch- kenntnisse gehen – insbeson- dere außerhalb der Ballungs- zentren. Letztendlich müssen bei der Anwerbung ein höheres Tempo und eine höhere Effizienz vor- gelegt werden. Solange unsere Behörden nicht in der Lage sind, einwanderungswillige Fachkräfte unbürokratisch und digital zu unterstützen, bleibt die Attraktivität Deutschlands als Einwanderungsland be- grenzt. Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/Head of Research &amp; Advisory T 0 69/91 32-20 24 Fachkräftemangel geht jetzt erst richtig los! Bevölkerung in Deutschland, Jahrgangsstärke in Tausend Quellen: Statistisches Bundesamt, 15. Koordinierte Bevölkerungsvorausschätzung, Helaba Research &amp; Advisory 500 600 700 800 900 1.000 1.100 1.200 1.300 1.400 1.500 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 500 600 700 800 900 1.000 1.100 1.200 1.300 1.400 1.500 Altersgruppe 20-jährige Altersgruppe 65-jährige 270.000 620.000 Vertraudlich © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. April 2023 2 von 2 Die Problematik des schwindenden Arbeitskräftepotenzials wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. An- hand der 15. Bevölkerungsvorausschätzung des Statistischen Bundesamtes haben wir die Jahrgangsgröße der in Deutschland ins Erwerbsleben Eintretenden (Annahme: jeweils 20-Jährige) mit den Ausscheidenden (Annahme: 65-Jährige) verglichen. Ohne Zuwanderung würde die Differenz zwischen beiden Jahrgängen in nur zehn Jahren von derzeit rund 270.000 auf mehr als 600.000 steigen. In diesem Zeitraum summiert sich diese Lücke auf insge- samt 5 Mio. Menschen. Diese dürfte kaum allein durch (hoffentlich qualifizierte) Zuwanderung oder höhere Pro- duktivität zu schließen sein. Es muss vermehrt Anreize geben, dass die Älteren länger im Erwerbsleben verbleiben. Deshalb lohnt es sich, de- ren Präferenzen näher in den Blick zu nehmen. Mir scheint, dass sich diese kaum von denjenigen der Jungen un- terscheiden: mehr Flexibilität, „Purpose“, - also einen Sinn in der Arbeit erkennen - und Wertschätzung. Arbeitge- ber müssen somit vermutlich gar keine unterschiedlichen Programme für Ältere und Jüngere konzipieren, son- dern sich einfach für alle attraktiver machen. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 0 69/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Fachkräfte- bzw. Arbeitskräftemangel durchzieht mittlerweile fast alle Branchen. Problematik des schwindenden Arbeitskräftepotenzials nimmt in den kommenden Jahren weiter zu. Arbeitgeber müssen sich für Jüngere und Ältere attraktiver machen.
