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title: "Gala mit Alltagshelden"
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updated: 2026-09-28
keywords: Kapitalmärkte im Überblick, Kapitalmarktausblick
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# Gala mit Alltagshelden

Helaba Volkswirtschaft/Research Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Dezember 2009 Herausgeber: Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale Volkswirtschaft/Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Produktionsassistenz: Tina Eidam MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58, 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-20 24, Telefax 0 69/91 32-22 44 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Editorial Sehr geehrte Leserinnen und Leser, was für eine bewegte Zeit liegt hinter uns! Es begann als Drama und scheint nun doch ein gutes Ende zu nehmen. Um es in der Filmsprache auszudrücken: Ganz großes Kino. Denn die Dreh- buchautoren haben es geschafft, gleich mehrere Filmkategorien unterzubringen. Im Umfeld der Lehman-Pleite im Herbst 2008 konnte man dann kaum noch von Drama oder Thriller sprechen, es war eher ein Horror-Film. Die meisten von uns hätten sich sicherlich ge- wünscht, es wäre nur Science Fiction gewesen. Im weiteren Verlauf der Krise gab es so viel geld- und fiskalpolitische Action wie nie zuvor. Doch was wird 2010 gespielt? Welches Programm können wir erwarten und welcher Film wird vom Publikum den größten Zuspruch erhalten? Wie in jedem Jahr haben wir drei mögliche Szena- rien für den Kapitalmarktausblick erarbeitet. Entsprechend dem diesjährigen Thema „Film“ bieten wir Ihnen drei Titel an: „Titanic“, „Zurück in die Zukunft“ und „Columbo“. Und wir haben auch einen ganz klaren Favoriten. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent erwarten wir, dass sich „Columbo“ im kommenden Jahr zum Kassenschlager an den Kapitalmärkten entwickeln wird. Lieutenant Inspector Columbo ist ein Alltagsheld, und so ergibt sich auch der Titel für unseren diesjährigen „Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden“. Große Gesten und Auftritte sind nicht seine Welt. Die Spannung ergibt sich aus den Details, die häufig eine überraschende Wendung mit sich bringen. So sieht unser Drehbuch vor, dass sich in der ersten Jahreshälfte die konjunkturellen Kräfte weiter beschleunigen. Dies eröffnet Raum für zunehmenden Optimismus an den Kapitalmärkten. Schließlich sind die meisten Marktakteure derzeit immer noch sehr skep- tisch, was die Nachhaltigkeit des Wirtschaftswachstums anbelangt. Dabei wird aber übersehen, dass der Investitionszyklus anspringt. Trotzdem gibt es kein Zurück in die Zeit vor der Finanzkri- se. Strukturelle Belastungen werden im Laufe des Jahres 2010 die konjunkturelle Dynamik etwas bremsen. Aber da es Columbo am Ende trotz einiger Stolpersteine immer wieder gelingt, die rich- tige Spur zu verfolgen, ist auch der Ausblick für 2010 in der Summe positiv zu sehen. Columbo wird vermutlich nicht nur im nächsten Jahr gespielt werden. Schließlich handelt es sich um eine Serie. Ganz wie bei Columbo wird alles etwas gemächlicher und auch weniger glamourös sein, dafür aber nachhaltig. Für die kommenden Jahre rechnen wir eher mit einem moderaten Trendwachstum der Weltwirtschaft. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 3 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Aus der Kategorie Drama bieten wir „Titanic“ an. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Film sich durchsetzen wird, halten wir mit 10 Prozent für gering. In diesem Fall wären die sich derzeit ent- wickelnden zyklischen Kräfte nichts mehr als das letzte Aufbäumen des Rumpfes, bevor das Schiff in die Tiefe gezogen wird. Die fortgesetzten expansiven geld- und fiskalpolitischen Maß- nahmen wären nichts anderes, als das verzweifelte Pumpen auf dem bereits sinkenden Schiff. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent sehen wir „Zurück in die Zukunft“ in der Gunst des Publikums auf Platz 2. Es klingt derzeit noch wie Science Fiction, aber auch die positiven kon- junkturellen Kräfte sollte man nicht unterschätzen. Genauso, wie sich 2007 kaum jemand vorstel- len konnte, dass die Weltwirtschaft in die stärkste Rezession der Nachkriegszeit stürzen wird, so ist auch jetzt nicht auszuschließen, dass die zyklischen Antriebskräfte über das erste Halbjahr hinaus anhalten und die strukturellen Schwachstellen rasch ausheilen. Ich wünsche Ihnen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2010, sowie spannende Unterhaltung. Anbei finden Sie das Programmheft. Ihre Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/Leitung Research Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 4 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Zusammenfassung Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 5 Die Weltwirtschaft startet sehr schwungvoll ins neue Jahr. Dies eröffnet Raum für zuneh- menden Optimismus an den Kapitalmärkten. Die Unternehmen in den USA wie auch in Deutschland sind vergleichsweise solide aufgestellt, so dass der Investitionszyklus anspringen wird. Im Jahresverlauf 2010 dürfte aber die sich entfaltende Euphorie einer gewissen Ernüch- terung weichen. Als Reaktion auf die Finanzkrise und die durch sie akzentuierten Struktur- probleme pendelt sich das Trendwachstum der meisten Volkswirtschaften auf einem niedrige- ren Pfad ein. Das globale Wachstum wird preisbereinigt bei rund 3 ½ % liegen. Unter den großen Notenbanken wird die Fed im zweiten Quartal 2010 beginnen, den Leitzins nach oben zu schleusen. Dann sollte endgültig Gewissheit bestehen, dass sich die konjunkturelle Lage gefestigt hat und ein Krisenzins nahe 0 % nicht mehr angemessen ist. Im dritten Quartal leitet auch die EZB ihre geldpolitische Wende ein. Inflation: Obwohl sich die US-Wirtschaft ebenso wie die Eurozone wieder auf Wachstums- kurs befindet, dämpft vorerst noch die hohe Unterauslastung der Produktionskapazitäten die Kernteuerungsraten. Allerdings wird die Gesamtteuerung aufgrund von Basiseffekten sowie des anziehenden Ölpreises 2010 in den USA um 2 % zulegen, im Euroraum um rund 1 ½ %. Euro: Die sehr expansive Geldpolitik lastet vor allem auf dem US-Dollar. Aufgrund der ex- trem niedrigen Geldmarktzinsen dient der Greenback derzeit als Finanzierungswährung in Carry Trades. Folglich setzt eine nachlassende Risikoaversion die US-Währung unter Druck. Die Beziehung zwischen Risikoneigung und EUR-USD dürfte sich wieder auflösen, wenn eine geldpolitische Wende der Federal Reserve in Aussicht steht. Der Euro-Dollar-Kurs dürfte bis zur Jahresmitte auf 1,30 zurückgehen. Unterstützt wird diese Kursbewegung von einer höheren Konjunkturdynamik in den USA sowie einer, gemessen an der Kaufkraftparität, sehr günstigen Bewertung des US-Dollar. Da die EZB im dritten Quartal den geldpolitischen Kurswechsel einleitet, dürfte der Greenback seine Gewinne im zweiten Halbjahr teilweise wieder abgeben und der Euro-Dollar-Kurs bis Ende 2010 auf 1,40 ansteigen. Rentenmärkte: Die Renditen 10-jähriger Bunds werden im ersten Halbjahr 2010 ihr zykli- sches Hoch im Bereich bei rund 4 % ausbilden. Die Inflationserwartungen werden im Zuge der Konjunkturerholung steigen, zumal die Teuerung im Euroraum weiter anzieht. Im zweiten Halbjahr wird das Chance-Risiko-Verhältnis für Renten wieder günstiger sein. Die Verzin- sung 10-jähriger Staatsanleihen in den USA und im Euroraum bewegt sich Ende 2010 unter der 4 %-Marke. Aktienmärkte: Aktien haben 2009 zwar bereits einen Großteil der typischerweise zu erwar- tenden zyklischen Erholung vollzogen. Das Kurspotenzial ist jedoch noch nicht ausgeschöpft. Verglichen mit Staats- und Unternehmensanleihen sind Aktien noch immer günstig. Zudem rechtfertigen die verbesserten Gewinnperspektiven der Unternehmen eine Bewertungsexpan- sion. Wir taxieren den fairen Wert für den DAX auf den Bereich um 6.500 Punkte. Erst im späteren Jahresverlauf wird bei dann wieder nachlassenden zyklischen Impulsen die Luft allmählich dünner. Der DAX dürfte sich dann wieder der 6.000-Punkte-Marke annähern. Szenario Wahrschein- lichkeit BIP Preise Euro Renten- markt Aktien- markt Columbo 70% Autoren: Dr. Gertrud R. Traud Christian Apelt Barbara Bahadori Ulrike Bischoff Marion Dezenter Patrick Franke Ulf Krauss Dr. Stefan Mütze Heinrich Peters Ulrich Rathfelder Markus Reinwand Claudia Windt Telefon: 0 69/91 32-20 24 research@helaba.de Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Inhalt Seite Editorial 3 Zusammenfassung 5 1 Rückblick 2009 mit Kassensturz 8 2 Helaba Kapitalmarktszenarien und -prognosen 9 2.1 Hauptszenario: Columbo (70 %) 10 2.1.1 Szenario und Prognosen 10 2.1.2 Kapitalmarktprognosen des Hauptszenarios in Zahlen 11 2.1.3 Asset Allocation 12 2.2 Alternativszenario: Zurück in die Zukunft (20 %) 13 2.2.1 Szenario und Prognosen 13 2.2.2 Asset Allocation 14 2.3 Alternativszenario: Titanic (10 %) 15 2.3.1 Szenario und Prognosen 15 2.3.2 Asset Allocation 15 3 Länderanalysen 17 3.1 USA: Aufschwung trotz Ungleichgewichten 17 3.2 Deutschland: Nach tiefem Einbruch schnell aus der Krise 18 3.2.1 Hessen: Dienstleister müssen sich bewähren 19 3.2.2 Thüringen: Industrie als konjunkturelles Brems- und Gaspedal 20 3.3 Europa sehr heterogen 21 3.3.1 Frankreich: Erfolgreich mit ausbalanciertem Wachstum 21 3.3.2 Italien: Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit bremst Aufschwung 22 3.3.3 Spanien: Vorläufiges Ende einer Erfolgsstory 23 3.3.4 Großbritannien: Aufstieg aus dem tiefen Tal 24 3.3.5 Schweiz: Geringere Schwankungen 25 3.3.6 Schweden: Euro-Einführung trotz Krise noch kein Thema 26 3.3.7 Polen: Ohne Rezession durch die Krise 27 3.3.8 Ungarn: Großreinemachen in der Wirtschaft 28 3.3.9 Tschechien: Wohl gelitten von den Märkten 29 3.3.10 Russland: Aufschwungsnachzügler 30 3.4 Asien wieder vorne 31 3.4.1 Japan: Damoklesschwert Deflation 31 3.4.2 China: Auf dem Vormarsch 32 3.4.3 Indien: Hohe Wachstumsraten 33 3.4.4 Südkorea: Starke Außenorientierung 34 3.5 Brasilien: wasserdicht 35 Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 6 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 7 4 Prognosen im Überblick 36 4.1 Bruttoinlandsprodukt und Inflation 36 4.2 Leistungsbilanz- und Budgetsalden 37 4.3 USA 38 4.4 Europa 38 4.4.1 Deutschland 38 4.4.2 Frankreich 39 4.4.3 Italien 39 4.4.4 Spanien 39 4.4.5 Großbritannien 40 4.4.6 Schweiz 40 4.4.7 Schweden 41 4.4.8 Polen 41 4.4.9 Ungarn 42 4.4.10 Tschechien 42 4.4.11 Russland 43 4.5 Asien 43 4.5.1 Japan 43 4.5.2 China 44 4.5.3 Indien 44 4.5.4 Südkorea 45 4.6 Brasilien 45 Redaktionsschluss: 19. November 2009 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 1 Rückblick 2009 mit Kassensturz Das Jahr 2009 begann so, wie 2008 aufhörte. Bis ins Frühjahr hinein waren Anlageentscheidungen durch eine ausgesprochen hohe Risikoaversion geprägt. Sicherheit stand vor Rendite. Scharenwei- se flohen die Anleger aus risikobehafteten Assets: Aktien verloren nochmals dramatisch und selbst quasi sichere Anlagen wie Pfandbriefe und auch Staatsanleihen von einzelnen EWU-Mitglieds- ländern wurden mit weiteren Risikoaufschlägen bestraft. Lediglich Staatsanleihen höchster Quali- tät, Rohstoffe und Gold sowie der US-Dollar boten die vermeintliche Sicherheit. Am Interban- kenmarkt verharrten die Risikoaufschläge auf hohem Niveau. Eine globale Depression schien in diesen Monaten greifbar nahe. Die Notenbanken waren gefordert und sie handelten. Zügig erhöhten sie den Expansionsgrad ihrer Niedrigzinspolitik, vor allem mit Hilfe quantitativer Maßnahmen. Insbesondere die Fed und die Bank of England griffen massiv in den Rentenmarkt ein und kauften Staatsanleihen auf. Eine schiere Liquiditätsflut ergoss sich über die Kapitalmärkte und zeigte Wirkung: Mit einem risikolo- sen Zins von nahe Null und einer scheinbar unbegrenzten Liquidität kehrte der Risikoappetit der Anleger zurück und mit ihm der Wunsch nach Rendite. Nahezu alle Assetklassen weisen seit Jah- resbeginn ein ansehnliches Plus aus. Lediglich die reine Liquiditätshaltung erweist sich in diesem Umfeld nun als Nachteil. Hohe Liquidität treibt nahezu alle Assetklassen Alle Assetklassen profitieren von der hohen Überschussliquidität - Wie lange noch? Indexiert 31.12.2008 = 100, in Euro Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research, Schlusskurse 19.11.2009 Anlagen am Geldmarkt schufen bis heute ein Ergebnis von nur unter 1 %. Deutsche Staatsanleihen und Pfandbriefe brachten eine Performance von 4,6 % bis 5,5 %. Sofern Euro-Unternehmens- anleihen einem Rentenportefeuille beigemischt wurden, konnten diese Werte erheblich verbessert werden. Eine Flut von neuen Unternehmensanleihen wurde 2009 emittiert und die Nachfrage der Investoren war lebhaft, die Emissionen waren teilweise mehrfach überzeichnet. Risikofreudigere Investoren mit der Möglichkeit zu Allokationen in High-Yield Bonds bzw. Wandelanleihen konn- ten sogar die Performance von Aktieninvestoren schlagen. Bei Aktien ergab sich seit dem Tief- punkt Ende des ersten Quartals ein Kursanstieg von etwa 60 %. An dieser Aufwärtsbewegung werden zwar nur die wenigsten Investoren in vollem Umfang teilgenommen haben. Aber auch seit Jahresanfang gewannen breite Indizes wie der DAX bzw. der EuroStoxx50 17 % bzw. 24 %. Mid und Small Cap Aktien erlaubten Ergebnisse von rund 40 % und die Schwellenländer lagen teilwei- se noch weit darüber. Selbst mit US-Aktien konnten in Euro-Rechnung rund 20 % erzielt werden, allein der japanische Markt blieb angesichts des schwächelnden Yen mit nur rund 7 % zurück. Rückblickend wird das Jahr 2009 damit nicht nur für deutsche Weinproduzenten, sondern auch für Kapitalanleger ein guter Jahrgang sein. Je nach Allokation sollte eine Performance von 5 % bis nahe 10 % für ausgewogen gemischte Vermögen erreicht werden - vermutlich deutlich mehr, als die meisten Anleger zu Jahresanfang erwartet hatten. 2009 insgesamt kein schlechtes Anlagejahr Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 8 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 2 Helaba Kapitalmarktszenarien und -prognosen Die Weltwirtschaft startet sehr schwungvoll ins neue Jahr. Dies eröffnet Raum für zunehmenden Optimismus an den Kapitalmärkten. Schließlich sind die meisten Marktakteure immer noch sehr skeptisch, was die Nachhaltigkeit des Wirtschaftswachstums anbelangt. Die zyklischen Kräfte speisen sich in der ersten Phase des Aufschwungs aus dem Lagerzyklus sowie einer notwendigen Anpassung nach einem drastischen Wachstumseinbruch. Darüber hinaus sind die Unternehmen in den USA wie auch in Deutschland vergleichsweise solide aufgestellt. Damit sind die Vorausset- zungen gegeben, dass der Investitionszyklus anspringt. 2010 wirken weiterhin die expansive Geld- politik sowie die umfangreichen Konjunkturpakete. Ein Rückfall in die Rezession ist deshalb un- wahrscheinlich. Das globale Wachstum wird preisbereinigt bei rund 3 ½ % liegen. Basisszenario: Ringen zwischen zykli- schen Chancen und strukturellen Risiken Dennoch sollte im Jahresverlauf 2010 die sich entfaltende Euphorie einer gewissen Ernüchterung weichen. Als Reaktion auf die Finanzkrise und die durch sie akzentuierten Strukturprobleme wird sich das Trendwachstum der meisten Volkswirtschaften auf einem niedrigeren Pfad einpendeln. Die Schwachstellen kommen erst voll zur Geltung, wenn die zyklischen Auftriebskräfte an Dyna- mik verlieren. So ist in traditionellen Schuldnerländern wie den USA, Großbritannien, Spanien oder auch Ungarn mit einem unterdurchschnittlichen Konsumwachstum zu rechnen. Im Euroraum treten die Unterschiede der Mitgliedsländer nach Jahren der Konvergenz wieder stärker zu Tage. Unserem Hauptszenario „Columbo“ messen wir mit 70 % eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit bei. Dabei erwarten wir, dass die Kapitalmarktentwicklung 2010 maßgeblich durch den Wechsel von den zyklischen Kräften zu den strukturellen Belastungen bestimmt wird. Entscheidenden Ein- fluss hat dabei die Geldpolitik: Sie muss vorerst noch mit hoher Liquidität den Erholungsprozess unterstützen. Früher oder später wird diese jedoch zurückgeführt. In unserem positiven Alternativszenario „Zurück in die Zukunft“ treten die strukturellen Schwächen in den Hintergrund, da die zyklischen Auftriebskräfte dominieren werden. Die struktu- rellen Probleme erweisen sich als weniger gravierend. Dank des kräftigen Wachstums scheinen sie wieder schnell lösbar. Mit der Gewichtung von 20 % bringen wir zum Ausdruck, dass wir dies für wahrscheinlicher halten als das negative Alternativszenario „Titanic“, in dem die Weltwirtschaft nicht über ein konjunkturelles Strohfeuer hinauskommt und sich „japanische Verhältnisse“ mani- festieren. Diesem Szenario weisen wir mit 10 % eine relativ geringe Eintrittswahrscheinlichkeit zu. Alternativszenarien Investmentszenarien 2010: Gala mit Alltagshelden Wahrschein- lichkeit BIP Inflation Euro Columbo 70% Zurück in die Zukunft 20% Titanic 10% Renten Aktien Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 9 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 2.1 Hauptszenario: Columbo (70 %) 2.1.1 Szenario und Prognosen Die erste Jahreshälfte 2010 wird durch einen starken zyklischen Aufschwung geprägt sein. Die mit der Finanzkrise einhergehenden strukturellen Probleme treten erst im weiteren Jahresverlauf stär- ker hervor. Dabei kommt jedoch der schon lange beschworene Abbau der globalen Ungleichge- wichte in Gang. Am Ende dieses Prozesses wird zwar ein geringeres, dafür aber ausgewogeneres Trendwachstum der Weltwirtschaft stehen. Die Notenbanken sammeln die geschaffene Über- schussliquidität teilweise wieder ein, was die Kapitalmarktentwicklung 2010 maßgeblich beein- flusst. Basisszenario: Die goldene Ära ist vorbei Bruttoinlandsprodukt (BIP): Die Rezession in den USA und im Euroraum ist überwunden. Nach der Konjunkturwende im Sommer 2009 fällt die Erholung in der ersten Phase sogar sehr kräftig aus. Die weltweit expansive Geldpolitik sowie die umfangreichen Konjunkturpakete sorgen für erhebliche Wachstumsdynamik. Verstärkt wird dieser Aufschwung durch einen kräftigen Lager- zyklus und den Nachholbedarf der Unternehmen nach einer extremen Investitionszurückhaltung. Mit dem Anspringen des Investitionszyklus entspannt sich wiederum die Lage am Arbeitsmarkt. Insgesamt wird sich diese Erholung als nachhaltig erweisen, d.h. es kommt im neuen Jahr nicht zu einem Rückfall in die Rezession. Als Reaktion auf die Finanzkrise und die durch sie akzentuierten Strukturprobleme wird sich das Trendwachstum jedoch auf einem niedrigeren Pfad einpendeln. Diese Schwachstellen werden erst dann sichtbar, wenn die zyklischen Auftriebskräfte im Laufe des kommenden Jahres nachlassen. Per saldo zeichnet sich für 2010 ein BIP-Wachstum von knapp 3 % in den USA und etwa 2 % im Euroraum ab. In den USA dürften der Schuldenabbau sowie eine höhere Ersparnis den Konsumausgaben Grenzen setzen. Im Euroraum treten die Unterschiede der Mitgliedsländer nach Jahren der Konvergenz wieder stärker zu Tage. So wird Spanien auf- grund seiner Strukturprobleme nicht annähernd an die deutschen Wachstumsraten heranreichen. Zyklische Impulse lassen im Laufe von 2010 nach Unter den großen Notenbanken wird die Fed im zweiten Quartal 2010 beginnen, den Leitzins nach oben zu schleusen. Dann sollte endgültig Gewissheit bestehen, dass sich die konjunkturelle Lage gefestigt hat und ein Krisenzins nahe 0 % nicht mehr angemessen ist. Im dritten Quartal leitet auch die EZB ihre geldpolitische Wende ein. Ein neutrales Zinsniveau in beiden Wirtschaftsräumen ist allerdings nicht vor 2011/2012 zu erwarten. Inflation: Obwohl sich die US-Wirtschaft ebenso wie die Eurozone wieder auf Wachstumskurs befindet, dämpft vorerst noch die hohe Unterauslastung der Produktionskapazitäten die Kernteue- rungsraten (ohne Lebensmittel und Energie). Bevor sich der Preiserhöhungsspielraum der Unter- nehmen spürbar vergrößert, wird noch etwas Zeit vergehen. Allerdings wird die Gesamtteuerung aufgrund von Basiseffekten sowie des anziehenden Ölpreises 2010 wieder im positiven Bereich liegen. In den USA legen die Verbraucherpreise um 2 % zu, im Euroraum um rund 1 ½ %. Euro: Die sehr expansive Geldpolitik lastet vor allem auf dem US-Dollar. Aufgrund der extrem niedrigen Geldmarktzinsen dient der Greenback derzeit als Finanzierungswährung in Carry Tra- des. Folglich setzt eine nachlassende Risikoaversion die US-Währung unter Druck. Langfristig besteht allerdings kein stabiler Zusammenhang zwischen der Risikoneigung und dem Euro-Dollar- Kurs. Diese Beziehung dürfte sich somit auch wieder auflösen, wenn eine geldpolitische Wende der Federal Reserve in Aussicht steht. Erfahrungsgemäß wertet der US-Dollar vier bis sechs Mo- nate im Vorfeld einer ersten Zinsanhebung auf. Die Zinsdifferenzen bewegen sich nun zu Gunsten der US-Währung. Auflösungen von Carry Trades werden dann die Dollar-Aufwertung verstärken. Der Euro-Dollar-Kurs dürfte bis zur Jahresmitte auf 1,30 zurückgehen. Unterstützt wird diese Kursbewegung von einer höheren Konjunkturdynamik in den USA sowie einer, gemessen an der Kaufkraftparität, sehr günstigen Bewertung des US-Dollar. Da die Europäische Zentralbank im dritten Quartal den geldpolitischen Kurswechsel einleitet, dürfte der Greenback seine Gewinne im Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 10 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden zweiten Halbjahr teilweise wieder abgeben und der Euro-Dollar-Kurs bis Ende 2010 auf 1,40 ansteigen. Rentenmärkte: Die Renditen 10-jähriger Bunds werden im ersten Halbjahr 2010 ihr zyklisches Hoch im Bereich bei rund 4 % ausbilden. Bislang wurde die Konjunkturerholung vom Renten- markt weitgehend ignoriert, wohl auch infolge der bei Anleiheinvestoren traditionell stärker aus- geprägten Konjunkturskepsis. Deren Fundament dürfte jedoch sichtbare Risse bekommen. In die- sem Zuge werden die Inflationserwartungen ansteigen, zumal die Teuerung im Euroraum weiter zulegt. Den Notenbanken bleibt in diesem Umfeld nichts anderes übrig, als ihre Exit-Strategien voranzutreiben. Mit zunehmender Gewissheit, dass die EZB im zweiten Halbjahr an einer Zins- wende nicht vorbei kommt, bleibt das Rückschlagsrisiko bei Renten bis zur Jahresmitte relativ hoch. Im zweiten Halbjahr wird das Chance-Risiko-Verhältnis günstiger sein. Die Steilheit der Zinsstrukturkurve sollte spürbar abnehmen, da die Wachstumsperspektiven für 2011 überschaubar sind und sich der Verbraucherpreisanstieg nicht weiter beschleunigt. Die Verzinsung 10-jähriger Staatsanleihen in den USA und im Euroraum bewegt sich Ende 2010 unter der 4 %-Marke. Aktienmärkte: Aktien haben 2009 zwar bereits einen Großteil der typischerweise zu erwartenden zyklischen Erholung vollzogen. Das Kurspotenzial ist jedoch noch nicht ausgeschöpft. So zeigt der Vergleich mit früheren zyklischen Bullenmärkten, dass Dividendentitel in solchen Phasen sehr eng an den Konjunkturverlauf gekoppelt sind. Während am unteren Wendepunkt der DAX durch- schnittlich vier Monate vor dem ifo-Geschäftsklimaindex nach oben drehte, vollzog sich die Trendumkehr am oberen Wendepunkt in der Vergangenheit nahezu zeitgleich. Da die konjunktu- relle Zuversicht in der ersten Jahreshälfte hoch sein wird, dürften die Notierungen an den Aktien- märkten zunächst weiter steigen. Zwar sind Dividendentitel nach der Rally der vergangenen Mo- nate derzeit nicht mehr zu Schnäppchenpreisen zu haben. Verglichen mit Staats- und Unterneh- mensanleihen sind sie aber noch immer günstig. Zudem rechtfertigen die verbesserten Gewinnper- spektiven der Unternehmen eine Bewertungsexpansion. Wir taxieren den fairen Wert für den DAX auf den Bereich um 6.500 Punkte. Die noch immer überdurchschnittlich dicken Liquiditätspolster sollten in der ersten Jahreshälfte 2010 verstärkt in die Aktienmärkte fließen: Zum einen sind viele Anleger zu defensiv positioniert, zum anderen mangelt es an attraktiven Anlagealternativen. Erst im späteren Jahresverlauf wird bei dann wieder nachlassenden zyklischen Impulsen die Luft all- mählich dünner. Der DAX dürfte sich dann wieder der 6.000-Punkte-Marke annähern. 2.1.2 Kapitalmarktprognosen des Hauptszenarios in Zahlen aktueller Stand\* Q1/2010 Q2/2010 Zinsen USA Federal Funds Rate 0,25% 0,25% 0,75% 3-Monats-US-Libor 0,27% 0,60% 1,10% 10-jähr. Treasuries 3,36% 4,00% 4,10% Zinsen Eurozone EZB Mindestbietungssatz 1,00% 1,00% 1,00% 3-Monats-Euribor 0,72% 1,00% 1,30% 10-jähr. Bundesanleihen 3,30% 3,90% 4,00% Währungen US-Dollar je Euro 1,49 1,35 1,30 Aktien DAX 5782 6300 6500 Q3/2010 Q4/2010 1,25% 1,75% 1,70% 2,00% 4,00% 3,90% 1,50% 2,00% 1,80% 2,20% 3,80% 3,80% 1,35 1,40 6300 6100 \* 19.11.2009 Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 11 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 2.1.3 Asset Allocation Auch 2010 wird für eine aussichtsreiche Verteilung der Mittel auf die verschiedenen Anlageklas- sen die adäquate Einschätzung des fundamentalen Umfelds von besonderer Bedeutung sein. Aus- wahl, Richtung und Intensitäten der relevanten Faktoren sind mit Blick auf den Anlageerfolg in- zwischen aber nicht mehr so augenscheinlich wie während der extremen Lagen in 2008 bzw. 2009. Bekanntlich sind Überrenditen bei typischen Risikopapieren im Bereich von Konjunkturtälern besonders hoch und somit auch die Übergewichtung von Aktien am erfolgversprechendsten. Da wir davon ausgehen, dass die erste und zweite Jahreshälfte 2010 sich stark unterscheiden werden, empfehlen wir einen Favoritenwechsel etwa zur Jahresmitte. Entsprechend bieten sich auch zwei zeitlich gestaffelte Asset Allocation an. Erhöhte Flexibilität angesagt Allokationsempfehlung 2010: Favoritenwechsel zur Jahresmitte annualisierte Performance seit 1975, % stilisierte Vormonatsveränderung Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 30 Phase I Phase II Phase III Phase IV Aktien (DAX) Renten (REX) Geldmarkt OECD-Frühindikator Europa (rechte Skala) + - 0 H1/2010 H2/2010 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 30 Phase I Phase II Phase III Phase IV Aktien (DAX) Renten (REX) Geldmarkt OECD-Frühindikator Europa (rechte Skala) + - 0 H1/2010 H2/2010 Für die taktische Asset Allocation im ersten Halbjahr 2010 dürfte die dann erreichte Phase im Konjunkturzyklus noch vor wahrscheinlich wieder höheren Kursvolatilitäten, anziehenden Inflati- onserwartungen und nicht mehr ganz so expansiver Geldpolitik tonangebend sein. Die Wachs- tumserwartungen werden zwar an Dynamik verlieren, aber Dividendenpapieren gegenüber Fest- verzinslichen immer noch eine hinreichende relative Attraktivität verleihen. Entsprechend sollte mit einer normalen Übergewichtung von Aktien zu Lasten von Renten das Jahr 2010 begonnen werden. Bei der Liquidität und Rohstoffen empfehlen sich in diesem Umfeld aus heutiger Sicht im Übrigen keine größeren Wetten. Aktien zunächst im Vorteil Portfolioempfehlungen für das 1. Halbjahr 2010 nach Risikoneigung Portfoliostrukturen in % BM PF Δ BM BM PF Δ BM BM PF Δ BM 0,8 12,3 11,4 -0,9 3,1 8,6 9,7 1,1 10,7 7,2 13,4 6,2 11,9 9,0 0,0 -9,0 10,6 7,9 0,0 -7,9 3,5 25,0 29,7 4,7 4,8 10,0 16,6 6,6 1,2 5,0 3,3 -1,7 1,8 5,0 7,5 2,5 1,1 5,0 3,4 -1,6 Liquidität 3M EUR 5,0 5,0 0,0 5,0 5,0 0,0 5,0 5,0 0,0 t Spekulativ Renten 1-3j. 20,5 23,1 2,6 16,4 17,2 3-5j. 14,4 19,6 5,2 11,5 14,6 5-7j. 12,0 27,2 15,2 9,6 20,3 7-10j. 14,9 0,0 -14,9 11,9 0,0 - &gt; 10j. 13,2 0,0 -13,2 10,6 0,0 - Aktien Euro Stoxx 50 20,0 25,2 5,2 17,5 21,0 S&amp;P 500 7,0 11,8 Nikkei 225 3,5 2,3 - FTSE 100 3,5 5,3 SMI 3,5 2,4 - Konservativ Risikobewuss BM=Benchmark, PF=Portfolio, ΔBM=Abweichung von der Benchmark Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 12 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Nach einem dann etwa fünfzehn Monate währenden deutlichen Ertragsvorteil von Aktien dürften Renten im zweiten Halbjahr 2010 eher wieder die Nase vorn haben. Zwar werden die Rendite- chancen bei Festverzinslichen nicht sonderlich ausgeprägt sein. Idealtypischerweise wird sich das Chance-Risiko-Verhältnis von Aktien aber wesentlich schlechter darstellen als von Renten. Da die strukturellen Verwerfungen bei nicht mehr so günstigen Wachstumsperspektiven wahrscheinlich wieder stärker zu Tage treten werden, dürfte der Risikoappetit der Anleger nach einem für das erste Halbjahr zu erwartenden vorläufigen Höhepunkt auch wieder spürbar nachlassen. Es wird daher empfehlenswert sein, zum Sommer 2010 hin Renten allmählich zu Lasten von Aktien über- zugewichten. Wobei kurze Laufzeiten aufgrund der Zinswende in den USA und im Euroraum zunächst gemieden werden sollten. Bei erhöhtem Schwankungsrisiko verlieren auch Rohstoffe im späteren Jahresverlauf an Attraktivität, so dass hier eine leicht unter dem Normalmaß liegende Dotierung ab der Jahresmitte ratsam sein wird. Günstiges Chance- Risiko-Verhältnis bei Renten im 2. Halbjahr Portfolioempfehlungen für das 2. Halbjahr 2010 nach Risikoneigung Portfoliostrukturen in % BM PF Δ BM BM PF Δ BM BM PF Δ BM 16,4 12,3 0,0 -12,3 1,5 8,6 10,7 2,1 8,5 7,2 14,8 7,6 9,9 9,0 17,9 8,9 4,5 7,9 12,4 4,4 3,1 25,0 21,0 -4,0 4,1 10,0 4,2 -5,8 0,4 5,0 5,6 0,6 0,3 5,0 4,6 -0,4 0,8 5,0 3,9 -1,1 0,0 5,0 5,0 0,0 t Spekulativ Renten 1-3j. 20,5 0,0 -20,5 16,4 0,0 - 3-5j. 14,4 15,3 1,0 11,5 13,1 5-7j. 12,0 21,2 9,2 9,6 18,1 7-10j. 14,9 25,7 10,8 11,9 21,8 &gt; 10j. 13,2 17,7 4,5 10,6 15,1 Aktien Euro Stoxx 50 20,0 15,0 -5,0 17,5 14,4 - S&amp;P 500 7,0 2,9 - Nikkei 225 3,5 3,9 FTSE 100 3,5 3,2 - SMI 3,5 2,7 - Liquidität 3M EUR 5,0 5,0 0,0 5,0 5,0 Konservativ Risikobewuss BM=Benchmark, PF=Portfolio, ΔBM=Abweichung von der Benchmark Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research 2.2 Alternativszenario: Zurück in die Zukunft (20 %) 2.2.1 Szenario und Prognosen In unserem positiven Alternativszenario „Zurück in die Zukunft“ dominieren 2010 die zykli- schen Antriebskräfte und die Wachstumsdynamik bleibt über das erste Halbjahr hinaus sehr hoch. Der Konsummotor insbesondere in den USA springt wieder an, dem sich ein kräftiger globaler Investitionszyklus anschließt. Die strukturellen Schwachstellen treten in den Hintergrund bzw. erweisen sich als weniger gravierend. Dank des kräftigen Wachstums scheinen sie wieder schnell lösbar. Positivszenario: Strukturprobleme verflüchtigen sich BIP: Die Nachfragekräfte erholen sich in den USA und im Euroraum rasch. Im Laufe des Jahres legt der private Verbrauch in den USA wieder um 3 % zu. Ursächlich dafür ist eine kräftige Erho- lung am US-Arbeitsmarkt, auch als Reflex auf den starken Einbruch im Vorjahr. Folglich stellt sich 2010 in den USA ein BIP-Wachstum von etwa 4 % ein, im Euroraum von rund 3 %. Fed und EZB leiten die geldpolitische Wende relativ früh ein. Sie sammeln die hohe Überschussliquidität zügig ein und im Jahresverlauf 2011 dürfte die Geldpolitik wieder ein neutrales Niveau erreicht haben. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 13 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Inflation: Die Outputlücken in den USA und im Euroraum schließen sich deutlich schneller als in unserem Hauptszenario. Die kräftige Erholung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage setzt einen Inflationsprozess in Gang. Der Preisdruck nimmt auf breiter Front zu und die Inflationserwartun- gen der Wirtschaftssubjekte steigen stark an. 2010 bewegen sich die Preissteigerungsraten sowohl in den USA als auch im Euroraum auf die Marke von 3 % zu. Euro: Der kräftige Aufschwung fördert die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten, zumal auch die Geldpolitik noch nicht restriktiv wirkt. Der positive Zusammenhang zwischen Euro-Dollar- Kurs und Risikoneigung bleibt erhalten. Wachsende Inflationssorgen treffen in erster Linie den Greenback. In diesem Zusammenhang wird auch die Rolle des US-Dollar als weltweit führende Reservewährung zunehmend in Frage gestellt. Der Euro-Dollar-Kurs könnte bis auf 1,65 anstei- gen. Rentenmärkte: Die spürbar zunehmenden Inflationserwartungen führen zu einem markanten Renditeanstieg an den internationalen Anleihemärkten. Die Rendite von 10-jährigen Bunds er- reicht die 5 %-Marke. Infolge der hohen Wachstumsdynamik wird die Zinsstruktur relativ steil bleiben. Aktienmärkte: Aufgrund des stärkeren Wirtschaftswachstums gelingt es den Unternehmen, nicht nur ihre Gewinne deutlich zu steigern, sondern auch mittelfristig positive Ertragsperspektiven aufzuzeigen. Befeuert von immer noch komfortabler Liquidität greift die Idee eines neuen Bul- lenmarktes um sich. Der DAX steuert binnen Jahresfrist in Richtung 8.000 Indexpunkte. 2.2.2 Asset Allocation Die Performance-Erwartungen für Aktien und die Risikoneigung der Anleger legen aufgrund des Wechsels zu einem unerwartet steilen Wachstumspfad nochmals deutlich zu. Die Risikoprämien bilden sich weiter zurück, nach einer Dekade der Seitwärtsbewegung unter großen Schwankungen besteht sogar die Chance auf eine neue Aktienhausse. Wie schon Mitte des laufenden Jahrzehnts verflüchtigt sich gleichzeitig die Deflation als Anlagethema. Vielmehr bestimmen zunehmend die Inflationssorgen die Entscheidungen der Finanzmarktakteure. Entsprechend werden Aktien in Mischportfolios generell in dem maximal möglichen Umfang dotiert. Der Anteil der festverzinsli- chen Anlagen wird möglichst gering gehalten. Dabei werden Renten jenseits der Geldmarktanlage und kurzen Laufzeiten aufgrund der abzusehenden Verluste gemieden. Aktienquote voll aus- schöpfen und bei Fest- verzinslichen kurz gehen Portfolioempfehlungen nach Risikoneigung Portfoliostrukturen in % BM PF Δ BM BM PF Δ BM BM PF Δ BM 27,3 12,3 20,0 12,6 11,5 8,6 0,0 -8,6 9,6 7,2 0,0 -7,2 11,9 9,0 0,0 -9,0 10,6 7,9 0,0 -7,9 15,7 25,0 48,6 21,7 1,7 10,0 7,5 -2,5 0,1 5,0 5,8 -0,2 2,7 5,0 3,1 -3,9 0,1 5,0 5,1 0,1 Liquidität 3M EUR 5,0 10,0 5,0 5,0 10,0 5,0 5,0 10,0 5,0 t Spekulativ Renten 1-3j. 20,5 60,0 39,5 16,4 40,0 3-5j. 14,4 0,0 -14,4 11,5 0,0 - 5-7j. 12,0 0,0 -12,0 9,6 0,0 - 7-10j. 14,9 0,0 -14,9 11,9 0,0 - &gt; 10j. 13,2 0,0 -13,2 10,6 0,0 - Aktien Euro Stoxx 50 20,0 30,0 10,0 17,5 35,8 S&amp;P 500 7,0 5,8 - Nikkei 225 3,5 3,4 - FTSE 100 3,5 1,3 - SMI 3,5 3,6 Risikobewuss Konservativ BM=Benchmark, PF=Portfolio, ΔBM=Abweichung von der Benchmark Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 14 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 2.3 Alternativszenario: Titanic (10 %) 2.3.1 Szenario und Prognosen In unserem Alternativszenario „Titanic“ kommt die Weltwirtschaft nicht über ein konjunkturel- les Strohfeuer hinaus. Die zyklischen Lagerimpulse versiegen rasch, während das Anspringen der privaten Nachfrage ausbleibt. Der Schock der Finanzkrise sitzt immer noch tief. Unternehmen und Haushalte haben ihr Vertrauen in die Wachstumskräfte verloren, so dass die strukturellen Proble- me den zyklischen Antrieb im Laufe des kommenden Jahres zum Erliegen bringen. Der Zauber des billigen Geldes wirkt nicht mehr, die Liquiditätsfalle schnappt zu. Die Volkswirtschaften rut- schen erneut in eine Rezession. Geld- und Fiskalpolitik bleiben im Krisenmodus. Negativszenario: Japanische Verhältnisse BIP: Obwohl der Aufschwung zu Jahresbeginn schon wieder abbricht, sorgt die dynamische Ent- wicklung in der zweiten Jahreshälfte 2009 für eine positive Wachstumsrate 2010 (statistischer Überhang). In den USA und in Deutschland wird das BIP-Wachstum allerdings nur bei etwa 1 % liegen. Der Investitionszyklus springt nicht an, so dass die Arbeitsmärkte weltweit schwach blei- ben. Der private Verbrauch bricht ein. Den Notenbanken bleibt nichts anderes übrig, als den Ex- pansionsgrad der Geldpolitik mit Hilfe umfangreicher quantitativer Maßnahmen zu steigern. Inflation: Die hohe Arbeitslosigkeit und eine schwache gesamtwirtschaftliche Nachfrage sorgen für ein deflationäres Umfeld. Die Gesamtinflation dürfte sich im Laufe von 2010 auf die Nulllinie zu bewegen. Darüber hinaus wird die Deflation in den Kernraten sichtbar werden. Euro: Der US-Dollar profitiert erneut von seinem Status als „Safe Haven“. Eine deutlich steigende Risikoaversion führt zu einer massiven Liquidation von Carry Trades und Auslandsinvestitionen von US-Anlegern. Diese Rückflüsse lassen den US-Dollar deutlich aufwerten. Zudem wird der Euro von den Problemen einzelner Mitgliedsländer sowie der osteuropäischen Nachbarn in Mitlei- denschaft gezogen. Der Euro-Dollar-Kurs bewegt sich wieder in Richtung seiner Tiefstände von 1,25. Rentenmärkte: Ausgeprägte Deflationsängste begünstigen die Entstehung neuer historischer Renditetiefs in den Industrieländern. Trotz steigender Staatsdefizite sind Staatsanleihen sehr ge- sucht. Die Rendite 10-jähriger Bunds dürfte unter die Marke von 2,5 % abrutschen. Die Zinsstruk- turkurve wird merklich flacher. Aktienmärkte: Eine Umsatzbelebung bei den Unternehmen bleibt aus. Gleichzeitig sorgen die vorhandenen Überkapazitäten für anhaltenden Margendruck. Kostensenkungsprogramme können dies nicht kompensieren. Die dürftigen Gewinnperspektiven rechtfertigen die in 2009 erreichten Bewertungsniveaus nicht mehr. Aktien geben die Kursgewinne der vergangenen Monate wieder ab. Der DAX bewegt sich in Richtung 3.500 Indexpunkte. 2.3.2 Asset Allocation Neuerliche schwere Vertrauensverluste und eine abermals ausgeprägte Abwärtsdynamik der Wachstums- und Preiserwartungen lassen die meisten Vermögensarten in der Gunst der Anleger deutlich fallen. Risikoprämien erreichen überall wieder Extremwerte. Die Möglichkeiten der Fremdfinanzierung sind erheblich eingeschränkt. Aktienengagements erscheinen aufgrund neuerli- cher Kompression der Bewertungsrelationen und wieder einsetzender Erosion der Unternehmens- gewinne wenig erfolgversprechend. Trotz gegen Null tendierender Nominalrenditen untermauern positive Realzinsen gleichzeitig die Attraktivität qualitativ hochwertiger Staatsanleihen. Festver- zinsliche höchster Bonität bilden in diesem Szenario eindeutig den Anlageschwerpunkt. In allen Mischportfolios wird die bei Aktien maximale Untergewichtung ausgeschöpft. Maximal mögliche Untergewichtung von Aktien Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 15 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Portfolioempfehlungen nach Risikoneigung Portfoliostrukturen in % BM PF Δ BM BM PF Δ BM BM PF Δ BM 16,4 12,3 0,0 -12,3 11,5 8,6 0,0 -8,6 11,6 7,2 18,4 11,2 22,2 9,0 29,7 20,8 13,0 7,9 21,9 12,6 8,3 25,0 13,2 -11,2 1,5 10,0 8,0 -1,8 0,9 5,0 3,5 -1,1 2,1 5,0 2,1 -2,9 1,2 5,0 3,2 -1,6 5,0 5,0 0,0 -5,0 t Spekulativ Renten 1-3j. 20,5 0,0 -20,5 16,4 0,0 - 3-5j. 14,4 0,0 -14,4 11,5 0,0 - 5-7j. 12,0 24,1 12,2 9,6 21,2 7-10j. 14,9 39,0 24,0 11,9 34,2 &gt; 10j. 13,2 26,9 13,7 10,6 24,6 Aktien Euro Stoxx 50 20,0 10,0 -10,0 17,5 8,2 - S&amp;P 500 7,0 5,5 - Nikkei 225 3,5 2,6 - FTSE 100 3,5 1,4 - SMI 3,5 2,3 - Liquidität 3M EUR 5,0 0,0 -5,0 5,0 0,0 - Risikobewuss Konservativ BM=Benchmark, PF=Portfolio, ΔBM=Abweichung von der Benchmark Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research Mit nachhaltiger Deflation sind in der Regel nicht nur außerordentliche Ertragschancen für fest- verzinsliche Anlagen höchster Bonität verbunden. Vielmehr tritt bei Staatsanleihen auch eine mas- sive Abflachung der Zinsstruktur ein. Die Spreizung der Erträge über die diversen Laufzeiten ist hierbei sehr beachtlich. Der Zinshebel am langen Ende ist enorm. Die Kursgewinne bei Lang- und erst recht bei Ultralangläufern sind ein Vielfaches dessen, was mit Geldmarktanlagen und kurzen bis mittleren Laufzeiten zu erzielen ist. Empfehlenswert ist daher, nahezu die gesamten der für die Rentenanlage in den Musterpotfolios maximal zur Verfügung stehenden Mittel in lang laufenden Staatsanleihen höchster Qualität zu halten. Nahezu alle Mittel in langlaufende Staatsan- leihen höchster Bonität Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 16 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3 Länderanalysen 3.1 USA: Aufschwung trotz Ungleichgewichten Die Rezession ist im Sommer zu Ende gegangen. Aber um die weitere Entwicklung der US- Konjunktur – ein zentraler Faktor für die Finanzmärkte – wird weiter heftig gestritten. Ist die kon- junkturelle Belebung nur ein Strohfeuer und droht ein „double dip“? Folgt auf die schwerste Re- zession in Jahrzehnten auch ein entsprechend fulminanter Aufschwung? Kräftiger Aufschwung im ersten Halbjahr Zunächst stehen die Zeichen klar auf zyklische Erholung. Die überdurchschnittliche Dynamik der zweiten Hälfte von 2009 dürfte auch noch in der ersten Jahreshälfte 2010 tragen. Die Unternehmen werden ihre vorherigen übertriebenen Einschnitte bei der Lagerhaltung, den Investitionsbudgets und der Beschäftigung zumindest teilweise korrigieren. Lager- und Investitionszyklus sollten da- her in den kommenden Monaten ausreichend Wachstumsimpulse liefern, damit das reale BIP weiterhin über Trend expandiert. Hinzu kommt der Rückenwind von der sehr expansiven Geld- und Finanzpolitik. Im ersten Quartal dürfte zudem der Arbeitsmarkt seinen Tiefpunkt durchschrei- ten. Steigende Beschäftigung, fallende Arbeitslosigkeit und wieder zunehmende Einkommen wer- den den privaten Konsum stützen. Allerdings ist dies keine „normale“ Erholung. Bereits in der ersten Aufschwungphase wären nor- malerweise noch stärkere Wachstumsraten zu erwarten gewesen. Und in der zweiten Jahreshälfte 2010 dürfte angesichts des wieder gedämpfteren Wachstums klar werden, dass die Krise auch mittel- bis langfristige Folgen hat. Dazu zählen vor allem die Probleme des Bankensektors. Der private Konsum, der in den Jahren vor der Krise der wichtigste Treiber des Wachstums war, wird als Konjunkturlokomotive ausfallen – in den kommenden Jahren dürften die Haushalte mehr spa- ren und Schulden abbauen. Kräftige Impulse sind auch vom Bau nicht zu erwarten – die Erholung im Wohnungsbau dürfte verhalten sein und der Gewerbebau bleibt im Rückwärtsgang. Zweites Halbjahr offen- bart schwächeren Wachstumstrend Schließlich hat die Regierung durch die sehr expansive Finanzpolitik zwar geholfen, die Rezession zu beenden. Die hohen Haushaltsdefizite stellen jedoch eine Hypothek für die kommenden Jahre dar. So werden die Wachstumsimpulse von der Finanzpolitik 2010 auslaufen und ab 2011 ist sogar eine tendenzielle Straffung der Finanzpolitik zu erwarten. Angesichts der großen Defizite werden Ausgabenkürzungen nicht ausreichen – mittelfristig wird die Steuerbelastung steigen. Die Notenbank dürfte ihrerseits im Verlauf des Jahres 2010 den Fuß vom Gaspedal nehmen, ohne jedoch restriktiv zu werden. Der verhaltene Preisauftrieb – vor allem gemessen an der Kernrate – wird es der Fed erlauben, den extrem niedrigen Leitzins nur langsam anzuheben. Zum Jahresende 2010 dürfte die Federal Funds Rate noch immer unter 2 % liegen. Im historischen Vergleich kein starker Aufschwung… …aber kein „double-dip“ in Sicht Wachstum im Jahr nach der Rezession relativ zum vorherigen Rückgang\* Reales BIP, Veränderung gegenüber Vorquartal in %, Jahresrate 5 5 0246 1954 1958 1961 1970 1975 1980 1982 1991 2001 2009 Prognose Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 17 8101214 Verhältniszahl Q1 Q3 Q1 Q3 Q1 Q3 Q1 Q3 2007 2008 2009 2010 -7 -6 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 -7 -6 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 Prognose Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research \* 4 Quartale ab dem Tiefpunkt im Verhältnis zur Kontraktion in der Rezession Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.2 Deutschland: Nach tiefem Einbruch schnell aus der Krise Mit einem Rückgang des BIP von schätzungsweise knapp 5 % hat Deutschland stärker als alle anderen großen Flächenstaaten in der Eurozone unter der Krise gelitten. Selbst in Italien, das unter erheblichen Strukturproblemen seiner Industrie leidet, dürfte die gesamtwirtschaftliche Leistung etwas weniger stark zurückgehen. Die Ursache für diesen Einbruch ist die überdurchschnittliche Bedeutung der zyklischen Industrie hierzulande. Mit über 23 % ist der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland etwa doppelt so hoch wie bei- spielsweise in Frankreich. Für Deutschland kommt erschwerend hinzu, dass die hiesige Industrie auf die besonders schwankungsanfälligen Investitionsgüter konzentriert ist. Die Flagschiffe der deutschen Unternehmen sind Maschinen, elektrotechnische Investitionsgüter und Automobile. Hoher Industrieanteil in Deutschland verstärkt Zyklen Deutschland und Italien die großen Verlierer der Finanzkrise Deutschland mit hohem Industrieanteil Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahr in % Verarbeitendes Gewerbe in % der Bruttowertschöpfung 0 5 10 15 20 25 Deutschland Eurozone Italien Spanien Frankreich 0 5 10 15 20 25 Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Statistische Ämter, Helaba Volkswirtschaft/Research Der Nachteil im Abschwung hat sich im jetzigen Aufschwung allerdings bereits zu einem Vorteil gemausert: Die Industrie profitiert als Erste vom in Gang kommenden Lagerzyklus und den welt- weit aufgelegten Konjunkturprogrammen. Sowohl das Geschäfts- und das Exportklima als auch die Auftragslage haben sich deutlich verbessert. Die Ausfuhren dürften 2010 trotz des hohen Au- ßenwertes des Euro um 8 % zulegen. Da die Einfuhren mit 5 % eine geringere Dynamik aufwei- sen, dürfte der Außenhandel wieder einen positiven Wachstumsbeitrag zusteuern. Die Investitions- tätigkeit sollte sich nach dem starken Einbruch ebenfalls wieder erholen, und die Bautätigkeit wird durch die öffentliche Förderung gestützt. Damit kann 2010 in Deutschland mit einem Wirtschafts- wachstum von knapp 2 % gerechnet werden, das dann wieder höher als in der Eurozone liegen wird (1,5 %). Die privaten Konsumausgaben dürften trotz der Verschlechterung am Arbeitsmarkt im nächsten Jahr um 0,5 % zunehmen und damit den Aufschwung zwar dämpfen, aber nicht verhindern. Ursa- che für diese verhältnismäßig positive Entwicklung ist die deutliche fiskalpolitische Stimulierung des Konsums. So kann durch das „Bürgerentlastungsgesetz“ ab nächstem Jahr ein größerer Teil der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge als Sonderausgaben abgesetzt werden. Zudem tritt die letzte Entlastungsstufe des Konjunkturpakets II u.a. mit der Anhebung des Grundfreibetrages in Kraft. Hinzu kommt die durch die neue Bundesregierung beschlossene Anhebung des Kinder- geldes. Diese Maßnahmen summieren sich auf eine Erhöhung der verfügbaren Einkommen um knapp 19 Mrd. € bzw. 1,2 %. Allerdings ist eine moderate Erhöhung der Krankenversicherungs- beiträge im nächsten Jahr nicht auszuschließen. Alles in allem kann damit 2010 mit einem kleinen Einkommenszuwachs in Deutschland gerechnet werden. Konsum durch Steuer- senkungen stabilisiert Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 18 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.2.1 Hessen: Dienstleister müssen sich bewähren Hessen ist ein Land der Dienstleistungsunternehmen. Mit einem Anteil von 75 % ist ihr wirtschaft- liches Gewicht das höchste unter den fünf größten Bundesländern – in Baden-Württemberg liegt der Dienstleistungsanteil nur bei knapp 60 %. Der hessische Schwerpunkt erwies sich 2009 als vorteilhaft, da Kapazitätsanpassungen in Dienstleistungsunternehmen tendenziell langsamer erfol- gen als in der Industrie. Entsprechend gering war der Anstieg der hessischen Arbeitslosenrate auf Jahresfrist von 6,2 % auf 6,4 % im Oktober 2009. Der hohe Dienstleistungsanteil sorgte zudem für weniger Kurzarbeit in Hessen. Insgesamt dürfte damit der Rückgang des hessischen BIP 2009 deutlich geringer ausfallen als in Deutschland. Dienstleister Stütze in der Rezession Hessens Arbeitsmarkt stabil Insolvenzen steigen rezessionsbedingt Arbeitslosenquote in % aller Erwerbspersonen 1997-2009\*: Veränderung gegenüber Vorjahr in% 10,9 15,5 15,5 -40 -30 -20 -10 0 10 20 -40 -30 -20 -10 0 10 20 Hessen Deutschland Thüringen 5 7 9 11 13 15 17 2007 2008 Westdeutschland 2009 5 7 9 11 13 15 17 Deutschland Thüringen Ostdeutschland Hessen \*ab 2008: Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten Quellen: Stat. Landesämter, Helaba Volkswirtschaft/Research \*Jan.-Aug. 2009 gegenüber Vorjahreszeitraum Quellen: Stat. Landesämter, Helaba Volkswirtschaft/Research Dass sich Hessen 2009 behaupten kann, hängt zudem mit einer der größten Industriebranchen des Landes zusammen: Der hessische Maschinenbau schlägt sich konjunkturell wacker und musste im ersten Halbjahr 2009 nur Umsatzeinbußen verkraften, die spürbar unter dem gesamtdeutschen Wert liegen. Des Weiteren mildert der hohe Anteil der chemischen und pharmazeutischen Indust- rie in Hessen die Rezession. Gerade in der Chemie sind erste konjunkturelle Silberstreifen am Horizont auszumachen. So nahmen die hessischen Chemieumsätze in den ersten neun Monaten gegenüber 2008 leicht zu, wohingegen in Deutschland insgesamt Einbußen zu verkraften waren. 2010 lassen die weltweit stimulierenden Effekte der Fiskalpolitik nach, so dass in der zweiten Jahreshälfte mit etwas geringeren Wachstumsraten zu rechnen ist. Die Dynamik dürfte jedoch ausreichen, um den Investitionszyklus anzustoßen. Auch Hessens Industrie wird davon profitieren können, hat aber aufgrund ihres niedrigeren Gewichts eine schwächere Schubkraft. Hessische Industrie profitiert 2010 Die Aussichten für das Kreditgewerbe werden weiterhin von den Nachwirkungen der Finanzkrise überschattet. Zwar stiegen die Stimmungsindikatoren im Bankgewerbe im Jahresverlauf 2009 wie- der, doch blieben die Beschäftigungsperspektiven eingetrübt. Mit dem führenden Finanzplatz Frankfurt wird Hessen von den notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen nicht verschont bleiben. Da sich dieser Prozess über mehrere Jahre hinziehen wird, wirken sich die erforderlichen Maß- nahmen nicht schockartig aus. Allerdings wird das Kreditgeschäft durch steigende Insolvenzen im Nachgang einer Rezession erschwert. Der Bankensektor kann daher 2010 nicht als Schwungrad der hessischen Wirtschaft dienen. Prägend ist für Hessen auch der Bereich Logistik mit dem Frankfurter Flughafen als Taktgeber. Die Einbußen in den ersten acht Monaten 2009 summierten sich auf 8 % beim Passagier- und 18 % beim Frachtaufkommen. Das internationale Drehkreuz spürte den scharfen Wind der Rezes- sion, aber der Tiefpunkt wurde inzwischen durchschritten. Für Aufwind wird 2010 die Belebung der Weltwirtschaft sorgen. Insgesamt sind aber keine überdurchschnittlichen Impulse vom Dienst- leistungssektor zu erwarten, so dass Hessen 2010 leicht unterdurchschnittlich wachsen dürfte. Wachstum 2010 leicht unterdurchschnittlich Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 19 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.2.2 Thüringen: Industrie als konjunkturelles Brems- und Gaspedal Der Anteil des Produzierenden Gewerbes (ohne Bau) an der Bruttowertschöpfung ist in Thüringen mit 27 % besonders hoch und übertrifft den entsprechenden Anteil in anderen neuen Bundeslän- dern zum Teil deutlich. Dies ist der Grund, weshalb Thüringen gegenüber den weniger industriell geprägten Regionen – wie Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg – in Boomphasen ge- samtwirtschaftlich dynamischer ist und in der Rezession höhere Einbußen zu verkraften hat. Thüringen mit starker Industrieausprägung Die Entwicklung der Thüringer Industrie war in den vergangenen zehn Jahren (1998-2008) eine Erfolgsgeschichte: Der Anstieg der Bruttowertschöpfung betrug real über 210 % und fiel kräftiger aus als in Ostdeutschland insgesamt (+180 %). Der letzte Aufschwung war somit von der Industrie getragen. Die Auslandsmärkte gewannen dabei stetig an Bedeutung. Seit 1999 konnte die Export- quote der Thüringer Unternehmen von 19 % auf 33 % im Jahr 2008 gesteigert werden. Sie erreich- ten damit eine Exportkraft, wie sie vor zehn Jahren in Westdeutschland anzutreffen war. Dies reichte schon damals für den Titel „Export-Weltmeister Deutschland“. Exportquoten auf hohem Niveau angekommen Thüringer Industrie verlässt Auftragstief Industrie: Anteil der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz in % Preisbereinigter Index 2005 = 100 10 20 30 40 50 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 10 20 30 40 50 W e stde utschla nd Thüringen Ostdeutschland Jan.-Sep. He sse n 70 90 110 130 150 170 Jan 08 Mrz 08 Mai 08 Jul 08 Sep 08 Nov 08 Jan 09 Mrz 09 Mai 09 Jul 09 Sep 09 70 90 110 130 150 170 Deutschland Hessen Thüringen \*ab 2009: Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten Quellen: Stat. Landesämter, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Stat. Landesämter, Helaba Volkswirtschaft/Research Der weltwirtschaftliche Abschwung traf die Thüringer Industrie genauso hart wie Deutschland ins- gesamt. Die Umsätze brachen in den ersten acht Monaten 2009 gegenüber dem Vorjahr um 21 % ein. Dabei fielen die Einbußen in den Wirtschaftszweigen Automobilbau, Metallerzeugung und -erzeugnisse sowie Elektrotechnik besonders heftig aus. Gemessen an der Schwere des Wirtschaftseinbruchs stieg die Arbeitslosigkeit in Thüringen bislang kaum an. Im Oktober 2009 war die Arbeitslosenquote mit 10,1 % nur geringfügig höher als vor Jahresfrist (9,9 %). Sie bleibt damit unter dem ostdeutschen Durchschnitt. Einerseits ist dies durch die Nähe zu den Arbeitsmärkten in Hessen und Bayern bedingt. Andererseits ist das Arbeitsplatz- angebot gerade in der Industrie in etlichen Gebieten Thüringens so umfangreich, dass zum Teil schon ein Fachkräftemangel zu beobachten ist. Dies sowie der sich abzeichnende Aufschwung sind auch die Gründe dafür, dass die Unternehmen in der Krise versuchen, so lange wie möglich ihren Mitarbeiterstamm zu halten. Arbeitslosenquote bisher kaum gestiegen Inzwischen haben nämlich in Thüringen die Auftragseingänge wieder gedreht. Das Niveau der vergangenen Jahre ist noch längst nicht erreicht, aber der Trend nach oben scheint sich zu versteti- gen. Mit Blick auf den langsam einsetzenden Investitionszyklus bietet die sich aufhellende Welt- konjunktur für Thüringen eine Chance, 2010 wieder überdurchschnittlich zu wachsen. Die Indust- rie als Gaspedal der Thüringer Konjunktur kann dann wieder ihre volle Kraft entfalten. Wachstum 2010 leicht überdurchschnittlich Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 20 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.3 Europa sehr heterogen 3.3.1 Frankreich: Erfolgreich mit ausbalanciertem Wachstum Frankreich expandierte seit Beginn der neunziger Jahre deutlich stärker als Deutschland oder gar Italien. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass die Struktur des französischen Wachstums aus- geglichener ist als in den beiden Vergleichsländern. So stiegen in den vergangenen Jahren nicht nur die französischen Investitionen, sondern auch die privaten Konsumausgaben, die in Deutsch- land und Italien seit der Jahrtausendwende kaum von der Stelle kamen. Hinzu kommt, dass der wenig zyklische öffentliche Konsum in Frankreich mit einem Anteil von über 23 % am BIP eine hohe Bedeutung hat, während beispielsweise in Deutschland nur 18 % auf diese Ausgabenverwen- dung entfallen. Insgesamt sind über 80 % der französischen Wirtschaftsleistung vom Konsum geprägt. Dies hat dazu beigetragen, dass Frankreich 2009 mit einem Rückgang der gesamtwirt- schaftlichen Leistung von schätzungsweise 2,3 % relativ glimpflich durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen ist. 2010 ist bereits wieder mit einem Zuwachs von 1,7 % zu rechnen. Frankreich verhältnis- mäßig wachstumsstark Frankreich mit mehr Dynamik des Konsums… … und der Anlageinvestitionen Index, Q1 1991 = 100 Index, Q1 1991 = 100 Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Die französische Leistungsbilanz ist seit 2005 im Minus. Während mit Dienstleistungen kontinu- ierlich ein kleines Plus von rund 1 Mrd. € p.a. erwirtschaftet wird, ist der Handelssaldo in den letzten Jahren zunehmend ins Negative abgedriftet. Erst mit der Krise trat eine Gegenbewegung ein. Die defizitäre Leistungsbilanz ist einerseits ein Spiegelbild einer stabilen Binnennachfrage, da sie zu lebhaften Importen führt. Andererseits ist sie Ausdruck von Schwächen auf der Angebots- seite. So liegt beispielsweise Frankreich mit seinen F&amp;E-Ausgaben bezogen auf das BIP unter dem OECD-Durchschnitt. Dies gilt auch für die Zahl der Patentanmeldungen bezogen auf tausend Einwohner. Bei dieser Kennziffer erreicht beispielsweise Deutschland einen Spitzenplatz. Auch in Frankreich haben die Anzeichen für einen Aufschwung in den letzten Monaten zuge- nommen. So hat sich das Geschäftsklima der Industrie deutlich verbessert; gleichwohl liegt es im langjährigen Vergleich immer noch auf einem niedrigen Niveau. Das Konsumentenvertrauen, das Mitte 2008 historische Tiefstände erreichte, hat ebenfalls zugenommen. Die für Frankreich wichti- gen Konsumausgaben und der Einzelhandelsumsatz stabilisieren sich. Aktuell ist diese Besserung des Konsums allerdings noch nicht nachhaltig, da sich die Beschäftigungslage drastisch ver- schlechtert. Der Rückgang ist so stark ausgeprägt wie in der Rezession 1993. Der Aufschwung in der Weltwirtschaft und die hohe Geschwindigkeit des Beschäftigungsabbaus dürften jedoch dazu beitragen, dass der Tiefpunkt am Arbeitsmarkt im Laufe von 2010 erreicht wird. Mit einem Be- schäftigungsaufbau ist erst 2011 zu rechnen. Die öffentlichen Defizite steigen in Frankreich deut- lich stärker an als beispielsweise in Deutschland oder Italien. Dies wird in den nächsten Jahren verstärkte Konsolidierungsanstrengungen erfordern, die das mittelfristige Wachstum dämpfen. Beschäftigung sinkt deutlich Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 21 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.3.2 Italien: Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit bremst Aufschwung Italien konnte in den Jahren vor der Wirtschafts- und Finanzkrise nur unterdurchschnittlich vom weltweiten Aufschwung profitieren. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die schwache Entwicklung der Industrie, die für die Wirtschaftsentwicklung in Italien wichtig ist. So liegt die aktuelle Indust- rieproduktion knapp 8 % niedriger als zu Beginn des Jahres 2000. In Deutschland ist in diesem Zeitraum trotz des jüngsten Einbruchs ein Zuwachs von etwa 7 % festzustellen. Dies liegt teilwei- se an der niedrigen Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Industrie sowie an der Zusammenset- zung der Branchen. So weist Italien seit Jahren eine schwache Produktivitätsentwicklung auf, die die Lohnstückkosten in die Höhe treibt. Seit der Euro-Einführung 1999 ist eine Währungsabwer- tung als Instrument zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr möglich. Diese lässt sich nur noch über Produktivitätserhöhungen, die Entwicklung neuer Produkte oder über Lohnzurück- haltung steigern. Die Lohnkostenentwicklung war in Bezug auf die schwache Produktivitätsent- wicklung zu hoch. Steigende Lohnstück- kosten verringern Wett- bewerbsfähigkeit Italien ist neben dem bedeutenden Maschinenbau traditionell stark auf Konsumgüter spezialisiert. So erreicht beispielsweise der Wirtschaftsbereich Textilien, Bekleidung und Leder einen Anteil von über 11 % an der gesamten Wertschöpfung. Hinzu kommen die Nahrungsmittelindustrie mit einem Wertschöpfungsanteil von gut 10 % sowie weitere kleine Konsumgüterbranchen. Diese Wirtschaftszweige leiden ebenfalls unter steigenden Lohnkosten. Zudem ist hier eine Verlagerung ins kostengünstige Ausland vielfach leichter möglich als bei technisch anspruchsvollen Investiti- onsgütern. Dies entzieht Italien einen Teil seiner Wertschöpfung und gefährdet zunehmend die bislang erfolgreichen lokalen Netzwerke von zumeist kleinen und mittleren Unternehmen. Schwache Produktivitätsentwicklung… …hemmt Italiens Wachstum Arbeitsproduktivität in % gg. Vj. Reales Bruttoinlandsprodukt, Index: Q1 2000 = 100 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 Spanien schland Italien Frankreich Deut Quellen: OECD, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Im dritten Quartal ist das italienische BIP deutlich um 0,6 % angestiegen. Das Auffüllen der vor- her stark geleerten Lager hat hierzu maßgeblich beigetragen. Trotzdem wird die gesamtwirtschaft- liche Leistung 2009 um beachtliche 4,7 % schrumpfen, u.a. weil Italiens Regierung mit Maßnah- men zur Ankurbelung der Wirtschaft äußerst zurückhaltend war. Die bereits vor der Krise ange- spannte Haushaltslage ließ keine Alternative zu. 2010 dürfte zwar wieder ein BIP-Zuwachs er- reicht werden, der aber mit 1,4 % leicht unter dem Eurozonendurchschnitt von 1,5 % liegen wird. Auf mittlere Sicht führt die schwache Produktivitätsentwicklung zu einer geringen Wettbewerbs- fähigkeit und damit zu einem unterdurchschnittlichen Wachstum. Dies lässt sich nur durch Struk- turreformen ändern: Der Abbau von Bürokratie und Regulierung sowie Effizienzsteigerungen und mehr Wettbewerb im öffentlichen Sektor sind dabei unabdingbar. Um die Innovationsfähigkeit des Landes zu verbessern, sind zudem verstärkte Anstrengungen im Forschungs- u. Bildungsbereich nötig. Bei Indikatoren wie der F&amp;E-Tätigkeit oder den Patentanmeldungen nimmt Italien regelmä- ßig hintere Plätze ein. Nicht zuletzt muss sich die Lohnpolitik stärker an der Produktivitätsent- wicklung orientieren. Aufwärtstrend setzt sich nur zögerlich durch Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 22 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.3.3 Spanien: Vorläufiges Ende einer Erfolgsstory Spanien wies in den zehn Jahren vor der 2008 einsetzenden Krise mit 3,5 % p.a. ein deutlich höhe- res Wachstum als die gesamte Eurozone (2,1 %) auf. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die Bevölkerung in diesem Zeitraum vor allem durch Einwanderung um jährlich gut 1 ½ % ange- stiegen ist. Pro Kopf ist der Zuwachs damit weniger spektakulär. Immerhin hat das Land das Wohlstandsgefälle zum europäischen Durchschnitt mittlerweile deutlich verringert. Allerdings ging der jahrelange Aufschwung mit zunehmenden Ungleichgewichten einher: Vor allem führte die Expansion des Bau- und Immobiliensektors zu hohen Überkapazitäten. So beruhten in der Spitze 2006 knapp 18 % des BIP auf Bauaktivitäten. Allein der Wohnungsbau stand für einen Anteil von gut 9 %. 2008 lag der Anteil der gesamten Bautätigkeit immer noch bei 16,5 %. Im Vergleich hierzu erreichte Deutschland 1994 nach dem staatlich geförderten Einheitsboom einen Bauanteil von „nur“ 14,5 %. Danach begann eine zehnjährige Baukrise, in der die Überkapazitäten wieder zurückgeführt wurden. Auch in Spanien wird dieser Prozess mehrere Jahre benötigen. Allerdings dürfte die Krise aufgrund des drastischen Einbruchs und des Bevölkerungswachstums schneller ausgestanden sein, als dies in Deutschland der Fall gewesen ist. Bereinigung der Bau- krise benötigt Jahre Konsumklima trotz Rekordarbeitslosigkeit stark verbessert Drastischer Rückgang im Neubau Saldo Index % in Tsd. 2 3 4 5 6 7 8 9 10 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 10 20 30 40 50 60 70 80 90 Hausbeginne (rechte Skala) Anteil der Wohnungs- bauinvestitionen am BIP (linke Skala) Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Schrumpfung der Bauaktivitäten schwächt das Wachstum der nächsten Jahre. Trotzdem wird auch Spanien eine verhaltene Aufwärtsentwicklung erleben. So haben sich das Geschäftsklima der Industrie und die Auftragslage in den vergangenen Monaten verbessert. Der Außenhandel hat seinen Tiefpunkt durchschritten: Die Exporte sind zuletzt stärker angestiegen als die Importe, so dass sich das hohe Handelsbilanzdefizit deutlich verringert hat. Auch die Verbraucher sehen jetzt mit größerem Optimismus in die Zukunft und die Einzelhandelsumsätze nahmen zuletzt wieder leicht zu. Eine Hypothek für den Konsum bleibt allerdings der starke Anstieg der Arbeitslosenquo- te auf mittlerweile knapp 18 %. Im Sommer 2007 lag die Rate noch bei 8 %. Lange Jahre hatte Spanien eine äußerst schwach ausgeprägte Produktivitätsentwicklung (vgl. Chart S. 22), womit sich die Wettbewerbsfähigkeit des Landes kontinuierlich verschlechterte, zumal der hohen Inflati- onsrate nicht mit einer Währungsabwertung begegnet werden kann. Der zuletzt starke Beschäfti- gungsabbau führt in der jetzigen Krise zumindest zu einer Verbesserung der Produktivität. Die Unternehmen passen sich schneller an als beispielsweise in Deutschland, wo die großzügige Kurz- arbeiterregelung eine Produktivitätsbremse darstellt. Aufwärtstrend setzt sich nur zögerlich durch Die Strukturprobleme Spaniens haben dazu geführt, dass das BIP im dritten Quartal 2009 noch- mals um 0,3 % zurückging, obwohl die Eurozone schon ein Wachstum von 0,4 % aufwies. 2010 wird die Wirtschaftserholung in Spanien deutlich schwächer ausgeprägt sein als in den anderen westeuropäischen Flächenländern. So dürfte das Wachstum nur bei 0,5 % liegen. Auch auf mittle- re Sicht kann nur mit unterdurchschnittlichem Wachstum gerechnet werden. Die Erfolgsstory Spanien hat vorerst ein Ende gefunden. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 23 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.3.4 Großbritannien: Aufstieg aus dem tiefen Tal Die britische Wirtschaft überwindet die äußerst scharfe Rezession. Der Einbruch an den Immobi- lienmärkten, die Krise im Finanzsektor sowie eine hohe Verschuldung der privaten Haushalte wirkten sich in Großbritannien tiefgreifender als in der Eurozone aus. Das BIP schrumpft 2009 um rund 4,5 %. Am aktuellen Rand verbessert sich die Lage aber zunehmend. Die aggressiven Maß- nahmen der Fiskal- und insbesondere der Geldpolitik zeigen Wirkung. Die Frühindikatoren deuten auf ein spürbares Wachstum hin und die Malusfaktoren schwächen sich ab. Die Preise für Wohn- immobilien können sich von den Rückgängen von zeitweise fast 20 % in der Vorjahresrate erho- len. Gestützt auf ein knappes Angebot dürften sich die Häuserpreise 2010 leicht verteuern. Mit einem neuen Hauspreisboom ist angesichts der gestiegenen Arbeitslosigkeit, einer knapperen Kre- ditvergabe sowie eines weiterhin nicht günstig bewerteten Wohnungsmarktes nicht zu rechnen. Die positivere Vermögensentwicklung der privaten Haushalte reduziert den Druck, die Ersparnisse zu vergrößern. Die vor der Krise noch extrem niedrige Sparquote wird sich nur allmählich erhöhen und somit den privaten Konsum dämpfen. Die negativen Effekte von Arbeitsmarkt verringern sich, so dass der private Verbrauch 2010 wieder verhalten expandieren kann. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 24 Erholung der Häuserpreise mildert Sorgen Erheblicher Spielraum für Unternehmensinvestitionen Hauspreisindizes, % gg. Vj. % am BIP Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Kurswechsel der Bank of England begünstigt Pfund Hindernisse für den privaten Verbrauch Der in der Krise explosionsartige Anstieg des Haushaltsdefizits bzw. der Staatsverschuldung wird das Wachstum in den kommenden Jahren vermutlich beeinträchtigen. Wahrscheinlich wird nach der Parlamentswahl 2010 ein fiskalischer Konsolidierungskurs eingeleitet. Die britischen Banken haben ihre Probleme erst teilweise überwunden und dürften vorerst nur zögerlich Kredite verge- ben. Allerdings steht der Unternehmenssektor auch aufgrund eines scharfen Sparkurses finanziell relativ solide da und ist damit weniger von einer Kreditfinanzierung abhängig. Die Investitions- quoten befinden sich auf langjährigen Tiefs, so dass bereits ein verhaltener Nachfrageanstieg zu einem spürbaren Zuwachs der Unternehmensausgaben führen dürfte. Das unterbewertete britische Pfund sowie die anziehende globale Wachstumsdynamik begünstigen den Außenhandel. Insge- samt dürfte das BIP 2010 um 1,2 % expandieren. Die größten Wachstumsimpulse dürften auf die erste Jahreshälfte entfallen. Die Inflation liegt in Großbritannien 2009 mit gut 2 % deutlich höher als in anderen Industrielän- dern. 2010 tragen das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung sowie steigende Energiepreise zu einer höheren Teuerung bei. Gesamtwirtschaftliche Überkapazitäten dämpfen angesichts der sich erholenden Konjunktur die Inflation nur begrenzt. 2010 dürfte die Teuerung im Jahresdurchschnitt etwas über 2 % steigen, der Zielmarke der Bank of England (BoE). Die BoE wird deshalb ihre sehr expansive Geldpolitik wieder normalisieren. Die quantitativen Maßnahmen laufen aus, eine Zins- wende wird vermutlich im dritten Quartal 2010 erfolgen. Das Pfund Sterling dürfte davon bereits im Vorfeld profitieren und insbesondere gegenüber dem Euro aufwerten. Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.3.5 Schweiz: Geringere Schwankungen Die Schweiz leidet weniger unter der Krise als die meisten anderen Industrieländer. Dennoch blei- ben einige Schrammen. Eine Rezession war auch in der Schweiz nicht zu vermeiden. Das BIP schrumpft 2009 vermutlich um 1,5 %. Im zweiten Halbjahr 2009 läuft der Abschwung aber aus. Die Frühindikatoren signalisieren eine spürbare Erholung. Entsprechend ist bereits im Winterhalb- jahr von einer nennenswerten Wachstumsdynamik auszugehen. Die vergleichsweise milde Rezession ist insbesondere auf einen stabilen privaten Konsum zurück- zuführen. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist es in der Schweiz vor der Krise nicht zu einem Immobilien- und Schuldenboom gekommen. Folglich besteht kein Korrekturbedarf. Ein Belas- tungsfaktor auch für 2010 ist die steigende Arbeitslosigkeit. Für die Schweiz als kleine offene Volkswirtschaft ist der internationale bzw. vor allem der europäische Konjunkturverlauf die ent- scheidende Einflussgröße. Die Schweizer Exportwirtschaft ist aufgrund ihrer Produktstruktur we- niger zyklisch als in vergleichbaren Ländern. Dies stützt im Abschwung, dämpft aber im Auf- schwung. Der Außenhandel wird deshalb die konjunkturelle Erholung 2010 tragen, aber nicht in den Himmel wachsen lassen. Stabiler privater Verbrauch Klare Aufschwungssignale der Frühindikatoren Steigende Zinsdifferenzen belasten Schweizer Franken % gg. Vj. Index CHF je € %-Pkt. Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Die relativ große Bedeutung des Finanzsektors dürfte sich im Aufschwung nicht als sonderliche Hypothek herausstellen. Lediglich in einem Negativszenario birgt die Größe der Banken erhebli- che Risiken. Eine restriktivere Kreditvergabe betrifft eher die internationalen Darlehensnehmer und weniger Schweizer Unternehmen. Auch deshalb werden sich die Investitionen mit der stei- genden Nachfrage beleben. Das BIP dürfte 2010 um 1,4 % expandieren. Die deflationäre Entwicklung dürfte Ende 2009 beendet sein. Die Effekte der sinkenden Energie- preise sowie der Aufwertung des Schweizer Frankens laufen aus bzw. drehen teilweise in die Ge- genrichtung. Die Konjunkturentwicklung dämpft die Teuerung im Verlauf von 2010 immer weni- ger. Die Inflation dürfte sich deshalb wieder normalisieren und im Jahresdurchschnitt 2010 gut 1 % betragen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) kann dieser Entwicklung zunächst noch gelassen entgegensehen. Im zweiten Halbjahr 2010 dürfte allerdings auch sie ihre Nullzinspolitik aufgeben und einen Normalisierungskurs einschlagen. Die SNB wird den Leitzins, also den mittle- ren Wert des Zinszielbandes, behutsam auf 1,0 % zum Jahresende anheben. Das Instrument Devi- senmarktintervention zu Lasten des Frankens behält die SNB vorerst im Köcher und wird damit eine Aufwertung der Schweizer Währung gegenüber dem Euro verhindern. In einem Umfeld stei- gender Zinsen bzw. Renditen werden sich erfahrungsgemäß die Zinsdifferenzen zu Lasten des Franken ausweiten. Dies wird dann vermutlich die Schweizer Währung unter Druck setzen und den Euro-Franken-Kurs im Verlauf von 2010 bis auf 1,57 steigen lassen. Deshalb dürften Devi- senmarktinterventionen in den Hintergrund rücken. SNB-Zinswende erst im späteren Jahresverlauf Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 25 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.3.6 Schweden: Euro-Einführung trotz Krise noch kein Thema Schweden ist eines der wenigen Industrieländer, das bereits 2008 ein Minuswachstum verkraften musste (-0,4 %). Dies hat sich 2009 noch verschärft: Das BIP wird um voraussichtlich 4,5 % schrumpfen. 2010 kann wieder mit einem Wachstum von etwa 1,3 % gerechnet werden. Hauptmo- tor wird die Binnennachfrage sein, die von Steuersenkungen und niedrigen Zinsen profitiert. Bevor wieder mehr investiert wird, muss allerdings die aktuell sehr niedrige Kapazitätsauslastung anstei- gen, die mit rund 78 % unter den Tiefstand während der letzten Finanzkrise Anfang der 90er Jahre (81,2 %) gesunken ist. Baltikum-Engagement: belastet, aber nicht bedrohlich Anlass zur Besorgnis bot zeitweise das hohe Engagement schwedischer Banken im Baltikum. Estlands Bankensystem etwa ist zu fast 100 % in schwedischer Hand. Diese Fokussierung führt in der aktuellen Krise zu starken Belastungen des Finanzsystems. Allerdings hat Schweden bereits im Herbst 2008 Stabilisierungsmaßnahmen ergriffen. Dazu gehören staatliche Garantien ebenso wie ein Stützungsfonds, der sich aus Beiträgen der Banken speist und so den schwedischen Steuerzah- ler schont. Außerdem haben die internationalen Stützungspakete für Lettland das Stabilitätsrisiko für das Baltikum insgesamt und damit auch für die betroffenen schwedischen Banken verringert. Geld- und Fiskalpolitik sind auf Krisenbekämpfung ausgerichtet: Die Regierung nimmt ein stei- gendes Budgetdefizit in Kauf (2010: rund 5 %), was angesichts der Wahlen im nächsten Septem- ber nicht überrascht. Auch die Geldpolitik wirkt stark expansiv: Der schwedische Leitzins (Repo- Rate) wurde zwischen Oktober 2008 und Juli 2009 um 450 Basispunkte auf 0,25 % gesenkt. Der Einlagensatz für Banken ist leicht negativ. Nachdem allerdings Ende Oktober in Norwegen die erste westliche Zentralbank die Zinswende eingeläutet hat, sind die Erwartungen an Schweden gestiegen. Mit einem ersten Schritt ist im zweiten Quartal zu rechnen, wenn die BIP- Quartalszahlen die Fortsetzung des Aufschwungs bestätigen. Die Staatsanleihen, die sich in den letzten Jahren in Skandinavien weitgehend gemeinsam entwickelten, hatten sich in der Krise stär- ker ausdifferenziert. Dabei fällt die Risikoprämie auf schwedische Papiere im Vergleich niedriger aus. Sie rentieren etwa auf dem Niveau der deutschen Papiere. Expansive Geld- und Fiskalpolitik Staatsanleihen wieder etwas teurer Skandinavische Währungen in Krisenturbulenzen Rendite 10-jähriger Staatsanleihen in % Währungen gegenüber dem Euro, Index, 1.1.2007 = 100 Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Turbulenzen in der Finanzkrise haben das Thema Euro-Beitritt neu angefacht, zumal Schwe- den derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne hat. Als kleine offene Volkswirtschaft ohne Wechsel- kursbindung ist Schwedens Währung in Krisenzeiten besonders in Mitleidenschaft gezogen. Dies zeigen die starken Einbußen der Krone gegenüber dem Euro sowohl in der aktuellen als auch in der letzten Finanzkrise Anfang der neunziger Jahre. Seit dem historischen Tiefpunkt Anfang März hat die schwedische Währung bis zum Sommer 2009 wieder aufgewertet. Damit ist auch die Euro- Diskussion wieder abgeflacht. Für 2010 ist im Zuge der Konjunkturerholung und bei anziehenden Zinsen von einer weiteren Erholung der Krone auszugehen. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 26 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.3.7 Polen: Ohne Rezession durch die Krise Polen kommt im regionalen Vergleich glimpflich durch die Krise. Zwar erleidet das Land wie die Region einen Wachstumseinbruch. Jedoch bleiben ihm negative Raten erspart: Mit einem Plus von voraussichtlich gut 1 % in diesem und knapp 2 % im nächsten Jahr setzt sich Polen in Osteuropa an die Spitze. Maßnahmen wie die Arbeitsmarktflexibilisierung durch das Anti-Krisengesetz vom Sommer 2009 geben der Konjunktur positive Impulse. Außerdem ist der Bankenmarkt in Polen weitgehend intakt, da die Vergabe von Krediten in ausländischer Währung weniger intensiv war als etwa im Baltikum und zusätzliche Stabilisierungsmaßnahmen ergriffen wurden (z.B. erhöhte Kreditanforderungen für Fremdwährungs- und Immobilienfinanzierungen). Ein Vorteil ist aber auch der relativ große Binnenmarkt, der dazu führt, dass sich bei stabilem Inlandsverbrauch das Wegbrechen der Exporte besser verkraften lässt. Was in der aktuellen Krise erwünscht ist, könnte sich im Aufschwung allerdings als Nachteil erweisen: Polen dürfte aufgrund der geringeren Han- delsverflechtung mit der EU vom europäischen Aufschwung nur begrenzt profitieren. Binnenmarkt stützt in der Krise Für die Rückkehr auf einen höheren Wachstumstrend spricht, dass die Investitionen im Vorfeld der Fußball-EM 2012 konjunkturell über 2010 hinaus spürbar sein werden, ebenso wie die Nut- zung der EU-Gelder im Rahmen der Regionalpolitik. Hier stehen 2007 bis 2013 knapp 70 Mrd. Euro zur Verfügung. Wenn darüber hinaus die Reform der Sozialsysteme angegangen wird, hat auch Polen gute Chancen auf ein nachhaltig solides Wachstum. Eine schwierige Aufgabe wird die Sanierung des Staatshaushalts sein, ohne die Konjunktur abzu- würgen – ein Problem, das Polen mit den meisten seiner EU-Kollegen teilt. Daher ist für 2010 ein ambitioniertes Privatisierungsprogramm geplant. Der Konsolidierungsdruck ist in Polen besonders ausgeprägt, da die Verschuldung näher an die 60 %-Grenze rückt, die die Verfassung als Grenze definiert und die das Land zur Erfüllung seiner Euro-Ambitionen einhalten muss. Im Sommer hatte Polen die ursprünglich für 2012 anvisierte Euro-Einführung verschoben. Zu sehr dominiert die aktuelle Konjunkturschwäche die Wirtschaftspolitik, so dass die Konjunkturförderung Priorität vor der Fiskaldisziplin erhält. Problematisch sind allerdings nicht nur die fiskalischen Kriterien, sondern auch die Festlegung eines angemessenen Wechselkurses. Damit ist die Euro-Einführung nicht vor 2014/15 realistisch. Pläne für Euro-Einführung verschoben Nur Polen ohne Rezession Zloty noch volatil BIP real gg. Vj. in % Währungen zum Euro, indexiert auf den jew. höchsten Wert im Juli 2008 -7 -5 -3 -1 1 3 5 7 -7 -5 -3 -1 1 3 5 7 Eurozone 2010 akei Ungarn 2009\* 2010\* Polen Tschechien Slow 2008 Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research; \*Prognosen Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Der Zloty profitiert von den günstigeren Fundamentaldaten und hat seit Februar wieder aufgewer- tet. Allerdings hat er quasi die Rolle eines Seismographen für die Region. Er konnte am wenigsten an dieser Aufwertung der Währungen teilhaben und wird weiter sensibel auf das Wirtschaftsge- schehen in der Region reagieren. Insgesamt dürfte sich der Erholungstrend aber 2010 fortsetzen. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 27 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.3.8 Ungarn: Großreinemachen in der Wirtschaft Unter den großen osteuropäischen EU-Mitgliedern ist Ungarn am stärksten von der Krise getrof- fen. Im ersten Dreivierteljahr 2009 sank das BIP gegenüber dem Vorjahr um rund 7 %, was auch ungefähr dem Jahresergebnis entsprechen dürfte. Die Verlangsamung des Abschwungs im zweiten Quartal deutet auf eine konjunkturelle Bodenbildung hin, 2010 muss aber nochmals mit einem leicht negativen BIP-Wachstum gerechnet werden. Stand-by-Abkommen zwingt zur Stabilität Das im Herbst 2008 mit dem IWF ausgehandelte Stand-by-Abkommen zwingt Ungarn zur Haus- haltsdisziplin. Es dämpft so zwar die Konjunkturdynamik, erzwingt aber auch Einsparungen und damit Reformen im Sozial- und Gesundheitswesen und Maßnahmen zur Steigerung der niedrigen Beschäftigungsquote. Mit dem IWF wurden für 2009 und 2010 Defizit-Ziele von unter 4 % des BIP vereinbart. Damit geht das über lange Jahre hohe Haushaltsdefizit (bis zu 9,2 % des BIP 2006) deutlich zurück. Die Wahlen im Frühjahr 2010, nach denen vermutlich die konservative Oppositi- on die Regierung übernehmen wird, könnten die Umsetzung des Sparprogramms gefährden. Die baldige Euro-Einführung wird jedoch auch nach einem politischen Wechsel das erklärte Ziel der Regierung bleiben. Angesichts der Datenlage ist hier nicht vor 2015 mit Neuigkeiten zu rechnen. Sonderfall Ungarn: Verordneter Sparkurs Krise lässt Leistungsbilanzdefizite schrumpfen Haushaltsdefizite in % des BIP Leistungsbilanzdefizite in % des BIP 0 2 4 6 8 10 Tschechien Polen Slowakei Ungarn 0 2 4 6 8 10 20082009\* 2010\* 0 2 4 6 8 Tschechien Polen Slo 2008 2009\* 2010\* wakei Ungarn 0 2 4 6 8 Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research; \*Prognose Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research; \*Prognose Die ungarische Zentralbank hat ihren vehementen Zinsschritt vom Oktober 2008 (Anhebung des Leitzinses um 300 Basispunkte auf 11,5 %) wieder mehr als zurückgenommen. Dennoch liegt der Leitzins mit 7,0 % in Europa immer noch an der Spitze. Da der Forint nach seiner schwächsten Phase im Frühjahr 2009 wieder deutlich aufgewertet hat und die Konjunktur noch geschwächt ist, sind weitere Zinssenkungen zu erwarten, die aber aufgrund der Inflationsentwicklung sorgfältig abgewogen werden müssen. Weitere Leitzins- senkungen zu erwarten Priorität hat die Wachstumsförderung vor der Inflationsbekämpfung. Die Inflation ist seit den hohen Werten im Frühjahr 2007 (bis 9 %) deutlich gesunken. Allerdings macht sich die monetäre Lockerung bemerkbar. Zudem wurden zum 1. Juli Erhöhungen der Verbrauchsteuern wirksam. Im Jahresdurchschnitt 2009 ist daher mit einer Inflation von gut 4 % zu rechnen. 2010 dürfte die Infla- tionsrate wieder innerhalb des Zentralbankziels liegen (3 % +/- 1 Prozentpunkt). Die nachlassende Risikoaversion gegenüber Osteuropa an den Finanzmärkten kommt auch Ungarn zugute: War in der Spitze (März 2009) für zehnjährige Staatsanleihen ein Zuschlag auf deutsche Papiere von 1.000 Basispunkten zu zahlen, hat sich der Spread mittlerweile mehr als halbiert. Bei der Platzierung von Euro-Anleihen besteht reges Investoreninteresse, so dass möglicherweise nicht die gesamten vorgesehenen Unterstützungskredite abgerufen werden. Damit würde die Autonomie der ungarischen Wirtschaftspolitik wieder zunehmen. Ob mit der Krisenbekämpfung allerdings eine Wende hin zu Stabilität und Nachhaltigkeit eingeleitet wurde, bleibt abzuwarten. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 28 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.3.9 Tschechien: Wohl gelitten von den Märkten Tschechien dürfte nach Polen in der Region Osteuropa die Wirtschaftskrise am besten überstehen: Das BIP wird voraussichtlich 2009 um über 4 % gegenüber dem Vorjahr sinken und 2010 mit gut 1 % leicht zulegen. Die konjunkturellen Schwankungen sind hier jedoch höher als im Nachbar- land: Tschechien als kleine offene Volkswirtschaft hängt stark von der wirtschaftlichen Entwick- lung der Handelspartner ab, allen voran von Deutschland, das 2008 mit jeweils rund 30 % den Hauptanteil an den tschechischen Importen und Exporten hatte. Hinzu kommt, dass die Struktur der tschechischen Wirtschaft mit ihrer starken Konzentration auf Kfz und Zulieferer das Land anfällig macht. Allerdings ist der tschechische Bankensektor solide aufgestellt: So ist die Kredit- vergabe der Banken weitgehend aus Einlagen finanziert. Die Verschuldung sowohl der privaten Haushalte als auch des Staates in ausländischer Währung ist relativ niedrig. Dadurch war Tsche- chien weniger direkt von der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen als von der Rezession bei den Handelspartnern sowie vom allgemeinen Misstrauen gegenüber der Region. Hohe Exportabhängigkeit Diese Stabilität wird auch von den Märkten honoriert, zudem reduziert der relativ niedrige Anteil an Auslandskrediten das Währungsrisiko: Die tschechische Krone musste in Osteuropa die kleinsten Einbußen gegenüber dem Euro hinnehmen, entsprechend gering ist das Aufwertungspo- tenzial. Bei den Staatsanleihen bestehen in Tschechien innerhalb der Region (abgesehen von der Slowakei) die niedrigsten Risikoaufschläge. Niedrige Risikozuschläge für tschechische Anleihen Leitzinsen z.T. auf historischen Tiefständen Spreads 10-jähriger Staatsanleihen zur deutschen Benchmark in BP Leitzinsen in % Jul 08 Sep Nov Jan 09 1000 Jul Sep Nov 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 13 13 Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 29 Mrz Mai 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 Ungarn Polen Tschechien Slowakei 03 04 05 06 07 08 09 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Ungarn Polen Tschechien EU-Beitritt Euroland Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Seit dem Ende der Koalition im vergangenen Frühjahr führt in Tschechien eine Expertenregierung die Geschäfte. Sie wird bis zu den Parlamentswahlen im Frühjahr 2010 im Amt sein. Ein Konjunk- turprogramm /Anti-Krisenpaket wurde noch vor dem Bruch der Koalition im März auf den Weg gebracht. Neben der Wirtschaftskrise sind die öffentlichen Haushalte die größte Herausforderung für die neue Regierung, da das Budgetdefizit stark gestiegen ist (2009 voraussichtlich -6,3 %). Tschechiens Notenbank senkt ab Januar 2010 ihr Inflationsziel von 3 % auf 2 % (+/- 1 Prozent- punkt), das voraussichtlich eingehalten werden kann. Aktuell liegt der Leitzins mit 1,25 % knapp über dem Euroland-Niveau. Angesichts des geringen Verbraucherpreisanstiegs (z.T. sogar leicht negativ) hätte die Notenbank Spielraum für eine weitere Zinssenkung. Sie wird allerdings darauf achten, die Krone nicht zu destabilisieren bzw. für Anleger attraktiv zu halten. Eine zu starke Kro- ne wiederum würde wegen der starken Exportorientierung den Aufschwung bremsen. Für die Euro-Einführung gibt es bislang keinen Terminplan. Wahrscheinlich ist ein Datum nicht vor 2015. Die größten Hürden dürften das Haushaltsdefizit und die rasch wachsende Staatsverschuldung sein. Hinzu kommt die euroskeptische Haltung des Staatspräsidenten Vaclav Klaus. Haushaltsdaten sind Hürden für Euro-Einführung Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.3.10 Russland: Aufschwungsnachzügler Die russische Wirtschaft spürte im ersten Halbjahr 2009 die Auswirkungen der Weltrezession stärker als erwartet. Das BIP dürfte 2009 um etwa 7 ½ % fallen, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaft im vierten Quartal wieder zulegt. Dabei hat der Staat die Wirtschaft in Höhe von 6 % des BIP stark gestützt. Da die inländischen Kapitalmärkte noch unterentwickelt sind, haben sich die russischen Unternehmen im Ausland stark verschuldet. Viele Unternehmen standen 2009 wegen des eingeschränkten Zugangs zu den internationalen Kreditmärkten vor Rückzah- lungsproblemen. Oft musste der russische Staat einspringen. In der Folge erhöhte sich die Staats- quote der Wirtschaft wieder auf 50 %, was selbst der Regierung Unbehagen bereitet. Sie denkt jetzt wieder an Privatisierungen und umwirbt ausländische Investoren. Mit Verspätung dürfte der Aufschwungszug auch in Russland ankommen. Die Stimulierungspakete wirken zum Teil erst verzögert, die Ölpreise tendieren wieder fester und die russische Kreditklemme der Banken lockert sich sehr langsam. Zunächst wird die Wirtschaft 2010 mit 2 % jedoch nur bescheiden wachsen. Nach starkem Einbruch langsame Erholung Nach stark gefallenen Staatseinnahmen wird die Regierung zumindest bis 2011 hohe Haushaltsde- fizite zu verbuchen haben. Der in Boomjahren gebildete Reservefonds, der Anfang 2009 noch 137 Mrd. $ betrug, dürfte bereits Ende 2010 aufgebraucht sein. Die russische Regierung wird sich daher 2010 nach langer Abstinenz größere Beträge, gedacht ist an 20 Mrd. $, an den internationa- len Kapitalmärkten borgen müssen. Rezessionsbedingt ist die Preissteigerung im Oktober 2009 auf unter 10 % zurückgegangen, bleibt aber vergleichsweise hoch. Im Verein mit einem sich wieder aufwertenden Rubel ermöglicht dies der Zentralbank, geldpolitische Impulse zu geben. Die Refi- nanzierungsrate wurde bis Ende Oktober um 350 Basispunkte auf 9,5 % vermindert. Weitere Zins- lockerungen 2010 stehen unter dem Vorbehalt, dass die Inflation in Russland hartnäckig verankert ist. Gerade in starken Rubelphasen stemmt sich die Zentralbank mit Interventionen gegen die Auf- wertung, was allerdings die Inflationsbekämpfung zusätzlich erschwert. Sie kann den Wechselkurs jedoch nur begrenzt beeinflussen, da der Ölpreis nach wie vor die entscheidende Determinante des Rubelkurses ist. Trotz Rückgang beacht- lich hohe Inflationsrate Private ausländische Investitionen (netto) Budget- und Leistungsbilanzsalden Mio. $ % des BIP -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 2006 2007 2008 2009s 2010p -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 Budget Leistungsbilanz -50.000 -40.000 -30.000 -20.000 -10.000 0 10.000 20.000 2006 2007 2008 2 Direktinvestitionen Portfolioinvestitionen 009s 2010p -50.000 -40.000 -30.000 -20.000 -10.000 0 10.000 20.000 Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research; s=Schätzung; p=Prognose Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research; s=Schätzung; p=Prognose Die Importausgaben brachen 2009 prozentual noch stärker als die Exporteinnahmen ein. Die Leis- tungsbilanz zählt daher nach wie vor zu den Aktivposten Russlands. Die Investitionsgüterimporte werden aber bei den von der Regierung angekündigten Diversifizierungsanstrengungen, um die hohe konjunkturelle und fiskalische Abhängigkeit vom Energiesektor zu vermindern, kräftig stei- gen. Dies bedeutet künftig niedrigere außenwirtschaftliche Überschüsse als in den Jahren vor der Krise. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 30 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.4 Asien wieder vorne 3.4.1 Japan: Damoklesschwert Deflation Die Erholung vollzieht sich in Japan auf niedrigem Niveau (nominales BIP-Volumen auf dem Stand von 1992) sowie in moderatem Tempo. Für 2010 ist nach einem scharfen Rückgang im Vorjahr mit einem BIP-Anstieg um 1,7 % zu rechnen. Zwar gehen von der anziehenden Weltnach- frage dank der hohen Industrie- und Exportausrichtung Japans zunächst spürbare Impulse aus, die allerdings durch den starken Yen geschmälert werden. Mit dem Nachlassen der fiskalpolitischen Stimuli im kommenden Jahr werden die Grenzen der gesamtwirtschaftlichen Expansion deutli- cher: der trendmäßige Bevölkerungsrückgang und das ausufernde öffentliche Budgetdefizit, das 2010 mehr als 8 % des BIP ausmachen dürfte, drücken das mittelfristige Potenzialwachstum unter 1 %. Die begrenzte Konsolidierung nach zahlreichen Konjunkturprogrammen seit Anfang der neunziger Jahre macht sich schmerzhaft bemerkbar, und das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts ist in weite Ferne gerückt. Das exorbitant hohe Staatsdefizit von bald 200 % des BIP lässt der neuen Regierung wenig Handlungsmöglichkeiten für eine Stimulierung des privaten Konsums. Bevölkerungsrückgang und Staatsverschuldung belasten Damit ist eine verhaltene Entwicklung der Binnenwirtschaft absehbar und das Risiko einer wieder abebbenden Wachstumsdynamik gegeben. Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dürfte solange mäßig bleiben wie sich keine dauerhafte Verbesserung ihrer Absatzperspektiven und somit der Kapazitätsauslastung einstellt. Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt trübt die Stimmung der privaten Haushalte, die neben dem drohenden Wegfall von Kaufanreizen mit einer anhaltenden Unsicherheit über die Preisentwicklung konfrontiert sind. Schwache BIP-Entwicklung auf niedrigem Niveau Deflation hält sich hartnäckig Billionen Yen % gg. Vj Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Die seit Jahren andauernde und nie wirklich überwundene Deflation in Japan sorgt für ein zurück- haltendes Ausgabeverhalten von Unternehmen wie Konsumenten. Dies lähmt die gesamtwirt- schaftlichen Aufschwungkräfte, obwohl die Wahrscheinlichkeit eines akzelerierenden Deflations- prozesses begrenzt ist (2010: -0,8 %). Der preisliche Abwärtsdruck dürfte durch die hohen Über- kapazitäten sowie die sinkenden Löhne zunächst bestehen bleiben und nur vom Rohstoffpreisan- stieg gemildert werden. Erst mittelfristig sollte sich die Veränderungsrate der Konsumentenpreise gegenüber Vorjahr in den positiven Bereich vortasten können. flation bleibt Risiko für japanische Wirtschaft De Angesichts weiter rückläufiger Preise sind der Bank of Japan auf absehbare Zeit die Hände für eine Leitzinswende gebunden, was lediglich für einen moderaten Renditeanstieg der Staatsanlei- hen spricht. Bei begrenztem Spielraum am japanischen Kapitalmarkt erhöhen sich die staatlichen Zinszahlungen nur etwas, während sich der fortgesetzte Preisrückgang negativ auf die öffentliche Verschuldung auswirkt. Die Deflationspersistenz bleibt ein nicht zu vernachlässigendes Risiko für die weitere Entwicklung der japanischen Wirtschaft. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 31 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.4.2 China: Auf dem Vormarsch Als dynamischste unter den großen Volkswirtschaften spielt China eine zentrale Rolle für die globale Konjunkturerholung. Mit seinem großvolumigen Konjunkturprogramm hat das exportab- hängige Land die weltweite Nachfrageschwäche gut überbrückt und durch die Stärkung der Bin- nenkräfte bereits im Frühjahr 2009 ein Anziehen seiner Wachstumsdynamik erreicht. Unterstützt vom sich wieder belebenden Welthandel zeichnet sich nun eine Verbreiterung des Aufschwungs im Reich der Mitte ab. Bei wieder besserer Auftragslage und Gewinnperspektiven sind zunehmend Investitionen sowie Neueinstellungen der Unternehmen zu erwarten, was sich letztlich auch im privaten Konsum - der Achillesferse einer nachhaltigen Erholung - niederschlagen wird. Sollte dies nicht für ein ansehnliches BIP-Wachstum ausreichen, gehen wir davon aus, dass China seiner Binnenwirtschaft weiter unter die Arme greift. Das staatliche Budgetdefizit dürfte 2010 knapp 4 % des BIP betragen; die hohe Kreditaufnahme lokaler Regierungen ist hierbei allerdings unberück- sichtigt. Staatsverschuldung moderat trotz umfang- reicher Konjunkturstimuli Mittlerweile rückt jedoch die Inflationsthematik immer mehr ins Blickfeld Pekings. Die Intensität wirtschaftspolitischer Stimuli wird vorsichtig zurückgefahren, denn die staatlich initiierte Liquidi- tätsschwemme zzgl. ausländischer Kapitalzuflüsse birgt die Gefahr von Vermögenspreisblasen. Auch das mittelfristige Aufwärtsrisiko für die gesamtwirtschaftliche Teuerung ist nicht zu ver- nachlässigen (Prognose 2010: 2,7 %), wenn gleich dies derzeit von industriellen Überkapazitäten und der moderaten Entwicklung der Nahrungsmittelpreise begrenzt wird. Neben anderen liquidi- tätsabschöpfenden Maßnahmen wird die Leitzinswende absehbar. Darüber hinaus dürfte die chine- sische Zentralbank 2010 wieder eine Yuan-Aufwertung gegenüber dem Dollar zulassen. Durch die Lockerung der Währungsbindung steigt der geldpolitische Spielraum. Damit kann China seine langfristige Strategie der Yuan-Internationalisierung fortsetzen und zudem über billigere Importe die inländische Kaufkraft stärken. Überschussliquidität birgt Preisrisiken China bald zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt Mittelfristige Inflationsrisiken Nominales BIP in Billionen $ % gg. Vj. 0 3 5 8 10 13 15 1980 1985 1990 1995 Ja Deutschland 2000 2005 2010\* 0 3 5 8 10 13 15 China USA pan Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research; \* Prognose Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Mit einem voraussichtlichen BIP-Anstieg von rund 9 % in 2010 erweist sich die chinesische Volkswirtschaft weiterhin als sehr dynamisch, auch wenn damit nicht mehr die Spitzenraten der vergangenen Jahre erreicht werden. Inländische Überkapazitäten und verminderte ausländische Absatzmöglichkeiten begrenzen das Wachstum des gesamtwirtschaftlichen Potenzials. Dennoch führt die im internationalen Vergleich kräftige Expansion zu einer weiter zunehmenden Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft. Nachdem das Reich der Mitte – gemessen am nominalen BIP- Volumen in $ – im Jahr 2007 Deutschland überholt hat, besitzt es gute Chancen, 2010 an Japan vorbeizuziehen und damit die zweitgrößte Volkswirtschaft hinter den USA zu werden. Langfristig wird das aufstrebende China noch weiter vorrücken. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 32 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.4.3 Indien: Hohe Wachstumsraten Indien ist nicht nur eine der am wenigsten von der globalen Krise betroffenen Volkswirtschaften Asiens, sondern bietet auch vielversprechende Wachstumsperspektiven: Für das im kommenden März auslaufende Fiskaljahr ist ein solider Anstieg des BIP von rund 6 % gegenüber Vorjahr zu erwarten, der sich 2010 auf 7,7 % beschleunigen sollte. Die gesamtwirtschaftliche Standhaftigkeit rührt von robusten Binnenkräften bei einer gleichzeitig begrenzten Exportausrichtung her. Weit mehr als die Hälfte der indischen Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft und auf einem niedri- gen Einkommensniveau, so dass ein Großteil der Konsumnachfrage weniger von der Weltwirt- schaft als vom Monsun abhängig ist. Nach dem Wachstumsdämpfer durch die im Sommer 2009 schwachen Regenfälle dürfte das Expansionstempo wieder anziehen. Die antizyklische Wirt- schaftspolitik hat hierfür den Boden bereitet und auch die intensiven Handelsbeziehungen mit dem regionalen Wachstumsmotor China tragen dazu bei. Monsun entscheidender als Weltwirtschaft Solides BIP-Wachstum dank Binnenkräften Fiskalpolitischer Spielraum gering % gg. Vj. Budgetsaldo in % des BIP (Fiskaljahr) 0 2 4 6 8 10 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2 Privater Konsum BIP 007 2008 2009\* 2010\* 0 2 4 6 8 10 -8 -6 -4 -2 0 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009\* 2010\* -8 -6 -4 -2 0 Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research; \* Prognose Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research; \* Prognose Ausländisches Kapital spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle für die Entwicklung der indi- schen Volkswirtschaft, in der die Kapitalallokation aufgrund des staatlich gelenkten Finanzsystems beeinträchtigt ist – eine offene Flanke im Falle nachlassender Kapitalzuflüsse. Als bedeutende Destination für Portfolio- und Direktinvestitionen profitiert Indien in besonderem Maße vom im Frühjahr zurückgekehrten Vertrauen internationaler Investoren. Dies ist umso wichtiger in Anbet- racht der schwachen Finanzsituation des Staates. Im laufenden Fiskaljahr ist ein Anstieg der zent- ralstaatlichen Verschuldung auf rund 60 % des BIP zu erwarten, entsprechend dürfte das Budget- defizit mit rund 8 % so hoch liegen wie lange nicht. Priorität bei den Staatsausgaben haben die Unterstützung der armen Landbevölkerung sowie der dringend notwendige Infrastrukturausbau. So muss die im letzten Frühjahr wiedergewählte Regierung die Balance finden zwischen der Kon- solidierung ihrer Finanzen einerseits und der Förderung der volkswirtschaftlichen Wachstumsbasis andererseits. Ausländisches Kapital wichtig – zumal Staats- verschuldung hoch Im Vergleich zur Fiskalpolitik verfügt die Reserve Bank of India (RBI) über weitaus größeren Handlungsspielraum. Inflationssorgen sind zunehmend ein Thema: Die Veränderungsrate der Verbraucherpreise gegenüber Vorjahr bewegt sich seit Sommer im zweistelligen Bereich, während das von der Geldpolitik bevorzugte Teuerungsmaß der Großhandelspreise gerade erst wieder in positives Terrain gelangt ist (Prognose 2010: 8,8 % versus 5,5 %). Ursache für den Niveauunter- schied zwischen beiden Indizes ist neben Basiseffekten vor allem die differierende Gewichtung der Nahrungsmittelpreise, die bedingt durch die magere Ernte gestiegen sind. Als Vorbereitung einer baldigen Leitzinswende (Repo-Satz derzeit 4,75 %) hat die RBI damit begonnen, ihre un- konventionellen, in der globalen Finanzkrise eingeführten Stützungsmaßnahmen für den Finanz- sektor zurückzufahren. Indien dürfte Anfang 2010 als eines der ersten Emerging Markets die Leit- zinsen anheben. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 33 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.4.4 Südkorea: Starke Außenorientierung Korea hat eine eindrucksvolle Kehrtwende vollzogen: Ebenso wie es frühzeitig und heftig von der Finanzkrise erfasst wurde, kann das Land bereits seit Frühjahr 2009 spürbar von der globalen Konjunkturerholung und dem an den Finanzmärkten zurückgekehrten Vertrauen profitieren. Diese Sensitivität liegt in der hohen Abhängigkeit von Auslandsnachfrage und -kapital begründet. Mit einer nominalen Export-BIP-Quote von über 50 % spürt Südkorea den externen Impuls deut- lich, zumal es industrielastig aufgestellt ist und durch die Unterbewertung seiner Währung eine recht gute Wettbewerbsposition einnimmt. Schubkraft kommt insbesondere von den engen außen- wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem regionalen Wachstumsmotor China. Positive Effekte für den koreanischen Außenhandel sollten auch aus dem weitreichenden Abkommen mit der EU er- wachsen, dessen Unterzeichnung im kommenden Jahr ansteht. Demgegenüber ist 2010 nur eine verhaltene Binnendynamik zu erwarten, wenn gleich dann noch nicht alle wirtschaftspolitischen Stimuli auslaufen. Doch die Unternehmen dürften zunächst noch vorsichtig mit Investitionsvorha- ben sein, die Kauflaune der privaten Haushalte vermutlich durch den hohen Verschuldungsgrad sowie Arbeitsplatzunsicherheiten getrübt werden. Das zu erwartende Wachstum von gut 5 % im kommenden Jahr rührt also maßgeblich von der weltwirtschaftlichen Nachfrage her. Schubkraft von Exporten wichtig Erholung getrieben von außenwirtschaftlicher Nachfrage Auslandsverschuldung auf hohem Niveau Indexiert auf 01.01.2009 Anteil an gesamter Außenverschuldung in % Mrd. $ Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Ausländische Kapitalzuflüsse spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Südkoreas. Die Außenverschuldung ist sehr hoch und besteht zu fast 40 % aus kurz- fristigen Verbindlichkeiten. Dies macht Korea im Falle einer nachlassenden Risikobereitschaft der Investoren leicht verwundbar. Ein gewisses Gegengewicht schaffen allerdings die umfangreichen Währungsreserven von rund 260 Mrd. $, die nicht zuletzt durch Devisenmarktinterventionen zur Milderung des Aufwertungsdrucks auf den Won gestiegen sind. Risikofaktor hohe Außenverschuldung Die Bank of Korea dürfte neben ihren Aktivitäten auf währungspolitischem Terrain bald auch die Leitzinsen erhöhen (aktuell bei 2 %). Dies dient zunächst jedoch mehr der Normalisierung des Leitzinsniveaus als der Inflationsbekämpfung. Schließlich ist 2010 mit einer gesamtwirtschaftli- chen Teuerung von durchschnittlich 2,7 % zu rechnen, was im Einklang mit den geldpolitischen Zielvorgaben von 2,5-3,5 % stehen würde. Als Nettoimporteur von Energie ist Korea allerdings von den wieder anziehenden Weltmarktpreisen in besonderem Maße betroffen, ähnlich bei ande- ren Rohstoffen. Zudem birgt die angespannte Situation am Wohnimmobilienmarkt Inflationsrisi- ken. So dürfte die Zentralbank einen graduellen, moderaten Zinserhöhungskurs vollziehen. Insge- samt bleibt die Wirtschaftspolitik Südkoreas erst einmal expansiv ausgerichtet. Das überschaubare Ausmaß der öffentlichen Verschuldung (Budgetsaldo 2010: rund -4 % des BIP) ermöglicht eine weitere fiskalpolitische Unterstützung der Binnenwirtschaft. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 34 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 3.5 Brasilien: wasserdicht Die brasilianische Volkswirtschaft hat sich gegenüber dem weltweiten Konjunktur-Wolkenbruch als weitgehend wasserdicht gezeigt. Zum einen sind die Exporte breit diversifiziert – von Indust- riegütern über Rohstoffe bis hin zu Agrargütern – und werden von vielen Ländern nachgefragt. Inzwischen steht das Wachstumszentrum China mit einem Anteil von fast 10 % bei den Ausfuhren direkt hinter den USA an zweiter Stelle und dürfte auch 2010 kräftig Rohstoffe bestellen. Zum anderen fiel es der Regierung aufgrund des großen Binnenmarktes leichter, die Konjunktur mit Nachfrage belebenden Maßnahmen zu stimulieren: Vorübergehende Steuererleichterungen beim Kauf von Autos, Baumaterialien und Haushaltsgeräten, antizyklisches staatliches Ausgabeverhal- ten sowie die Erhöhung der Mindestlöhne verhinderten 2009 einen Rückgang des BIP. Der Mitte 2009 begonnene Wirtschaftsaufschwung wird sich 2010 in einem Wachstum von voraussichtlich 4 % niederschlagen. Allerdings wird die Fiskalpolitik nach den Präsidentschaftswahlen im Herbst 2010, bei denen Präsident Lula laut Verfassung nicht mehr antreten darf, auf die Bremse treten müssen. Die Wachstumsgeschwindigkeit dürfte daher 2011 etwas nachlassen. Robuster Konsum dank vorübergehender Steuererleichterungen Die Zentralbank hat 2009 die Zinsschraube aus dreierlei Gründen gelockert. Die Inflation fiel im Jahresverlauf kontinuierlich bis auf unter 5 %, und der Anstieg des Budgetdefizits auf gut 3 % des BIP hielt sich im internationalen Vergleich in Grenzen. Bisher lagen die realen Zinsen in Brasilien zudem auf hohem Niveau, was Zinssenkungen ungefährlich erscheinen ließ. Insgesamt hat die Zentralbank den Leitzins seit Anfang 2009 um 400 Basispunkte auf 8,75 % zurückgenommen. Infolge des konjunkturellen Aufschwungs, der beachtlichen Staatsverschuldung (64 % des BIP) und den Stimmungsschwankungen, denen die brasilianischen Finanzmärkte unterliegen, dürfte die Zentralbank den Geldhahn allerdings nicht weiter aufdrehen. Im Laufe von 2010 sind eher wieder restriktivere Schritte der Zentralbank zu erwarten. Großzügige Geldpolitik Private ausländische Investitionen (netto) Budget- und Leistungsbilanzsalden Mio. $ % des BIP -4 -3 -2 -1 0 1 2 2006 2007 2008 2009s 2010p -4 -3 -2 -1 0 1 2 Budget Leistungsbilanz -10.000 0 10.000 20.000 30.000 2006 2007 2008 2 Direktin- vestitionen Portfolioinvestitionen 009s 2010p -10.000 0 10.000 20.000 30.000 Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research; s=Schätzung; p=Prognose Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research; s=Schätzung; p=Prognose Die Zahlungsfähigkeit des Landes ist kein Thema mehr, auch wenn sich die Leistungsbilanz 2010 voraussichtlich verschlechtern wird. Zuflüsse von Direkt- und Portfolioinvestitionen, die allerdings je nach Risikoaversion schwanken, dürften das Leistungsbilanzdefizit finanzieren. Um den ge- genwärtigen Aufwertungsdruck auf den Real zu mildern, besteuert die Regierung seit Oktober 2009 die zufließenden Portfolioinvestitionen mit 2 %. 2010 wird sich der Real wahrscheinlich wieder etwas schwächer zeigen. Andernfalls dürfte die Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Wirtschaft leiden, denn das aktuelle Kursniveau liegt handelsgewichtet über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 35 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 4 Prognosen im Überblick 4.1 Bruttoinlandsprodukt und Inflation Verbraucherpreise Veränderung gg. Vorjahr in % 2009p 2010p 2011p 0,3 1,6 1,8 0,1 1,5 1,6 0,7 1,9 2,1 -0,3 1,7 1,9 0,3 1,6 1,8 2,1 2,4 2,3 -0,5 1,2 1,5 -0,5 0,8 1,7 3,4 3,0 2,7 4,1 3,3 2,5 1,0 1,5 2,0 11,9 8,6 8,2 -0,3 2,0 1,3 -1,3 -0,8 0,0 2,5 4,0 3,5 -0,8 2,7 3,3 10,2 8,8 5,5 2,8 2,7 2,7 5,9 5,5 5,0 4,9 4,2 4,0 1,5 2,7 2,5 Quelle: EIU, EcoWin, DatastreamHelaba Volksw irtschaft/Research 2008 2009p 2010p 2011p 2008 Euroland 0,6 -3,9 1,5 1,5 3,3 Frankreich 0,3 -2,3 1,7 1,6 3,2 Italien -1,0 -4,7 1,4 1,3 3,5 Spanien 0,9 -3,6 0,5 1,0 4,1 Deutschland\* 1,0 -4,8 1,8 1,7 2,6 Großbritannien 0,7 -4,7 1,2 1,4 3,6 Schw eiz 1,8 -1,5 1,4 1,3 2,4 Schw eden -0,4 -4,5 1,3 1,5 3,5 Polen 4,9 1,2 1,8 3,0 4,2 Ungarn 0,6 -7,0 -1,0 2,6 6,1 Tschechien 2,3 -4,3 1,5 2,3 6,4 Russland 5,6 -7,5 2,0 3,0 14,1 USA 0,4 -2,4 2,8 2,3 3,8 Japan -0,7 -5,3 1,7 0,9 1,4 Asien ohne Japan 5,5 4,2 6,5 6,3 7,0 China 9,0 8,2 9,2 8,8 5,9 Indien 6,0 6,0 7,7 8,0 8,3 Südkorea 2,2 0,4 5,1 3,5 4,7 Lateinamerika 3,9 -3,0 2,5 2,5 7,7 Brasilien 5,1 0,0 4,0 3,5 5,7 Welt 2,4 -1,3 3,4 3,2 5,0 s=Schätzung, p=Prognose; \*Deutschland: arbeitstäglich bereinigt; Bruttoinlandsprodukt real Veränderung gg. Vorjahr in % Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 36 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 4.2 Leistungsbilanz- und Budgetsalden Budgetsaldo in % des BIP 2009s 2010p 2011p -6,4 -6,5 -6,0 -8,0 -8,2 -7,5 -5,3 -5,3 -5,0 -11,0 -9,0 -9,0 -4,0 -5,0 -4,5 -12,0 -12,5 -10,0 -0,5 -1,5 -0,5 -3,0 -5,0 -4,5 -6,0 -6,5 -5,0 -4,0 -3,8 -3,5 -6,3 -5,3 -4,7 -7,7 -6,0 -5,5 -8,8 -9,5 -8,3 -7,7 -8,4 -6,2 -4,3 -4,1 -3,1 -3,8 -3,7 -2,6 -8,0 -7,2 -6,7 -3,9 -4,2 -2,4 -3,2 -3,0 -2,5 Quelle: Helaba Volksw irtschaft/Research 2008 2009s 2010p 2011p 2008 Euroland -1,5 -1,1 -1,0 -0,8 -2,0 Frankreich -2,3 -2,2 -2,0 -1,9 -3,4 Italien -3,4 -3,3 -2,9 -2,8 -2,7 Spanien -9,6 -4,8 -4,2 -4,1 -4,1 Deutschland 6,6 4,2 5,3 5,5 0,0 Großbritannien -1,6 -2,1 -1,5 -1,5 -5,0 Schw eiz 2,4 8,5 9,5 10,0 0,9 Schw eden 8,4 7,3 6,5 6,0 2,5 Polen -5,5 -0,5 -3,0 -2,5 -3,9 Ungarn -8,4 -2,0 -2,5 -3,0 -3,4 Tschechien -3,1 -1,8 -2,0 -2,5 -1,5 Russland 6,1 3,2 3,0 2,2 3,8 USA -4,9 -3,0 -3,6 -3,5 -4,8 Japan 3,2 2,6 2,4 2,0 -2,7 Asien ohne Japan 4,2 4,2 2,7 2,3 -1,2 China 9,6 6,3 4,5 3,9 -0,4 Indien -3,0 -0,2 0,0 -0,7 -6,2 Südkorea -0,7 5,2 3,7 2,7 1,2 Lateinamerika -0,6 -1,0 -1,5 -2,0 Brasilien -1,8 -1,0 -2,1 -3,1 -1,5 s=Schätzung, p=Prognose in % des BIP Leistungsbilanzsaldo Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 37 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 4.3 USA 2010p Q1 Q2 Q3 Q4 2,3 2,9 3,0 2,2 2,1 1,8 0,8 1,2 1,4 1,6 0,5 5,4 7,4 5,2 4,6 4,5 -8,5 9,0 9,8 9,6 9,3 9,1 1,3 2,4 2,3 1,7 1,4 1,5 1,5 1,0 0,9 0,9 marktstützungspakete 2011p BIP\* % gg. Vj. / Vq. JR 0,4 -2,4 2,8 Konsumausgaben der priv. HH\* % gg. Vj. / Vq JR -0,2 -0,5 1,4 Staatsausgaben\* % gg. Vj. 3,1 2,2 3,0 Anlageinvestitionen\* % gg. Vj. 1,6 -17,4 4,3 Ausrüstungsinvestitionen\* % gg. Vj. -2,6 -17,0 8,7 Wohnungsbauinvestitionen\* % gg. Vj. -22,9 -20,1 3,9 Exporte\* % gg. Vj. 5,4 -10,8 4,7 Importe\* % gg. Vj. -3,2 -14,7 7,0 Haushaltssaldo (Federal) \*\* % am BIP -4,6 -8,7 -9,5 Arbeitslosenquote % 5,8 9,2 9,4 Verbraucherpreisindex % gg. Vj. 3,8 -0,3 1,9 ohne Energie und Nahrungsmittel % gg. Vj. 2,3 1,7 1,1 s=Schätzung, p=Prognose, \* real (in chained Dollars von 2005), \*\* ohne Finanz Quellen: EcoWin, Helaba Volksw irtschaft/Research 2008 2009s 2010p 4.4 Europa 4.4.1 Deutschland Q1 Q2 Q3 Q4 1,6 1,7 0,4 0,3 0,4 0,5 0,7 0,3 0,1 0,2 0,2 0,0 1,7 4,0 0,0 3,0 2,0 155 140 4.200 9,9 9,1 9,6 9,9 10,2 1,8 1,2 1,6 1,8 2,0 -4,5 Quellen: Statistisches Bundesamt, EcoWin, Helaba Volksw irtschaft/Research 2010p 2011p Bruttoinlandsprodukt % gg. Vj., real 1,3 -4,9 1,9 Bruttoinlandsprodukt arbeitstäglich bereinigt % gg. Vj., real 1,0 -4,8 1,8 Konsumausgaben der privaten Haushalte\* % gg. Vj., real 0,4 0,7 0,5 Konsumausgaben des Staates % gg. Vj., real 2,1 2,3 1,0 Bruttoanlageinvestitionen % gg. Vj., real 3,1 -9,2 1,0 Ausrüstungsinvestitionen % gg. Vj., real 3,3 -19,0 2,0 Bauinvestitionen % gg. Vj., real 2,6 -2,0 0,0 Exporte % gg. Vj., real 2,9 -13,0 8,0 Importe % gg. Vj., real 4,3 -8,0 5,0 Handelsbilanzsaldo Mrd. € 178,4 115 145 Leistungsbilanzsaldo Mrd. € 165,2 100 130 Arbeitslose Tsd. 3.268 3.500 4.100 Arbeitslosenquote in % d. gesamten Erw erbspersonen 7,8 8,3 9,7 Preisindex für die Lebenshaltung aller privater Haushalte % gg. Vj., real 2,6 0,3 1,6 Defizit/Überschuss der öffentlichen Haushalte in % des BIP 0,0 -4,0 -5,0 \*einschl. priv. Organisationen ohne Erw erbszw eck 2008 2009s 2010p Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 38 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 4.4.2 Frankreich 2008 2009s Bruttoinlandsprodukt % gg. Vj., real 0,3 -2,3 Konsumausgaben der priv. Haushalte\* % gg. Vj., real 0,9 0,6 Bruttoanlageinvestitionen % gg. Vj., real 0,4 -7,0 Exporte % gg. Vj., real -0,6 -11,0 Importe % gg. Vj., real 0,6 -10,0 Leistungsbilanz Mrd. € -44,0 -42,0 Arbeitslosenquote in % 7,4 9,0 Preisindex für die Lebenshaltung\*\* % gg. Vj. 3,2 0,1 \*ohne Organisationen ohne Erw erbscharakter \*\*harmonisiert 2010p 2011p 1,7 1,6 1,3 1,7 1,0 2,5 4,0 4,0 2,3 3,0 -40,0 -39,0 9,8 9,6 1,5 1,6 Quellen: EcoWin, Helaba Volksw irtschaft/Research 4.4.3 Italien Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 39 2008 2009s 2010p 2011p Bruttoinlandsprodukt % gg. Vj., real -1,0 -4,7 1,4 1,3 Konsumausgaben der priv. Haushalte\* % gg. Vj., real -0,9 -1,7 1,0 0,7 Bruttoanlageinvestitionen % gg. Vj., real -2,9 -12,0 2,0 3,0 Exporte % gg. Vj., real -3,7 -19,0 5,0 4,5 Importe % gg. Vj., real -4,5 -15,0 5,5 4,5 Leistungsbilanz Mrd. € -53,6 -50,0 -46,0 -45,0 Arbeitslosenquote in % 6,8 7,8 8,5 8,5 Preisindex für die Lebenshaltung\*\* % gg. Vj. 3,5 0,7 1,9 2,1 \*ohne Organisationen ohne Erw erbscharakter \*\*harmonisiert ch Quellen: Statistisches Bundesamt, EcoWin, Helaba Volksw irtschaft/Resear 4.4.4 Spanien 2008 2009s 2010p 2011p Bruttoinlandsprodukt % gg. Vj., real 0,9 -3,6 0,5 1,0 Private Konsumausgaben\* % gg. Vj., real 0,5 -5,0 0,3 0,9 Bruttoanlageinvestitionen % gg. Vj., real -4,4 -15,0 1,0 4,0 Exporte % gg. Vj., real -1,0 -12,5 4,0 3,5 Importe % gg. Vj., real -4,9 -19,0 2,0 2,5 Leistungsbilanz Mrd. € -104,4 -50,0 -45,0 -40,0 Arbeitslosenquote in % 11,3 18,0 20,0 20,0 Preisindex für die Lebenshaltung\*\* % gg. Vj. 4,1 -0,3 1,7 1,9 \*incl. Organisationen ohne Erw erbscharakter \*\*harmonisiert Quellen: EcoWin, Helaba Volksw irtschaft/Research Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 4.4.5 Großbritannien 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj 0,6 -4,7 Arbeitslosenrate % 5,7 7,9 Budgetsaldo % des BIP -5,0 -12, Inflationsrate % 3,6 2,1 Leistungsbilanzsaldo % des BIP -1,6 -2,1 Marktprognosen \* aktueller Stand \*\* Q1 2010 Q2 USD je GBP 1,681,551 GBP je EUR 0,880,870 BoE-Leitzins 0,500,500 Rendite 10-jähr. Gilts 3,67 4,2 4,4 2010p 2011p 1,2 1,5 9,0 8,4 0 -12,5 -10,0 2,4 2,3 -1,5 -1,5 2010 Q3 2010 Q4 2010 ,531,611,69 ,850,840,83 ,501,001,50 4,2 4,1 s=Schätzung, p=Prognose \* Periodenende; \*\* 17.11.2009 Quellen: EcoWin, Helaba Volksw irtschaft/Research 4.4.6 Schweiz 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj 1,8 -1,5 Arbeitslosenrate % 2,6 3,7 Budgetsaldo % des BIP 0,9 -0,5 Inflationsrate % 2,4 -0,5 Leistungsbilanzsaldo % des BIP 2,4 8,5 Marktprognosen \* aktueller Stand \*\* Q1 2010 Q2 CHF je USD 1,021,151 CHF je EUR 1,511,551 SNB-Leitzins (Mittelw ert) 0,25 0,25 0,25 2010p 2011p 1,4 1,3 4,2 3,7 -1,5 -0,5 1,2 1,5 9,5 10,0 2010 Q3 2010 Q4 2010 ,211,161,11 ,571,561,55 0,50 1,00 Rendite 10-j. Staatsanleihen 1,96 2,6 2,8 2,7 2,6 s=Schätzung, p=Prognose \* Periodenende; \*\* 17.11.2009 Quellen: EcoWin, Helaba Volksw irtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 40 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 4.4.7 Schweden 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj -0,4 -4,5 Arbeitslosenrate % 6,2 9,3 Budgetsaldo % des BIP 2,5 -3,0 Inflationsrate % 3,5 -0,5 Leistungsbilanzsaldo % des BIP 8,4 7,3 Marktprognosen \* aktueller Stand \*\* Q1 2010 Q2 SEK je USD 6,877,417 SEK je EUR 10,22 10,00 9,70 RB-Leitzins 0,250,250 Rendite 10-jähr. Staatsanleihen 3,25 3,8 4,0 s=Schätzung, p=Prognose \* Periodenende; \*\* 17. 2010p 2011p 1,3 1,5 11,3 11,6 -5,0 -4,5 0,8 1,6 6,5 6,0 2010 Q3 2010 Q4 2010 ,467,267,00 9,80 9,80 ,501,001,50 3,8 3,8 11.2009 Quellen: EIU, EcoWin, Helaba Volksw irtschaft/Research 4.4.8 Polen 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj 4,9 1,2 BIP pro Kopf $ 13.794 11.359 Bevölkerung Mio. 38,1 38,2 Arbeitslosenrate % 9,8 10,9 Inflationsrate % 4,2 3,4 Außenwirtschaft Leistungsbilanzsaldo % des BIP -5,5 -0,5 Auslandsschulden % des BIP 43 46 Kurzfristige Auslandsschulden Mrd. $ 68 54 Schuldendienst Mrd. $ 52 53 " in % der Deviseneinnahmen % 22 28 Liquiditätsposition Q4 2008 Q1 Währungsreserven Mrd. $ 59,3 58,2 " in % der Importe % 22 31 Schulden bei BIZ-Banken Mrd. $ 115,7 106,9 Guthaben bei BIZ-Banken Mrd. $ 22,3 16,7 2010p 2011p 1,8 3,0 12.484 13.342 38,1 38,1 12,0 11,5 3,0 2,7 -3,0 -2,5 46 44 58 62 45 53 23 25 2009 Q2 2009 Q3 2009 64,0 74,8 34 39 114,9 ... 20,7 ... s=Schätzung, p=Prognose Quellen: EIU, EcoWin, BIZ, IWF, Helaba Volksw irtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 41 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 4.4.9 Ungarn 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj 0,6 -7,0 BIP pro Kopf $ 15.574 12.881 Bevölkerung Mio. 9,9 9,9 Arbeitslosenrate % 7,8 9,9 Inflationsrate % 6,1 4,0 Außenwirtschaft Leistungsbilanzsaldo % des BIP -8,4 -2,0 Auslandsschulden % des BIP 106 118 Kurzfristige Auslandsschulden Mrd. $ 16 9 Schuldendienst Mrd. $ 45 44 " in % der Deviseneinnahmen % 32 42 Liquiditätsposition Q4 2008 Q1 Währungsreserven Mrd. $ 33,8 36,9 " in % der Importe % 22 19 Schulden bei BIZ-Banken Mrd. $ 93,9 90,5 Guthaben bei BIZ-Banken Mrd. $ 11,8 19,1 s=Schätzung, p=Prognose 2010p 2011p -1,0 2,6 13.276 13.912 9,9 9,9 11,0 10,0 3,3 2,5 -2,5 -3,0 111 107 8 8 43 40 37 31 2009 Q2 2009 Q3 2009 37,9 44,7 20 24 93,2 ... 18,1 ... Quellen: EIU, EcoWin, BIZ, IWF, Helaba Volksw irtschaft/Research 4.4.10 Tschechien 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj 2,3 -4,3 BIP pro Kopf $ 21.168 18.716 Bevölkerung Mio. 10,2 10,2 Arbeitslosenrate % 5,4 8,1 Inflationsrate % 6,4 1,0 Außenwirtschaft Leistungsbilanzsaldo % des BIP -3,1 -1,8 Auslandsschulden % des BIP 37 40 Kurzfristige Auslandsschulden Mrd. $ 24 21 Schuldendienst Mrd. $ 18 18 " in % der Deviseneinnahmen % 10 14 Liquiditätsposition Q4 2008 Q1 Währungsreserven Mrd. $ 36,6 36,5 " in % der Importe % 20 19 Schulden bei BIZ-Banken Mrd. $ 48,9 44,4 Guthaben bei BIZ-Banken Mrd. $ 21,0 19,3 2010p 2011p 1,5 2,3 19.726 20.565 10,2 10,2 9,5 9,0 1,5 2,0 -2,0 -2,4 39 40 20 21 16 17 12 11 2009 Q2 2009 Q3 2009 38,0 40,6 20 21 48,2 ... 21,3 ... s=Schätzung, p=Prognose Quellen: EIU, EcoWin, BIZ, IWF, Helaba Volksw irtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 42 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 4.4.11 Russland 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj 5,6 -7,5 BIP pro Kopf $ 11.822 9.262 Bevölkerung Mio. 141,8 141,4 Arbeitslosenrate % 6,4 8,6 Budgetsaldo % des BIP 3,8 -7,7 Inflationsrate % 14,1 11,9 Außenw irtschaft Leistungsbilanzsaldo % des BIP 6,1 3,2 Auslandsschulden % des BIP 29 34 Kurzfristige Auslandsschulden Mrd. $ 70 67 Schuldendienst Mrd. $ 68 63 " in % der Deviseneinnahmen % 11 17 Liquiditätsposition Q4 2008 Q1 Währungsreserven Mrd. $ 412,5 368,1 " in % der Importe % 84 109 Schulden bei BIZ-Banken Mrd. $ 180,6 165,8 Guthaben bei BIZ-Banken Mrd. $ 131,1 146,1 s=Schätzung, p=Prognose 2010p 2011p 2,0 3,0 10.637 11.772 141,0 140,5 8,4 7,7 -6,0 -5,5 8,6 8,2 3,0 2,2 31 30 75 84 63 72 14 16 2009 Q2 2009 Q3 2009 396,0 394,6 118 117 167,1 ... 129,4 ... Quellen: EIU, IWF, BIZ, Helaba Volksw irtschaft/Research 4.5 Asien 4.5.1 Japan 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj -0,7 -5,3 BIP pro Kopf $ 38.566 39.427 Bevölkerung Mio. 127,3 127,1 Arbeitslosenrate % 4,0 5,6 Budgetsaldo % des BIP -2,7 -7,7 Inflationsrate % 1,4 -1,3 Außenw irtschaft Leistungsbilanzsaldo % des BIP 3,2 2,6 Auslandsguthaben Mrd. $, netto 2.485 … Saldo Kapitaleinkommen Mrd. $ 152,3 145,7 Marktprognosen \* aktueller Stand \*\* Q1 2010 Q2 JPY je USD 89 102 109 JPY je EUR 133 138 142 BoJ-Leitzins 0,10 0,10 0,10 2010p 2011p 1,7 0,9 40.444 41.343 126,8 126,5 6,0 6,0 -8,4 -6,2 -0,8 0,0 2,4 2,0 …… 137,2 130,4 2010 Q3 2010 Q4 2010 104 99 140 138 0,10 0,10 Rendite 10-jähr. JGB 1,31 1,6 1,7 1,6 1,5 s=Schätzung, p=Prognose \* Periodenende; \*\* 17.11.2009 Quellen: EIU, EcoWin, Helaba Volksw irtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 43 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 4.5.2 China 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj 9,0 8,2 BIP pro Kopf $ 3.325 3.660 Bevölkerung Mio. 1.328 1.334 Arbeitslosenrate % 9,2 10,3 Budgetsaldo % des BIP -0,4 -3,8 Inflationsrate % 5,9 -0,8 Außenw irtschaft Leistungsbilanzsaldo % des BIP 9,6 6,3 Auslandsschulden % des BIP 9 7 Kurzfristige Auslandsschulden Mrd. $ 214 195 Schuldendienst Mrd. $ 34 34 " in % der Deviseneinnahmen % 2 2 Liquiditätsposition Q4 2008 Q1 Währungsreserven Mrd. $ 1.946,0 1.953,7 " in % der Importe % 150 167 Schulden bei BIZ-Banken Mrd. $ 153,7 139,3 Guthaben bei BIZ-Banken Mrd. $ 235,9 244,4 s=Schätzung, p=Prognose 2010p 2011p 9,2 8,8 4.405 4.830 1.339 1.346 10,3 9,8 -3,7 -2,6 2,7 3,3 4,5 3,9 7 7 231 261 28 32 2 2 2009 Q2 2009 Q3 2009 2.131,6 2.272,6 182 195 149,5 ... 206,3 ... Quellen: EIU, EcoWin, BIZ, IWF, Helaba Volksw irtschaft/Research 4.5.3 Indien 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj 6,1 6,0 BIP pro Kopf $ 1.049 1.098 Bevölkerung Mio. 1.148 1.166 Arbeitslosenrate % 10,4 10,8 Budgetsaldo % des BIP -6,2 -8,0 Inflationsrate % 8,3 10,2 Außenw irtschaft Leistungsbilanzsaldo % des BIP -3,0 -0,2 Auslandsschulden % des BIP 20 18 Kurzfristige Auslandsschulden Mrd. $ 62 61 Schuldendienst Mrd. $ 37 31 " in % der Deviseneinnahmen % 10 10 Liquiditätsposition Q4 2008 Q1 Währungsreserven Mrd. $ 247,4 242,3 " in % der Importe % 63 80 Schulden bei BIZ-Banken Mrd. $ 134,8 128,7 Guthaben bei BIZ-Banken Mrd. $ 44,9 51,0 2010p 2011p 7,7 8,0 1.370 1.501 1.184 1.202 11,2 10,9 -7,2 -6,7 8,8 5,5 0,0 -0,7 16 15 76 92 29 31 9 8 2009 Q2 2009 Q3 2009 255,2 … 84 … 126,2 ... 50,7 ... s=Schätzung, p=Prognose Quellen: EIU, EcoWin, BIZ, IWF, Helaba Volksw irtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 44 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden 4.5.4 Südkorea 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj 2,2 0,4 BIP pro Kopf $ 18.881 16.915 Bevölkerung Mio. 49,2 49,4 Arbeitslosenrate % 3,2 3,8 Budgetsaldo % des BIP 1,2 -3,9 Inflationsrate % 4,7 2,8 Außenw irtschaft Leistungsbilanzsaldo % des BIP -0,7 5,2 Auslandsschulden % des BIP 40 42 Kurzfristige Auslandsschulden Mrd. $ 151 142 Schuldendienst Mrd. $ 55 50 " in % der Deviseneinnahmen % 10 11 Liquiditätsposition Q4 2008 Q1 Währungsreserven Mrd. $ 201,1 206,3 " in % der Importe % 36 50 Schulden bei BIZ-Banken Mrd. $ 186,0 168,0 Guthaben bei BIZ-Banken Mrd. $ 58,1 55,3 s=Schätzung, p=Prognose 2010p 2011p 5,1 3,5 19.829 20.927 49,5 49,6 3,8 3,7 -4,2 -2,4 2,7 2,7 3,7 2,7 37 40 151 188 54 51 11 10 2009 Q2 2009 Q3 2009 231,7 249,4 56 61 180,9 ... 58,1 ... Quellen: EIU, EcoWin, BIZ, IWF, Helaba Volksw irtschaft/Research 4.6 Brasilien 2008 2009s Binnenwirtschaft Reales BIP-Wachstum % gg Vj 5,1 0,0 BIP pro Kopf $ 8.209 8.077 Bevölkerung Mio. 192 194 Arbeitslosenrate % 7,9 8,4 Budgetsaldo % des BIP -1,5 -3,2 Inflationsrate % 5,7 4,9 Außenw irtschaft Leistungsbilanzsaldo % des BIP -1,8 -1,0 Auslandsschulden % des BIP 15 14 Kurzfristige Auslandsschulden Mrd. $ 40 33 Schuldendienst Mrd. $ 64 54 " in % der Deviseneinnahmen % 26 26 Liquiditätsposition Q4 2008 Q1 Währungsreserven Mrd. $ 192,8 189,4 " in % der Importe % 70 85 Schulden bei BIZ-Banken Mrd. $ 155,3 140,7 Guthaben bei BIZ-Banken Mrd. $ 63,8 63,8 2010p 2011p 4,0 3,5 9.145 9.285 197 199 7,8 7,3 -3,0 -2,5 4,2 4,0 -2,1 -3,1 13 13 40 44 49 51 21 21 2009 Q2 2009 Q3 2009 200,5 221,2 90 99 153,8 ... 58,8 ... s=Schätzung, p=Prognose Quellen: EIU, IWF, BIZ, Helaba Volksw irtschaft/Research ■ Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009· © Helaba 45 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Adressen der Landesbank Hessen-Thüringen Hauptsitze Frankfurt am Main MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-01 Telefax 0 69/29 15 17 Erfurt Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-71 00 Telefax 03 61/2 17-71 01 Niederlassungen Kassel Ständeplatz 17 34117 Kassel Telefon 05 61/7 06-60 Telefax 05 61/7 06-8 65 72 Dublin PO Box 3137 5 George’s Dock IFSC Dublin 1 Irland Telefon +35 31/6 46 09 02 Telefax +35 31/6 46 09 99 London 3rd Floor 95 Queen Victoria Street London EC4V 4HN Großbritannien Telefon +44 20/73 34-45 00 Telefax +44 20/74 89-03 76 New York 420, Fifth Avenue New York, N.Y. 10018 USA Telefon +12 12/7 03-52 00 Telefax +12 12/7 03-52 56 Niederlassungen Paris 118, Avenue des Champs Elysées 75008 Paris Frankreich Telefon +33 1/40 67-77 22 Telefax +33 1/40 67-91 53 Repräsentanzen Madrid (für Spanien und Portugal) General Castaños, 4 Bajo Dcha. 28004 Madrid Spanien Telefon +34 91/39 11-0 04 Telefax +34 91/39 11-1 32 Moskau Naberezhnaya Tarasa Shevchenko 23a Sektor B, 20th Floor 121151 Moskau Russland Telefon +7 495 730-08-01 Telefax +7 495 730-08-02 Shanghai 6450, Shanghai World Financial Center 100 Century Avenue Shanghai 200120 China Telefon +86 21 68 77 77 00 Telefax +86 21 68 77 77 09 Immobilienbüros Berlin Potsdamer Platz 9 10117 Berlin Telefon 0 30/2 06 18 79-50 Telefax 0 30/2 06 18 79-69 Immobilienbüros München Brienner Straße 29 80333 München Telefon 0 89/5 99 88 49-11 Telefax 0 89/5 99 88 49-10 Teilrechtsfähige Anstalt Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen Strahlenbergerstraße 11 63067 Offenbach am Main Telefon 0 69/91 32-01 Telefax 0 69/91 32-24 83 Auswahl der Beteiligungs- und Tochtergesellschaften Frankfurter Sparkasse Neue Mainzer Straße 47-53 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/26 41-0 Telefax 0 69/26 41-29 00 1822direkt Gesellschaft der Frankfurter Sparkasse mbH Borsigallee 19 60388 Frankfurt am Main info@1822direkt.com Telefon 0 69/9 41 70-0 Telefax 0 69/9 41 70-71 99 Frankfurter Bankgesellschaft AG JUNGHOF Junghofstraße 26 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/1 56 86-0 Telefax 0 69/1 56 86-1 40 Helaba Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH JUNGHOF Junghofstraße 24 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/2 99 70-0 Telefax 0 69/2 99 70-6 30 Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009 · © Helaba 46 Auswahl der Beteiligungs- und Tochtergesellschaften Helaba Trust Beratungs- und Management-Gesellschaft mbH JUNGHOF Junghofstraße 24 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/2 99 70-0 Telefax 0 69/2 99 70-1 94 HANNOVER LEASING GmbH &amp; Co. KG Wolfratshauser Straße 49 82049 Pullach Telefon 0 89/2 11 04-0 Telefax 0 89/2 11 04-2 10 GWH Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft mbH Hessen Westerbachstraße 33 60489 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 75 51-0 Telefax 0 69/9 75 51-1 50 OFB Projektentwicklung GmbH Myliusstraße 33-37 60323 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 17 32-01 Telefax 0 69/9 17 32-7 07 LB Immobilienbewertungs- gesellschaft mbH MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 20 34-57 00 Telefax 0 69/9 20 34-50 58 GGM Gesellschaft für Gebäude- Management mbH Neue Rothofstraße 12 60313 Frankfurt am Main Telefon 0 69/77 01 97-0 Telefax 0 69/77 01 97-77 Auswahl der Beteiligungs- und Tochtergesellschaften Helaba Dublin Landesbank Hessen-Thüringen International PO Box 3137 5 George’s Dock IFSC Dublin 1 Irland Telefon +35 31/6 46 09 00 Telefax +35 31/6 46 09 99 Helaba International Finance plc PO Box 3137 5 George’s Dock IFSC Dublin 1 Irland Telefon +35 31/6 46 09 01 Telefax +35 31/6 46 09 99 LB(Swiss) Privatbank AG Börsenstraße 16 8022 Zürich Schweiz Telefon +41 44/2 65 44-44 Telefax +41 44/2 65 44-11 Kapitalmarktausblick 2010: Gala mit Alltagshelden Helaba Volkswirtschaft/Research · Dezember 2009 · © Helaba 47 Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-20 24 Telefax 0 69/91 32-22 44 Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-71 00 Telefax 03 61/2 17-71 01 www.helaba.de
