Aktien

Selektiv noch Chancen vorhanden

Volatilität wird 2022 das Thema an den Kapitalmärkten sein, wovon Aktien nicht verschont bleiben. Stabilisierend wirken steigende Unternehmensergebnisse, das an Dynamik gewinnende Wirtschaftswachstum sowie die mangelnden Anlagealternativen. Dagegen belasten weltweite Zinssteigerungstendenzen. Auch die hohen Bewertungen sind ein Malus.

Die globalen Aktienmärkte entwickelten sich 2021 angesichts der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Auswirkungen meist besser als erwartet. Dazu hat die extrem expansive Geldpolitik der Notenbanken maßgeblich beigetragen.

Der DAX notierte per 15. November 17,9 % im Plus, der EUROSTOXX 50 kletterte, nicht zuletzt begünstigt durch die im Index befindlichen Ölaktien, um 23,6 %, während der US-amerikanische S&P 500 um 24,7 % zulegte. Der Nasdaq Composite wartete mit einem Gewinn von 23,1 % auf, die enormen Steigerungsraten der Vorjahre (43,6 % in 2020 und 35,2 % in 2019) werden wohl nicht erreicht werden. Verlierer im Konzert der Großen waren der Hang Seng (-5,8 %) sowie der chinesische CSI 300 (-6,3 %).

Tabelle Aktien

Über eine Reihe negativer Faktoren, wie die Corona-Pandemie, die Lieferkettenunterbrechungen, massiv anziehende Rohstoff- und Energiepreise, die Inflationssorgen oder die Schieflage des chinesischen Immobiliengiganten Evergrande, wurde am Aktienmarkt 2021 heftig diskutiert. Allerdings zeigten sich die Bör-sen davon häufig nur temporär belastet.

„Es gibt nichts, was so verheerend ist wie ein rationales Anlageverhalten in einer irrationalen Welt.“

John Maynard Keynes

Im zweiten Halbjahr 2021 verringerte sich die konjunkturelle Dynamik in Deutschland, aber auch in anderen Weltregionen. Erst im Jahresverlauf 2022, wenn insbesondere die Lieferengpässe überwunden sind, gewinnt das Wirtschaftswachstum in Deutschland wieder an Fahrt. Die steigende Wachstumsdynamik bei hohen Inflationsraten wird die Zinserhöhungserwartungen treiben, so dass zwischenzeitlich mit einer deutlichen Korrektur an den Aktienmärkten gerechnet werden muss – eine höhere Risikoaversion und Volatilität gibt es dann inklusive.

Wir erwarten einen ähnlichen Volatilitätsanstieg wie im ersten Quartal 2021. Damals kletterte der V-DAX in der Spitze über die 33er Marke. Die sich abzeichnende, veränderte Gangart der Notenbanken – Stichwort Tapering – und tendenziell steigende Renditen werden 2022 Licht und Schatten mit sich bringen.

Vom Markt-Timing abhängiges Aufwärtspotenzial vorhanden

Die US-Notenbank wird deutlich vor der EZB ihre Gangart wechseln und die Anleihekäufe sukzessive bis zum Sommer 2022 reduzieren. Eine erste Zinserhöhung erwarten wir für den späteren Jahresverlauf. Seitens der Europäischen Zentralbank konzentriert sich die Aufmerksamkeit zunächst auf das erwartete Auslaufen des Notfall-Programms PEPP im März 2022. Ein friktionsloser Übergang mit einer Erweiterung des weiterhin bestehenden APP-Programms dürfte dafür sorgen, dass Leitzinserhöhungen in der Eurozone wohl erst 2023 ein Thema werden.

Im Jahresverlauf 2022 ist davon auszugehen, dass die Unternehmen von einer erneut zunehmenden Wachstumsdynamik profitieren und die Gewinne steigern werden. Im Zuge dessen werden sich die zuletzt ambitionierten Bewertungsniveaus leicht entspannen.

Angesichts der unterbrochenen Lieferketten ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage in zahlreichen Bereichen auch 2022 noch das Angebot übertreffen wird. Zwar haben viele Konzerne angekündigt, neue Produktionsstätten aufbauen zu wollen. Dies erfordert aber grundsätzlich Zeit. Aufgrund der hohen Kapazitätsauslastung im Bausektor wird es jedoch noch schwieriger schnell gegenzusteuern. Veränderungen der Produktionsstrukturen sind auch aufgrund von energetischen Sanierungen und Klimaschutzausgaben zu erwarten.

Bewertungen weiterhin ambitioniert

In unserem Hauptszenario bewegt sich der DAX im Jahr 2022 in einer Handelsspanne von 15.000 bis 16.500 Punkten. Innerhalb dieser Range lassen sich dennoch, sofern ein gutes Timing gelingt, attraktive Kursgewinne in einer Größenordnung der historisch durchschnittlichen jährlichen DAX-Performance von rund 8 % generieren. Für das Jahresende erwarten wir den deutschen Leitindex bei 16.000 Zählern.

„Für Börsenspekulanten ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Oktober.“

Mark Twain

US-Börsen: Spielraum weitestgehend ausgereizt

Bei US-Aktien stellt sich die Frage, wie viel Spielraum nach oben noch vorhanden ist. In diesem Zusammenhang lohnt es, die Margenentwicklung der US-Unternehmen zu beleuchten. Diese erreichte auf gesamtwirtschaftlicher Ebene rund 18 %, in Einzelfällen auch deutlich darüber. Sie bewegt sich damit nahe der historischen Höchststände. In der Vergangenheit kam es von ähnlichen Niveaus ausgehend nahezu ausnahmslos zu Rückgängen. Daher erwarten wir, dass sich die Dynamik der Unternehmensgewinne abschwächen wird, jedoch positiv bleibt.

Für diese These spricht auch, dass beim S&P 500 der durchschnittliche Gewinn pro Aktie 2021 geschätzt auf einen Rekordwert von 207,6 US-Dollar klettert. Das KGV des S&P 500 fällt mit aktuell 26,1 (12 Monate Forward: 21,5) noch immer ambitioniert aus. Eine Bewertungsausdehnung erwarten wir im Umfeld einer allmählich weniger expansiven Geldpolitik nicht und so dürften sich die Kurse und Gewinne gleichermaßen moderater entwickeln als in den letzten Jahren.

Daneben könnte eine teilweise Gegenfinanzierung des derzeit im Kongress debattierten umfangreichen Sozial- und Klimapakets von Präsident Biden durch zusätzliche Belastungen für Unternehmen und einkommensstarke Haushalte das Sentiment belasten.

Bemerkenswert ist auch, dass der im März 2020 eingeleitete Aufwärtsimpuls des S&P 500 einen bislang nicht dagewesenen Steigungswinkel aufweist. Derartig steile Verläufe können in der Regel nicht durchgehalten werden. Entsprechend kann unterstellt werden, dass auf den erreichten Niveaus bereits sehr viel positive Erwartung eingepreist wurde und das negative Überraschungspotenzial damit höher zu gewichten ist.

Für Unternehmen insbesondere aus dem Technologiesektor und alle anderen, die bislang keine Gewinne erzielen, dürfte der Gegenwind nicht zuletzt angesichts steigender Zinsen rauer werden. Entsprechend rechnen wir auch für die US-Börsen im Jahresverlauf 2022 mit einer Korrektur.

Christian Schmidt

Disclaimer

Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden.

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