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title: "Vertraudlich: Frankfurt größer denken"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Vertrau(d)lich
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# Vertraudlich: Frankfurt größer denken

Vertraudlich 27. Juli 2023 © Helaba | Research &amp; Advisory | 27. Juli 2023 1 von 2 Research &amp; Advisory Frankfurt größer denken Im Zuge des Brexit gab es viele Unkenrufe, dass voraussichtlich keine Banken an den Main kommen würden, da die Stadt nicht attraktiv sei. Die tatsächliche Entwicklung hat die Zweifler eines Besseren belehrt. In den letzten Jahren sind schätzungsweise rund 3.500 an den Main gekommen. Ob dies viel oder wenig ist, will ich an dieser Stelle gar nicht beurteilen. Viel interessanter ist die Beobachtung, dass Frankfurt offensichtlich nicht nur für Brexit- Banker attraktiv ist. Die Bevölkerung nimmt zwar auch in Deutschland und Hessen insge- samt zu, aber die Dynamik ist in Frankfurt besonders ausgeprägt. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamtes weisen für Ende 2022 für die Main-Metropole 773.000 Menschen aus. Das sind 1,8 % mehr als im Vorjahr. Jedoch nicht nur im Zentrum gab es einen deutlichen Zuwachs. Auch die sieben umliegenden Kreise verzeichneten zuletzt eine hohe Dynamik. Erstmals wurde hier die 2-Millio- nen-Marke durchbrochen. Im Vergleich zum Vorjahr war dies ein Zuwachs von 1,5 %. Das Ausmaß des Zuzugs wird aber erst richtig deutlich, wenn man sich die absoluten Zahlen anschaut: Innerhalb eines Jahres erlebte die Region insgesamt einen Zuzug von 44.000 Personen. Allein die Veränderung hat die Größe einer mittelgroßen Stadt und übersteigt jeweils die Einwohnerzahl von Dreieich, Bensheim, Hofheim, Maintal, Neu-Isenburg oder Langen, die die Plätze 15-20 in der Rangfolge der größten hessischen Städte einnehmen. Der Anstieg im Jahr 2022 war größtenteils auf die Flüchtlinge aus der Ukraine zurückzuführen. Im vorangegangenen Jahr pro- phezeite manch einer schon das Ende des Bevölkerungswach- stums. Damals war die Einwoh- nerzahl in Frankfurt um rund 5.000 gesunken, im Umland hatte sie in ähnlichem Ausmaß zugelegt. Die hohen Wohnko- sten im Zentrum kombiniert mit der Möglichkeit des häufig ge- nutzten Homeoffice führten dazu, dass der Speckgürtel at- traktiver wurde. Was können wir für die Zukunft erwarten? Das Homeoffice wird nicht mehr verschwinden; die gestiegene Flexibilität durch mobiles Arbeiten wird voraus- sichtlich zur Normalität. Gleichwohl besteht sowohl von Seiten der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer ein gro- ßes Interesse daran, auch Zeit in den Büroräumen zu verbringen. Der Austausch mit den Kollegen, die informellen Treffen und das Gemeinschaftsbedürfnis führen zu einem Mischsystem, wie es heute schon vielerorts zu beobach- ten ist. Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/Head of Research &amp; Advisory T 0 69/91 32-20 24 Bevölkerungswachstum wesentlicher Faktor für Stadtentwicklung Index: 2000 = 100 Quellen: Statistisches Landesamt Hessen, Helaba Research &amp; Advisory 95 100 105 110 115 120 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 95 100 105 110 115 120 Umland- kreise Frankfurt Zensus Vertraudlich © Helaba | Research &amp; Advisory | 27. Juli 2023 2 von 2 Die Immobilienpreise geben seit Ende letzten Jahres insbesondere in den großen Städten nach. Tendenziell gibt es aber immer noch eine große Differenz zu den Randlagen, auch wenn diese aufgrund relativ steigender Nach- frage nicht ganz so stark sinken. Kostenaspekte sowie ein vermehrtes Bedürfnis nach einem ländlicheren Umfeld werden somit in den nächsten Jahren die Attraktivität des Umlandes hochhalten. Der knappe Wohnraum im Frank- furter Stadtgebiet ist ein weiterer Faktor für einen begrenzten Zuwachs. Neubau scheitert häufig am NIMBY-Ver- halten („not in my backyard“), also Nachbarn, die sich z.B. gegen eine Nachverdichtung oder gegen Aufstockungen wehren. Es bedarf somit eines Konzeptes, das den Raum Frankfurt größer definiert. Dabei sind Bürgermeister und Land- räte gefordert, die ebenfalls mit dem NIMBY-Virus zu kämpfen haben. Gerade Neubaugebiete in hübscher Rand- lage wollen keine Ausweitung durch neue Häuser, die die Aussicht verbauen. Damit der Bevölkerungszuwachs gehandhabt werden kann, müssen aber auch kluge Konzepte erarbeitet werden, die neben Wohnraum vor allem (öffentliche) Verkehrs- und digitale Infrastruktur mitdenken. Nur so entsteht at- traktive und nachhaltige Stadtentwicklung. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mütze Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 0 69/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Pro- gnosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Frankfurts Bevölkerung profitiert von Brexit-Banken und Einwanderung. Um den Zuwachs zu meistern, muss Frankfurt und sein Umland gemeinsam gedacht werden. Wohnraum, Verkehr und digitale Infrastruktur lassen sich nur so erfolgreich ausbauen.
