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title: "Im Fokus Deutschland: Die Boomer gehen in die Rente"
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type: dd_research
language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Deutschland: Die Boomer gehen in die Rente

Im Fokus: Länder 14. September 2026 © Helaba | Research | 14. September 2026 1 von 4 Helaba Research Deutschland: Die Boomer gehen in die Rente Deutschland ist am demografischen Wendepunkt angelangt. Die Erwerbsbevölkerung wird künf- tig deutlich stärker als die Gesamtbevölkerung schrumpfen – mit spürbaren Folgen für Arbeits- markt, Sozialversicherungssysteme und den Wohlstand pro Kopf. Die Künstliche Intelligenz könnte sich als Produktivitätstreiber und potenzieller „Retter in der Not“ erweisen. Als die Titanic in der Nacht des 14. April 1912 mit einem Eisberg kollidierte, ging sie nicht sofort unter. Zwischen dem Zusammenstoß und dem endgültigen Untergang lagen meh- rere Stunden. Obwohl die Gefahr längst bestand, erkannten viele Passagiere nicht den Ernst der Lage. Zahlreiche Rettungsboote verließen das Schiff mit deutlich weniger Men- schen an Bord, als sie hätten aufnehmen können. Die Zeit, die noch für Gegenmaßnahmen zur Verfügung stand, wurde nicht konsequent genutzt. Die demografische Entwicklung in Deutschland weist Parallelen zu diesem Ereignis auf. Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftler, Ökonomen und Demografen vor den Folgen einer alternden Gesellschaft und dauerhaft niedriger Geburtenraten. Die grundlegenden Trends sind seit Langem bekannt: Steigende Lebenserwartung, sinkende Geburtenzahlen und der Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. Dennoch wurden die Herausforderungen oft als langfristiges Problem wahrgenommen und nicht mit der notwendigen Dringlichkeit behandelt. Heute werden die Auswirkungen in der Wirtschaft zunehmend spürbar. Der Fachkräftemangel verschärft sich, die sozialen Sicherungssysteme geraten unter Druck und immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Rentner aufkommen. Deutschland befindet sich damit in einer Situation, in der die Folgen einer Entwicklung deut- lich werden, die seit Jahrzehnten vorhersehbar war. In dieser Studie analysieren wir, wie sich der demografische Wandel schon jetzt auf die deutsche Wirtschaft auswirkt, was in den kommenden Jahren passieren wird und wel- che Rolle die Künstliche Intelligenz dabei spielen könnte. Simon Azarbayjani Konjunktur Deutschland und Eurozone T 069/91 32-79 76 Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research | 14. September 2026 2 von 4 Geburtenstärkste Jahrgänge vor der Rente In Deutschland waren 1955 bis 1969 die geburtenstärksten Jahrgänge. Die Menschen, die in diesem Zeitraum ge- boren wurden, sind heute also zwischen 56 und 71 Jahre alt. Damit sind sie bereits in Rente oder werden sich etwa in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand verabschieden. Dies an sich stellt zunächst kein de- mografisches Problem dar. Da jedoch die jüngeren Jahrgänge in Deutschland weniger stark vertreten sind, schrumpft die Erwerbsbevölkerung – also die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Das Sozi- alversicherungssystem wird demnach aus immer we- niger Beitragszahlern und immer mehr Leistungsemp- fängern bestehen. Dieses Ungleichgewicht ist nicht nachhaltig – weder mathematisch noch politisch. Wie stark das Arbeitsvolumen in den nächsten Jahr- zehnten abnehmen wird, ist noch nicht gewiss, da schwer zu prognostizieren ist, wie viele Arbeitsstun- den künftig pro Beschäftigten geleistet werden. Was jedoch schon heute recht gut geschätzt werden kann, ist die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter. Diese lag 2025 bei knapp 54 Millionen. Sie dürfte 2050 laut Vorausberechnung des Statistischen Bundesamts – unter moderaten Annahmen1 – nur noch bei knapp 48 Millio- nen liegen. Dieser Rückgang von über 10 % zieht sich zwar über 25 Jahre, aber die Verknappung der Arbeits- kräfte wird dennoch stark spürbar sein – schließlich wird dann jeder zehnte Mitarbeiter in Deutschland fehlen. Besonders in den nächsten zehn Jahren, in denen die Boomer in Rente gehen, ist der Rückgang besonders ausgeprägt. Bis 2035 wird die Zahl der Erwerbsper- sonen durchschnittlich um rund 350 Tausend pro Jahr ab- nehmen. Schon im laufenden Jahr wird das Defizit etwa 375 Tausend betragen und 2027 fast 400 Tausend. Zwar könnte die geringere Zahl der Erwerbspersonen durch mehr Arbeitsstunden pro Per- son kompensiert werden, doch diese entwickeln sich seit meh- reren Jahrzehnten in einem leichten Negativtrend, weshalb dies eher unrealistisch ist. Das Arbeitsvolumen wird also höchstwahrscheinlich abnehmen. Wenn das geringere Arbeitsvolumen nicht durch eine höhere Produktivität überkompensiert wird, dürfte das Bruttoinlandsprodukt langfristig schrumpfen. Angenommen, die Produktivität der Beschäftigten würde gleichbleiben, wird das Sozialprodukt schrumpfen. Wenn die Bevölkerung im gleichen Umfang zurückgehen würde, folgt daraus, dass das BIP pro Kopf unverändert bleibt. 1 Jeweils mittlere Annahme für Geburten, Lebenserwartung und Wanderungssaldo. Eine moderate Nettozuwanderung von 250.000 pro Jahr ist dabei unterstellt. Hohe Geburtenzahl in den 50er und 60er Jahren Mio. Quellen: Macrobond, Helaba Research Starker Rückgang der Erwerbspersonen in den nächsten 10 Jahren Tsd. Mio. \*nach der Bevölkerungsvorausberechnung (jeweils mittlere Annahme für Geburten, Lebenserwartung und Wande- rungssaldo), Personen im Alter von 15-65 Jahren Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 2026 2028 2030 2032 2034 2036 2038 2040 2042 2044 2046 2048 2050 Erwerbspersonen\* (rechte Skala) Defizit (linke Skala) Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research | 14. September 2026 3 von 4 Doch im betrachteten Zeitraum wird die Bevölkerung weniger stark zurückgehen als die Zahl der Erwerbsper- sonen. Die Bevölkerung wird voraussichtlich2 von knapp 83,5 Millionen Personen 2025 auf 79,25 Millionen Men- schen im Jahr 2050 abnehmen. Die Differenz von etwa 4,25 Millionen entspricht einem Rückgang von rund 5 %. Das bedeutet also, dass die Bevölkerung um etwa 5 % schrumpft, während die Zahl der Erwerbspersonen unge- fähr doppelt so stark abnimmt. Ohne ausreichend Produktivitätswachstum wird dies auf einen Wohlstandsverlust (pro Person) hinauslaufen. Heute schon erste Anzeichen Im laufenden Jahr ist schon ein hohes Defizit der Er- werbspersonen in den Daten zu erkennen. Neben di- versen Zeitungsartikeln mit der Überschrift „Stellen- abbau bei Unternehmen XY“ bestätigt auch die amtli- che Statistik, dass die Beschäftigungszahlen abneh- men. Der Rückgang hat zwar teils mit Entlassungen zu tun, doch primär liegt es daran, dass viele Arbeitneh- mer in den Ruhestand gehen. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres ist die Zahl der Be- schäftigten um 130 Tausend gesunken. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Arbeitslosen nur um 17 Tausend. Die Differenz sind Personen, die nun kei- ner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen – überwiegend dürften dies Rentner sein. Der Großteil des Stellenabbaus betrifft also Beschäftigte, die sich in den Ruhestand verabschieden und deren Position nicht wieder besetzt wird. KI als Retter in der Not? Methoden wie gezielte Fachkräftezuwanderung oder die Erhöhung der Arbeitsstunden pro Person reichen nicht aus, um den Rückgang der Erwerbspersonen zu kompensieren, denn der demografische Effekt ist zu stark. Ohne Produktivitätsgewinne drohen Deutschland damit Wohlstandsverluste. Da kommt eine mögliche KI-Revolution3 wie gerufen. Aktuell wird die Künstliche Intelligenz oft als disruptive Technologie gesehen, die dazu führen kann, dass viele Leute ihren Arbeitsplatz verlieren. Doch sie könnte sich eher als notwendige Technologie erweisen, die für Produktivitätswachstum sorgen wird, um das sinkende Arbeitsvolumen für Unternehmen bzw. die Volkswirt- schaft als ganzes auszugleichen. Während sich viele Arbeitnehmer aktuell Sorgen machen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, werden Arbeitgeber sie in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zunehmend als knappes und somit wertvolles Gut betrachten. Dennoch wird es individuelle „Verlierer“ geben, da sich die KI sektoral unterschiedlich auswirkt. In der Summe ist zu erwarten, dass Beschäftigte durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden müssen. Dabei ist es wahrscheinlich, dass Unternehmen sich darauf fokussieren werden, solche Arbeitnehmer zu ersetzen, „die sowieso gehen“ (und zwar in Rente), und nicht jene, die noch mehrere Jahre arbeiten wollen – von denen es immer weniger geben wird. 2 Nach der gleichen Variante der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes mit jeweils der mittleren Annahme für Geburten, Lebenserwartung und Wanderungssaldo. 3 Unsere Studie zu den verschiedenen Szenarien der KI-Revolution und potenziellen Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt finden Sie hier Jetzt geht’s los Saisonbereinigt, Veränderung gg. Dezember 2025, Tsd. Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research | 14. September 2026 4 von 4 Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

In den nächsten 10 Jahren wird die Zahl der Erwerbspersonen stark zurückgehen. Ohne Produktivitätswachstum sind Wohlstandsverluste zu erwarten. KI könnte sich als „Retter in der Not“ erweisen.
