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title: "Märkte und Trends Oktober 2026"
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updated: 2026-10-23
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# Märkte und Trends Oktober 2026

Märkte und Trends Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 1 von 13 Helaba Research → Konjunktur → Geldpolitik → Staatsanleihen → Aktien → Gold → Rohöl → Immobilien → Devisen → Prognosetabelle BIP und Inflation → Kapitalmarktprognosen Editorial: Frankreich im Fokus, Deutschland solide gt/ Die Kurse von französischen Staatsanleihen sackten durch eine Kombination aus hohen Haushaltsdefiziten, landesweiten Protesten und einem unsicheren politischen Ausblick ab. Der Spread zu den 10-jährigen Bundesanleihen stieg auf rund 160 Basispunkte – eine Verdopplung gegenüber Jahresanfang. Dies belastete auch spanische und italienische Staatsanleihen. Wie sehen die Staatsschulden heute im Vergleich zur europäischen Staatsschuldenkrise aus? Griechenland stand damals im Zentrum der Krise mit einer Schuldenquote von 180 % des Bruttoinlandprodukts. Frankreich dagegen hat heute eine Quote von etwa 116 %. Das ist zunächst einmal beruhigend, allerdings ist Griechenland wirtschaftlich viel kleiner als Frankreich. Griechenland machte 2012 weniger als 2 % der Wirtschafts- leistung der EU aus – Frankreich steht heute für rund 16 % der Wertschöpfung. Eine Rettung des Landes wäre da- her deutlich schwieriger. Fraglich scheint, ob sich die EZB davon beeinflussen lässt und weniger restriktiv agiert. Deutschland zeigt sich dagegen derzeit trotz aller negativen Schlagzeilen wirtschaftlich solide. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen ist zwar seit Jahresanfang um etwa 60 Basispunkte gestiegen, aber der EZB-Leitzins wurde seither auch zweimal angehoben und eine weitere Erhöhung im Dezember ist abzusehen. Der Renditean- stieg ist somit ähnlich hoch wie in den Niederlanden. Mit einer Staatsschuldenquote von nur 44 % ist dieses Nach- barland fiskalisch besonders nachhaltig aufgestellt. Dies zeigt, dass an den Rentenmärkten noch keine Sorgen über Deutschland bestehen. Auf der anderen Seite des Atlantiks konnte der US-Dollar von der gestiegenen Unsicherheit profitieren, obwohl Risiken im KI- und Halbleitersektor am dortigen Aktienmarkt für Unruhe sorgten. Der Dollar konnte damit seine Rolle als sicherer Hafen wieder einmal unter Beweis stellen. Nach vorne gerichtet schauen wir gespannt auf die Zwischenwahlen in den USA. Sollte der Wahlausgang von einer der beiden Seiten nicht anerkannt werden, könnte eine zunehmende Unsicherheit US-Assets unter Druck setzen. Insgesamt dürften die wirtschaftlichen Implikatio- nen der Wahlergebnisse aber überschaubar bleiben, da Präsident Trump bereits heute häufig per Dekret am Kon- gress vorbei regiert. Ihre Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/Head of Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 2 von 13 Konjunktur: Deutsche Wirtschaft im Aufschwung • Globale Konjunktur trotzt geopolitischen Belastungen – zumindest bisher • US-Wirtschaft wächst weiter robust, Prognose für 2026/2027 wegen Revisionen angehoben • Deutsche Stimmungsindikatoren signalisieren einen Aufschwung • Haupttreiber des deutschen Wachstums sind höhere Staatsausgaben und Exporte • Aktuelle Teuerungsraten in Deutschland, Eurozone und USA deutlich über Notenbankzielen • Anhebung der Inflationsprognosen pf/ Es wird kontrovers diskutiert, ob mit jeder zusätzlichen Woche, in der der Warenstrom durch die Meerengen an der Arabischen Halbinsel gestört bleibt, die Risiken für die globale Konjunktur abnehmen, weil Anpassungspro- zesse stattfinden, sich die Ölförderung geografisch verlagert und alternative Handelswege gefunden werden. Oder tickt umgekehrt die Uhr für die Weltkonjunktur, weil private Vorräte irgendwann aufgebraucht sind und offizielle Reserven nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen? Bisher haben die Optimisten die besseren Argumente, denn auch sieben Monate nach Beginn des Konflikts wächst die Weltwirtschaft – wenn auch mit deutlich höheren Teue- rungsraten als Anfang des Jahres noch erwartet wurde. Für die USA meldeten die Statistiker nach umfangreichen Datenrevisionen ein stärkeres erstes Halbjahr 2026 und auch der Datenfluss zum dritten Quartal sieht ziemlich gut aus. Wir haben daher unseren Schätzwert für den Zuwachs des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) für 2026 von 2 % auf 2,3 % angehoben (2027: 2 % statt 1,8 %). Der KI-Boom trägt vorerst weiter. In China fiel das Wachstum im dritten Quartal mit 1,2 % gg. Vq. etwas höher als erwartet aus, aber am Gesamtbild einer ausgeprägten Binnenschwäche und Exportstärke hat sich nichts geändert. Wir rechnen für 2026 weiterhin mit einer Gesamtjahresrate am unteren Rand des offi- ziellen Wachstumsziels von 4,5 % bis 5 %. saz/ Im dritten Quartal dürfte der niedrige Wasser- stand des Rheins die deutsche Wirtschaft belastet haben. Doch die Stimmungsindikatoren entwickelten sich alles in allem positiv und signalisieren einheitlich einen Aufschwung. Wir rechnen mit einem positiven Schlussquartal und erwarten, dass die Wirtschaft 2026 um insgesamt 0,9 % wächst. Für das nächste Jahr prognostizieren wir ein Wirtschaftswachstum von 1,2 % (jeweils kalenderbereinigt). Der Wachstumsimpuls der privaten Konsumausgaben dürfte dieses Jahr enttäuschend gering ausfallen. Das liegt vor allem an den deutlich gestiegenen Verbrau- cherpreisen. Die Kaufkraft der Verbraucher hat sich dadurch verringert, sodass ihre Konsumausgaben die- ses Jahr wohl nur um etwa 0,5 % zunehmen können. Der Staatskonsum war in den vergangenen Quartalen einer der Wachstumstreiber. Die staatlichen Mehrausgaben wurden primär durch eine höhere Nettokreditaufnahme des Bundes ermöglicht. Der Kreditbestand des Bundes nahm dieses Jahr laut Bundesfinanzministerium bis einschließlich August um 94,4 Mrd. Euro zu. Dies entspricht gut 2 % des Bruttoinlandsprodukts. Erfahrungsgemäß gibt der Staat im Schlussquartal besonders viel Geld aus. In den verbleibenden vier Monaten des Jahres dürfte die Nettokreditaufnahme weitere zwei Prozentpunkte zulegen, sodass die gesamte Nettokreditaufnahme 2026 rund 4 % des BIP erreicht. 2027 werden es voraussichtlich sogar etwas mehr als 4 % sein. Deutschland bremst nicht mehr die Eurozone Reales Bruttoinlandsprodukt, % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research Bruttoinlandsprodukt, real % gg. Vorjahr 2023 2024 2025 2026p 2027p Deutschland -0,8 0,0 0,3 0,9 1,2 Eurozone 0,6 1,0 1,3 0,8 1,2 USA 2,9 3,0 2,3 2,3 2,0 Welt 3,2 3,2 3,2 2,8 2,8 p=Prognose, kalenderbereinigt soweit verfügbar Quellen: Macrobond, Helaba Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 3 von 13 Die deutsche Wirtschaft wächst also 2026 insgesamt, doch die Ausrüstungs- und Bauinvestitionen werden die- ses Jahr erneut rückläufig sein. Für das kommende ist hier allerdings mit einer Belebung zu rechnen. Mit dem er- warteten Anstieg der Industrieproduktion dürften auch die Investitionen in Maschinen und Ausrüstung wieder zunehmen und auch im Bausektor ist mehr Aktivität zu erwarten – hier wird auch das Sonderver- mögen weiterhin für positive Effekte sorgen. Der deutsche Außenhandel entwickelt sich 2026 positiv. Die Exporte waren im Juli und August zwar leicht rückläufig, liegen aber nach wie vor deutlich über dem Vorjahresniveau (+ 6,2 %, nicht-preisberei- nigt). Auch die Importe nahmen zu, jedoch mit 5,5 % etwas weniger stark. Damit kamen positive konjunktu- relle Impulse durch die höhere Auslandsnachfrage. Für die Eurozone erwarten wir für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,8 %. Damit wäre 2026 das erste Jahr seit 2020, in dem Deutschland das Wachstum der Eurozone nicht bremst. Für Italien rechnen wir mit einem durchschnittlichen BIP-Zuwachs von 0,9 %. Spanien bleibt mit einem prognostizierten Plus von 2,6 % der Wachstumsmotor, während Frankreich unter den großen vier Euro-Nationen wohl mit 0,6 % das schwächste Wachstum erzielen wird. Der erneute Ölpreisanstieg im September spiegelte sich in einer höheren deutschen Inflationsrate wider. Die Teuerungsrate stieg auf 3,3 % (August: 2,9 %). Im Vormonatsvergleich nahmen die Verbraucherpreise um 0,6 % zu. Die deutsche Inflationsrate dürfte im Oktober etwas niedriger ausfallen, da der Tankrabatt für eine temporäre Entlastung sorgt. In der Eurozone wird diese Entlastung kaum ins Ge- wicht fallen. Auch hier stieg die Inflation im Septem- ber, im Vorjahresvergleich sogar um 3,8 %. Auch in den kommenden Monaten sind Raten nahe der 4 %- Marke zu erwarten. Die Kernrate ist bislang jedoch noch nicht signifikant gestiegen. Sie lag im September mit 2,5 % nur ein Zehntel Prozentpunkt über dem Au- gustwert. Aufgrund der jüngsten Ereignisse am Persischen Golf schätzen wir die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Öffnung der Straße von Hormus geringer ein. Deshalb haben wir unsere Inflationsprognosen für Deutschland und die Eurozone angehoben. Für 2026 erwarten wir für Deutschland nun eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,7 %, für die Eurozone 3,1 %. Für 2027 erwarten wir je- weils eine Inflation von 2,8 %. In den USA haben die Verbraucherpreise im September erneut einen Sprung gemacht. Sie legten um 0,6 % gg. Vor- monat zu. Die Vorjahresrate zog auf 3,7 % an. Verantwort- lich hierfür war erneut vor allem der Anstieg der Energiepreise (Heizöl: 15 % gg. Vm., Benzin: 9 %). Die monatli- che Dynamik des Kernverbraucherpreisindex blieb im September bei 0,3 % gg. Vm. Dies alles ist deutlich ober- halb der Zahlen, die im Einklang mit der Definition von Preisniveaustabilität durch die US-Notenbank wären. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen wir weiterhin mit einer Teuerung von rund 3,5 %. Für 2027 haben wir im Zuge unse- rer geänderten Annahmen für die Energiepreise die Inflationsprognose von 2,5 % auf 2,8 % angehoben. Inflationsraten deutlich über dem Notenbankziel Verbraucherpreise, % gg. Vj. \*nationale Berechnungsweise Quellen: Macrobond, Helaba Research Außenbeitrag zuletzt gestiegen Mrd. Euro Quellen: Macrobond, Helaba Research Verbraucherpreise, % gg. Vorjahr 2023 2024 2025 2026p 2027p Deutschland\* 5,9 2,2 2,2 2,7 2,8 Eurozone 5,4 2,4 2,1 3,1 2,8 USA 4,1 3,0 2,7 3,4 2,8 p=Prognose, \*nationale Abgrenzung Quellen: Macrobond, Helaba Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 4 von 13 Geldpolitik: Noch gibt es Zinserhöhungsspielraum • Energiepreise beruhigen sich nicht: Im Dezember ist mit weiterer EZB-Zinsanhebung zu rechnen • Finanzierungsbedingungen sind aufgrund hoher Kapitalmarktzinsen bereits deutlich erschwert • Im Euroraum ist für 2027 mit einer abwartenden Geldpolitik zu rechnen • Die Fed hat ein Inflations- und unter Kevin Warsh bislang auch ein Kommunikationsproblem • Am Finanzmarkt erwartete spürbare Straffung der US-Geldpolitik ist aus unserer Sicht ein Risiko • Wahrscheinlich wird es die US-Notenbank aber mit einem weiteren Zinsschritt bewenden lassen uk/ Angesichts der verbesserten Konjunkturdaten und vor dem Hintergrund anhaltend hoher Ölpreise sowie stei- gender Inflationsrisiken dürfte die EZB ein weiteres Mal straffen, vermutlich im Dezember. Anders als von den Terminmärkten signalisiert, sollte sie danach jedoch eine längere Pause einlegen, um die Wirkung ihrer Maßnahmen abzuwarten. Von den Zinsanhebungen dürften spürbare Effekte ausgehen, denn aufgrund der gestiegenen Kapital- marktzinsen – unter anderem im Zusammenhang mit tendenziell höheren Risikoprämien – haben sich die Finanzierungsbedingungen bereits deutlich ver- schlechtert. Gerade jetzt, da Deutschland seine Infra- struktur wettbewerbsfähig machen will, ist auf der Finanzierungsseite eine schwierige Situation ent- standen. pf/ Die US-Notenbank hat im September den Zielkor- ridor für den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 % bis 4,0 % angehoben. Sie hat dies nicht gut begrün- det – genauso wenig, wie ihre Entscheidung sechs Wochen vorher, den Zins unverändert zu lassen. Fed-Präsident Warshs weitgehend aussagelose, zeitlich verknappte Pressekonferenz ohne Rückfragemöglichkeiten für die Journalisten hat keine Informationen geliefert. Sollte er in Zukunft ganz darauf verzichten, wäre es kein Verlust. So bleibt unklar, wie die Fed mit ihrem die Nachfrage steuernden Zinsinstrument gegen den andauernden Angebotsschock von den Energiemärkten vorgehen will. Angesichts der Tatsache, dass die Notenbank ihr offizielles Inflationsziel seit über fünf Jahren verfehlt, ist Nichtstun keine Option. Wir gehen in unserem Basisszenario davon aus, dass der Preisdruck von der Energieseite in den kommen- den Monaten abflaut. Zweitrundeneffekte dürften nicht stark genug sein, um einen Rückgang der Gesamt- teuerungsrate zu verhindern. Allerdings ist ein Errei- chen des Inflationsziels eher mittelfristig realistisch. Wir gehen nicht davon aus, dass die Fed – um diesen Prozess zu beschleunigen – eine Rezession riskiert, in- dem sie den Leitzins in Richtung 5 % bewegt. Wahrscheinlich im Dezember dürfte eine weitere und letzte Zinser- höhung um 25 Basispunkte folgen, mit der die US-Notenbank ihre Absichten signalisiert. Geldmarkt: Zinsen steigen noch etwas % Quellen: Macrobond, Helaba Research EZB: Wie restriktiv darf/muss es sein? % Prozentpunkte \*5Y5Y Inflation Forwards, Euroraum \*\*5Y Bundesanleihen. Veränderung gegenüber Rendite vor fünf Jahren Quellen: LSEG, Helaba Research % aktuell\* Q4/26 Q1/27 Q2/27 Q3/27 3M Euribor 2,67 2,85 2,90 2,90 2,85 EZB Einlagenzins 2,50 2,75 2,75 2,75 2,75 Fed Funds Rate 3,88 4,13 4,13 4,13 4,13 \* 21.10.2026 Quellen: Bloomberg, Helaba Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 5 von 13 Staatsanleihen: Auf erhöhtem, aber vermutlich stabilem Renditeniveau • Das erhöhte inflationäre Stresslevel schlägt sich an den Kapitalmärkten nieder • Belastungsfaktor: Die Notenbanken dürften die Leitzinsen weiter anheben • Thema Staatsverschuldung bleibt ein Damoklesschwert – Frankreich unter Druck • Gibt es nach den Midterms Maßnahmen gegen die ausufernde US-Staatsverschuldung? • Bundesanleihen scheinen bei Renditen von über 3 % für Investoren attraktiv zu sein • In den kommenden Monaten dürfte sich die Rendite 10-jähriger Bunds bei rund 3,5 % halten uk/ Seit dem letzten M&amp;T hat sich die Lage bei Bundesanleihen etwas entspannt. Die Rendite 10-jähriger Bunds lag zuletzt wieder unter 3,5 %. Auch 10-jährige US-Treasuries orientierten sich wieder südwärts in Richtung der 5 %-Marke. Offenbar sind die Renditen auf diesem Niveau für Anleger durchaus attraktiv. Dies spricht zumindest dafür, dass es nicht zu einem weiteren markanten Renditeanstieg kommt. Es zeigte sich, dass bereits viel Negatives eingepreist wurde. Kritisch wird es somit vor allem, wenn sich die Rahmenbedingungen nochmals verschlechtern. Das Beispiel Frankreich verdeutlicht aber, dass die Lage insgesamt nicht rosig ist. Eine hohe Staatsver- schuldung, politische Instabilität und die damit ein- hergehende Reformunfähigkeit werden früher oder später von den Investoren bestraft. Die Rendite 10- jähriger französischer Staatsanleihen hat mit 4,8 % ein Niveau wie zuletzt 2008 erreicht. 30-jährige Pa- piere notieren mit 5,5 % sogar auf einem Stand wie 2002. Das deutsche Pendant liegt mit 3,8 % noch auf einem vergleichsweise moderaten Niveau. In der akuten Krise des französischen Rentenmarktes konnten Bundesanleihen zwar noch von ihrem alten Glanz und der noch immer recht niedrigen Staatsverschuldung profitieren. Das Beispiel Frankreich, das seine für 2023 geplante Rentenreform ausgesetzt hatte, sollte gleichwohl Mahnung genug sein, den Bogen fiskalpolitisch nicht zu überspannen. Wenn die angekündigten Struktur- reformen hierzulande ausbleiben, wird es nur wenig Spielraum für einen Renditerückgang am deutschen Anleihemarkt geben. Dies gilt auch für die USA, wo man nach den Midterms gespannt sein darf, ob die Bereitschaft steigt, der ausufernden US-Staatsver- schuldung entgegenzutreten. Normalerweise – aber was ist derzeit schon normal? – steigt die Wahrschein- lichkeit für unpopuläre Entscheidungen nach Wahlen. Insgesamt kann keine Entwarnung gegeben werden, da Bund-Renditen unter 3 % nicht in Sicht und die Risiken weiter steigender Renditen noch nicht ver- schwunden sind. Geopolitische und fiskalpolitische Probleme bestehen nach wie vor. Auch die Inflations- entwicklung bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Wir hatten daher Ende September sowohl die Leitzins- als auch die Kapitalmarktzinsprognosen um einen Viertelpro- zentpunkt angehoben. In den kommenden Monaten wird sich die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen vo- raussichtlich auf einem Niveau von rund 3,5 % halten. Frankreich: Investoren fordern höhere Prämien Rendite 10-jähriger Staatsanleihen, % Quellen: LSEG, Helaba Research Renditen: Erhöhtes Niveau % % Quellen: Macrobond, Helaba Research % aktuell\* Q4/26 Q1/27 Q2/27 Q3/27 10j. Bundesanl. 3,42 3,50 3,50 3,50 3,30 10j. US-Treasuries 5,12 5,00 5,00 5,00 4,80 \* 21.10.2026 Quellen: Bloomberg, Helaba Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 6 von 13 Aktien: Anleger halten sich zurück • Bislang tun sich viele Aktienindizes rund um den Globus sichtlich schwer • Steigende Renditen und die Erwartung weiterer Leitzinserhöhungen bremsen die Aktienmärkte • Die globale Konjunkturstimmung hellt sich jedoch weiter auf und nährt Gewinnfantasie • Der weltweite positive Gewinnrevisionstrend flacht sich gleichwohl etwas ab • Bewertungen haben sich etwas reduziert, bleiben aber meist oberhalb der fairen Range • Anleger dies- und jenseits des Atlantiks sind eher vorsichtig, liefern jedoch keine Kontraindiktion mr/ Historisch betrachtet beginnt im Oktober einer der performancestärksten Sechsmonatszeiträume. Bislang tun sich viele Indizes rund um den Globus aber sichtlich schwer. Allerdings halten sich die zeitweiligen Kursrück- gänge bei den etablierten Indizes wie DAX, S&amp;P 500 oder dem technologielastigen Nasdaq Composite mit deut- lich weniger als 10 % in Grenzen. Lediglich der stark von Halbleitertiteln geprägte koreanische KOSPI hat gegenüber seinem Hoch im Juni schon fast 40 % ver- loren. Dies ist Wasser auf die Mühlen all derer, die schon seit Monaten von einer KI-Blase sprechen. KI ist jedoch mehr als der Halbleitersektor, und die Bewer- tung hat sich in diesem Bereich dank noch immer bes- ser als erwartet ausfallender Unternehmensgewinne deutlich reduziert. Auch auf Gesamtmarktebene haben sich die Bewer- tungen etwas zurückgebildet. Der DAX nähert sich allmählich wieder dem fairen Bewertungsband. Der S&amp;P 500 ist dagegen aufgrund des hohen Gewichts von traditionell höher bewerteten Wachstumstiteln noch deutlich davon entfernt. Angesichts deutlich gestiegener Renditen an den Rentenmärkten und der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen dies- und jenseits des Atlantiks ist das Potenzial von Aktien begrenzt. Um eine weitere Bewertungskontraktion zu erreichen, müss- ten die Kurse langsamer steigen als die Unternehmens- gewinne. Letztere könnten dank einer sich weltweit abzeichnenden Verbesserung der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten eher positiv überraschen. Entsprechend wurden die Gewinnerwartungen in den vergan- genen Monaten weltweit mehrheitlich nach oben revidiert. Zuletzt hat sich dieser Trend jedoch wieder etwas ab- geschwächt. Beim DAX halten sich aktuell Aufwärts- und Abwärtsrevisionen etwa die Waage. Neue Impulse könnte die Berichtssaison der Unter- nehmen bringen. In den USA haben bislang knapp ein Fünftel der Unternehmen aus dem S&amp;P 500 Ergeb- nisse vorgelegt, von denen 80 % positiv überraschten. Aus dem Technologiesektor (13 % berichtet) konnten bislang fast 90 % die Erwartungen übertreffen. In Deutschland legen die meisten Unternehmen erst Ende Oktober/Anfang November Zahlen vor. Von zu viel Optimismus ist indessen bei den Anlegern keine Spur. Dies liegt in erster Linie an den gegenwärtig sehr verhaltenen Privatanlegern. Eine Kontraindikation lässt sich daraus gleichwohl nicht ableiten. Angesichts der Gesamtgemengelage bleibt daher weiterhin eine Halten-Positionierung angezeigt. DAX: Gesunde Konsolidierung Indexpunkte Quellen: Macrobond, Helaba Research Weiterer Bedarf nach Bewertungsabbau Abweichung vom Mittelwert in Standardabweichungen \*bestehend aus KGV, KCV, KBV und Kehrwert der Dividendenrendite Quellen: LSEG, Helaba Research Indexpunkte aktuell\* Q4/26 Q1/27 Q2/27 Q3/27 DAX 25.645 27.000 27.250 27.500 27.750 Euro Stoxx 50 6.208 6.700 6.730 6.760 6.790 S&amp;P 500 7.757 7.900 7.980 8.060 8.140 \* 21.10.2026 Quellen: Bloomberg, Helaba Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 7 von 13 Gold: Zinsen setzen dem sicheren Hafen zu • Leitzinsspekulationen nach höheren Inflationsraten belasten Gold • Stärke des US-Dollar als sicherer Hafen macht dem Edelmetall ebenfalls zu schaffen • Erst nachlassende Zinserhöhungserwartungen lösen eine Gegenbewegung aus • Frankreichs Haushaltskrise hingegen sorgt für Zulauf in den sicheren Hafen Gold cw/ Gold ist im vergangenen Monat erneut unter Zins- druck geraten, nachdem hohe US-Inflationszahlen die Erwartung auf weitere Leitzinserhöhungen anheizten. Gleichzeitig wertete der US-Dollar auf, was dem Edel- metall zusätzlich zu schaffen machte. Nachdem Fed- Präsident Warsh diese Spekulationen relativierte, konnte sich das Edelmetall von seinem Rutsch auf 4.060 in Richtung 4.200 USD/Feinunze erholen. Auf Mo- natssicht bleibt ein Verlust von über 4 % in Dollarrech- nung bzw. gut 2,5 % in Euro. Obwohl dank Fed-Chef Warsh die langfristigen Zinsen nicht weiter nach oben geklettert sind, ist das hohe Renditeniveau dies- und jenseits des Atlantiks ein Problem für das unverzinste Gold. Demgegenüber profitiert es von der Unsicherheit über Frankreichs Staatsfinanzen, da für Gold keine Aus- fallrisiken bestehen. So könnte das Asset wieder vermehrt als sicherer Anlagehafen in den Fokus rücken. Mittel- fristig sollte dies neben nachlassenden geldpolitischen Erwartungen mit dazu beitragen, dass sich Gold in Rich- tung 4.800 USD/Feinunze befestigen kann. Rohöl: Keine Lösung am Persischen Golf in Sicht • Berichte von zunehmenden Schiffspassagen unter dem Schutz der US-Marine • Wieder Tanker in der Straße von Hormus auf Seemine gelaufen; Huthi-Attacken am Roten Meer • Ölproduktion der Golfanrainer im September nur leicht erhöht • Abbau von Lagerbeständen zum Schließen der „Versorgungslücke“ setzt sich fort ru/ Die Lage am Golf und der Einfluss auf die Ölmärkte bleiben undurchsichtig. Zwar soll es immer wieder Tan- kern unter dem Schutz der US-Marine gelingen, durch die Straße von Hormus zu gelangen. Jedoch ist die transportierte Ölmenge unklar und scheint deutlich zu schwanken. Zudem laufen immer wieder Tanker auf Seeminen und Huthis attackieren die saudische Ölinfra- struktur. Die Ölpreise liegen über 100 US-Dollar pro Barrel und eine nachhaltige Entspannung ist nicht abzusehen. Kaum erholt hat sich im September die Ölproduktion der Golfanrainer. In der Summe lag diese noch immer rund 7 Mio. Barrel/Tag unter dem Februarniveau. Die „Versorgungslücke“ seit Kriegsbe- ginn beläuft sich damit auf 1,7 Mrd. Barrel. Diese Lücke wird weiter durch den Abbau von Ölreserven geschlos- sen und zu einem kleineren Teil durch vermehrte Produk- tion außerhalb der Region. Die Ölpreise werden bis auf Weiteres wohl an der 100-USD-Marke liegen. Hohes Renditeniveau belastet Gold Quellen: Macrobond, Helaba Research Preis / Feinunze aktuell\* Q4/26 Q1/27 Q2/27 Q3/27 Gold in Euro 3.687 4.103 4.407 4.333 4.500 Gold in US-Dollar 4.141 4.800 5.200 5.200 5.400 \* 21.10.2026 Quellen: Bloomberg, Helaba Research Bis auf Weiteres erhöhtes Niveau erwartet USD/Barrel Quellen: Macrobond, Helaba Research Preis / Barrel aktuell\* Q4/26 Q1/27 Q2/27 Q3/27 Rohöl Brent 109 100 97 93 89 \* 21.10.2026 ö Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 8 von 13 Immobilien: Produktion im Baugewerbe legt deutlich zu • Infolge des Irankriegs gestiegene Zinsen gefährden die fragile Erholung der Immobilienmärkte • Gewerbeimmobilienpreise stehen unter Druck, Nachfrageüberhang stützt Wohnungsmarkt • Rückläufige Bauaktivität von Büro- und Handelsgebäuden reduziert das künftige Angebot • Produktion im Baugewerbe insgesamt im August um 9,3 % gegenüber Vormonat gestiegen • Durchschnittliche Jahresperformance offener Immobilienfonds zuletzt bei -2,3 % • Nettomittelabflüsse der Fonds setzten sich fort (August: 611 Mio. Euro) pr/ Eine infolge des Irankriegs gebremste Konjunktur und steigende Zinsen gefährden die fragile Erholung am Im- mobilienmarkt in Deutschland. Es ist zu erwarten, dass die Zinsen auf erhöhtem Niveau verharren und die gewerb- lichen Immobilienpreise weiter nachgeben. Die Mieten deutscher Gewerbeimmobilien stiegen zwar im ersten Halbjahr, konnten die negativen Bewertungseffekte höherer Kapitalmarktzinsen jedoch nur teilweise aus- gleichen. Im unsicheren Marktumfeld dürfte sich die Marktliquidität nicht verbessern und die Refinanzie- rungsproblematik anhalten. Dennoch gibt es Segmente und Regionen, die sich gut entwickeln. Am Büroimmobilienmarkt werden überwiegend moderne, zentral gelegene Flächen an- gemietet, allerdings sind diese meistens mit deutli- chen Flächenreduktionen verbunden. Auch im Einzel- handel ist die Nachfrage in zentralen Lagen am stärks- ten. In beiden gewerblichen Segmenten sind die Baugenehmigungen seit 2022 rückläufig. Noch kommen in der Nied- rigzinsphase begonnene Projekte auf den Markt, aber die deutlich geringere Neubautätigkeit dürfte künftig die Preise stützen. Angesichts weiter kräftig steigender Bau- preise und höherer Finanzierungszinsen ist es möglich, dass einzelne bereits genehmigte Projekte nicht realisiert werden. Positiv entwickelten sich hingegen die Genehmigungen im Wohnungsbau. Sie lagen von Januar bis Juli rund 13 % über dem Vorjahreszeitraum. Gleichwohl reicht die Bautätigkeit nicht aus, um die Lage am deutschen Wohnungsmarkt zu entspannen. Zu viel Regulierung und zuletzt die Diskussion um die Vergesellschaftung von Wohnungen in Berlin belasten die Investitionsbe- reitschaft. Dennoch scheint sich die Aktivität im Bauge- werbe insgesamt zu verbessern. Im August stieg die Bauproduktion gegenüber dem Vormonat um mehr als 9 %. Das für den Wohnungsbau wichtige Ausbauge- werbe legte sogar um etwa 13 % zu. Für offene Immobilienfonds bleibt das Marktumfeld angespannt. Der „Helaba OIF‑Index“, der die durch- schnittliche jährliche Wertveränderung der Anteil- scheine von neun großen Publikumsfonds abbildet, lag zuletzt 2,3 % unter dem Vorjahreswert. Angesichts der schwachen Performance ist zu erwarten, dass die Nettomittelabflüsse (August: 611 Mio. Euro) anhalten. Preise deutscher Gewerbeimmobilien gesunken vdp Immobilienpreisindex, Q1 2010 = 100 Quellen: vdp, Helaba Research 80 100 120 140 160 180 200 220 240 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 2026 80 100 120 140 160 180 200 220 240 Einzelhandel Büro Wohnen Erholung im Wohnungsbau, Gewerbe schwächelt Baugenehmigungen\* \*12-Monats-Durchschnitt, Zahl der Wohnungen, bei Gewerbeimmobilien Gebäude Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research 0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 2004 2007 2010 2013 2016 2019 2022 2025 Büro-&amp; Verwaltungsgebäude (LS) Handels-&amp; Lagergebäude (LS) Wohnungen (RS) % gg. Vorjahr 2023 2024 2025 2026p 2027p Helaba OIF-Index\* 1,5 0,2 -1,2 -2,0 0,5 Wohnimmobilien\*\* -4,1 -1,5 2,6 2,0 2,5 Gewerbeimmobilien\*\* -10,2 -5,3 2,9 -1,5 0,0 \*offene Immobilienfonds (Jahresrendite); \*\*vdp Preisindizes Deutschland (Jahres- durchschnitt); p=Prognose; Quellen: vdp, LSEG, Helaba Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 9 von 13 Devisen: Euro-Schwäche auf breiter Front • US-Dollar wertet gegenüber dem Euro aufgrund gestiegener Zinsdifferenzen deutlich auf • Auch Fiskalsorgen rund um Frankreich lasten auf dem Euro-Dollar-Kurs • Eine Gegenbewegung beim Dollar erscheint aktuell realistisch • Britisches Pfund profitiert von französischen Fiskalsorgen und britischem Wachstum • Schweizer Franken stellt seine Rolle als sicherer Hafen unter Beweis • Japanischer Yen mit wenig Impulsen unterhalb der Interventionsschwelle sw/ Der US-Dollar gewinnt gegenüber dem Euro deutlich an Oberwasser. Zweierlei Gründe sind anzuführen: Sor- gen um europäische Staatsfinanzen und veränderte Leitzinserwartungen. Steigende Risikoaufschläge französi- scher Staatsanleihen rückten die fiskalischen Herausforderungen einzelner Mitgliedstaaten wieder stärker in den Fokus. Die Renditen französischer Staatsanleihen stiegen seit Jahresanfang um rund 1,5 Prozentpunkte. Norma- lerweise führen steigende Renditen dazu, dass eine Währung für Anleger attraktiver erscheint. Dieser Zu- sammenhang war jedoch bei französischen Anleihen und dem Euro zuletzt nicht zu beobachten. Auch wenn eine Wiederauflage der europäischen Staatsschulden- krise nicht unser Basisszenario ist, sorgten zuneh- mende Zweifel an der fiskalischen Stabilität einzel- ner Mitgliedsländer für zusätzlichen Druck auf die Gemeinschaftswährung. Dies zeigt sich nicht nur im Euro-Dollar-Kurs, sondern auch gegenüber anderen Währungen (siehe nächste Seite). Gleichzeitig nahm an den Finanzmärkten die Sorge zu, dass die EZB in einem Belastungsszenario gezwungen sein könnte, mit einer expansiveren Geldpolitik ge- genzusteuern. Dadurch verringerten sich die Leit- zinserwartungen in der Eurozone stärker als in den USA. Zwischenzeitlich wurden an den Märkten statt vier nur noch zwei Zinsschritte der EZB eingepreist. Das führte dazu, dass sich die Zinsdifferenz zwischen US-amerikani- schen und deutschen Staatsanleihen ausweitete, was auf dem Euro lastete. Unterstützung erhielt der Dollar zudem vom Ölmarkt. Trotz einer Lockerung der US-Sanktionen gegenüber Russland blieben die Ölpreise auf einem hohen Ni- veau. Davon profitiert der US-Dollar in mehrfacher Hin- sicht. Zum einen wird der internationale Ölhandel überwiegend in Dollar fakturiert, zum anderen zählen die USA inzwischen zu den bedeutenden Nettoexpor- teuren von Energie. Zudem sorgen die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten für eine erhöhte Risi- koprämie an den Devisenmärkten. Aus unserer Sicht preisen die Devisenmärkte derzeit jedoch ein zu negatives Szenario für den Euroraum ein. Eine Gegenbewegung des Euro gegenüber dem US-Dollar halten wir daher in den kommenden Mona- ten für wahrscheinlich. Sollte sich die geopolitische Lage entspannen und das globale Ölangebot spürbar ausgeweitet werden, dürfte Abwärtsdruck auf den Dollar ent- stehen. In diesem Umfeld hätte der Euro Potenzial, einen Teil der jüngsten Verluste wieder wettzumachen. Euro-Abwertung scheint übertrieben USD Quellen: Macrobond, Helaba Research Frankreichs Fiskalprobleme lasten auf dem Euro Rendite, % USD Quellen: Macrobond, Helaba Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 10 von 13 Das Britische Pfund konnte gegenüber dem Euro zu- letzt zulegen. Hintergrund waren weniger großbritan- nienspezifische Faktoren als vielmehr die gestiegenen fiskalischen Risiken im Euroraum. Insbesondere die Diskussion um die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen in Frankreich sorgte für zusätzliche Unterstützung für das Pfund, wie man an der Bewegung der Kreditaus- fallprämien sehen kann. Gleichzeitig erhielten die Zinserwartungen für die Bank of England etwas Rückenwind. Der britische Ar- beitsmarkt sendete nach einer längeren Schwäche- phase erste Stabilisierungssignale, und das Wirt- schaftswachstum überraschte positiv. Die jüngsten Inflationsdaten zeigten eine erneute Beschleunigung des Preisauftriebs. Entsprechend wurden Zinserhö- hungen auf der Insel wahrscheinlicher. Aus unserer Sicht erscheinen die Erwartungen jedoch überzogen. Der Markt preist derzeit mehr als vier Zins- schritte innerhalb der kommenden zwölf Monate ein. Angesichts der Tatsache, dass der Leitzins mit 3,75 % wohl bereits im restriktiven Bereich ist, dürfte der geldpolitische Spielraum der Bank of England begrenzt sein. Wir rechnen für die kommenden Quartale lediglich mit einem weiteren Zinsschritt. Der aktuelle Kurs birgt daher Ent- täuschungspotenzial und spricht mittelfristig eher für eine Abschwächung des Pfunds. Auch der Schweizer Franken profitierte als klassische Fluchtwährung zuletzt von den zunehmenden Fiskalri- siken im Euroraum. Grundsätzlich bleibt das Umfeld für den Franken jedoch herausfordernd. Mit einem Leitzins von 0 % weist die Schweiz im internationalen Vergleich einen deutlichen Zinsnachteil auf, während viele andere Zentralbanken ihre Geldpolitik straffen. Dieser negative „Carry“ schafft Anreize, sich in Franken zu verschulden und die Mittel in höher verzinsliche Währungen und Anlageklassen umzuschichten. Dadurch entsteht tendenziell Abwertungsdruck auf die Schweizer Währung. Gleichzeitig besteht für die Geldpolitik nur begrenzter Handlungsbedarf. Die Inflation liegt bei 1 % und damit komfortabel im Zielbereich der Schweizerischen Nationalbank. Entsprechend dürfte die Bereitschaft gering sein, die Leitzinsen zur Stützung des Frankens anzuheben. Hinzu kommt, dass eine übermäßige Aufwertung die Exporte und damit die Schweizer Wirtschaft belasten würde. Die Nationalbank hat in der Vergangenheit wiederholt signali- siert, einer starken Frankenaufwertung notfalls durch Interventionen am Devisenmarkt entgegenzutreten. Vor die- sem Hintergrund erscheint das weitere Aufwertungspo- tenzial des Frankens begrenzt. Insgesamt überwiegen daher mittelfristig die Abwärtsrisiken. Der Japanische Yen hielt sich stabil unter der Marke von 160 Yen pro Dollar. In einer insgesamt wenig volatilen Phase des Dollar-Yen-Wechselkurses sah sich die Regierung zu keinen weiteren Interventionen gezwungen. Die japanische Zentralbank wird auf ihrem Pfad sukzessiver Zinserhöhungen bleiben, was den Yen zwar nicht übermä- ßig, aber dennoch etwas unterstützen sollte. Risikozunahme in Frankreich trägt Pfund Prämie pro Jahr, Basispunkte GBP Quellen: Bloomberg, Helaba Research Inflation und Leitzins in der Schweiz niedrig %-Punkte CHF Quellen: Macrobond, Helaba Research gg. Euro aktuell\* Q4/26 Q1/27 Q2/27 Q3/27 US-Dollar 1,12 1,17 1,18 1,20 1,20 Jap. Yen 178 181 181 180 180 Brit. Pfund 0,84 0,86 0,86 0,86 0,87 Schw. Franken 0,93 0,96 0,96 0,97 0,98 \* 21.10.2026 Quellen: Bloomberg, Helaba Research Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 11 von 13 Prognosetabelle BIP und Inflation 2024 2025 2026p 2027p 2024 2025 2026p 2027p Eurozone 1,0 1,3 0,8 1,2 2,4 2,1 3,1 2,8 Deutschland 0,0 0,3 0,9 1,2 2,2 2,2 2,7 2,8 Frankreich 1,4 0,9 0,6 0,8 2,3 0,9 2,6 2,6 Italien 0,6 0,7 0,9 0,5 1,1 1,6 2,9 2,3 Spanien 3,5 2,8 2,6 2,2 2,9 2,7 3,8 3,5 Niederlande 1,1 1,8 1,3 1,2 3,2 3,0 3,1 2,6 Österreich -0,8 1,0 0,7 1,3 2,9 3,6 3,2 2,7 Schweden 1,9 1,6 2,5 2,2 2,8 0,7 0,7 2,0 Polen 3,1 3,6 3,5 3,3 3,6 3,6 3,0 2,7 Tschechien 1,1 2,7 2,0 2,5 2,4 2,5 2,2 2,5 Ungarn 0,7 0,4 1,9 2,6 3,7 4,4 1,8 2,7 Großbritannien 1,1 1,2 1,2 1,4 2,5 3,4 3,2 2,7 Schweiz 1,3 1,8 1,7 1,5 1,1 0,2 0,7 1,0 USA 3,0 2,3 2,3 2,0 3,0 2,7 3,4 2,8 Japan 0,1 1,2 0,5 0,7 2,7 3,2 2,0 2,3 Asien ohne Japan 4,7 4,8 4,4 4,1 1,5 0,9 2,0 2,0 China 5,0 5,0 4,5 4,0 0,2 0,0 1,2 1,3 Indien\* 7,2 7,8 7,0 7,2 4,9 2,2 4,9 4,2 Russland 4,9 1,0 0,6 1,0 8,4 8,7 5,5 4,5 Türkei 3,3 3,6 2,7 4,0 58,5 34,9 31,0 23,0 Lateinamerika\*\* 2,0 2,4 2,0 2,4 26,2 7,8 7,2 5,8 Brasilien 3,0 2,6 2,0 2,0 4,8 4,3 4,6 4,3 Welt 3,2 3,2 2,8 2,8 4,4 2,5 3,1 2,7 Welt: gewichtet auf PPP-Basis, ab März 2025 Umstellung auf Basisjahr 2021; Verbraucherpreise Welt ohne Türkei \*Indien: Financial Year; \*\* Lateinamerika wegen Hyperinflation ohne Venezuela; p=Prognose, BIP-Wachstum soweit verfügbar kalenderbereinigt Quellen: Macrobond, LSEG, Helaba Research Bruttoinlandsprodukt Verbraucherpreise reale Veränderung gg. Vorjahr, % Veränderung gg. Vorjahr, % Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 12 von 13 Kapitalmarktprognosen aktueller 31.12.2025 Vormonat\* Stand\*\* Q4/2026 Q1/2027 Q2/2027 Q3/2027 Zinsen % EZB Refi-Satz 50 0 2,65 2,90 2,90 2,90 2,90 EZB Einlagenzins 50 0 2,50 2,75 2,75 2,75 2,75 Tagesgeldsatz €STR 52 0 2,44 2,75 2,75 2,75 2,75 3M Euribor 64 6 2,67 2,85 2,90 2,90 2,85 6M Euribor 92 2 3,03 3,05 3,10 3,05 2,95 2j. Bundesanleihen 101 -20 3,13 3,20 3,20 3,20 3,00 5j. Bundesanleihen 78 -21 3,23 3,30 3,30 3,30 3,10 10j. Bundesanleihen 57 -18 3,42 3,50 3,50 3,50 3,30 2j. Swapsatz 118 -13 3,45 3,45 3,45 3,40 3,20 5j. Swapsatz 90 -14 3,48 3,45 3,45 3,45 3,25 10j. Swapsatz 61 -11 3,53 3,50 3,55 3,55 3,35 20j. Swapsatz 31 -7 3,54 3,55 3,60 3,60 3,50 30j. Swapsatz 13 -5 3,37 3,45 3,55 3,55 3,45 Fed Funds Target Rate 25 0 3,88 4,13 4,13 4,13 4,13 10j. US-Treasuries 95 -8 5,12 5,00 5,00 5,00 4,80 Aktien DAX 4,7 1,5 25.645 27.000 27.250 27.500 27.750 Euro Stoxx 50 7,2 -1,0 6.208 6.700 6.730 6.760 6.790 Dow Jones 10,0 2,9 52.856 54.500 54.750 55.000 55.250 S&amp;P 500 13,3 0,7 7.757 7.900 7.980 8.060 8.140 Nikkei 225 28,4 -1,4 64.621 68.000 68.500 69.000 69.500 Gold und Brentöl Gold €/Unze 0,3 -1,9 3.687 4.103 4.407 4.333 4.500 Gold $/Unze -4,1 -3,1 4.141 4.800 5.200 5.200 5.400 Brentöl $/Barrel 78,8 2,1 109 100 97 93 89 Devisen jeweils gg. Euro US-Dollar 4,6 1,3 1,12 1,17 1,18 1,20 1,20 Japanischer Yen 3,6 1,8 178 181 181 180 180 Britisches Pfund 3,9 2,7 0,84 0,86 0,86 0,86 0,87 Schweizer Franken 0,5 1,7 0,93 0,96 0,96 0,97 0,98 \* 24.09.2026 \*\* 21.10.2026 Quellen: Bloomberg, Helaba Research jeweils gg. Euro, % Veränderung seit ... Basispunkte Landeswährung, % % Märkte und Trends – Oktober 2026 © Helaba | Research | 22. Oktober 2026 13 von 13 Wir sind für Sie da: Themengebiete Autoren/-innen Durchwahl 069/9132- Chefvolkswirtin/Head of Research Dr. Gertrud Rosa Traud (rt) 20 24 Rentenstrategie Ulf Krauss (uk) 47 28 Aktienstrategie Markus Reinwand (mr), CFA 47 23 Devisenstrategie, Großbritannien Samuel Will (sw) 74 88 Gold Claudia Windt (cw) 25 00 Immobilien Paul Richter (pr) 79 58 Rohöl Ralf Umlauf (ru) 11 19 Deutschland, Eurozone Simon Azarbajani (saz) 79 76 USA, China Patrick Franke (pf) 47 38 Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Mail: research@helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. 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