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Fintechs in Frankfurt

Die Finanz­metro­pole Frankfurt ist im Wandel. Dieser wird nicht zuletzt auch im neu eröffneten Tech­Quartier deutlich spürbar. Ein Ort mit klarer Vision: Hier arbeiten Fintechs an den Lösungen für das Bankwesen von morgen.

Fassade
Fassade

Die Wintersonne spiegelt sich in der verglasten Fassade des Pollux-Hochhauses. Hier, unweit des Messe­geländes, dominiert das Business-Frankfurt und der schnelle Schritt der Passanten passt zur Auf­bruch­stimmung, die mit dem TechQuartier in jenes Gebäude eingezogen ist.

Es herrscht Bewegung. Nicht nur auf dem europäischen Finanz­markt, auch in den Uni­versi­täten und Gründer­zentren. Häufig sind es Fintechs, die die Lösungen für die neuen Heraus­forder­ungen der Branche liefern. Fintech – der Begriff verbindet Finance und Technology, produkt­ge­wordene Digitali­sierung: Ob Bezahl­systeme per Handy oder Social Trading, die neuen Lösungen der Fintechs sind gefragt. Und sie erobern ein Kunden­segment, das bisher die tradi­tionellen Finanz­institute belegten. Nicht zuletzt vor dem Hinter­grund der Diskus­sionen um den Brexit stellt sich die Frage: Wo soll Fintech-Inno­vation zukünftig statt­finden?

„Der Brexit kann dazu führen, dass Frankfurt für Fintechs attraktiver wird, die primär im Euro­raum arbeiten wollen“, überlegt Dr. Gerhard Kebbel, Bereichs­leiter Strategie­projekt Digitali­sierung bei der Helaba. Das Zusammenspiel von grundlegenden Strukturen und dem richtigen Timing ist für den Erfolg des Zentrums maßgeblich. Andreas Hackethal, Professor für Finanzen am House of Finance der Goethe Universität und wie Dr. Kebbel einer der Mentoren im TechQuartier, bestätigt das günstige Zeitfe­nster: „Es gibt eindeutige Trends, die für Frankfurt sprechen. Das Ökosystem, das sich dem TechQuartier bietet, ist optimal: Es ist die Mischung aus regional aktiven Sponsoren wie der Helaba und über­regionalen Investoren, die es braucht, um spannende Fintechs anzuziehen.“ Und auch Geschäftsführer Dr. Sebastian Schäfer spricht aus Erfahrung, als er zusam­men­fasst: „Das TechQuartier war überfällig.“ Der Dozent, Mit­gesell­schafter junger Unter­nehmen und Juror in Gründer- und Inno­vations­wett­bewerben treibt die Positionierung der Metro­pol­region als Start-up-Hub bereits seit vielen Jahren voran.

Über die WIBank

Die Wirt­schafts- und Infra­struktur­bank Hessen (WIBank) ist eine Förder­bank, die sich dem gesell­schaftlich verant­wortlichen Handeln verpflichtet hat. Organi­satorisch und wirtschaftlich handelt die WIBank selbst­ständig, rechtlich ist sie als unselbst­ständige Anstalt des öffent­lichen Rechts Teil der Helaba.

Etabliertes Finanz­wesen und digitale Inno­vations­freude im Austausch

Ein erfolg­reiches Start-up, das im TechQuartier sein Zuhause gefunden hat, ist vaamo: ein Fintech-Unternehmen, das mit seinem Robo-Advisor die digitale Ver­mögens­verwaltung verein­facht. Vorstand und Mitgründer Dr. Thomas Bloch schätzt den direkten Austausch, den das TechQuartier ermöglicht: „Wir können hier nach unserem Verständnis arbeiten und auf Kooperation statt Konfrontation mit den etablierten Finanz­insti­tutionen setzen. Dass dieser Ansatz den Geist des TechQuartiers wider­spiegelt, zeigt sich ja auch an Sponsoren wie der Helaba, die uns hier aktiv unter­stützen.“

Mit dieser Einschätzung ist Bloch nicht allein. Das zeigen rund 15 Start-ups sowie zwei Accelerator-Programme, die zusätzliche Fintechs anziehen. Allen Lösungen – darunter eine For­derungs­börse, eine App zur Vermögens­verwaltung und ein Bezahlsystem – ist der digitale Ansatz gemein. Über ein Dutzend hochkarätiger Mentoren aus Wissenschaft, Beratung und Finanz­wesen ist regelmäßig und gerne zu Gast. Das Ergebnis: etabliertes Finanz­wesen und digitale Inno­vations­freude im unge­zwungenen Austausch.

„Das TechQuartier ist eine Anlaufstelle. Ein Ort zur Vernetzung und ein wichtiger Inkubator, um neue Ideen zu entwickeln und zum Laufen zu bringen.“

Dr. Sebastian Schäfer,
Geschäfts­führer des TechQuartiers

Dr. Sebastian Schäfer,
Geschäftsführer des TechQuartiers
Dr. Sebastian Schäfer,
Geschäftsführer des TechQuartiers

Kooperation statt Konfrontation 

Ob Beratungs­stunden oder ein kurzes Gespräch an der Kaffeemaschine: Neue Formen des Arbeitens und dynamischere Strukturen ermöglichen andere Ergeb­nisse. Diese Erkenntnis drückt sich auch in der Aus­stattung des TechQuartiers aus. Frische grüne Teppiche brechen mit dem modernen Industrie­charakter der freige­legten Decken. Hier herrscht mehr Atmosphäre als im gewöhnlichen Großraum­büro. Aktuell verteilen sich 120 Arbeitsplätze über eine großzügige Etage mit bestem Blick auf Frankfurt, eine zweite ist bereits im Umbau. Die Nachfrage der Start-ups nach den bezahlbaren Büroplätzen ist groß.

Mit einem Blick in das Großraum­büro der Partner und Sponsoren zeigt sich: Man ist noch dabei, anzukommen und sich im neuen Arbeits­umfeld zurecht­zufinden. Aber was besticht, ist die allgegenwärtige Bereit­schaft, sich hier auf Neues einzulassen. „Vertreter der Helaba arbeiten einen Tag pro Woche im TechQuartier, sind dort präsent, gucken sich die Leute an, kommen mit ihnen ins Gespräch, sind offen für Kontakte, Einflüsse, Ideen“, betont auch Gerhard Kebbel die Bedeutung des Austauschs mit den Startups für die Sponsoren.

Auf die Frage, wie er die Rolle des TechQuartiers zusammen­fassen würde, sagt Geschäfts­führer Sebastian Schäfer: „Wir sind eine Anlauf­stelle. Ein Ort zur Ver­netzung und ein wichtiger Inkubator, um neue Ideen zu ent­wickeln und zum Laufen zu bringen.“ Prof. Dr. Hackethal betont zusätzlich den Community-Gedanken: „In der Zusam­men­arbeit von etablierten Finanz­insti­tutionen und inno­vations­starken Fintechs lassen sich wichtige Lösungen finden – etwa in Regu­lierungs­fragen. Und die zwanglose Atmos­phäre hier kann weitaus förderlicher sein als das x-te proto­kollierte Meeting im immer gleichen Be­sprechungs­raum.“

„Eine zwanglose Atmosphäre kann weitaus produktiver sein als das x-te Meeting im immer gleichen Be­sprechungs­raum.“

Dr. Andreas Hackethal,
Professor für Finanzen an der Goethe-Universität
und Mentor im TechQuartier

Dr. Andreas Hackethal, 
Professor für Finanzen an der Goethe-Universität 
und Mentor im TechQuartier
Dr. Andreas Hackethal,
Professor für Finanzen an der Goethe-Universität
und Mentor im TechQuartier

TechQuartier als zentrale Anlaufs­telle Fintechs

Im November 2016 eröffnete Hessens Wirtschafts­minister Tarek Al-Wazir offiziell das TechQuartier im Pollux-Hochhaus in Frankfurt. Das Gründer­zentrum ist als zentrale Anlaufstelle für Startups aus der Fintech-Szene gedacht. Getragen wurde die Initiative vom Land Hessen, der Stadt Frankfurt, der Goethe-Universität, Frankfurt Main Finance und aktiven Sponsoren wie der Helaba.

Aktuell bietet das TechQuartier auf einer Etage 120 technisch perfekt ausge­stattete Arbeitsplätze in kleineren und Großraumbüros. Meeting- und Konferenz­räume, eine Event­fläche sowie eine zwanglose Bembel-Bar – ein charmantes Bekenntnis zu Frankfurt – runden das strukturelle Angebot ab. Die Nachfrage ist groß, eine zweite Etage ist bereits im Umbau. Zeitgleich mit der Eröffnung des TechQuartiers erklärte die Bundes­regierung Frankfurt zum Fintech-Hub. Neben München, Hamburg, Berlin und Dortmund ist die hessische Metropole nun einer von fünf Knotenpunkten der Digitali­sierung in Deutschland.

„Wir können hier nach unserem Verständnis arbeiten und auf Kooperation statt Kon­front­ation mit den etablierten Finanz­insti­tutionen setzen.“

Dr. Thomas Bloch,
Vorstand und Mit­gründer von vaamo

Moderne Meetingräume im TechQuartier im Pollux-Hochhaus in Frankfurt
Moderne Meetingräume im TechQuartier im Pollux-Hochhaus in Frankfurt

Aufbruch­stimmung am Main

Bei so viel Begeisterung bleibt die Frage, was die Wünsche sind, die man hier noch für die Zukunft des TechQuartiers hat. Andreas Hackethal hat mehrere Punkte auf der Wunsch­liste. Einer davon ist, dass noch mehr regionale Business Angels im TechQuartier aktiv werden. Daneben ist es die internationale Perspektive, auf die er hofft. Sebastian Schäfer und Thomas Bloch bekräftigen dies und wünschen eine stärkere Internationalität, aber auch regen Austausch: dass nicht nur Startup-Hubs in anderen deutschen Städten, sondern weltweite Akteure das TechQuartier nutzen, um hier eine Dependance für ihr Europa- oder Deutschland­geschäft aufzubauen.

Durch das Drehkreuz des Hochhauses gelangt man zurück in den Frankfurter Nachmittag – und der gute Eindruck bleibt: Alle Weichen sind gestellt, um das TechQuartier zum Fintech-Hotspot Europas zu machen.

Dr. Thomas Bloch, Vorstand und Mitgründer von vaamo
Dr. Thomas Bloch, Vorstand und Mitgründer von vaamo

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