---
title: "Vertraudlich: Hanau - Eine Stadt schwimmt gegen den Strom"
url: https://www.helaba.com/de/vertraudlich-hanau-eine-stadt-schwimmt-gegen-den-strom
type: dd_research
language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Vertrau(d)lich
---

# Vertraudlich: Hanau - Eine Stadt schwimmt gegen den Strom

Vertraudlich 23. September 2026 © Helaba | Research | 23. September 2026 1 von 2 Helaba Research Hanau – Eine Stadt schwimmt gegen den Strom Als Ökonomin arbeite ich jeden Tag mit vielen Daten. Eine Zahl hat mich in den letzten Wochen aber besonders erschreckt: in einer Befragung für den Beamtenbund gaben 79 % der Bundesbürger an, dass sie den Staat angesichts der Fülle seiner Aufgaben und Probleme für überfordert halten. Dem Staat begegnen die Bürgerinnen und Bürger vor allem auf kommunaler Ebene. Die meisten Kontakte mit der Verwaltung finden hier statt. Denn in den Städten, Gemeinden und Landkreisen wer- den viele öffentliche Aufgaben wahrgenommen, vom Einwohnermeldewesen über die Bau- und Verkehrsplanung bis hin zu den Schwimmbädern. Angesichts der immensen Bedeutung der Kommunen sollten uns die massiven Defizite zu denken geben, die der- zeit in den kommunalen Haushalten zutage treten. Letztes Jahr lag das Minus bundesweit bei fast 32 Mrd. Euro. Selbst in Hessen, einem der wohlhabenderen Länder, lag der gemeindliche Finanzierungssaldo bei fast -3 Mrd. Euro, das sind 475 Euro je Einwohner. Zum Vergleich: das kommunale Defizit betrug deutschlandweit „nur“ etwa 385 Euro pro Kopf. Doch der negative Durchschnitt darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer wieder auch Orte gibt, in de- nen die Finanzlage ein bisschen besser aussieht. Hanau ist ein Beispiel dafür. Im Jahr 2025 konnte die Stadt ei- nen Überschuss von 2,6 Mio. Euro erwirtschaften. Dieses kleine Polster kann Hanau auch gut gebrauchen, hat die Stadt doch zum 1. Januar den Main-Kinzig-Kreis verlassen und ist nunmehr die kleinste der sechs kreisfreien Städte in Hessen. Bedingung für die Auskreisung war, dass Hanau die Schwelle von 100.000 Einwohner überschritten hatte. Doch selbst damit bleibt die Stadt deut- lich unter der durchschnittlichen Einwohnergröße von rund 288.000 für die kreisfreien Städte in Hessen. Die Hoffnung ist, dass die Stadt nun vieles vor Ort schneller und besser regeln kann. Mehr Bürgernähe, mehr kommunalpolitischer Spielraum. Aus ökonomischer Perspektive gibt es Gründe, die das untermauern: vor Ort weiß man genauer, was benötigt wird. Klare Präferenzen und der Wettbewerb mit anderen können helfen, effizien- ter zu werden. Doch die Eigenständigkeit geht auch mit mehr Verwaltungsaufwand einher. Neue Ämter müssen geschaffen wer- den, früher zentral erbrachte Leistungen sind nun auf andere Stellen verteilt. Auch hier kennt die Ökonomie Argu- mente, die für größere Verwaltungseinheiten sprechen. Vor allem Skaleneffekte durch den technischen Fort- schritt in der Digitalisierung erlauben Synergien in der Verwaltung zu heben. Und durch KI dürfte der Zentralisie- rungsdruck weiter steigen. Zudem treten bei kleineren Kommunen schneller externe oder sog. Spill-over-Effekte auf, wenn benachbarte Orte in irgendeiner Form tangiert werden. Die regionalen Verflechtungen haben in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, sei es für das Arbeiten, das Einkaufen oder die Freizeitgestaltung. Selten passen die teils jahrhun- dertealten Gebietsgrenzen zu den heutigen Mobilitätsmustern, ganz zu schweigen von den zukünftigen Heraus- forderungen, die sich beispielsweise durch die Demografie oder steigende Anforderungen an die Leistungsfähig- keit der Verwaltung ergeben. Vertraudlich © Helaba | Research | 23. September 2026 2 von 2 Dies hatte in der Vergangenheit bereits eine klare Ent- wicklung in Gang gesetzt: die Zahl politisch selbst- ständiger Gemeinden sank, größere kommunale Ein- heiten wurden gebildet. In der Nachkriegszeit gab es allein in Westdeutschland über 24.000 Gemeinden. Im Zuge kommunaler Gebietsreformen in vielen Bundes- ländern in den 1970er Jahren wurde diese Zahl deut- lich reduziert. Auch in den neuen Bundesländern gab es nach 1990 zahlreiche Kommunalreformen. Zum Teil dauern diese Reformvorhaben bis in die heu- tige Zeit an, auch in einigen westdeutschen Bundes- länder. Doch zuletzt sind die Widerstände gegen Ge- meindefusionen größer geworden. Trotzdem ist die Zahl der Gemeinden in Deutschland auf derzeit etwas über 10.000 gesunken. Hessen war Teil dieser Entwick- lung. Hier schrumpfte die Zahl der Gemeinden und Städte von über 2.650 Anfang der 70er Jahre auf zuletzt 421 sowie 21 Landkreise. Im Bundesdurchschnitt liegen die hessischen Gemeinden gemessen an ihrer Einwohner- größe auf Platz 3. Ist die Selbstständigkeit Hanaus nun ein Schritt in die falsche Richtung, gar eine Trendumkehr? Wie so häufig wird es darauf ankommen, wie diese Reform in der langfristigen Perspektive umgesetzt wird. Den zusätzlichen Verwaltungsaufwand will die Stadt im Zaum halten, indem sie in einigen Bereichen weiter mit dem Landkreis ko- operiert. Und wenn es Hanau schafft, den neu gewonnenen Spielraum zu nutzen, um lokale Prosperität zu entfal- ten, könnte die Rechnung sogar aufgehen. Das wäre dann auch ein wichtiger Schritt gegen die wahrgenommene Überforderung des Staates. Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stephan Brand Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 0 69/91 32-20 24 research@helaba.de http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/ Immer weniger hessische Gemeinden Anzahl der Gemeinden\* in Hessen nach Gemeindestatistik \*inkl. kreisfreier Städte Quellen: Hessen Statistik, Helaba Research 2.642 1.233 423 421 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 1969 1972 1977 2026 Gebietsreformen

Eine Mehrheit der Deutschen hält den Staat für überfordert. Deshalb lohnt der Blick auf die kommunale Ebene. Trotz bundesweiter Kommunaldefizite schreibt Hanau schwarze Zahlen und setzt auf mehr Eigenständigkeit. Kann die neue Kreisfreiheit zum Erfolgsmodell werden oder überwiegen die Vorteile größerer Verwaltungseinheiten?
