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title: "Im Fokus Devisen: Weltleitwährung - Der Dollar und seine Herausforderer"
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updated: 2026-10-23
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Devisen: Weltleitwährung - Der Dollar und seine Herausforderer

Im Fokus: Devisen 22. Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 1 von 7 Helaba Research Weltleitwährung: Der Dollar und seine Herausforderer Der Dollar zeigt jüngst seine Funktion als sicherer Hafen. Im Gegensatz dazu findet eine De-Dollarisierung von öffentlichen Investoren statt. Allerdings ist der US-Finanzmarkt breit und liquide. Ein klarer Herausforderer fehlt. Daher wird die US-Währung nicht so schnell als Leitwährung abgelöst. Die Staatsverschuldung in den USA steigt, das politische System ist stark polarisiert und die Glaubwürdigkeit der Institutionen in den USA wird regelmäßig durch Angriffe der Regierung beschädigt. Investoren suchen in Krisen dennoch traditionell Schutz im US-Dollar und in US-Staatsanleihen. So auch in diesem Jahr, in dem die geopolitische Situation komplizierter wurde und zuletzt die Nachhaltigkeit nicht nur der US-Staatsfinanzen an den Finanzmärkten in Frage gestellt wurde.1 Die Schwächen der USA haben die Attraktivität seiner Währung bis- lang offensichtlich nicht beschädigt. Dieses Paradoxon verweist auf die besondere Stellung des Dollar. Die Verschuldung der USA liegt, gemessen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt, auf den höchsten Niveaus seit dem zweiten Weltkrieg. Die Schulden des US-Bunds liegen bei rund 100 % der jährlichen Wirtschaftsleistung, Tendenz steigend. Dazu kommen noch Schulden der Bundesstaaten und Kommunen in Höhe von rund 30 %. Die Renditen für US-Staatsanleihen sind auf Niveaus, die zuletzt während der Jahrtausendwende gesehen wurden. Die 30-jährige Anleihe ging während der Sommerpause mit großen Schritten auf die 6 %-Marke zu. Innenpolitisch ist das Land gespalten, unter Präsident Trump leidet das Vertrauen in die politischen Instituti- onen. Insbesondere die anstehende Zwischenwahl in den USA ist ein Event-Risiko, das an den Finanzmärkten Be- achtung finden könnte.2 Außenpolitisch steckt das Land in einem Krieg fest, den es bisher nicht gewinnen konnte. Doch alle diese Argumente brachten den Dollar auch im laufenden Jahr nicht ins Wanken. Im Gegenteil: Die gestiegenen geopolitischen Risiken ließen ihn auf- werten. Er bleibt damit ein sicherer Hafen in turbulen- ten Zeiten. Dieser Status steht im Widerspruch zur ho- hen Staatsverschuldung und der nachlassenden insti- tutionellen Stabilität der USA. Auflösen lässt sich die- ses Paradoxon durch ein „exorbitantes Privileg“ der USA: Weil Zentralbanken, Staatsfonds und private In- vestoren weltweit Dollarreserven und sichere US-Wert- papiere halten wollen, besteht eine strukturell hohe Nachfrage nach US-Schuldtiteln. Das erleichtert den USA die Finanzierung, senkt tendenziell deren Kosten und ermöglicht, sich in der eigenen Währung zu ver- schulden. 1 Zur aktuellen Euro-Dollar-Bewegung und den französischen Staatsfinanzen siehe Helaba Wochenausblick vom 16. Oktober 2026, S. 3 2 Helaba-Analyse der politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen: „US-Wahlen: Politische Krise voraus?“ vom 8. Oktober 2026 Samuel Will Devisenstratege T 069/91 32-74 88 Dollar-Stärke seit Beginn des Irankriegs USD USD Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Devisen – US-Dollar © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 2 von 7 Damit der Rest der Welt seine Netto-Dollarbestände dauerhaft ausweiten kann, muss sich in den USA jemand ver- schulden, entweder der Staat oder der private Sektor. Nur so können entsprechende Dollarverbindlichkeiten dem Ausland bereitgestellt werden. Das geht zwangsläufig mit einer negativen Leistungsbilanz einher. Die globale Nachfrage nach Dollarvermögen trägt damit selbst dazu bei, dass die USA höhere Defizite finanzieren können, ohne dass der Leitwährungsstatus unmittelbar infrage gestellt wird. Dies ist Grund genug, den Status des Dollar und seine Perspektiven näher zu betrachten. Eine Leitwährung hat in der Regel verschiedene Funktionen. Sie ist Reservewährung für Zentralbanken und Staatsfonds. Sie ist eine Transaktionswährung für den Devisenhandel und den grenzüberschreitenden Zahlungs- verkehr. Der Rohstoffhandel, insbesondere der Handel mit Rohöl, wird heutzutage überwiegend in Dollar abgewi- ckelt. Sie besitzt die Fakturierungsfunktion, das heißt im Welthandel werden Rechnungen in der entsprechenden Währung gestellt. Sie ist Finanzierungswährung für internationale Kredite und Anleihen. Außerdem besitzt sie eine Sicherheitsfunktion, ist also Fluchtwährung in Krisenzeiten. All das erfüllt der Dollar zu einem großen Teil. Die relevanten Kriterien, die dazu führen, dass eine Währung die Leitwährung wird, lassen sich in fünf Kategorien zusammenfassen, die wir im Folgenden genauer beleuchten. • Wirtschaftliche Größe • Entwicklung der Finanzmärkte • Institutionelle Sicherheit • Konvertibilität und offene Kapitalmärkte • Geopolitische Situation Die Dominanz des Dollar und deren Ursprünge Der US-Dollar ist weltweit die alles dominierende Währung. Gehandelt wird hauptsächlich in Dollar, Preise werden vorwiegend in Dollar gesetzt. Auch die Reservebestände der Notenbanken werden zum Groß- teil in Dollar-denominierten Anlagen gehalten. Der US- Aktienmarkt ist mit Abstand der größte und so domi- nant, dass sogar manche europäischen Unternehmen lieber in New York als in Frankfurt gelistet sind. Verglichen mit der tatsächlichen Bedeutung der US- Wirtschaft für die Weltwirtschaft wirken diese Zahlen übertrieben. Ihr Anteil am Welthandel mit Gütern und Dienstleistungen beträgt lediglich rund 13 %, ähnlich Anteil an der Weltwirtschaft ist weniger dominant Anteil an global, % Quellen: Macrobond, Helaba Research 0,0 5,0 10,0 15,0 20,0 25,0 30,0 0,0 5,0 10,0 15,0 20,0 25,0 30,0 Weltwirtschaft Welthandel EU China USA Dollar dominiert den globalen Devisenmarkt Bis auf Europa wird meist in Dollar fakturiert %, Anteil an global\* % \* Devisenumsatz addiert sich zu 200 % (2025), sonstige Werte Q2 2026 Quellen: Macrobond, BIS, Helaba Research Quellen: Federal Reserve, Helaba Research 0,0 20,0 40,0 60,0 80,0 100,0 0,0 20,0 40,0 60,0 80,0 100,0 Devisenreserven Devisenumsatz Intern. Wertpapiere EUR CNY USD 0,0 20,0 40,0 60,0 80,0 100,0 0,0 20,0 40,0 60,0 80,0 100,0 Amerika Asien Europa Rest der Welt EUR Sonstige USD Im Fokus: Devisen – US-Dollar © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 3 von 7 wie der Anteil Chinas. Auch der Anteil an der weltweiten Wertschöpfung ist mit rund einem Viertel bei weitem nicht so dominant, wie es die Verwendung der Währung vermuten lässt. Liegt hier eine fundamentale Fehlbewertung des Dollar vor, oder sind diese Zahlen gerechtfertigt? Dafür lohnt sich ein Blick in die Geschichtsbücher: Bis zum zweiten Weltkrieg war das Britische Pfund die Leit- währung der Welt. 1944 trafen sich Ökonomen in Bretton Woods, um die Wirtschaftsordnung nach dem Krieg zu planen. Das Vereinigte Königreich war zu diesem Zeitpunkt militärisch und wirtschaftlich geschwächt, mit einer Staatsverschuldung von über 200 % des BIP und finanziell abhängig von den USA. Die Rolle als Weltmacht erfüllte das Königreich nicht mehr. Daher wurde ein System etabliert, in dem der US-Dollar mit Gold gedeckt wurde und andere Währungen ihren Wechselkurs an den Dollar koppelten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war der US-Dollar die neue Weltleitwährung. Gründe vergehen, Strukturen bestehen Das Bretton-Woods-System ist längst passé, aber die Vormachtstellung des Dollars bleibt. Ein Grund sind Netzwerkeffekte, die die Nutzung einer weit verbrei- teten Währung mit sich bringen. Betrachten wir bei- spielsweise einen mexikanischen Automobilzulieferer, der Kabelbäume aus Vietnam importiert. Der Devisen- markt zwischen Mexikanischen Pesos und Vietnamesi- schen Dong ist nicht besonders liquide. Es ist daher schwierig und kostspielig, Pesos in Dong zu tauschen und für das Geschäft einen passenden Tauschpartner zu finden. Einfacher und kostengünstiger ist es, das Geschäft im hochliquiden Dollar abzuwickeln. Der me- xikanische Importeur tauscht also seine Währung in Dollar, bezahlt damit und der vietnamesische Exporteur tauscht die Dollar in Dong. Die Rechnung wird in US-Dol- lar gestellt, obwohl weder Käufer noch Verkäufer ihren Sitz in den USA haben. Die breite Akzeptanz und die hohe Liquidität des US-Dollars machen ihn zur bevorzugten Transaktionswährung und verstärken so seine Rolle als in- ternationale Leitwährung. Das führt dazu, dass der Außenhandel einer Vielzahl von Ländern von ihrem Wechselkurs gegenüber dem US-Dol- lar abhängt. Regierungen haben daher Anreize, ihren Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar zu steuern. Von Ländern, die ihren Wechselkurs nicht frei am Markt schwanken lassen, steuert der Großteil ih- ren Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar). Manche Länder haben sogar keine eigene Wäh- rung, sondern nutzen lediglich den Dollar. Zu den offiziellen Zahlungsmitteln von Ländern kommen mittlerweile etliche Stablecoins hinzu, die ihren Wechselkurs an den Dollar bin- den. Stablecoins, die ihren Kurs an andere Währungen wie Euro oder Renminbi binden gibt es bisher kaum. Länder aus aller Welt richten ihre Wechselkurse nach dem US-Dollar \* inkludiert ausgewählte Länder mit fixem Wechselkurs und mit schleichender Bindung Quelle: Helaba Research Die Nachkriegsordnung manifestierte den Dollar % aller Reserven % aller Reserven \* bzw. Reichsmark und Mark Quellen: Barry Eichengreen, Helaba Research 0% 25% 50% 75% 100% 1900 1920 1940 1960 Britisches Pfund US-Dollar Deutsche Mark\* Französischer Franc Im Fokus: Devisen – US-Dollar © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 4 von 7 Wirtschaftliche Größe Die Größe einer Volkswirtschaft ist einer der maßgeblichen Faktoren, die den Status als Leitwährung fördern. Die USA sind nominal die größte Volkswirtschaft der Welt, wachsen aber langsamer als der Hauptkonkurrent China. In Kaufkraftparitäten gemessen ist die chinesische Wirtschaft sogar schon größer als die der Vereinigten Staaten. Das bedeutet, vereinfacht gesagt, dass China heute mehr Güter und Dienstleistungen produziert als die USA, wenn Unterschiede im Preisniveau zwischen den Ländern berücksichtigt werden. Außerdem ist der Anteil am internationalen Handel ein wichtiges Kriterium. Die USA haben hier ihre Dominanz schon lange verloren. Verglichen mit Europa ist die US-Wirtschaft schwach in den globalen Handel eingebunden. Mittlerweile ist auch daran gemessen die chinesische Wirtschaft die größte. Dies allein ist aber nicht ausschlagge- bend, wie die Schweiz beweist. Das Land ist wirtschaftlich klein, die Währung dennoch wichtig. USA: Der größte und entwickeltste Finanzmarkt Auch der Kapitalmarkt spielt eine wichtige Rolle. Eine Leitwährung braucht einen breiten, tiefen und liquiden Ka- pitalmarkt. Der US-Finanzmarkt erfüllt alle drei Kriterien. Das erklärt, dass die hohe Staatsverschuldung der USA Problem und Stärke zugleich ist. Mit über 34 Billionen US-Dollar an handelbaren Staatsanleihen ist er mit Abstand der größte und liquideste Markt (vgl. Grafik). Das ist ein Vorteil für Investoren, die Geld parken und dabei gleichzeitig eine auskömmliche Rendite sowie die Flexibilität haben möchten, jederzeit in einem li- quiden Markt die Anleihen wieder verkaufen zu kön- nen. Die Liquidität von sicheren Anlagen, insbesondere also Staatsanleihen, ist das größte Manko für die Eurozone. Der Markt für deutsche Staatsanleihen ist gemessen an der Größe und Liquidität nicht ansatz- weise mit dem der USA vergleichbar. Ein Schritt in diese Richtung könnte eine Vertiefung der Kapital- marktunion sein. Innovationen im Finanzsektor können diesen Status verändern. Die wohl größte Neuerung sind Kryptowährun- gen. Zahlungen werden damit zwar – gemessen am gesamten weltweiten Transaktionsvolumen – noch wenig ge- tätigt, aber die Marktkapitalisierung stieg in vergangenen Jahren drastisch. Aufgrund der fehlenden Kreditschöp- fungsmöglichkeit sollte man aber eher von einem Asset als von einer Währung sprechen. Und obwohl Krypto von einer Skepsis gegenüber herkömmlichen Währungen profitiert, könnte die zunehmende Verwendung sogar den des Dollars stärken. Denn fast alle Stablecoins sind daran gekoppelt und hinterlegen US-Papiere für jeden Coin. Institutionelle Stärke und Sicherheit Die institutionelle Stärke der USA ist ein weiterer zentraler Pfeiler der internationalen Attraktivität des US-Dollar. Entscheidend sind dabei verlässliche rechtsstaatliche Rahmenbedingungen – beispielsweise der Schutz vor politisch motivierter Benachteiligung, Sonderbesteuerung oder Enteignung. Ein funktionierendes Rechtssystem, bei dem auch ausländische Investoren ihre Rechte einfordern und einklagen können, ist somit ein zentrales Ele- ment einer Leitwährung. Gleichwohl deutet die Entwicklung im Rule of Law Index auf eine nachlassende Rechtssi- cherheit in den USA hin (vgl. Grafik, S. 5). US-Staatsanleihemarkt ist mit Abstand der größte Bio. US-Dollar Quellen: Macrobond, Helaba Research 0 5 10 15 20 25 30 35 40 USA CHN JAP UK DE Nominale Staatsschulden Im Fokus: Devisen – US-Dollar © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 5 von 7 Die Unabhängigkeit der Notenbank nimmt eine be- sondere Rolle ein. Nur wenn sie glaubwürdig versi- chern kann, den Geldwert stabil zu halten, kann die Währung internationaler bedeutend werden. In den USA liegt die Inflation jedoch schon seit über fünf Jah- ren über dem Inflationsziel von 2 %. Die juristischen und politischen Auseinandersetzungen um den frühe- ren Notenbankpräsidenten Jerome Powell und die No- tenbankerin Lisa Cook haben die Sorge vor einer stär- keren Einflussnahme auf die Geldpolitik verstärkt. Ob daraus eine dauerhafte Schwächung der Notenbank- autonomie entsteht, dürfte sich vor allem daran zei- gen, wie Kevin Warsh seine Amtsführung ausgestaltet. Bislang sprechen die Signale eher dafür, dass die US- Notenbank ihre Unabhängigkeit weitgehend bewahren kann. Europa kann zwar mit seinen Institutionen und Rechtssicherheit punkten, ist aber politisch nicht geeint. Damit geht eine fragmentierte Rechtslage einher. Das chinesische Rechtssystem wiederum ist aus Sicht internationaler Investoren weniger transparent und berechenbar, was die Durchsetzung von Eigentums- und Vertragsrechten erschwert. Diese Einschränkungen begrenzen die internationale Verwendbarkeit des Renminbi. Konvertibilität und offene Kapitalmärkte Auch die Offenheit der US-Wirtschaft und die freie Konvertibilität von Kapitalanlagen in den USA sind eine wesent- liche Voraussetzung für die starke Rolle des Dollar. Internationale Anleger können US-Vermögenswerte erwerben, veräußern und die Erlöse transferieren. Diese Konvertibilität und die Möglichkeit, Positionen ohne nennenswerte administrative Beschränkungen auflösen zu können, erhöhen die Verlässlichkeit von Dollar-Anlagen. Diesen Vorteil teilen sich die USA mit Europa. Auch hier gibt es keine Kapitalkontrollen und ausländische Anleger können ohne große Hürden ihr Kapital in Europa investieren und wieder abziehen. China hat seine Finanzmärkte in den vergangenen Jahrzehnten schrittweise geöffnet und den Zugang für auslän- dische Anleger verbessert. Der Renminbi ist jedoch im Kapitalverkehr weiterhin nicht vollständig konvertibel und der Wechselkurs wird innerhalb eines staatlich vorgegebenen Rahmens gesteuert. Grenzüberschreitende Ka- pitalbewegungen und der Zugang zum Onshore-Markt unterliegen noch Beschränkungen. Für internationale In- vestoren entstehen dadurch Unsicherheiten hinsichtlich Marktzugang, Rückführung von Kapital und marktgerech- ter Preisbildung. Geopolitische Situation Nicht zuletzt die geopolitische Situation nach dem zweiten Weltkrieg führte dazu, dass der Dollar zur Leitwährung wurde. Auch ein künftiger Wechsel müsste vermutlich mit einer geopolitischen Machtverschiebung zusammen- fallen. Dass wirtschaftliche Interessen auch militärisch verteidigt werden können, stärkt das Vertrauen in die Sta- bilität eines Landes und seine Währung. Zwar sind die USA nach wie vor die größte Militärmacht, allerdings zeigen sich im Irankrieg die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Auch der Abzug der Militärpräsenz aus verschiedenen Regi- onen der Welt, insbesondere Europa, könnte dem Status des Dollars schaden. Länder halten mit höherer Wahr- scheinlichkeit die Währung eines Landes, mit dem sie auch militärisch verbündet sind. Welche Herausforderer könnten dem US-Dollar nahekommen? Der Euro ist der größte Konkurrent des Dollar. Der Euroraum verfügt über eine hinreichend große Wirtschafts- leistung, ist eng in den Welthandel eingebunden und bietet ein hohes Maß an institutioneller Stabilität und Rechtssicherheit. Seine internationale Bedeutung wird jedoch durch den fragmentierten Markt für Staatsanleihen, Rechtssicherheit in den USA geht zurück Rule of Law Index\* \* Der Index misst auf einer Skala von 0 (schlecht) bis 1 (gut) die Rechtssicherheit Quellen: World Justice Project, Helaba Research 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 USA Deutschland China Im Fokus: Devisen – US-Dollar © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 6 von 7 die unvollständige Kapitalmarkt- und Fiskalintegration sowie ein vergleichsweise schwaches Wirtschaftswachstum begrenzt. Eine vertiefte Kapitalmarktunion und ein größeres gemeinsames europäisches „Safe Asset“ könnten die Attraktivität des Euro als Reserve- und Finanzierungswährung deutlich erhöhen. Die Position des Renminbi stützt sich auf die Größe und das kräftige Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft, ihre zentrale Stellung im Welthandel und Chinas zunehmendes geopolitisches Gewicht. Peking hat die internatio- nale Nutzung der Währung im Handel und im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr gezielt ausgeweitet. Ein höherer Renminbi-Anteil im globalen Finanzsystem würde zugleich Chinas Abhängigkeit von der dollarbasierten Infrastruktur und damit seine Verwundbarkeit gegenüber Finanzsanktionen der USA verringern. Einer breiteren Nutzung stehen jedoch die fehlende vollständige Konvertibilität, Kapitalverkehrskontrollen, der staatlich gesteu- erte Wechselkurs sowie institutionelle und rechtliche Unsicherheiten entgegen. Ohne offenere und tiefere Finanz- märkte dürfte der Renminbi den Dollar daher auf absehbare Zeit nicht als Leitwährung ablösen. Determinanten der Leitwährungskandidaten im Überblick Wirtschaftli- che Größe Entwicklung der Finanz- märkte Institutionelle Sicherheit Konvertibilität / offene Kapital- märkte Geopolitische Situation US-Dollar + ++ + ++ + Euro + 0 + ++ 0 Chin. Yuan + 0 - - + Quelle: Helaba Research Gold, Stablecoins und Bitcoin werden zwar häufig als potenzielle Alternativen zum US-Dollar diskutiert, können dessen Rolle als Leitwährung jedoch nicht ersetzen. Gold besitzt keine Transaktions- oder Finanzierungsfunktion, Stablecoins basieren überwiegend auf dem Dollar und stärken damit eher dessen Reichweite, während Bitcoin auf- grund hoher Volatilität und ebenfalls fehlender Finanzierungsfunktion vor allem als alternatives Reserveasset gilt. Daher ergänzen diese Instrumente das bestehende internationale Währungssystem, stellen aber derzeit keine ernstzunehmende Alternative zum US-Dollar dar. Insgesamt spricht vieles dafür, dass der US-Dollar in den kommenden Jahren die dominante internatio- nale Leitwährung bleiben wird. Zwar könnten geopoli- tische Verschiebungen und der wirtschaftliche Auf- stieg anderer Regionen dazu führen, dass sein Anteil in einzelnen Funktionen graduell weiter sinkt. Dies gilt insbesondere für die Reservehaltung von Zentralban- ken, wo eine stärkere Diversifizierung zugunsten von Gold oder anderen Währungen zu erwarten ist, wie dies schon in vergangenen Jahrzehnten der Fall war (vgl. Grafik). Auch im Außenhandel und im Zahlungs- verkehr könnten regionale Alternativen an Bedeutung gewinnen, etwa eine stärkere Nutzung des Renminbi in- nerhalb Asiens oder des Euro im europäischen Umfeld. Die starken Netzwerkeffekte zugunsten des Dollar spre- chen aber für langsame Entwicklungen. Der Anteil der Dollar-Reserven geht zurück % aller Reserven, inklusive Gold Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Devisen – US-Dollar © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 7 von 7 Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin / Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Investoren bevorzugen auch in Krisenzeiten den US-Dollar als sicheren Hafen. Finanzmarktgröße, Netzwerkeffekte, Institutionen und Geopolitik sind entscheidend für den Status Leitwährung. Können Euro, Renminbi oder digitale Vermögenswerte dem Dollar künftig ernsthaft Konkurrenz machen?
